Zeugnis ablegen – Erlebnisberichte schreiben

Es haben spontan bereits Hunderte von „Verschickungskindern“ ihre Erlebnisse in Verschickungsheimen geschildert.

Hier:  www.anjaroehl.de/verschickungsheime/

und hier: http://www.anjaroehl.de/wyk-auf-fohr-–-verschickung-erinnerung-und-schmerz/

Allein die Sammlung auf der obigen Seite, die nur eine von vielen ist, enthält fast nur traumatische Erinnerungen.

Die Berichte sind klar, detailreich und sachlich. Eine Veröffentlichung ist geplant. Wer daran mitwirken will, kann spontan auch hier, auf der neuen Seite, über die Kommentarfunktion erzählen.

Die bisherigen Berichte sind erschütternd und aufgrund ihres Detailreichtums absolut glaubwürdig. Sie werfen ein Licht auf die Auswirkungen falscher und krankmachender Erziehungsvorstellungen innerhalb von gewalttätig strukturierten Institutionen in der Phase des Postfaschismus.

Bei den Tätern handelt es sich um noch unter den Nazis ausgebildetes Pflege-Personal, oft ohne jede pädagogische Ausbildung, sowie bei den „Jüngeren“ um die “Kriegs- und Hitlerkinder“, die während der Nazizeit ihre Kindheit, Schulausbildung und Hitler-Erziehung erleben mussten und damit selbst bis in die Tiefen ihres Unbewussten hinein geschädigt waren.

Pflegerinnen noch mit NS-Ausbildung

Sigrid Chamberlain(1) wies nach, dass die Erziehungsvorschriften der Nazis, wie sie in dem Buch der Säuglingspflege-Ausbilderin Johanna Haarer beschrieben und propagiert wurden, in jedem Punkt den Forschungen der Säuglingsbindungstheorie widersprachen. Sie haben danach schwerste psychopathologische Folgen für die betreffenden Kinder gehabt. Damit wurden diese Kinder anfällig dafür, selbst diese Art „Erziehung“, die im Wesentlichen aus Quälerei und Sadismen bestand, anzuwenden. Diese Nazikinder sind in den 60er Jahren herangewachsen. Sie hatten oftmals das Gefühl der Einfühlung in Kinderseelen verloren.

Legt Zeugnis ab!

Wer seine Erlebnisse schildert und sie damit der Öffentlichkeit freigibt, legt Zeugnis ab und hilft mit, dass wir Glaubwürdigkeit bekommen und unsere Erlebnisse nicht als Einzelfälle verharmlost werden können. Großes Danke an alle, die uns damit ihr Vertrauen erweisen und hier schreiben!

Alle, die ihre Erlebnisse in Verschickungsheimen neu und erstmalig schildern wollen, können dies ab jetzt hier auf dieser Seite unter der Kommentarfunktion auch tun.

Die Schilderungen werden nicht persönlich beantwortet, da sie als eine Art Quellensammlung dienen. Die Kommentierenden werden in einen Verteiler aufgenommen und bekommen in Abständen Sammelbriefe.

Alle, die auf der früheren Seite schon geschrieben haben, dort mit Menschen schon in Kontakt getreten sind, die dort auch geschrieben haben, erledigen diese Kontaktpflege noch ein wenig auf der alten Seite, wechseln aber mit neuen Aspekten, Gedanken und Schilderungen auf die neue Seite. Beide Seiten bleiben bestehen. Eine Verlinkung ist in Arbeit.

Alle Kommentierenden werden von Anja Röhl In einen Verteiler aufgenommen und irgendwann per Sammelmail angeschrieben. Wenn sie wollen, werden sie so, von da ab, Teil der „Verschickungskinder-Initiative“.

Schilderungen per Post haben den Nachteil, dass sie nicht in den Gesamttext aller Fallgeschichten aufgenommen werden können, ohne dass sie einer abschreiben muss. Das ist sehr mühselig.

Fotos bitte fotografieren oder einscannen und per Mail schicken, mit Beschriftung und Namen versehen, Danke!

Kontakt über: info@verschickungsheime.de

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(1) https://www.psychosozial-verlag.de/catalog/rezensionen.php?id=614&return=658

5 comments to “Zeugnis ablegen – Erlebnisberichte schreiben”
  1. Ich möchte hier an die Kommentare von http://www.anjaroehl.de/verschickungsheime/
    anschließen:

    Hallo zusammen, ich (m, 54) hatte im Juli 1971 das zweifelhafte ‚Vergnügen‘, im Rahmen einer ‚Erholungskur‘ vor der Einschulung 6 Wochen im Kinderheim St. Antonius in Ratzenried/Kreis Argenbühl gewesen zu sein.
    https://oldthing.de/Ratzenried-Kinderheim-St-Antonius-Kat-Argenbuehl-0023655755
    https://oldthing.de/AK-Ratzenried-Kinderheim-StAntonius-mit-Teich-0015909608
    Meine Erinnerungen an den Aufenthalt dort sind sehr lückenhaft und rudimentär, aber Angst und Schrecken angesichts der ‚Erziehungsmethoden‘, die dort vorherrschten, habe ich nur sehr schlecht verkraftet. Die schrecklichen Erinnerungen wabern quasi im Untergrund vor sich hin und sind für mich nicht wirklich greifbar, aber dennoch emotional stets präsent wie eine Art Lähmung.
    Ich habe die vielen Kommentare hier gelesen und kann generell sagen, daß ich mich an die sadistischen Quälereien wie Essenszwang, Ruhezwang nach dem Essen, nicht-Pinkeln-dürfen und/oder nur unter Kontrolle pinkeln dürfen (Nonne als Wachposten vor der Tür) und drakonische Strafen bei ‚abweichendem‘ Verhalten erinnern kann, natürlich auch an die große Einsamkeit und Ohnmacht angesichts der Hilflosigkeit gegenüber all diesen Zumutungen. Trotzdem habe ich stets das Gefühl, daß da noch mehr gewesen ist, das ganz tief verschüttet irgendwo im Unterbewußtsein schlummert, vielleicht weil die Erinnerung daran zu traumatisch ist.
    Ich würde an dem Punkt gerne weiterkommen und erfahren wollen, was dort wirklich geschah. Gibt es jemanden unter euch, der auch dort untergebracht war, evtl. auch länger? Ihr könnt mich gerne unter der u.g. Mailadresse kontaktieren.
    Vielen Dank für eure Rückmeldung! Viele Grüsse, TiBi
    KontaktMail: TiBi.1964@posteo.de

    P.S. Bei eBay kann man unter ‚Sammeln und Seltenes – Ansichtskarten‘ einige alte Bilder von den bekloppten Heimen sehen, das hilft u.U. bei der Erinnerung. Ich habe vom Kinderheim Ratzenried selbst eine alte Postkarte, die ich damals an meine Eltern nachhause schickte, die kann ich Interessierten gerne einscannen und zusenden.

  2. Im April 1950 wurde ich eingeschult und 1951/1952 kam ich ins Sylter Kinderheim (Westerland). Schon die Hinreise war für mich ein Horror ohne Betreuung. Ich wurde irgendwo in einen Zug gesetzt und an der Endstation Westerland wieder rausgeholt. An das Heim hatte ich immer die Erinnerung, dass es ein wunderschöner Klinkerbau mit Türmchen jeweils rechts und links. Meine Erinnerung an die Heimleitung: Tante Inge und Onkel Fritz ist bis heute negativ. Ich hatte schreckliches Heimweh und war oft am weinen. Zur Strafe wurde ich deshalb oben auf dem Dachboden eingesperrt. Ob diese „Strafe“ nun wegen meiner Heulerei war oder aber auch weil ich die „Milchsuppe mit Nudeln“ verweigerte, kann ich nicht mehr nachvollziehen. Ich weiß auch nicht mehr ob ich Schläge bekommen habe, aber irgendwas muss mir ja Angst eingeflößt haben, dass ich dieses eingesperrt sein bis heute nicht vergessen habe und Panik bekomme in engen Räumen. Ein weiteres gruseliges Erlebnis war das Südwäldchen. Dort habe ich mich während einer Schnitzeljagd verlaufen und konnte die anderen Kinder nicht wieder finden. Zu Ostern gab es für die anderen Post und Geschenke…ich bekam nichts. Es war den Eltern eigentlich untersagt Kontakt mit den Kindern aufzunehmen…aber an dieses Verbot haben sich scheinbar nur meine Elten gehalten. Die anderen Kinder saßen auf ihren Betten, packten ihre Geschenke aus und waren glücklich…und ich heulte. Also wieder auf den Dachboden!!! Jahrelang hatte ich keine Bedürfnis gehabt die Insel Sylt je wieder zu sehen. Irgendwann beschloss ich mein Sylt-Trauma zu bewältigen und fuhr 2004 das erste Mal auf die Insel. Die Enttäuschung war groß…wo war das Kinderheim? Niemand konnte mir genaueres darüber sagen. Erst im Sylter Stadtarchiv habe ich dann Fotos von dem Heim gefunden, aber keiner konnte mir niemand sagen, wo es gestanden hatte. Ich wusste nur, dass es oberhalb der Promenade (Luftlinie hinter der Konzertmuschel) war. Erst letztes Jahr 2018 hat mir jemand in etwa Auskunft über die Lage des Hauses geben können. Dieses Jahr im März 2019 bin ich nochmals ins Stadtarchiv gegangen und zufällig einen älteren Einheimischen getroffen, der mir genaueres sagen konnte. Nun bin ich beruhigt und muss nicht mehr weiter suchen. Das Sylt Trauma ist bewältigt und ich bin seit 2004 jedes Jahr auf der Insel. Schade, dass es die wunderbaren Gebäude nicht mehr gibt…sie sind dem riesigen Hotelklotz oberhalb der Promenade zum Opfer gefallen.
    Ich würde gerne wissen, ob es noch weitere Personen auf diesem Forum gibt, die auch in diesem Kinderheim waren. Bitte melden! Danke und Tschüss…

  3. Ich heiße Sabine.G
    bin 52 Jahre alt ,und bin sehr froh endlich eine Seite gefunden zu haben. Es quält mich schon lange mit den wissen ein versickungskind zu sein ! Meine Erinnerung sind auch lückenhaft ,aber mit vier Jahren ging es das erstmal von zuhause weg ohne Kontakt mit zuhause für 3-4 Wochen wo das war weiß ich nicht mehr aber ich besitze noch Fotos davon . ich leide heute noch unter Verlust Ängste.Und so ging ein Jahrzehnt los stäntige Aufenthalte in So genannte Kurheime oft 2mal im Jahr wegen Gewichtszunahme 6Wochen ohne Mutter und Erzeuger viel musste ich erleben Essen zwang Schlafentzug .ich kann das alles gar nicht alles aufschreiben .Viellleicht finden sich ja Menschen die das Kurheim Am Meer : in Cuxhafen Duhnen kennen ,so in den Zeitraum 1974 bis 1982:

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