Gedenkstätte in Wyk auf Föhr aufgestellt, Einweihung am 21.11. um 14 Uhr
Foto: Markus Thiessen
Pünktlich zum Bundeskongress der Verschickungskinder: Nach langen Verhandlungen, vielen Briefen, Gesprächen und Recherchen seit 2004, 2019, 2020, vielen Anfragen zahlreicher Menschen, zahlloser Geschichten und Berichten von Betroffenen ehemaligen Verschickungskinder über das Leid, was sie dort erfahren haben, und einer jahrelangen mühevollen Arbeit der Heimortgruppe Wyk auf Föhr, die aus über 80 Menschen besteht, ist nun endlich Wahrheit geworden, was wir uns gewünscht haben: Eine Gedenkstätte für das Leid der Verschickungskinder in Wyk auf Föhr.
Der Inselbildhauer Markus Thiessen kam mit einem großen Kran und hievte das Werk seiner wochenlangen Arbeit auf den vorher in die Erde gestellten Sockel. Zuschauergruppen umringten ihn, Touristen fragten, Stadtvertreter versammelten sich, Betroffenheit auf allen Seiten… aber der Bildhauer brauchte all seine Konzentration um den Stein aufzustellen, da wollte er keine Zuschauer.
Das Werk wird am 21.11. 26 um 14 Uhr, anlässlich unseres jährlichen bundesweiten Kongresses über „Das Elend der Verschickungskinder“ feierlich mit allen Beteiligten unseres Kongresses, Presse- und Verwaltung, sowie Trägervertretern offiziell eingeweiht.
Der Gedenkstein für die Verschickungskinder wurde ermöglicht von der Region Uthlande, der Ballinstiftung in Hamburg, dem DRK Schleswig-Holstein, der Diakonie Nord und dem Bezirk Schöneberg in Berlin. Die Sponsoren wollen damit ihre historische Verantwortung für die damals in ihren Heimen herschenden Zustände, die das Leid der Kinder hervorgerufen haben, übernehmen. Sie wissen, dass sie, was den Kindern geschah, damit nicht wieder gut machen können, aber sie sehen es als eine Geste der Anerkennung und des Respekts an, mit diesem Gedenkstein einen ersten Schritt zu einer Gedenkstätte gestiftet zu haben, die den Betroffenen, die auf dieser Insel Leid erfahren haben, sagt: Wir wissen um Euer Leid, wir erkennen es an! Ihr seid nicht allein gewesen, ihr seid nicht schuld gewesen!
Es gab in Wyk auf Föhr insgesamt, über die Jahre 1947 bis 1990 über 80 Häuser, die die 6-Wochenkuren für Verschickungskinder angeboten und durchgeführt und damit Geld verdient haben, In Wyk auf Föhr waren die Einnahmen aus dieser Verschickung in den 60er Jahren der größte Posten des Bruttosozialprodukts der Insel. Die Kinder wurden ab dem 2. Lebensjahr und jünger, meist im Vorschul- und frühen Schulalter, bis zum 11. /12. Lebensjahr allein, ohne ihre Eltern, und ohne Elternkontakt (Es gab Elternbesuchsverbot und zensierten Briefverkehr) über viele Wochen, Monate und sogar Jahre (im Haus Schöneberg) dort in großen Bettenhäusern untergebracht. Die überprüfenden Jugendämter klagen in den Akten über zu wenig Personal, vor allem den Mangel an Fachpersonal, über zu wenig Platz zum Spielen, über Überbelegung im Sommer und über zahllose weitere Mängel. Die Heimbetreiber strebten möglichst alle an, als Sanatorien anerkannt zu werden, weil dann die „lästigen“ Überprüfungen der Jugendämter wegfielen. Einmal sollte der Bürgermeister sogar 10.000 DM dafür bekommen, dass er mehrere Häuser als Krankenhäuser anerkannte, obgleich darin überhaupt kein Krankehausbetrieb vor sich ging, aber er war erbost und weigerte sich! Die Betreiber drohten ihm. Man sieht, es war ein Geschäftsmodell mit der Ware Kind. Auch beschwerten sich mehrmals Urlauber, dass Kinder auf die Insel gefesselt auf der Fähre transportiert wurden. All das und noch mehr haben wir in Akten über diese Zeit gefunden!

Offiziellen Einweihung der Gedenkstele
Kommt gern zur am 21.11.26 um 14 Uhr ans Hochufer, Ende der Gmelinstraßße, Ecke Badestraße, Südstrand der Küstenpromenade, in 25938 Wyk auf Föhr und natürlich auf unseren, diese Einweihung begleitenden
Wir danken den folgenden Sponsoren:
Diakonie Nord,
DRK Landesverband Schleswig-Holstein,
dem Bezirksamt Schöneberg-Tempelhof,
der Ballinstiftung und der Region Uthlande
Wir würden uns sehr freuen, wenn sich diesen fünf großen Sponsoren noch weitere der zahllosen Trägerorganisationen der über 80 Heime auf der Insel anschließen würden, denn keineswegs fanden die schlimmen Zustände sich nur in den Verschickungsheimen dieser fünf Trägerinstitutionen! Uns liegen viele weitere Zeitzeugnisse vor, hier finden sie allein die öffentlich, nur auf unserer Seite eingestellten Zeugnisse. Bis zur Einweihung im November können sich diesen Spendern noch viele weitere anschließen. Alle Spender werden zur feierlichen Eröffnung eingeladen. Melden Sie sich, wenn Sie noch eine Trägerorganisation von einem früheren Verschickungsheim auf Föhr waren, gern bei uns, wir nehmen Sie gern noch auf, über: AEKV@verschickungsheime.de



