Suchen Sie in den Erinnerungen anderer Verschickungskinder nach ihrem Heim

32 Ergebnisse für: kreuznach

Katja Böger - 2025-10-25
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1978
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Hallo zusammen,
ich war 1978 im Viktoriastift in Bad kreuznach. Mein Name war damals Katja Zimmermann. Ich war zum Zeitpunkt der 100-Jahr-Feier dort und gehörte zu dem Chor, der auf der Eingangstreppe zum Jubiläum gesungen hat.
Ich erinnere mich leider nicht gern an diese
Zeit.
Ich würde mich freuen, mich mit euch auszutauschen.
Liebe Grüße
Katja

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Marcel C - 2025-07-10
Verschickungsheim: Bad kreuznach Viktoria Stift Klinik
Zeitraum-Jahr: 1991
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Als ich 4 Jahre alt war kurz vor meinem 5. Lebensjahr kam ich
1991 im Sommer für ganze
6 Wochen über mein Geburtstag hinweg in Bad kreuznach in die Viktoria Stift Klinik.

Ich komme ursprünglich aus Fellbach und meine Eltern brachten mich zum Stuttgarter Hauptbahnhof, als ich im Zug war schaute ich aus dem Fenster des Zuges zu meiner Mutter die zu mir winkte als der Zug abfuhr.

Ich dachte warum kommen meine Eltern nicht mit und ich sehe sie bestimmt nie wieder.

In der Klinik fing dann der Horror an, ich kann mich noch ein ein paar Begebenheiten erinnern.

Es gab eine Brechbohnen Suppe und welches Kind mag den schon gerne Bohnen. Ich musste solange am Tisch sitzen bleiben bis ich die Bohnensuppe gegessen hatte, es waren bestimmt 2-3 Stunden wo ich am Tisch saß und nicht aufstehen durfte.
Alle anderen Kinder durften spielen gehen nur ich nicht.
Am anderen Tischende war ein Pfleger der ein Mädchen unter ihren Armen trug und hoch in die Luft gehalten hatte und mit ihr gespielt hatte und ich musste mir das anschauen und dürfte nicht weg.

Nachtisch gab es auch nicht immer und auch nicht für jeden. Es gab mal nach dem Mittagessen Eis, der Pfleger brachte das Eis in einem Karton und sagte es gebe endlich mal wieder Nachtisch aber nicht für jeden, der Pfleger nahm das Eis und so mussten uns danach strecken und darum kämpfen, manche Kinder bekamen ein Eis und manche gingen leer aus.

Meine Eltern hatten mir im originalen gelben Karton von DHL/ Deutsche Post was geschickt mit lauter Süßigkeiten und einem Stoffhasen von Steiff.
Den Karton hatten mir die Pfleger gezeigt und sagten schau mal was deine Eltern dir geschickt haben und gaben mir den Stoffhasen und meinten die Süßigkeiten würde ich von Zeit zu Zeit bekommen und haben den Karton ganz hoch auf einen Holzschrank gelegt wo man nicht ran kommt zumindest nicht als 4 jähriger ich habe kaum was von den Süßigkeiten gesehen haben bestimmt alles die Pfleger und Pflegerinnen gesessen.

Fieber wurden jeden Morgen im Po gemessen wir lagen im Bett auf dem Rücken und mussten unsere beiden Beine in die Luft strecken damit das Fieberthermometer in uns eingeführt werden konnte, es war sehr unangenehm.

Zäpfchen bekamen auch einige von uns und einige auch Windeln wurden gleich im Bett gewickelt.

Es waren alles Reihenbetten aus Holz. Die Betten Jungs und Mädchen waren strikt getrennt.

Die hatten auch ein Bettkäfig gehabt auf Rollen, es war ein Vollkäfig Bett mit weißen Gitterstäben und einer Matratze und Bettbezug, Bettdecke und Kopfkissen drin.

Der Bettkäfig war so beschaffen das man nicht selber raus gehen konnte er wurde von außen verriegelt und abgeschlossen.
Er war so hoch konstruiert damit man auch nicht selber einsteigen konnte eben ein Gefängnis auf Rädern

Nervende, laute, störende und sehr lebhafte Kinder kamen halt in diesen Bettkäfig rein unter anderem sehr oft auch ich.
Wir bekamen bevor es in den Bettkäfig ging meisten Windeln und wurden vor anderen gewickelt und danach wenn es aus dem Käfig ging saubergemacht.
Wir wurden dann meistens abgesondert vor allem Nachts von den anderen Kindern in diesen Käfig gebracht, der wurde zugeschlossen und wir wurden dann über Nacht in dem Bettkäfig raus auf den Flur in den gestellt.
Ich konnte mich nur wie ein Affe an den oberen Stäben dran hängen, festhalten und mehr war nicht. Ich wurde auch am ab und zu auch am Tage in diesen Bettkäfig eingesperrt und alle Mädchen und Jungs sowie die Pfleger versammelt sich schauten mich an und gingen dann los und wandern, spielen oder raus ich blieb allein in diesem Käfig zurück.

Ich war aber nicht der einzige der in diesem Käfig gesteckt wurden bin, ein anderer Junge ereilte das gleiche Schicksal wie ich und kam auch in diesen Bettkäfig er hatte geschrien wie am Spieß.

Ich weiß nicht mehr wie viele Kinder zu meiner Zeit in diesen Bettkäfig rein kamen.

Nachts als ich im Bettkäfig draußen auf dem langen Korridor war sind ein paar Pfleger mit Bettlaken als Geister verkleidet durch die Gänge gewandert ich hatte da Todesangst und konnte nicht weg.

Meine Eltern kamen zum Besuch aber Eltern durften die Klinik nicht besuchen als kam ich um Parkplatz in der wurde ich auch krank und war erkältet und meine Mutter meine zu meinem Vater das irgendetwas mit dem Jungen sei aber holten mich nicht aus der Klinik raus.

Es wurden auch Qual oder Todesmärsche gemacht, also Wandern bis zur Erschöpfung, einige von den Kindern konnten nicht mehr und haben sich mitten auf den Wegen und Asphalt gesetzt um sich zu erholen und wurden von den anderen Kindern motiviert weiter zu gehen.

Ich hatte mich mit einem Mädchen angefreundet und habe mich damals heimlich nachts zu den Mädchen geschlichen und war mit ihr nachts in der Klinik auf Wanderschaft, sie hatte eine Puppe gehabt wo man den Bauch gedrückt hatte, began der Kopf zu leuchten dies nutzten wir als Taschenlampe, sie musste dringen auf die Toilette gehen Pinkeln und hielt die Puppe fest und machte so Licht.

Eine Nachtschwester mit blonden Haaren die war sehr nett und sehr lieb, ich glaub ich die war auch die einzige da drin.

Das ist alles was ich noch weiß und worüber ich erzählen kann aus meiner Erinnerung über diesen Alptraum der mich noch teilweise bis heute verfolgt und begleitet.

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Ich bin mit 4 Jahren, nach einer Lungenentzündung, nach Bad kreuznach gekommen. Als erstes wurde mir, von anderen Kindern, gesagt nachts dürfe ich nicht die Arme unter die Bettdecke legen. Ich hatte schrecklich Angst einzuschlafen weil ich mit dem Stock Prügel bekam wenn die Hände unter der Bettdecke waren oder wenn ich ins Bett gemacht hatte. Ich kam nach der Prügel alleine in einen dunklen Raum und bekam kein Essen. Wir wurden gezwungen unser Essen zu essen. Ich musste alleine am Tisch sitzen bleiben bis der Teller leer war. Manchmal musste ich alles wieder raus brechen das kam dann auf den Teller und ich musste es mitessen. Wenn ich heute an die Zeit denke, auch jetzt beim Schreiben muss ich weinen und fühle im Bauch die schreckliche Angst.

In Bad Marienberg war es genauso.

In Cuxhaven mussten wir uns in einer Reihe aufstellen und bekamen mit dem Stock auf die Finger wenn wir nicht essen wollten.
Wenn ich aus Angst nachts ins Bett gemacht hatte musste ich die nächste Nacht an der Wand stehen und im Stehen schlafen.

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Daniela - 2024-09-03
Verschickungsheim: 1967 – Kinderheilstätte Donnersberg, 5 Jahre alt 1969 – St. Peter-Ording, Leitung Familie Doll, 7 Jahre alt 1970 – Kindersanatorium Waldesruh, Dausenau/Lahn, 8 oder 9 Jahre alt 1972 - Amrum, Haus Satteldüne, 10 Jahre alt 1974 – Bad kreuznach, 12 Jahre alt
Zeitraum-Jahr: 1967, 1969, 1970, 1972, 1974
Kontakt: Kontakt: Unerwünscht

1967 – Kinderheilstätte Donnersberg, 5 Jahre alt
1969 – St. Peter-Ording, Leitung Familie Doll, 7 Jahre alt
1970 – Kindersanatorium Waldesruh, Dausenau/Lahn, 8 oder 9 Jahre alt
1972 - Amrum, Haus Satteldüne, 10 Jahre alt
1974 – Bad kreuznach, 12 Jahre alt
Als ich mir einige der vielen Berichte hier durchgelesen habe, stellte ich fest, dass ich zum Teil sehr ähnliche Erfahrungen gemacht habe während den fünf 6-wöchigen Verschickungen, an denen ich aufgrund meines Asthmas teilnehmen musste. Ich kann wohl von Glück sagen, dass ich schon immer eine Frohnatur war, aufgrund der vielen Bücher, die ich las, mich als Abenteurer und tapferen Helden sah (und dazu zählten wohl auch die Gefahren eines Heimaufenthaltes, die es zu bezwingen galt). Allerdings sind auch an mir diese Aufenthalte nicht ganz spurlos vorbei gegangen und ich frage mich, ob ich einige meiner „Überlebensstrategien“ vielleicht sogar dort entwickelt habe.
Bei der ersten Verschickung war ich gerade mal 5 Jahre alt. Ich kann mich an so gut wie nichts erinnern, was in der Kinderheilstätte Donnersberg geschah. Ich weiß nur, dass es uns nicht erlaubt war, unsere eigene Puppe oder Teddybär dabei zu haben, was zu einem großen Trennungsdrama führte, als man meine Puppe meinen Eltern wieder mitgab, die mich im Auto eines Bekannten hingefahren hatten. Es gibt ein Foto, wo man uns zum Fasching angemalt hatte und man kann auf dem Foto sehen, dass ich mich sehr unwohl fühlte.
Die nächste Verschickung führte mich nach St. Peter-Ording und an diese Zeit kann ich mich noch sehr gut erinnern. Ich war mit 7 Jahren die Jüngste und wurde von den großen Mädchen gehänselt, geschubst, vom Spiel ausgeschlossen und nachts im Schlafsaal drangsaliert. Das Ehepaar, das damals das Haus leitete (ich glaube, sie hießen Doll), beschloss, dass dies eine untragbare Situation sei und nahm mich kurzerhand mit in die Privatwohnung, wo ich in der Besucherritze zwischen den beiden mit im Ehebett schlafen durfte. Morgens sprang der Dackel der Familie aufs Bett und begrüsste mich freudig. Nach anfänglicher Bedrängnis wandelte sich dieser Aufenthalt daher für mich in eine wunderschöne Zeit, dank des liebevollen Ehepaars. Ich habe noch lange Kontakt gehalten mit der Familie, erinnere mich an Telefonate aus der gelben Telefonzelle und die Frau, die mich ihre „Micky Mouse“ nannte.
Bei der nächsten Verschickung landete ich wohl mit 8 oder 9 Jahren in Dausenau an der Lahn. Seltsamerweise hat meine Mutter jahrelang bestritten, dass ich jemals dort war, bis eines Tages eine Postkarte von dort auftauchte, die ich eigenhändig geschrieben hatte. Wahrscheinlich hat meine Mutter dies verdrängen wollen, da ich offenbar dort Ärger machte. Die einzige Szene aus diesem ganzen Aufenthalt, an die ich mich nämlich erinnern kann, ist eine Fahrt auf der Lahn auf einem Ausflugschiff. Offenbar habe ich es so sehr gehasst dort, dass ich, als das Schiff in der Schleuse aufstieg über Bord und an Land gesprungen bin. Leider kam ich nicht weit, da mich ein Betreuer ganz schnell wieder einfing. Diese Situation kam mir erst Jahre später wieder ins Gedächtnis, als ich mich mit Freunden auf so einem Ausflugschiff befand und beim Auftauchen aus der Schleuse plötzlich den gleichen Blickwinkel einnahm wie damals.
Danach folgten 6 Wochen in Haus Satteldüne auf Amrum, als ich 10 Jahre war. Obwohl es teilweise eine schlimme Zeit für mich war, wollte ich immer wieder dorthin zurück in Urlaub fahren und Amrum ist bis heute meine Lieblingsinsel. Dies ist wahrscheinlich auf die lieben jungen Erzieherinnen zurückzuführen, die damals unsere Gruppe betreuten. Das Regiment führten jedoch einige Ordensschwestern, die uns ziemlich schikanierten. Es musste immer aufgegessen werden und einmal war ich so satt, dass ich nach dem Mittagessen den Schokopudding nicht aufessen konnte. Ich musste noch ganz lange sitzen und begann schon zu würgen. Als ich es dennoch nicht schaffte, aufzuessen, hat man mir zum Abendbrot kurzerhand noch einmal eine volle Schüssel Schokopudding mit dicker Haut hingestellt und zum Frühstück wiederum – während die anderen normales Essen bekamen. Das Einzige, was ich bis heute nicht essen kann und wovon mir nur beim Gedanken daran schlecht wird, ist Schokopudding. Nach dem Essen mussten alle Kinder den Kopf in den Nacken legen und dann kam eine Ordensschwester, hat uns die Nase zugekniffen und einen Löffel Lebertran in den Mund gegossen. Wenn die Schwester mal nicht da war, haben die jungen Betreuerinnen die Kinder durchgezählt und dann die Löffel abgezählt und in den Ausguss geschüttet, denn vielen wurde immer schlecht von dieser Gabe nach dem Essen und der Lebertran kam uns stundenlang immer wieder hoch.
Ich erinnere mich noch gut an die Vorbereitungen für jede Verschickung – meine Mutter musste in jedes Kleidungsstück meinen Namen einnähen, es gab dazu extra Aufnäher mit roten Druckbuchstaben. Außerdem hatte jedes Kind eine Kleiderliste im Koffer. Wir mussten nun immer in so Unterdruckkapseln sitzen, in denen ich Panik bekam, weil es so eng und dunkel darin war, komisch roch und klang. Zum Rausschauen gab es nur ein kleines Bullauge. An einem Tag kam eine der Betreuerinnen und hielt mehrere Kleidungsstücke vor das Bullauge und wollte wohl wissen, ob sie jemand von uns gehören. Ich konnte nichts erkennen, da die Sicht nach draußen sehr schlecht war und beim Verlassen der Kapsel bat ich die Erzieherin, mir die Sachen noch einmal zu zeigen. Da sagte sie, ich sei ein dummes Kind und sie habe meine Sachen in den Müll geworfen, die seien jetzt weg. Ich habe meine Kleider nie wieder bekommen.
Uns wurde auch immerzu Blut geholt und noch heute kann ich nicht hinschauen, wenn mir jemand eine Spritze in den Arm steckt oder in den Finger pieken will. Eine große starke Ordensschwester hielt mich im Klammergriff während ein Arzt mir Blut abnahm. Ich kann bis heute das Ticken der Uhr hören, die die Schwester umhängen hatte und gegen die sie mein Ohr presste, während sie versuchte, meinen Kopf so zu drehen, dass ich hinschauen musste, was der Arzt da machte.
Nachts war die schlimmste Zeit: am Abend las uns eine liebe Erzieherin immer ein Kapitel aus Tom Sawyer vor, es brannte nur noch ein Licht im Flur, wir lagen alle still im Bett und hörten andächtig zu. In dieser Zeit durfte man auch noch zur Toilette. Dann wurde auch das Licht im Flur gelöscht und die Ordensschwester schärfte uns ein, dass wir bestraft würden, wenn wir es wagten, nachts unsere Betten zu verlassen und zur Toilette zu gehen. Ich hatte in den 6 Wochen sehr oft Durchfall und schlich mich regelmäßig nachts mit Todesangst über den Flur zur Toilette und traute mich nicht, abzuziehen, da dies die Nonne auf den Plan gerufen hätte. Am Morgen war dann immer großes Geschrei, weil wieder jemand trotz Verbot aufgestanden war und man drohte uns an, dass man schon diejenige erwischen würde, die sich nachts rausschleicht. Diese Zeit hat mich tief beeindruckt, aber trotz der Schikanen wollte ich nicht mehr nachhause, weil es mir so gut gefiel.
Die letzte Verschickung fand statt, als ich etwa 12 Jahre alt war. Hier war es der Heimleiter, der uns Kinder in Angst und Schrecken versetzte. Wir durften ab einer bestimmten Zeit das Haus nicht mehr verlassen, um in den Hof zu gehen, weil der Mann dort seinen Schäferhund frei laufen ließ und drohte, ihn auf uns zu hetzen, sollten wir uns draußen blicken lassen. Es gab oft Griesbrei zu essen, den ich liebte, aber von dem vielen Kindern schlecht wurde. Es gab Schläge mit dem Holzlöffel, wenn wir nicht essen wollten. Ich erinnere mich, dass es wenig zu trinken gab, wir hatten ständig Durst und bei Wanderungen rieten uns die Erzieherinnen, einen Kieselstein in den Mund zu legen, dann würde man den Durst nicht so spüren. Es gab einen Kiosk in dem Gebäude, an dem man sich selbst Getränke kaufen sollte, aber der Heimleiter machte den Kiosk nicht auf. Gegen Ende der Kur kam eine Gruppe von Stadtratsmitgliedern meiner Heimatstadt zur Besichtigung und um zu prüfen, ob wir gut untergebracht sind. Der Heimleiter drohte uns mit Schlägen und Strafen, wenn wir etwas Nachteiliges über ihn und das Heim sagen. Einer der Männer war jedoch ein Freund meines Vaters und ich bat ihn um einen kurzen Moment und klärte ihn auf, was hier für Zustände herrschten. Daraufhin kam es zu einer Untersuchung, aber ich weiß nicht, was dabei herauskam.
Meine Schwester ist auch zweimal verschickt worden, einmal ins nördliche Saarland und einmal nach Wyk auf Föhr. Sie hatte jedes Mal eine schlimme Zeit, große Trennungsängste und erhielt wohl viel Schläge, hat bis heute Gewichtsprobleme, wurde immer zum Aufessen und Überessen gezwungen, weil sie zunehmen sollte. Auch sie durfte nachts nicht zur Toilette, hat ihre eingenässte und eingekotete Unterwäsche im Schrank versteckt und wurde dafür bestraft.

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Angela Franke - 2024-03-14
Verschickungsheim: Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1980
Kontakt:

Ich war 1980 in Bad kreuznach nach einer Lungenentzündung dort zur Kinderkur ich erinnere mich noch recht gut wie ich stundenlang allein im Essenssal vor meinem vollen Teller sass den ich leermacgen sollte aber nicht konnte.Als ich mal ein Päckchen von zuhause bekam wurde dieses einfach geöffnet und die Süssigkeiten wurden einfach genommen und ich sah sie dann am nächsten Tag bei anderen Kindern am Essenstisch ich weiss noch das es ein heisser Sommer war und wir einen geführten Spaziergang machten wir waren alle in langärmligen Oberteilen mit Unterhämden drunter bekleidet und immer wurden wir so am Freibad vorbeigeführt wo wir neidvoll due anderen Kinder dort im kühlen Wasser lachend sahen und hörten, wir durften Nachts nicht auf die Toilette ich erinnere mich auch sehr unangenehm an die Salzbäder auf die Briefe an meine Eltern wurden kontrolliert als ich eine negative Sache schreiben wollte sagte eine Schwester das ich das nicht schreiben solle meine Eltern sollten such doch keine Sorgen machen

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Rolf Kiemes - 2024-02-10
Verschickungsheim: Bad kreuznach ich denke Knabenheilstätte "St. Marienwörth" bin aber nicht sicher
Zeitraum-Jahr: Mai-Juni 1961
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Ich beziehe mich auf folgenden Eintrag:
[Ulrich Breitbach schrieb am 02.02.2022
Verschickungsheim: Bad kreuznach, Knabenheilstätte „St. Marienwörth“
Zeitraum (Jahr): 1961 oder 1962
Ich suche Kontakt zu Personen, die wie ich Anfang der 60er Jahre ins Heim "Knabenheilstätte St. Marienwörth“ verschickt worden sind.

Ich denke ich war im Mai-Juni 1961 in diesem Heim, bin aber nicht sicher.
Das Heim wurde von Mönchen (ich denke Franziskaner) betreut. Ich war insgesamt sehr unglücklich in dieser Zeit, obwohl wir auch schöne Ausflüge gemacht haben und die Betreuung nicht so schlimm war.

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Andreas Boenig - 2024-02-04
Verschickungsheim: Bad kreuznach, Viktoriastift
Zeitraum-Jahr: ca. 1974 und 1975
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Auch ich melde mich als Betroffener.
Ich war mit meiner Schwester in den 70er Jahren, so ca. 1974 und 1975, zweimal je in den Sommerferien zur Kinderverschickung in dem Heim in Bad kreuznach, dem Viktoriastift .

Ich kann mich nur anschließen: hier gab es Gewalt, Zwangsernährung, Erniedrigung und Bedrohung.

Unsere Familie wohnte seinerzeit in Dormagen, mein Vater war bei den Bayer-Werken in Dormagen angestellt.

Ich war wohl laut Hausarzt auch zu dünn, sollte aufgepäppelt werden. Warum meine Schwester dorthin sollte, weiß ich nicht. Sie hat das auch nicht als so schlimm empfunden. Wir wurden bei Ankunft eh sofort getrennt, da unterschiedliche Geschlechter.

Es war für mich das reinste Martyrium, schlimmer als im Gefängnis. Es grenzte an Folter.

Das ekelhafte Essen musste nach Erbrechen gegessen werden. Auch wenn das Stunden dauerte. Die anderen Kinder machten „Freizeitprogramm“, ich musste weiter sitzen, bis ich aufgegessen hatte.

Auch ich habe nur lückenhafte Erinnerungen. Wahrscheinlich vieles wegen Traumatisierung verdrängt.

Körperliche Gewalt war Tagesordnung. Ein Junge mochte keinen Käse, wollte ein angebotenes Käsebrot nicht essen. Er wurde von zwei „Tanten“ rausgeführt. Als sie wieder mit ihm in den Raum kamen, hatte er ein rot verheultes Gesicht und würgte sich in Aufsicht der Tanten das Käsebrot rein.

Auch ich erbrach mich Abends im Bett ob des ekelhaften Essens.

Auch bei uns gab es eine eine gute Tante, die auch selten zugegen war. Die anderen waren sadistische Monster. Allen voran die rothaarige Tante Marlies, welche mich zu ihrem „Liebling“ erkoren hatte.

Nun zur Demütigung: ein Junge hatte glatte lange blonde Haare und war von schlanker Statur und trug eine Brille. Er hieß Kai-Uwe. Wir sollten Hänsel und Gretel aufführen. Obwohl es genug blonde langhaarige Mädchen - inkl. Inklusive meiner Schwester - gab, Musste Kai-Uwe die Gretel im Kleidchen spielen. Gegen seinen Willen.

Dann gab es noch diese entwürdigende Solebäder und wenn man mittags zur allgemeinen Mittagsruhe auf den Pritschen nicht schlafen konnte und sich ganz leise unterhielt, wurden wir an den Ohren gezogen und mit den Köpfen zusammen geknallt mit dem Verweis auf absolute Stille.

Androhung vor Heimfahrt von bösen Briefen an die Eltern wegen vermeintlichen Fehlverhalten schürten die Angst.

Und prompt kam ein Brief kurz vor Weihnachten. Ich hatte Todesangst, als der Brief ankam. Er entpuppte sich letztendlich als heuchlerische Weihnachtskarte.

Da meine Kindheit eh schon alles andere als schön war, trugen diese „Kuren“ einen großen Teil dazu bei, dass ich mich als wertloser Mensch sah, es beeinträchtigt mich noch heute.

Den Eltern haben sich aus bekannten Gründen die wenigsten anvertraut, ich auch nicht.

Zum Glück können solche Grausamkeiten heute nicht mehr ungestraft zelebriert werden.

Also wer in dem Zeitraum auch dort war, kann sich gerne zwecks Aufarbeitung / Austausch bei mir melden: 01735185384

Viele Grüße
Andreas

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Nadine - 2024-01-26
Verschickungsheim: Viktoriastift, Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1980
Kontakt: Kontakt: Unerwünscht

Ich war im Mai 1980 im Viktoriastfit, Bad kreuznach für 6 Wochen, und zwar in der Schwalbengruppe (oder im "Schwalbenhaus")

Warum ich dort war:
Damals war ich 10 Jahre alt und als "zu dick" eingestuft. Davon gab es 1980 glaube ich nur wenige in der Gruppe. Die meisten anderen Kinder waren wegen Untergewicht dort.

Ganz kurz etwas zu meinem Hintergrund:
Meine Eltern hatten extreme Probleme in ihren Leben und ein Grund warum ich dorthin geschickt wurde war, weil im Jahr vorher mein Vater eine mehr-monatige Alkohol-Entzugs-Reha machen musste und meine Mutter meinte dass ich "wahrscheinlich das mit der Sucht von ihm erben werde" Sie meinte bei mir fing das mit dem Zu-viel-essen an und würde über kurz oder lang auch beim Alkoholismus enden. Ich sehe die Dinge heute anders, aber damals war das schon gruselig, also dieser Gedanke dass man “jetzt schon sehen kann wie es auch bei mir alles schief laufen wird.”

Erinnerungen an das Viktoriastift in Bad kreuznach:
Zu den schlimmen Erinnerungen zählt das schreckliche Heimweh - vor allem nachts im Schlafsaal - das morgendliche Fiebermessen (Auf dem Bauch liegend, halb nackt, Thermometer in den Po gesteckt bekommen, echt jeden Morgen!) diese Sole-Bäder in den Holzbottichen im Keller, ganz dunkel an eine Untersuchung (Warum? Was musste untersucht warden? Ich weiss es nicht mehr) und auch das 6-wöchige Gefühl des komplett ausgeliefert sein.

Ich habe dort angefangen, an einer Stelle am Arm so heftig zu kratzen dass es blutete. Immer und immer wieder kratzte ich die Wunde auf. Das habe ich natürlich versucht zu verheimlichen, wollte dass es keine der Betreuerinnen sieht, hielt die andere Hand über die blutende Wunde. Das dauerte mehrere Tage lang bis es dann nicht mehr so offensichtlich war. Ich erinnere mich daran, dass der Schmerz irgendetwas beruhigendes in sich hatte. Ich hatte die Kontrolle über etwas was ich ganz akut spüren konnte. Heute verstehen ich selbstverletzendes Verhalten, habe es recherchiert, weiss dass es anderen ähnlich ging und geht:
Der innere Schmerz kann so gross warden dass er sich ein Ventil sucht. Ich musste diese Gefühle der Einsamkeit und des Sich-selbst-nicht-mögen-weil-man-zu-dick-ist unterdrücken, denn sie waren überwältigend. Aber die Gefühle und Schmerzen suchten sich ihren ganz eigenen Weg, einen heimlichen, von dem niemand etwas sehen konnte. Diesen Modus kenne ich bis heute. Ich halte sehr viel tief in mir versteckt. Von aussen sieht man NICHTS! Ich will oder kann keinen reinlassen. Ich will alles selber bewältigen. Eine tiefe Einsamkeit und ein Sich-selbst-nicht-mögen-weil-man-zu-dick-ist begleiten mich bis heute.

Ich versuche mich auch, um es objektiv zu halten, an andere neutrale oder sogar positive Momente zu erinnern: Ausflüge fand ich immer super. Also, da war einmal ein Spaziergang durchs Freiluftinhalatorium “Salinental” , eine Wanderung im Hunsrück, ein Spaziergang runter in die Stadtmitte, und ein einziges mal waren wir in dem grossen Spielraum. Also insgesamt nur 4 Erinnerungen an Momente ausserhalb des Gebäudes. Ganz fragmentiert auch die Erinnerungen an einige Freundschaften und vertraulichen Gespräche mit einigen anderen Mädchen. Da ging es darum warum sie hier sind, wie man wohl ausbrechen und wegrennen könnte (also an welchem Zeitpunkt: nachts wäre am besten oder? Aber es ist ja alles abgeschlossen, lassen wir’s wohl besser)

Jetzt, wo ich die Erinnerungen so lese, frage ich mich was ich an all den anderen Tagen gemacht habe? Keine Ahnung. Haben wir denn nie was gebastelt oder gemalt? Was haben wir in den 6 Wochen gemacht? Keine einzige weitere Erinnerung blieb.

Ich konnte Bad kreuznach als Erwachsene nochmal besuchen. Auf eigene Faust war ich dort, wollte auch schaun wie das Viktoristift heute so aussieht und ob noch andere Erinnerungen wach werden. Ich glaube das war ein erste therapeutischer Schritt, dorthin zu fahren. Ich glaube das hat mir ein Stück weit geholfen.

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Uwe - 2023-10-29
Verschickungsheim: Murnau am Staffelsee
Kontakt:

Meine Eltern verschickten mich 1957 im Alter von 12 Jahren nach Murnau am Staffelsee um den anstehenden Umzug innerhalb von Düsseldorf in eine neue Wohnung ungestört organisieren zu können. Ich kann mich - wie Gabriele aus Lüdenscheid - an großes Heimweh erinnern. Im Gegensatz zu einer Verschickung 4 Jahre zuvor mit meinem 4 Jahre älteren Bruder nach Bad kreuznach habe ich den Aufenthalt in Murnau, abgesehen vom Heimweh, nicht in schlimmer Erinnerung. Ich weiß noch, dass ich im dem katholisch geprägten Heim bei einem Gottesdienst morgens auf nüchternen Magen umgekippt bin. Eine junge Betreuerin kümmerte sich um mich. Sie hatte sich bemüht, uns den Aufenthalt abwechslungsreich zu gestalten. Im Nachhinein glaube ich, dass ich dort mich zum ersten mal verliebt habe.

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Andrea Moller - 2023-07-24
Verschickungsheim: Viktoriastift
Zeitraum-Jahr: 1964/1965
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Heute schreibe ich Ihnen zum zweiten Mal. Da ich Zeugenaussagen in Verbindung mit dem Viktoriastift in Bad kreuznach gelesen habe, mit den gleichen grausamen Verhalten des Personals und dem Horror des Aufenthalts dort, möchte ich noch etwas hinzufügen.
Ich bin 64 Jahre alt. Seit zirka 60 Jahren liegen Bilder des Stifts in einer Schublade, und ich weiss immer haargenau wo ich sie verwahre.
60 Jahre lang habe ich nicht sehr viel über meinen Aufenthalt dort erzählt. 60 Jahre sind eine lange Zeit, aber die Konsequenzen spüre ich heute noch. Ich leide an Angst oder Panikattacken. Meine diversen Therapien helfen mir zwar, aber ich hatte immer den Eindruck, dass ich etwas in mir trage, eine gewisse Angst, die nie aufgearbeitet werden konnte.
Als ich von dem Thema über FB erfuhr machte sich eine Erleichterung in mir breit. Erleichterung darüber, dass ich nicht alleine bin, war. Ist es möglich, dass die Nachfolgen des Aufenthalts immer noch Spuren hinterlassen? Ich lebe in Frankreich und konnte leider nicht die Reportage sichtigen, aber durch die Internetseite, die sich mit diesem Thema beschäftigt, durch das Lesen der diversen Zeugenaussagen macht sich in mir ein grosses Tor in meiner Seele auf. Es wäre für mich sehr wichtig mehr zu erfahren, vielleicht mit jemandem auszutauschen. Wie auch immer, grossen Dank an alle, die es heute möglich machen, auszusprechen was damals mit den Kindern gemacht wurde.
Mein persönliches Erlebnis wurde auch von meinen Eltern verdrängt, da sie mir nicht geglaubt haben was sich dort abgespielt hatte. Daher auch die Erleichterung zu lesen, dass es keine "Hirngespinste" waren, sondern traurige Realität.
Danke, dass Sie dieses Thema anschneiden.
Andrea Moller

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Ute Magdeburg - 2023-05-09
Verschickungsheim: Viktoriastift
Zeitraum-Jahr: 08.11. - 20.12.1966
Kontakt: Kontakt: Über die Initiative

Hallo Rosi,
ich heiße Ute und bin in dem Zeitraum, in dem du in Bad kreuznach warst, ebenfalls im Viktoriastift.
Ich habe noch ein Gruppenfoto.
Damals war ich 5 Jahre alt und habe nicht mehr viele Erinnerungen an diese Zeit, aber ich weiß, dass ich damals sehr viel Heimweh hatte und todunglücklich war.
Bad kreuznach als Ort ist mir auch total verhasst.

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Martina - 2023-05-03
Verschickungsheim: Viktoriastift
Zeitraum-Jahr: 1975
Kontakt: Kontakt: Über die Initiative

Hallo, ich wurde im Sommer 1975 zusammen mit meiner 4 Jahre älteren Schwester Eva für 6 Wochen nach Bad kreuznach ins Viktoriastift geschickt. Meine Mutter hat uns extra zusammen dorthin geschickt, damit wir nicht alleine sind. Dort angekommen erinnere ich mich sofort von meiner Schwester getrennt worden zu sein, wir durften uns nur einmal in der Woche (ich glaube freitags) für 30 Minuten sehen. Aufgeteilt wurden wir in Altersgruppen nach Vogelarten benannt. Ich meine in der Gruppe der Schwalben gewesen zu sein.
Morgens gab es Caro-Kaffee oder Tee, beides mochte ich nicht. Alternativen gab es nicht. Das Essen musste immer aufgegessen werden. Schreiben konnte ich damals noch nicht, ich erinnere mich aber, dass die Post kontrolliert wurde. Es durfte nur positives geschrieben werden. Zu meinem Geburtstag schickte mir meine Mutter ein Paket mit Süßigkeiten. Alles wurde verteilt. Von meinem Geschenk blieb für mich nicht viel übrig. Einmal die Woche durfte die Unterwäsche gewechselt werden und geschlafen wurde in großen Schlafsälen mit vielen Betten. Es herrschten strenge Regeln die ich befolgte, weil ich Angst und schreckliches Heimweh hatte. Fieber messen jeden Morgen. Auf der Rückreise gab es keine Getränke im Zug, es war Hochsommer und ich hatte schrecklichen Durst. Meine Mutter war damals sehr geschockt darüber, was wir berichteten. Ich habe vieles verdrängt, aber wenn ich nur den Namen Bad kreuznach höre wird mir übel. Körperliche Gewalt wurde nicht angewandt, aber es herrschte für mich ein liebloses Regiment. Möglicherweise ist das der Grund für die Angst, die ich viele Jahre nicht ablegen konnte, die mich auch heute noch manchmal einholt.

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Helga - 2023-01-22
Verschickungsheim: Scheidegg
Zeitraum-Jahr: 1972
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Im Laufe meines Lebens bin ich in verschiedene "Kinderkuren" verschickt worden. Noch vor der Einschulung, weil zu dünn etc. nach Bad Sassendorf mit meiner Schwester, hieran hab ich nur ganz wenige Erinnerungen und die, die ich habe waren ganz furchtbar. Später ging es in den Schwarzwald, wieder mit meiner Schwester nach Freudenstadt im Alter von 11 Jahren, auch hier habe ich nicht wirklich gute Erinnerungen, meine Mutter war krank. Später wegen Asthma nach Bad Reichenhall im Alter von ca. 12 Jahren (3 Monate, ich bekam die gefürchtete Verlängerung, da ich nicht genug auf die Waage brachte, nach Bad kreuznach( ebenfalls 3 Monate), später nach Scheidegg (wieder Verlängerung) und dann im Alter von 15 Jahren nach Wangen im Allgäu! ein 3/4 Jahr.

Zu Scheidegg möchte ich bemerken, dass ich mich fürchterlich vor der berüchtigten Puddingsuppe ekelte, die ich immer wieder als Zwischenmahlzeit aufgezwungen bekam ekelte. Ansonsten hatte ich kaum mit den Nonnen zu tun, da auch weltliche Krankenschwestern dort waren. Ich hatte "Glück im Unglück" als Ältere später im 4-Bettzimmer untergebracht zu sein und viel seelische und moralische Unterstützung durch Schwester Maria und Hanna zu bekommen, sowie ein paar Mädels die sehr zusammen hielten. Ansonsten wäre es wohl noch viel schlimmer gewesen. Insgesamt ist mein Faszit, dass ich später sehr große Schwierigkeiten hatte, ins normale Leben zurück zu finden und wohl auch sehr viel Ängste (auch unterbewusst) durch diese Maßnahmen wohl erst hatte und manchmal immer noch nachwirken.,,

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Heinz-Theo Jopen - 2022-10-23
Verschickungsheim: Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1972
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Im Jahr 1972, während der Olympischen Spiele in München, war ich auf solch einer Kur. Das Heim in Bad kreuznach war ein Altbau, Die Gruppennamen wurden mit Vogelnamen betitelt. Ich kam in die Gruppe der Spechte. Das Heim wurde von Nonnen geleitet, denen man wohl jede Menschlichkeit genommen hatte. Misshandlungen durch Schläge, Demütigungen und zum Zwang erbrochenes zu essen. Briefe nach Hause wurden auf einer Tafel vorgeschrieben und kontrolliert. Bis heute leide ich unter dem was mir in dieser Zeit widerfahren ist. Ich hoffe auf diesem Portal jemanden zu finden, der eine Erinnerung an dieses Heim hat und vielleicht auch bei den Spechten und Finken oder Spatzen war. Ich könnte noch mehr Details schildern, jedoch gehts mir grad nicht so toll, kommt wieder vieles hoch. Bitte meldet euch,

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Monika Linn - 2022-10-10
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1956
Kontakt:

Ich war 1956 oder 1957 mit 6/7 Jahren für 6 Wochen durch die Kinderverschickung der Deutschen Bahn im Viktoriastift in Bad kreuznach. Eigentlich habe ich es positiv in Erinnerung. Auch Die Betreuerin „Tante Ellen“ habe ich als nett in Erinnerung. Ich habe nur aus Heimweh damals Nägel gekaut. Später war ich nochmal weg in Bad Tölz im Prinzregenten Kinderheim. Dort gab es für sensible Kinder furchtbare Regeln. Ich war damals schon 13 und weiss noch ganz genau, dass Mädchen ihr Erbrochenes gefüttert bekamen. Grausam, aber dort sollte man in den 6 Wochen zunehmen, warum auch immer. Wie gemästetes Vieh.

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Claudia H. - 2022-07-03
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1976 März bis Juni
Kontakt: Kontakt: Über die Initiative

Hallo,
ich war 1976 von März bis Juni im Viktoriastift Bad kreuznach. Ich bin als Einzelkind in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen. Habe schlecht gegessen, war zu dünn und hatte oft Bronchitis. Die Lösung: eine Kur ! Bisher dachte ich immer auch meine Anreise war, wie die Abreise, mit dem PKW und Eltern. Heute habe ich dann, auf Nachfrage, von meiner Mutter erfahren, dass auch ich in Duisburg in einen Zug gesetzt wurde für die Reise nach Bad kreuznach. [b]Ich habe daran und an den ganzen Aufenthalt über die 3 Monate keine Erinnerungen[/b]. Den langen Zeitraum erklärt man mir heute mit einer Aussage der Ärzte: "es wären weitere medizinische Maßnahmen nötig gewesen". Meine Eltern stimmten aus der Ferne zu, ohne es zu hinterfragen.
Sie erhielten mehrmals Postkarten mit dem Text, es ginge mir gut. Als sich Windpocken bekam, war ich auf der Isolier-Station.
Nach meiner Rückkehr war ich, nach Erzählungen meiner Eltern, verstört. Habe z. B. Blumenvasen vom Tisch geworfen ohne erkennbaren Grund. Weitere Beachtung schenkte man dem aber nicht.
Geahnt habe ich schon länger, dass diese Kur noch so einiges in sich verbirgt, aber das sie so wesentlichen Einfluss auf viele Bereiche hat, wird mir erst jetzt langsam klar.

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Viney - 2021-12-19
Verschickungsheim: Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1972
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Es war das Jahr 1972 als ich wegen meines Bronchialasthmas nach Bad kreuznach verschickt wurde. Ich war 7 Jahre alt. Teils erinnere ich mich an die Hin- und Rückfahrt der Verschickung und an das Salamibrot, was als Proviant mitgegeben wurde.
Am meisten aber erinnere ich mich in bestimmten Momenten an die Grausamkeiten, die mir durch die Schwestern widerfuhren.
Als ich z.B. wegen Heimweh weinte, wurde mir mit Schlägen gedroht. Aber das war nur der Anfang am ersten Tag meiner Ankunft abends. Als ich beim Essen vor Angst erbrach, weil ich in dem Speisesaal dem Jungen, der mit seinem Rücken zu mir saß und sich fröhlich zu mir drehte und plötzlich von einer Schwester aus Wut, weil er offenbar für sie nicht still genug da saß, an den Haaren gezogen und auf seinen Kopf gehauen wurde bis er heftigst zu weinen anfing, musste ich zugleich als Strafe mein Erbrochenes aufessen, sonst drohten weitere Strafen, auch mit Schlägen. Allerdings gab es eine Schwester an der ich mich „festhielt“ und die, wenn sie Dienst hatte sich um mich schützend kümmerte. Jeder Tag an dem diese Schwester nicht anwesend war, war ein Tag voller Angst.
Diese Traumatischen Erlebnisse deckten sich in meiner Ausbildung zum Kurzzeit Therapeuten auf. Einen Teil dieser Kur konnte ich mittlerweile verarbeiten, aber es gibt immer noch Momente aus dieser Zeit, selbst nach knapp 50 Jahren, die mich mit ihrer entsprechenden Wirkung heimsuchen. Vielleicht gibt es hier noch andere, die auch in Bad kreuznach in diesem Jahr waren. Und die auch noch mit ihren Erinnerungen zu tun haben. Über einen Austausch würde ich mich freuen.

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Wittkopp Jürgen - 2021-11-21
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: Okt. Nov. 1962
Kontakt: Kontakt: Über die Initiative

Ich wurde 1962 im Alter von 9 Jahren für 6 Wochen zur Abmagerungskur nach Bad kreuznach geschickt und musste 6 Wochen hungern. Ich war nach 6 Wochen nur noch Haut und Knochen. Meine Mutter sowie meine Großmutter haben mich bei der Abholung am Bahnhof nach 6 Wochen nicht wiedererkannt. Der Aufenthalt war eine Tortur. Prügelstrafen für alle Kleinigkeiten waren an der Tagesordnung. Ich habe seitdem bis heute Magenprobleme.

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Rosi - 2021-06-18
Verschickungsheim: Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: November 1966
Kontakt: Kontakt Erwünscht

Ich war von mitte November bis 20 Dezember 1966, in Bad kreuznach,weil ich zu dünn war. Villeicht war noch jemand zu dem Zeitpunkt in Bad kreuznach.Aufgrund der schlechten erinnerungen , habe ich Bad kreuznach nie wieder besucht.Ich hasse diesen Ort.

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Brigitte Schlegel - 2021-04-27
Verschickungsheim: Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1967

Ich war in Bad kreuznach für 6 Wochen .Als es mir einmal Nachts Schlecht wurde u ich im Bett Erbrechen müsste weil wir ja abends nicht aufstehen dürften ,musste ich weiter auf dem Erbrochenem Kissen Schlafen.Einmal beim Turnen müsste ich ganz dringend ich durfte nicht zur Toilette als ich mich einkotet müsste ich in den Duschraum mich komplett ausziehen alle mussten zusehen man spritzte mich mit einem Schlauch mit Eiskalten Wasser ab.

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Regina - 2021-02-20
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1976

Mit sechs Jahren wurde ich wegen chronischer Bronchitis in den "Viktoriastift" nach Bad kreuznach geschickt. Die Erlebnisse in dieser sechswöchigen "Kur" decken sich mit vielen der hier geschilderten. Ich glaubte lange, dass meine Erfahrungen eine Ausnahme gewesen seien und es ist irgendwie tröstlich, aber auch entsetzlich, zu lesen, wie viele Menschen die gleichen traumatisierenden Misshandlungen über sich ergehen lassen mussten. Da ist vor allem die "Zwangsernährung", auch ich musste mein eigenes Erbrochenes wieder vom Teller löffeln. Da gab es handfeste Schläge von den "Tanten" wegen geringster Vergehen - ich wurde von einer Tante derart geschlagen, dass ich mit dem Gesicht an einen Bettpfosten schlug und am nächsten Tag ein blaues Auge hatte. Gut erinnern kann ich mich auch noch daran, dass ich nicht trinken durfte, wenn ich durstig war. Da ich weder den dort angebotenen Muckefuck noch Kakao mochte - es gab auch immer nur warme Getränke, nie was zum Durstlöschen - ging ich an ein Waschbecken, um vom Wasserhahn zu trinken. Eine der Tanten folgte mir und hinderte mich daran. Auch im Ausüben seelischer Grausamkeiten war das Personal geübt: Gleich zu Beginn wurden einem alle persönlichen Gegenstände abgenommen, auch Kuscheltiere, die Trostspender hätten sein können. Wenn man während der erzwungenen Mittagsruhe nicht schlafen konnte und mit offenen Augen erwischt wurde, folgte eine Bestrafung, in meinem Fall der Ausschluss von Ausflügen oder dem Fernsehabend. Ständig wurde betont, wie "böse" man sei (wobei die böse Tat darin bestand, nicht schlafen zu können). Es gab unangenehme therapeutische Behandlungen z.B. ein medizinisches Bad in Bottichen mit viel zu heißem Wasser oder sehr ruppige Spritzen und Blutabnahmen, und danach gern die Drohung "wenn du nicht ruhig ruhig bist, gehen wir wieder zur Blutabnahme". Ich habe noch zwei Postkarten gefunden, die ich damals an meine Eltern schreiben durfte, der Text war vorgegeben, ich musste ihn abschreiben: "Liebe Eltern, wie geht es euch, mir geht es gut usw... ". Es gab während der sechs Wochen keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme, kein Telefonat und natürlich keine Möglichkeit zu sagen, wie es einem wirklich ging. Nach den sechs Wochen war ich jahrelang nicht in der Lage, meinen Eltern von den Geschehnissen zu berichten, ich fürchtete, dass sie mir nicht glauben würden. Die Erfahrungen in Bad kreuznach haben mich nachhaltig geprägt und einen bleibenden, folgenreichen Einfluss gehabt.

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Stephan Rothe - 2021-02-05
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1968

Seit ich vor kurzem über Verschickungskinder und Verschickungsheime in den Medien gehört und gelesen habe, beschäftigt mich die Recherche über meinen „Kuraufenthalt“ fast täglich. Ich war immer der Meinung dass meine Erlebnisse in zwei Kurheimen Einzelfälle gewesen seien und ich nur Pech hatte. Es handelte sich ja aber anscheinend um eine ganze Verschickungsindustrie, die Jahrzehntelang mit dem Drangsalieren von Kindern Geld verdient hat.

Ich war 1968 vier Jahre alt und für sechs Wochen in der „Kinderheilanstalt Viktoriastift“ in Bad kreuznach. Ich vermute es war während der Sommerferien. Warum meine Eltern mich dorthin geschickt haben weiß ich bis heute nicht, es hieß irgendwie wegen Heuschnupfen, sie sind mittlerweile tot.

Ich weiß noch dass ich mich von Tag zu Tag schlechter gefühlt habe, je näher der Abreisetag kam. Als es dann soweit war weckte meine Mutter mich morgens fröhlich mit den Worten die mir bis heute im Gedächtnis geblieben sind „Heute ist der große Tag, es geht los“, ich wollte nicht weg von zuhause und hatte nur Angst!
Das nächste Bild dass ich noch im Kopf habe ist, wie ich mit anderen Kindern in einem Zugabteil sitze und ich aus dem Fenster schaue, es ist schlechtes Wetter und es regnet.

Untergebracht war ich nicht in dem großen Haupthaus, dass wohl zu der Zeit umgebaut wurde, sondern in dem kleineren Nebengebäude das "Haus Rheinstahl" hieß wie ich auf der Internetseite herausgefunden habe. Es lag etwas tiefer und war über eine Art Brücke zu erreichen, es steht heute glaube ich nicht mehr. Es ist auf neueren Bildern nicht mehr zu erkennen.

Ich habe von der „Kur“ nur wenige Bilder, einige Vorfälle und ein ganz schreckliches, düsteres Gefühl in Erinnerung, ich hatte fürchterliches Heimweh.
Für mich war der Aufenthalt damals als vier jähriger und auch wenn ich heute mit den wenigen Erinnerungen zurückschaue, ein nicht enden wollender Horrortrip, der mein gesamtes Leben in gewisser Weise bis heute massiv negativ beeinflusst/geprägt hat.
Als ich zurück war und wieder in den Kindergarten ging war ich auf jeden Fall ein anderes Kind als vorher. Meine Fröhlichkeit, Freude, Zuversicht, Neugier schon morgens beim Aufstehen waren verschwunden, das war mir damals natürlich noch nicht klar, da habe ich mich nur schlecht gefühlt und massive Verlust und andere Ängste entwickelt und mich gewundert was mit mir los ist. Ich weiß noch sehr gut, dass ich von diesem Zeitpunkt an panische Angst hatte, von meiner Mutter mittags nicht aus dem Kindergarten abgeholt zu werden.
Später habe ich dann viel darüber nachgedacht was 1968 im Viktoriastift und bei einem weiteren „Kuraufenthalt“ 1974 mit 10 Jahren auf Borkum (der auch nicht besser gewesen sein muss und den ich anscheinend fast komplett aus meinem Gedächtnis verdrängt habe, bis auf die Erinnerung, dass ich ständig Hunger hatte weil es nicht genug zu essen gab) mit mir passiert ist.
Man hat in den Heimen mein Urvertrauen, Unvoreingenommenheit, Lebensfreude und meine Kindheit zerstört!

Ich erinnere mich wie das "Haus Rheinstahl", der Schlafsaal usw. aussahen, wie ich im Speiseraum saß und beim Essen immer durch ein großes Fenster auf die Brücke zum Haus schaute und dachte, irgendwann gehe ich über diese Brücke wieder in die Freiheit.

Das Personal bestand aus heutiger Sicht aus bösartigen, sadistischen Nonnen/Schwestern, die nur im Befehlston mit den Kindern sprachen oder brüllten. Ich habe nur eine Nonne in Erinnerung, ich glaube sie wurde „Schwester Ursula“ genannt, die freundlicher und emphatischer war und zu der ich, wenn sie kam ein gutes Gefühl hatte. Leider habe ich sie in den sechs Wochen nur zwei oder dreimal gesehen.
Ich erinnere mich an einen ernsten, steifen Mann mit Regenschirm, der glaube ich oft eine braune Jacke trug (bis vor ein paar Jahren wusste ich den Namen auch noch) der immer kam um mit uns in Zweierreihen, eine gefühlte Ewigkeit um das Gradierwerk zu laufen damit man die salzige Luft einatmet. An Holzbottiche in die man gesteckt wurde und ich glaube an einen gekachelten Raum indem man nachher mit einem Wasserschlauch kalt abgespritzt wurde.

Mir wurde einmal beim Essen von einer dieser Schwestern ein 1 KG Paket Zucker oder Mehl an den Kopf geschmissen, weil ich nicht still gesessen habe. Ich erinnere mich auch an einen Vorfall am Anfang der „Kur“, als ein älterer Junge beim Essen von diesen Schwestern und dem ernsten Mann regelrecht abgeführt (ich weiß nicht warum) und kurze Zeit später, weinend und mit zerrissener Kleidung zurück gebracht wurde und an Kinder, die ihr erbrochenes aufessen mussten. Das Ganze war ein absoluter Schock für mich! Ob mir ähnliches passiert ist weiß ich nicht mehr. Ich habe auch keinerlei Erinnerung an die anderen Kinder, an Namen oder wer meine Bettnachbarn waren. Ich glaube jeder war irgendwann nur noch mit sich selber und seinen Ängsten beschäftigt und damit, möglichst nicht aufzufallen.

Soweit ich noch weiß schliefen wir in einem kahlen düsteren Schlafsaal mit insgesamt 30 oder vierzig Kindern, ich kann mich bei der Zahl aber auch vertun. Angst hatte ich auch immer vor dem Fiebermessen! Jeden Morgen mussten wir uns alle nach dem Wecken auf Befehl in den Metallbetten die Hosen runterziehen, auf den Bauch legen und dann gingen die Schwestern rum und rammten jedem ohne jegliches Gefühl, Vorsicht oder Rücksichtnahme ein Glasthermometer in den Hintern. Das war jedes Mal so schmerzhaft, dass ich immer stocksteif mit zusammengekniffenen Arschbacken im Bett gelegen habe wenn die Tortur losging.

Ich werde Zeitnah nach Bad kreuznach fahren und sehen wie ich mich fühle wenn ich das Gelände dieser Kinderheilanstalt betrete, vielleicht kommen mehr Erinnerungen zurück. Vielleicht gibt es dort mehr Informationen über diese Zeit als auf der Internetseite unter dem Punkt Historie.

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Baum, Sigrid - 2020-12-08
Verschickungsheim: Bad kreuznach, Bad Reichenhall, Sylt Haus Quickborn
Zeitraum-Jahr: 1951, 1953, 1957

Heute Morgen hörte ich einen Beitrag über die Kinderheimverschickungen. Jemand war wohl auf Sylt, hat aber den Namen des Kinderheims, in dem er damals war nicht mehr gewußt.
Ich war auch auf Sylt im Kinderheim über die DAK 1957 oder 1956, das Haus hieß "Haus Quickborn".
Auch ich habe an meine Kinderheimverschickungen nicht sehr gute Erinnerungen, ich war in drei verschiedenen Kinderheimen und zwar in Bad kreuznach, Bad Reichenhall und Sylt.
An das Heim in Bad Reichenhall (leider weiß ich hier nicht mehr den Namen des Hauses) habe ich die schlimmsten Erinnerungen. Ich wurde gezwungen den Teller leer zu essen, obwohl ich mich ekelte die gebratete Leber zu essen. Nachdem ich das Fleisch heruntergewürgt hatte (die Tante saß daneben und kontrollierte es) habe ich alles erbrochen. Hierfür wurde ich bestraft, indem ich den ganzen Nachmittag auf einer Pritsche liegen mußte, ohne mich zu bewegen.
Eine andere Strafe in dem Kinderheim war unter anderem, dass man im Schlafanzug nur mit einer rauen Decke umhüllt, stundenlang nachts im kalten Hausflur in einer Ecke stehen mußte. Ich war bei diesem Aufenthalt übrigens erst 5 Jahre alt. Die Geschenke, die ich zu Ostern von meinen Eltern geschickt bekommen hatte, wurde mir sofort fortgenommen. Eine schreckliche Zeit, die nachdem ich den heutigen Radiobeitrag gehört habe, wieder hoch kamen.

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Laxofalk - 2020-10-17
Verschickungsheim: Kinderheim Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1959 - 1960
Meine-Empfindung: es war schrecklich dort

Über meinen Kinderarzt aus Oberhausen Sterkrade bin ich als 6 Jähriger nach Bad kreuznach versendet worden. Das Kinderheim wurde von katholischen "Nonnen" geführt. Ich erinnere mich noch ganz genau wie am Esstisch mein Nebenkind in seinem Teller erbrach. Ich meinte dort auch Blut im erbrochene gesehen zu haben. Er musste alles wieder aufessen. Wir Kinder lagen in einem großen Schlafsaal und hatten alle ein Fieberthermometer im Po. Ich kam zurück mit einem Schriftstück in dem stand: "Norbert kommt mit einer leichten Ruhr (Typhus B) zurück".
Fakt ist aber das ich zuhause meine kleine Schwester mit meinem Durchfall angesteckt habe. Diese wurde in der Kinder-Klinik Düsseldorf gerettet.


Mein Kinderarzt wurde von meiner Mutter wegen den Zuständen unterrichtet. Selbst andere Eltern bestätigten Ihm diese Aussagen das erbrochenes wieder aufgegessen werden musste.


Trotzdem verschickte er weiter Kinder in diesem Heim.

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richard sellmaier - 2020-09-24
Verschickungsheim: Viktoriastift Bad kreuznach
Zeitraum-Jahr: 1958
Meine-Empfindung: es war schrecklich dort

Sehr geehrte Damen und Herren,
aufgrund Ihres Artikels in der Rheinischen Post „Die Leiden der Verschickungskinder“ möchte ich Ihnen meine
Erlebnisse mitteilen. Mein Name: Heinz-Richard Sellmaier
geb. 1949
Im Jahre 1958 war ich zur Kur im heutigen „Viktoriastift Kinderkurklinik“ in Bad kreuznach.
Es war für mich die reinste Horrorkur. Die Briefe wurden alle zensiert. Schrieb jemand etwas Negatives wurde er bestraft, indem er die Hose ausziehen mußte und alle Zimmergenossen „mußten“ ihm auf den nackten Po schlagen.
Das gleiche galt wenn man in der Mittagspause, wo man im Bett lag, auch nur ein Wort von sich gab.
Es wurde jeglicher Kontakt nach außen unterbunden.
Meine Mutter schickte eine Freundin aus Bad Dürkheim vorbei, um nach dem Rechten zu sehen.
Sie wurde abgewiesen, das Mitbringsel an alle verteilt.
Überhaupt wurden alle Pakete verteilt. Beim Mittagessen war ich Zeuge wie mein Nachbar das Essen auf seinem Teller erbrach. Er mußte das Erbrochene
aufessen. In der heutigen Zeit würde man für diese Züchtigungen m Gefängnis landen.
Es ist schon viele Jahre her, wahrscheinlich habe ich auch schon einiges vergessen was man mit uns gemacht hat. Ich bitte Sie die Angelegenheit zur Kenntnis zu nehmen und mich vielmals bedanken, daß Sie die das Thema
aufgenommen haben und verbleibe mit freundlichen Grüßen
Heinz-Richard Sellmaier

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Hallo, mein Name ist Ute. Ich bin in den 60igerJahren in Bad kreuznach im Viktoriastift gewesen. Was soll ich schreiben, es war wie in einem Horrorfilm, wo ich ungewollt, die Hauptrolle gespielt habe. So hat sich mein Leben verändert, meine Kindheit, wurde mir dort hinaus geprügelt........ Wer war ca. 63 mit 6Jahren dort und hat dieses Matyrium miterlebt!?!?

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Hallo Ute,
ich war 1962 oder 1963 in Bad kreuznach. Dieser Aufenthalt war prägend. Die Prügel war Tag und Nacht zu spüren. Die Mahlzeiten erfolgten unter Zwang, und wie im Beitrag erwähnt,dass Erbrochene mußte vom Teller........entsetzlich. Ich kann bis heute noch nicht Erbrochenes beseitigen. EKEL,EKEL. Das Schlimmste, ich bekam die Windpocken wurde Nachts aus dem Schlafsaal gezerrt und in einen anderen kleinen Raum geworfen und eingesperrt. Die med. Versorgung war garnicht vorhanden. Die Narben tragen ich mein Leben lang als Erinnerung an Bad kreuznach. Kein Mensch hatte meinen Schilderungen glauben geschenkt, somit war man auch noch als Lügnerin oder sehr fantasievolles Kind verschrieen. Durch einen Zufall (vor ca. 30 Jahren) bekam ich bei meinen Schwager eine Anschtskarte von Bad kreuznach in die Hände. Ich schilderte ihm meine Verachtung über diese Stadt........und siehe da, er war auch ein geschundenes Kind..............Ich fühlte mich erstmal geborgen .......und wir tauschten uns über diese schreckliche Zeit aus.


Wenn du Lust kannst du mich anrufen. 02205- 910 100


Liebe Grüße
Renate

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Auch ich war ein Verschickungskind. Nach ein wenig Recherche und Erinnerungen die der Verdrängung nicht stand hielten weiß ich das ich vor der Einschulung ( 1966) nach Bad kreuznach verschickt wurde. Ich sehe mich noch im Zug. Die nächste Erinnerung ist der große helle Saal wo wir gegessen haben ( oder stundenlang vor unserem Teller saßen weil wir nichts essen konnten ) und der Saal mit den vielen Betten. Nachts sah man das Licht auf dem Flur. Der Toilettengang war untersagt. Ich hatte schreckliches Heimweh und mit 5 Jahren auch noch viel zu klein um dort zu sein. Eine "Tante" war ziemlich böse und nannte uns immer "Ihr Fratzen" . Sie war auch nicht grade zimperlich mit uns. Wir wurden regelmäßig in Holzbottiche gesteckt, das Wasser stank furchtbar und war eher lauwarm. Ich hatte ganz große Angst vor ihr. Auch wenn Sie mit Ihrer Nagelschere kam, das tat immer weh. Ich habe immer noch kein komisches Gefühl an diese Zeit. Deshalb war ich auch nie bereit in eine Reha zu gehen oder dergleichen. Weil es mir immer wieder hoch kam. Ich war mit 9 Jahren ( 1970 ) nochmal in "Kur" allerdings muss es mir da etwas besser ergangen sein. Dorthin ist die Erinnerung nicht so dunkel. Es gab dort viel Moor war und es gab eine Schloßkapelle, die sehr schön war. Ich denke das mein späteres Leben von der Kur sehr beeinflusst wurde. Auch gesundheitlich.

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Ich war auch in Bad kreuznach. Ich denke 1966 muss es gewesen sein. Erinnerst Du Dich an die Betreuerin die immer das Wort Fratzen benutzte und die Holzbottiche die immer so schlimm stanken ?
LG Gabi

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Musste zweimal diese Zwangsverschickungen über mich ergehen lassen. Bin Jahrgang 1955.Das erste Mal ging es nach Melle, das war vor meiner Einschulung. Dann,als ich im dritten Schuljahr war, musste ich in den Viktoriastift nach Bad-kreuznach. Ich erinnere mich daran, dass ich mich peinlichst an alle Regeln gehalten habe, nur um nicht negativ aufzufallen und irgendwelchen Sanktionen ausgeliefert zu sein. Es gab für mich in Bad kreuznach einen Schlafsaal mit 10 Betten. Das kannte ich so nicht. Unser Schlafsaal bekam nie die Möglichkeit, Spiele in der Mittagszeit auszuprobieren. Die anderen Kinder, die in den kleineren Zimmern untergebracht worden waren, hatten diese Möglichkeit.(Wir hatten sehr schnell verstanden, dass wir in dem großen Saal sozusagen der Abschaum der ganzen Gruppe waren - warum auch immer???) Auch Bücher gab es nicht für uns - was für mich als Vielleserin damals eine Horrorvorstellung war. Dort habe ich Verspannung und Anspannung gelernt. Als ich am Tag der Heimreise endlich wieder am Heimatbahnhof auf meine Eltern traf, brach endlich der Damm. Ich weiß noch, das ich sehr viel geheult habe und unendlich über diese sogenannten Tanten und alles geschimpft habe. Der angesammelte Druck musste ´raus. Genützt hat es mir nicht.
Ich musste sehen, wie ich mit diesen Erfahrungen klar kam. Meine Eltern waren einfach obrigkeitshörig oder hatten es ja selbst nicht anders gelernt. Auf jeden Fall widerstrebt es mir bis heute, wenn ich etwas machen soll, mit dem ich nicht einverstanden bin, also gezwungen werde, etwas zu tun.

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Ulrich Breitbach - 2022-02-02
Verschickungsheim: Bad kreuznach, Knabenheilstätte „St. Marienwörth“
Zeitraum-Jahr: 1961 oder 1962
Kontakt: Kontakt: Erwünscht

Ich suche Kontakt zu Personen, die wie ich Anfang der 60er Jahre ins Heim "Knabenheilstätte St. Marienwörth“ verschickt worden sind.

Michael Haupt - 2020-11-27
Verschickungsheim: Bad kreuznach, Viktoriaheim, oder so ähnlich
Zeitraum-Jahr: 1958

Nach Angaben meiner Eltern litt ich an Untergewicht, zudem sollte mir dort mein ständiges Bettnässen ausgetrieben werden.
Was folgte, waren sechs Wochen körperliche und seelische Folter, schwarze Pädagogik und sadistische Praktiken. All das verweist auf personelle und ideologische Kontinuität, die aus der Nazi- Zeit weit in die BRD hineinragt.
Ich war neun Jahre alt, durchgehende Erinnerung ist aus meinem Gedächtnis getilgt, was bleibt, sind einzeln aufscheinende Erlebnisse von brutaler Misshandlung, Demütigung, sinnloser Grausamkeit und sexueller Gewalt. Ich war diesen gnadenlosen Ordensschwestern und ihren männlichen Gehilfen zur Befriedigung ihrer sadistischen Bedürfnisse ohne jede Möglichkeit zur Gegenwehr ausgeliefert.
Einige der Erlebnisse, die mich bis in meine Träume verfolgen waren:
- die nach Inhalt und Zubereitung ekelerregenden Mahlzeiten musste ich zusammen mit einigen anderen Delinquenten auf einem Podest einnehmen, das in der Mitte des mit Kindern vollgestopften Speisesaals aufgebaut war. In der Mitte unseres Tisches stand ein beidseitig gut lesbar beschriftetes Schild mit der Aufschrift " Bettpisser". Dort habe ich acht Wochen, dreimal täglich, gesessen ( ich wurde zu zwei Wochen Nachkur verurteilt, weil ich nicht zugenommen hatte und immer noch einnässte). Ich wurde immer wieder schwer Misshandelt, Hämatome, Platzwunden, eingerissene Ohrläppchen, medizinische Hilfe, auch bei Fieber, Entzündungen, Durchfallerkrankungen gab es nicht, für verschmutzte Unterwäsche gab wieder Prügel. Erbrochenes wurde wieder auf einen Teller gescharrt und musste aufgegessen werden. Um für Regelverstöße im Schlafsaal verdroschen zu werden, musste man die Regeln weder kennen noch sie verstehen, verängstigt und schlaflos im Bett zu liegen ,wartend auf die nächsten Schläge, ohne zu wissen wofür, war die Regel.
mindestens einmal in der Woche wurden wir in verdreckte Holzbottiche gezwungen die mit einer unglaublich stinkenden schwefligen Brühe gefüllt waren, alle hatten Angst in dem Gestank zu ersticken.
Ich schrieb einen Brief an meine Eltern, in dem ich sie anflehte mich aus dieser Hölle zu befreien. Einen Tag später wurde ich in ein winziges Zimmer, in dem nur eine Pritsche stand, einige Stunden eingesperrt. Einer der männlichen Schergen trat ein und las mir laut und mit niederträchtigen Kommentaren meinen Hilferuf an meine Eltern vor. Dann nötigte er mich zu sexuellen Handlungen (das wiederholte sich von da an einige Male). Im Anschluss diktierte er mir einen Brief an meine Eltern, in dem ich schildern musste wie gut es mir gehe und schön der Aufenthalt in dem Heim sei.
Die Demütigung war vollkommen, von da an war ich gebrochen, jeder Widerstandswille war gebrochen.
Ich erinnere mich noch an Geländespiele im Wald, bei denen wir aufgefordert wurden mit Luftgewehren auf Vögel zu schießen. Gruppen von Jungen wurden gebildet, eine sollte einen Hügel gegen eine Andere verteidigen. Die Kinder wurden angewiesen sich ohne Nachsicht zu Prügeln. Jetzt, wo ich es aufschreibe, fällt mir auf, dass immer mehr Erinnerungen hochkommen und mich immer noch belasten. Ich will es dabei belassen

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