Aufarbeitung der Absetzung eines kirchenkritischen Theaterstücks in Osnabrück durch ein Hörspiel
Man kennt es aus den frühen 80er Jahren der DDR: Absetzung eines Theaterstücks kurz vor der Premiere. Vor etwa einem Jahr ist so etwas auch bei uns vorgekommen: In Osnabrück wurde das Theaterstück „Ödipus Exzellenz“ kurz vor der Premiere 2025 vom Spielplan genommen, in dem es um einen konkreten Missbrauchsfall während einer Ferienreise durch einen Geistlichen ging. Die Leitung nannte künstlerische Differenzen bei der Darstellung eines Gottesdienstes, während Kritiker und das Regieteam von Zensur und Angst vor der Kirche sprachen. In dem Stück wurde der antike Ödipus-Mythos wird als Metapher genommen, eine Gemeinschaft sucht nach der Ursache für ihr Leid, im dem Fall die Pest, und stellt am Ende fest, dass der Herrscher selbst der Täter ist. Im Stück wird dies auf die kirchliche Hierarchie übertragen, die immer noch allzuoft blind gegen die Verbrechen im eigenen System ist und Straftaten durch ihre Machtposition erst ermöglicht und schützt. Nach der Absetzung gab es lautstarke Proteste gegen die Begründung der Intendanz, die sich zurückzog auf angeblich reißerische künstlerische Umsetzung, weil ein kirchenkritischer Gottesdienst nachgestellt wird.
Szenen aus diesem Stück wurden jetzt von Silas Degen in einem Hörspiel-Feature für den Deutschlandfunk verarbeitet. Wer über eine Entscheidung diskutieren will, so die Meinung von Silas und seinem Team, der muss den Inhalt des Stückes wenigstens kennen. Das damalige Ensemble hat sich nach der Absetzung fassungslos und ohnmächtig gefühlt. Es hat sich nun in einem Tonstudio versammelt, um ihr abgesetztes Stück doch noch an die Öffentlichkeit zu bringen. Das Motto der Künstler: Wenn man ein Stück über Missbrauch auf dem Theater verbietet, wird der Inhalt außerhalb des Theaters gezeigt werden. Das Hörspiel hat einen spannenden intensiven Dokumentar-Charakter, in dem mit vielen Originalzitaten gearbeitet wird. Sehr eindrucksvolle Aufarbeitung eines Theaterskandals um sexuellen Missbrauch, denn die Kritik an der Kirche hat es offenbar auch auf anderen Bühnen äußerst schwer.
