Kategorie: Schleswig-Holstein

  • Treffen für Verschickungskinder im Kulturforum in Kiel

    Treffen für Verschickungskinder im Kulturforum in Kiel

    Am 21. Juni 2023 um 17 Uhr findet ein Treffen für VERSCHICKUNGSKINDER in Kiel ( Mit Schleswig-Holstein-Bezug) statt. Das TEAM Schleswig-Holstein (Rückfragen: Schleswig-Holstein@verschickungsheime.de) freut sich auf euch! Anmelden nicht nötig.

    INHALT:

    Erinnerungsaustausch, etwas für die Verschickungskinder (in, nach und aus Schleswig-Holstein verschickt und wohnhaft) tun, gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit entwickeln um unseren Forderung nach Anerkennung und Hilfe Nachdruck zu verleihen.

    WO? Im KulturForum Kiel, in der Stadtgalerie, Andreas-Gayk-Straße 31, 24103 Kiel

  • Ein Interview mit Anja Röhl im rbb 88,8 am 19.4.23, zur Berliner AKTION KINDERKOFFER

    Ein Interview mit Anja Röhl im rbb 88,8 am 19.4.23, zur Berliner AKTION KINDERKOFFER

    Am Abend der AKTION KINDERKOFFER gab es ein längeres Interview des Berliner Senders rbb 88,8 die Vorsitzende des Wissenschaftsvereins „Aufarbeitung und Erforschung Kinderverschickung e.V.“, ANJA RÖHL. Nach dem Interview trafen Hunderte von Anrufen im Sender ein, zum Teil weinten sie, sie bestätigten die angesprochenen Tatsachen in allen Punkten. Ziel des Wissenschafts-Vereins, als Teil der „Initiative Verschickungskinder“ ist eine bundesweite Aufmerksamkeit zu erreichen, eine Bundesbefassung der Politik mit diesem Thema und die gründliche Aufarbeitung eines gesellschaftlich relevanten Problems endlich auch politisch in Gang zu bringen. Auch die Bundesländer Baden-Württemberg und NRW unterstützen seit Längerem die Initiative Verschickungskinder darin, dass es eine Verantwortungsübernahme aus dem Bund geben muss. Auch die Bundesländerkonferenz aller Gesundheits- und Sozialminister unterstützt schon diese Forderung.

    PRESSE-ECHO: AKTION KINDERKOFFER: Eines mit dem Stadtrat von Tempelhof/Schöneberg, Oliver Schworck und eines mit dem Kinderrechtler Prof. Dr. Jörg Maywald: Dazu in der jungen Welt einen ausführlichen Artikel mit mehreren Interviews.

    Der namhafte Kinderrechtsforscher Prof. Dr. Jörg Maywald geht von keinen Einzelfällen aus, er wird auf dem fünften Fachkongress in Bad Salzdetfurth im November (16.-19.11. 23) das Auftaktreferat zur Historie des Züchtigungsrechts halten.

  • AKTION KINDERKOFFER

    AKTION KINDERKOFFER

    Wir haben erneut etwas erreicht: Trägerforschung. Das ist zu begrüßen, aber Betroffenenberatung und Bürgerforschung muss dringend professionell unterstützt werden! Dafür brauchen wir eine „Unabhängige Untersuchungskommisssion Kinderverschickung, die zentral vom Bund ausgerichtet wird, mit einem RUNDEN TISCH KINDERVERSCHICKUNG, mit allen Trägern, mit den Gesundheits- und Sozialministern der Länder, des Bundesgesundheits- und Familienminsteriums, sowie Vertretern der Heimort- und Landesgruppen/Landesvereinen der Initiative Kinderverschickung mit dem Ziel, eine professionelle Unterstützung zu organiseren.

    Die Berliner Gruppe Verschickungskinder lädt am 19.4.23 um 12 Uhr (bis 17 Uhr) alle Betroffenen von Kinderverschickung zu einer „AKTION KINDERKOFFER“ direkt auf dem Platz vor dem BUNDESKANZLERAMT in Berlin ein. Das ZIEL ist, die Aufmerksamkeit auf das Thema: Trauma Verschickung zu lenken und fast 43.000 Petitions-Unterschriften von Unterstützenden einer dringend nötigen bundesweiten Verantwortungsübernahme, Aufarbeitung und Aufarbeitungsunterstützung zu übergeben.

    Während dieser Aktion wird ein Ring von kleinen Kinderkoffern, zusammen mit Grabkerzen in einen Kreis gestellt, um den herum sich Menschen gruppieren, die sich an den Händen nehmen.
    Die Grabkerzen stehen für die vielen Kinder, die in der Verschickung gelitten haben und die unbekannte Anzahl derer, die unter der Verschickung gestorben sind. Download. Der Kreis schweigt oder singt leise oder laut die Lieder der Verschickung. Dazu wird es einen Infotisch geben, wo weitere Unterstützungsunterschriften gesammelt werden.
    Die Aktion ist polizeilich ordnungsgemäß angemeldet. Hier könnt ihr Näheres erfragen: berlin@verschickungsheime.de, dazu noch über die Nummer: 0176-24324947

  • Kieler Studie  – In Betroffenenberichten besondere Qualität von Gewalt gefunden

    Kieler Studie – In Betroffenenberichten besondere Qualität von Gewalt gefunden

    Auf dem Foto: Claudia J., Betroffene aus St.Peter-Ording

    Am 11.10.22, um 9 Uhr fand im Strandgut-Hotel die Präsentation einer Studie der Kieler Universität statt, die die Gemeinde St. Peter-Ording in Auftrag gegeben hatte. Augenzeugen der Initiative berichten von einer differenzierten, wertschätzenden Atmosphäre der Forschenden während der Veranstaltung. Die verschiedenen „Gewaltkategorien“ kamen während der Verschickungen eingehend zur Sprache. Deutlich wurde, dass die in den Verschickungsheimen „etablierte Gewalt“ keine Einzelfälle darstellte und eine ganz besonders schwere Qualität besaß. Betroffene haben seit Jahren viele Belege für ihnen in St. Peter-Ording angetanene Gewalt gesammelt, dies wird auch von der Kieler Studie durch oral-history-Interviews in ihrer Studie und anschließenden Ausstellung bestätigt.

    Allein auf der Web-Seite der Heimortgruppe St. Peter-Ording der Initiative Verschickungskinder sind zahlreiche Belege für Gewaltanwendungen, für Betroffene aus St.Peter-Ording aufgeführt: Download, unter anderem eine einjährige Recherche- und Forschungsarbeit eines Betroffenen, Thilo Eckhardt, in dessem Filmbeitrag die Recherchereise der Heimortgruppe St.Peter-Ording ausführlich dokumentiert wird.

    Leider hat der NDR aus einem einzigen Satz in der Studie, nämlich dem, dass die Forschenden „in den Akten keinen Hinweis auf systematische Gewalt aus niederen Beweggründen gefunden haben“ sofort eine Relativierung der in den Betroffenenberichte geschilderten Gewalt gemacht.

    Diese Schlussfolgerung widerspricht der Studie, wie sie hier veröffentlicht ist. Dort zu sehen ist Claudia Johannson, sie leitet die SPO-Betroffenengruppe, die eng mit den Kieler Forschern zusammengearbeitet hat, sie und andere Betroffene sind am Runden Tisch mit ehemaligen Mitarbeitenden beteiligt. Die Betroffenen dieser Gruppe fühlen sich wertgeschätzt, ernst- und adäquat wahrgenommen. Kontakt über diese Webadresse.

    In St. Peter Ording ist das Brisante, dass dort einer der Heimleiter eine NS-Vorgeschichte hatte, die vom heute dort noch lebenden Sohn kleingeredet wird. Godber Kraas‘ , Sohn des Hugo Kraas, hatte 1979 das Kindererholungsheim seines Vaters übernommen und streitet Gewalt in seinem Heim ab. Betroffene erinnern aber Gewalthandlungen dort. Der Sohn behauptet, es habe immer scharfe Jugendamtsüberprüfungen und einen guten Personalschlüssel gegeben, die Gewinnspanne sei extrem niedrig gewesen und sein Vater sei zwar Mitglied von NSDAP, SA und der Leibstandarte Adolf Hitler gewesen, aber habe nach dem Krieg die FDP mitgegründet. Ein NDR-Bericht von 2021 kommt bzgl. der Gefährlichkeit des Vaters zu einem anderen Schluss (Download). Ebenso bezüglich der abgestrittenen Unregelmäßigkeiten in seinem Heim.

    Frau Prof. Dr. Christiane Dienel vom Nexus-Institut und im Vorstand des AEKV e.V. zu den Ergebnissen der Kieler Studie befragt, findet an der Studie vor allem die Diskrepanz zwischen den Betroffenenberichten und den Selbstaussagen der Mitarbeitenden interessant, sie sagt: Ja, die Diskrepanz zwischen den Erlebnisberichten und der Selbsteinschätzung der Akteure (Ärzte, Eltern, Betreuerinnen) ist wirklich erklärungsbedürftig.

    Die Heimortgruppe St. Peter-Ording möchte sich auf jeden Fall noch eingehender mit der Studie beschäftigen.

    Presse:

    Kieler Nachrichten: https://www.facebook.com/photo/?fbid=5595806670441218&set=gm.1161672221100638&idorvanity=528366034431263

    NDR: Verschickungskinder: Studie sieht keine Belege für systematische Gewalt. 11.10.2022. URL: https://www.ndr.de/home/schleswig-holstein/Verschickungskinder-Studie-sieht-keine-Belege-fuer-systematische-Gewalt,verschickungskinder160.html.

    NDR Info: St. Peter-Ording: Verschickungskinder-Berichte teilweise relativiert. 11.10.2022. URL: https://www.ndr.de/nachrichten/info/St-Peter-Ording-Verschickungskinder-Berichte-teilweise-relativiert,ndrinfo37342.html.

    Hamburger Abendblatt: https://www.abendblatt.de/region/article236644877/nordsee-studie-zeigt-ausmass-der-gewalt-gegen-verschickungskinder.html

    RTL Nord: Regionale Nachrichten aus Norddeutschland, HH/SH. Beitrag zur Studie über Kinderverschickung in SH. 11.10.2022, 18 Uhr, Folge 203. URL: https://www.tvnow.de/shows/rtl-nord-hh-sh-15564/2022-10/episode-203-thema-u-a-waldbauer-norddeutschlands-waelder-sind-voller-eicheln-5228183).

    NDR: Schleswig-Holstein Magazin. Kieler Studie untersucht Missbrauch an Verschickungskindern. 11.10.2022. URL: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Kieler-Studie-untersucht-Missbrauch-an-Verschickungskindern,shmag98062.html.

    RTL News: Misshandlungen statt Hilfe in Kinderkurheimen. Ehemaliges Verschickungskind erzählt: „Ich wurde mehrmals am Tag mit dem Stock geschlagen“. 11.10.2022. URL: https://www.rtl.de/cms/verschickungskinder-in-schleswig-holstein-betroffener-rolf-peters-wurde-mehrmals-taeglich-misshandelt-5010678.html.

    Welt: Studie zeigt Missbrauch an Verschickungskindern. 11.10.2022. URL: https://www.welt.de/regionales/hamburg/article241538587/Studie-zeigt-Missbrauch-an-Verschickungskindern.html.

    Spiegel: Studie der Kieler Universität. Verschickungskinder in Sankt Peter-Ording waren seelischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt. 11.10.2022. URL: https://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/sankt-peter-ording-verschickungskinder-waren-laut-studie-der-universitaet-kiel-gewalt-ausgesetzt-a-953c425d-01ea-4049-83cc-072399e4c7ce.

    Süddeutsche Zeitung: Studie zeigt Missbrauch an Verschickungskindern. 11.10.2022. URL: https://www.sueddeutsche.de/politik/geschichte-sankt-peter-ording-studie-zeigt-missbrauch-an-verschickungskindern-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-221011-99-86860.

    sh:z: Studie zu St. Peter-Ording Schwarze Pädagogik in Verschickungsheimen: So sehen das Kieler Forscher. 11.10.2022. URL: https://www.shz.de/lokales/friedrichstadt/artikel/uni-erforscht-gewalt-an-verschickungskindern-in-st-peter-ording-43353741.

    Hamburger Abendblatt: So litten die Verschickungskinder von St. Peter-Ording. 11.10.2022. URL: https://www.abendblatt.de/region/article236644877/nordsee-studie-zeigt-ausmass-der-gewalt-gegen-verschickungskinder.html.

    Hamburger Morgenpost: Studie: Das mussten Verschickungskinder im Norden alles ertragen. 11.10.2022. URL: https://www.mopo.de/im-norden/schleswig-holstein/studie-das-mussten-verschickungskinder-im-norden-alles-ertragen/.

  • Die Geschichte des Rolf P. oder das vom NDR zensierte Interview

    Die Geschichte des Rolf P. oder das vom NDR zensierte Interview

    Die Leidensgeschichte des Rolf Peters, „Wieviele Suizide gab es noch?“ die er in einem DRK-Verschickungsheim auf Amrum erlebte, und die er einem NDR-Team in einem einstündigen Interview preisgab, für einen Film, der dann nie gesendet wurde, hat der Betroffene Rolf P. ein halbes Jahr später Anja Röhl für ihr Buch auch erzählt. Sie hat seine Geschichte aufgeschrieben, und im Buch: Heimweh – Verschickungskinder erzählen, im Oktober 2021 veröffentlicht. Das Interview mit Rolf Peters war laut einer mail von Volker Thormählen an Anja Röhl, vom 23.3.21 der entscheidenden Grund, warum der Filmbeitrag mit umfangreicher Recherche über Verschickungsheime seinerzeit im NDR nicht gesendet wurde. Er schrieb, es reiche die Aussage von einem Betroffenen nicht aus. Danach könnte man keiner einzigen Aussage unserer Betroffenen Glauben schenken, denn in jedem der Fälle gibt es meist nur eine individuelle Erinnerung. Und warum ist dies demütigend: Den Erinnerungen an Missbrauch und Gewalt in der Kindheit gegenüber Unglauben zu äußern, ist der einfachste Weg, sie wieder zum Schweigen zu bringen.

    Das Interview können sich Interessierte hier durchlesen: Hier ist das PDF.

  • Zensur im NDR?

    Zensur im NDR?

    Am 31.8. wurde breit bekannt: Leitende NDR-Mitarbeitende mussten gehen, unter anderem, weil sie 2021 einen schon fertig gedrehten Film über Brutalitäten in Verschickungsheimen, mit mehreren brisanten Zeitzeugen-Interviews, auf Wunsch der damaligen Trägerorganisationen, des DRK- Landesverbands in Kiel, noch vor der Ausstrahlung abgesetzt hatten, wie jetzt aus internem Briefwechsel bekannt wurde. 72 Mitarbeitende des NDR haben sich dazu in einem offenen Brief an ihren Chef gewandt und diesen an den STERN weitergereicht: sie schreiben von einem „Klima der Angst“, von „Politischen Filtern“, „Hofberichterstattung“ und „Zensur“. Sie fordern „eine lückenlose und transparente Aufarbeitung aller Vorwürfe“. Siehe dazu: (hier jeweils zum Downloaden, die Berichte in der FAZ, im ZAPP, in der ZEIT, und im STERN…)

    Dazu habe ich, Anja Röhl, eine Hintergrundinformation beizusteuern:

    Zufällig weiß ich von diesem Film, ein dokumentarischer Film, für den mehrere Protagonisten mehrstündig interviewt wurden, der nie gesendet wurde. Ich war an ihm selbst beteiligt. Es ging um Verschickungsheime in Schleswig-Holstein. Konkret um ein DRK-Heim auf Wittdün/Amrum, wozu ein Zeitzeuge, Rolf Peters, den ich zu dem Zeitpunkt noch nicht kannte, ausführlich interviewt wurde.  Nachdem der Film nicht gezeigt wurde, er dafür keine Begründung bekam, wandte der Interviewte sich an mich und ich interviewte ihn ausführlich für mein Buch: Heimweh-Verschickungskinder erzählen (Rolf), dass im Oktober 2021, im Psychosozial-Verlag erschien. 

    Als Betroffener einer besonders brutalen Behandlung, (DOWNLOAD des Interviews mit Rolf P.), die er sein ganzes Leben nicht vergessen konnte, hatte er sich schon 2014 an das DRK mit der Bitte um Aufarbeitung seines Falles gewandt. Er bekam einen sehr netten Brief von Herrn Seiters, mit der Zusicherung, er werde sicher Hilfe beim Landesverband finden. Danach wurde ihm vom Leiter des DRK Schleswig-Holstein in einem persönlichen Gespräch gesagt, er solle seine Briefe und Dokumente im Ofen verbrennen, dann hätte er „Ruhe“, er könne das auch gleich für ihn übernehmen, woraufhin der Betroffene erbost aufsprang, seine Papiere nahm und den Raum verließ. 2020 wandte er sich mit dem Anliegen an den NDR, das ungeheure Vorkommnis beizusteuern, dass ihm vom Leiter des DRK 2014 geraten wurde, seine traumatischen Verschickungs-Erlebnisse zu vergessen, und seine Dokumente über diese zu „vernichten“. Das Interview über seine Erlebnisse nahm einen breiten Raum in dem Film ein. Auch ich wurde für diesen Film lange interviewt und gefilmt. Viele Recherchen waren in diesen Filmbeitrag eingeflossen.

    Dieser Film wurde nie gezeigt, zur Begründung schrieb der Direktor des Kieler NDR, Volker Thormählen mir am 23.3.21 in einer mail, es sei „in der Tat so gewesen“ sei, „dass sich „die Redaktion“ damals „gegen eine Veröffentlichung der von Herrn P. geschilderten Thematik“ entschieden hat“. (Der ganze Film war abgesetzt worden, nicht nur das eine Interview, indirekt enthüllt er hier, dass es nur um diesen einen Beitrag geht) Allerdings seien „die Kolleg*innen selbstverständlich bereit, mögliche neue Belege anzuschauen und zu prüfen“ Ich wurde dann weiter, an den Leiter des TV-Bereichs, Herrn Norbert Lorentzen verwiesen. Dieser schrieb mir, die Aussagen eines Betroffenen reichten in diesem schwerwiegenden Fall nicht aus, der Film bleibe weiter ungezeigt.

    Kurz darauf habe ich, zusammen mit dem Betroffenen Rolf Peters, um ein Gespräch beim DRK Schleswig-Holstein gebeten, dass nach längerem Insistieren dann im August 2021 gewährt wurde. Dort hat der Leiter, Herr Gorissen zugegeben, 2014 den Satz mit dem Verbrennen der Dokumente gesagt zu haben, er meinte, er habe es damals ihm gegenüber „therapeutisch“ gemeint, damit er wieder zur Ruhe komme. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass man diesen Rat auch als Zeugnisvernichtungsversuch bewerten könnte. Er gab zu, dass man es so sehen könne, es so aber nicht gemeint gewesen war. Frau Annette Langner (DRK-Vorstand) war in diesem Gespräch auch dabei, Ich sprach sie darauf an, dass ein für uns sehr wichtiger NDR-Dokumentarfilm mit einem Interview meines Interviewpartners vor Ausstrahlung plötzlich abgesetzt wurde. Sie kannte den Vorgang, und behauptete, dass die Journalisten zu einseitige, „unverschämte“ „Verhörfragen“ geschickt habe. Ich habe mir nachher die Fragen zeigen lassen, es waren ganz normale Fragen. Warum aber das DRK die Macht hat, einen NDR-Sendebeitrag abzusetzen, die Frage konnte sie mir leider nicht beantworten. Herr Peters betonte abschließend, er wolle keine Entschädigung, er wolle aber unbedingt, dass eine lückenlose Aufklärung der Vorfälle im DRK-Heim auf Amrum in Angriff genommen werde. Eine Aufklärung sei für St.Peter-Ording schon auf den Weg gebracht, wurde geantwortet. Er würde sich freuen, wenn dies auch für Wittdün-Amrum passiere, antwortete Herr Peters.

    Im Interview des Betroffenen Rolf Peters, wie er es mir schließlich gab, und wie er es auch für den Film abgegeben hatte, geht es u.a. darum, dass sich in besagtem DRK-Verschickungsheim in Wittdün/Amrum, einer der Mitarbeiter als ehemaliger KZ-Aufseher geoutet, damit sogar angegeben und die Kinder mit dicken Dornenstrüngen blutig geschlagen hat. Während des Prügelns schrie und drohte dieser „Hausmeister“, dass er schon in Neuengamme den dortigen „Weicheiern“ Dampf gemacht hätte und er daher mit solchen Früchtchen wie ihnen (er meinte 8-jährige Kinder) mit links fertig werde. Seinem Freund wurde daraufhin der gesamte Rücken blutig geschlagen und aufgerissen. Auch war Herr P. am ersten Tag nackt ins Zimmer der Heimleiterin gezerrt worden, von ihr durch grobes Anfassen „begutachtet“, dann aufgrund von Rachitis-Merkmalen als „nicht arisch“ bezeichnet und anschließend entsprechend grausam behandelt worden. (Download: Interview) Rolf P. interessiert sich verständlicherweise selbst nach mehr als 60 Jahren noch für die Namen der damaligen Mitarbeitenden. Angeblich wüsste man die nicht mehr, wird ihm gesagt.

    Ich habe dann dem Leiter des TV-Bereichs im NDR Kiel, Norbert Lorentzen und Direktor Volker Thormählen angerufen, und mitgeteilt, dass ich von Herrn Gorissen vom Kieler DRK-Landesverband in einem persönlichen Gespräch zu viert, ein Eingeständnis der fragwürdigen Unterredung aus dem Jahre 2014 bekommen hätte, womit die Glaubwürdigkeit des Rolf Peters belegt war. Das seien Rolf Peters und ich sofort bereit, eidesstattlich zu bezeugen. Es müsse schriftlich vorliegen, war die Antwort. Ich schrieb dieses auch der Redakteurin des Films, sie war sehr überrascht. Ich glaubte, der Film käme nun doch noch. Aber bisher ist er nicht gezeigt worden.

    Nachdem jetzt herauskam, dass Frau Langners damalige Lebensgefährtin Mitglied im NDR-Rundfunkrat ist, scheint die Frage, die ich mir damals stellte, woher das DRK die Macht hat, einen fertigen Film zu verhindern, eventuell eine Antwort bekommen zu haben, ebenso bestätigen die 72 Angestellten mit ihren Vorwürfen der „Zensur“ und der „Hofberichterstattung“ meinen damaligen Eindruck. Inzwischen wurde vom DRK-LV SH im August 2021 eine Soziologie- und Pädagogik-Studentin (Betreuer Prof. Dr. Peter Graeff, Soziologie und empirische Sozialforschung an der CAU) beauftragt eine Studie/Masterarbeit über DRK-Verschickungsheime in Schleswig-Holstein zu erstellen. Diese Studie wird im Jahr 2024 veröfftnlicht, sie wurde 2023 abgeschlossen.

    Wir freuen uns, dass der LV Schleswig-Holstein des DRK die Anregung des Rolf Peters, eine ernstzunehmende Aufarbeitung zu betreiben, mit diesem Schritt begonnen hat. Aber obgleich das „DRK-Heim Wittdün-Amrum“ in der Studie eine zentrale Rolle einnimmt, wurden die Informationen des Rolf Peters, der den Anstoß zu der Studie gegeben hat, erneut nicht berücksichtigt. Ich verstehe das nicht. Der einfühlsame Brief des Bundespräsidenten des DRK 2014, der Rolf Peters damals mit so viel Mitgefühl entgegen kam, wieso wird er nun, zehn Jahre später immer noch und weiterhin so bitter enttäuscht?

    Rolf Peters ist am 25.2.24 achtzig Jahre alt geworden, wir gratulieren herzlich!

    Anja Röhl

    (1): zitiert aus öffentlichen Zeitzeugenberichten der Webseite: www.verschickungsheime.de

  • Bundesländerkonferenz einstimmig für Aufarbeitung des Leids der Verschickungskinder im Bund

    Bundesländerkonferenz einstimmig für Aufarbeitung des Leids der Verschickungskinder im Bund


    Nach einem erfolgreichen Vorstoß Baden-Württembergs auf der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) in Berlin am 13.5.22 setzen sich die Länder einstimmig für die Aufarbeitung des Leids der Verschickungskinder ein.

    Viele Kinder wurden in Deutschland ab den 1950er Jahren in sogenannte Erholungsheime geschickt. Dort erlebten sie jedoch häufig körperliche und seelische Misshandlungen. Auf der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) in Berlin wurde deshalb am Freitag (13. Mai 2022) ein entsprechender Antrag Baden-Württembergs einstimmig angenommen, der die weitere Aufarbeitung der damaligen Ereignisse zum Ziel hat. Unter den zuständigen Ministerinnen und Ministern sowie Senatorinnen und Senatoren der Länder bestand Einigkeit, dass eine Aufarbeitung der Geschehnisse in den sogenannten „Kinderkurheimen“ auf Bundesebene weiterhin dringend notwendig ist und zeitnah erfolgen muss. Der Bund wird aufgefordert eine bundesweite Aufklärung der Vorkommnisse gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern der ehemaligen Verschickungskinder und den damals involvierten Institutionen vorzunehmen.
    „Ich freue mich sehr, dass der Antrag Baden-Württembergs einstimmig angenommen wurde“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha am Freitag (13. Mai) in Berlin. „Das sind wir den vielen Betroffenen schuldig. Wir haben uns in Baden-Württemberg bereits vor zwei Jahren gemeinsam mit den ehemaligen Verschickungskindern, aber auch allen weiteren Akteuren auf den Weg gemacht, die Vergangenheit ohne Vorbehalte aufzuarbeiten. Heute sind wir soweit, dass die ehemaligen Verschickungskinder auf Augenhöhe mit den Trägern von damals, aber auch mit den Kassen und der Rentenversicherung bei der Aufarbeitung an einem Strang ziehen. Wir werden uns auch weiterhin für eine lückenlose Aufarbeitung einsetzen.“

    Danke an Herrn Lucha, danke an die Landesgruppe aus Baden-Württemberg und an den Landes-Verein AKVBW e.V., danke an alle überall im Land ehrenamtlich für die Aufarbeitung des Leids der Verschickungskinder tätigen und aktiven Menschen, euch allen ist es zu verdanken, dass wir das erreicht haben! DANKE !!!

    Hier

    der Link zum ganzen Artikel zum Runterladen

  • Forschergruppe der Uni Kiel startet Projekt zum Thema Verschickungen

    Forschergruppe der Uni Kiel startet Projekt zum Thema Verschickungen

    Neuigkeiten aus der Landeskoordination Schleswig-Holstein zur Forschung über Kinderverschickungsheime: Nachdem eine Studierende in ihrer Masterarbeit das Thema DRK-Trägerschaft der Verschickungsheime in Schleswig-Holstein untersucht hat, hat sich eine fünfköpfige Forschergruppe um Prof. Dr. Peter Graeff, (Soziologie und empirische Sozialforschung) und den Lehrbeauftragten für Regionalgeschichte Schleswig-Holsteins, Herrn Dr. Helge-Fabien Hertz gebildet. Beide sind Mitglied der Christian-Albrechts-Universität in Kiel. Das Projekt zum Thema „Wissenschaftliche Aufarbeitung und Dokumentation der Situation der ,Verschickungskinder‘ in St. Peter-Ording (1945–1990)“ wird von den Wissenschaftlern gemeinsam geleitet.

    Herr Prof. Dr. Graeff teilte uns mit, dass die Forschergruppe zurzeit gerade dabei ist, die Archivarbeiten und die geplanten Befragungen miteinander abzustimmen, so dass sie bald ins Feld gehen können.

    Mit Spannung erwartet die Initiative der Verschickungskinder Schleswig-Holstein die ersten Ergebnisse und hat ihre Beteiligung als Betroffene angeboten.

  • Ein Gesprächsteam zum DRK in Schleswig-Holstein

    Ein Gesprächs-Team hat sich gebildet: Verschickungskinder, die als Kinder in DRK-Heime in Schleswig-Holstein verschickt worden sind, haben einen Gesprächskreis gegründet:

    Gesprächskreis DRK-Landesverband SH/ – Verschickungskinder

    Kontakt:

    Angelika: angeliks.loos@gmail.com und: Angela: verschickung-amrum-wittduen@gmx.de

  • Report Mainz: Versäumnisse der Politik bei der Aufarbeitung

    Report Mainz: Versäumnisse der Politik bei der Aufarbeitung

    Noch einmal bringt REPORT MAINZ einen Bericht über die Verschickungskinder: Zwei Jahre warten diese jetzt schon auf konstruktive Lösungen aus dem Bundes-Gesundheits-, Sozial- und Familienministerium. Ein Runder Tisch tut dringend Not! Morgen, Dienstag, den 23.11.21 um 21.45 Uhr im ERSTEN: https://www.swr.de/report/-/id=13839326/4p15ri/index.html mit vielen Interviews!