Treffen an der Gedenkstele in Bad Salzdetfurth – zweijähriges Gedenken an Todesfälle in der Verschickung, am 11.4.26
Am 11. April hat die Diakonie Niedersachsen um 11.30 Uhr zu einer kleinen Gedenk-Veranstaltung an der Gedenkstele für drei dort gewaltsam zu Tode gekommene Kinder nach Bad Salzdetfurth eingeladen. Die Gedenkveranstaltung war sehr getragen und würdevoll. Danach fand ein Treffen im Cafe´statt, wo es zu dreistündigen Gespräche zwischen dem Bürgermeister, der Diakonie und Betroffenen von Kinderverschickung in Bad Salzdetfurth gekommen ist. Den Betroffenen wurde zugehört und ihre Wünsche wurden ernst genommen. Ergebnis dieser Gespräche ist zunächst die Vereinbarung, dass der Stein zusätzlich noch eine Grundplatte und ein Kiesbeet bekommt, sowie regelmäßige Pflege durch eine Gartenfirma.
Die Gedenkstele war im Jahr 2024 die erste seiner Art, die ein Träger zur Erinnerung an das Leid von Verschickungskindern in seinen früheren Einrichtungen aufgestellt hat. Sie ist seither dort neben dem Salzmuseum öffentlich sichtbar und weist auf die verstorbenen Kinder hin, deren Todesfälle man seinerzeit zuerst versucht hatte zu vertuschen. Die Diakonie Niedersachsen unterstützt die Aufarbeitung des Phänomens Kinderverschickungen.

Erste Gedenkstele für Verschickungskinder, gespendet von der Diakonie Niedersachsen, ehemalige Trägerinstitution der Kinderheilstätte in Bad Salzdetfurth, Waldhaus, in der Salinenstraße 19, 31162 Bad Salzdetfurth – neben dem Bergbau- und Salzmuseum


Die Betroffenen haben drei Blumensorten und drei Blumengestecke besorgt, für alle drei Kinder, denen hier das öffentliche Gedenken galt und gilt.
Herr Lencke von der Diakonie Niedersachsen hielt eine feierliche Andacht, in der es um Verantwortung, Mitgefühl und Glauben ging, der Bürgermeister Herr Gryschka von Bad Salzdetfurth betonte die Bemühungen auch um Information der Stadtbevölkerung über die Vorkommnisse in den früheren Heimen, und die Rednerinnen und Redner Werner Knöfel für die „Initiative Verschickungskinder e.V., und Anja Röhl für den AEKV e.V., betonten, das Symbol einer öffentlichen Gedenkstätte als solidarischen und spirituellen „Kraftort“ für die Betroffenen und dass die Forschung nach weiteren gewaltsam zu Tode gekommenen Kindern unbedingt vorangetrieben und unterstützt werden müsste.
Zum Stand der Forschung über Todesfälle: Bis 2023 wurden 20 weitere Fälle von ungeklärten Todesfällen in Einrichtungen der Verschickung (Nur nach Archivfunden eines einzigen Landesarchivs in Lippe/Detmold) gefunden. (Quelle: Lena Gilhaus, 2023, S.144ff) Kinder starben, weil sie ertranken, da Betreuungspersonen mit mehr als 40 Kindern schwimmen gingen (S.148), sie starben, weil sie in den Gängen der Zügen nach einer Toilettentür suchten und aus dem fahrenden Zug herausfielen, sie starben nach Krankheiten, die den Eltern nicht mitgeteilt wurden, sie starben durch Unfälle. Die Todesfälle wurden oft gar nicht, oder erst Monate später gemeldet (ebda:, S.146), Eltern wurden auch von Krankheiten ihrer Kinder und deren Verschlimmerungen nicht informiert, so dass sie keine Chance hatten, ihr Kind rechtzeitig in häusliche Obhut zurückzuholen und so vielleicht vor dem Tod zu bewahren (ebd, S.149). Negative Presse wegen eines kranken, verletzten oder verstorbenen Kindes scheint schlimmer gewogen zu haben als die moralische Pflicht, die Eltern rechtzeitig zu informieren und dadurch vielleicht das Kind zu retten. Den Anfang der Recherche über Todesfälle haben bislang Sabine Schwemm und Anja Röhl in Niedersachsen (für Bad Salzdetfurth, 2021), und Lena Gilhaus für NRW, (2023) mit weiteren Archivfunden aus dem LA Lippe/Detmold, für weitere Fälle in zwei Bundesländern, Niedersachsen und NRW unternommen, für kein anderes Bundesland liegen bisher überhaupt nur Zahlen vor!
