Ausstellung über Kinderverschickungen in Villingen-Schwenningen – 30. Juni Podiumsdiskussion
Die in Baden-Württemberg seit Längerem schon entwickelte Ausstellung tourt momentan im Bundesland Baden-Württemberg und ist im Schwarzwald zu sehen. Unser Tipp: Hingehen und anschauen, wer in der Nähe wohnt! Noch bis zum Ende Juli ist sie im ehemaligen Kinderkurort Villingen-Schwenningen zu sehen. Danke für die Ausstellungsmacher, wir brauchen die Öffentlichkeit und die Unterstützung von Archiven und Politikern. Das Bundesland Baden-Württemberg hat hier als erstes Bundesland seit 2020 Verantwortung übernommen. Nur NRW hat nachgezogen, aber Kinderverschickungselend gab es in allen Bundesländern!
Im Juni und Juli zeigt das Kreisarchiv im Foyer des Landratsamtes in VS-Villingen die Ausstellung „Freude und Erholung? Kinderverschickung in Baden-Württemberg 1949–1980.“ Die Ausstellung dauert von 1. Juni bis 31. Juli und ist im Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis, Am Hoptbühl 2, 78048 VS-Villingen während der Öffnungszeiten des Hauses zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am Montag, 1. Juni, um 18 Uhr im Großen Sitzungssaal des Landratsamtes. Anmeldungen sind bis Freitag, 22. Mai unter: Kreisarchiv@Lrasbk.de möglich.
„Freude und Erholung“, so hieß es, für die betreffenden Kinder war es aber eher angstbesetzt, schmerzhaft und traumatisch. Zehntausende haben sich seit 2019 öffentlich zu Wort gemeldet, denen diese Kuren oft lange wirkende seelische Wunden zugefügt haben.
Die Ausstellung konstatiert: „Die Trennung von den Eltern, die hohe Disziplin und der Konformitätsdruck, der in den Heimen herrschte, und die mangelnde Zuwendung für den Einzelnen, oft verbunden mit physischer und psychischer Gewalt ließen diese Wochen für viele zum Alptraum werden und prägen die Betroffenen teilweise bis heute.“ Im heutigen Schwarzwald-Baar-Kreis, der mit seiner Erholungslandschaft neben dem Meer und den Bergen ein bevorzugtes Ziel für die Kinderverschickung war, beginnt nun auch die Aufarbeitung. Das Kreisarchiv vom 1. Juni bis 31. Juli eine Ausstellung, die vom Landesarchiv Baden-Württemberg zu dieser Thematik erarbeitet wurde. Dort sichtete ein vom Sozialministerium gefördertes Projekt in den Jahren 2022 bis 2024 intensiv die erhaltenen Unterlagen und konnte grundlegende Erkenntnisse zu den Strukturen und Beteiligten im System der Kinderkuren gewinnen. Um das sensible Thema nicht nur auf Daten und Fakten zu reduzieren, greift die aufwendig gestaltete Ausstellung auf Comics der Künstlerin Birgit Weyhe zurück, die auf der Grundlage von Berichten ehemaliger Verschickungskinder entstanden und Erfahrungen und Erinnerungen stellvertretend bildlich umsetzen.
Die Ausstellung wurde am Montag, 1. Juni um 18 Uhr mit Landrat Sven Hinterseh und Einführungsvorträgen von Prof. Dr. Christian Keitel vom Landesarchiv sowie Kreisarchivar Clemens Joos eröffnet. Am Donnerstag, 30. Juni findet eine Podiumsdiskussion statt. Weitere Infos gibt es beim Kreisarchiv, Mail: kreisarchiv@lrasbk.de, Telefon: 07721 913-7105.
