Erfolgreiche Veranstaltung zum Thema Kinderverschickungen in Bayern unter dem Motto: Zuhören & Mitdiskutieren

Ein Auftakt in Hallbergmoos für Bayern zum Thema Verschickungskinder.

Am Sonntag Abend, 12. April, fand in der Emmauskirche Hallbergmoos eine Autorinnenlesung mit anschließender Diskussionsrunde zum Thema Verschickungskinder statt. Eingeladen hatte Uwe Rüddenklau, 1. Vorsitzender der bundesweiten Initiative Verschickungskinder e. V.

Die Veranstaltung könnte ein Auftakt zu ähnlichen Informationsrunden in Bayern sein, darüber waren sich alle Beteiligten an diesem Abend einig.

Uwe Rüddenklau erzählte zu Beginn über seine Erlebnisse als 6-jähriges Verschickungskind, wo er in das Adolfinenheim auf Borkum kam, um das „Elend der Verschickungskinder“ den  Zuhörern näher zu bringen. Die Zuhörer waren nicht nur aus Hallbergmoos und Umgebung, sondern aus ganz Bayern angereist. Darunter auch einige Verschickungskinder, die sich über die Veranstaltung sehr gefreut haben.

Bei der sehr emotionalen Lesung der Autorin Dorothea Burger aus ihrem Buch „Die blaue Stille“, in dem sie das lange verschwiegene Leid der Verschickungskinder thematisierte, wurde es „mucksmäusen still“ in der Emmauskirche. Alle lauschten ihrer Geschichte. Die Lesung hat dieses lange wenig beachtete Kapitel der Nachkriegsgeschichte sichtbar gemacht und uns Betroffenen eine Stimme gegeben.

Aus dem Inhalt:

Manchmal müssen wir uns der Vergangenheit stellen, um nach vorne
blicken zu können. Charlotte ist fünfundvierzig und steht mit beiden
Beinen im Leben. Sie glaubt weder an Wunder noch an die Liebe. Als ihr
langjähriger Freund Mark unerwartet vorschlägt, endlich zu heiraten und
zusammenzuziehen – in die Wohnung ihrer Kindheit -, zögert sie, ohne zu
verstehen, warum. Plötzlich blitzen Bilder in ihrem Kopf auf, die sie
stark beunruhigen. Es sind Bilder aus einer Zeit, als sie mit fünf
Jahren in ein Verschickungsheim gebracht wurde, an die sie sich nicht
mehr erinnert. Überzeugt, dass nichts davon wahr sein kann, stürzt sie
sich in die Hochzeitsvorbereitungen. Doch die Bilder haben sich in ihr
festgesetzt und formen sich zu Erinnerungen, die sie kaum mehr
verdrängen kann.

Im Anschluss folgte eine sehr angeregte Diskussionsrunde mit Schwerpunkt Bayern, in der sowohl politische Verantwortung als auch die Perspektiven Betroffener im Mittelpunkt standen. Uwe Rüddenklau moderierte diese Runde, wo die Zuhörer sich sehr aktiv und intensiv beteiligten. Es kamen Emotionen hoch, da die Zuhörer, darunter Verschickungskinder nach Wessobrunn oder Berchtesgaden ihre Geschichte einbrachten.

Der Wunsch nach mehr Transparenz, Verantwortung und „Bekanntheitsgrad“ des Themas Verschikungskinder wurde von sowohl von Doris Rauscher, Vorsitzende Sozialausschuss Landtag als auch Dr. Harald Britze, Leiter des Bayerischen Landesjugendamtes im ZBFS betont und unterstützt.

Mögliche Unterstützung kommt durch den Fachbeirat des BMH (Bayerische Beratungsstelle für Menschen mit Heimerfahrung in der Kindheit und Jugend) – https://www.blja.bayern.de/aktuelles/inhalte/59798/ – dem die vorher genannten als auch Ingrid Runde und Uwe Rüddenklau als Betroffenenvertreter angehören. Ganz konkret, kann dies die Verlinkung der BMH Seite – https://www.blja.bayern.de/beratung-beteiligung-beschwerde/bmh/#sec2  zur Webseite www.verschickungsheime.de sein. Der Bekanntheitsgrad der BMH Angebote muss das ZBFS steigern und wird es auch tun, so Dr.Britze in der Diskussionsrunde. Auch die laufende Studie des ehemaligen Heimes Wessobrunn sollte für die Diskussionen und Informationen des BMH in Zukunft genutzt werden: https://www.uniklinik-duesseldorf.de/aufarbeitung-wessobrunn .

Die Gemeinderätin Tanja Knieler aus Hallbergmoos, die den erkrankten 1. Bürgermeister Benjamin Henn vertrat, zeigte sich bewegt über die schlimmen Erlebnisse der Verschickungskinder, da sie selbst ein Kind in dem Alter hat. Sie nahm für ihre Arbeit als Referatsleiterin Gesundheit und Pflege in der Landtagsfraktion mit, dass bei der Ausbildung in der Pflege für Seniorenheime das Thema „Verschickungskinder“ aufgenommen werden sollte. Dies war auch eine Forderung von Uwe Rüddenklau als Moderator. Werner Knöfel (3.Vorsitzender der Initiative Verschickungskinder e. V.) und die Autorin Dorothea Burger – alle selbst Betroffene – betonten die Bedeutung unser Thema Verschickungskinder in die Öffentlichkeit zu bringen und breit aufzustellen, das es die ganze Gesellschaft betrifft. Somit ist es auch nicht verwunderlich, daß die Diskussionsrunde viel länger dauerte als geplant, da alle – ZUHÖRER und die DIKSUSSIONSRUNDE – mit großen Engagement dabei waren.

Der Abend endete mit dem Dank und Wunsch von Uwe Rüddenklau, dies in Bayern zu wiederholen … und im Jahr 2028 den BUNDESKONGRESS der Verschickungskinder eventuell in Bayern stattfinden zu lassen, was auch die Unterstützung von Doris Rauscher und Dr. Britze fand.

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