Petra Webersik – Künstlerin des Verschickungselends

Petra Webersik, Verschickungskind und Künstlerin auf Rügen, hat einen Zyklus eindrucksvoller Zeichnungen und Collagen zum Thema Verschickungselend geschaffen, der auf dem nächsten Bundeskongress in Wyk auf Föhr zu sehen sein wird, und dann vielleicht sogar noch etwas länger in Wyk oder Schleswig-Holstein zu sehen sein.

Die Collagen wirken surreal, eine leichte, vorsichtige, farblose, eher grafische Gestaltung, kalt, ungeborgen, einsam, das einzig Lebendige: Das Kind, gefesselt, mit zugeschnürtem Hals und zugeklebtem Mund. Es ist Übermächtigem ausgeliefert: Drachen, großen, aufgetürmten Mischwesen zwischen Mensch und Tier, Ungeheuern.

Die Bilder sind mehrdeutig, sie drücken Leid und Gewalt aus, dies ergreift den Betrachter unmittelbar, das Leid unterlegener Kinder, die angewiesen sind auf Schutz und Liebe, die ihnen hier nicht gewährt wird. Im Gegenteil, sie werden gequält, bestraft, zerdrückt. Surreal???

Wir verstehen es. Für uns ist das dargestellte Leid durchaus real. Erschreckend, ergreifend. So soll Kunst sein: Die Axt für den Felsblock des gefrorenen Leids im Inneren des Menschen, wie Kafka schrieb. Das Leid, das meist aus der Kindheit kommt. Von Erwachsenen zugefügt, die ihre eigene Kindheit vergessen haben.

Zur Soft-Skulptur „Rede- und Bewegungsverbot“ aus Textilien von Petra Webersik:

Die Farbe WEISS steht für den Frieden, die Reinheit, Unschuldigkeit und Vollkommenheit, die wir Kinder von Natur aus mitbrachten.
Textilien aus BAUMWOLLFASERN sind pflegeleicht, sie haben eine große Flexibilität, sind dadurch besonders anpassungsfähig und zeichnen sich durch ein geringes Gewicht aus. Das sind Eigenschaften, die auch von Verschickungskindern erwartet wurden.
Diese genähte Skulptur wurde mit Nadel und Faden hergestellt und dabei unzählige Male verwundet. Sie erzählt von dem Leid, das Verschickungskindern zugefügt wurde.

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