Positive Erinnerungen an Kindererholungsheime, Kinderheilstätten und Kinderkurheime

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Titelbild Elternratgeber: Mit Kindern an die See, 1987

Es hieß 50 Jahre lang, die Verschickungen seien „das Beste“ für die Kinder gewesen, inzwischen haben sich aber mehr als 50.000 Betroffene mit Erinnerungen an Demütigungen, Angst und Gewalt bei der Initiative Verschickungskinder in einem Gästebuch und einem Fragebogen, in anderen Foren, sozialen Medienkanälen, auf Petitionen und auf Journalisten- und Wissenschaftler-Aufrufe gemeldet und man hat darin ein System immer gleicher Gewalt erzeugender Bedingungen in diesen besonderen, oft sehr abgelegenen Pflegeeinrichtungen, mit nur wenig ausgebildetem Personal, erkannt. Das ist auch wissenschaftlich, durch Aktenfunde belegt worden. Betroffene aus den Zeiten der Verschickungen, wo jedes Jahr 350.000 Kinder in diese Heime gefahren wurden, von etwa 1950 bis 1989 und noch aus manche dieser Einrichtungen, bis in die 90er Jahre, erinnern sich schmerzhaft an einen hartherzigen, angsterregenden Umgang mit ihnen, an Demütigungen und Gewalt in diesen weit abgelegenen Einrichtungen ohne Elternbesuchsrecht. Als wir begannen, uns dem Thema der traumatischen Erinnerungen von Verschickungskindern zu nähern, waren wir erstaunt über die zahllosen, überaus detaillierten Berichte von angsterfüllten Verschickungsaufenthalten und erlebter Gewalt. Kinder, meist unter 6 Jahren, wurden zu Hunderten allein, ohne ihre Eltern, über 6 Wochen, zwischen 1946 und 1990, in weit entfernt liegende Kindererholungsheimen und -Heilstätten aller Bundesländer verbracht. Erlebnisschilderungen darüber wurden uns ungefragt zugesandt und sammeln sich seither öffentlich auf unserer Webseite in unserem Gästebuch, 2776 (am 27.5.25) und anonym in einem Fragebogen, wo es schon weit über 15.000 sind, die ihre Geschichte unserer Webseite und selbstbestimmten Forschung zur Verfügung gestellt haben. Wir zensieren nicht, wir kürzen nicht, wir schalten nur frei und sammeln. Es sind Erinnerungs-Schilderungen von Demütigungen, körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt und starken Angsterlebens. Diese Berichte sind zumeist von Menschen, die zum ersten Mal mit unserer Initiative in Kontakt kommen und erfahren, dass sie mit ihren schmerzlichen Erfahrungen nicht allein sind, sondern Teil einer sehr großen Gemeinschaft von Betroffenen. Oft ist dann der erste Impuls, das selbst Erlebte aufzuschreiben, Zeugnis abzulegen. Auch auf unserer Petition bei change.org gibt es über 49.000 Menschen, davon zahllose Betroffene, die in ihren Kommentaren von ihren eigenen negativen Erlebnissen berichten, dasselbe in zahlreichen facebookgruppen mit Tausenden von Mitgliedern.

Es ist also seit dem Beginn unserer Initiative immer deutlicher geworden, dass die Kinderverschickung System hatte und dass in ihr eine „Subkultur der Gewalt“ (Hans Walter Schmuhl (2023): Kur oder Verschickung: Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Dölling und Galitz, München, S. 249) herrschte. Alle bisherigen wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass im Rahmen der Kinderverschickungen Gewaltbedingungen durch vielfältige institutionelle Ursachen gegeben hat.

Manchmal werden in den Berichten, die uns vorliegen, äußere Bedingungen als tröstend empfunden: Sommer und Strand, Wald und Berge, Festlichkeiten, Aufführungen oder gemeinschaftliche Aktivitäten wie Singen, Spielen und Wandern. Trotzdem gibt es auch bei solchen positiven Erinnerungen oft zusätzliche Erinnerungen an Angst- und Gewaltsituationen, die ihnen selbst passiert, oder die die betreffenden beobachtet haben. Wir wollen einen umfassenden Einblick in das Geschehen während der Verschickungen erhalten. Dafür sind auch positive Erinnerungen wichtig. Denn oft können sie zeigen, durch welche Zufälle Kinder getröstet werden konnten, und manchmal widerstandsfähiger und resilienter gegen die negativen Erfahrungen wurden, oft in der Art, dass sich ein kritisches Bewusstsein gegenüber Kindesleid entwickelte. Es reichte manchmal eine heimliche Freundin, eine mitfühlende Praktikantin. Das ändert aber nichts daran, dass die Bedingungen in bisher allen uns bekannten Verschickungsheimen, also Kinderheilstätten und Kindererholungsheimen mit 6-Wochenkuren, zu denen wir und inzwischen viele andere recherchiert haben, in ähnlicher Weise angsterzeugend und gewalterzeugend auf Kinder und Personal gewirkt haben. 50 Jahre lang war der Diskurs zu Kindererholungsaufenthalten durchgehend positiv besetzt, Heimbetreiber, Mitarbeitende dieser Institutionen feierten ihre eigenen positiven Erinnerungen. Sie tun das noch. Ehemalige Mitarbeiter kommen mit Fotoalben und zeigen lachende Kinderfotos herum, sie beschreiben, wie gut der Zusammenhalt der Mitarbeitenden untereinander war, oft erzählen sie, wieviel sie miteinander gelacht haben und wie fröhlich alles war. Wir als Betroffene ertragen solche Begegnungen und Erzählungen nur sehr schwer. Aus der gleichen Zeit, wo wir die schmerzhaftesten Erinnerungen in uns haben, erzählen sie vom Spaß, den sie untereinander und mit den Kindern hatten. Unseres Erachtens ein Zeichen für Abspaltung von traurigem Kindeserleben, dass sie damals übersehen haben und heute nicht wahrhaben wollen. Auch für das Fehlen von Empathie, für ein nachträgliches „Schönen“ dieser Zeit. Wir freuen uns über jede Mitarbeiterin, die ihre Zeit damals kritisch hinterfragt, oder die ihr damaliges Vorgehen gegen die Kinder bereut, solche Briefe erreichen uns, das bewegt uns tief. In Bädermuseen und Elternratgebern war man viele Jahrzehnte lang des Lobes voll, kritische Worte, wie etwa Eltern- oder Erzieherbeschwerden oder auch kinderärztliche Kritik wurden fünf Jahrzehnte von Heimbetreibern und Behörden nur wenig beachtet, sie wurden bagatellisiert und sogar bekämpft (Röhl, A. in Sozialgeschichte offline, 2022, Heft 31/2022, S.61-100Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand. Erwachsene Zeitzeugenschaft am Beispiel eines Beschwerdebriefes im Adolfinenheim auf Borkum, auchonline verfügbar)

Nun, wo sich das erste Mal, nach 50 Jahren, die Betroffenen selbst zu Wort melden, brechen oftmals lange, nur im Privaten geäußerte Erinnerungen an Beschimpfungen, Schmerzen, Scham, Angst und Gewalt auf. Die Menschen beschreiben dabei detaillierte Szenen in Ess- und Schlafräumen und wissen noch, wo ihr Bett stand und wie an einem bestimmten Tag das Licht durch die Vorhänge fiel. Sie beschreiben Gerüche, an den Schlafsaal, den Waschraum, das Essen, Farben, gestochen scharfe Filmszenen ihrer traumatischen Erlebnisse und erleben dabei erneut tiefe Gefühle von Angst und Bedrohung. Andere haben schwere Körpersymptome und Alpträume, die sich durch bestimmte Fakten auf Verschickungserfahrungen zurückführen lassen. Sie alle erleben einen ungeheuren Kräftezuwachs aus dem Gefühl, nicht mehr allein mit ihrem Leid und nicht schuld daran gewesen zu sein, sie engagieren sich in gegenseitigem Austausch, in Beratung, Vernetzung und Recherche, sie streben an, mehr über diese Einrichtungen herauszufinden. Und haben es getan, die ersten Recherchen und Forschung zu diesem Thema kamen von Betroffenen.

Niemand sollte das Leid der Verschickungskinder, was sich seit 2019 zehntausendfach öffentlich geäußert hat, kleinreden wollen, kein einziger positiver Bericht sollte denjenigen, die als Kinder in diesen Einrichtungen gelitten haben, das Leid absprechen. Alle Menschen, die das Glück hatten, solches nicht zu erleben, sollten sich solidarisch zeigen.

Seit 2019 erstmalig tausende von Menschen ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich gemacht haben, gab es keinen Sturm der Entrüstung von ebenso vielen Menschen, die es anders erlebt hatten, stattdessen brach eine Lawine von verzweifelten, schmerzhaften und angsterregenden, oft das ganze Leben bestimmenden schlimmen Erinnerungen sich Bahn, und nur sehr selten meldeten sich Menschen mit auch positiven Erlebnissen in der Verschickung. Diese wenigen positiven Erinnerungen von Menschen an Verschickungen, stehen in keinem Verhältnis zu den vielen Tausenden, die es traumatisch empfanden. Sie dürfen nicht dazu benutzt werden, diejenigen Erlebnisse zu relativieren, die von Leid berichten. Das passiert aber dadurch, wenn in einer Austellung über das Verschickungsleid 5 negative Erinnerungen, gegen 5 positive Erinnerungen gestellt werden, was suggeriert, dass das Verhältnis sozusagen „ausgeglichen“ war. Das bedient das alte Narrativ, was uns aus den Werbebroschüren der 60er – 80er Jahre entgegenschallt. Was seither herausgefunden wurde, ist aber etwas anderes: Der Alltag in den bisher untersuchten Heimen war objektiv für Kinder, aus vielerlei Gründen, sehr oft und über zahlreiche Einrichtungen verteilt, schädlich und traumatisierend. Jede schlimmen Erinnerung daran muss ernst genommen und ihr muss nachgegangen werden. Nicht im Kind liegt der Schlüssel, dass es zu „empfindlich“ war, oder aus einem schwierigen Elternhaus kam, sondern in den speziellen Bedingungen des Heimes, in dem dieses Kind gelitten hat. Strafbücher, Unterbesetzungs- und Überbelegungszahlen, Information über die Ausbeutung der Mitarbeiter, Jugendamtsbeschwerdeakten über den Mangel an Toiletten, Fachpersonal, das schlechte Essen, den mangelnden Spielraum, NS-Reliquien zu Vorstellungen von strafender Erziehung, in historischen Fachbüchern, sowie Beschwerdebriefe, und Erinnerungen damals erwachsener Zeitzeugen, sowie Belege für illegale medizinische Handlungen und pharmazeutische Testungen, zeugen davon, und belegen, dass die schmerzhaften Erinnerungen der Verschickungskinder keine Phantomgespenster sind. Keine positive Erinnerung kann und darf das relativieren. Das Forschungsziel muss heute, oft mehr als 50 Jahre nach den Taten, sein, die Ursachen und Bedingungen dieser Gewalt in den Einrichtungen der Kinderverschickungen, objektiv aufzuklären, allen Hintergründen nachzugehen und genaueste Analyse zu betreiben.

Anja Röhl, Christiane Dienel, für den AEKV e.V., dem wissenschaftlichen Begleitverein der Initiative Verschickungskinder e.V.

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2877 Einträge
Martha schrieb am 10.10.2022
Gestern erfuhr ich in der Sendung planet wissen in ARD alpha vom Schicksal der Verschickungskinder. Ich war eines davon, denn meine Eltern machten sich Sorgen um ich, weil ich sehr dünn und häufig krank war.
Ich habe weder besonders gute, noch besonders schlechte, Erinnerungen an meinen Aufenthalt in SPO im Heim Quisisana. Ich erinnere Traurigkeit und Heimweh und mein Bemühen möglichst unauffällig im Getriebe des Heimes zu sein.
Nach der Sendung war mir jedoch so schlagartig klar, dass diese Zeit Wunden hinterlassen hat: Nach mich tief berührenden Ängsten habe ich jedes Mal mit nächtlichem Bettnässen reagiert, dessen Auftreten ich mir bisher noch nicht erklären konnte.
Jetzt, plötzlich, kann ich weinen und hoffentlich auch heilen.
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Nadja Hantschel aus Berlin schrieb am 10.10.2022
Ich war wegen Untergewichts 3 Wochen in Berlin-Buch zur Kur und sollte dort zunehmen. Meiner Mutter kann ich das nicht verübeln, sie wusste ja nicht wie schlimm die Heime waren und sie war froh, dass sie als alleinerziehende Witwe mit 3 Kinden mal für 3 Wochen eins abgeben konnte. Ihr mache ich keine Vorwürfe. Ich kann mich noch sehr gut an diese Kur erinnern. Ich war 4 oder 5, das muss also 1986 oder 1987 gewesen sein.
Ich wollte da nicht hin, welches Kind möchte schon in dem Alter 3 Wochen lang von der Familie getrennt werden. Ich habe bei Abreise fürchterlich geweint. Ich war ein gesundes Kind und kam vestört und traumatisiert nach Hause, habe aber meiner Mutter (mein Vater war 1983 verstorben) allerdings nicht erzählt wie es dort war. Vermutlich habe ich mich geschämt.
Die Zeit dort war geprägt von Angst und Traurigkeit. Im Rückblick verstehe ich jetzt warum ich ein Problem habe mit Autorität und mit Vertrauen und warum ich nicht gern gegessen habe.
Wir wurden zum Essen gezwungen, mussten doppelte Portionen essen und das Essen hineinzwingen. Wir durften nachts nicht auf Toilette, was dazu führte, dass mal ein Malheur passierte. Diese Scham, schrecklich. Ich habe in einem Gitterbett geschlafen, das viel zu klein war für mich, ich war ja schon 4 oder 5. Nachts habe ich vor Verzweiflung geweint und wurde dafür bestraft, eine Erzieherin hat mich mit ihren langen Fingernägeln gekniffen und mir gedroht. Man wurde überhaupt ständig bestraft.
Beim abendlichen Sandmannschauen im Fernsehzimmer hatte ich nach draußen geschaut, die Tür stand offen und dort stand ein Aquarium, ich hatte so etwas noch nie sehen und habe den bunten Fischen zugeschaut. Die Erzieherin hat mich daraufhin bestraft und ich musste mich neben sie stellen, die Tür wurde geschlossen und ich wurde zum Fernsehen gezwungen.
Diese 3 Wochen waren sehr prägend für mich und haben nicht dazu beigetragen, dass ich besser gegessen habe und dass ich mich gut entwickelt hätte.
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Katharina aus Bremen schrieb am 10.10.2022
Hallo,
zweimal wurde ich nach St. Peter-Ording in das Frisia (wenn ich das richtig erinnere) verschickt. Es war gruselig. Ich wurde zum Glück nicht so sehr schikaniert, weil ich es von zu Hause gewohnt war, möglichst nicht aufzufallen. Für mich war es einfach nur eine sehr unangenehme Zeit. Aber was ich dort erlebt habe, was an anderen Kindern "verbrochen" wurde, treibt mir heute noch die Tränen in die Augen. Nach dem 2. Aufenthalt habe ich einen derartigen "Zirkus" zu Hause veranstaltet, dass sogar meine sehr autoritären Eltern aufgegeben haben. Im krassen Gegensatz dazu stand das Erholungsheim in Willingen im Sauerland, an das ich nur gute Erinnerungen habe. Also auch damals hat es schon mal ein aus meiner Sicht gutes Erholungsheim gegeben.
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Katharina aus Bremen schrieb am 10.10.2022
Hallo,
in Willingen im Sauerland war ich 1964 und nochmal 1972. Die Heimleitung hatte eine Frau Nolte (wenn ich das recht erinnere). Dort habe ich mich außerodentlich wohl gefühlt! Das muss an dieser Stelle auch einmal gesagt sein. Das war für mich ein vorbildliches Kindererholungsheim. Im Gegensatz zu anderen Erfahrungen, die ich leider in St. Peter-Ording machen musste.
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Harald Blank geb. Karlsch aus Berlin schrieb am 09.10.2022
Hallo,
als ca 5/6-Jähriger wurde ich nach Bad Salzdetfurth verschickt, vermutlich zum Aufpäppeln. Leider konnte ich nicht mit meinen Bruder verschickt werden, der kam nach Wyk auf Föhr. Das war eher entäuschend. Nun war ich alleine dort und es passierte mitten in der Nacht ( Ich werde es nie vergessen )..ich nässte ein, die Nachtaufsicht bekam dies mit. Sie hetzte die anderen Kinder in diesem großen Schlafsaal nun dazu auf, mir wegen der nächtlichen Störung eine Lektion zu erteilen. Ich lag in dem nassen Bett um mich herum ein Bettgitter..und nun um mich herum alle Kinder, die mit allem auf mich einschlugen. Nach der Lektion musste ich noch zur Strafe geraume Zeit im Flur auf einen Holzstuhl sitzen bis, ich wieder ins Bett durfte. Von da an stand ich jeden Tag bis zum Ende der Reise am Fenster und wartete auf meine Mutter. Seitdem ist dieser Vorfall Teil meines Lebens.
Gruß Harry aus Berlin
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MonikaD schrieb am 09.10.2022
Eigentlich hätte der Fernsehbeitrag über die Verschickungskinder vom 7.Okt. 2022 mit einer Triggerwarnung versehen werden müssen, denn ich reagierte augenblicklich mit Herzrasen und massiver Übelkeit darauf. Vom Begriff selbst hatte ich noch nie etwas gehört.

Wegen Neurodermitis an beiden Armen wurde ich 1974 als Achtjährige nach Norderney in Kinderkur geschickt. Beim Anblick des Heimes, dessen Namen ich nicht mehr weiß, dachte ich, es sei ein Dornröschenschloss, innen herrschte aber der blanke Horror.
Ich kann mich nur bruchstückhaft erinnern, mutmaßlich ist noch viel mehr geschehen: Es herrschte ein empathieloses Unterdrückungssystem mit ganz viel Angst und fürchterlichem Heimweh.
Im Schlafsaal und im Speisesaal hatte Ruhe zu herrschen. Wer aus der Reihe tanzte, wurde reglementiert und bloßgestellt. Der Nachtisch war in der Tischmitte in Glasschälchen ungleichmäßig abgefüllt, wer mit der Hauptspeise zuerst fertig war, durfte sich das größte Schälchen nehmen. Als vormals nörgeliger Esser stopfte ich alles widerwillig in mich hinein, um etwas mehr Nachspeise zu ergattern, denn der Teller musste leergegessen werden, da gab es keinen Verhandlungsspielraum.
Ersehnte Briefe aus der Heimat – Schreiben, die nur für mich persönlich waren - wurden öffentlich im Speisesaal vorgelesen, ausgehende Briefe korrigiert und zensiert. Jede Nacht weinte ich lautlos unter der Bettdecke und las mit der Taschenlampe die geliebten Zeilen meiner Familie tausende Male.

Der erzwungene Mittagsschlaf musste ohne einen Mucks vonstatten gehen. Aus Langeweile warfen wir uns meinen Teddy von Stockbett zu Stockbett zu und kicherten so leise wie möglich. Er landete dummerweise in einem mit Wasser gefüllten Kotzeimer und ich zur Strafe für ein paar Stunden in einem Extraraum für Störenfriede, wo ich auf einem Stuhl sitzend auf Erlösung warten musste.

Das nächtliche Toilettenverbot war für mich die schlimmste aller Regeln, denn dadurch musste ich erst recht aufs Klo und mich entscheiden, entweder ins Bett zu machen oder den heimlichen Weg aufs Örtchen zu riskieren. Beides wurde bestraft, so landete ich des öfteren im separaten Raum.

Ungefähr zur Halbzeit wurde von Seiten des Kinderheimes dem Wunsch der Schwester meines Opas nach einem Treffen stattgegeben. Diese kurte gerade auf Norderney, wir trafen uns im Wellenbad, das wir einmal wöchentlich besuchten. Aus Freude über ein bekanntes, vertrautes Gesicht bekam ich kaum einen Ton heraus. Ich hätte nur äußern müssen: „Hol' mich hier raus!“, aber ich war wie versteinert und schwieg, riesengroß war meine Angst. Warum zur Hölle hatte ich ihr nichts gesagt, fragte ich mich bis zum Ende des Aufenthaltes jeden einzelnen Tag.

Nach sechs Wochen kehrte ich ohne Hautekzeme zurück, dafür aber mit völlig abgekauten Fingernägeln und einer demolierten Kinderseele. Ich habe mich jahrelang geweigert, darüber zu reden, alles wurde verdrängt. Lebenslang zurückgeblieben sind eine Toilettenmacke, ein Autoritätsproblem und weitere Verhaltensweisen, die ich erst noch ergründen muss.
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Holger aus Peissenberg schrieb am 09.10.2022
6 Wochen mit 5 Jahren… klingt aus heutiger Sicht etwas schräg, aber: es war eine wundervolle Zeit. Die Anwendungen ( Wandelhallen mit Solenebel, Bäder, Atemgymnastik usw) waren sehr wohltuend. Wir waren alle Freunde und spielten gern draußen. Wir gruben Löcher in die Wiese in welche wir Schnecken, Ameisen, Brennnesseln und spitze Stöcke stopften, in der Hoffnung das irgendeiner in unsere gut getarnten Fallen tritt und sich maximal verletzt. Leider mussten wir vor dem Reingehen alle Internierten Lebewesen befreien und die Gruben zurückbauen.
Bei schlechtem Wetter bastelten wir, spielten Skat oder Brettspiele oder malten.
Ich war sehr glücklich über das gute Essen und kannte viele Dinge die es da gab vorher nicht. (Blattsalate, rote Beete, Gemüse in Aspik)
Damals hatten wir daheim noch kein Badezimmer und nur ein Plumsklo, da war das ständig verfügbare Warmwasser und die Tatsache, nachts nicht übern Hof zu rennen um die Toilette zu besuchen für mich ein Stück vom Paradies. Wir bekamen Unmengen Post, die Kindergärten aller Kinder schickten Massen an gemalten Bildern und jede Post wurde vor allen geöffnet und vorgelesen damit sich alle über die lieben Worte freuen konnten. Da war es schon fast egal wenn man selbst mal keine Post bekommen hat. Ich möchte mich an dieser Stelle bei unserer Erzieherin Frl. Tausche und Herrn Senf bedanken für die schöne Zeit die wir in Bad Sulza verbringen durften.
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Bernd Kalla aus FULDA schrieb am 09.10.2022
1966 hieß es von meinen Eltern, dass es diesmal (nachdem ich davor in Bad Sooden-Allendorf war)„in die Berge“ geht, das kannte ich noch nicht. Und dass es weiter weg ist. Da ich immer noch rappeldürr war, dachte ich wohl, dass das in Ordnung ist. Hierzu habe ich 2 Postkarten, beide vom Juni 1966, da war ich also 8 Jahre alt und es war diesmal Sommer. Auch diese Postkarten wurden vom Heim geschrieben, eine davon ist sehr undeutlich und kaum lesbar – kein Wunder, wenn man für so viele Kinder schreiben muss. Auf der einen Postkarte steht: „Orthopädisches Kinderkurheim Sonnhalde, Wallgau/Obb.“ Auf der Webseite www.verschickungskind.de findet man weitere Infos wie auch zu vielen anderen Kinderkurheimen. Aber warum heißt es „Orthopädisches“? Meine Füße waren doch in Ordnung – glaube ich. Hier war auch meine 6 ½-jährige Schwester dabei und darüber war ich froh. Wir hatten aber getrennte Zimmer, wie auf der Postkarte vermerkt. Sie hatte vorne einen Balkon und mein Zimmer lag weiter hinten mit 2 Fenstern (war also ein größerer Raum). Ihr Raum hieß „Schwalbennest“ und mein Raum „Märchenland“. Es existiert auch ein Foto von uns Kindern, was dort an einem Waldrand gemacht wurde – es zeigt 13 Kinder, keine Erwachsenen. Vielleicht kann ich es hochladen. Meine Mutter hatte mir vor kurzem berichtet, dass die ganze Gruppe wegen Grippe oder so noch eine Woche länger bleiben mussten, wovon wir Kinder vermutlich nichts mitbekommen haben. Das passte meinen Eltern sehr gut, denn sie bereiteten insgeheim den Umzug in ein neues Haus vor und brauchten noch etwas Zeit, weil einige Möbel noch nicht geliefert wurden, da alle Möbel neu gekauft wurden. Die Überraschung, plötzlich ein neues Zimmer in einem nagelneuen Haus (so roch es auch) zu haben, ist Ihnen gelungen und unvergessen.
1968 waren wir zum letzten Mal „zur Erholung“. Ich war 10 und meine Schwester 8 ½. Davon gibt es auch 2 Postkarten. Diesmal habe ich die beiden existierenden Postkarten selber geschrieben. Interessant ist das Datum der Postkarten: 19.05.68; u.a. schreibe ich „Wir sind gut angekommen.“ Das Datum der 2. Postkarte lautet: 18.06.68 und hier schreibe ich u.a. „Das ist die letzte Karte von mir.“ Von den beiden Zeiten in Wallgau habe ich wenig Erinnerungen – vielleicht ist mein „Gedächtnisspeicher“ nicht so groß und es wurde vieles gelöscht. Lediglich 2 Erinnerungen habe ich: Zum einen gab es an einem Tag plötzlich und völlig unerwartet ein so heftiges Gewitter, wie ich es in dieser Lautstärke noch nie erlebt hatte. Dagegen sind die zuhause in Hessen „Gewitterchen“. Ich stand an einem großen Glasfenster (so hat es meine Erinnerung für immer abgespeichert) und zuckte bei jedem Donnerkrachen erschrocken zusammen. Und ich glaube, es gab dann immer das mehrmalige Echo von den Bergen. Die 2. Erinnerung war, als wir beim Mittagessen waren. Meine Schwester saß mir gegenüber, wir alberten herum (keinerlei Bestrafung!) und ich warf ein Bröckchen Essen zu ihr hinüber. Das sah die Aufsicht, schimpfte mit mir und zur Strafe musste ich hoch in mein Zimmer und es gab keinen Nachtisch! Das war besonders schlimm, denn heute gab es wieder meinen Lieblingsnachtisch – eine Quarkcreme. Diese Creme hatte einen Geschmack, den ich nie wieder woanders gefunden habe. Die Creme war unbeschreiblich lecker. Da meine Schwester dies wusste, hat sie es irgendwie geschafft, mir eine Portion aufs Zimmer zu bringen – herrlich! Ich habe sie mal danach gefragt, aber sie konnte sich daran nicht mehr erinnern.
Heute bin ich 64, in meinem Kopf schwirren (wenn ich in mich gehe) viele, viele Erinnerungen kreuz und quer durch alle Jahre herum und manchmal denke ich, dass das alles jemand anderes erlebt und mir erzählt hat – so weit weg sind manche Erinnerungen. Aber dann sage ich mir: Das bin alles ich, das habe ich wirklich alles selbst erlebt.
Ich wünsche allen, die in den Heimen „die Hölle“ erlebt haben (anders kann man es nicht sagen), ganz viel Kraft und Mut, sich anderen anzuvertrauen und hier ebenfalls ihre Erlebnisse niederzuschreiben – denn Schreiben ist auch Therapie – sich alles von der Seele schreiben. Damit die Seele – und damit der Mensch – wieder gesund wird. Soweit dies möglich ist. Die Seele hat Narben davongetragen, die gehen nicht weg. Aber es gibt Hilfe zur Selbsthilfe – es gibt Therapien. Machen Sie den ersten Schritt.
Bernd
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Bernd Kalla aus FULDA schrieb am 09.10.2022
Zum Thema „Verschickungskinder“ kam ich durch Zufall, als ich bei Google fragte: „Darf man Kinder verschicken?“ (Antwort: ja. Das gab es früher tatsächlich bis 1920!). Dann kam ich zu der Seite „www.verschickungskind.de“ (vielleicht findet jemand hier auch Informationen). Übrigens sollte man die Seiten gegenseitig verlinken. Und nachdem ich nun 2 Berichte im Fernsehen über das Thema gesehen habe, bin ich schon den ganzen Tag „neben der Spur“, das viele Leid, das die Kinder erfahren mussten und bis heute nachwirkt, machen mich sehr traurig. Und gleichzeitig bin ich im Nachhinein wahnsinnig froh, dass mir und meiner Schwester dieses Schicksal erspart geblieben ist! Das ganze Ausmaß, was gewesen wäre, wenn… mein Leben wäre anders verlaufen.
Nun zu meinen Erlebnissen: Ich war 3x (für das angebliche 4. Mal gibt es keinen Beleg) „zur Erholung“, wie es bei uns zuhause immer hieß zum Teil auch mit meiner Schwester. Wir waren beide so dünn, dass man, wenn wir uns streckten, die Rippen zählen konnte (dazu gibt es ein Bild, wo wir uns am holländischen Strand strecken). Trotz Kuchen und Süßigkeiten essen, kam „nichts auf die Rippen“. Und um es gleich vorneweg zu sagen: wir hatten 3x Glück, dass uns nichts Schlimmes widerfahren ist! Beide Heime (Bad Sooden-Allendorf und Wallgau) waren in diesem Zeitraum „in Ordnung“, jedenfalls was ich als Kind mitbekommen habe. Und in Bad Sooden-Allendorf war ich genau in dem Heim, an deren Namen sich Christa und Ute (Zitat „…relativ kleines, Villen ähnliches Gebäude…“) nicht mehr erinnern können. Und ich war 1965 dort! Das Gebäude gibt es heute noch fast unverändert: damals hieß es wie auf meiner Postkarte steht: „Caritas Kinderheim Haus Elisabeth“, heute heißt es „Pfarrzentrum Haus Elisabeth“, Am Haintor 24. Wohlgemerkt: ein Heim der Caritas. An den Aufenthalt habe ich nur wenige, aber gute Erinnerungen: Ich erinnere mich an einen Bahnübergang in der Nähe, der mir sagte, dass wir gleich da sind (wichtig, wenn man mal dringend muss und ich ging immer „auf den letzten Drücker“) und an den dunkelbraunen Holzzaun mit einem kleinen Türchen. Und es gab ein großes Treppenhaus in der Mitte des Hauses. Eines Abends mussten wir uns alle ganz oben rundherum am Treppengeländer versammeln. Draußen war es schon dunkel und das Treppenhaus war nur wenig beleuchtet. Wir schauten hinunter. Dann sangen wir alle zusammen „Kein schöner Land in dieser Zeit“ (was grammatikalisch eigentlich falsch ist, aber deutsches Liedgut). Wenn es 1965 gewesen ist (der Poststempel ist leider nicht lesbar), war ich zu diesem Zeitpunkt 7. Natürlich wurde die Postkarte, die ich nun wiedergefunden habe, nicht von mir geschrieben. Darin standen nur wenige Zeilen: „Liebe Eltern! Ich bin gut in Bad Sooden-Allendorf angekommen. Hier liegt viel Schnee. Für heute diesen Kartengruß von Eurem Bernd.“ Wie ich dorthin gekommen bin und wieder zurück, weiß ich nicht mehr. Ich dachte immer, dass mein Papa mich hingefahren und abgeholt hat. Auf jeden Fall war es im Winter.
Heute bin ich 64, in meinem Kopf schwirren (wenn ich in mich gehe) viele, viele Erinnerungen kreuz und quer durch alle Jahre herum und manchmal denke ich, dass das alles jemand anderes erlebt und mir erzählt hat – so weit weg sind manche Erinnerungen. Aber dann sage ich mir: Das war und bin alles ich, das habe ich wirklich alles selbst erlebt. Und es gibt manchmal so kleine „Filmchen“ über ein bestimmtes Erlebnis – aus guten und aus schlechten Zeiten. Das ist das Leben eben.
Ich wünsche allen, die in den Heimen „die Hölle“ erlebt haben (anders kann man es nicht sagen), ganz viel Kraft und Mut, sich anderen anzuvertrauen und hier ebenfalls ihre Erlebnisse niederzuschreiben – denn Schreiben ist auch Therapie – sich alles von der Seele schreiben. Damit die Seele – und damit der Mensch – wieder gesund wird. Soweit dies möglich ist. Die Seele hat Narben davongetragen, die gehen nicht weg. Aber es gibt Hilfe zur Selbsthilfe – es gibt Therapien. Machen Sie den ersten Schritt.
Bernd
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Martin aus Gelsenkirchen schrieb am 09.10.2022
Ich war 1985 mit 6 Jahren in tarnewitz gewesen. Ich kann mich an Situationen erinnern das ich nackt war und auf der Toilette glaube ich unsanft angefasst worden bin. Es war mehrmals täglich gewesen. Ich würde sagen. Es war auch hin bis zur Vergewaltigung. Es wurde auch jetzt nachgewiesen das ich nicht nur unter Depressionen sondern auch unter einer PTBS leide.
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Kerstin Sörbom aus Stockholm schrieb am 09.10.2022
Bin wegen Bronchitis 2 mal im Heim gewesen, 7 und 9 Jahre und habe durch die Separation von meiner Familie furchtbar darunter gelitten. Vor allem beim zweiten Mal, kann mich genau auf die Fahrt ins Heim erinnern, die völlige Panik, ich wusste ja was mich etwartet. Meine Eltern denen mei Geschrei auf die Nerven ging.
Völlig unverstehende Eltern, es war ja wegen der Gesundheit. Sie folgten blind dem Rat der Experten. Das Heim lag am Watzmann.
Kontrollierte Briefe, Essen, Toilettenbesuche, Zwangsimpfung, alles Zwang, kein weiches Wort, kein Trost. Am deutlichsten kann ich mich erinnern an das Zwangsduschen, wir standen nackig nebeneinander und wurden mit einem Schlauch mit eiskalltem Wasser abgebraust. Ohne Ruecksicht. die Sauna, das Eiskallte Becken in dem wir uns abkuehlen mussten.
Wiederstand gabs nicht, der wurde ruecksichtslos bestraft.
Furchtbare Erinnerungen die ich im Terapizimmer bearbeitet habe. Was wurde mir damals alles geraubt.
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Hans-Dieter Otto aus Münster schrieb am 09.10.2022
1961 war ich für 6 Wochen (April/Mai) im Kinderheim Marianne in Obermaiselstein im Allgäu. Da ich sehr dünn und schmächtig war, sollte ich "aufgepeppelt" werden. Es wurde also darauf Wert gelegt, dass alles, was auf den Tisch kam, auch aufgegessen wurde. Häufig gab es dicke, sämige Suppen, die ich überhaupt nicht mochte. Einen Teller habe ich ich meistens mit viel Überwindung geschafft. Das reichte aber nicht! Es musste noch ein zweiter Teller voll sein. Den habe ich nie geschafft, sondern habe regelmäßig erbrochen. Bis zum heutigen Tag kann ich keine Suppen essen, die eine ähnliche Konsistenz aufweisen,wie die in Obermaiselstein. Damals war ich neun Jahre alt.
Briefe, die wir an unsere Eltern schrieben, wurden alle gelesen. Stand etwas darin, was der Heimleitung nicht passte, musste das von uns Kindern korrigiert werden.
Während der Mittagsruhe durfte man nicht zur Toilette gehen. Wer es trotzdem tat, weil er "musste", wurde aufgeschrieben und bekam weniger zu trinken.
Der Aufenthalt in Obermaiselstein wurde meinen Eltern von der Krankenkasse (BEK) empfohlen und auch großzügig bezuschusst. Meine Eltern handelten in der tiefen Überzeugung, daß beste für mich zu tun. Dass dem nicht so war, habe ich Ihnen erst viel später erzählt.
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Stefanie Geiler aus Berlin schrieb am 09.10.2022
Hallo, ich war in den Sommerferien 1978 für 6 Wochen in Sankt Peter Ording im Goldenen Schlüssel. Mit meinem damaligen Schulkameraden wurde ich zusammen aufgrund des Anratens meiner damaligen Kinderärztin dorthin verschickt, weil ich zu dünn war. Dort hatte ich unheimliches Heimweh, auch weil ich wenig Kontakt zu meinem Freund hatte, denn Mädchen und Jungen waren ja getrennt. Ich kann mich auch nur an den Inhalationskeller erinnern und ich wusste eigentlich nicht, wieso ich dort rein sollte. An das Essen kann ich mich kaum erinnern, nur an den Apfelmus mit Sahne, den die unterernährten Kinder als Nachspeise erhalten haben und die traurigen Blicke der Kinder, die das nicht essen durften. Ich kann mich auch an Spaziergänge ins Watt durch die Priele erinnern. Ansonsten habe ich alles verdrängt und weiß nur, dass das für mich keine schöne Zeit war. Der Kontakt zu meinem Schulkameraden lief irgendwie immer nur heimlich ab, so meine Erinnerung. Ich weiß nicht, ob mir Schlimmes wiederverfahren ist. Da ich Jahre vorher bereits mit 7 über 4 Wochen im Krankenhaus gelegen habe, wo mich Krankenschwestern ans Bett gebunden haben, damit ich mir die Schläuche nicht wieder rausziehe, mich andere Kinder beklaut haben, ich Studenten in der Vorlesung einfach mal so vorgeführt wurde und insgesamt keine guten Erlebnisse dort hatte, ausser der, dass ich überlebt habe, wird mir der Aufenthalt im Goldenen Schlüssel wahrscheinlich nichts Schlimmeres zugemutet haben, was ich nicht bereits kannte. Ich weiß nur, dass ich heute öfter daran denken muss und mich rückwirkend sehr allein gelassen gefühlt habe.
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Schäfer Karin - Maria (geb. Leisegang) aus Bayerisch-Eisrnstein schrieb am 08.10.2022
Hallo, ich möchte mich auch ins Gästebuch eintragen, da ich glaube, dass wir Verschickungskinder nur so öffentlich erhört werden.
Ich war mit 5 Jahren im April 1963 oder 1964 nach St. Peter Ording in das Kinderkurheim Köhlbrand, durch einen Amtsarzt in Frankfurt am Main, wegen Kränklichkeit und mangels an Größe, verschickt. Meinen Eltern würde glaubhaft gemacht, dass ich nur so wieder gesünder werden würde, wenn ich zur Erholung führe. Auf der Fahrt vom Frankfurter Bahnhof bis nach St. Peter Ording, habe ich nur geweint. Am Ort angekommen wurde uns das Gepäck weg genommen. Was damit geschah weiß ich nicht. Meine Puppe Maria, durfte ich bis auf Weiteres behalten. Am Abend gab es Brot mit Tee. Ich kaute auf dem Brot herum und trank meinen Tee und dann mussten wir ins Bett. Die Schuhe mussten akkurat vor dem Bett stehen und wir sollten mit dem Gesicht zur Wand liegen und schlafen. Am Morgen gab es komisches Frühstück, eine Schale mit Kaba, Zucker und Haferflocken und eine Tasse warme Milch mit Haut. Ich habe noch nie Milch getrunken und ich musste. Ich musste aufstehen, zu der Wärter kommen und unter Drohung mit der Peitsche, die Milch austrinken. Vor Ekel habe ich mich übergeben und genau über die schöne weiße Schürze, der Wärterin. Dafür bekam ich die kleine Peitsche ins Gesicht geschlagen und musste für den Rest des Tages ins Bett. Ich war oft über den Tag im Bett. Die nächsten Tage haben meine Tischnachbarinnen heimlich mein Essen genommen und ihre leeren Teller und Tassen zu mir gestellt, damit es aussah, als das ich essen würde. So aß ich nichts und trank nur den Tee am Mittag und Abend. In der Nacht wurde ich oft wach, weil mir gegenüber ein Mädel weinte und schrie. Sie wurde fast jede Nacht verprügelt, weil sie ins Bett machte und musste auf dem nackten Fußboden mit nur einer Decke schlafen. Oder im Waschraum, oder stehend im Flur. Den Waschraum habe ich auch böse kennen gelernt. Weil ich klein war, haben sie mir ein kleines Schemelchen vor das Waschbecken gestellt, damit ich meine Zähne putzen konnte und so, aber ich kippte damit um und würde in die de Dusche gezerrt, wo man mich unter die Brause stellte. Es war egal, ob ich schrie und weinte. Die Schläge gingen wieder von Nacht zu Nacht weiter. Als ich einmal mit dem Mädel weinte, bekam ich meine Puppe abgenommen, sie wurde auf das Fensterbrett gesetzt und ich musste am Fussende schlafen. Ich versuchte heimlich meine Puppe zu holen, dafür bekam ich Schläge und die Puppe weggenommen. Wir durften nicht reden und nicht weinen. Auf einem Ausflug ans Meer, sollten wir Muscheln sammeln und diese den Wärterinnen geben. Das Meer war nicht da. Ich fand eine Art Traube mit lauter Muscheln dran und wollte es meiner Mutter mitbringen. Als ich sie aber abgeben sollte, bin ich weggelaufen. Eine Strafe dafür bekam ich später, denn die andere Wärterin schrie, dass das Meer käme und wir sofort zurück gehen sollen. Ich dachte, dass das Meer in einer riesengroßen Welle käme und rannte um mein Leben. Die Muscheltraube verlor ich dabei. Ab da, kann ich mich kaum erinnern. Es war alles schwarz, kalt und unwirklich. Ich erwachte irgendwann dann im Krankenhaus in Heide, wo mich meine Eltern abholten und ich in die Uniklinik Frankfurt kam. Nach Recherchen war ich ungefähr 10 Tage im Heim und 5 Tage im Krankenhaus. Nach vielen Unterhaltungen mit Leidensgenossen und den Sendungen, die man sehen darf, wurde mir klar, dass ich wohl auf einem Dachboden gesperrt wurde. Mein ganzes Leben träume ich, dass ich über altes Sofa und Möbel auf dem Dachboden steige/kletterte und weine. Es ist dunkel, modrig und kalt. Seither war ich ängstlich, noch kränklicher. In der Schule habe ich Konzentrationsprobleme. Angst eher Panik vor Prüfungen und Versagen, ebenfalls vor Obrigkeiten und eine tiefe Abneigung gegen Rehakliniken, Heime und ähnlichen Häusern. Es ist der Geruch dort. Ein Geruch der mich erinnern lässt, obwohl ich das Erlebte tief in mich begraben habe. Nach jedem Reden mit Leidensgenossen, habe ich mehr und mehr Erinnerungen, doch es sind noch viele in mir begraben. Ich möchte so gerne wissen, was mit dem Mädel damals geschah, sie hieß glaube ich, Liane, oder Christiane. Sie hat so gelitten. Ich will kein Geld, auch nicht so viel Beachtung, aber ich will, dass diese schlimmen Taten in ganz Deutschland Puplik gemacht werden, dass man uns erhört und von unserem Schicksal wissen.
P. S. Die Heimleitung wurde nach meiner Verlegung in eine Klinik, von der Polizei verhaftet, es hieß wegen Betruges
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Ingrid B. aus Berlin schrieb am 08.10.2022
Meine ältere Schwester und ich waren 1979 im Haus Nordmark in Westerland auf Sylt. Ohne meine Schwester hätte ich den Aufenthalt dort nicht überlebt. Danach hatte ich schreckliche Esstörungen.
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Schäfer Karin-Maria aus Bayerisch Eisenstein schrieb am 08.10.2022
Nordsee.... St. Peter Ording....Kinderkurheim Köhlbrand, Strandweg 32 in St. Peter Ording.

Ich war 1964 auf Kur für 6 Wochen, im Alter von 5 Jahren, an die Nordsee verschickt worden, nach St. Peter Ording in ein Kurheim, wo ich aufgebaut und kräftiger und gesünder, werden sollte.
Da wollte ich mit 5 Jahren nicht hin. Es war wie ein Schock. Also weinte ich die ganze Zugfahrt und ging den anderen Kindern mächtig auf die Nerven damit. Aber ich habe nur noch weinen können. Weil ich als Kind so klein und schwächlich und kränklich war, hatte man mich dahin gezwungen, das wurde von der Krankenkasse und dem Amt so befohlen. Man nannte das/uns Verschickungskinder. So kam ich da an. Ein großes dunkles Gebäude. Kinderkurheim Köhlbrand. Innen war es halt, wie so Einrichtungen in den 50er und 60er Jahren waren. Meine Mutter hat dort eine Unmenge Haferflocken, Zucker und Kakao mitgesendet und hat denen gesagt, dass ich das mit Milch als Haferflockenbrei esse, was anderes habe ich nicht gegessen. (d. h. Milch wärmen, Haferflocken rein, bissel Zucker und darüber Kakao. So war mein Grundnahrungsmittel, dass ich noch bis 22 Jahre gegessen habe, bevor ich es jetzt nicht mehr sehen kann.) Morgens jedoch gab es dort trockenen Haferflockenmix mit Zucker und Kaba. Die haben eine kleine Schüssel mit etwas Haferflocken, Zucker und Kakao, ganz trocken einem jedem Kind hingestellt und ein Glas kalte, oder eher lauwarme Milch mit Haut, dazu gestellt. Das war jetzt jedem sein Frühstück. Gefühlt waren es ungefähr 30 Kinder. (Wenn ein Paket von den Eltern an das eigene Kind gesendet wurde, war es für alle. Besuchen durften sie auch nicht.) Ich konnte das nicht essen und sollte die Milch trinken, sonst bekäme ich die kleine Rute zu spüren, die die Aufseherin (so nenne ich die Kindertanten, denn lieb waren die nicht, schrien und keiften nur herum.)  in der Hand hatte. Also vor Angst trank ich die Milch und übergab mich gleich darauf über sie und ihrem weißen Kittel (ich trinke ja keine Milch, Heute noch nicht. )  da bekam ich das Ding zu spüren, aber nicht auf den Po, sondern ins Gesicht und ich musste den ganzen Tag ins Bett, ohne Essen und Trinken, was ich nicht schlimm fand, denn das Essen war gruselig. Am Abend, wenn alle ins Bett mussten, war da ein Mädel, ich glaube Liane oder so ähnlich, hieß sie, die musste immer vorm Bett auf dem Boden schlafen, weil sie angeblich ins Bett gemacht hatte und wenn sie weinte, wurde sie verprügelt solange bis sie nur noch wimmerte, das war jeden Abend und Nacht so. Wir würden von dem Krach, wo die Aufseherin dabei machte, wach. Doch wir durften nichts sagen, weinen, oder ähnliches. Weil ich mit ihr weinte, bekam ich meine Puppe abgenommen, wurde auch verprügelt und musste am Fußende schlafen und kein Mucks von mir geben, sonst würde ich auch weiter verprügelt werden, das wurde ich auch, weil ich heimlich meine Puppe holte. Eines Tages haben wir dann einen Ausflug ans Meer gemacht und durften Muscheln sammeln. Ich fand eine Art Traube mit vielen stinkenden Muscheln dran. Das wollte ich meiner Mum mitbringen. Aber die Wärterinnen nahmen den Kindern die Muscheln ab und wollten auch meine Traube. Ich bin weggerannt. Dann sagte eine der Wärterin, dass das Meer käme und wir müssten schnell zurück. Ich dachte das Meer kommt als riesige Welle und ließ die Muscheln fallen und rannte um mein Leben. Dort im Heim bekam ich die Rute zu spüren, weil ich die Traube nicht mitgenommen habe, aber wir hätten das sowieso nicht behalten dürfen. Ich aß nichts, sprach nichts, gab meinen Essensnachbarn mein Essen und die Milch, heimlich, wenn die Wärterin nicht guckte und wurde krank. Wie ich in das Krkh nach Heide kam, weiß ich noch Heute nicht. Plötzlich wachte ich dort auf und man päppelte mich auf. Länger als 10 Tage war ich nicht in dem Heim. Dafür fast 4 oder 5 Tage im Krkh Heide. Meine Eltern erfuhren nun endlich was mit mir geschah (ich war 5 j. und konnte nicht schreiben, bzw telefonieren, hatten das ja nicht) und an meinem Geburtstag, den 15.04.1964 haben Mum, Papa, meine Oma und mein Onkel, dort mich mit dem Auto abgeholt und mit nach Hause genommen, ob es denen Recht war, oder nicht. Ich wusste zwar nicht, dass es mein Geburtstag war, aber an diesem Tag habe ich meine Sachen gepackt, mich angezogen und aufs Bett gesetzt und sagte der Krankenschwester, dass ich jetzt abgeholt werde von meiner Mum. Die sagte nein das wäre nicht so, aber ich berharrte darauf, sie ließ mich in Ruhe und dann kam meine Mum. Es war wie eine Gedankenübertragung. Am nächsten Tag fuhr ich mit nach Hause, in Frankfurt musste ich nochmals ins Krkh, aber seit dem fahre ich in keine Kurklinik/Reha und so ähnliches und meine Kinder, mussten das auch nicht, wenn sie nicht wollten. Selbst solche Ferienlager mied ich, auch für meine Kinder. Nur alleine die Kinder dort, die Aufseher dort und der Geruch in dem Gebäude, war/ist für mich Horror. Nie vergesse ich das Mädel Liane. Lebt sie noch? Was ist aus ihr geworden? Ich hatte dort viele Misshandlungen gesehen, die die Wärterinnen an an den Kindern vollbracht haben. Ich kam ins Krkh nach Heide und würde dort wohl mehr tot, wie lebendig aufgepäppelt. Was ich im Kinderkurheim Köhlbrand  sah, und selbst erlebte ist tief in meinem Unterbewusstsein vergraben, nur bruchstückhaft, kommt da mal was hervor. Nun habe ich mit St Peter Ording nie Frieden geschlossen und würde mir gerne das alles nochmal anschauen. War letztens mit Uli meinem jetzigen Ehemann, im Internet und wir haben etwas aufgestöbert das unglaublich ist. Dort wurden in 50 Kinderkurheimen, Misshandlungen im Sinne von Nazimethoden an den Kindern durchgeführt, man nennt uns, Verschickungskinder. Man wollte den Kindern, den Willen brechen und entweder, verdünnen, oder mästen. Damit man sieht, wie gut es uns ginge, hat man uns hinter Höhensonnen gesetzt. Geglaubt hat den Kindern keiner, oder wenige. Viele schwiegen aus Angst, oder wie ich, die glaubten sie seien eben nur schwierig, oder es ginge nur ihnen so, weil sie es alleine erlebten. Es ist schwer es da aus dem Unterbewußtsein etwas  raus zu holen und ich habe Angst davor, vor dem was ich erlebt habe. Als Mum mich abholte, musste sie ja nochmal ins Heim, meine Sachen holen. Da  wurde ihr mitgeteilt, dass die gesamte Heimführung verhaftet und abgeführt wurde, angeblich wegen Betruges, den wahren Grund sagten die natürlich nicht. Ich sage, die wurden wegen Misshandlungen abgeführt, vlt haben sie Liane totgeschlagen. Vlt war ich der Auslöser, die im Krkh Heide, haben doch gesehen, was mit mir los war.  Musste ja im Gesicht und am Körper die Striemen, der Peitsche gehabt haben. Jetzt möchte ich gerne mal dort, oder in der Nähe, Urlaub machen und das furchtbare Köhlbrand sehen, das jetzt ein Hotelresort ist. Vlt habe ich durch diese Gruppe hier, dann bald Frieden mit St. Peter Ording und kann verzeihen. Aber es kommen weitere Erinnerungen, wie Hausschuhe mit den Fersen an die Seite des Bettes, oder vor das Bett stellen und den Schlafanzug zusammengelegt unters Kopfkissen stecken. Weil ich kaum an Waschbecken reichte, gab man mir ein Schemelchen. Da bin ich heruntergerutscht und würde dafür geschlagen und weil ich nicht duschen wollte (ich kannte das nicht, wir hatten keine Dusche, wuschen uns mit Waschlappen zu Hause, am Becken ab, der saßen in der Badewanne) wurde ich unter die Dusche gestellt und kalt abgeduscht. Im April, darin war die Heizung entweder aus, oder sie hatten keine. Ich bekam durch das Wasser keine Luft  und schrie, wofür ich geschlagen wurde. Es werden mit der Zeit immer mehr Erinnerungen kommen und ich aktualisiere es immer wieder. Dort waren Teufel am Werk, man nennt es auch schwarze Pädagogik. Doch niemand tat etwas dagegen. Die Eltern wurden nicht erhört und Ärzte, Krankenkassen und andere Einrichtungen, nebst die FDP, waren schweigsam. Das dürfte nicht an die Öffentlichkeit kommen. Das Geld war wichtiger.
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Jutta Staudenmayer aus Bei München schrieb am 08.10.2022
Hallo, liebe Mitwisser‘innen, ich war in den 60ern 6 Wochen in Hirsau bei Calw im Schwarzwald und habe dort unerhörtes erfahren. Auch ich dachte damals, ich sei kein gutes Kind, weil ich weine und Heimweh hatte, ich bekam Strafen, weil ich nachts weinte ( ein Mädchen im Nachbarbett hatte mich verraten, aber sie kann ja nichts dafür, sie hatte ja Anweisungen und wollte alle richtig machen) und tagsüber auf der Pritsche zum Mittagsschlaf meine Augen öffnete. Erlebnisse, die Schuldgefühle entwickeln. Es waren dort Schwestern (Kloster oder Kirchenschwestern), die uns sagten was wir wie tun müssen und die uns bestraften. Ich habe aber leider kaum noch Erinnerung über den Rest meines Aufenthalts und hoffe, daß ich nicht mit Medikamenten ruhig gestellt worden bin. Was mir aber in tiefer Erinnerung geblieben ist sind die dunklen Gefühle, die Angst und der Vertrauensverlust, sowie das Schuldgefühl das unartige, weinende Mädchen zu sein, daß seine Gefühle nicht im Zaum halten kann. Ich hab aber andererseits und wahrscheinlich „Zum Glück“ wohl einiges heilsam verdrängen können. Dieser Aufenthalt hat mein Leben geprägt und ich finde es so furchtbar, daß Menschen so mit Kindern umgegangen sind. Ich habe damals wohl aufgehört Kind zu sein und fühle mit all meinen Leidensgefährten‘innen. Danke für die Möglichkeit der Aufklärung. Ich hätte nie gedacht, daß ich nicht in Kur, sonder ein Verschickungskind war.
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Klaus Walbrecht aus Wesseling schrieb am 08.10.2022
Hallo, ich war insgesamt 4 mal im Zeitraum von 1959 bis 1970 in sogenannten Kinder Kurheime. Erinnerungen habe ich nur ganz schwach an die Zeit in Triberg, Murnau, und Bad Wildungen. Ich weiß nicht mehr die Namen der Kurheime, Die schlechtesten Erinnerungen habe ich an Triberg.
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Astrid Förster geb. Köster aus Gmund am Tegernsee schrieb am 08.10.2022
Ich war 8 Jahre alt als ich nach Bad Rothenfelde geschickt wurde. Leider weiß ich den Namen des sogenannten Kinderkurheims nicht mehr. Ich wurde in gut gemeintem Sinne meiner Eltern für sechs Wochen dort untergebracht, weil ich ein Einzelkind bin und unter Kinder sollte, war wirklich gut gemeint von meinen Eltern. Ich kann so viele Erfahrungen was Strafen angeht in diesem Heim mit den Berichten hier absolut bestätigen. Aber das Schlimmste war, dass ich in den sechs Wochen 26 Mal nachts aus meinem Bett gerissen wurde und mit dem Erzieher in sein privates Schlafgemach kommen musste. Es erschüttert mich noch heute...ich bin jetzt 57 Jahre alt. Ich habe es als Kind mitgezählt und weiß es noch ganz genau. Ich habe mit über 30 Jahren eine bipolare Störung entwickelt habe Panikattacken seit ich damals wieder zuhause war und kann schlecht schlafen. Manchmal gar nicht vor lauter Angst im Dunkeln. Wenn ich wieder morgens im Heim in meinen Schlafsaal geschickt wurde, musste ich im Schlafanzug durch den Jungentrackt gehen und wurde von allen Jungen schrecklich ausgelacht. Ich erinnere mich genau an all das, als wenn es vor fünf Minuten passiert wäre. Angekommen im Schlafsaal habe ich jeden Tag vor lauter Einsamkeit und Verzweiflung und Heimweh mit meiner Spucke die Blümchen auf der Blümchentapete neben meinem Bett weggerieben, so dass nach sechs Wochen ein Riesenfleck auf der Tapete war. Ich wurde auch oft bestraft und musste im Dunkeln allein in der Speisekammer sitzen, ich hatte fürchterliche Angst. Ich mache seit etlichen Jahren Therapie um den sexuellen Missbrauch an meiner damaligen Kinderseele zu verkraften. Ich bin froh den Bericht heute morgen auf planet-wissen gesehen zu haben und endlich erhört zu werden. So habe ich endlich das Gefühl, dass ich nicht mehr alleine damit bin. Ich wünsche allen Opfern alles Liebe....
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Ingrid Waldvogel aus St Blasien schrieb am 07.10.2022
Ich war ca. Mitte der 60 Jahre in einem Erholungsheim am Starnberger See. Der Aufenthalt dort habe ich bis heute nicht vergessen. Kinder mussten ihr Erbrochenes wieder essen. Ich selbst musste stundenlang nachts auf dem Flur mit ausgestreckten Armen stehen. Wenn ich die Arme nicht mehr hoch halten konnte wurde darauf geschlagen. Das Essen war nur auf hohen Fettgehalt ausgerichtet, damit schnell zugenommen wird. Mir wird heute nochschlecht wenn ich an das dortige Essen denke. Das Personal war sehr böse.
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Beate S. aus Sprockhövel schrieb am 07.10.2022
Ich war mit ca 5 Jahren, wegen familiärer Schwierigkeiten der Eltern und "Blässe" ca 1972/73 in Bad Wörishofen. Es gibt keine guten Erinnerungen. Wenn ich im Wäscheschrank der Mutter das eine oder andere alte Handtuch mit der roten eingenähten Nummer "5" finde, bekomme ich sofort einen Knoten im Magen. Wir mussten damals Mittagschlaf machen, durften nicht sprechen, nachts saß eine Nonne auf dem Flur. Mir gegenüber am Tisch im Esssaal saß ein Mädchen, welches jede Mahlzeit erbrach und dieses Erbrochene wieder essen musste. Ich war dermaßen verängstigt, dass ich mich in einer Nacht einkotete und versuchte, den Kot im Pyjama zu verstecken. Natürlich flog ich auf und wurde vor allen beschimpft und erniedrigt. Das Sonntagskleid, welches bei Ankunft zu bestimmen war, wurde in den ganzen Wochen nicht gewaschen, trotz Essensfleck vom ersten Sonntagsmittagessen (ich war im Vorschulalter!). Ich habe Erinnerung an lange, schmucklose Flure, einen Schlafsaal mit vielen Liegen für den erzwungenen Mittagschlaf, strenge Ordensschwestern, Angst, Heimweh und das entsetzte Gesicht meiner Mutter bei der Heimkehr. Die "Blässe" hatte sich nicht gebessert, im Gegenteil.
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Silke Balsser aus Pohlheim schrieb am 04.10.2022
Diese Zeit war furchtbar für mich meine Eltern durften mich nicht besuchen kommen jeden Therapie war 6 Jahre alt musste Sonntags in die katholische Kirche obwohl ich evangelisch bin warum das es so war keine Ahnung Mittagszeit musste man den mittagsschaf machen damit diese Tanten mal ihre Ruhe hatten danach immer spazieren gehen das Essen musste mal den Teller leer machen
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Monika Siebold aus Schwalmstadt schrieb am 03.10.2022
Ich war gerade 6 Jahre alt und bei der Untersuchung für meine Einschulung, befand man mich zu schwach und untergewichtig.
Das Gesundheitsamt riet meinen Eltern zu einer 6 wöchigen Erholungskurs.Ihnen war nicht klar, was sie mir damit antun würden, sie glaubten wirklich es wurde meiner Gesundheit gut tun.
Also würde ich an einem Morgen zum Bahnhof gebracht, wo eine Dame vom Kreis oder Jugendamt mich in Empfang nahm und es ging nach Nussdorf am Inn
Ich war bis dahin noch niemals von zu Hause getrennt. Schon im Zug bekam ich Heimweh und ich sagte der Dame ich wolle wieder mit nach Hause, aber das hat niemand interessiert.
Ein ungefähr 4 Jahre älteres Mädchen hat sich schon im Zug meiner angenommen und auch dort im Heim sich um mich gekümmert.
Das Heim, für mich auch wenn ich heute daran denke, das ist jetzt 60 Jahre her, war eine einzige Katastrophe in meinem Leben.
Ich konnte weder lesen noch schreiben noch konnte ich irgendwie sonst mit meinen Eltern in Kontakt treten und das lange 6 Wochen, ich habe ganz viel geweint und immer wieder gesagt, dass ich nach Hause möchte, das hat niemand interessiert. Erst wie geplant durfte ich nach Hause.
Wir mussten 2 mal in der Woche in 2er Reihen anstehen für die Höhensonne, damit wir gesund aussahen.
Meine Kleidung wurde einfach einem anderen Kind, das nicht genug zum Anziehen mit hatte, angezogen.
Gegessen habe ich wenig bis gar nichts und dadurch auch abgenommen statt zugenommen.
Ich bin nicht missbraucht worden aber die psychischen und seelischen Schäden die man mir zugefügt hat, sind nicht zu verzeihen.
Meine Eltern wollten nur das Beste für mich, wenn sie gewusst hätten wie sehr ich gelitten habe, hätten sie dem nie zugestimmt.
In der heutigen Zeit wäre so eine Kur für ein Kind ohne Elternteil undenkbar.
Warum hat man mir das angetan??
Heute darf ein Kind ohne Vater oder Mutter noch nicht mal eine Nacht ins Krankenhaus, wenn es das nicht will.
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Stefanie Gross aus ehemals Wanne-Eickel schrieb am 03.10.2022
Ich wurde in 1971 als Fünfjährige zu 6 Wochen Heimaufenthalt verdonnert. Grund: angebliches Untergewicht, das Städtische Kinderheim musste damals dringend amortisiert werden. Ich war neugierig, auch wenn mir die Trennung von meinen Eltern sehr weh tat. Der erste Aufenthalt am Meer! Heutzutage würde niemand mehr sein Kind sechs Wochen lang "verschicken" lassen, aber damals orientierten sich die Eltern noch stark an Autoritäten und befolgten brav deren Anordnungen. Die sechs Wochen waren eine Hölle. Als sensibles und schüchternes Kind hatte ich keine guten Karten und die "Tanten" tobten sich an mir aus. Von den ekelhaften Proteinschleudern (vor allem viel zu viel Milch), dem Sitzenbleiben bis man aufgegessen hatte, bis zur Zwangsernährung. Ich hatte Angst vor der nächtlichen Dunkelheit, den Erzieherinnen, dem Essen, einfach vor allem. Die versprochenen Strandspaziergänge beschränkten sich auf 2 mal 1 Stunden im Exerzierschritt, Muschelnsammeln verboten. Der Rest: vor allem ruhig sitzen, endlose Langeweile und Furcht vor dem Kommenden. Das Verbot, nachts zur Toilette zu gehen machte mich zur Bettnässerin und damit begann ein Teufelskreis: Unfall, mein Bettzeug waschen, Angst vor der kommenden Nacht, erneuter Unfall etc. Der einzige Effekt war übrigens keine Gewichtszunahme sondern ein Trauma, dass mich eigentlich bis heute begleitet. Erstaunlich, dass die Erinnerungen noch so wach sind und noch erstaunlicher, dass so viele Kinder betroffen waren. Ich hatte mich immer für eine Einzelgängerin gehalten.
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Sascha Hentschel aus Köln schrieb am 24.09.2022
Hallo,

also ich 80er Baujahr war als Kind mit meimer Schweater zweimal dort ca. 1987 & 1988 jeweils 6 Wochen da unsere Eltern auf dem weg zur Scheidung waren und habe sehr schöne Erinnerungen, natürlich auch Regeln hehe aber im Ganzen alles Super.

Ich erinnere mich z.b. an die langen Wandergänge schön ordentlich nebeneinander, durch den Meter Hohen Schnee.. Die Zäune mit Strom am weg zur Österreich, Lang Lauf Ski, Besuch auf der Ski Sprungschanze, die Räume mit dem Nebel bevor es raus ging, schön Vaseline aufs Gesicht geschmiert bekommen..
Warm Kalt Wasser Becken..
Die Spiel Olympiade im Ganzen Haus (Die ich nach Punkten tatsächlich gewann da ich alles zweimal machte hehe) der Auftritt als Vampir im Foyer unten, der Zauberer auf der Bühne in der Halle, der mir das Ei auf dem Kopf zerschlug, und ich nen selten Schein dafür bekam..

Die Besuche in den kleinen Kapellen wo gemeinsam Gesungen wurde..

Die Frische Milch vom Bauern..
Geschlafen wurde in Hochbetten, 4 Kinder ich oben und ich erinnere mich vor dem Schlafen gehen das ich ein Mädchen geküsst habe die sich rübed beugte vom andere Hochbetten.
Das falten unsere Wäsche mit der Betreuerin, Namens Schilder in der Wäschs..

Da gabs Postkarten zum verschicken die wir kauften von unserem Taschengeld, und auch Briefe von zuhause..
Man hatte auch Heimweh aber es war schön, viel uns hoher Schnee...

Der Pudding war dies, den musste man auch tatsächlich auf Essen, und das waren Regeln ohne Hauen o.ä. hehe..

Ich würde sehr gerne diesen Ort nochmals sehen und Erleben..
Leider besitze ich kein Führerschein und habe auch keine eigenen Kinder.


Schade das ich hier so negative Erfahrungen lese..


Grüße aus Köln
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MiriamT schrieb am 23.09.2022
Hallo,
Ich war im Sommer 87 ein Verschickungskind in Berchtesgarden.
Ich war 10 Jahre alt, meine Mutter wollte mir was guten Tun und schickte mich auf diese Kinderverschickung der Barmer Ersatzkasse.
Ich kam nach 6 Wochen Aufenthalt als ein Kind mit einer Angststörung zurück was unter Ticks und wahnsinnigen Angst vorm Schlafen gehen litt.
Meine Erinnerungen an diesen Aufenthalt sind furchtbar:
Wir Kinder wurden auf Bänke und Stühle gefesselt als Bestrafung, nur weil man z.B eine Wiese betrat die man nicht betreten sollte.
Man musste sich in einen Kreis stellen und laut singen oder Gedichte aufsagen um seine Post von Zuhause zu erhalten (ich hatte immer gehofft ich bekomme keine Post).
Als die Magen-Darm-Grippe ausbrach und ich mich als Kind in das Bett übergab, musste ich in meinem Erbrochenen als Bestrafung schlafen.
Das Duschen, Waschen, Zähneputzen erfolgte nur gemeinschaftlich und unter strenger Aufsicht.
Die Mahlzeitenaufnahme war sehr streng, es musste aufgegessen werden ansonsten musste man solange sitzen bleiben bis der Teller leer war.
In einer Nacht wurde ich sexuell Missbraucht. Ich habe Dies nächsten Tag einer Betreuerin erzählt, darauf wurde mir eingeredet ich hätte alles nur geträumt. Ich habe danach eingenässt und wollte nicht mehr in diesem Zimmer schlafen. Ich durfte nach langem Theater das Zimmer wechseln und habe mich versucht mit meiner neuen Zimmernachbarin tagtäglich Nachts einzuschliessen indem wir den Stuhl unter die Türklinke schoben. Dieses Mädchen hatte genauso Angst wie ich, dass ist mir heute bewusst geworden.
Meiner Mutter konnte ich mich nicht mitteilen, die Post die man schrieb wurde streng kontrolliert und man musste positive Sachen in die Karte schreiben.
Ich war wochenlang einer fürchterlichen Angst ausgesetzt.
Ich wurde als glückliches Kind auf diese Kur geschickt und kam als verstörtes und ängstliches Kind nach Hause. Ich habe Jahrzehnte gebraucht um über das erlebte zu reden. Ich leide heute noch unter einer Angststörung und unter Zwängen die sich dadurch bildeten.
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Joseph Siegfried aus Albstadt schrieb am 19.09.2022
Ich wurde 1963 bis 68 nach Scheidegg wegen Lungen Tuperkolose gebracht.Für mich war Die Klinik ein Glücksfall.Mein Bruder war ebenfalls 6 Jahre dort.Wir wurden beide als gesund Entlassen.Wir haben uns in Das Buch Die Kinder von Scheidegg eingetragen.Bin heute 61 Jahre und so was von gesund.Meine Mutter hatte nicht Das Glück und verstarb 1968 da war Die Klinik nicht so gut.Also ich kann nur gute berichten von Scheidegg und mache jedes Jahr eine Wanderung als Erinnerung an diesen Ort.M.F.G. S.Joeph
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Christine B. aus Heiligenstadt (Eisenach/Erfurt) schrieb am 10.09.2022
Hallo,
Auch ich hatte eine heilbehandlung bzw Kur im März und Dezember 1987.
Meine Mutter verstarb.
Alles an was ich mich erinner ist ein großer Waschraum und das ich mir mein Zimmer teilte mit einem Mädchen. Sie war traurig. Sie hatte ein Kuscheltier bzw eine Mond Spieluhr.
Ich weiß nicht warum ich dort war. Evtl weil meine Mutter verstarb in dem Jahr.
Leider fehlen mir weitere Erinnerungen.
Habe aber alles im Impf- bzw. Sozialausweis (DDR) als Eintrag belegt.
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AnjaM schrieb am 07.09.2022
auch ich war ein verschicktes Kind und war in Bad Sassendorf gelandet. Wie ich angereist bin, weiß ich nicht mehr. Es gab auch keinen Abschied in meiner Erinnerung, aber sehr viel Angst. Als sogenanntes Bettnässerkind war die Verschickung mehr eine Bestrafung. So paßte es natürlich auch, dass ich in einem von Nonnen, streng geführtes Haus landete.

Ich war 6 oder 7 Jahre alt, schreiben und lesen konnte ich noch nicht. Es gab 3 oder 4 weitere Kinder mit den Namen Anja (ich war die jüngste).

Ich erinnere mich an Holzwannen, mit salzigen Wasser, mein Aufenthalt war im Winter. So regelmäßig wie diese Wannen sich wiederholten, waren auch die Zeiten, in denen wir mit kleinen Schutzbrillen vor Lampen sitzen mussten. Neben der Kirche mussten wir regelmäßig zu Konzerten. Einmal haben wir übermütig geklatscht, so dass wir unsere Handrücken berührten. Wir durften anschließend, zur Strafe, nicht mehr raus und viel schlimmer, nicht mit den anderen zum schwimmen.
Wer an den Konzerttagen Geburtstag hatte, der bekam von den Musikern ein Plakat/Poster geschenkt.
Ich wusste meinen Geburtstag nicht, wollte aber auch so ein Geschenk. Also hatte ich mich einfach gemeldet, als nach einem Geburtstagskind gefragt wurde. Das war eindeutig nicht meine beste Idee…

Die Mahlzeiten waren sehr streng. In meiner Erinnerung durften wir nicht reden, alles musste aufgegessen werden. Zur Strafe wurde man auch schon einmal auf die Terrasse (oder war es ein Balkon?) geschickt, ohne Jacke, mit der Stulle in der Hand, in die Kälte, bis alle fertig waren. Fertig war man erst, wenn alles aufgegessen wurde.

Die Bettnässerkinder hatten einen Wochenplan, wenn das Bett trocken blieb, dann gab es einen Aufkleber. 1x in der Woche musste man mit diesen Plan zur Oberschwester. In meiner Erinnerung, eine alte und strenge Nonne. Ich bin mir nicht sicher, ob mich meine Erinnerungen da täuschen, oder ob sie tatsächlich 1 großen (oder sogar 2) Hund hatte. Vielleicht haben mir die anderen Kinder es erzählt, weil ich eine große Angst vor Hunden hatte.

Auf jeden Fall gab es von dieser Oberschwester entweder eine Belohnung (in Form von Süßigkeiten), oder eben Strafe/Schimpfe, je nachdem wie viele Aufkleber man hatte.

Ich hatte immer große Angst vor diesen Tagen und viel Süßes gab es für mich nicht.

Strafen waren allgegenwärtig. Einmal hatten die anderen Kinder meinen Teddy geklaut und auf dem Flur geworfen, es war Schlafenszeit. Der dunkle und sehr lange Flur machte mir nicht nur Angst, er durfte natürlich auch nicht, zur Schlafenszeit, betreten werden. Aber ohne Teddy ging auch nicht. Also schlich ich irgendwann raus und wurde natürlich prompt erwischt. Zur Strafe wurde ich ohne Teddy und ohne Decke, in einen Raum gesteckt, der in meiner Erinnerung sehr klein war und nur eine Matratze auf den Boden hatte. Dort musste ich die Nacht verbringen und war am nächsten Tag, für alle die unartige Anja.

Wir mussten regelmäßig spazieren, immer schön ordentlich in 2er Reihe.

Meine einzige schöne Erinnerung war eine liebe Nachtschwester. Diese nähte meinem Teddy neue Augen (mit gelben Stopfgarn). Der Teddy ist heute noch in meinem Besitz. Ich glaube, mein Aufenthalt dauerte 6-9 Wochen.

Sehr lange hatte ich Angst erneut dorthin zu müssen und alleine die Androhung (die es leider gab) reichte aus.

Ich glaube, es gab sicherlich positive Erlebnisse in Bad Sassendorf, leider brennen sich in kleine Kinderseelen die negativen Erinnerungen.
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Susanne Grünbeck aus München schrieb am 04.09.2022
Ich war im Frühjahr 1975 mit 9 Jahren für 6 Wochen im Kindererholungsheim in Glücksburg. Der Kinderarzt hatte die Kur verschrieben, weil ich unter starker Bronchitis litt. Ich fuhr fröhlich dorthin, weil ich noch nie am Meer gewesen war und neugierig und offen war. Ich komme aus der Nähe von Karlsruhe und das war für mich schon eine halbe Weltreise.
Dort aber litt ich unter unvorstellbarem Heimweh.
Ich bekam dort Windpocken und war sehr krank, aber die Betreuerinnen sagten, man sei nach drei Tagen wieder gesund. Also musste ich nach drei Tagen wieder alles mitmachen und durfte nicht länger im Bett liegen. Ich schleppte mich durch die Gegend und traute mich nicht, jemandem zu sagen, wie elend ich mich fühlte, aus Angst, dann am Ende nicht heim zu dürfen, denn es war in der 4. oder 5. Woche meines Aufenthaltes.
Als ich dann wieder Zuhause ankam, fieberte ich stark. Meine Mutter musste mir die Strumpfhosen vorsichtig von den Beinen schneiden, denn die Windpocken waren offen und alles war verklebt. Ich war in einem furchtbaren Zustand. Ich fehlte noch zwei weitere Wochen in meiner Schule, bis ich wieder genesen war.
Es ist mir heute völlig unverständlich, was für eine Atmosphäre von Angst in dem Heim verbreitet wurde, dass man seine Krankheit und sein Elend lieber versteckte, als sich einer Betreuerin anzuvertrauen. Auch mit Heimweh ging man nicht zu eine der Erzieherinnen. Dass mich dort ältere Kinder aufzogen und meiner Barbiepuppe die Kleider zerschnitten, hätte ich nie einer der Damen dort anvertraut!
Ich hoffe sehr, dass solche Kinderverschickungen heute nicht mehr existieren bzw. dass Erzieherinnen in solchen Einrichtungen besser ausgebildet und Kinder ihnen wirklich am Herzen liegen...
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Nils aus 45259 Essen schrieb am 01.09.2022
Nun,
es liegt lang zurück, in Erinnerung blieben gewaltige Erinnerungen.
Ich war bei der Verschickung 5 Jahre alt, und war kurz zuvor erst in den Kindergarten gekommen, ich war also nicht wirklich viele Kinder gewohnt.
In Erinnerung blieb, dass ich mich am Morgen der Abfahrt gewehrt habe, und es nicht wollte. Die Fahrt ging vom Rheinland nach Dagebüll per gecharterten Intercity, voller Kinder, und ich mittendrin, ohne Bezugsperson.
Bei der Ankunft dort herrschte Sturmflut. Als der Busfahrer, es war schon dunkel, am Fähranleger die Tür öffnete, schwappte das Wasser um den Bus.
Ich war in einem mutmasslich Sechsbettzimmer, und ich erinnere mich, dass ich im Dunkeln den Lichtern der ersten ankommenden Fähren zugesehen habe.
Die "bösen" Kinder, die abends auf den Zimmern Unruhe stifteten, mussten eine Etage tiefer auf dem Flur auf einer Matratze vor dem Betreuerzimmer liegen.
Was blieb noch in Erinnerung: Das erkennbare Desinteresse der Betreuerin an den Kindern.
Die gestickten Namensschildchen in allen klamotten, die noch jahrelang später zum Teil im Leben waren.
Das Postkartenschreiben war ein stumpfes Ritual. Einmal bekamen meine Eltern eine Karte auf der Stand schlicht: Nils hat heute keine Lust, eine Karte zu schreiben.

Gegen Ende der sechs Wochen, war soetwas wie Selbstsicherheit gewonnen, denn ich durfte nun auch einmal im Flur auf der Matratze liegen.
Schlimm für meine Mutter war bei der Wiederkehr am Bahnhof, dass ich meine eigene Familie nicht erkannte. Und was den Erholungseffekt anging, ich wer schwer erkältet, mit einer heftigen Mittelohrentzündung.
Alles in allem eine mehr traumatisierende als erholende Erfahrung. ohne Bezugsperson, unter Unmengen fremder Kinder, habe ich schwer gefremdelt.
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Elke schrieb am 30.08.2022
Auch ich bin eine Betroffene und war 1966 im Kinderheim „Frisia“ in St. Peter Ording.
Eigentlich sollte ich dort ein wenig zunehmen und die Seeluft sollte meiner chronischen Bronchitis helfen. Doch das Ganze entwickelte sich zu einem Albtraum für mich.

Ich wurde von meinen Eltern gebracht und wieder abgeholt. Die Trennung war erst in Ordnung. Ich wusste ja, bald bin ich wieder zu Hause. Doch es müssen dort Dinge geschehen sein, die mir fürchterliches Heimweh machten. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Doch einige Bruchstücke sind noch da.

Ich empfand das Haus als sehr dunkel, fast düster. Der Schlafsaal waren ein Graus für mich. Dieser große Raum war für mich mit fürchterlichem Zwang behaftet. Man durfte nicht weinen. Viele taten es heimlich unter der Bettdecke, wenn nicht mehr eine der Tanten dort herumschlich.

Man durfte, wenn man im schon im Bett war, nicht mehr zur Toilette. Wenn dann jemand aufgrund dessen in sein Bett machte, wurde er im Waschraum abgeduscht oder aber auf einen „Pipi-Topf“ mitten in den Schlafsaal gesetzt, so dass alle anderen es sehen konnten. Eine fürchterliche Demütigung. Auch haben mir dort andere Kinder erzählt, dass sie statt abgeduscht zu werden, mit nassen Handtüchern geschlagen wurden.
Jahre später, als mir dies einmal wieder in den Sinn kam, habe ich einmal nachgeschlagen, warum man so etwas tut. Ergebnis: Schlagen mit einem nassen Handtuch hinterlässt keine Spuren.

Ich kann mich auch daran erinnern, dass alles immer ordentlich im Schrank/Regal sein musste. Schuhe mussten auch geputzt werden, auf einer langen Bank in einem langen Flur.

Essen… dieses Thema verfolgt mich noch heute. Es musste immer alles aufgegessen werden, was auf dem Teller war, egal, ob man es mochte oder nicht. Für mich sind für immer und ewig Rote Beete und Rhabarber von meinem Speiseplan gestrichen. Die allerschlimmste Erinnerung ist für mich das Rhabarberkompott, dass ich überhaupt nicht mochte. Erstens einmal sah es für mich aus, wie schon einmal gegessen und zweitens war es vom Geschmack her ganz schrecklich. Ich musste es essen. Ich wurde damit nicht zur Essenszeit fertig und somit in einen extra Raum gesperrt und saß dort so lange vor meinem Kompott bis das Schälchen alle war. Ich musste immer wieder würgen. Ich habe es aber irgendwie geschafft, mich nicht zu übergeben. Das tat ich dann „heimlich“ später auf der Toilette. Andere hatten mir erzählt, dass es ihnen ähnlich und schlimmer ergangen war, so wie viele es hier mit dem Erbrochenen schon beschrieben haben.

Es wurden auch Postkarten nach Hause geschrieben. Mit 5 Jahren konnte ich noch nicht schreiben, also schrieb eine der „Tanten“. Und zwar immer nur positiv. Eine Karte habe ich davon noch. Ich weiß, dass es noch mehr gab, aber Sie sind irgendwann bei meiner Mutter abhandengekommen. Ich kann mich erinnern, dass auf einer dieser Karten stand, dass ich nun nicht mehr so viel weine und mein Heimweh fast weg ist. Von wegen… Ich wollte lieber heute als morgen wieder nach Hause.

Alles in allem war das Fazit für mich und meine entsetzten Eltern, als sie mich wieder in Empfang nahmen: Ziel der Kur absolut verfehlt. Die Fotos (siehe Forum/Regionalgruppe), die gemacht wurden auf der Fahrt dorthin – noch „freudestrahlend“, während der Kur – man sieht schon mein gequältes/erzwungenes Lächeln und auf der Heimfahrt – völlig verstört, verängstigt und mit dunklen Ringen unter den Augen, belegen das oben beschriebene Fazit.
Ich bin froh, dass meine Eltern mich hinterher entsprechend „aufgefangen“ und versucht haben, das Geschehene vergessen zu machen. Mein Misstrauen bestimmtem Essen gegenüber ist jedoch bis heute geblieben.
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Oliver Reinhardt aus Beverstedt schrieb am 28.08.2022
Ich wurde im Alter von 9 und 13 Jahren verschickt. 1972 kam ich mit meiner Schwester ins Kinderkurheim der Freien Hansestadt Bremen auf Wangerooge.
Dort waren Behandlung und Umgangston ganz okay, nur die Belegung mit um die 200 Kinder war für mich traumatisch. Immerhin gab es aber recht kleine Zimmer mit nur vier oder fünf Betten. Da ich zu den unterernährten Kindern gehörte (meine fast 90jährige Mutter schämt sich heute noch), musste ich mit wenigen anderen an einem separaten Tisch essen. Diese Exponiertheit war unangenehm und man wurde gehänselt.
Schlimmer aber war, dass es zum Frühstück zwangsweise Leberwurst und andere Dinge gab, die ich verabscheute. Alles in allem aber war der Aufenthalt in Ordnung.
Deshalb stimmte meine Mutter zu, als ich 1976 noch einmal verschickt werden sollte. Ich kam 6 Wochen nach Boffzen, in das Kinderkurheim das -wie ich mittlerweile weiß- schon von den Nazis betrieben wurde.
Uns Kindern wurde gesagt, das Haus sei privat, die Besitzerin wohne in der 50er Jahre Villa auf dem selben Gelände. Von der sah man nur ab und an einen großen, silbernen Mercedes.
Wir Kinder waren untergebracht in einem schlossähnlichen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert (es gibt noch Bilder im Netz). Ich denke, wir waren vielleicht 20 oder 30 in meiner Jungs-Gruppe und genauso viele in der abgetrennten Mädchen-Gruppe. Alle Jungs waren untergebracht in zwei miteinander verbundenen Schlafsälen. Nur neben dem Zimmer der Betreuerin (Name vergessen), die offenbar dort wohnte, gab es ein 3er-Zimmer. Da kam ich nach ein paar Tagen rein, weil ich mit dem Schlafsaal nicht klarkam und dort gehänselt wurde. Die beiden anderen Bewohner meines Zimmers waren wegen Ungehorsam aussortiert worden, weshalb wir unter ständiger Beobachtung standen. Es herrschte ein Klima latenter Angst und Bedrohung. Unter den Kindern bildeten sich Hackordnungen. Da stand ich weit unten. Ich wurde später noch jahrelang von Anrufen eines der Jungen verfolgt, der dann immer seinen Namen nannte und danach auflegte.
Die Tagesbeschäftigung bestand in Zeiten, in den wir auf dem Gelände spielen durften, auf einer Wiese, aber ohne Anleitung, Anregungen oder Spielgeräte. Ich glaube auch, dass es täglichen Frühsport auf dem Hof vor dem Haus gab. Außerdem gab es nahezu täglich Wanderungen. Es ging in die immer selbe Richtung. Zunächst eine steil ansteigende, gerade Straße hinauf, von den Betreuern Himmelsleiter genannt. Mir kam sie unendlich anstrengend und lang vor. Vermutlich war sie das nicht.
In Wald und Feld mussten wir dann Beerenfrüchte sammeln. Die gab's dann auf Pfannkuchen zum Abendbrot.
Das Essen war ausgesprochen mager und eklig. Als ich nach sechs Wochen heimkam, hatte ich mehrere Kilo abgenommen und hatte in der ganzen Zeit nur 2mal Fleisch bekommen.
Ich war als 13jähriger durchaus in der Lage, mal von daheim weg zu sein. Aber die Situation im Kinderheim war so bedrückend und beängstigend, dass ich recht bald einen Hilferuf an meine Mutter schrieb. Den trug ich immer mit mir herum, wurde ihn aber nicht los, weil die ausgehende Post zensiert wurde.
Das für mich schlimmste Erlebnis, dem ich bis heute einige "merkwürdige" Verhaltensweisen verdanke, war das gemeinsame Duschen. Es fand in einem Kellerraum eines benachbarten Remisen-Gebäudes statt. Dazu muss ich erklären, dass ich in einem streng antinazistischen Haushalt aufgewachsen bin und früh mit entsprechenden Bildern und Texten in Berührung kam.
Der Duschraum dort entsprach meinem Wissen von KZ-Ausstattungen. Ein großer, dunkler Raum mit Leitungen unter der Decke, an denen Duschköpfe hingen. Wir wurden zum gemeinsamen Duschen gezwungen. Für mich total belastend, weil ich sehr schamhaft war und immer Angst hatte, wieder wegen irgendwas gehänselt zu werden. (Wegen meiner abstehenden Ohren sowieso) Der Raum machte mir unendlich Angst, zumal die Betreuer einen sehr herrischen Ton drauf hatten und uns immer durch die Gegend scheuchten. Es ist wohl nichts wirklich schlimmes passiert, aber 6 Wochen in einem Klima von Angst, Befehlen und Ungerechtigkeiten waren für einen Heranwachsenden schwer zu ertragen und leider träume ich heute, mit fast 60 Jahren, noch regelmäßig davon.
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Andreas Almstedt aus 37136 Waake schrieb am 27.08.2022
1955 wurde ich im Alter von 5 Jahren in eine „christliche“ Einrichtung im Schwarzwald (Freudenstadt) verschickt.
Mein Vater war wenige Monate zuvor nach einem langen Leidensweg gestorben. Danach hatte ich keinen Appetit mehr, nahm ab und kam zur Erholung.
Gleich nach der Anreise wurde ich von meiner Schwester getrennt, da Mädchen in einem anderen Teil des Hauses getrennt untergebracht wurden.
Ich sollte essen, aber weil ich keinen Appetit und einen riesigen Heimwehklos im Hals hatte, ging gar nichts mehr.
Das mir auf den Teller gelegte musste aufgegessen werden. Ich konnte nichts runter kriegen.
Am ersten Abend waren die Aufseherinnen noch relativ gnädig. "Nur" verbales Drängen galt e.auszuhalten.
Die anderen Kinder hatten schon aufgegessen und waren aufgestanden und gegangen.
So blieb ich schließlich lange allein in dem großen Raum. Ab und zu wurde nachgesehen, ob ich endlich artig gegessen hätte. Schließlich galt ich als bockig und böse. Und sowas zu brechen hatte man ja Methoden.
Vielleicht wollten sie Feierabend machen. Jedenfalls blieben mir weitere pädagogische Bemühungen an diesem Abend erspart .
Ich hatte nicht nur Heimweh, ich war Heimweh. Ich schluchste und schluchste . Ich war vater- und mutterseelen allein.
Weinen (Heimweh) war abends verboten. Wer erwischt wurde, wurde in den kalten Duschraum abgeführt, wo er u.U. Stunden im Kalten verbringen musste. Manche Kinder, die so widerspenstig und ungezogen-böse waren, daß sie mit Weinen und Schluchzen einfach nicht aufhörten, wurden kalt abgeduscht . Das half .......nach einer gewissen Zeit.
In einer religiösen Unterweisung wurde Angst vor der Hölle für unartige Kinder geschürt. Auf welchem Weg, dem guten, steilen , beschwerlichen, oder schlechten, bequemen, nach unten gehenden befindest Du dich ?
Die Wege wurden auf der Tafel veranschaulicht .
Auf dem schlechten Weg wurde ein Punkt eingezeichnet, bei dem eine Umkehr nicht mehr möglich ist. Hat man den erst erreicht, ist man für immer verloren, dann geht es schnurstracks in das Höllenfeuer ewiglich.
Ihr wisst doch , wie es sich anfühlt, wenn man einen Finger in eine Kerze hält? Und nun den ganzen Körper für immer und niemand ist da, der helfen kann !
Böse waren wir ja wirklich:
Abendliches Weinen und nicht aufessen oder gar abnehmen ( ich wurde gewogen und zu leicht befunden ) waren die Hauptsünden.
Bei jedem Wiegen meines Gewichtes wurde auch meine Schuld, mein Ungehorsam mit gewogen. Wieder Gewichtszunahme verweigert. 
Doch für solche Fälle gab es die Methode der Mästung, die zum Gück nur einmal an mir praktiziert wurde. Vermutlich weil es bei mir vermutlich zu zeitaufwendig war und auch diese pädagogischen Massnahmen bei mir nichts fruchteten.
Wieder mal saß ich lange noch nach dem Frühstück allein vor einem für mich ekligen Käsebrot, das ich unbedingt essen sollte.  Schimpfen und Drängen der Aufseherinnen führten zu nicht mehr Appetit.
Diesmal war es nicht nur der Klos im Hals, sondern auch Widerstand, der natürlich gewaltsam gebrochen werden musste.
Ein herrisches ;"Mund auf ! " hatte keinen Erfolg. Es wurde eine zweite Kraft dazu geholt.  
Eine der Aufseherinnen drückte daraufhin meinen Mund auf, indem sie in die Wangen drückte und so den Kiefer gewaltsam öffnete.
Die andere schob mir ein Stück Brot in den Mund. "Kauen! , Schlucken !" Die Befehle hatten nicht den gewünschten Erfolg. Ich kaute und schluckte nicht. Die Prozedur wurde unter verschärften Bedingungen wiederholt. Nun wurden zusätzlich Mund und Nase zu- und ich fest gehalten. Das führte zum Erfolg. Unter Tränen, ein Brocken nach dem anderen.  Sie waren ein eingespieltes Team. Sie hatten es geschafft. Das Brot war drin. Danach war mir der Appetit gänzlich vergangen. Vor diesen Bestien hatte ich nur noch Angst.
Iimmerhin wußte ich nun, wer böse war. Von ihnen nahm ich nichts mehr an.

Was können wir daraus lernen ?
Auch diese Hexen waren Kinder ihrer Zeit. Es herrschte die schwarze Pädagogik über sie.
Unter Ausblendung von Mitgefühl hielten sie sich daran, was allgemein angesagt war, was Mainstream der Pädagogik war, was als richtig und förderlich für die Kinder galt. Die so zu Aufseherinnen gewordenen Frauen waren Täter und und Opfer zugleich . Sie opferten gegenüber den Kindern ihr Mitgefühl.ihre Seele, die den ihnen anvertrauten Kindern verrohte.
So auch wie wir heute verrohen, wenn auch in anderen Zusammenhängen:
Aus heutiger Perspektive kann rückblickend deutlich werden, wie der Zeitgeist, der Mainstream, über Empathie, Mitmenschlichkeit dominieren kann. Es braucht nur "gute", gesellschaftlich getragene Gründe, um Unmenschlichkeit, Gewalt um eines höheren Zieles willen, zu rechtfertigen. Schließlich heiligt der Zweck ja die Mittel. Alles ist gut , wenn es nur einem guten Zweck dient.
Mit dieser Haltung können wir überhaupt das "Böse" bzw. das, was nicht unseren Interessen entspricht, mit bestem Gewissen austreiben, bzw. vernichten.
Eigene moralische Massstäbe, so vorhanden, werden obsolet, wenn sie nicht mit dem Mainstream konform gehen. Und unser Interesse ist es natürlich, auf Teufel komm raus, immer dazu zu gehören.
Dem propagierten Mainstream folgend werden z-B. auch entgegen der ursprünglichen Überzeugung, Tötungsmittel Mit-Morden (damals wie heute mit dem Segnen von Waffen, bzw. mit dem Absegnen der Verschickung von Kindern und "guten" Waffen zum gefälligen Gebrauch. Mit guten Gründen lässt es sich gut morden, seien es Kinderseelen oder die zu Feinden erklärten Menschen.
Das kann man doch nicht miteinander vergleichen?
Doch, muss man sogar !
Der gemeinsame Nenner heißt:
Unterdrückung von Mitmenschlichkeit durch Interessen geleitete Erkenntnis /Ideologien.
 
 

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Christiane aus Göttingen schrieb am 27.08.2022
Ich war fünf Jahre alt, als man befand, dass ich zu dünn sei und meine Mutter mit drei Kindern eine Auszeit zumindest von einem, dem mittleren, haben sollte.

Ich war für sechs Wochen in einem Heim, wo ich an einem Tisch mittig in einem großen Speisesaal Essen immer wieder bekam, das ich nicht essen konnte, bis ich es aß und herunterzuwürgen versuchte.

Ich durfte nachts nicht auf Toilette, nässte deshalb ins Bett ein, es gab Gewalt und sogar Schläge mit der Hand, man nahm mir meinen Bär weg, dem einzigen, woran ich mich festzuhalten versuchte und bekam als einzigen Kontakt die Päckchen von zu Hause nicht, weil ich nicht funktionierte. Diese Päckchen mit bestimmten Süßigkeiten wurden vor meinen Augen an andere Kinder verteilt, weil ich sie nicht verdient hatte.

Man schrieb Karten an die Eltern, dass es mir blendend ginge, weil ich mit fünf Jahren noch nicht schreiben konnte.

Ich kam nach sechs Wochen als gebrochenes Kind mit Alpträumen und abgekauten Fingernägeln zurück. Ich kämpfe bis heute mit den Folgen.

Als ich ca. 10 war, war ich mit den Eltern in der Gegend und meine Mutter wollte das Heim sehen. Sie fanden es und ein verschrecktes Kind tauchte hinter den Gitterfenstern im Erdgeschoss auf. Meine Mutter weinte den gesamten Weg zurück zum Ferienort und entschuldigte sich immer wieder bei mir. Sie hatte mir meine kindlichen Schilderungen nicht abgenommen und war entsetzt zu sehen, dass alles, was ich erzählt hatte, stimmte. Das führte dazu, dass sie mir (erstmals) auch den Rest, den sie nicht überprüfen konnte, glaubte. Bis dahin war man zu Hause der Meinung, dass ich lüge und Aufmerksamkeit wollte.

Während ich das schreibe, habe ich Tränen in den Augen. Ich wünsche mir seit vielen Jahren, es vergessen zu können.

Wenn diese Aktion auch nicht zum Vergessen beiträgt, so ist sie doch trotzdem gut. Danke dafür
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Winfried aus WW schrieb am 25.08.2022
Ich war 1966 mit 8J. zur Erholung im Kinderheim Richardsen in St.Peter Ording. (Auf der Seite der AG OrtsChronik e.V. St.PO ist das Haus abgebildet. Als ich das Bild sah und den Namen laß, wußte ich: hier war ich). Ich hatte immer wieder Bronchitis, war ein schmächtiges Kind und sollte dort abgehärtet werden. Nun ja.
Vorher hatte ich schon mehrere traumatische Erlebnisse in Krankenhäusern: als Frühchen in den 50gern im Brutkasten einer Uniklinik, mit 3J. eine Blindarm OP (bei der die Narkose nicht richtig wirkte), mit 6J. eine Mandel OP ( bei vollem Bewußtsein wurden wir an die Stühle geschnallt, dann den Ätherlappen vors Gesicht, und alles brüllte…). Besuchsverbot für die Eltern.
Nun also St.Peter Ording. Währendessen lag meine Mutter mit Krebs im Krankenhaus (Kinder unter 12J. haben keinen Zutritt. Ich konnte sie also vor Abreise nicht mehr sehen.
Ich wollte nur nach Hause, hatte füchterliches Heimweh. Unter den Kindern ging das Gerücht um, wer ständig weint, wird nach Hause geschickt. Also habe ich die ersten Tage nur geweint, es half nichts.
Morgens der Haferbrei ging noch, das Mittagessen war viel zuviel, ich mußte mit einigen anderen immer solange sitzen bleiben bis ich alles hineingewürgt hatte. Das Abendessen war das schlimmste.
Es gab 5 halbe Brotscheiben, jeweils eine mit Quark m. Schnittlauch (bäh), Wurst, Käse, Bananenscheiben, Schokoraspeln. Ich konnte einfach nicht soviel essen. Andere schon, und noch viel mehr. Also bot ich meine Brote zum Tausch an, wenn du mein Brot isst…Die anderen Jungs wollten natürlich nur das Schoko- o. Bananenbrot. Das hätte ich auch mal gerne gegessen, würgte statt dessen das Quarkbrot hinunter. Natürlich alles heimlich, wer erwischt wurde, daß er nicht seinen Teller leer aß, wurde bestraft. Das klappte nur kurze Zeit, ich habe dann die Brote in die Hosentasche gesteckt und später im Clo entsorgt. Das viel natürlich auf, wurde verpetzt und ich wurde bestraft.
Ohrfeigen waren damals was völlig normales und auch der Lehrer in der Schule wurde nicht müde zu betonen: die Prügelstrafe ist noch nicht abgeschafft.
Briefe nach Hause wurden zensiert, Päckchen von Zuhause wurden geöffnet: Obst kam sofort in die Küche, Süßigkeiten (wenn mehr als 1 Teil) kamen in den Gemeinschaftspool, Briefe und anderes an das Kind.
Dann bekam ich Mumps und mußte auf die Krankenstation. Hier gab es kleine Portionen und ich war froh krank zu sein. Währendessen ist meine Mutter verstorben, was mir nicht mitgeteilt wurde.
Schlimm waren auch die wöchentlichen Untersuchungen beim Haus-Doktor,der in Ermangelung oder aus Sparsamkeit keine Holzspatel sondern Eßlöffel aus der Kücheverwendete und jeden „zur Sau“ machte, der dabei hustete. Manche zitterten schon vorher.
Nach der Mumps-Zeit wurde ich als Langsam-Esser eingestuft und mußte mein Mittagesse alleine im Speisesaal eine halbe Std. vor allen anderen einnehmen. Wie das dann mit den Broten war, weiß ich nicht mehr.
Dann wurden Andenken gekauft (die Händler kamen ins Haus), eine Kleinigkeit für Vater und Mutter, und ab gings nach Hause. Noch auf dem Bahnsteig habe ich gefragt, ob ich endlich meine Mutter besuchen darf, die Antwort: die ist doch schon im Himmel.
Das wars, die Kindheit war vorbei. Verständnis, Gefühle, Reden, das gab es nicht.
Ich habe angefangen zu stottern, Atemwegserkrankungen waren ständige Begleiter.
Folgerichtig kamen in den Folgejahren noch 3 Asthmakuren in Bad Reichenhall hinzu. Manchmal kam ich kränker zurück, als ich losgefahren war.
Im späteren Leben kamen noch Allergien und Süchte und Tinnitus hinzu. Verschiedene Therapien halfen nicht. Ich habe bis heute keine stabile Beziehung aufbauen können. Jetzt mit 65J. ist noch eine Neurodermitis hinzugekommen.
Ich bin nur noch müde, müde, traurig und wütend.
P.S.
Wie ich gehört habe, steht das Haus Richardsen noch. Lange Zeit als Gästehaus etc. genutzt (?)
Ich versuche mal hinzufahren und es mir anzusehen. Vielleicht passiert was.
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Petra Safferthal aus Berlin schrieb am 19.08.2022
Hallo, ich bin gestern auf diese Webseite gelandet und auf die Initiative aufmerksam geworden. Und ich bin froh, dass es sie gibt. Ich bin im Sommer 1969 mit 4 , fast 5 Jahren, auf eine vom Amt gut gemeinte Kur geschickt worden, ich kam aus zerrütteten Familienverhätnissen. Ich weiß nicht mehr, wie der Kurort hieß, bzw. lag. Vor 30 Jahren, als mein Sohn in diesem Alter war, kam mein Leben aus der Bahn. Ich hatte meinen fast ersten 6 Jahre völlig verdrängt. Aber nach und nach kamen Bider, Gefühle aus dieser Zeit wieder hoch. Und es waren sehr schreckliche, traumatiesierende Erinnerungen. Von Schlaf-, Essensverbot und mit dem Kopf in der Wanne unter Wasser gestugt zu werden. Ich bin selber gelernte Erzieherin, aber trotz mehrer Versuche in ein Arbeitsleben zurückzufinden sind gescheitert. Ich habe überhaubt nicht mehr in ein Lebenswertes Leben zurückgefunden. Ich finde sehr gut, dass es diese Initative gibt und ich davon erfahren habe. Ich finde es mehr als an der Zeit, das Schweigen zu brechen und das mir und anderen zugefügten Schmerz und Leid publik zu machen. Es wird keine Wunde heilen, aber ich hoffe Antworten, wie: warum ist das mit mir passiert, was habe ich falsch gemacht? Scham- und Schuldgefühle, Verzweiflung und die ständige Angst, sind Teil meines Leben geworden. Auch wenn der Verstand sagt, ich kann nichts dafür, was mir dort angetan wurde, die leidvollen Gefühle und Selbstzweifel werde ich nicht mehr los.
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Renate Link aus Unterhammer im Karlstal schrieb am 18.08.2022
Ich bin selbst keine Betroffene, möchte aber ehrenamtlich die Geschichte an meinem neuen Wohnort aufarbeiten und der Öffentlichkeit zugänglich machen. Wir sind gerade bei der Recherche und dankbar für weitere Infos.
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Manuela Litts aus Plön schrieb am 16.08.2022
Ich habe nur gute Erinnerungen an diesen Aufenthalt, Es war sehr nett , bin zwei mal da gewesen das schlimmste war als der Dackel von den Heimleitern auf einem Schäferhund attackiert wurde auf einem Spaziergang
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Wolfgang Hanke schrieb am 16.08.2022
Ich wurde als Eisenbahnerkind mit Kindern weiterer Berufskollegen meines Vaters im Winter 1965 5-jährig nach Schulenberg verschickt. Sicherlich ist nach fast 6 Jahrzehnten nicht alles present, daher beschränke ich mich auf 3 Vorkommnisse, die über die Jahre nicht aus dem Sinn gekommen sind:
1.) Es gab einen Jungen, der nach Angaben der Erzieherinnen ein böser Junge war. Nachdem die üblichen Methoden, in erster Linie Ohrfeigen, bei ihm nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde er in den Keller gesperrt. Wir hörten ihn, wenn wir über die Gänge gingen, unaufhörlich brüllen. Das flößte mächtig Angst ein. Uns wurde gesagt, dass dies mit allen unartigen Kindern geschieht - es waren eindeutige Drohungen. Der Junge war dann eines Tages nicht mehr da.
2.) Es gab Lieblingskinder. Hierzu gehörte ein Junge aus meinem Schlafsaal, vielleicht 3-jährig, der, während wir anderen uns keine Unachtsamkeit erlauben durften, während der Schlafzeiten durch den Saal sprang, hüpfte, turnte und die Erzieherinnen lachten über den süßen Fratz. Eigentlich war strenge Bettruhe verordnet. Auch in der Mittagszeit mussten wir schlafen, auch wenn jemand nicht schlafen konnte. Bei einer Kontrolle mittags versuchte ich, mich schlafend zu stellen. Ich hatte alles versucht, doch ich musste zwinkern und bekam sofort Ohrfeigen, während der kleine süße Junge herumjauchzte.
3.) Beim Mittagessen saß der kleine süße Junge neben mir und spuckte mir plötzlich auf den Teller (Braten mit Rotkohl und Kartoffeln). Ich meldete dies der Erzieherin, die mich dann zwang, meinen Teller inklusive fremder Spucke aufzusessen.
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Doreen Götze aus Berlin (geb. Finsterwalde) schrieb am 15.08.2022
Ich habe erst letzte Woche von der Seite Verschickungsheime erfahren und bin jetzt auf der Suche nach Antworten. Ich habe leider keine Ansprechpartner mehr (Mutter verstorben), um Details zu erfahren. Ich weiß nur noch, dass ich vor der Einschulung (es müsste das Jahr 1989 im Sommer vor der Einschulung gewesen sein) auf der Kur in Rügen (wahrscheinlich Wieck) war. Ich war zu dem Zeitpunkt 5/6 Jahre alt und mein Vater war das Jahr davor, 1988, plötzlich verstorben. Laut meiner Mutter, woran ich mich noch erinnern kann, war ich auf dieser Kur auch, um mich von ihr abzunabeln, da es sonst nicht möglich gewesen wäre, mich einzuschulen. Der Tod meines Vaters hat ein Trauma hinterlassen. Meine Tante, die noch lebt, sagt, ich wäre dort wegen häufig auftretender Bronchitis gewesen. Bei meiner Recherche kam mir der Name Wieck sehr gekannt vor. Ich hatte auch jahrelang ein Gruppenfoto im Album meiner Mutter, aber mit ihrem Tod ist das Foto verschwunden. Ich bin seit geraumer Zeit bei einer Heilpraktikern, um meine Traumata aufzuarbeiten und immer wieder kommt diese Kur in meinen Kopf. Ich habe aber leider keine Erinnerung daran. Das Einzige, was ich weiß: Es war ein Dreibettzimmer (zwei Mädchen, ein Junge), es gab Milchnudeln und jede Woche wurden Briefe von den Eltern vorgelesen. Ebenso kann ich mich an viele Tränen erinnern, die geflossen sind.

Wie gesagt, schätze ich, dass es der Sommer vor der Einschulung gewesen sein muss, 1989. Es kann aber auch sein, dass es 1988. Ich hoffe, dass es noch alte Datensätze gibt und mein Name und Aufenthalt dort irgendwo niedergeschrieben ist. 🙂

Auf dieser Internetseite habe ich ein Foto von 1979 gesehen von Wieck und es sieht mir sehr danach aus, dass es das Kurheim war, wo ich war.
Vielleicht findet sich jemand, der zur gleichen Zeit dort war und ich kann das Mysterium klären.
Vielen Dank fürs Lesen.
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Martina schrieb am 13.08.2022
Ich (geb. 1967) wurde im März 1979 für sechs Wochen in das Kinderkurheim des BSW nach Lindenberg im Allgäu geschickt. Vor Ort wurde ich meiner Altersgruppe (mittlere Mädchen, ca. 10-14 Jahre) zugeteilt. Es gab je drei Gruppen für beide Geschlechter. Unsere Gruppe bestand aus 20 Mädchen und nannte sich zeitgeistgemäß "Discoqueens". Die altersgleiche Jungengruppe nannte sich nach einer bekannten TV-Serie die „PS-Feuerreiter“. Wir hatten zwei Betreuerinnen, die wir duzen durften/sollten. Alle Kräfte waren entsprechend ausgebildet und qualifiziert. Am Tag nach der Ankunft wurden wir von einem freundlichen Arzt medizinisch untersucht. Da ich Übergewicht hatte, sollte ich abnehmen. Im Speisesaal gab es dann aus organisatorischen Gründen drei oder vier separate „Diät-Tische“. Unser Essen war den Plänen entsprechend kalorienreduziert. Nach sechs Wochen hatte ich sieben Kilo verloren. Es gab natürlich auch Kinder, bei denen eine Gewichtszunahme wünschenswert gewesen wäre. Dennoch wurde niemals jemand zum Essen gezwungen. Da ich keine Erinnerung an die Gerichte habe, muss die Küche wohl durchschnittlich gewesen sein. Dagegen erinnere ich mich an den für alle Einrichtungen dieser Art typischen furchtbaren Hagebutten- und Pfefferminztee. Bei einer Führung durch das Haus wurden wir auf den riesigen Teeboiler in der Küche hingewiesen, an den wir uns bei Durst jederzeit bedienen durften. Die Betten waren, wie damals noch allgemein üblich, in Schlafsälen untergebracht. In unserem befanden sich 10 Betten, durch Sichtschutzwände getrennt, auf denen wir Autogrammkarten unserer Idole aufhängten. WCs und Waschräume befanden sich auf dem Gang genau gegenüber. Geweckt wurden wir um sieben oder acht durch Lichteinschalten. Abends um neun oder zehn Uhr wurde das Licht gelöscht. Ein für Gemeinschaften aller Art typisches Verfahren. Aber niemals wurde jemand daran gehindert, nachts zur Toilette zu gehen. Im Gegenteil: nachts war auf dem Gang für diese Fälle immer die Notbeleuchtung an. Der Vormittag war gemeinsamen Aktivitäten gewidmet: Sport, Spiel, Basteln, Spaziergänge, Besichtigungen. Nach dem Mittagsessen hatten wir in der sogenannten Ich-Zeit drei Stunden zur freien Verfügung. Wer wollte, konnte Mittagsschlaf machen. Ansonsten standen zur Verfügung: eine Minigolfanlage, Tischtennisplätze, ein Bolzplatz, ein Hallenbad, eine Bibliothek, ein Musikzimmer mit Instrumenten und Noten, ein Fernsehraum, eine Turn- und Veranstaltungshalle mit Bühne. Darüber hinaus wurden Ausflüge in die Umgebung organisiert, z. B. an den Bodensee oder nach Füssen. Auch waren wir im Zirkus und natürlich im Ort, wohin der Weg leider etwas weit war. Sonntags und Ostern durfte man die katholische Messe in der örtlichen Kirche besuchen. Jedes Wochenende wurde die Turnhalle zur Disco mit Musik- und Lichtanlage. Dann tanzten wir zu den Village People, Leif Garrett, Blondie oder den Teens. Auch führten wir auf der Bühne dort Theaterstücke und Sketche auf. Ab und zu wurde die Halle abgedunkelt, eine große Leinwand entrollt, und Filme wurden gezeigt. Ich erinnere mich, dort zum ersten Mal die „West-Side-Story“ gesehen zu haben. An Ostern durften wir im Fernsehraum Franco Zeffirellis Monumentalwerk „Jesus von Nazareth“ anschauen. Zwang gab es bei alldem nicht. Wir schrieben viele Briefe und bekamen viele Briefe. Zu Ostern auch Päckchen. Weder unsere Eingangs- noch unsere Ausgangspost wurde jemals kontrolliert oder zensiert. Einmal war mein Vater zu Besuch. Er verband eine Wandertour im Allgäu mit einem kurzen Abstecher zu uns, übernachtete aber natürlich im Ort. Elternbesuch war grundsätzlich nicht verboten. Unsere Betreuerinnen, allesamt Erzieherinnen oder Sozialpädagoginnen, die schon die Liberalisierung und Reformen der späten 60er und frühen 70er Jahre in Ausbildung oder Studium durchlaufen hatten (und das im konservativen Bayern!), waren allesamt empathisch und einfühlsam. Wer Heimweh hatte (und das kam trotz allem häufiger vor) wurde getröstet. Während unseres Aufenthalts erfuhr meine Bettnachbarin vom Tod ihres Opas und war den ganzen Tag in Tränen aufgelöst. Unsere Betreuerin (sie hieß Anneliese) saß lange an ihrem Bett und hielt ihre Hand. Mir wurde ähnliches Mitgefühl zuteil, als ich einmal wegen schwerer Verstopfung zur Ärztin in den Ort gefahren werden musste. Gab es Negatives? Ja. Neben dem schon erwähnten Heimweh gab es kleinere Diebstähle, wie sie leider in solchen Einrichtungen immer wieder vorkommen: kleinere Geldsummen, Briefmarken, Süßigkeiten, Stifte. Natürlich gab es auch die üblichen Hänseleien und die Cliquenbildung in der Gruppe. So habe ich mit der schon erwähnten Bettnachbarin eine Kameradin gemobbt, indem wir ihr Stofftier entwendeten, versteckten und behaupteten, es wäre die Toilette heruntergespült. Aus Rache landete dann der Teddy meiner Freundin tatsächlich in der Toilette. Außerdem bekamen einige Idole auf den Autogrammkarten heimlich Bärte, Brillen und schwarze Zähne aufgemalt, was ihre harten Fans in die Verzweiflung trieb. Der Hausmeister beklagte sich lautstark, dass regelmäßig Klopapierrollen aus dem Toilettenfenster der mittleren Mädchen flogen und das Papier den ganzen Hof bedeckte. Gab es Strafen? Ja. Meine Freundin und ich wurden für unseren Schabernack getrennt, d. h. für die letzten zwei Wochen bettentechnisch auseinandergelegt, was wir natürlich furchtbar ungerecht fanden. Dabei war dort wirklich alles okay. Manche von uns waren sogar auf eigenen Wunsch dort. Für einige war es bereits die zweite (freiwillige) Kur. Bei vielen gab es nach den sechs Wochen Tränen und Trennungsschmerz. Im Gegensatz zur Grundschule, die ich einige Wochen nach dieser Kur im Sommer 1979 beendete, erinnere ich mich an keine einzige demütigende Strafe oder Situation.
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Anja aus Aschersleben schrieb am 08.08.2022
Januar/Februar 1980
Ich war damals 10 Jahre alt. Wurde zur Kur geschickt, weil ich zu dünn war.
Viel ist mir nicht mehr in Erinnerung geblieben- nur Fragmente (wie fast alles aus meiner Kindheit. Wahrscheinlich- nein sicherlich ein Schutz meiner Psyche- den Schutz des Vergessens. Denn das ist überlebensnotwendig. Und Erinnerungen sind eh subjektiv

Sorry- ich schweife ab: Wenn ich an Volkersdorf denke, fällt mir Weniges ein, beim Schreiben vielleicht mehr: Daher kann ich nur aus Fragmenten meiner Erinnerung schreiben- mehr hab ich momentan nicht….
Busfahrt: Meine Mutter hat mir zur Abreise eine Tafel Schokolade gegeben (mit Waffelsplitter)- die hab ich nach den 6 Wochen völlig unbrauchbar wieder erhalten… Es gab da einen Raum zur Aufbewahrung (eine Baracke?)
Ich weiß noch: Es gab keine Namen- ich war Nummer 21.
Essen: Es musste gegessen werden, was auf den Tisch kam. Ein Kind hat auf dem Teller erbrochen und wurde gezwungen ihn aufzuessen.
Mittagschlaf musste sein, ich hab mich unter der Decke gewälzt und wurde mit etwas bestraft, von dem ich nicht mehr genau sagen kann womit. (Pittiplatsch- Tafel)
Ausflug nach Dresden- mehr weiß ich nicht.
Morgengymnastik und barfuß laufen im Schnee- mach ich heute noch gerne
Höhnsonne und Laufen im Kreis.
Apfelessen mit samt Griepsch- es durfte nur der Stiel übrig bleiben.
Ich war krank- meine Mutter hat mir Taschentücher per Brief geschickt.
Fasching: Mein „Schwarm“ hat sich beim Tanzen von mir abgewendet, weil ich eine Warze am Finger hatte.
Heimweh.
Briefe schreiben- festes, programmiertes Ritual- und deren Kontrolle.

Ich glaub, für heute reicht's erst mal. Vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte? Würde mich freuen
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Silke aus Halle Saale schrieb am 07.08.2022
Ich war 6 Jahre alt und sollte vor der Einschulung wohl aufgepäppelt werden und war "gefühlt" den ganzen Sommer dort.
Ich mag seitdem keine süßen Speisen mehr und warme Milch oder Kakao (schon der Geruch) ekelt mich an.
Meine Mama hat mir, am Tag der Heimkehr, eine Freude machen wollen und Griesbrei gekocht, ich habe mich sofort übergeben und es nie wieder gegessen.
Ich erinnere mich an einen Speisesaal der geteilt war und die dünnen Kinder von den vermeintlich dicken Kindern getrennt hat.
Essen war problematisch, weil immer ein Zwang zum Aufessen bestand und es gab für uns Z.T. nur süße Speisen (Pudding, Milchreis etc.)
Einige Kinder waren oder wurden dort zu Bettnässern und das wurde damit bestraft, daß sie nicht an den Aktivitäten teilnehmen durften und die Post der Familie nicht vorgelesen bekamen.
Ach ja und zugenommen hatte ich nur minimal, habe aber gebettelt, das ich da nicht mehr hin möchte. Musste ich dann auch Gott sei Dank nicht.
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Nadine aus Saarland schrieb am 07.08.2022
Damals kam das gesundheitsamt in die Schule und meinte zu unseren Eltern wir würden doch ein wenig dicklich sein wir müssten sechs Wochen mal in Kur gehen was auch danach geschah meine zwillingsschwester und ich wurden sechs Wochen in den Schwarzwald geschickt der Horror begann es ist heute noch ein Trauma für uns beide wir hatten nichts zu essen bekommen wenn ich sage nichts dann war es auch nichts eine Schüssel voll Quark mit Petersilie oben drauf zum Mittagessen die dicklichen Kinder wurden rechts gehalten und die wo zunehmen sollten Links die bekam Pommes Schnitzel Salat alles was das Herz begehrt nur wir durften nichts essen unsere Päckchen wo wir geschickt bekommen haben von unseren Eltern wurden uns nicht ausgehändigt so vergingen Wochen aus lauter Hunger pflückten wir wenn wir unterwegs waren Sauerampfer und Asen sogar noch Zahnpasta dass der Hunger etwas gestillt war . Man wurde auch mit Schlägen bestraft ich kann mich noch erinnern ich bin die Treppe runter gelaufen und über den Teppich gestolpert mit Fransen und zack hatte ich eine backpfeife musste mit dem Kamm dann die Fransen wieder gerade machen und bin hoch auf mein Zimmer geschickt worden meine zwillingsschwester weinte bitterlich die durfte nicht bei mich wenn wir die Telefonate nach Hause durften führen durften wir nicht sagen was hier passiert ist wenn wir was schlechtes äußerten wurden wir mit dem telefonhörer geschlagen Post nach Hause ist so abgelaufen das was wir auf die grußkarten sollten Schreiben wurde an die Tafel geschrieben und das wurde abgeschrieben meine Schwester und ich war nachher zu dünn richtig abgemagert dass sie uns nach fünf Wochen eine große Schüssel Pommes frites vor die Nase stellten und sagten die ist ihr jetzt unser kleiner Magen konnte das ja gar nicht verkraften unsere Kleider passten uns nicht mehr um unsere Hüften wurden dann Seile gespannt und die Hose drin festgemacht schulisch wurde uns auch nichts beigebracht also waren sechs Wochen kein Unterricht gehalten worden was ja unseren Eltern alles versprochen wurde dass alles gemacht wird die haben Unterricht die werden beschäftigt nichts ist passiert ich weiß nur dass wir nur wandern waren sonst wurde nichts gemacht mit uns außer immer das Schwarzwälder Lied gesungen ich würde mich freuen wenn sich hier drauf jemand melden würde
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Anke schrieb am 06.08.2022
Habe gerade von Verschickung s Kindern in Facebook gelesen! Neugierig kucke ich was das für ein Buch ist und bin wie elektrisiert!!! Selber 3x betroffen!!! ( erste mal mit 5 Jahren)
Ich heule und heule. Obwohl ich soviel wie nix mehr weiß. Meine spontane, nicht endende Reaktion (Heulen) sagt mir Alles!!! Es ist wie eine innere Explosion, endlich darf ich trauern!!! Ich bin 61 Jahre……
Ob sich unter dem Nebel und der Trauer noch Bilder zeigen werden, außer: Unterdrückung, Strenge, Luft anhalten, still sein, verwahrlosen, Postkarte schreiben, strenger bewegungsloser Mittagsschlaf, getrennt werden, freudlos, besonderer Raum mit Sonnenbrille und Licht, Bestrafung,- wird sich zeigen. Das Schlimme ist wahrscheinlich: das Verdrängte, die Ahnung, die verschüttete Trauer, Angst und zurückgehaltenen Tränen Ozeane!!!
Sei lieb, ruhig, nicht vorhanden!!!
So ging es in der Familie dann weiter.
Was für ein Wahnsinn?
Ich muss mich jetzt erst mal wieder beruhigen und schlafen.
Für alle Beteiligten mein tiefes Mitgefühl.
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Mona schrieb am 06.08.2022
Hallo in diesen heißen Sommer hinein, und ich frage mich... war es damals in Rechtis-Weitnau im Allgäu auch so heiß.
An das Wetter so Erinnern kann ich mich nicht mehr.
Ursprünglich stamme ich aus der Goldschlägerstadt Schwabach/Mfr. Wer stand noch mit mir damals am Schwabacher Bahnhof?
Lebe jetzt jedoch im Ldkr. Paf.
Meine Frage nochmalig nach einem 1/2 Jahr war niemand sonst noch in diesem Heim?
Meine letzte Anfrage hatte ich am 23.2. hier geschrieben.
Die Hoffnung stirbt nie, vielleich findet sich doch noch eine oder einer der auch dort gewesen ist.
Alles gute. Namsthe
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Ivonne aus 96247 Michelau schrieb am 06.08.2022
Laut meinem Impfpass war ich im Kinderkurheim "August Berger" Jessen. Ich habe nur noch sehr wenig Erinnerung und würde mich über Austausch freuen. Wir waren wohl zu zweit im Zimmer. An der Wand war ein Pferdebild.
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Nicole aus Hünfeld schrieb am 04.08.2022
Ich bin vor kurzem von meiner Mutter gefragt worden, "aber dir ist nichts Schlimmes passiert?!“. Mit dieser Frage habe ich mich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt. Und es ist erschreckend, ich erinnere mich an so gut wie gar nichts. Wie ich hinkam, wie die Tage dort waren, was ich gemacht oder getan habe. Ich kann mich nur an eine Sache erinnern, der Tisch für die Dünnen (meiner) und der für die Übergewichtigen. Ich musste immer sitzen bis ich aufgegessen hatte, das dauerte in meiner Erinnerung ein paar Stunden. Aber sonst nicht eine Erinnerung, faszinierend.. Jetzt stellt sich mir die Frage, ich hatte bis ich selbst Mutter wurde, ein ungesundes Verhältnis zum Essen (Ana und Mia lassen grüßen), kommt das daher...
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Lutz aus Ribnitz schrieb am 01.08.2022
Ich bin Jahrgang 58 und war 3 mal in den 60 er Jahren in der DDR auf Kur. Trautenstein, Zinnowitz und Strausberg. Leider vermengen sich Erinnerungen. Es waren die traurigsten Wochen jeweils in meiner Kindheit, Ich bin allein bei meiner Mutter aufgewachsen. In der Diagnose des Arztes stand zu mir: ..."magerer Knabe...". So war die Begründung für eine Kur gegeben. Alle Heime unterschieden sich nicht wesentlich. Ich kann mich an militärische Disziplinierung, unheimliche menschliche Kälte und Erniedrigungen erinnen. Tätliche oder sexuelle Übergriffe gab es nicht. Es gab wenig zu essen. Mich hätte mein Endgewicht interessiert. Gleichzeitig mussten in gemeinschaftlichen, riesigen Speisesräumen kollektiv Tischsprüche aufgesagt werden. Norden, Süden, Osten; Westen doch in Strausberg schmeck's am besten. Ich habe vor mich hin immer ..."zu Hause schmeckt's am besten" gemurmelt. Im Kurheim in Zinnowitz ist beim Spielen ein Puppenkinderwagen zerbrochen. Dieser war nicht für die darin überschwenglich transportierten Kinder ausgelegt. Als der Schaden aufflog, hat ein Erzieher vom Typ Glatzeder ein riesen Fass aufgemacht und die ganze Gruppe tyrannisiert. Uns schwante Polizei, Gefängnis, riesen Schadenersatz vor. Ich hatte Ängste ausgestanden ohne Ende. Einziger Trost waren Mosikcomics mit den Digedags, welche ich Nachts unter der Decke mit der Taschenlampe las. An das Mosaikcover zu der Zeit und Umgebung kann ich mich noch heute erinnern. Gelitten danach habe ich eigentlich nie. Ich konnte die Zeit schnell vergessen. Auch wenn es schwer war und vielleicht selbst die sogenannte "schwarze" Pädagogik vielleicht überbewertet wird, sind vielleicht auch derartige Erinnerungen und Erfahrungen wichtig. Letzlich waren diese auch von Solidarität Gleichaltriger und Zuversicht geprägt, dass die Zeit irgendwann zu Ende geht. Meine Mutter (Jahrgang 30 / in der NS Zeit BDM Führerin) hat sich wirklich nie danach für die Zeit in den Heimen interessiert. Sicher war sie mal froh auch ein wenig Zeit für sich damit gehabt zu haben. Ich denke es muss auch alles immer im Zeitkontext gesehen werden. Die heutige, ich nenne es mal rein "weiße Pädagogik" ist auch nicht unbedingt das Wahre. Disziplin, Wertschätzung von elementaren Dingen kommt heutzutage offenkundig bei Heranwachsenden in einer Blase sozialer Medien nicht vor. Ich sehe (in der Masse )eine entfremdete, allgemeinindividualisierte Generationsmasse junger Menschen vor mir.
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Harald aus Essen schrieb am 30.07.2022
Ich war 1976 vor der Einschulung für 6 Wochen im Haus Ruhreck auf Borkum. Es war eine furchtbare Zeit, die mein Vertrauen in "staatliche Fürsorge aller Art", besonders aber "Jugendamt" und vor allem "Jugendamt der Stadt Essen" sehr nachhaltig zerstört hat.
Es sollte wohl eine "Erholungsmaßnahme" sein, das war es aber natürlich nicht:
* Die Kinder wurden bei geringster Aufmüpfigkeit gerne mal mit Ohrfeigen diszipliniert
* Beliebt (beim Personal...) war auch, vor der Kindergruppe Ewigkeiten rumzustehen und über seine "Vergehen" nachzudenken und dann demütig um Verzeihung zu bitten
* Zu trinken gab es ausschließlich (in der warmen Sommerzeit) heiße Milch und heißen Kakao, Durstgefühl war durchgehend gegeben. Ich weiß noch deutlich, dass ich über dne dauernden Durst in den Postkarten nach Hause, die unsere Betreuer angeblich nach "Diktat" geschrieben haben, geklagt hatte. Jahre später habe ich die Karten gefunden, da stand in höchsten Tönen jubelnd, wie toll es mir gefallen würde- alles gelogen.
* Wir mussten bei Einzug unsere Betten selber beziehen. Soweit kein Problem. Mir kam aber komisch vor, dass alle Kinder eine Gummimatte unter das Laken legen mussten, weil wir Bettnässer seien. War ich (mit 7...) nicht. Wurde ich aber schlagartig in dem Heim, danach hörte es wieder auf.
Ich habe per Zufall Jahrzehnte später gelesen, dass das Personal Valium benutzt hat, damit die Kinder Mittagschlaf halten und Nachts durchschlafen, Einnässen beim Schlafen ist da wohl Nebenwirkung.
* Das Essen war unter aller Sau und die "Tischregeln" rigoros. Ich mochte noch nie fettige Suppen. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem es Hühnersuppe gab, auf der Fettaugen schwammen. Einige Kinder, ich auch, wollten das nicht essen. Mit Nackenschlägen und Haare ziehen wurden wir gezwungen. Wer sich (wie ich) in die Suppenschüssel übergeben musste, musste das dann eben mit aufessen

Ich hatte als Kind lange die Phantasiel, als Erwachsener zurückzukehren und mich beim dann anwesenden Personal in einer möglicherweise justitiablen Art zu "bedanken". Darüber sprach ich in der Oberstufe mit einem sehr guten Lehrer, der nur kommentierte: "Ruhreck? Den Laden haben sie zugemacht, da triffst Du keinen mehr an. Da haben wohl Altnazi-Weiber Kinder gequält."
Da fühlte ich mich erstmals verstanden, weil bis dahin die Elternmeinung war "Ach, so schlimm wird es nicht gewesen sein, Du hast ja auch nie darüber gesprochen."

Weiter geholfen hat dann, dass es inzwischen viele Berichte gibt, so auch hier.
Ich habe das Glück, zumindest subjektiv keine allzu großen Schäden mitgenommen zu haben (außer, dass ich weder mich selber noch mein Kind in irgendeiner Form städtischer oder staatlicher Obhut freiwillig aussetze, dazu hätte auch Wehrdienst gezählt), aber es tat dann schon gut zu lesen, dass ich mich offenbar nicht "anstelle" oder "viel zu schlecht" erinnere; es war, wie es war.

Mit bleibt das Bild zurück, dass das Jugendamt (und sicher nicht "einzelne Mitarbeiter ohne Wissen der Amtsleitung", dafür ist der Umfang zu groß!) mit zwielichtigen Firmen kooperiert hat und manche Menschen durch organisierte Kindesmißhandlung viel Geld verdient haben.

Danke für nichts, Jugendamt Stadt Essen.
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Wolfgang aus Tirol schrieb am 28.07.2022
Ich war 3 Jahre alt. 6 Wochen weg, die wie unendlich wirkten. Hände über der Decke lassen, Klosterschwestern kontrollierten und weckten einen sogar auf; nachts nicht aufstehen und was trinken dürfen, Essen notdürftig wie auf einer Hütte, in der Früh eine Scheibe Brot und Marmelade, Hagebuttentee.

Ich hatte Angst vor einer bestimmten Klosterschwester und weiß nicht mehr warum. Ich sah sie später wieder bei einem Ausflug mit meinen Eltern und duckte mich vor ihr in eine Kirchenbank. Meine Eltern lachten. Meine Mutter glaubt bis heute, die Kur war gut, notwendig und erfolgreich, weil ich so nette Lieder sang.

Das Schlimmste war das Gefühl des Verlassenseins.
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Christian Kaiser aus Giesen schrieb am 26.07.2022
Ich hatte hier schon vor ein paar Tagen einen Beitrag über meine Erfahrungen auf Borkum geschrieben. In der Zwischenzeit habe ich hier viele weitere Beiträge gelesen und erlebe das es tatsächlich offensichtlich unendlich viele weitere "Kinder" gibt, die Ähnliches / Gleiches wie ich erlebt haben. Es kommen in mir wieder Erinnerungen, die ich fast alle bis bis heute vergessen/ verdrängt hatte.
Insbesondere sein Erbrochenes wieder auf essen zu müssen, das Verbot von nächtlichen Toilettengängen, den Durst als Druckmittel einzusetzen schien damals wohl "gängige / pädagogische" praxis zu sein.
Heute bin ich bei einem Spaziergang mal wieder mit meiner Frau an einem weiß blühendem Busch vorbei gegangen. Meine Frau schwärmte von dem schönen Sommerduft dieser Pflanze und das er sie an ihre schöne Kindheit erinnern würde. Ich kann diesen "Sommerduft" dieser weißen Blume seit meiner Kindheit/ meinem Aufenthalt auf Borkum nicht mehr ertragen... er erinnert mich nun seit über 50 Jahren an Borkum und dieses Kinderheim und ist für mich unerttäglich.
Aber wie schon im letzten Beitrag geschrieben: Es war eine andere Zeit, aber ob ich das als Entschuldigung gelten lassen kann..... ??? ...
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Michaela Classen aus 45239 Essen schrieb am 24.07.2022
Ich kam mit gerade 5 Jahren, im Februar 1953 in das Kinderheim Vossfänger, für circa drei Monate. Der Aufenthalt begann mit Strafen und Prügel und endete auch so. Toilettenverbot , Zwangsessen, den ganzen Tag mit dem Gesicht zur Wand liegend ohne Essen, bei kleinen Vergehen. Das schlimmste war für mich mitanzusehen wie Kinder nackt verprügelt wurden. Es war nicht mein letzter Heim Aufenthalt, aber der schlimmste.
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Beatrix aus Vorwerk schrieb am 24.07.2022
Hallo
Vertrauen verloren , Ängste um Existenz, Bindungsangst. Toilettengänge können heute noch zum Horrortrip werden.
Es ist peinlich, ich bin inzwischen Inkontinent. Und habe furchtbare Angst alt zu werden ins Heim zu kommen und wieder entblößt zu werden von z.B. Personal aus Pflegeheimen.
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Stefan aus Berlin schrieb am 23.07.2022
Mit 8 Jahren wurde ich zusammen mit meinem drei Jahre jüngeren Bruder als Kinder eines Postbeamten über die Postbeamtenkrankenkasse nach Sankt Peter Ording verschickt. Gleich nach der Ankunft wurden wir getrennt. Ich kann mich an den großen Schlafsaal erinnern, im vorderen Teil gab es vier Betten, im hinteren nochmal ca. zehn. Die "Tanten" führten ein hartes Regime. Besonders krass war der Durst, den ich dort erlitten habe. Wir durften erst nach dem Essen etwas trinken, wobei die verlockenden Becher mit kaltem Tee in der Tischmitte standen. Es war eine Qual. In den Toilettenräumen standen die Tanten Wache, um zu verhindern, dass wir beim Händewaschen "heimlich" Wasser tranken. Wir sollten uns nicht "satt" trinken und dann nichts mehr essen - so die perverse Idee. Schließlich sollte beim regelmäßigen Wiegen unsere Gewichtszunahme bestätigt werden. Das Essen habe ich als fad bis ungenießbar in Erinnerung. Am schlimmsten war der Restetag, wo alle Reste der Woche zu einem braunen, ekligen Matsch zusammengekippt wurden. Wir wurden gezwungen, alles aufzuessen - sonst durften wir nicht an den begehrten Becher in der Tischmitte. Abends habe ich regelmäßig von dünnen Schläuchen fantasiert, die ich heimlich an mein Bett legen würde, um dann in der Nacht unbeobachtet endlich Wasser trinken zu können. Auch andere Aktivitäten waren von Bestrafungen und Belohnungen begleitet - das war "schwarze Pädagogik" wie ich später lernte, durchaus üblich in Postnazi-Deutschland.

Die schönen Erinnerungen verbinde ich mit der Solidarität der Kinder untereinander. Wir hatten Freude beim gemeinsamen Spielen am Strand, beim Spielen von Quartetten mit Autos oder Schiffen, beim nächtlichen Herumschleichen mit Angst vor den Tanten. Und gemeinsam erzählten wir uns, wieviel Tage wir jeweils noch im Heim verbringen mussten und beneideten jene, die endlich frei kamen und nach Hause fahren durften. Als wir in Berlin ankommend aus dem Zug stiegen, fiel ich meiner Mutter weinend in die Arme. Es war eine weitere Kränkung für mich, dass meine Eltern mein Leid nicht hören wollten: Ich solle mich nicht so haben, so schlimm wird es nicht gewesen sein. Doch, das war es. Erst Jahrzehnte später konnte ich wieder darüber sprechen. Wenn ich die Geschichten der anderen lese, bin ich noch gut durchgekommen. Dennoch war es auch für mich das schlimmste Kindheitserlebnis.
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Hetke, Renate aus Domersleben schrieb am 22.07.2022
Ich war im Jahr 1964 im Kinderheim Luisenthal, Thüringen, da war ich 9 Jahre alt. Was ich dort erlebt habe ist für mich auch heute noch erschreckend. Als Kind habe ich das alles immer wieder verdrängt. Heute spreche ich darüber, habe aber immer das Gefühl als glaube mir niemand so richtig. Es klingt heutzutage auch unglaublich. Erbrochenes musste wieder aufgegessen werden, zur Strafe gab es auf unbestimmte Zeit nur Haferschleim oder Griessbrei zu allen 3 Mahlzeiten. (ich war zur Gewichtsabnahme bei dieser Kur) Briefe wurden teilweise kontrolliert. Körperliche Züchtigung jeden Tag.
Bestrafungen für Kleinigkeiten waren an der Tagesordnung. Bei jedem Spaziergang wollte ich eigentlich abhauen. Aber ich hab mich nicht getraut, es war ein sehr kalter Januar.
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Jörg Christian Jakobi aus 50226 Frechen schrieb am 22.07.2022
Eines Tages, ich denke es war im Frühjahr 1971, stand ich mit meinen Eltern und meinem großen Bruder in Köln auf einem Bahnsteig und mein Bruder und ich wurden in einen Zug zur „Kinderkur“ nach Bühl am Alpsee/Immenstadt gesetzt.
Ich empfand das alles als 3 Jähriger als ein großes Abenteuer, aber es wurde ein Aufenthalt, der mein Leben nachhaltig beeinflussen würde.
Morgens gab es Käsebrote. Für mich ein absolutes No Go, da ich unter einer Milcheiweißallergie leide und keine Milchprodukte vertrage. Ich saß am ersten Morgen mit meinem großen Bruder, er war schon 4, am Tisch, sahen uns in die Augen und ließen die Käsescheiben unter dem Tisch verschwinden. Ein paar Tische weiter sah ich, was passierte, wenn ein Kind das Essen erbrach: das „Essen“ musste trotzdem restlos aufgegessen werden. Das empfand ich als so ekelhaft, das ich das um jeden Preis verhindern musste.
Danach gab es Vitamin-Paste aus der Tube, ein Geschmack der mich lange verfolgen sollte.
Meine Gruppe wurde auf eine kleine Wanderung geschickt mit einer netten Erzieherin, die mit uns aus gefundenen Dingen wie Stöckchen und Eicheln Pfeifen bauen lies. Ich fand die Berge so wunderschön und war so glücklich über meine Pfeife.
Im Heim angekommen suchte ich überall nach meinem Bruder. Ich fand ihn in dem Schlafraum seiner Gruppe und ich wollte ihm voller Stolz meine Pfeife zeigen. Zu meinem Entsetzen wies er mich schroff zurück, denn er durfte keinerlei Kontakt zu mir haben.
Das Heim wurde überwiegend von Erzieherinnen und Nonnen geführt, die von uns „Tanten“ genannt wurden. Diese Tanten zeichneten sich durch kurze, nachdrückliche Sätze aus, die keinerlei Widerrede duldete, nur Imperativ, keinerlei Empathie...
Eine von den Tanten erwischte mich und schimpfte mit mir. Als ich sagte, dass ich alles meinen Eltern erzählen werden, drohte sie mir, das ich dass nicht überleben werde.
Am nächste Tag war Turnen angesagt. Leider war ich der letzte beim anschließenden Anziehen, schließlich war ich mit 3 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Die Gruppe war bereits weg und ich musste den Weg zurück suchen. Da ich zu spät ankam, musste ich die Schuhe der ganzen Gruppe putzen und bekam kein Essen.
Am nächsten Morgen, das böse Erwachen im Speisesaal, denn die Sache mit den Käsescheiben war aufgefallen.
Ich sollte wieder Käsebrote essen, war jedoch in einem unbeobachteten Moment zu den Toiletten gelaufen und hatte unterwegs eine Tube mit Vitamin-Paste mitgenommen, denn schließlich hatte ich Hunger. Eine der Tanten ist mir hinterher gekommen und hat mich angebrüllt. Danach sollte ich irgendwelche Tabletten schlucken. Habe ich natürlich nicht gemacht. Dann schleifte sie mich zum Arzt, zum „bösen“ Doktor. Der hatte mir eine Spritze auf Recht brutale Art in mein Hinterteil gerammt. Ab da habe ich große Lücken in der Erinnerung. Jedenfalls habe ich dann die Tabletten immer völlig willenlos geschluckt.
Erinnern kann ich mich noch, das Abends immer die Briefe der Eltern vorgelesen wurden und mitgeschickte Süssigkeiten mir irgendwelchen Argumenten nicht verteilt wurden, weil der ein oder andere sich nicht im Sinne der Tanten verhalten hatte. So wurde die ganze Gruppe permanent in Sippenhaft genommen.
Es gab auch einen anderen Arzt, der gab die tägliche Spritze ordentlich in den Arm. Welcher Arzt dran war, konnte man immer an den Schreien der anderen Kinder hören.
Und dann kam ein Filmriss...
Ich wurde wieder wach mit extremen Kopfschmerzen, lag im Keller in einer Art Krankenzimmer und fand als einzige Erleichterung, mit dem Hinterkopf wieder und wieder gegen die Wand zu schlagen.
Hier gab es eine junge Frau und ich empfand, nach der ersten Wanderung, zum zweiten Mal etwas wie Mitgefühl. Sie nahm sich Zeit für mich und kümmerte sich um mich wie eine Krankenschwester.
Dies fand ein jähes Ende, als sie von einer der Tanten erwischt wurde. Sie bekam eine Standpauke und ich fand meine Erfüllung darin, wieder und wieder mit dem Hinterkopf gegen die Wand zu schlagen. Mir erzählte sie, dass meine Eltern Tod seien und ich für immer hier bleiben musste.
In Köln auf dem Bahnsteig nahmen meine Eltern dann meinen Bruder entgegen und waren mehr als erstaunt, dass ich nicht dabei war. Später wurde ihnen am Telefon erst auf massiver Nachfrage mitgeteilt, das ich nicht transportfähig sei. Mein Vater und mein Großvater haben mich schließlich mit dem Auto in Bühl abgeholt.
Ich war erstaunt darüber, sie lebend zu sehen, aber meine Mutter war nicht dabei. Lebte sie noch ?
Meine Mutter kümmerte sich natürlich um meinen Bruder, aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt und in meinem schlechten Gesundheitszustand nicht wirklich glauben.

Später versuchte vergeblich, eine Kontaktaufnahme mit meinen Eltern. Ich war und bin immer noch entsetzt über den Glauben an die „Halbgötter in Weiß“ und die Ansicht, das Kinder das alles ja falsch aufschnappen. Zusammen mit dem Psychoterror der Tanten habe ich über 50 Jahre geschwiegen, wie mein Bruder das auch heute noch tut.
Durch die Dauersedierung und Medikamentierung, die ich ungefragt einnehmen musste, habe ich einen beidseitigen Innenohrdefekt erlitten und war später nie in der Lage, dem Schulunterricht vollständig zu folgen (habe aber viel durch Lesen ausgleichen können).
Der Hördefekt hat meine Schullaufbahn massgeblich geprägt, da ich höhere Stimmlagen kaum wahrnehmen, geschweige denn verstehen kann. Hinzu kommt ein Gleichgewichtsproblem.
Leider gab es damals in Frechen nur einen HNO-Arzt der bei jeder Untersuchung sagte, ich soll mich nicht so anstellen; er führte dann auch die schulischen HNO-Untersuchungen durch.
Später hat man dann noch einen Herzklappenfehler diagnostiziert, der operativ korrigiert werden musste, dessen Ursache möglicherweise auch auf den Aufenthalt in Bühl zurückzuführen ist.
Nachdem ich nun alle 5 Jahre den Kampf mit der Krankenkasse aufnehmen muss, da mein Hördefekt nicht mit Kassengeräten zu lösen ist, ist bei mir das Fass übergelaufen. Warum soll ich für den an mir verübten Medikamentenmissbrauch immer wieder tausende Euro's bezahlen?
Warum werden die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen ?
Ich bin froh darüber, nun endlich mein Schweigen zu brechen.
Jörg J.
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Marlies schrieb am 21.07.2022
Ich war mit 6 Jahren in Westerland auf Sylt und kam völlig verstört zurück. .
Ich musste alles aufessen, auch Gurke, die ich nicht mochte. Ich weiß noch, wie ich nachts dagesessen hatte - die anderen waren längst im Bett - und man mich zwingen wollte, den Bissen runterzuschlucken. Ich konnte nicht! Ich saß lange da mit dieser widerlichen Gurke im Mund ... Bis heute ertrage ich den Geruch davon nicht!
Ich kann mich erinnern, dass eine der "Pflegerinnen" (oder soll ich sagen "Folterknechte"?) zu mir sagte: "Zur Strafe, weil du eingenässt hast, musst du bei den Jungs schlafen!" Und ein Junge sagte zu mir: "Wehe, wenn du noch mal einnässt! Das ist das Bett von (...)!"
Meine Mutter sagte mir Jahre später, sie hätte den Hausmeister des Heims im Verdacht, mich vergewaltigt zu haben.
Es war sehr schrecklich dort, ich würde gern mit anderen reden, die ähnliches durchgemacht haben.
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Christian Kaiser aus Giesen schrieb am 20.07.2022
Ich war mit ca. 7 oder 8 Jahren in einem Kinderheim auf Borkum. Es war tatsächlich schrecklich, so dass ich bis heute (mit 61) klare Erinnerungen daran habe. Tischnachbarn mussten ihr Erbrochenes wieder essen, ein Pups im Bett brachte mir 3 Tage Bettpflicht ein, abends in Reihe auf Toilette... erst die Jungs dann die Mädels.. gespült wurde nach dem letzten Kind, in der Nachtwar Toilettenverbot. Genauso wurde die Badewanne genutzt, Wasser (Dreckwasser) wurde nach dem letzten Kind abgelassen. Mein Tischnachbar bekam eine Ohrfeige weil er den Milchreis erbrochen hatte, musste so lange am Tisch sitzen, bis er sein Erbrochenes wieder aufgegessen hatte. Ein anderer Tischnachbar bekamm eine derbe Ohrfeige mit dem Kommentar er schaue durch seine Brille wie ein Auto. Es fallen mir noch so viele Dinge ein.
Aber nun, es war eine andere Zeit.. ob ich das allerdings als Entschuldigung gelten lassen kann, ich weiß es nicht.
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Reinhold schrieb am 20.07.2022
Im Juni/Juli 1962 wurde ich – gerade sieben Jahre alt – mit meinem jüngeren Bruder (damals vier Jahre alt) wegen eines Krankenhaus-Aufenthalts meiner Mutter nach Langeoog ins Kinderheim geschickt.
Die Zeit in Langeoog haben wir beide in sehr unangenehmer Erinnerung. Mein Bruder fing unter dem Stress wieder das Bettnässen an und wurde dafür bestraft (geschlagen?). Meine Eltern hatten mir aufgetragen, auf ihn aufzupassen, und ich litt darunter, dass ich nichts für ihn tun konnte. Persönliche Gegenstände, auch die „Reiseverpflegung“ von unseren Eltern, wurden uns bei der Ankunft abgenommen. Mittagsschlaf war obligatorisch, auf dem Rücken liegend und Arme über der Decke. Wer sich im Schlaf umdrehte, wurde aufgeweckt und zurechtgewiesen. Etwa zur Halbzeit musste ich einen Brief an meine Eltern schreiben (das konnte ich schon so in etwa, weil ich Ostern 62 eingeschult worden war). Da habe ich geschrieben, dass es mir in Langeoog nicht gefällt. Der Brief wurde vor meinen Augen zerrissen und ich musste den Brief mit positivem Inhalt neu schreiben.
Ich erinnere mich noch ganz gut an das Gefühl der Angst und Ohnmacht, allein mit meinem Bruder weit weg von daheim den Betreuerinnen ausgeliefert zu sein.
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Kerstin aus Berlin schrieb am 20.07.2022
Ich war 1979/80 als 8-9 jährige zur Kur in Wieck Dort sollte ich an Gewicht zunehmen. Für mich ist es bis heute ein traumatisches Erlebnis geblieben. Wir Kinder wurden mit harter Hand geführt. Ich würde dort sehr krank(Lungenentzündung) und landete im Krankenhaus. Auf der Kur wurde ich gezwungen, Milch zu trinken, obwohl meine Eltern die Allergie mitteilten Ich erbrach mich regelmäßig und würde dafür bestraft. Mir wurde mein Kuscheltier entzogen, ich habe keine Post mehr bekommen und durfte auch keine schreiben. Ich würde Nachts in die Ecke gestellt, weil ich mit Husten die anderen Kinder wach machte. Da hatte ich schon Fieber und die Lungenentzündung. Ich kam dann ins Krankenhaus, in dem Kinder sogar geschlagen würden. Schrecklich. Meine Eltern würden nicht informiert, dass ich im Krankenhaus war und waren entsetzt, dass ich nicht im Bus saß. Für mich die Hölle, ich dachte, ich komme nie mehr nach Hause. Das Haus existiert heute wohl nicht mehr. Mein Papa weiß heut leider auch nicht mehr,wo genau die Kureinrichtung war.
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Kerstin aus Berlin schrieb am 20.07.2022
Ich war 1979/80 als 8-9 jährige zur Kur in Wieck Dort sollte ich an Gewicht zunehmen. Für mich ist es bis heute ein traumatisches Erlebnis geblieben. Wir Kinder wurden mit harter Hand geführt. Ich würde dort sehr krank(Lungenentzündung) und landete im Krankenhaus. Auf der Kur wurde ich gezwungen, Milch zu trinken, obwohl meine Eltern die Allergie mitteilten Ich erbrach mich regelmäßig und würde dafür bestraft. Mir wurde mein Kuscheltier entzogen, ich habe keine Post mehr bekommen und durfte auch keine schreiben. Ich würde Nachts in die Ecke gestellt, weil ich mit Husten die anderen Kinder wach machte. Da hatte ich schon Fieber und die Lungenentzündung. Ich kam dann ins Krankenhaus, in dem Kinder sogar geschlagen würden. Schrecklich. Meine Eltern würden nicht informiert, dass ich im Krankenhaus war und waren entsetzt, dass ich nicht im Bus saß. Für mich die Hölle, ich dachte, ich komme nie mehr nach Hause. Das Haus existiert heute wohl nicht mehr. Mein Papa weiß heut leider auch nicht mehr,wo genau die Kureinrichtung war.
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Dorothee schrieb am 13.07.2022
Ich war 1959 als Fünfjährige 6 Wochen lang in Bad Sassendorf (über die Stadt Gelsenkirchen). Es war die Hölle. Kinder mussten ihr Erbrochenes aufessen. Und das kam oft vor, denn das Essen war eklig. Post für mich und Kleidungsstücke sind spurlos verschwunden. Ich war krank, hatte Fieber bis zur Bewusstlosigkeit, aber meine Eltern wurden nicht informiert. Mindestens ein Kind wollte während eines Spaziergang weglaufen, wurde aber wieder eingefangen.. Als ich nach hause kam, war ich völlig eingeschüchtert und hatte meine Fingernägel komplett abgekaut. Da ich mit 5 Jahren noch nicht selber schreiben konnte, diktierte ich beim wöchentlichen Briefeschreiben an meine Eltern ehrlich, was sich dort abspielte. Ich habe nicht verstanden, warum meine Eltern mich nicht abgeholt haben. Ich konnte nicht wissen, dass die Frauen nicht das geschrieben haben, was ich diktierte.
Dorothee
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Beate schrieb am 09.07.2022
Ich wurde im Alter von 10 Jahren nach Borkum verschickt. 3 Mädchen aus meinem Dorf waren auch dabei. Es war 1972. Das Schlimmste war der Hickhack unter den Kindern. Ich habe viel Vertrauen in Menschen verloren. Eine von uns 4 wurde von ihrer Mutter abgeholt. Wir anderen haben durchgehalten. Es war keine schöne Zeit. Dennoch stehe ich überrascht vor dem medialen Interesse um die Verschickungskinder. Mir ist nicht klar, was die Forderungen sind. Und es wird vieles hochgepeitscht, was skandalös klingen soll, aber Verschickungskinder gar nicht betrifft. Ich bin interessiert, was bei der Aufarbeitung herauskommt, finde das alles aber angesichts der wirklichen Probleme beispielsweise der Duogynongeschädigten Menschen duogynonopfer.de eher als Jammern auf hohem Niveau. Einige haben sicher wirkliches Leid erlitten und Schädigungen für ihr Leben davongetragen. Das sehe ich durchaus. Aber Mahnmale für Verschickungskinder So die die Skulpturen für Contergankinder oder Mahnmale für Holocaustopfer Bin gespannt, wie sich die Aufarbeitung entwickelt.
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Jules schrieb am 05.07.2022
Ich war Ende der 80er Jahre auf „Gedeihkur“ auf Langeoog…
Es war schrecklich! Wir wurden zum Essen gezwungen, mussten stundenlang am Tisch sitzen bleiben und durften an Freizeitaktivitäten nicht teilnehmen, wenn wir nicht aufassen. Es gab einige, die am Tisch oder in den Fluren erbrachen und wer zur Schlafenszeit nicht rechtzeitig ruhig war, bekam einen kalten Waschlappen ins Gesicht gedrückt, keine Süssigkeiten aus der Belohnungsbox und musste den kommenden Morgen auf dem Zimmer verbringen.
Ich wollte einen Brief an meine Mutter schicken, die mich dahin abschob, in der Hoffnung, sie würde mich dort herausholen. Ich malte mich auf die Karte, am Weinen…man weigerte sich, diese Karte abzuschicken! Meine Mutter wurde erst Tage später kontaktiert und es wurde ihr mitgeteilt, dass ich jegliche „Behandlung“ welche doch zu meinem Wohl sei, ablehnen und verweigern würde…
Als meine Mutter mich abholte, wurde ich mit bösen Blicken gestraft, dass ich sie so blamierte, dass sie mich vorzeitig abholen musste…
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Claudia H. aus Emmerich am Rhein schrieb am 03.07.2022
Hallo,
ich war 1976 von März bis Juni im Viktoriastift Bad Kreuznach. Ich bin als Einzelkind in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen. Habe schlecht gegessen, war zu dünn und hatte oft Bronchitis. Die Lösung: eine Kur ! Bisher dachte ich immer auch meine Anreise war, wie die Abreise, mit dem PKW und Eltern. Heute habe ich dann, auf Nachfrage, von meiner Mutter erfahren, dass auch ich in Duisburg in einen Zug gesetzt wurde für die Reise nach Bad Kreuznach. Ich habe daran und an den ganzen Aufenthalt über die 3 Monate keine Erinnerungen. Den langen Zeitraum erklärt man mir heute mit einer Aussage der Ärzte: "es wären weitere medizinische Maßnahmen nötig gewesen". Meine Eltern stimmten aus der Ferne zu, ohne es zu hinterfragen.
Sie erhielten mehrmals Postkarten mit dem Text, es ginge mir gut. Als sich Windpocken bekam, war ich auf der Isolier-Station.
Nach meiner Rückkehr war ich, nach Erzählungen meiner Eltern, verstört. Habe z. B. Blumenvasen vom Tisch geworfen ohne erkennbaren Grund. Weitere Beachtung schenkte man dem aber nicht.
Geahnt habe ich schon länger, dass diese Kur noch so einiges in sich verbirgt, aber das sie so wesentlichen Einfluss auf viele Bereiche hat, wird mir erst jetzt langsam klar.
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Merle aus Hamburg schrieb am 02.07.2022
ich war 1999, mit 9 Jahren auf einer furchtbaren Kinder- und Jugendreise, die circa Wochen andauerte. Die Reise wurde vom Jugenderholungswerk eV Hamburg organisiert und die Fahrt ging irgendwo nach MV. Schon auf der Hinfahrt, flippte ein älterer Junge im Bus aus und wurde von zwei Betreuern quasi an den Sitz gefesselt. Während der Reise mussten wir jeden Tag stundenlange Wanderungen absolvieren, wie bei der Bundeswehr. Nachmittags wurden wir denn auf unseren Zimmern zum Mittagsschlaf gezwungen und durften bis zum Abendessen, die Zimmer nicht verlassen. Als einige andere Mädchen und ich es gewagt hatten einmal während der Nachmittagsruhe, das Zimmer zu verlassen um Wäsche im Waschraum zu waschen, stürzte ein "Betreuer", wie ein wild gewordenes Tier in den Waschraum, schnappte sich ein nasses Handtuch und verprügelte mich damit eine halbe Stunde lang bis ich nur noch wimmernd in der Ecke lag. Einige Tage zuvor war dieser Betreuer schon ausgeflippt weil ich einmal darum gebeten habe, dass der Typ nicht immer seinen Zigarettenrauch in meine Richtung pustet. Ich wurde zur Strafe für so viel Aufsässigkeit von der Gruppe separiert und musste den ganzen Tag auf meinen Zimmer hocken. Zudem wurde mir dort mein ganzes Geld und Kleidung entwendet, hat die Betreuer natürlich einen Dreck interessiert. Der bereits genannte Betreuer war auch der Gruppenleiter und hatten seine eigene Tochter und seinen verrückten, gewalttätigen Sohn mit auf der Reise. Als seinem Töchterlein einmal Kaugummi ins Kopfkissen gelegt wurde, wurden danach alle Kinder quasi in Sippenhaft genommen und mussten solange Nachts auf dem Flur hockend ausharren, bis jemand freiwillig zugeben würde, der Kaugummi-Übeltäter gewesen zu sein. Der Betreuer hatte insbesondere mich im Verdacht und ich gehörte zu denjenigen, die bis Morgengrauen draußen sitzen durften. Zwischendurch kamen diese Teufel immer und leuchtenden uns Kindern mit Taschenlampen direkt in das Gesicht, wir sollten doch endlich zugeben.. Hinterher hat sich herausgestellt, dass der eigene Bruder des Mädchens, wohl aus Eifersucht, das Kaugummi aufs Kopfkissen gelegt hat. Die Betreuer haben sich jeden Abend volllaufen lassen, die meistens von denen waren Zivis, die haben auch gerne versucht uns Kinder zum Rauchen zu animieren. Zwei anderen älteren Jungen wurden die Koffern von dem verrückten Betreuer-Sohn, zertrümmert. Die durften denn früher abhauen. Leider hat mich meiner Mutter nicht früher abgeholt. Einmal hat mich eine Zivi-Betreuerin gezwungen, ihre ganzen aufgeweichten Cornflakes zu essen. Zudem wurde ich einmal von einem älteren Jungen beim Baden in einem See begrabscht. Richtige Dreckjugendreise, hoffe es gibt sowas wie Karma.
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Ines Weinert aus Eberswalde schrieb am 30.06.2022
Ich wurde wegen Lungenerkrankung zwei mal verschickt. Einmal mit 6 Jahren und dann noch mal mit 7 Jahren ca. 8 Wochen, da ich beide male krank wurde und länger bleiben musste. Einmal mit Windpocken, die Narbe auf der Stirn erinnert mich jeden Tag daran. Traumatische Erlebnisse die ich lebenslang nicht vergessen werde.
Ich war erschüttert, dass andere ähnliche Erfahrungen machen mussten.
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Sabine Baum aus Stuttgart schrieb am 26.06.2022
Hallo zusammen,
es ist einige Jahre her, als ich versuchte über das World-wide-Web herauszufinden, ob andere Menschen in ihrer Kindheit ähnliche Erfahrungen bezüglich sog. Kuraufenthalten gemacht haben. Leider habe ich zu dieser Zeit nichts gefunden und ich fühlte mich sehr alleine mit meiner Geschichte. Zudem krochen immer wieder Zweifel in mir hoch, ob das wirklich alles so passiert ist, wie ich es in meinem Körper und in meiner Seele „wahrgenommen“ habe.
Die Zeit ging ins Land und vor etwa 4 Wochen wurde in der Landesschau vom SWR ein Beitrag über die sog. Verschickungskinder ausgestrahlt. Diese Kinder wurden meist zur Erholung in Häuser bzw. Heime in Baden-Würrtemberg aber auch deutschlandweit „verschickt“. Ich wurde während des Beitrags so sehr angetriggert, daß ich zunächst wie versteinert war.
Es dauerte einige Tage bis dieser Beitrag Raum in mir nehmen konnte und ich begriff, daß ich mit meinen Erfahrungen nicht alleine bin und daß es wichtig ist, diese auch in die Welt zu bringen, sei es wie hier über das Wort, oder über andere Ausdrucksmöglichkeiten.
Danke für diese Plattform hier und die Möglichkeit, das lang verborgene Geschehen endlich ans Licht zu bringen und sich dadurch ein wenig zu erleichtern.
Ich verbrachte zweimal einige Wochen in einem Heim in Baiersbronn. Mein 2 Jahre älterer Bruder war oft krank. Zudem war meine Mutter überfordert und so wurden mein Bruder und ich „verschickt“.
Ich wollte nicht noch ein zweites Mal dorthin, doch ich hatte keine Chance gegenüber meinen Eltern.
Ich habe ebenfalls viele respektlose Situationen gegenüber uns Kindern erlebt, z.B. Essenszwang, nicht angemessene Strafen… Meine Thematik ist jedoch eine andere. Ich wurde während der Aufenthalte sexuell missbraucht. Diese Übergriffe geschahen abends und in der Nacht.
Ich bin in diesen Situationen erstarrt .
Ich habe mir das Symposium über die Verschickungskinder vom letztem Jahr angeschaut, das in Ludwigsburg stattfand. Dabei wurde eine
Auflistung der „Taten“ dieser Einrichtungen gezeigt. Ich habe mich sehr gewundert, daß sexuelle Übergriffe in diesem Zusammenhang noch nichtwirklich thematisiert wurden !!!
Ich fühle mich nun wieder alleine damit. Aber ich bin der Überzeugung , daß ich nicht die Einzige bin, die davon betroffen ist. Ich glaube, daß diese abscheulichen Handlungen viele Kinder traumatisiert haben.
Diese Aufenthalte haben mein Leben und meine Gesundheit bis heute beeinträchtigt. Es ist wichtig, daß sich so viele Menschen wie möglich zu Wort melden, damit dieses Unrecht gesehen, gewürdigt und ein stückweit wiedergutgemacht wird!
Ich wünsche allen Betroffenen den Mut, sich zu zeigen und das „ Unfassbare“ Fassbar zu machen und in die Welt zu bringen.
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Anette schrieb am 26.06.2022
Kinderkurheim des Landkreises Waldeck
Ich dachte lange, meine Erinnerungen an diese Zeit sind wenige, unbedeutende, wenn auch keine schönen. Dass sie traumatisch sind, habe ich erst verstanden als die Erinnerungen nach und nach zu mir zurückkamen. Ich war gerade 6 geworden. Ich war zu dünn für die Einschulung, deshalb schickten mich meine Eltern zur Kur, weil sie soviel Gutes davon gehört hatten. Mein Bruder war ein Jahr alt und meine Mutter mit dem dritten Kind überfordert. Ihre eigene Mutter todkrank. Sie verstarb im folgenden Sommer.
Die familiäre Situation war schon belastend genug für ein sensibles Kind, was aber im Haus Waldeck auf Norderney passierte, verletzte traumatisch meine Kinderseele.

Dunkel erinnere ich mich an kalte, lange Flure. Wir mussten in der Schlange stehen und warten bis wir ins Bad konnten, ich glaube in Unterwäsche. Reden war nicht gestattet. Alle Betreuungspersonen waren angsteinflößend. Wir wurden zum Essen gezwungen. Ich kann bis heute keinen Salat mit Schmand (auf Norderney: Schmand mit 2–3 grünen Blättern) ertragen. Wir mussten alleine sitzen bleiben, bis wir alles aufgegessen hatten. Ich erinnere mich an nicht einen einzigen Aufenthalt am Strand von Norderney. Vielleicht gab es keinen, vielleicht hab ich aber auch nur alle schönen Erlebnisse aus den 6 Wochen gelöscht … Nachts war es besonders schlimm. Wir schliefen in einem großen Saal. Viele Kinder weinten, alle möglichst so, dass es niemand hörte. Leises Wimmern unter den Decken. Niemand tröstete uns. Wenn ein Kind ins Bett gemacht hatte, kam eine Betreuerin und es wurde laut. Ich hörte nicht hin, stellte mich tot und hoffte, dass mir das nicht passierte. Ich wollte immer den Kindern in diesen Situationen helfen, wie ich es zu Hause für meine kleinen Geschwister auch tat, aber es ging nicht. Mir taten die anderen Kinder fast mehr leid, als ich mir selbst. Dabei war es auch für mich echt schlimm. Ich hatte furchtbares Heimweh. Ich dachte, ich sehe meine Familie nie wieder. Fühlte mich verkauft oder weggegeben. Ich weiß noch ganz genau, dass wir Briefe an unsere Eltern diktieren durften. Auch hier wieder Schlange stehen. Endlich war ich dran, konnte die Chance auf einen Kontakt nach Hause nutzen. Eine jüngere, nettere Betreuerin schrieb ihn für mich. Diese Erinnerung ist ganz klar. Ich weiß sogar noch, wie der Schreibtisch stand und wie ich vor ihr stehen musste. Ich vertraute mich ihr an und sagte, sie solle schreiben, dass meine Eltern mich schnell abholen sollen. Dass ich nach Hause will und dass es hier schrecklich sei. Ich weinte fürchterlich. Ich erinnere mich, wie ich mit meinen Händen den Stoff meiner Kleidung zerdrückte. Nachdem ich fertig war mit meinem Bericht, las sie mir vor, was sie geschrieben hatte. Es war reine Folter. Es gibt ihn heute noch. Er lautete:

„Liebe Mama, lieber Papa
Ich habe Eure Karte erhalten und mich sehr gefreut. Oma und Opa haben mir auch geschrieben. Und dann habe ich noch eine riesige Karte von Tante Gundula bekommen. Wenn ich zu Hause bin soll ich meine Erlebnisse auf Tonband sprechen. Ich möchte mal wissen warum Kai und Laura sich immer zanken. Aber wir zanken uns hier auch schon mal. Wir essen hier gar nicht in einer großen Küche, sondern in unserem Gruppenraum.
Viele liebe Grüße sendet Euch (unterschreiben durften wir selbst!) ANETTE“

Danach schwieg ich. Ich gab auf. Es war vorbei. Es gab keine Hoffnung mehr auf ein Wiedersehen. Ich verfiel in Trance, glaube ich. So fühlt es sich jetzt in der Erinnerung auf jeden Fall an.

2003 bekam ich erste Angstzustände. Ich wurde lange Zeit mit Medikamenten behandelt. Heute geht es ohne, aber gut ist es nicht. Ob meine Erkrankung mit dem Kuraufenthalt 1974 zu tun hat, weiß ich noch nicht. Sollte mein Bericht darüber mich persönlich nicht weiterbringen, so hoffe ich, dass er mindestens dazu beiträgt, dass das Leid, welches „Verschickungskindern“ zugefügt wurde, ans Licht kommt. Danke für diese Plattform.
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Lioba schrieb am 19.06.2022
Von Duisburg aus war es eine lange Fahrt, Eisenbahn und Fähre. Im Schloss am Meer, Kinderheim der Barmer Ersatzkasse, so stand es am Haus, angekommen. Da war ich nun, mit meinen 8 Jahren. Heimleitung war eine Fr. Dr. Riepen, Rieper, ist meine Erinnerung richtig, eine Frau immer in einem schwarzem Kostüm und immer mit einem Schlüsselbund in der Hand? ich glaube ich war in den 6 Wochen, nur 3-5 mal am Meer, es war Januar aber Erholung war das nicht. Ich habe zwar immer alles gegessen, dicke Puddingsuppen, das war mästen und alles was *fett'* macht - es gab einen Tisch für die Kleinen und ein Mädchen hat mir immer so leid getan, Heike???, die hat immer gebrochen musste aber immer alles aufessen incl. Erbrochenem, so ekelig, ich wüsste gerne wie sie das verkraftet hat?? Ich habe mich mit einem Mädchen Martina, aus Essen Altenessen, angefreundet und einem Bub auch aus Essen, Günter, der mir eine KreppapierRose geschenk hat, das weiß ich noch. In dem Heim ging es sehr streng zu aber mir hat es jetzt nicht wirklich geschadet, auch mein Kuscheltier wurde mir nicht abgenommen, weißer Teddybär.. Es war allerdings auch 1967 noch sehr streng, sehr drakonisch und nicht wikrlich lustig, ich war wieder sehr froh dahiem zu sein, nicht nach 6 Wochen sondern schon nach 5 Wochen, weil Scharlach ausgebrochen war, dem Himmel sei Dank. In der Schule viel verpasst.
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P. Andrea Steyer aus Groß-Gerau schrieb am 18.06.2022
Hallo ihr Lieben,

ich wurde im Alter von etwa 8 Jahren für 6 Wochen zur Kur nach Friedenweiler geschickt. Eine grausame Zeit.

Ich erinnere mich an schlimmes Heimweh, der Kontakt zu den Eltern war in jeder Weise untersagt. Ich schlief in einem großen Raum mit vielen anderen Kindern. Ich würde es einen Saal mit hellen Metallbetten nennen. Nachts nässte regelmäßig eines der Kinder ein, denn wir hatten Angst zur Toilette zu gehen. Evt war es auch verboten, ich erinnere mich nicht genau. Betreut wurden wir von Nonnen sowie Frauen, die eine Art Krankenschwester - Uniform trugen. An die Nonnen habe ich keine schlechten Erinnerungen, wohl aber an die "Krankenschwestern". Wenn ein Kind nachts weinte oder sich einnässte, kamen sie in den dunklen Schlafsaal und leuchteten einem mit einer Taschenlampe direkt ins Gesicht. Diese Frauen waren unnahbar, gefühlskalt und stellten sich in keiner Weise auf uns Kinder ein. Wir hatten zu gehorchen und die Regeln zu befolgen. Freundlichkeit gab es nicht.

Ich erinnere mich an ein sehr schlankes, blondes Mädchen, das zur Gewichtszunahme in Friedenweiler war. Es wurde zum Essen gezwungen, durfte den Tisch nicht verlassen, bis alles aufgegessen war. Das Mädchen erbrach sich auf den Teller und musste das Erbrochene wieder essen.

Weiterhin erinnere ich mich an ein Badezimmer mit Badewanne. Es wurden immer 2 Kinder gleichzeitig gebadet. Zwei oder drei Mädchen wurden die langen Haare gleich nach ihrer Ankuft abgeschnitten, dann kamen sie in die Badewanne.

In Friedenweiler lernte ich, in der Menge unterzutauchen, mich ganz klein zu machen und möglichst nicht aufzufallen. Die Kinder, denen das nicht gelang, wurden zur Zielscheibe für die "Betreuerinnen".

Ich kann mich noch heute an das Gefühl der ungeheuren Ungerechtigkeit erinnern, welches ich empfand. Mir war bewusst, dass uns Kindern ein großes Unrecht geschah. Dazu gesellte sich das Gefühl der Machtlosigkeit. Man konnte sich nicht wehren.

Ich überlegte mir eine Möglichkeit zu flüchten. Ich wollte es auf einem der Gruppenspaziergänge, die stattfanden, so einrichten, dass ich am Ende der Gruppe platziert wurde (immer 2 Kinder nebeneinander). Dann wollte ich mich bei passender Gelegenheit hinter einem Busch oder Baum verstecken und weglaufen. Allerdings habe ich mich letztlich nicht getraut, den Plan in die Tat umzusetzen.

Nach Kurende waren meine Erlebnisse in Friedenweiler jahrzehnte über kein Thema für mich. Ich erlernte zwei Berufe, gründete eine Familie, zog meine Kinder groß. So weit so gut, bis das Thema Friedenweiler vor einigen Jahren in meinem Kopf recht unerwartet wieder aufploppte. Das tat es immer wieder und die Abstände wurden kürzer. Parallel dazu entwickelte ich eine Angsttsörung, welche mir zeitweise ziemlich zu schaffen macht. Ob das irgendwie zusammenhängt weiß ich nicht. Der Gedanke liegt jedenfalls nahe. Daher habe ich mich um eine Therapie bemüht.
LG und eine herzliche Umarmung für jeden von euch.
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Rudi Weber aus Trier schrieb am 17.06.2022
Landschulheim im Odenwald

Auslöser meiner Gedanken zu meinen Erfahrungen mit der Gewaltausübung an mir durch und mit der ev. und kath. Kirche war ganz banal meine Frage an unsere Chorleitung wie wir es z.Z. mit den Abstandsregeln bei den Chorproben halten wollen.
Es wurde dann ein Schriftstück präsentiert herausgegeben vom Bistum Trier in der sehr merkwürdige Regeln, ganz entgegen den Regeln der Landesregierung RLP, aufgestellt worden waren.
Durch meine frühkindlichen Erfahrungen habe ich mir geschworen, egal welche Kirche auch immer mir irgendwelche Vorschriften machen will das diese nicht für mich gültig sind.

Ich war 11 Jahre, also war das 1968, und wurde für sechs Wochen in ein Landschulheim in Neunkirchen im Odenwald, wahrscheinlich über die (ev.) Kirche Bonn im wahrsten Sinne des Wortes verschickt. Einen Familienurlaub hat es in meiner ganzen Kindheit nicht gegeben. Dieses Angebot Kinder aus kinderreichen Familien einen Ferienaufenthalt zu bieten find ich im Grundsatz gut, aber was die Kirche dann daraus gemacht hat macht mich fassungslos.

Als siebtes von acht Kindern kann ich mich auch nicht an irgendwelche liebevollen Zuneigungen außer der Prügel durch meinen Vater und der Vorwürfe an mein Verhalten erinnern, und auch die Aufmerksamkeit meiner Mutter, die sich hätte schützend vor mich und meinen Geschwistern stellen müssen, ist nur nebulös vorhanden.
Wie immer waren meine Eltern bei wichtigen Abschnitten wie z.B. meine Einschulung nicht dabei, wo ich in Bonn mit anderen Kindern per Bus in den Odenwald verschickt wurde.
Mein gesamter Lebensweg von Schule, Realschulabschluss, Bundeswehr und Berufsausbildung hat ohne ein Interesse meiner Eltern stattgefunden.

Ich glaube, das einer meiner Geschwister mich dann zum Busabfahrplatz für die Verschickung gebracht haben.
Soweit war noch alles ok, aber angekommen merkte ich dass das komplette Bettzeug nicht dabei war, und ich dann, nachdem ich meiner Mutter geschrieben hatte, viele Tage ohne Bettzeug schlafen musste.
Das Landschulheim war ein ehemaliger Bauernhof mit entsprechend hergerichteten Räumen die ich gut in Erinnerung habe.
Es gab natürlich einige Ausflüge (Wanderungen) in der näheren Umgebung und bei einem Ausflug hatte ich mich etwas von der Gruppe abgeseilt und an einem Bach, den wir schon häufiger besucht haben, gespielt.
Man fand mich dann und die „Strafe“ folgte umgehend: zwei ältere haben mich an einem Zaun festgehalten und alle anderen mussten dann auf mich einschlagen mit Fäusten und Tritten.
Die Betreuer haben ihre Machtposition also reichlich ausgenutzt, und ich weis nicht was ein Mensch empfindet wenn er andere zu Gewalttaten auffordert, ich mag mir das auch nicht vorstellen wollen.
Und bis heute kann ich dieses Erlebnis nicht vergessen, schnürt es mir beim Gedanken daran den Bauch zu und auch das kann ich nicht vergessen so habe ich im Heim dann wohl fast zwei Wochen in der Nacht bitterlich geschluchzt und geweint.
Ich glaube das ist auch ein Teil der Bewältigung der Erlebnisse mit meinen Eltern und der Kirche: Zeit meines Lebens habe ich immer daran gearbeitet so unabhängig wie möglich von allen zu sein, der Austritt aus dem Religionsunterricht und der Austritt aus der Kirche war dann folgerichtig.

Was dieses Erlebnis mit meiner Psyche gemacht hat kann ich leider nicht so genau beurteilen, aber einige „Macken“ sind sehr fest in meiner Persönlichkeit verankert; ich muss mich immer noch für alles rechtfertigen was ich eventuell nicht richtig gemacht habe, Vertrauen zu anderen Menschen braucht lange um gefestigt zu sein.

Wenn ich heute sehe wie Bischöfe mit dieser Schuld herumeiern, nur das zugeben was bewiesen ist und keiner hat bisher seinen Rücktritt vollzogen. Nur ankündigen und dann vom Papst den Persilschein bekommen reicht nicht.

Ich gehe sogar so weit zu sagen: kein Mensch auf dieser Welt kann mir vorschreiben an wen oder was und zu welchen Bedingungen und Vorschriften ich zu glauben habe.
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Henrik Gröne aus Adolfin schrieb am 15.06.2022
Als lungenkränkelndes Kind wurde ich von meinen Eltern im guten Glauben ins Adolfinenheim/ Borkum verbracht. 1 Bett, 1 Hocker und das 20 x in einem Raum. Schwester Ester oder Esther, die Cruella von Disney offensichtlich als Vorlage galt, erklärte kurz und bündig um was es ging. Wäsche exakt falten im Gleichtakt mit den Anderen und in bestimmter Reihenfolge auf den Schelmel packen. Alle 20 Wäschestapel wurden kontrolliert. Nicht korrekte Stapel wurden mit einem dünnen Stock oder per Tritt im Raum verteilt, nicht aufrechte Haltung mit einem ordentlichen Stockhieb auf die Unterschenkel oder Rücken. Marsch ins Bett.. O-Ton der Barackenaufsicht. Alle hatten den Kopf nach rechts zu wenden, damit das Reden unterbrochen wurde. Ein Zwillingspaar mit Heimweh zog es zueinander weinend in ein Bett, Schwester Ester stieb in den Saal, verpügelte völlig irrwitzig brutal den einen und schleifte den Anderen aus dem Saal.
Ein Junge sagte er müsse. "WAS?"..."gross"..."NEIN!"
Er wimmerte die ganze Nacht und machte schließlich ins Bett.
Der Drache Schwester E. kam angerauscht..riess ihn aus dem Bett, immer bedacht, möglichst viel von ihm mit seinen Fäkalien zu beschmieren, das Laken wurde runtergerissen, ein Eimer mit Wasser und das Kind sollte das Laken im vollbeleuchtetenen Schlafsaal vor allen auswaschen.
Ein sehr beleibter Junge zu meiner Rechten eine unfassbar sanfte Seele bekam jeden Morgen nach dem Milchreis ein Glas Salzwasser, was er in Gänze austrinken sollte...da nach erbrach er logischer Weise regelmässig. Schwester E zwang Ihn die verschleimte Mischplörre mit der Hand wieder in Teller zu schieben und erneut zu essen....was für eine brilliante Fachkraft.
Toll,... !


Der dicke Junge entschuldigte sich trotz seines Märtyriums bei mir, der ihm gegenüber sass, für sein Erbrechen. Stellen Sie sich das vor, ein 6 jähriges gedemütiges Kind hat so ein unfassbaren Anstand und Grösse.

Geld meiner Familie kam nie an.

Post erfuhr eine Zensur... Dinge wie ich will heim oder es ist schrecklich hier bedeuteten Einzelhaft in einem alten OP Saal...nur mit Laken.

Den hab ich nach meinem Einsperren wirklich völlig zerlegt...man kam und fragte ensetzt, was passiert sei. Ich sagte ruhig und freundlich, es sei "etwas umgefallen"...da nach wurde es für mich besser...meine Eltern holten mich, ich berichtete und mein Vater griff sich die Heimleitung Schwester E. es wurde extrem laut. Ich liebte meine Eltern, weil sie mir voll umfänglich und sofort glaubten. Eine Tradition, die ich im Übrigen fortführte und auch konnte, da meine 4 Söhne mich nicht signifikant anlügen - ...das A und O um soetwas in einem stabilen Umfeld zu verarbeiten.

Henrik Gröne
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Sylvia schrieb am 02.06.2022
Hallo ,

mit Entsetzen habe ich die Berichte der ehemaligen Verschickungskinder gelesen und bin in Gedanken sehr damit beschäftigt, wie man so etwas menschenunwürdiges tun kann. Mein Mitgefühl allen Betroffenen!

Ich selbst habe 1977 eine wirklich schöne Zeit im Marienhof auf Föhr erlebt. Es gab zu dieser Zeit zum Glück keine solchen Ereignisse. Es wurde viel unternommen, die Erzieherinnen wurden auch nicht als „Tanten“ bezeichnet, sondern bei ihren Namen genannt. Ich war allerdings bereits 14 ! Wir haben Strandwanderungen, Besichtigungen, Inselrundfahrt , Nachtwanderung, Fahrt nach Amrum, Stadtbummel in Wyk oder einen Wellenbadbesuch unternommen. Kasperletheater für die Jüngeren aufgeführt, Fasching veranstaltet usw. Es war eine tolle Gruppe (Gruppe VI, Frau Hagen, falls sich jemand angesprochen fühlt) und ich habe keine negativen Eindrücke erhalten. Vielleicht war inzwischen auch eine andere Heimleitung (Herr Tietz) tätig , so dass solche schrecklichen Taten keinen Platz mehr hatten.
Ich finde es gut, dass die Menschen mit Negativerlebnissen austauschen und so ein Stück ihrer Kindheitserfahrung miteinander verarbeiten können . So etwas durfte und darf nie wieder passieren. Leider wird Kindern auch heute noch immer noch zuviel Leid angetan und sogar übers Internet verbreitet , so dass es noch mehr Passivtäter erreicht .

Sollte sich jemand aus der Kur 1977 angesprochen fühlen, um sich positiv auszutauschen , würde ich mich freuen.
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Bernd Thümmel schrieb am 30.05.2022
Ich wurde ca. 1971 in Berchtesgaden im ehemaligen "Kindererholungsheim" Stadlerlehen am Obersalzberg am Stadlerweg untergebracht.
Dort war ca. bis 1971 oder 1972 eine Frau Boot Heimleitung des sogenannten "Kinder-Erholungsheim Stadlerlehen". Ich selbst war ca. 1971 zusammen mit zunächst wenigen anderen Kindern als "Heimkind für immer" ins Kinderheim Stadlerlehen an den Obersalzberg verbracht worden.
Ich erlebte etwa 1 Jahr lang, dass das "Erholungsheim Stadlerlehen" ständig von neuen Kindern belegt wurde, die aus ganz Westdeutschland für je ca. 3-6 Wochen kamen.
Ich gehörte zu den ersten Kinder, die dort "für immer" hin verbracht wurden..wir wurden als "Helfer im Haushalt" eingesetzt durch die Heimleiterin Frau Boot.
Ich erinnere mich, dass Frau Boot eine Gitarre hatte und Abends auf dem Hof immer ein großer Kreis aller Kinder gebildet wurde, und Lieder gesungen wurden. Auch erinnere ich, dass bei Sonnenschein täglich alle Kinder auf, in die Sonne gestellten Bänken sitzen sollten.
Ich erlebte ab 1972/73 regelmäßige gewalttätige Übergriffe durch zwei Heimleiter namens Hennings und Büchter im Kinderheim Stadlerlehen. Die beiden hatten das Erholungsheim Stadlerlehen übernommen und dort fanden ab ca. 1973 keine sog. Kindererholungen mehr statt, sondern wir Kinder wurden von Jugendämtern in ganz Westdeutschland dort "für den Rest unserer Kindheit" untergebracht.
Ich interessiere mich für Betroffene, die das damalige "Kinder-Erholungsheim" Stadlerlehen am Obersalzberg in Berchtesgaden erlebt haben und hoffe, dass vielleicht jemand eines Tages hier her findet und darüber schreiben wird. Die Heimleiterin, Frau Boot hat damals nach meiner Erinnerung ganz viele Filmaufnahmen mit Super 8 gemacht.
Ich kann hier zu dem Thema Kinder-Verschickung nicht mehr beitragen. Meine gewaltvolle Kindheit im ehemaligen "Erholungs- Kinderheim" Stadlerlehen im Berchtesgaden begann, als das Erholungsheim in ein Kinderheim umgewandelt wurde. Das habe ich in verschiedenen Büchern verarbeitet, die ich alle auf meiner Internetseite veröffentlicht habe.
Meine Zeit im Kindererholungsheim Stadlerlehen ist für mich wie ein finsteres Loch, ich war 1971/72 acht Jahre alt.
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Tatjana Schütte aus Hamburg schrieb am 29.05.2022
Mein Name ist Tatjana Schütte. Ich habe eben gerade noch meine Mutter am Telefon gefragt in welchem Jahr das war....In Lüneburg meine Kur. Ich war drei Jahre alt und mit meiner 1 Jahr jüngeren (inzwischen verstorbenen) Schwester dort. Ich selbst habe nur kleine Sequenzen vor Augen. Bis heute allerdings kann ich ein paar Situationen nicht vergessen: Zum einen den Raum in dem ich alleine liege und mir Haare an der Stirn raus reiße. Im Nachhinein weiß man, daß ich fast blind bin (ich sehe auf nur einem Auge und das andere ist auch geschädigt). Meiner Mutter wurde mitgeteilt dass ich wohl einen Gehirntumor hätte. Ich wollte nur Essen wenn meine Schwester auch isst ( und nur das was sie isst, weil ich nicht erkennen konnte was es da gab) Deswegen wurde ich von ihr wohl getrennt. Ich hab zeitweise gedacht dass ich mir das einbilde und bin in den 80 ern mit meiner älteren Schwester (die ihren Sohn dort auch verschickt hatte) hin gefahren um überhaupt mehr zu erfahren. Info gab es nicht. Aber ich hatte sowas von Blitz-Bilder dass ich mir so vieles erklären konnte. Dieser Raum in dem ich da im Bett alleine liege. Die "Badehalle" in die ich nicht mit durfte ( Wer ins Wasser wollte der musste vorher auf die Toilette. Ich musste dringend und ging nicht in der mir zugewiesenen Reihenfolge) Dann das sogenannte (heute autogenes Training ) Man bekam eine Schutzbrille mit Gummi hinter den Kopf (ähnlich den heutigenTaucherbrillen ) , damit sie fest am Kopf saß und lag auf einer Matte und sollte ruhig sein. Später als man herausfand dass ich lediglich eine Brille brauche wars leider vorbei und geschehen. Meine Familie hatte unter mir und meinem Verhalten lange zu leiden ( wie ich mir bis heute auf jedem Treffen anhören darf/muss) Ich hatte sehr lange Magen und Ess probleme, ( War im UKE als Kleinkind und bin dort nach Aussagen meiner Mutter auch behandelt worden) Trennungsangst (durch das Trennen von meiner Schwester und dem Zuhause) Ich habe bis heute Angst vor Ärzten ( viele Jahre Therapie gemacht um wenigstens einfache normale Untersuchungen machen zu können) und Panik bis fast zur Selbstzerstörung vor Narkose ( Kontrollverlust lt Therapeutin) Heute kann ich mir die Ängste erklären, nur ändern kann ich nichts. Und das obwohl ich mit dem Verstand weiß wo das herkommen könnte und ich mir ja damals mit knapp 20 versucht habe Hilfe zu bekommen.
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Wolfram Kurrle aus Winnenden schrieb am 28.05.2022
Ich bin 1967 von Reutlingen aus in ein sogenanntes "Erholungsheim" ins Allgäu verschickt worden. In welches der Heime ist mir heute leider nicht mehr bekannt, da es im Allgäu mehrere gab, es könnte aber Oberstdorf gewesen sein, oder das Haus in Scheidegg. Daher wäre mir der Kontakt zu Andrea aus Reutlingen wichtig, da sie am 28.2.22 auch hier schrieb, dass sie Ende 1967 von Reutlingen mit dem Zug ins Allgäu verschickt wurde, vielleicht saßen wir sogar im gleichen Zug.
"Zug" ist auch das Stichwort:
Es gab 2 Momente an die ich mich eindrücklich erinnere:
1) im wahrsten Sinne des Wortes DIE VERSCHICKUNG, der Moment, als ich im Zug saß welcher sich langsam aus dem Bahnhof Reutlingen in Bewegung setzte, außen am Bahnsteig meine Eltern stehend und ich im Zug mit lauter fremden Menschen, gefühlt der intensivste Moment von Verlassenheit und Einsamkeit. Ich weinte bitterlich, zu dem Zeitpunkt war ich 6 Jahre alt.
Mir gegenüber saß eine Person, ich weiß nicht mehr ob es ein Mann oder eine Frau war. Sie/Er konnte das Elend nicht ertragen, erhob sich und griff in den Koffer über ihr und holte eine Tüte Haribo Gummibärchen raus und schenkte sie mir. Dieser Augenblick, dieses traumatische Erleben hat sich in meine Seele gebrannt.
Die Haribo Gummibärchen waren der Tröster und bis heute findet sich immer wieder eine Tüte in meinem Kühlschrank- ich mag sie nur gekühlt -. Die "Bären" sind tatsächlich zu meinem Lebens-Weg-Begleiter geworden und es zeigt, wie sehr die Seele Leid und Trost gekoppelt hat.
2) über die Geschehnisse Vorort hat sich ein Grauschleier gelegt, vielleicht ganz bewusst. Nur an eine Situation kann ich mich genau erinnern als ich - vermutlich aus Angst - in der Nacht in die Hose gemacht hatte, wurde ich auch noch in der gleichen Nacht in einen Sammelwaschraum - an den ich mich gut erinnere - gebracht, wo ich die Hose selber auswaschen musste.

Quintessenz:
Meine Mutter schrieb in meinem Kinder -Fotoalbum nach den Sommerferien 1967 vor der Verschickung folgendes:
" Bald darf er zu einer Erholungskur weg ins Allgäu, das wurde uns angeboten. Bis jetzt geht er noch gerne, mal sehen wenn es soweit ist."

Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf, mir ging es sicherlich ähnlich oder gleich wie vielen anderen Kindern damals auch. Über die psychischen Schäden die durch diese Erlebnisse bei mir und vielen meiner Mitleidensgenossen entstanden sind, hat man sich in diesen Zeiten im Vorfeld keine Gedanken gemacht. die Meisten Eltern - so möchte ich einmal behaupten - sind von guten Vorsätzen ausgegangen. Dass dahinter aber auch eine profitgierige Maschinerie stand blieb verschleiert. Es war - wie es meine Mutter schrieb - ein schönes Angebot welches von der Kasse finanziell übernommen wurde.

Meine Lebensqualität ist bis heute an verschiedenen Stellen sehr beeinträchtigt auf das ich hier nicht näher eingehen möchte, sehe es aber in engem Zusammenhang mit dem damals erlebten!
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Ilona Lange schrieb am 27.05.2022
Ich war im Februar 1962 im Oldenburger Kinderheim auf Wangerooge. Der Verschickungsgrund war die bevorstehende Einschulung Anfang April. Wegen der Sturmflut im Februar 1962 wurden wir nach nur wenigen Tagen wieder nach Hause geschickt. Hierzu kann ich mich an die Zugfahrt auf der Insel durch Wasser erinnern. Ansonsten habe ich keine Erinnerung an diese Zeit. Als Ersatz musste ich im Sommer nochmals nach Wangerooge reisen. Zunächst wollte ich nicht. Man tröstete mich damit, dass eine Freundin aus der Nachbarschaft zur gleichen Zeit fuhr. Da sie älter war kam sie aber in eine andere Gruppe. Ansonsten habe ich auch an diese Zeit kaum Erinnerungen. Meine Mutter erzählte mir, dass ihr, wie sie den Koffer nach meine Rückkehr öffnete, schlecht wurde, weil er derart nach Urin stank. Auch war kaum etwas der Kleidung benutzt. Ich soll darauf geantwortet haben, dass wir nicht zur Toilette gehen durften und ich immer nur das selbe anziehen musste. Wegen dem Toilettengang kann ich mich noch schwach erinnern, dass wir uns zu einer bestimmten Zeit anstellen mussten.
Bisher habe ich das alles als nicht so wichtig eingeschätzt. Doch, als ich jetzt hörte und las, dass es vielen Kindern so ging. bin ich hellhörig geworden und frage mich, warum ich so wenig Erinnerungen an diese Zeit habe. Meine Mutter lebt noch und ich konnte sie dazu befragen. Es ist ihr damals sehr schwer gefallen. mich reisen lassen und es tut ihr heute noch leid, was ich dort erleben musste.
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2 Kommentare

  1. Liebe Evelyn, ich verstehe dich, aber wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, müssen belegen, dass es die vielen Betroffenen gibt. Dafür gibt es ja das Portal: ZEUGNIS ABLEGEN, da kann man ja sehen, dass es um viele Menschen geht, die dieselbe Erfahrung gemacht haben. Dafür gibt es unsere Fragebögen. Wir versuchen viel und kämpfen mit Argumenten. Und ein Denkmal ist ein Denkanstoß für viele Unbeteiligte und besser als in den Museen weiterhin nur Positives zu den Verschickungen zu lesen. Grüße, Anja

  2. Ich bin sehr entrüstet darüber dass es Menschen gibt die diese vielen Tatsachenberichte betroffener Kinder/ Menschen überhaupt anzweifeln oder versuchen ins lächerliche zu ziehen indem sie gegenteiliges behaupten oder diese Verbrechen abzumildern. Ich benutze absichtlich den Begriff ,,Verbrechen „, denn nichts anderes sind diese Taten und Missbräuche an Kindern bzw. in
    diesem Fall sogar schutzbefohlener Minderjähriger!!!
    Ich bin selbst betroffen und ich habe nun schon mein ganzes Leben mit den Folgen zu kämpfen. Ich bin seitdem einfach noch kränker geworden.
    Ich kann gar nicht nach Borkum fahren und mir Denkmäler begucken. Ich müsste mich übergeben wenn ich an den Ort zurückkehren müsste an dem die Weichen meines Lebens so verderblich gestellt worden sind.
    Hier wurden systematisch Kinderseelen zerstört mit negativen Auswirkungen
    für den Rest des gesamten Lebens.
    Was ??? frage ich jeden Einzelnen…was soll das wieder gut machen???
    Ich bewundere diejenigen die ihre Geschichte und die Geschehnisse
    in die Öffentlichkeit getragen haben und ans Tageslicht gebracht haben…
    Ich habe das Trauma mein ganzes Leben bis Heute nicht überwinden oder aufarbeiten können, trotz Therapien.
    Und…ich verachte diese Menschen die daher kommen und meinen sie könnten diese fürchterlichen Tatsachen, Verbrechen und Leid, einfach verharmlosen oder anzweifeln.
    Weiterhin bin ich der Meinung dass dieses ganze Land und dessen Regierung für diese Schande geradezustehen hat.
    Nicht wir die Betroffenen müssen um Anerkennung betteln!!!

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