Verschickungen (von 50-90) ein Trauma bis heute?

Verschickung – das war nach 1945 der Sammelbegriff für das Verbringen von 8-12 Millionen Klein- und Schulkindern, wegen gesundheitlicher Probleme, in Kindererholungsheime und -heilstätten in den 50/60/70er bis in die 80/90er Jahre. Die Kleinkinder wurden allein, in Sammeltransporten, dorthin „verschickt“.  Sehr viele Kinder erinnern diese Verschickungen traumatisch.

Kinderheimfoto aus Norderney 1961, Bildrechte bei A. Gobbetto

Eine erste empirische Untersuchung, im Auftrag der Sendung REPORT MAINZ, nach einer Screening- Grobauswertung von 1000 öffentlich zugänglichen Kommentaren, kam zu folgendem Ergebnis:  94% der ehemaligen Kur-Kinder bewerten ihre Kur negativ.  67% von ihnen geben an, Bestrafungen erlebt zu haben. 64% von ihnen bewerten das Verhalten der Tanten negativ. 90% von ihnen schildern körperliche und seelische Kurzzeitfolgen. Das betrifft Störungen des Leistungs- und Sozialverhaltens. Das betrifft ferner Angststörungen, depressive Verstimmungen bis hin zu suizidalen Absichten. 61% von ihnen geben an, noch heute unter den Vorfällen während der Kur zu leiden.

Es gab einen ersten KONGRESS im November 2019 auf Sylt, dort wurde von über 70 Betroffenen einstimmig eine ERKLÄRUNG verabschiedet, die als Grundlage unserer weiteren Arbeit fungiert und inzwischen zu LEITLINIEN weiterentwickelt wurde.

Dort haben wir beschlossen die dringend notwendige Erforschung und Aufarbeitung selbst in die Hand zu nehmen, in Form einer Bürgerforschung vor Ort zu den jeweiligen Heimorten. Wir haben einen ersten Verein gegründet, der sich um die Webseite, ein erstes Projekt für Bürgerforschung, und die jährlichen Kongresse kümmert. Dann ist ein erster FRAGEBOGEN für eine vertiefende Analyse des Phänomens „Verschickung“ entwickelt worden. Der wird anonymisiert und liegt auf einem Server eines international anerkannten Instituts (Nexus e.V.)

Ab 1945 sagte man “Verschickung”, in der DDR war der Begriff „Kurkinder“ gebräuchlicher. DDR-Kurkinder haben sich bisher bei uns nur wenige gemeldet. Die Kurbäder auf dem Gebiet der DDR erlitten nach 45 einen Niedergang, daher gab es in der DDR nicht annähernd so viele Kurorte wie im Westen (BRD 1964: ca.1200 Heime in 350 Kurorten). Es können sich aber auch DDR-Kurkinder melden und bei uns mitmachen, sich gern auch als Heimortverantwortliche für ihre Heime einsetzen lassen.  

Kontakt zu allen Ansprechpartner*innen über die Seite VERNETZUNG.  Dort suchen wir unter HEIMORTKOORDINATION nach weiteren Heimortverantwortlichen, (oft gab es 10-30 Kinderheime in einem Kurort), diese Ansprechpartner*innen stellen Informationen zu ihren Heimorten zusammen und koordinieren die Betroffenen zu diesem Heimort. Hier wird die geplante Bürgerforschung ansetzen

Wir freuen uns über jede Spende! Unterstützt unsere Arbeit. Unser Leid muss anerkannt werden, Kinder-Verschickung in den 50-90er Jahren muss aufgearbeitet werden!

Spenden bitte auf das Konto unseres Vereins: Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung (e.V. beantragt):

IBAN:   DE70 4306 0967 1042049800   GLS-Bank

Seit diese Seite online ist (August 2019)  hatte sie über 74.000 Besucher*innen. (Stand: Mai 2020)

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Hannelore Plümacher
Hannelore Plümacher
4 Monate zuvor

Ich war 1951 in Düsseldorf Kaiserswerth wer noch?

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