Positive Erinnerungen an Kindererholungsheime, Kinderheilstätten und Kinderkurheime

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Titelbild Elternratgeber: Mit Kindern an die See, 1987

Es hieß 50 Jahre lang, die Verschickungen seien „das Beste“ für die Kinder gewesen, inzwischen haben sich aber mehr als 50.000 Betroffene mit Erinnerungen an Demütigungen, Angst und Gewalt bei der Initiative Verschickungskinder in einem Gästebuch und einem Fragebogen, in anderen Foren, sozialen Medienkanälen, auf Petitionen und auf Journalisten- und Wissenschaftler-Aufrufe gemeldet und man hat darin ein System immer gleicher Gewalt erzeugender Bedingungen in diesen besonderen, oft sehr abgelegenen Pflegeeinrichtungen, mit nur wenig ausgebildetem Personal, erkannt. Das ist auch wissenschaftlich, durch Aktenfunde belegt worden. Betroffene aus den Zeiten der Verschickungen, wo jedes Jahr 350.000 Kinder in diese Heime gefahren wurden, von etwa 1950 bis 1989 und noch aus manche dieser Einrichtungen, bis in die 90er Jahre, erinnern sich schmerzhaft an einen hartherzigen, angsterregenden Umgang mit ihnen, an Demütigungen und Gewalt in diesen weit abgelegenen Einrichtungen ohne Elternbesuchsrecht. Als wir begannen, uns dem Thema der traumatischen Erinnerungen von Verschickungskindern zu nähern, waren wir erstaunt über die zahllosen, überaus detaillierten Berichte von angsterfüllten Verschickungsaufenthalten und erlebter Gewalt. Kinder, meist unter 6 Jahren, wurden zu Hunderten allein, ohne ihre Eltern, über 6 Wochen, zwischen 1946 und 1990, in weit entfernt liegende Kindererholungsheimen und -Heilstätten aller Bundesländer verbracht. Erlebnisschilderungen darüber wurden uns ungefragt zugesandt und sammeln sich seither öffentlich auf unserer Webseite in unserem Gästebuch, 2776 (am 27.5.25) und anonym in einem Fragebogen, wo es schon weit über 15.000 sind, die ihre Geschichte unserer Webseite und selbstbestimmten Forschung zur Verfügung gestellt haben. Wir zensieren nicht, wir kürzen nicht, wir schalten nur frei und sammeln. Es sind Erinnerungs-Schilderungen von Demütigungen, körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt und starken Angsterlebens. Diese Berichte sind zumeist von Menschen, die zum ersten Mal mit unserer Initiative in Kontakt kommen und erfahren, dass sie mit ihren schmerzlichen Erfahrungen nicht allein sind, sondern Teil einer sehr großen Gemeinschaft von Betroffenen. Oft ist dann der erste Impuls, das selbst Erlebte aufzuschreiben, Zeugnis abzulegen. Auch auf unserer Petition bei change.org gibt es über 49.000 Menschen, davon zahllose Betroffene, die in ihren Kommentaren von ihren eigenen negativen Erlebnissen berichten, dasselbe in zahlreichen facebookgruppen mit Tausenden von Mitgliedern.

Es ist also seit dem Beginn unserer Initiative immer deutlicher geworden, dass die Kinderverschickung System hatte und dass in ihr eine „Subkultur der Gewalt“ (Hans Walter Schmuhl (2023): Kur oder Verschickung: Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Dölling und Galitz, München, S. 249) herrschte. Alle bisherigen wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass im Rahmen der Kinderverschickungen Gewaltbedingungen durch vielfältige institutionelle Ursachen gegeben hat.

Manchmal werden in den Berichten, die uns vorliegen, äußere Bedingungen als tröstend empfunden: Sommer und Strand, Wald und Berge, Festlichkeiten, Aufführungen oder gemeinschaftliche Aktivitäten wie Singen, Spielen und Wandern. Trotzdem gibt es auch bei solchen positiven Erinnerungen oft zusätzliche Erinnerungen an Angst- und Gewaltsituationen, die ihnen selbst passiert, oder die die betreffenden beobachtet haben. Wir wollen einen umfassenden Einblick in das Geschehen während der Verschickungen erhalten. Dafür sind auch positive Erinnerungen wichtig. Denn oft können sie zeigen, durch welche Zufälle Kinder getröstet werden konnten, und manchmal widerstandsfähiger und resilienter gegen die negativen Erfahrungen wurden, oft in der Art, dass sich ein kritisches Bewusstsein gegenüber Kindesleid entwickelte. Es reichte manchmal eine heimliche Freundin, eine mitfühlende Praktikantin. Das ändert aber nichts daran, dass die Bedingungen in bisher allen uns bekannten Verschickungsheimen, also Kinderheilstätten und Kindererholungsheimen mit 6-Wochenkuren, zu denen wir und inzwischen viele andere recherchiert haben, in ähnlicher Weise angsterzeugend und gewalterzeugend auf Kinder und Personal gewirkt haben. 50 Jahre lang war der Diskurs zu Kindererholungsaufenthalten durchgehend positiv besetzt, Heimbetreiber, Mitarbeitende dieser Institutionen feierten ihre eigenen positiven Erinnerungen. Sie tun das noch. Ehemalige Mitarbeiter kommen mit Fotoalben und zeigen lachende Kinderfotos herum, sie beschreiben, wie gut der Zusammenhalt der Mitarbeitenden untereinander war, oft erzählen sie, wieviel sie miteinander gelacht haben und wie fröhlich alles war. Wir als Betroffene ertragen solche Begegnungen und Erzählungen nur sehr schwer. Aus der gleichen Zeit, wo wir die schmerzhaftesten Erinnerungen in uns haben, erzählen sie vom Spaß, den sie untereinander und mit den Kindern hatten. Unseres Erachtens ein Zeichen für Abspaltung von traurigem Kindeserleben, dass sie damals übersehen haben und heute nicht wahrhaben wollen. Auch für das Fehlen von Empathie, für ein nachträgliches „Schönen“ dieser Zeit. Wir freuen uns über jede Mitarbeiterin, die ihre Zeit damals kritisch hinterfragt, oder die ihr damaliges Vorgehen gegen die Kinder bereut, solche Briefe erreichen uns, das bewegt uns tief. In Bädermuseen und Elternratgebern war man viele Jahrzehnte lang des Lobes voll, kritische Worte, wie etwa Eltern- oder Erzieherbeschwerden oder auch kinderärztliche Kritik wurden fünf Jahrzehnte von Heimbetreibern und Behörden nur wenig beachtet, sie wurden bagatellisiert und sogar bekämpft (Röhl, A. in Sozialgeschichte offline, 2022, Heft 31/2022, S.61-100Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand. Erwachsene Zeitzeugenschaft am Beispiel eines Beschwerdebriefes im Adolfinenheim auf Borkum, auchonline verfügbar)

Nun, wo sich das erste Mal, nach 50 Jahren, die Betroffenen selbst zu Wort melden, brechen oftmals lange, nur im Privaten geäußerte Erinnerungen an Beschimpfungen, Schmerzen, Scham, Angst und Gewalt auf. Die Menschen beschreiben dabei detaillierte Szenen in Ess- und Schlafräumen und wissen noch, wo ihr Bett stand und wie an einem bestimmten Tag das Licht durch die Vorhänge fiel. Sie beschreiben Gerüche, an den Schlafsaal, den Waschraum, das Essen, Farben, gestochen scharfe Filmszenen ihrer traumatischen Erlebnisse und erleben dabei erneut tiefe Gefühle von Angst und Bedrohung. Andere haben schwere Körpersymptome und Alpträume, die sich durch bestimmte Fakten auf Verschickungserfahrungen zurückführen lassen. Sie alle erleben einen ungeheuren Kräftezuwachs aus dem Gefühl, nicht mehr allein mit ihrem Leid und nicht schuld daran gewesen zu sein, sie engagieren sich in gegenseitigem Austausch, in Beratung, Vernetzung und Recherche, sie streben an, mehr über diese Einrichtungen herauszufinden. Und haben es getan, die ersten Recherchen und Forschung zu diesem Thema kamen von Betroffenen.

Niemand sollte das Leid der Verschickungskinder, was sich seit 2019 zehntausendfach öffentlich geäußert hat, kleinreden wollen, kein einziger positiver Bericht sollte denjenigen, die als Kinder in diesen Einrichtungen gelitten haben, das Leid absprechen. Alle Menschen, die das Glück hatten, solches nicht zu erleben, sollten sich solidarisch zeigen.

Seit 2019 erstmalig tausende von Menschen ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich gemacht haben, gab es keinen Sturm der Entrüstung von ebenso vielen Menschen, die es anders erlebt hatten, stattdessen brach eine Lawine von verzweifelten, schmerzhaften und angsterregenden, oft das ganze Leben bestimmenden schlimmen Erinnerungen sich Bahn, und nur sehr selten meldeten sich Menschen mit auch positiven Erlebnissen in der Verschickung. Diese wenigen positiven Erinnerungen von Menschen an Verschickungen, stehen in keinem Verhältnis zu den vielen Tausenden, die es traumatisch empfanden. Sie dürfen nicht dazu benutzt werden, diejenigen Erlebnisse zu relativieren, die von Leid berichten. Das passiert aber dadurch, wenn in einer Austellung über das Verschickungsleid 5 negative Erinnerungen, gegen 5 positive Erinnerungen gestellt werden, was suggeriert, dass das Verhältnis sozusagen „ausgeglichen“ war. Das bedient das alte Narrativ, was uns aus den Werbebroschüren der 60er – 80er Jahre entgegenschallt. Was seither herausgefunden wurde, ist aber etwas anderes: Der Alltag in den bisher untersuchten Heimen war objektiv für Kinder, aus vielerlei Gründen, sehr oft und über zahlreiche Einrichtungen verteilt, schädlich und traumatisierend. Jede schlimmen Erinnerung daran muss ernst genommen und ihr muss nachgegangen werden. Nicht im Kind liegt der Schlüssel, dass es zu „empfindlich“ war, oder aus einem schwierigen Elternhaus kam, sondern in den speziellen Bedingungen des Heimes, in dem dieses Kind gelitten hat. Strafbücher, Unterbesetzungs- und Überbelegungszahlen, Information über die Ausbeutung der Mitarbeiter, Jugendamtsbeschwerdeakten über den Mangel an Toiletten, Fachpersonal, das schlechte Essen, den mangelnden Spielraum, NS-Reliquien zu Vorstellungen von strafender Erziehung, in historischen Fachbüchern, sowie Beschwerdebriefe, und Erinnerungen damals erwachsener Zeitzeugen, sowie Belege für illegale medizinische Handlungen und pharmazeutische Testungen, zeugen davon, und belegen, dass die schmerzhaften Erinnerungen der Verschickungskinder keine Phantomgespenster sind. Keine positive Erinnerung kann und darf das relativieren. Das Forschungsziel muss heute, oft mehr als 50 Jahre nach den Taten, sein, die Ursachen und Bedingungen dieser Gewalt in den Einrichtungen der Kinderverschickungen, objektiv aufzuklären, allen Hintergründen nachzugehen und genaueste Analyse zu betreiben.

Anja Röhl, Christiane Dienel, für den AEKV e.V., dem wissenschaftlichen Begleitverein der Initiative Verschickungskinder e.V.

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Hans Klotz schrieb am 11.08.2020
Hallo zusammen ich bin 1953 geboren ,mit einem angeborenen Herzfehler(Fentricel Septum defekt). 1960 wurde ich eingeschult . im gleichen Jahr bekam ich eine Hüftgelenk Nervenentzündung, man hat erst angenommen das es Kinderlähmung sei….zum Glück nicht. Dann bin ich für 6 Wochen in Kindererholung vom Hausarzt Dr. Hatzmann aus Koblenz nach Bad Nauheim geschickt worden. An den Namen des Heims weiß ich nicht mehr. Ich kann mich nur noch daran erinnern ,wir haben mit sehr viel Kinder in einem riesen Saal geschlafen . Alles wurde genaustens kontrolliert, morgen das Zähneputzen …alles wage Erinnerungen. Einzelheit habe ich vergessen oder verdrängt. Was ich noch genau weiß , als ich wieder Zuhause war war meine Mutter total erschrocken über meine schlechten allgemeinzustand. Meine Eltern sind beide schon lange verstorben . Ich hoffe das man mir weiter helfen kann . Eventuell gibt es ja noch andere Menschen die auch in Bad Nauheim waren.
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Renate schrieb am 11.08.2020
Hallo Ute,
ich war 1962 oder 1963 in Bad Kreuznach. Dieser Aufenthalt war prägend. Die Prügel war Tag und Nacht zu spüren. Die Mahlzeiten erfolgten unter Zwang, und wie im Beitrag erwähnt,dass Erbrochene mußte vom Teller........entsetzlich. Ich kann bis heute noch nicht Erbrochenes beseitigen. EKEL,EKEL. Das Schlimmste, ich bekam die Windpocken wurde Nachts aus dem Schlafsaal gezerrt und in einen anderen kleinen Raum geworfen und eingesperrt. Die med. Versorgung war garnicht vorhanden. Die Narben tragen ich mein Leben lang als Erinnerung an Bad Kreuznach. Kein Mensch hatte meinen Schilderungen glauben geschenkt, somit war man auch noch als Lügnerin oder sehr fantasievolles Kind verschrieen. Durch einen Zufall (vor ca. 30 Jahren) bekam ich bei meinen Schwager eine Anschtskarte von Bad Kreuznach in die Hände. Ich schilderte ihm meine Verachtung über diese Stadt........und siehe da, er war auch ein geschundenes Kind..............Ich fühlte mich erstmal geborgen .......und wir tauschten uns über diese schreckliche Zeit aus.

Wenn du Lust kannst du mich anrufen. 02205- 910 100

Liebe Grüße
Renate
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Lucy schrieb am 11.08.2020
Ich bin 1974 zu einer 6-wöchigen Kur nach Norderney geschickt worden. Ich war damals kanpp 7 Jahre alt und bin noch nicht zur Schule gegangen, konnte also auch noch nicht Lesen und Schreiben. Ich weiß den Namen von dem Heim nicht mehr, nur noch, dass es ein rotes, großes recht rechteckiges Gebäude gewesen ist, drum herum gab es keine anderen Häuser. Kann mir jemand helfen?? Hingefahren bin ich mit einem Bus, der alle Kinder aus der Region an verschiedenen Bushaltestellen einsammelte und zur Insel brachte. Der Bericht gestern hat mich vollends verstört, es wird brauchen, bis ich das für mich verarbeitet habe, denn bisher dachte ich wirklich immer, dass das was mir passiert ist, halt normal gewesen ist. Ich freue mich, wenn sich über diese Plattform andere melden, die auch auf Norderney waren. Ich komme aus dem Kreis Lippe.
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heide simm schrieb am 11.08.2020
Ich war im Jahr 1955 in einem Heim in Niendorf an der Ostsee und habe keine guten Erinnerungen an die diensttuenden Nonnen,6 Wochen durchlebte ich dort eine beängstigende Zeit ohne Mitgefühl und herzliche Zuwendung.
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Alexandra Rauchhaus schrieb am 11.08.2020
Hallo Biene,wir waren auch in dem Haus Staeckel, 1971 muss es gewesen sein und es war im Sommer.Ich weiß nur das wir im Sommer die warem kratzigen Strickhosen anziehen mussten die unsere Mutter mit eingepackt hatte und auch das was Du geschrieben hat und noch mehr, kommt mir sehr bekannt vor 🙁
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Margret Gröll schrieb am 11.08.2020
Hallo zusammen,
ich war 1965 als 8jährige 6 Wochen über Ostern im Haus Waldfriede in Bonndorf (Schwarzwald). Ich war ein blasses und dünnes Kind, so dass man meinen Eltern empfahl, mich in "Kur" zu schicken.
An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern. An das, woran ich mich erinnern kann, ist nicht positiv.
Gleich nach meiner Ankunft wurde mir mein Kuscheltier weggenommen, was für mich schmerzlich war.
Das Essen war äußert unappetitlich und wurde den Kindern regelrecht reingezwängt. Ich erinnere mich noch an ein kleines Mädchen, das in den Teller erbrach. Der Teller wurde nur teilweise gesäubert, neu gefüllt, und es wurde gezwungen, solange sitzenzubleiben, bis es aufgegessen hatte.
Zu Ostern hatte mir meine Mutter ein Päckchen mit Süssigkeiten geschickt, welches ich nur aus der Ferne gesehen hatte, es wurde unter den Kindern aufgeteilt.
Während meines Aufenthaltes erkrankte ich an einer doppelseitigen Mittelohrentzündung und kam somit auf die Krankenstation. Ich hatte keinen Appetit, und auch hier unterließ man es nicht, mich zwangszufüttern. Ich weiß noch, dass ich meine Frühstücksbrote versteckte und anschließend die Toilette herunterspülte. Zum Glück hat man es nicht bemerkt.
Die gemeinschaftliche Gewichtskontrolle blieb ebenso in meinem Gedächtnis. Das Ergebnis wurde jedesmal in die Gruppe hinausposaunt. Nach 5 Wochen hatte ich insgesamt 1 Pfund (!!!) zugenommen, und man war sichtlich enttäuscht.
Als mein Vater mich nach 6 Wochen am Köln-Deutzer Bahnhof in Empfang nahm, war er sichtlich erschrocken. Nach wie vor dünn, blass und die Haare ungepflegt.
Ich konnte mit 8 Jahren begreifen, dass man so mit Kindern nicht umgeht.
Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich nie wieder in eine derartige "Kur" geschickt werden möchte, was sie auch nicht mehr taten. Meinen Eltern habe ich jedoch später nie einen Vorwurf gemacht; sie waren ahnungslos über diese Zustände. Glücklichweise haben sich die Zeiten geändert.
Ich habe mir geschworen, meinen eigenen Kindern so etwas zu ersparen. 1993 habe ich zusammen mit meinem 5jährigen Sohn 4 Wochen eine Mutter-und-Kind-Kur auf Borkum verbracht. Diese Kur war insgesamt erfolgreich. Während dieser Zeit mußte ich oft an meine eigene Kur denken.
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Tanja E. schrieb am 11.08.2020
Durch HR Info gestern im Radio und abends die Sendung habe ich mit meiner Zwillingsschwester darüber geredet.
Wir waren über Ostern 1978 (oder 1979?) in einem Verschickungsheim in Dießen am Ammersee, das Haus war streng katholisch geführt. Wir beide wurden nicht auseinander genommen, und deshalb war es für uns nicht ganz so schlimm. Und daheim bei einer überforderten alleinerziehenden psychisch kranken Mutter war es auch nicht immer besser. Immerhin gab es im Heim klare Strukturen.
Was aber mir an Eindruck blieb:
Im Speiseraum herrschte eine ängstliche Atmosphäre. Man musste alles aufessen. Die Kinder, die abnehmen mussten, sassen weiter hinten. Wir vorne und wir wurden öffentlich gewogen mit netten Kommentaren. Auch das Thema "Erbrochenes" essen, haben wir mitbekommen. Dieses Mädchen tat uns leid, aber Mitgefühl zeigen konnte und durfte man nicht. Postkarten, die wir schreiben durften, wurden begutachtet...also man konnte nicht alles schreiben. Umgekehrt, wurden die Inhalte der Pakete an uns konfisziert. Ebenso die Zahnpaste und die Seife, die jeder mitbringen sollte. Da wir in einer katholischen Einrichtung waren, durften wir täglich zum Gottesdienst gehen. Und sollten uns brav benehmen. Meiner Schwester wurde vom Weihrauch regelmäßig schlecht, aber das war kein Grund vom Fernbleiben.
Nachmittags wurde gebastelt, allerdings musste alles bezahlt werden.
Mein Fazit: Der Aufenthalt zählt nicht zu meinen schönen Erinnerungen. ich habe es ertragen und erfolgreich verdrängt.
 
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Alexandra Rauchhaus schrieb am 11.08.2020
Hallo,auch meine Zwilligsschwester und wir sind Verschickungskinder. Wir wurden mit 6 Jahren 1971 in ein Erholungsheim in St.Goarshausen an den Rhein geschickt. Auch für uns war es die Hölle ,leider haben es unsere Eltern überhaupt nicht verstanden wie schlecht es uns dort ging. Auch wir durften erst aufstehen, wenn wir die Teller leer gegessen waren und wenn wir ins Bett geschickt wurden mussten wir ruhig liegen und die Augen geschlossen halten,unterhalten durfte man sich auch nicht, sonst wurden wir mit der Taschenlampe angeleuchtet und bestraft.Auch nachts auf Toilette gehen war auch nicht erlaubt.Vielleicht melden sich ja noch andere Betroffene die auch dort waren.
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Isolde Nies schrieb am 11.08.2020
Das habe ich gerade gefunden; leider weiss ich nicht mehr, welches dieser Heime anno 1967 mein Haus des Schreckens war, ich vermute das „Mövennest“
 
https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Zum-Aufpaeppeln-auf-die-Insel
hier: Insel LANGEOOG
 
Zitat
„Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtsverbände
.
.
.
Das Hilfswerk, das vom Land und einer Funklotterie unterstützt wurde, hatte einen eigenen Kutscher, der das Gepäck der Kinder vom Hafen zu den Häusern fuhr:
 
dem evangelischen „Flinthörnhaus“,
dem „Mövennest“ der Arbeiterwohlfahrt,
dem „Haus Sonnenschein“ der Caritas und
dem „Dünenheim“ des DRK.“
Zitat-Ende
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Uta W. schrieb am 11.08.2020
Guten Tag. Durch die gestrige Reportage über Verschickungskinder in der ARD bin ich auch wieder daran erinnert worden, dass da was war in meiner frühen Kindheit. Ich bin Jahrgang 1955 und wurde ca. Ende der Fünfziger nach Bad Rothenfelde verschickt. Ich kann mich allerdings kaum noch daran erinnern. Aber die Bilder die ich habe sind sehr düster. Das Gefühl von Angst taucht auf. An viel mehr kann ich mich nicht erinnern.
Aber einige Jahre später, ich war 7 Jahre alt, musste ich für ca. 10 Monate in eine orthopädische Klinik nach Sendenhorst (Epiphysenlösung). Die Station auf der ich lag (in großen Schlafsälen mit Beschulung) wurde von Schwester Maria beherrscht. Ich schreibe ganz bewußt "beherrscht", denn sie war eine herrschsüchtige und sadistische Person. Sie hat uns Kinder wirklich gequält, ausser ihre Lieblinge. Ein Beispiel: jeden Tag gab es Mittagsruhe, d.h. wir mussten stramm im Bett liegen und durften uns nicht bewegen. Es musste absolute Stille herrschen. Schwester Maria saß in einer Ecke des Saals und beobachtete uns mit Argusaugen. Da die Nachttische sehr an an unseren Betten standen, mit dem ausziehbaren Tablett zum Bett gerichtet, kam es vor, dass man versehentlich dagegen stieß. Das hatte einen lauten Klapperton zur Folge, was eine sofortige Bestrafung nach sich zog. Die Bestrafungen unter Schwester Maria waren vor allem die Isolation und die Erniedrigung vor allen anderen. Die in meiner Erinnerung schlimmste und am häufigsten angewandte Strafe war "unters Tuch" zu müssen. Dazu mußten wir uns die Stoffserviette, die immer unter unserem Kopfkissen lag, über das Gesicht legen. So mussten wir über einen, in meiner Erinnerung, längeren Zeitraum verharren. Auch Zwangsessen gab es. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich mal ein faules Ei essen musste. Auf meinen Hinweis, dass es schrecklich schmecken wüde, wurde nicht eingegangen. Also musste ich es auf essen. Später konnte ich jahrelang keine Eier mehr essen.
Es war die schlimmste Zeit meines Lebens, an die ich mich erinnern kann. Bei meiner Entlassung war ich ein anderes Kind. Aus einem quirligen und lebensfrohen Kind wurde ein eingeschüchtertes und ängstliches Kind. Mein Selbstbewußtsein war kaum noch vorhanden. Sicher haben meine Eltern diese Veränderungen bemerkt, aber solange ich unter der Fuchtel von Schwester Maria stand, habe ich mich nicht getraut mich meinen Eltern anzuvertrauen. Es hätte unweigerlich Strafen nach sich gezogen. Erst sehr viele Jahre später habe ich meiner Mutter davon erzählt. Sie war schockiert, aber gemacht wurde von meinen Eltern nichts.
10 Jahre später habe in derselben Klinik ein Praktikum als Kinderpflegerin gemacht. Wieder habe ich schlechte Erfahrungen dort gemacht. Ich war zwar auf einer anderen Station (Kleinkinder), aber auch dort gab es noch Strafen und Zwangsessen. Hier wurde die Isolationsstrafe angewandt, indem das betroffene Kind samt Bett auf den Flur geschoben wurde und dort isoliert von den anderen eine zeitlang verbleiben musste. Ganz furchtbar war für mich, dass ich doch tatsächlich besagter Schwester Maria auf einem Flur der Klinik begegnete. Sie hatte sich in den 10 Jahren überhaupt nicht geändert. Diese Begegnung holte alle schrecklichen Erlebnisse wieder hoch.
Mittlerweile habe ich mit dieser schlimmen Zeit meinen Frieden gefunden. Aber es war mir wichtig, hier mal darüber zu berichten.
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stefan schrieb am 11.08.2020
.... ich war wohl 1959 genau auch mit der Barmer in diesem Kinderheim - und meine Erinnerungen sind tatsächlich positiv. Ich habe die Wanderungen zum alten Schiefer-Bergwerk gemocht und auch wenn wir auf der Terrasse eingewickelt bei jedem Wetter lagen. Was ich allerdings auch heute komisch finde ist die Tatsache, dass ich kein Trennungsschmerz bei der Abfahrt hatte. Ich wurde da auch in den Zug gesetzt und weil ich brav war habe ich das mit mir einfach machen lassen.
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Thomas Mölders schrieb am 11.08.2020
Hallo, ich heiße Thomas Mölders, ich wurde damals 66/67 zu diesem Kinderheim am Titisee im Schwarzwald Sonnental über Mannesmann, wo mein Vater gearbeit hat für 6 Woche geschickt. Was ich da erlebt habe war fürchterlich, es sollte z.b. immer bei Mittag alles gegessen und aufgegessen werden, einmal war das Essen so ekelig das ich am Tisch erbrochen habe und meine Tischnachbarn ihre Teller zu mir schoben mit der Bitte auch darauf zu erbrechen. Ich war in der Zeit auch Krank mit 41 Fieber und der Arzt meinte ich würde da wohl sterben, habe aber überlebt, durfte das aber nicht meinen Eltern schreiben. Von dem Taschengeld was ich mithatte musste ich in dem Heim unten links war so ein Andenkenladen , dort was kaufen. Wasser und Brot bekam ich auch mal weil ich mit dem Essen gehadert hatte. Die Schwestern und ich denke es war ein katholisch geführtes Haus waren strenk und aus meiner heutigen Sicht einfach nur zum kotzen. Strafen hatten die immer parat. Gelacht habe ich da glaube ich nie. Als ich wieder zurück kam mit dem Zug nach Duisburg und meinen Eltern das erzählte sorgte mein Vater dafür das sowas über Mannesmann nicht noch mal zu diesem Heim passierte. Ich könnte noch weiter schreiben aber im Umgang hiermit ist die katholische Kirche genauso wie mit den Missbrauchfällen, ändern lässt sich das geschehene leider nicht, aber das da mal jemand die Verantwortung übernimmt ist lange überfällig. MFG Thomas Mölders
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A Wegner schrieb am 11.08.2020
Ich war 1977 als 10Jährige in den Sommerferien im "Kinderheim Marianne" in Obermaiselstein bei Oberstdorf im Allgäu. Im Forum habe ich ausführlicher berichtet. Psychische und körperliche Gewalt war an der Tagesordnung. Toilettengang nur nach dem Essen erlaubt, Zwang, aufzuessen (zum Teil mit erheblicher körperlicher Gewalt), Wanderungen im Hochsommer im Alpinen Gebirge ohne Sonnencreme, Entzug des kompletten Gepäcks, 1xwöchentlicher Wäschewechsel (auch Unterwäsche!) Trotz Organisation durch die Barmer in diesem "nicht kirchlichen Haus" sonntagliche ellenlange Kirchenbesuche. Sprechen beim Wandern oder Spazieren verboten, Briefe, die nur Montags geschrieben werden durften, wurden von der Heimleiterin Marianne Schleich gelesen. Ich habe diese Briefe noch! Falls etwas Negatives darinstand, musste er neu geschreiben werden...Ich wollte nie wieder ins Allgäu fahren! Letzten Sommer habe ich mir die Einrichtung mal von aussen angesehen. Es ist jetzt ein Mutter-Kind-Kurheim.
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Margit Hoppe schrieb am 11.08.2020
Ich war mit meiner Schwester Februar /März 1974 für 6 Wochen in Bad Salzuflen. Es war die Hölle. Obwohl wir daheim von den Horrowochen erzählten, passierte nichts. Nahm man uns nicht ernst? Ich war damals 10 Jahre alt, meine Schwester 5.
Bis Gestern dachte ich, dass Bad Salzuflen bei uns ein Einzelfall war, aber als ich gestern die Sendung sah, liefen mir die Tränen, alles kam hoch - Millionen von Kinderseelen wurden zerstört.
In den sechs Wochen sah ich meine kleine Schwester nicht.
Wir durften nachts nicht auf die Toilette, würde man erwischt, gab es Schläge. Aus lauter Angst machte man dann ins Bett, dann gab es vor allen Kindern im Schlafsaal Schläge auf den nackten Po.
Wir bekamen Medikamente, die den Appetit anregen sollte. Man musste immer seinen Teller leer essen, schaffte man es nicht und musste brechen, dann saß man alleine vor seinem Erbrochenen auf dem Teller im Speisesaal. Man musste es wieder runterschlucken.
Zwei Geschwisterkinder hatten damals Läuse und die beiden Mädchen bekamen den Kopf kurz rasiert.
Ich konnte heute Nacht nicht schlafen, soviel Bruchstücke kommen nun nacheinander hoch. Man hatte sie Jahrzehnte lang verdrängt.
Warum hat man jahrelang nicht auf die Kinder gehört, die völlig verstört nach Hause kamen?
Ich war bis fast 13 Jahre Bettnässerin
Wie das Kurheim in Bad Salzuflen hieß, weiß ich nicht mehr. Die Mädchen in einem Altbau untergebracht mit hohen Decken. Der Speisesaal hatte dunkle Holzwände.
Die Jungs waren in einem moderneren Gebäude nebenan untergebracht.
Ich hoffe so, dass jetzt alles aufgearbeitet wird und wir nicht noch einmal verraten werden.
Diese Horrorzeit kann man nicht rückgängig machen, aber die Schuldigen sollten zu ihren Taten stehen

Grüße Margit Hoppe ( früher Bögler)
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Isolde Nies schrieb am 11.08.2020
Ich habe mich registriert und würde gerne das ein oder andere Zeugnis direkt kommentieren, aber wie geht das? Betrifft zB metoo, da wie ich auf Langeoog misshandelt wurde...?
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Sabine Rothhaupt schrieb am 11.08.2020
Mit 5 Jahren war ich im Staufferhof in Bad Reichenhall. Vom Einstieg in den Zug in Schweinfurt und entgegennahme durch eine Begleitperson für den Zug habe ich keine Erinnerung.Ob ich sediert wurde? Dann erinnere ich das die Klinik mitten in Bad Reichenhall lag. Die Behandlungen waren u.a.folgende .Wir mußten uns nackt in einen vollkommen nebligen Raum begeben um salzige Luft zu inhalieren. Es war sehr beängstigend da man auch die anderen Kinder fast nicht sehen konnte.Es mußte zu den Essenszeiten immer alles aufgegessen werden, wenn nicht mußte man solange sitzenbleiben , bis man fertig war.Manchmal gab es Süßigkeiten. Ich hatte sehr großes Heimweh und schleppte den Kummer über die Trennung von meinen Eltern die ganze Zeit mit mir herum. Es war zu dieser Zeit Fasching und wir waren verkleidet und ich saß an einem Tisch und es gab Krapfen und es wurde ein Lied gespielt. " Oh mein Papa , er war ein wunderbarer Clown...Oh mein Papa....Der Raum hatte dunkelbraune Wände .Anrufe gab es nicht. Es war schrecklich. Als Getränk gab es immer HagebuttenTee, den ich bis heute verabscheue. Sehr selten Kakao. Manchmal sind wir zu einer Saline gelaufen . Der Schlafsaal war groß und wir mußten still sein , es wurde kontrolliert. Trotzdem erzählten größere Kinder unheimliche Geschichten so das wir kleineren sehr viel Angst bekamen.Als Folge dieses Aufenthaltes kam ich sehr verstört und innerlich erschüttert zurück nach Hause. Meine Widerstandsfähigkeit gegen Stress oder herausfordernden emotionalen Situation ist seither massiv herabgesetzt.Bei Überforderung durch Probleme, Stress im Leben ,kann ich beobachten das ich innerlich verstumme. Es tritt eine ungreifbare Leere auf in der erstmal keine Gefühle mehr existieren.Als Resümee kann ich für mich sagen, das massive Traumatisierungen stattgefunden haben und der Start in ein emotional gesundes Leben massiv beschnitten wurde . Dies sind nun meine ersten Erinnerungen ohne größere Recherchen.Ich bin sehr an einem Austausch mit anderen Betroffenen aus dem Staufferhof interessiert.
Bitte warten …
Andreas Rau schrieb am 11.08.2020
Bitte entschuldigen SIe meine grausame Rechtschreibung hier. Ich habe an meinem Smartphone echte Probleme, was ich schreibe, selbst zu lesen. 🙂 Vielleicht brauchen meine Augen eine Kur *lach*
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Andreas Rau schrieb am 11.08.2020
Erst mal liebe Grüße von Andreas Rau. Ich freue mich über Ihre Initiative, denn ich merke, dass die Demütigungen und auch körperliche Gewalt keine Einzelfälle waren.
Ich war insgesamt 11 mal zur Kinderkur. In den Jahren 1970-1981.
Es gibt zum Teil schöne Erinnerungen an zwei Kinderheime. EInes auf Norderney, dass von der Awo betrieben wurde und mit deren Erzieherinnen mich heute noch freundschaftliche Kontakte verbinden. Das andere war in Hindelang/Oberjoch und hieß Santa Maria. Ich habe von Dingen gelesen, die ich dort so nicht erlebt habe. Die "Fräuleins" , an die ich mich erinnere, hatten wirklich was drauf und wir konnten neben sehr guten Kuranwendungen eine breite Pallette an freizeitpädagogischen Angeboten wahrnehmen. Das einzige, was überall wirklich gleich war, war die frühe Zeit, zu Bet zu gehen und ab dann nicht mehr sprechen zu dürfen. Das gleiche galt immer auch nach dem Mittagessen von 13- 15 Uhr.
 
Am meisten ist mir der Begriff "Wache" in Erinnerung, denn so nannte man tatsächlich die Erzieherinnen, die in diesen Zeiten Dienst hatte, während die anderen Pause machten - oder, wie ich irgendwann erfuhr - für Putzdienste abkommandiert wurden.
Meine Kurerfahrung begann im Herbst/Winter 1970 in Scheidegg. Es war eine "Lungenheilanstalt" mit Ordenschwestern aber auch "weltlichen" Schwestern. Die Ordensfrauen habe ich in guter Erinnerung. Geschlagen, weil ich ins Bett machte, wurden wir von einer Nachtschwester und in der Ecke stehen war für viele Kinder eine typische Strafe. Mit drei (!) Jahren.
Es gab dort kein Obst zu essen. Ein Gummibärchen bekamen wir zue Belohnung, wenn wir nicht ins Bett gemacht hatten. Wer es doch tat, bekam einen "Klaps" auf den nackten Po und musste sein schweres Bettzeug selbst wegtragen. Einmal nahm ich einen Apfel vom Teewagen, der aber nicht für uns Kinderwar, sondern Schwester Maria (eine Kinderkranenschwester) gehörte. Ich biss hinein und legte ihn wieder weg. DIe ganze Gruppe wurde dafür bestraft und bekam kein Abendessen.
 
Am Feldberg, in einem Kinderheim der Caritas mussten wir zur Strafe fürs Quatschen in den "Wachen" meistens auf dem Flur stehen. In Unterwäsche oder nackt, und die Hände dabei ausstrecken. Wir durften nur mit dem Gesicht zur Wand schlafen und durften eigentlich so gut wie nie sprechen. Dafür war das Essen dort klasse, Aber, wenn man es mal nicht mochte, konnte es passieren, dass zwei Erzieherinnen einen festhielten und die Nase zuhielten, während eine einem das Esen, wie bei einer Gans in den Hals stopfte. Wer erbrechen musste, schluckte es lieber gleich runter, damit man es nicht nachher vom Teller aufessen musste. Toilettengänge wurden in fast allen Heimen strengstens reglementiert. Meistens mussten wir als Gruppe gemeinsam gehen. Zeit, um den Popo abzuputzen, sofern man das überhaupt konnte, gab es nie ausreichend. So hatten wir alle immer schmutzige Unterwäsche, die nur einmal in der WOche gewchselt werden durfte - meistens, wenn man zum Arzt zur Untersuchung vorgeführt wurde.
Am Feldberg wurde uns immer angedroht, wenn wir nicht "horchen wollten", dass wir Verlängerung bekamen. In meinem Fall, wurde das - aus anderen Gründen - zwei mal wahr gemacht. 12 lange WOchen ohne meine Familiie und meine Freunde. Ich kam vom Bauernhof und war diese Art der "Gfangenschaft" nicht gewöhnt.
Ein JUnge, der recht "hyperaktiv" war, wurde regelmäßig mit Tropfen zum einschlafen gebracht.
Die größte Abwechslung war ein sonntäglicher Besuch zum Frühschoppen, wo der Freund einer der Erzieherinnen arbeitete. Während sie schmuste, durften wir Cola trinken oder Spezi. Hauptsache war halt, dass wir ruhih waren.
Ausgelacht wurden wir eigentlich ast immer. Nicht etwa von den anderen Kindern, klar, das gab es auch, nein von den Erziherinnen. Beim Duschen wurde nwir beschämt, beim Zu Bett gehen, wenn wir schmutzig waren... .eigentlich immer. Damit ich nicht am Daumen lutschte, wurde mir Senf auf den Daumen geschmiert und ein dickes Pflaster um jeden Daumen gebunden. Damit ich nicht quatschte, bekam ich ein dickes Leukoplat um den Mund.
Bei einer Kurverlängerung kam ich in eine andere Gruppe und stellte erstaunt fest, dass es auch wirklich freundliche Erzieherinnen gab, an die ich mich gerne erinnere und die niemals so grausam waren. Selbst die nicht, die als streng galten.
Auf Norderney musste ich 6 Wochen das Kinderkurheim des märkischen Kreises, " Haus Ierlohn" ertragen, dass von einer Frau Müller geleitet wurde, die dort mit ihrer Lebensgefährtin lebte und arbeitete. Zwei Biester ohne jede Empathie für Kinder. . Unsere Gruppenerzieherin war soweit ok, wie sie eben konnte, aber auch hier gab es herrische und streitsüchtige Erzieherinnen, die ihre Wut oft an uns Kindern ausließen. Und auch hier standen viele Kinder oft stundenlang in der Ecke oder mussten die Nacht iauf dem Fußboden des Ankleidezimmers verbrignen, weil sie gequatscht hatten.
Die letzten beiden Kuren fanden auf Norderney im AWO-Kinderkurheim statt. Und in Santa Maria in Oberjoch. Hier war alles lockerer, wahrscheinlich, weil wir auch älter waren und die Erzieherinnen einer anderen Generation anghörten. Das war die Zeit vor dem Wechsel in die 80ger Jahre.
1987 war ich dann in der Erzieherausbildung und arbeitete selbst während unserer Schulferien in einem Kinderkurheim der Stadt WUppertal. Auch hier: von den demütigenden Methoden oder Gewalt keine Spur..
 
Meine Erfahrungen mit Kinderkuren waren so unsäglich, dass ich die Ankündigung meines Hausarztes, ich solle zur Kur fahren, immer als Drohung empfand und große Angst davor hatte. Das letzte Mal sollte ich mit 15 Jahren noch einmal nach Oberjoch fahren. Dieses mal setzte ich mich aber durch, indem ich mich weigerte.
 
Ich habe mich oft gefragt, warum ich das nie meinen Eltern erzählt habe, die mich ja shcließlich jahrelang dort hin schickten. Nun, ich habe immer nur das Gute erzählt, weil ich immer noch den Klang von Fräulein Ingrid im Ohr hatte, die uns immer eintrichterte, dass meine Eltern sich etwas antun würden oder schlimm traurig würden, wenn sie ihnen erzählen würde, wie böse und verschlagen wir Kinder doch waren. Es bräche ihnen das Herz.
Ja. Und sowas glaubt man als Kind und verinnerlicht das.
Irgendwie gelang mir, meine Traumata zu überwinden, aber ich erkenne noch heute an mir einige Macken, die ich aus dieser Zeit zurückbehalten hatte. Heute kann ich meistens drüber schmunzeln. Über die Macken, nicht über die Demütigungen und Schmerzen.
Danke Ihnen für Ihren Einsatz, Frau Röhl, und wenn Sie Unterstützung brauchen, bitte melden Sie sich gerne bei mir.
 
Andreas Rau
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Andreas Rüdiger schrieb am 11.08.2020
Ich war Ostern 1964 (6 Jahre alt) mit meiner kleinen Schwester (4 Jahre) ein paar Wochen im Schloss Ditterswind in Unterfranken, etwas nordöstlich von Würzburg. Ich sollte nach den Osterferien eingeschult werden, war aber wohl zu schmächtig dafür.
Im Heim wurden wir ausnahmslos von Schwestern in Ordenstracht betreut. An einen Arzt oder männliche Mitarbeiter kann ich mich nicht erinnern.
Es gab einige Erlebnisse, die mich heute noch beschäftigen, aber ich habe durchaus auch positive Erinnerungen.
Schlimm war dieser Essenszwang, egal was es gab. Ich erinnere mich hauptsächlich an Camembert abends, den ich nicht essen wollte, aber musste. Jahrzehntelang konnte ich keinen mehr essen. Außerdem durfte kein Wort geredet werden beim Essen, sonst musste man zur Strafe in einem Nebenraum alleine am Tisch sitzen und trotzdem fertig essen. Das ist mir kleinem Steppke auch passiert.
Körperlich "ertüchtigt" wurden wir Jungs, indem wir uns im Kreis Rücken zum Hintermann aufstellten, dann bekam jeder eine Schrubberbürste in die Hand und musste den Rücken des Vordermanns kräftig abbürsten. Wenn man da einen großen, kräftigen Jungen hinter sich hatte, dann war man danach ordentlich durchblutet (es hat nicht geblutet!). Und zum Schluss kaltes Wasser drauf. Diese Therapie habe ich nie mehr angewendet, obwohl ich meine Schrubberbürste mit nach Hause nehmen durfte.
Aber ich habe auch gute Erinnerungen. Als Stadtkind, das in einer kalten, dunklen Mietswohnung wohnte, bleibt mir der herrliche Park, in dem wir durchaus spielen durften, gut in Erinnerung. Ich bekam Päckchen von meinem Opa mit Schokolade, die ich essen durfte und mit lustigen Briefen, die mir eine Schwester vorlas. Und abends durfte meine kleine Schwester, die sehr unter Heimweh litt, zu mir in den Schlafsaal und saß auf dem Schoß einer Schwester, die uns eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas.
Auch die Fahrt dorthin mit einem Zug (das kannte ich nicht so) fand ich spannend und ich amüsierte mich köstlich über die Namen Pforzheim und Schweinfurt. Die Schwestern hatten uns in Karlsruhe abgeholt und dorthin gebracht.
Heimweh hatte ich bestimmt ab und zu.
War jemand auch in Ditterswind und kann sich noch erinnern? Daran wäre ich sehr interessiert.
Das Schloss war danach noch lange in der Hand dieser Rummelsbacher Schwestern, wurde aber nur noch glaube ich bis 1965 als Kinderheim genutzt. Danach wohl für (geistig) behinderte Menschen, bis vor wenigen Jahren, als sich die Rummelsbacher m.W. von dem Schloss trennten.
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Gabi schrieb am 11.08.2020
Hallo,
durch Zufall habe ich gestern den Beitrag im ARD über die Verschickungsheime gesehen. Dieser Begriff war mir bislang nicht bekannt. Und ich wusste auch nichts von dem Ausmaß, vor allem wie viele Kinder davon betroffen waren.
Ich war wegen Neurodermitis vom 22.02.73-04.04.73 (ich wurde in der Kur 6 Jahre alt) in St. Peter Ording in der Kuranstalt Goldener Schlüssel. Die Heilbehandlung wurde gemäß § 1305 der Reichsversicherungsordnung bewilligt. Ich habe noch Unterlagen, deswegen weiß ich das noch so genau. Allerdings haben mich meine Eltern nicht "verschickt". Obwohl sie nicht viel Geld hatten, haben sie mich hingebracht und auch wieder abgeholt. Zunächst hatte ich meinen Eltern nichts von meinem Erlebten erzählt, erst viel später. Sie haben mir geglaubt und sich sehr darüber aufgeregt, vor allem meine Mutter, da sie zum Dank der Frau dort noch Kaffee mitgebracht hatte. Das hatte ich gesehen.
Ich erzähle immer schon meinen Bekannten und Freunden, dass es dort jeden Tag Milchspeisen gab und ich heute noch diesen süßlichen Milchgeruch mit etwas Unangenehmen verbinde. Ich erinnere mich daran, dass ich an einem Tag den Schokoladenpudding nicht essen wollte (ich hatte ja auch eine Milchallergie), ich wurde gezwungen ihn zu essen. Ich hatte mich so geekelt davor. Eigentlich wundert mich das fast, da Kinder ja gerne Pudding essen. Jedenfalls habe ich in der Nacht das ganze Bett vollgekotzt. Es wundert mich im Nachhinein, dass ich mich an ein großes Bett mit dunkelblauem/grünen Bezug erinnere. Als die Nachtschwester kam, schimpfte sie mit mir, was ich da gemacht habe und zur Strafe kam ich in den Aufenthaltsraum im EG wo ein kleines Kinderbett mit Stäben aus Holz stand. Ich durfte meine Puppe mitnehmen, das war auch gut so, denn ich hatte Angst, der Mond schien in den großen Raum, es waren große Glasscheiben dort und ich konnte draußen Kaninchen sehen, das hat mich auch etwas getröstet. Ich weinte und hatte Angst, ich kann mich daran noch genau erinnern, ich sehe es vor meinem geistigen Auge. Das Päckchen von meinen Eltern zu meinem Geburtstag wurde geöffnet und an alle Kinder verteilt, ich bekam eine Orange. Und an meine Eltern wurde eine Postkarte geschickt, wo drin stand, dass alles in Ordnung war. Ich kann mich aber an nichts Schönes erinnern. Jedenfalls bekam ich dort Asthma.
Später vom 31.10.79-19.12.1979, da war ich 12 Jahre alt, war ich in der Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang. Auch dort wurde ich persönlich von meinem Vater hingebracht. Da ist mir etwas in Erinnerung, das mir heute noch ein Rätsel aufgibt. Ich wüsste gerne was das für eine Behandlung war, vielleicht war es ja auch nichts schlimmes. Also es gab einen Raum, man ging die Treppe runter. Der Raum war karg, es waren nur ganz oben Fenster, es waren nur an der Wand Sitzgelegenheiten. Dann wurde oben eine kleine Schüssel mit einem Lappen hingestellt. Wir wurden dann alleine gelassen und es fing dann sehr stark an nach Essig zu riechen. Wir waren nicht sehr lange in dem Raum, es war auch unangehm. Ich wüsste eigentlich nur gerne, für was diese Behandlung war. Keine Ahnung, ich musste auch nur einmal in den Raum. Ansonsten erinnere ich mich an nichts.
Ich finde es gut, dass meine Erlebnisse hier bestätigt werden. Ich habe noch nie davon gehört und dachte immer, es wäre nur mir so gegangen.
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Michael Häckel schrieb am 11.08.2020
Hallo,
ich war in den bayerischen Sommerferien 1972 sechs Wochen zur sog. Kur auf Amrum im Lenzheim. Damals war ich acht Jahre alt. Wir wurden von Nürnberg aus in einer großen Gruppe
dorthin gebracht. Schon die Verabschiedung in Nürnberg und die Fahrt nach Amrum habe ich als traumatisch in Erinnerung. Vom Lenzheim sind bei mir nur einzelne Bilderfetzen vorhanden. Ich schlief in einem Zimmer im ersten Stockwerk. Nachts durften wir nicht zur Toilette, eine Betreuerin passte im Treppenhaus auf, dass niemand sein Zimmer verließ. So passierte es, dass ich nachts oft in meinem Kot lag. Zu jener Zeit dort fing ich an mir nachts im Bett die Haare büschelweise rauszureißen, bis ich eine kahle Stelle von 3-4 cm Durchmesser am Hinterkopf hatte. Ich litt enorm darunter und schämte mich, dass ich das tat. Dieser Drang des Haarereißens verfolgte mich mein halbes Leben.
Am Strand vor dem Haus beobachtete ich beim Spielen immer die Fähren, die in Wittdün anlegten oder wegfuhren. Ich hatte dabei schreckliches Heimweh.
Es gibt aber auch gute Erinnerungen: Uns wurde auf der Terrasse "Mio, mein Mio" von Astrid Lindgren vorgelesen, dazu gab es Milchbrötchen mit
Carokaffee. Wir besuchten Gottesdienste in der Kirche in Nebel. Mehr weiß ich nicht.
Hier jemanden zu finden, der oder die auch zu der Zeit im Lenzheim war und sich erinnert, wäre wunderbar.

Viele Grüße Michael
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Carmen A. schrieb am 11.08.2020
Hallo, ich habe gerade auch meinen Schicksalsbericht als Erholungskind geschrieben unter dem Namen Carmen. Ich war im Schwarzwald am Tittisee im Jahre 1959 mit meiner Zwillingsschwester zur Erholung im einem Kurheim. Vielleicht waren wir im gleichen Heim. Ich war damals 6 Jahre alt.
 
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Carmen A. schrieb am 11.08.2020
Hallo! Meine Zwillingsschwester und ich sind auch Opfer als Verschickungskinder. Wir sind 67 Jahre alt und waren zur Erholung in einem Erholungsheim am Tittisee im Schwarzwald als wir 6 Jahre alt waren. Die Erholung (im Jahre1959) sollte unsere Erkältungsneigung verbessern, damit wir in die Schule gehen könnten. Wir waren gelegentlich auch noch Bettnässer. Das sollte sich durch die Kur verbessern. Es war die Hölle im Heim unter der Aufsicht von Ordensschwestern. Kinder wurden bestraft, wenn sie nicht zugenommen haben. Ich machte nachts ins Bett und musste auf dem Boden schlafen und man wurde stundenlang in die Ecke gestellt oder musste im Bett bleiben. Andere Kinder müssten Erbrochenes essen. Meine Schwester und ich waren ständig in Angst, einer Strafe ausgesetzt zu werden. Toiletten waren zeitweise verstopft und man durfte die Toiletten nicht benutzen. Ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie andere Kinder Erbrochenes essen mussten. Die Heimleitung hat nette Briefe an die Eltern verschickt, wie gut es uns ginge. Als wir nach 6 Wochen wieder nach Hause durften, erzählten wir alles unserer Mutter. Sie war bestürzt und sagte, sie hätte das nicht gewusst. Die Kinderärztin hatte die Kur empfohlen.
Die Sendung von Report Mainz gestern 10.August 2020 über die Schikanen, die Erholungskinder erdulden mussten, zeigte genau das was auch ich erlebt habe. Der Bericht an die Kinderärztin besagte, dass ich während der gesamten Kur leichtes Fieber hatte.
Es war Heimweh und Stress , was das Fieber auslöste. Unser Erholungsheim war am Tittisee im Schwarzwald. Ich weiß nicht wie das Heim genau hieß.
Gruß Carmen
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Isolde N schrieb am 11.08.2020
Als ich gestern einen Trailer für die Sendung „Exklusiv im Ersten“ sah, fiel ich fast vom Hocker....Denn zuletzt habe ich mir selbst schon eingeredet, daß meine Erinnerung einfach nicht wahr sein könne, es ist immerhin schon mehr als 50 Jahre her...
In den 60ern, ich schätze so 1967 herum, ich war noch nicht eingeschult und höchstens 5 Jahre alt, wurde ich mit meinem kleinen Bruder (max. 4 Jahre) nach LANGEOOG verschickt; habe bis heute nicht herausfinden können, wie das Heim hiess, halte als Träger aber die AWO für Wahrscheinlich, da meine (alleinerziehende) Mutter Kontakte zu dieser hattte...
Den mir eeeeendlos lang erscheinende Aufenthalt dort habe ich als einzien Horrortrip in Erinnerung; die „Highlights“:
- Erbrochenes essen müssen, wenn man seinen ekligen Teller morgendlichen Haferschleims nicht runterbekam bzw. erbrach
- Massen-Abduschen mit dem Schlauch mit kaltem Wasser in einem weiss-gekachelten Raum voller nackter Kinder, wie beim Schlachter fühlte ich mich
- Schläge mit einem Holzschuh (Klepper nannte man die früher), wenn man nicht kerzengerade auf dem Rücken im Bett lag
-Päckchen von daheim wurden nicht ausgegeben, sondern eingesackt
-Toiletten ohne Türen
uswusf.
Ich weine, während ich schreibe.
Mein Bruder wurde erst in Langeoog wieder zum Bettnässer; ich weiss nicht mehr, ob wir je versuchten, der Mutter davon zu erzählen, hätte aber auch keinen Unterschied gemacht, weil es ihr eh egal gewesen wäre...
Kann und will meine 80-Mutter hierzu heute auch nicht mehr befragen, habe seit sehr vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner „Familie“...
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Michael Marsani schrieb am 11.08.2020
Hallo Rüdiger,
dort muss ich ebenfalls gewesen sein.Ich mochte ein Essen nicht, worauf ich es tagelang vorgestellt bekam, bis ich es vor Hunger dann doch aufass.
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Michael Marsani schrieb am 11.08.2020
Hallo, ich muss Mitte bis Ende der 60er in einem Heim in Bad Sachsa oder Bad Lauterberg im Harz gewesen sein.Es war Winter und wir mussten mit nackten Füßen durch den Schnee laufen und wir wurden nackt mit eiskaltem Wasser abgespritzt. Leider sind meine Erinnerungen daran nur sehr schwach und durchweg negativ. Das meiste habe ich wohl verdrängt.
Hat jemand Infos von solch einem Heim?
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werner schrieb am 11.08.2020
Hallo Olly, ich teile größtenteils deine positiven Eindrücke. Ich war im alter von fünf Jahren mit meinem Bruder für 6 Wochen in Berchtesgaden zur Kinderkur. In dem Alter war das nicht schön und ich hatte anfangs furchtbares Heimweh. Zum Glück war mein fünf Jahre ällterer Bruder ein Fixpunkt. Unterm Strich gefiel es mir dort alles in allem dann doch ganz gut.
Mit Acht war ich dann noch einmal für sechs Wochen in Bad Karlshafen. Das war insgesamt recht unspektakulär. Weder besonders positiv noch negativ. Muss wohl recht langweilig gewesen sein. Das einzige an das ich mich sehr gut erinnern kann, war eine Zahncreme mit Erdbeergeschmack.
Als ich Zwölf war, kam ich 1970 für sechs Wochen nach Bairawies bei Bad Tölz. Das war richtig klasse. Wir waren 12 Jungen in unserer Gruppe, lebten uns schnell ein und fühlten uns so wohl, dass wir alle Rotz und Wasser heulten, als wir von dort wieder heimfuhren. Da hat einfach alles gestimmt, vom Essen, über eine moderne und noch sehr junge Betreuerin bis hin zu spannenden Ausflügen wie eine Nachtwanderung mit Fackeln und eigentlich immer jeder Menge Spaß. Es gab ein Punktesystem. Für Ordnung konnte bekam man Punkte. Fehlverhalten bedeutete Abzug. Die Punkte konnte man gegen eine halbe Stunde Fernsehen im Vorabendprogramm eintauschen. Ich habe es nur einmal geschafft und meine Punkte für eine Folge der Serie: "Der Mann mit dem Koffer" verschleudert. Mag sein, dass wir mit unseren Kuren einfach nur Glück hatten.
 
LG Werner
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Andreas Schneider schrieb am 11.08.2020
Hallo! Ich war mit 6 Jahren 6 Wochen über Ostern 1969 im Staufenhof in Bad Reichenhall wegen einer Bronchitis zur Kur. Außerdem soll ich "zu dünn" gewesen sein und vor der Einschulung "aufgepäppelt" werden. Schon bei Abfahrt des Zuges im Hauptbahnhof Frankfurt bekam ich fürchterliches Heimweh und bekam von einer Betreuerin etwas eingeflößt, so dass ich die ganze Zugfahrt über schlief. Ich wurde erst wieder in Bad Reichenhall auf dem Bahnhof wach, weil ich geweckt wurde. Ich fühlte mich aber benommen und mir war übel. Dann gab es Kartoffelsuppe und ich musste mich erbrechen. Daraufhin wurde ich geohrfeigt, rüde beschimpft und bedroht und gezwungen die Kartoffelsuppe und das Erbrochene vollständig aufzuessen. Nachts wollte ich auf Toilette, weil ich dringend Wasserlassen musste. Da wurde ich wieder geohrfeigt und beschimpft. Am nächsten Morgen musste ich neben der Oberin am Tischende sitzen. Ich wurde vor allen als Kotzbude betitelt und durfte während des ganzen Frühstücks nicht reden. Jeden Morgen gab es einen großen Teller heißen Vanillepudding im Wechsel mit heißem Schokoladenpudding. Dazu gab es mehrere Scheiben Brot jeweils dick mit Butter geschmiert. Es musste alles aufgegessen werden, sonst gab es Beschimpfungen und Ohrfeigen. Einmal habe ich nachts ins Bett gemacht, weil ich ja nicht zur Toilette durfte. Da haben mich die "Tanten" mitsamt meinem eingenässten Bett hinaus ins Treppenhaus gestellt. Morgens haben sie mich dann nicht geweckt und ich wurde erst wach, als alle Kinder an mir vorbeiliefen und an mir herumgezupft haben und sich über mich lustig gemacht haben. Morgens (ich weiß nicht mehr wie oft... 1 x /Woche) mussten wir in Unterwäsche für den Arzt Schlange stehen. Das war immer sehr schlimm, weil der Arzt ein gewalttätiger Choleriker war. Einmal hat er einen Jungen mit Fußtritten, Schlägen und Beschimpfungen an der Schlange entlang vor sich hergetrieben, weil er sich in die Hose gemacht hatte. An Ostern bekam ich als einziger keine Post und kein Päckchen von meinen Eltern, weil man ihnen gesagt hatte, das würde mein Heimweh nur verstärken. Ich wusste damals nichts davon und dachte, meine Eltern hätten mich abgeschrieben, denn sie haben sich die ganze Zeit über nicht gemeldet. Ich habe damals nicht eine nette Geste oder ein liebes Wort erfahren. Nach dem Mittagessen mussten wir immer auf der Terrasse in Liegestühlen in der prallen Sonne "schlafen". Ich war aber nicht müde und es war für mich unerträglich, mich nicht bewegen und nicht herumschauen zu dürfen, denn die Augen mussten geschlossen bleiben. Wenn nicht, gab es es wieder "Schimpfe" und Ohrfeigen. Die "Aufsicht" hat ganz genau aufgepasst, ob man die Augen auch wirklich geschlossen oder geblinzelt hat. Es war alles nur furchtbar. Ich kann mich an überhaupt nichts Schönes erinnern.
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caro schrieb am 11.08.2020
hallo zusammen, auch ich wurde mit ca. 8 jahren in ein solches heim verschickt. es müsste etwa 1975 gewesen sein und war in st. peter ording. dort sollte ich aufgepäppelt werden, da ich sehr klein und zierlich war. im grunde kann ich mich hier nur anschließen: zwang zum essen (widerliche morgendliche haferschleimpampe), die ich auch regelmäßig erbrach und dann durfte ich nicht aufstehen .. auch ans briefeschreiben erinnere ich mich, unsere briefe wurden ebenfalls zensiert und man musste neu schreiben, wenn man etwas negatives geschrieben hatte. ich war dort 6 wochen und wollte die ganze zeit nur nach hause. jeder tag war der gleich: in 2er-reihe (mit an den händen anfassen) durch die stadt rennen und sonst nichts. keinerlei schöne aktivitäten für kinder wurden unternommen. wir haben ein einziges mal (in st. peter ording!) das meer sehen dürfen. und wir durften nur ein einziges mal in der badewanne baden - das war am tag vor der abreise!! und ein einziges mal fernsehen (auch vor der abreise). anonsten war dort drill an der tagesordnung - so stellte ich mir eigentlich einen gefängnisaufenthalt vor. einziger lichtblick waren ein paar nette bekanntschaften, die ich auf meinem zimmer gemacht hatte und wir haben uns zusammen immer während des erzwungenen mittagsschlafes schlafend gestellt, damit die aufseherin nicht ausflippte. danach haben wir immer heimlich gekichert .. meist donnerte sie dann mit fürchtlerlichem getöse den gang entlang und drohte allen. falls jemand zur gleichen zeit ebenfalls in st. peter ording war und weiss wo das war würde ich mich über einen kontakt sehr freuen. ich glaube die anstalt hieß "dittmarsen" oder so, konnte aber bisher nichts finden. viele grüße caro .. ps ich erinnere mich an den namen einer leidensgenossin, den ich aber hier nicht veröffentlichen möchte. vielleicht gibt es hier einen anderen weg personen zu finden, die man von dort kannte?
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Nicole Christine schrieb am 11.08.2020
Pfeifferhütte in Schwarzenbruck, Mittelfranken 1976
Ich kam im Sommer 1976 als Sechsjährige für ca. 4 Wochen gegen meinen Willen in das Schullandheim, das auch als Erholungsheim für Kinder firmierte. Es war ein Ort der Gewalt. Das Haus, das ehemalige Jagdhaus von Nazi H. Göring, hatte 30 Betten. Seit 2012 steht es leer.
Ein Foto findet sich hier:
https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Nazi-Jagdhaus-koennte-Unterkunft-fuer-Fluechtlingskinder-werden-id31877532.html
Viele Gruesse und gute Gedanken für alle, NK
 
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Ute Mogl schrieb am 10.08.2020
Hallo, mein Name ist Ute. Ich bin in den 60igerJahren in Bad Kreuznach im Viktoriastift gewesen. Was soll ich schreiben, es war wie in einem Horrorfilm, wo ich ungewollt, die Hauptrolle gespielt habe. So hat sich mein Leben verändert, meine Kindheit, wurde mir dort hinaus geprügelt........ Wer war ca. 63 mit 6Jahren dort und hat dieses Matyrium miterlebt!?!?
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Rüdiger schrieb am 10.08.2020
Hallo!
Ich war mit meinem Bruder in Bad Sachsa im HAUS WARTEBERG(.?) Mitte Anfang 70er.
Unsere Finger wurden mit Gewalt auseinander gedrückt, um zu zeigen, dass wir noch so und so viele Brote essen wollen. Am Schlimmsten war der Haferschleim. Wer nicht auf aß bekam von köberich(?) mit einem Teelöffel auf den Kopf geschlagen.
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Stephan Franke schrieb am 10.08.2020
Ich war 1969 als 10 jähriger Junge 6 Wochen von der Barmer Ersatzkasse in einem Heim in Berchtesgaden am Fusse des Jenner. Es kann auch sein das es bei Berchtesgadener evtl Ramsau war, da wir oft am und um den Königssee unterwegs lange Spaziergang machten. Zu derzeit war ich starker Bettnaesser und hatte eine hartnäckige Neurodermitis. Ich kann mich gut an ständigen Hunger, schlagende, erniedriegende Erzieherinnen und sehr uebele Vorführungen am Morgen, wo dem gesamten Schlafsaal meine durchnaessten Bettlaken gezeigt wurden. Damit hätten ich natürlich auch den Spott aller Kinder an mir. Pakete meiner Eltern wurden einfach geöffnet und der Inhalt unter allen Kindern verteilt und meine Heimweh Briefe wurden zensiert bzw nicht abgeschickt. Das war eine schlimme sehr unglückliche Zeit mit vielen Tränen, die mein weiteres Leben stark beeinträchtigt hat mit fehlenden Selbstbewusstsein, Angsterkrankungen, Asthma, Neurodermitis und spaeter sogar Multipler Sklerose.
Meine Seele hat sich dort einen bleibenden Schaden abgeholt. Danke Barmer Ersatzkasse........
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Ursula schrieb am 10.08.2020
Das Heim auf Borkum war sicher das Adolfinenheim. Auch da konnte man ein Traumata erwerben. Strafen, weil man nicht zur vorgeschriebenen Zeit zum WC gegangen war, weil man ein Essen nicht aufgegessen hatte musste man stundenlang vor dem Teller sitzen. Weil man beim Schlafen nicht in die vorgeschriebene Richtung geschaut hatte, wurde man ohne Bettzeug auf einem Brett im Waschraum "deponiert" und so weiter ...... Schlimme Zeit.
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Biene schrieb am 10.08.2020
Guten Abend an alle Betroffenen, ich war im Alter von 7 Jahren für 6 Wochen in der Vorweihnachtszeit im Jagdhaus Dr. Staeckel in Weisel. Die Kinderärztin verordnete mir die Kur, da ich sehr häufig grippale Infekte hatte. Die Barmer Ersatzkasse suchte dann scheinbar für mich dieses Kurheim in der Nähe der Loreley aus. Auch für mich war das Erlebte traumatisch. Einfach in Düsseldorf von der Mutter in den Zug gesetzt und trotz flehen und weinen musste ich einsteigen und mich auf den Weg in das Kinderkurheim begeben. Vieles habe ich verdrängt oder vergessen, aber die Zeit war Horror. Ich habe dort begonnen wieder einzunässen und wurde dafür morgens vor den Kindern in meinem Schlafsaal beschimpft und man machte sich lustig über mich. Ich wurde damit bestraft, dass ich erstmal kein neues Bettzeug bekam. Der Umgang mit uns Kindern war hart und unfreundlich. Ich hatte so großes Heimweh, das ich jede Nacht geweint habe. Die Postkarten an meine Oma (existiert noch) und an meine Eltern, in denen ich mein Herz ausschütten wollte, wurde zerrissen und ich musste neue Karten schreiben und behaupten, dass es mir gut geht. 2 Pakete die ich bekam wurden unter den Kindern verteilt. Vielleicht kann ich hier die schlimme Zeit aufarbeiten und die Erinnerungen zurückholen. Ich würde gerne Kontakt zu anderen Betroffenen aufnehmen, die auch in diesem Kinderkurheim gewesen sind.
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Karin schrieb am 10.08.2020
ich war 1966 im Kindererholungsheim der deutschen Bundesbahn Marienstift in Marwang. Der Aufenthalt war der blanke Horror. Ich habe mehrere Tage immer das nicht aufgegessene Essen wieder auf den Tisch bekommen und es wurde auch immer von den Schwestern mit entsprechenden Kommentaren auf meinen Platz gestellt. Es durfte kein Kind mit mir sprechen, da ich böse war, weil ich das Essen nicht aufessen wollte. Ich wurde auch beim Spielen isoliert und mußte mich dann auch alleine waschen. nachts bekam ich die Arme in Röhren gesteckt, damit ich meine Fingernägel nicht abbeissen konnte. Wenn ich geweint habe, hat mich die Klosterschwester in den Schlafsaal gesteckt ich mußte dann in Unterwäsche dort bleiben bis sie mich wieder rausgelassen hat. Nachts haben die Schwestern kontrolliert, ob man schläft, wenn sie der Meinung waren, dass man nicht richtig im Bett liegt gab es eine Ohrfeige und man mußte dann zum Frühgottesdienst und für die Vergebung der Sünden bitten. Es gab für alles Strafen. Ich habe während der 6 Woche Kur 4 Kilo abgenommen. Meinen Eltern hat man erzählt, dass es an mir gelegen hat und ich ständig das Essen verweigert hätte. Wer mag schon altes Essen essen, dass tagelang vorgesetzt wurde. Es hat mir keiner geglaubt, wie grausam diese Klosterschwestern mit uns Kindern umgegangen sind.
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Winke, Klaus-Helmut schrieb am 10.08.2020
Wurde im Jahr 1960 und 1963 verschickt nach Wyk auf För im Marienhof gruselig was ich alles ertragen musste
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Hartmut Schatzer schrieb am 10.08.2020
Heute habe ich das erste mal von diesem Thema in der Öffentlichkeit (Radio) gehört und ich habe dabei Feuchte Augen bekommen.
Ich war glaube ich 1975 im Alter von 9 Jahren 6 Wochen im Weserbergland, wurde jeden Tag in der Mittagsruhe in einem ganz alten Badezimmer/Raum 2 Stunden eingesperrt und Verbal zu tiefst erniedrigt nur weil ich nicht schlafen wollte.
Ich fange gerade an mir Erinnerungen nach dieser sehr langen Zeit ins Gedächtnis zu rufen.
Ich habe das bis heute verdrängt, konnte auch in jungen Jahren nie mit jemanden darüber Reden. ( habe immer noch sehr feuchte Augen in diesem Moment )
Wenn ich die Berichte hier Lese war alles wie andere hier Berichten Parallel auch bei mir, Gott sei Dank aber keine Sexuellen Übergriffe.
LG Hartmut
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Sven Gögel schrieb am 10.08.2020
Hallo, ich war Zu DDR Zeiten mehrfach an der Ostsee ich leide heute immer noch an den Folgen bin jetzt 42 mehr kann ich nicht sagen weil ich sonst wieder agressiv werde .
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Alexandra schrieb am 10.08.2020
Hallo Zusammen,
durch Zufall habe ich heute die Dokumentation "Gequält, erniedrigt, drangsaliert" gesehen und mich dabei (leider) an meinen eigenen Kuraufenthalt erinnert. Ich war 5 Jahre alt und bin 1972 alleine nach Norderney für mindestens 4 Wochen verschickt worden, wohl weil ich so blass war. Zum Glück kann ich mich nur an Bruchstücke der Kur erinnern, doch die sind allesamt negativ. So wurde ich beispielsweise von älteren Kindern extrem drangsaliert. Vom Frühstück (es gab nur Suppen-artiges Frühstück, wie Haferschleim mit Brocken oder manchmal, an guten Tagen, auch Cornflakes) wurde ich rasch ausgeschlossen, da ich den Löffel zu voll nahm und somit plörrte. Als Strafe musste ich dann abseits mit einem anderen Mädchen Brot essen. Das wäre eigentlich gut gewesen, wenn da nicht dieses "Du kannst nicht essen, deshalb bestrafen wir Dich jetzt und stellen Dich für alle gut sichtbar an den Pranger" gewesen wäre. Die Eltern durften nicht anrufen, da die Kinder sonst Heimweh bekommen hätten. Irgendwie hat es meine Mutter dann doch geschafft, mich an meinem Geburtstag dort anzurufen. Das Gespräch war natürlich sehr kurz und fand unter Aufsicht statt. Der ganze Aufenthalt war einfach nur furchtbar und ich habe lange Zeit danach auch als Erwachsener ab und zu einen wiederkehrenden Albtraum gehabt, nämlich, dass ich in einem Reisebus mit vielen anderen Kindern zur Kur fahre und dass ich verzweifelt versuche, den Busfahrer zu stoppen, weil ich umkehren und nach Hause will. Tatsächlich vermischt sich hier Erinnerung und Vorstellung und ich bin mir nicht sicher, ob ich damals nicht genau das versucht habe zu tun.
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Sofia Jeltsch schrieb am 10.08.2020
Hallo zusammen,
Meine Schwester und ich,waren in den 80ern in einer sogenannten Kur auf Borkum. Wir waren kurz zuvor mit unseren Eltern aus der DDR vertrieben worden, ich litt lange an einer Boruliose. Dort sollten wir uns erholen. Wir beide leiden heute noch unter den traumatischen Erlebnissen dort. Es ist unfassbar, wie Erwachsene Menschen, kranke und belastete Kinder absichtlich erniedrigt, verängstigt und alleine gelassen haben. Ich muss heute mit fast 40 immer noch weinen, wenn ich daran denke. Ich wünsche euch allen, alles liebe,
SOFIA
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Kerstin Kolb schrieb am 10.08.2020
Leider weiss ich nicht mehr in welchem Heim ich war. Ich weiss nur, dass es auch im Schwarzwald war und auch viele Nonnen um uns herum waren. Die restliche Beschreibung kommt mir auch sehr bekannt/vertraut vor. Ich kam 1966 wegen Chronischer Bronchitis in so ein Verschickungsheim. Ich war 4 oder 5 (auf jeden Fall noch unter 6) deswegen fehlen mir die klaren Erinnerungen - nur dass ich nie nie wieder in ein solches Heim wollte und meine Eltern mir auch nicht geglaubt haben - und ich bis heute auch mit Angst- und Panikattacken, Depressionen usw zu leiden habe..
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Kerstin Kolb schrieb am 10.08.2020
ich war einmal in einem Verschickungsheim im Schwarzwald (ich war ca. 5-6 Jahre alt). Ich erinnere mich nicht mehr an viel. Aber an die Kälte, Lieblosigkeit und die weinenden Kinder im Schlafsaal und dass wir gezwungen wurden, Sachen zu essen, die wir nicht mochten. Auch wenn wir uns dann übergeben hatten. Und ich fing wieder an einzunässen und habe seitdem starke Konzentrationsprobleme, Depressionen uvm.. Vielleicht helfen mir die Beiträge und Reportagen, mich an noch mehr zu erinnern und in meiner Therapie aufzuarbeiten und somit - hoffentlich! - heilen zu können oder zumindest gut damit leben zu können...
PS: Leider kann ich mich auch weder an Ort noch den Namen des Heimes erinnern - aber vielleicht, wenn ich Bilder sehe oder über Recherche..
Woran ich mich aber noch genau erinnere: es gab regelmässig einen schwarzen Brei, der nach "Kacke" schmeckte - und so nannten die Kinder den Brei auch. Wir wurden gezwungen ihn zu essen was regelmässig zu Tränen usw führte, weil er uns reingezwungen wurde. Vielleicht errinnert sich ja noch Jemand daran...
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Sabine schrieb am 10.08.2020
War hier jemand auch im Kindersanatorium Schönblick in Berchtesgaden? Ich wurde 1977 mit fast 6 Jahren wegen Keuchhusten dort hingeschickt. Die Behandlungen (Inhalieren etc) blieben in angenehmer Erinnerung. In schlechter Erinnerung blieb die Zwangsfütterung mit von mir verhasstem Salat und nächtliches ans Bett gerufen werden, warum, weiß ich nicht mehr. Wir wurden erwischt und mussten zur Strafe im Flur stehen.
Auch an das anfängliche Heimweh kann ich mich erinnern. Nach über 40 Jahren erfahre ich, dass dieses Verschicken ohne Eltern damals wohl normal war.
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Petra schrieb am 10.08.2020
Hallo, ich war 1977 als 8 jährige im AWO-Kinderheim Albstadt-Onstmettingen. Auch hier gab es Essenszwang, Toilettenverbot und Bestrafungen, z.B. stundenlanges Sitzen in dunklem kalten Flur. An Namen von "Erziehern" kann ich mich nicht mehr erinnern. Es waren schlimme 6 Wochen.
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Ute Langenbein schrieb am 10.08.2020
Hallo, ihr Lieben, ich war im Jahr 1959, mit 9 Jahren, 6 Wochen im Kinderheim "Hans im Glück" auf Sylt. An diese Zeit habe ich nur schlechte Erinnerungen. Der Zwang zum Essen, damit die Kur "erfolgreich" ist, dabei handelte es sich meist um pampigen Brei. Die "Tanten" saßen auf erhobenen Plätzen und erhielten andere Speisen. Dann das Verbot, in der Nacht auf Toilette zu gehen. Auch ich habe mehr als einmal ins Bett gemacht und wurde dafür ausgeschimpft. Um dies zu vermeiden, habe ich versucht den abendlichen Tee nicht zu trinken, was natürlich nicht erlaubt war. Meine Mutter schickte mir ein Paket. Das wurde sofort konfisziert mit der Begründung, ich solle meiner Mutter schreiben, dies sei nicht erlaubt. Sie solle erst ihre Rechnungen bezahlen. Briefe nach Hause wurden zensiert. Bei schönem Wetter durften wir nur bis an die Knöchel ins Wasser, da das Salzwasser zehrt. Nur eine übergewichtige Heiminsassin durfte baden. Sie wurde von uns natürlich beneidet. Als Kind dachte, ich dass ich nie wieder nach Hause dürfte. Das Heimweh spüre ich heute noch.
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Sonja schrieb am 10.08.2020
Ich habe schon ein paar mal die Berichte von betroffenen "Kurkindern" gelesen und war mir nicht sicher, ob ich mich da einreihen kann. Leider habe auch ich nur sehr schwache Erinnerungen an meine "Kur" in Reinhardshausen bei Bad Wildungen, wo ich als ca. 6Jährige wegen Bettnässens hingeschickt wurde. Nur bruchstückhaft ist hängengeblieben:
- der große Schlafsaal, in dem sehr unbequeme Betten standen,
- jeden Tag MUSSTEN alle Kinder (!) Mittagsschlaf machen
- zum Frühstück gab es immer so eine komische Graupensuppe, die gegessen werden musste, ob man wollte oder nicht
- und im Nachhinein betrachtet kam man sich vor wie in einer Kaserne.
Am schlimmsten empfinde ich jedoch immer noch, dass ich über sechs Wochen keinen Kontakt zu meinen Eltern hatte und wir Kinder auch keinen Besuch von den Eltern empfangen durften.
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Manu schrieb am 10.08.2020
Hallo an alle
ich war auch mit meinem Bruder in einem Heim.Wir wurden getrennt,leider sah ich ihn nur selten.Ich kann mich noch an Haus erinnern..hatte einen Hof es hatte runde Ercker,Einen langen Gang der Essenssaal war mit langen Holzbänken und Tischen,links am Eingang zum Essenraum waren Regale mit Holzkisten.Ich weis noch das ich manchmal zu einer sehr lieben Frau im zweiten Stock gehen durfte mit ihr basteln.Die Schwestern waren sehr streng.Wachten Nachts ..mann musste schnell aufToilette und in Schlafsaal.Eins ist mi in Erinnerung ..hatte mal gelesen ...Schwester hats zufällig gesehen ..wurde dann verprügelt..zum Schluss gabs dann noch eine Backpfeiffe.Bin erleichtert,das es auch andere gibt. Ein weis auch noch..ich durfte morgens auch mal mit in die kahtolische Kirche.Ichglaube das ich auch im Allgäu war
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Ute Eckermann-Bobisch schrieb am 10.08.2020
Ich bin auch betroffen, allerdings war ich nicht in einem der Heime in Deutschland. 1959 wurde ich als 5jährige mit meiner Schwester, 7 Jahre alt, für 3 Monate in einen privaten Haushalt eines kinderlosen Ehepaars nach Schweden verschickt. Wir wurden in einen Bus voll Kinder in Hamburg ZOB verfrachtet, fuhren nach Kiel und weiter ging es mit dem Schiff nach Malmö und von da aus nach Göteborg. Hier wurden wir von dem Ehepaar abgeholt und fuhren in ein kleines Dorf in der Nähe der Stadt. Von der Fahrt bekam ich kaum etwas mit, habe während der ganzen Zeit geweint.
Wir hatten grosse Angst vor den Leuten, wollten weglaufen, wurden aber eingesperrt. Wir nannten die beiden Tant Ingeborg und Farbror Artur. Unsere Betten standen im Schlafzimmer der Gasteltern, ausserdem gab es ein Spielzimmer, was uns sehr verwunderte, sie hatten keine eigenen Kinder.
Sie hatten aber Jahre vor uns schon immer Verschickungskinder aus Deutschland aufgenommen.Zum Heimweh kamen Verständigungsschwierigkeiten, seltsame Rituale und Erziehungsmethoden und sexuelle Übergriffe, bis hin zum Missbrauch.
Wir durften nichts erzählen, sonst hätten sie uns nicht mehr nach Deutschland gelassen, so sagten sie uns.
Ich habe diese Zeit der Verschickung bis zu meinem 35zigsten Lebensjahr verdrängt, dann kamen die Erinnerungen und eine lange Zeit Psychotherapien. Ich litt an Depressionen, Angst- und Panikattacken. Schon in jungen Jahren musste ich Beruhigungsmittel nehmen und konnte nur mit Licht an schlafen.
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder versucht mehr über diese Schwedenverschickungen zu erfahren, es ist mir bis jetzt nicht gelungen. Ich weiss nur von meiner Mutter, dass das Jugendamt auf meine Eltern eingeredet hat. Meine Schwester litt an häufigen Kopfschmerzen und der Aufenthalt in Schweden wäre sehr heilsam....von wegen!  
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THORSTEN KRUPPKA schrieb am 10.08.2020
Hallo, ich war zweimal in "Klappholttal" auf Sylt, 1975 und 1976. Demütigungen, Schläge gab es leider. Gerade die Gruppe von uns Übergewichtigen hat es hart getroffen. Ich empfand den Brand im Jahr 2010 im ehemaligen Speisesaal als Quittung für die Demütigungen und Gewalt an uns. Ja, ich habe mich sogar gefreut. Ich habe nie wieder einen Fuß auf die Insel gesetzt.
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Christiane schrieb am 10.08.2020
Hallo,
heute habe ich einen Bericht über Verschickungskinder ( Focus online) gelesen.Alle Erinnerungen an die Kur in St. Peter Ording kamen hoch und die Tränen liefen. ( Ich wusste nicht, dass es mich nach 50 Jahren, noch so berührt) Mein Bruder und ich wurde dort hin geschickt. Schon im Zug ...wir waren mit anderen Kindern in einen Abteil ...fing alles an. Da haben wir uns vorgestellt und gelacht bis der Betreuer die Tür öffnete, seinen Gürtel von der Hose löste und einige Male mit den Gürtel mitten rein schlug und meinte, wenn wir nicht leise sind und still sitzen bleiben , dann wird der Gürtel uns das nächste Mal härter treffen. In der Kur selbst, ging es weiter. Wer das Essen nicht vertrug , musste trotz erbrechen den Teller mit dem Erbrochenen aufessen. Wer sich weigerte, dem wurde das Gesicht in den Teller gedrückt. Ein molliges Mädchen wurde im Garten untenrum nackt über ein Faß gelegt und wurde gehauen.... sie hatte ein kleines Stück Brot gegessen, was ihr nicht Zustand. Wir mussten zuschauen. Meinen Bruder durfte ich nicht in seinem Zimmer besuchen, als er krank war. Ich habe mich zu ihm geschlichen und er lag in dem Bett, völlig verängstigt. Briefe an die Familie wurden zensiert . Kinder, die am Strand zu laut waren, bekamen Sand in den Mund.Das Heim wurde wohl kurz danach geschlossen, dafür hatten unsere Eltern wohl gesorgt.
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Olly schrieb am 10.08.2020
Guten Tag,
ich hab heute Nachmittag im TV zum erstemal von Verschickungskindern gehört.
Jetzt weiß ich das ich mich auch so "betiteln" darf/kann/muß.
Für mich war ich einfach nur zur Kur, um selbständiger mit 9 Jahren zu werden.
Es war 1981 in Berchdesgaden irgendwo, mit Ausflügen zum Königsee inkl. Bootsfahrt, Salzburg und Salzbergwerk.
Ich weiß nur das ich die ersten Tage gelitten habe vor Heimweh. Geheult..... rund um die Uhr..
Ich denke aber das dies mit neun Jahren normal ist unter Fremden.

So habe ich nur positive Erinnerungen an den Aufenthalt, Essen, Zimmer, "betreungspersonal" etc.
Wir durfen im Herbst Äpfelpflücken und im Unimog mitfahren.
Wir waren viel draußen hinterm Heim am Spielen etc.
Ich hatte 2 Jungs als Freunde und ein Mädchen was mich mochte.
Ich bekam Post und Süßigkeiten von meinen Eltern.
Wir durften Fernsehen abends.

Meine Frage hier lautet wie folgt:
Ist möglich das ich mich nur an das Positive ( außer Heimweh) erinner will, und das Negative verdrängt habe?
Oder gab es auch Verschickungen die schlicht nix Schlechtes hatten?

Gibt es viele Kinder die positive Erinnerungen
haben?

LG Olly
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Henriette Steffan schrieb am 10.08.2020
Hallo zusammen! Ich war im Jahr 1971 oder 1972 in einer Einrichtung in Hofgeismar ( grob Richtung Kassel ), zusammen mit meiner Zwillingsschwester. Wir waren damals ca. 5 Jahre alt. Nachdem wir 6 Wochen vor Ort waren, konnte ich nicht mit den anderen Kindern im Bus nach Hause fahren, weil ich an Mumps erkrankt war. Meine Schwester ist dann ohne mich heim gefahren. Mich hat man in einen Krankenwagen verfrachtet und in eine Klinik nach Kassel gebracht. Weitere 14 Tage, erst in einer Isolierstation ohne Kontakt nach außen, dann mit anderen Kindern in einem Zimmer. Meine Eltern haben keinen Kontakt zu mir gehabt ( angeblich, weil die Ärzte damals davon abgeraten haben - wegen Heimweh und so weiter ). Als sie mich dann endlich irgendwann abgeholt haben, habe ich sie nicht erkannt. Sie kamen mir auf dem Flur des Krankenhauses entgegen und nur, weil meine Schwester dabei war, wusste ich, dass das meine Eltern sind. Ich habe aber viele Dinge, wie z. B. die Ankunft im Krankenhaus, die Untersuchungen usw. vergessen ( wahrscheinlich verdrängt )... Leider kann ich heute nicht mehr sagen, wie die Einrichtung dort hieß, aber vielleicht ist hier jemand, der auch dort war. Über das Einwohnermeldeamt in Hofgeismar bin ich auch nicht weitergekommen. Vielleicht geht ja hier etwas...
Seit damals kann ich sehr schlecht weg sein von zuhause ( habe das Gefühl, "du kommst nicht mehr heim" und weitere Beeinträchtigungen ).
LG Henriette
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Monika schrieb am 10.08.2020
Auch ich bin ein Kind der DDR, geboren 1950, und stamme aus einer Kleinstadt ca. 10 km südöstlich von Dessau. 1961 wurde ich in ein Kinderkurheim verschickt. Es ging vom Haupbahnhof Halle/Saale aus nach Wiek auf Rügen in das Kinderkurheim "Frohe Zukunft". Vieles ist bis heute in Vergessenheit geraten, aber eine Sache hat mich mein ganzes Leben lang begleitet.
Einmal wöchentlich wurden wir 11- jährigen Mädchen in einen Waschraum geführt, wo wir uns entkleiden mussten. Anschließend wurden wir mittels Schlauch mit kaltem Wasser abgespritzt. Ich hatte Angst davor und verzog mich in die hinteren Reihen. Als die Erzieherin das bemerkte, holte sie mich vor und ich erhielt eine Gratisdusche, sodass ich keine Luft mehr bekam und der harte Wasserstrahl meiner Haut weh tat. Das wiederholte sich in den folgenden Wochen. Bis heute ist es schlimm für mich, wenn mir beim Duschen versehentlich Wasser über das Gesicht läuft und Tauchen im Schwimmbad ist ganz unmöglich, da bekomme ich Panik.
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Micha schrieb am 10.08.2020
Ich war auf Fehmarn mit 6 Jahren 1969 eingeliefert worden.
Es war die Hölle.Wie im 3reichs Millitär.Die Leiterin war ca. 60.
Schlechtes Essen,6uhr Aufstehen,Mittagsschlaf zwang,alles Pünktlich!
kein Ausgang.Mamma und papa hatten mich velassen.
Habe erst nur geheult,dafür Schläge bekommen.
Habe jetzt Angststörung/Depession.Wer auch in dieser Kinderfolter
Außenstelle um die 1969 war bitte bei mir melden.Weil nach mir
wohl neue Leiterin an der ich evl.beteiligt war.
Gruß Michel
 
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B. Mühlen schrieb am 10.08.2020
Hallo Anne, ich war 1980 im gleichen Heim,stimmt mir der Post wieder war verdrängt
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B. Mühlen schrieb am 10.08.2020
Hallo, mir war bis vor ein paar Tagen gar nicht bewusst das wir so genannt wurden. Ich war 2 mal weg, 1x Langeoog, Datum usw keine Erinnerung.
2x Borkum, Sancta Maria Kinderkurheim vom 3.6.-1.7.1980. Da war ich gerade 9 Jahre geworden.
Die Kindertransport- Karte liegt vor mir.
Auf Langeoog war ich mit meiner Schwester zusammen, auf Borkum auch mit meiner Schwester aber getrennte Gruppen.
Mein Bruder war auch 1x weg, kam verängstigt zurück und hat sich immer unter dem Tisch versteckt, nach Erzählungen meiner Mutter.
Ganz ehrlich, ich kann mich an nicht viel erinnern.
Ich weiss auch nicht ob ich die Kuren vermische.
Kaltes abduschen nackt mit Wasserschlauch, Nagelhaut schneiden, Läusekämmen, essen bis zum erbrechen. Wenn man nicht war wie gewollt wurde dies unverzüglich gezeigt und vorgeführt.
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Katja Mutschelknaus schrieb am 10.08.2020
hallo - habe eben den Bericht im ARD Mittagsmagazin gesehen. Auch ich bin ein traumatisiertes Kinderverschickungskind mit schrecklichen Erfahrungen in Passau 1968. War zufällig jemand auch in diesem von grausamen Nonnen geleiteten Heim? Dann bitte bei mir melden - ich weiß den Namen des Heims nicht und möchte gerne weiter recherchieren. Lieben Dank und an alle sehr herzliche, solidarische Grüße, Katja
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Laslo schrieb am 10.08.2020
Hallo,
-
das Heim kenne ich, weil ich in den 90er Jahren dort als Erzieher gearbeitet habe:keine Nonnen mehr, doch irgendwo noch nicht ganz am Puls der Zeit, mittlerweile aber aufgelöst.
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Laslo schrieb am 10.08.2020
Hallo an Alle. Ich war mehrmals in einem Erholungsheim, darunter zweimal in Glücksburg (bei Flensburg). Es hieß St. Ansgar. Vielleicht kennt jemand dieses Haus. Ein schlechtes Beispiel war das Heim in Hirsau (bei Calw im Schwarzwald). Es wurde von Nonnen geleitet und ich wurde als sogenannter Ami-Bankert (mein Vater ist Amerikaner) diskriminiert.
In meiner Autobiographie habe ich darüber geschrieben. Jetzt möchte ich gerne Geschichten sammeln und vielleicht in einem Buch herausbringen.
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Anne schrieb am 10.08.2020
Ich war 1982 auf Borkum im "Sancta Maria". Das Essen war regelmäßig sehr knapp bemessen und ich bin regelmäßig abends hungrig zu Bett gegangen und das, obwohl ein Ziel der Maßnahme eine Gewichtszunahme war. Zur Toilette durften wir nur nach den Mahlzeiten gehen, also 3x am Tag. Selbstverständlich wurde die Post zensiert und uns wurde gedroht für den Fall, das wir etwa Negatives über die Kur in unsere Briefe schreiben. Es waren sechs Wochen ohne Spaß und mit viel Zwang und Drohungen.
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Angela Schiller schrieb am 10.08.2020
Hallo an Alle,
ich war als Achtjährige Mitte der 60er Jahre sechs Wochen in einem Kinderheim in Hogschür im Schwarzwald, ich glaube, es hieß Sonnental. Ich komme aus Schleswig-Holstein, schon die lange Anreise per Zug war kein Spaß. Im Heim durfte man nicht vor 8 Uhr (glaube ich) aufstehen und auch nicht auf die Toilette gehen. Wenn man dann ins Bett machte, gab es massiv Ärger. Mittagsschlaf war Pflicht und zwar total still, ich habe nie Mittagsschlaf gemacht, für mich war das furchtbar. Es gab komische Sachen zu essen, die bis auf den letzten Bissen verzehrt werden mussten, sonst saß man in der Küche, bis alles alle war, auch wenn das Stunden dauerte. Die Kunst war, nicht zu schnell zu sein, sonst gab es auch noch Nachschlag. Zum Beispiel trockenen Milchreis mit minimal Sauce, den ich bis heute nicht leiden kann. Briefe wurden zensiert, alle Post geöffnet. Alles, was von zu Hause an Goodies mitgekommen war bzw. weiter kam, wurde konfisziert und zugeteilt. Kontakt zu den Eltern gab es nicht. Man musste sich auch vor allen ausziehen und wurde gewaschen, das fand ich schrecklich, weil ich das nicht kannte. An kaltes Wasser erinnere ich mich auch und an einen alten Arzt, den ich total unsympatisch fand, der eine Art Eingangscheck machte. Einen Nachmittag mussten wir auf der Terrasse in der Sonne Mittagsschlaf machen und durften uns nicht rühren - wir waren alle total verbrannt hinterher. Die "Schwestern" verbreiteten ein reines Klima der Angst, ich glaube viele hatten ihre "Ausbildung" noch in der Nazizeit erhalten. Die Leiterin war am schrecklichsten, ein richtiger Drachen. Ich weiß noch, dass mir die Kleineren besonders leid getan haben, weil die sich gar nicht wehren konnten und besonders drangsaliert wurden. Meine Eltern haben mir natürlich kein Wort geglaubt, als ich davon erzählt habe. Ich dachte, die wollen mich loswerden und habe dann lange nicht mit Ihnen geredet. Ich bin Asthmatikerin und war damals sehr dünn, sollte zum Aufpäppeln dahin. Ein gruseliges Erlebnis, das lange Folgen hat. Unter anderen ein lebenslanger Widerstand gegen Institutionalsiertes und jede Art von Zwang. War zufällig jemand auch in diesem Heim?
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Klaus Dieter schrieb am 10.08.2020
Habe eben diese Seite entdeckt.
Ich war in den frühen 80er Jahren zur Kur in einem Heim auf Norderney. Ausrichter war die AOK.
Schläge bei vermeintlichen Fehlverhalten waren hier an der Tagesordnung. Wer nachts keine Ruhe hielt, musste teilweise eine Stunde auf den Flur in einer Ecke stehen.
Für mich das Schlimmste (da ich keine Milch mochte): warmen Kakao zum Frühstück, der getrunken werden musste - incl Haut! Es durfte nichts in den Tassen zurückbleiben.
Postkarten nach Hause wurden kontrolliert und wenn negative Dinge aufgeführt waren, wurden sie zerrissen und mussten neu geschrieben werden.
Telefonkontakt nach Hause während der sechs Wochen war nicht erlaubt. Zum Abschluss mussten alle gemeinschaftlich vom Taschengeld in einem Souvenier-Shop Andenken kaufen.
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Mara schrieb am 10.08.2020
Hallo Stephanie, ich war auch im Mai da, also sind wir uns vermutlich begegnet. Ich bin aber ein paar Jahre älter als Du und war mit Gleichaltrigen untergebracht. An die anderen kann ich mich auch nicht mehr erinnern.
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Mike schrieb am 10.08.2020
Hallo. Auch ich war als Kind (wegen Bronchitis) zweimal in solchen Einrichtungen. Das erste mal etwa 1966 in St. Peter Ording. Und dann noch mal 1970 in einem Haus irgendwo in Nordhessen. Beide male erinnere ich mich , dass das essen äußerst mies war. Vor allem bei der zweiten Einrichtung wurde man von den Betreuern dort auf brutale Weise gewzungen einen ekligen Brei auf zu essen. Das ging sogar soweit, dass ich das ganze erbrach und durfte dennoch nicht denm Speisesaal verlassen. Ich hatte stest Angst vor dem Gang in den Speisesaal und hoffte, dass es da Dinge gab, die ich essen mochte. Ich weiß noch dass ich dünner nach hAUSE kam. Meine Eltern wollten mir gar nicht glauben, als ich ihnen schilderte, wie es dort zuging. Ich hatte stest heimweh. Mein Schilderungen müsen jedoch so bleibenden Eindruck hinterlassen haben, dass ich in den Sommerfreien nie wieder verschickt wurde.
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A. Wegner schrieb am 10.08.2020
Ich war 1977 im Kinderkurheim Marianne in Obermaiselstein im Allgäu (bei Oberstdorf). Aufenthalt 6 Wochen. Organisiert durch die Barmer Ersatzkasse.
Essenszwang, Toilettenverbot, Demütigungen, Verschliessen aller persönlicher Gegenstände usw. hat den Aufenthalt zu alles anderem als Erholung gemacht. Endlich gibt es ein Forum, dieses Thema anzusprechen und aktiv zu werden.
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Stephanie schrieb am 10.08.2020
Hallo, ich war im Mai / Juni 1977 in Bad Sassendorf, mit 5 Jahren bei den "Schulkindern". Das mit dem Essen ist mir mit grünen Salat passiert. Ich durfte, wenn ich nicht aufgegessen hatte, kein "Lassie" gucken. Vielleicht sind wir uns begegnet? Ich habe jedoch keine Erinnerungen hinsichtlich Namen und Gesichter.
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Harald Heidrich schrieb am 09.08.2020
Harald.
 
Hallo liebe Mitbetroffene. Ich war als Kleinkind mit 5 Jahren nach Kinderkurheim Bad Soden Allendorf veschickt worden.Das war 1968.
Dort wurde ich mit dem Gesicht in das Erbrochene reingedrückt von der
Nachtwache.Habe auch noch einen Zeugen. Und den Namen der Täterin habe ich auch noch, weiß aber nicht ob sie noch lebt.
Mein Wunsch ist, daß wir eine Sammelklage starten nach amerikanischer Art und eine ordentliche Entschädigung rausholen.
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Mara schrieb am 09.08.2020
Ich war im Frühjahr 1977 zur Kur in der Kinderheilanstalt in Bad Sassendorf. Ich war damals 11 Jahre alt. Ich habe nur bruchstückhafte Erinnerungen an die Zeit, aber die sind nicht schön. Ich war untergewichtig und musste zunehmen. An jedem Tisch saß eine sehr strenge Erzieherin, die aufpasste, dass jeder seine Portion ungesunden, kalorienreichen Essens aufaß. Die Kinder, die abnehmen mussten, saßen an den Nebentischen vor ihren Salattellern und blickten hungrig zu uns herüber. Wenn man nicht aufaß, gab es Ärger. Einmal gab es Lebergulasch. Ich habe mich total geekelt und gefragt, ob ich das wirklich essen muss. Zur Strafe wurde ich in die Küche gebracht, wo mir das ganze übriggebliebene Essen aufgetan wurde und ich gezwungen wurde, alles aufzuessen. Im Schlafraum musste abends und während des Mittagsschlafes absolute Ruhe herrschen. Wer redete, durfte die ganze Nacht auf einem Stuhl sitzend im Waschraum verbringen. Briefe an die Eltern wurden zensiert bzw. diktiert. Bei den Mädchen wurden die Unterhosen kontrolliert. Die Erzieherinnen verstanden überhaupt keinen Spaß und machten zum Teil den Eindruck, als hätten sie sadistische Neigungen.
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Kirsten Sölter schrieb am 09.08.2020
Ich war ab Anfang Dezember 1968 mit 6 Jahren wegen meines Astmas und zum Zunehmen für 12 Wochen im Seehospiz Norderney. Die Leiterin hieß Schwester Hedwig.

An folgende traumatische Erlebnisse erinnere ich mich noch:
Die Briefe wurden geöffnet und zensiert. Pakete wurden auch geöffnet und die enthaltenen Süßigkeiten entnommen.
Man musste das Brot mit links essen, sonst bekam man - meist von hinten ohne Vorwarnung -eine Ohrfeige (Grund? wurde nicht genannt).
Die kalte Suppe und die Leberknödelsuppe waren ekelerregend.
Wir hatten eine Zeichensprache, weil wir uns in den Schlafräumen nicht unterhalten durften. Die Zeichensprache kann ich bis heute.
Ich wurde wegen meiner Kleidung von den Nonnen verhöhnt. Die Schuhe waren schwer zu schnüren, das dauerte lange und deshalb haben sich mich "Oma" genannt.
Fast täglich haben wir bei Sturm und Eis mehrstündige Wanderungen machen müssen - teilweise auf der Strandpromenade bei Sturmflut. Ich war oft total entkräftet und bekam in der Kur eine schwere Lungenentzündung.
Wir mussten alle in einer Wanne die Füße mit Seifenstücken waschen. Ich bekam davon schrecklich juckenden Fußpilz. Um das zu verbergen, wollten die Nonnen meine "KUR" verlängern. Habe mich nachts zum Telefon geschlichen und meine Eltern angerufen, dass sie mich rausholen. Dabei wurde ich erwischt und bekam den schweren Hörer an den Kopf geknallt. Meine Eltern kamen.
Oft mussten wir bäuchlings quer auf einem Bett liegen und fast bis zum Erbrechen Sputum aushusten, Dabei wurde uns minutenlang auf den Rücken geschlagen. Es tat sehr weh und hat nichts geholfen.

Die Spätfolgen dieser "Kur" waren verheerend. Ich hatte kein Selbstbewusstsein im Hinblick auf mein Äußeres mehr, ich war total abgemagert, ich hasse die Nordsee, die Kirche und Wandern. Ich kann mich nur noch schwer unterordnen, kann nicht mehr mit mehreren Leuten in einem Raum schlafen und ich meide Gruppenaktivitäten.

Nach meiner Rückkehr haben mir meine Eltern nicht geglaubt. Erst jetzt mit 58 (mein Vater ist 82) tut zumindest mein Vater es. Leider ist meine Mutter schon tot. Es ist sehr wichtig, dass darüber gesprochen wird. Vielen Dank Frau Röhl!!!!
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Veronika M. schrieb am 09.08.2020
Ich wurde im Sommer 1955 nach Pelzerhaken an der Ostsee verschickt und wurde dort 6 Jahre alt. von meinen Eltern bekam ich zum Geburtstag ein Päckchen mit Süssigkeiten und einem Brief. Der Brief wurde öffentlich im Seisesaal vorgelesen und die Süssigkeiten an alle verteilt. Damals habe ich geweint, jetzt weiss ich, dass es sozial ist. Meine Erinnerungen an den Aufenthalt in dem Verschickungsheim sind, dass alles sterng reglementiert war und Mittagsschlaf Pflicht. Die Mahlzeiten bestanden Morgens, Mittags, Abends jeweils aus einem Milchbrei und großen mit Zungenwurst belegten Broten. (Wir waren ja zum Aufpäppeln da). Milchbrei und Speisen waren für mich kein Problem, ass ich gerne, aber die Brote waren der Horror. Viele Kinder haben sich zu den Mahlzeiten erbrochen, manchmal schon, wenn sie in den Speisesaal kamen. Wer sich in seinen Teller erbrochen hatte, wurde gezwungen das aufzuessen. Es war grausam. Im Speisesaal gab es einen Schrank mit Spielzeug. Das durfte aber nie benutzt werden. Als wir Kinder mal alleine waren haben einige den Schrank geöffnet und Spielsachen herausgeholt. Das gab ein Donnerwetter. Wir wurden alle ins Bett geschickt. Ich kann mich an keine schöne Begebenheit während dieser Zeit erinnern nur Verbote, Gebote und Strafen. Es war alles schrecklich. Als ich erwachsen war haben meine Eltern gesagt, dass ich total verstört nach Haus kam und sie meine jüngeren Geschwister danach nie wieder verschickt haben.
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Bea schrieb am 08.08.2020
Man durfte seinen eigenen Kinder nicht besuchen ... das bedeutet, wir Kinder sind seinerzeit regelrecht als "Kurklinik-Eigentum" angesehen worden... Es ist erschütternd. Ich vermute stark, dies würden Eltern heute nicht mitmachen - aber zum Glück haben sich die Zeiten auch geändert. Als meine Tochter mit 3 Jahren mal ins Krankenhaus musste, wurde ich gebeten, doch bei ihr zu bleiben und habe ein Gästebett direkt neben ihrem Bett bekommen. Ich hatte es sowieso vor, die netten Ärzte sind mir aber zuvorgekommen. Man hat extra alles zu essen besorgt, was die Kinder jeweils gerne mögen. Und das war auch ein Kassen-Krankenhaus. Auch ältere Kindern hatten teilweise ihre Eltern neben sich, umso schneller wurden sie auch gesund.
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Franzisca Mackowiak schrieb am 08.08.2020
Hallo Ihr Lieben, und ich dachte immer, ich hätte mich nur so angestellt. Ich war mit 4 Jahren, also 1970, 6 Wochen auf Sylt wegen einer überstandenen Lungenentzündung. Es war schrecklich und ich war komplett verstört, als ich wieder kam. Hat jemand einen Tip, wie das Haus geheißen haben könnte? Ich erinnere mich an eine große Freitreppe, auf der wir in Unterwäsche die ganze Nacht stehen mussten, wenn wir nach dem offiziellen zu Bett gehen nicht gleich geschlafen haben oder nochmal auf die Toilette musste. Klingt komisch, aber bis heute muss ich immer auf die Toilette, wenn ich das Licht ausmache.
LG
Franzi
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Christiane Hofer schrieb am 08.08.2020
Hallo,
Vielleicht kann mir hier jemand helfen? Ich wurde ca 1973 im Alter von 5 Jahren nach Wyk auf Föhr verschickt und kann mich nicht mehr an sehr viel erinnern, auch nicht, welches Haus es war. Nur „Haus Möve“ kann ich noch erinnern und dass es von Nonnen geleitet wurde. Ich war die meiste Zeit todunglücklich und auf der Krankenstation untergebracht. Jahrelang hat mich ein bestimmter Geruch verfolgt, der mich immer in diese Zeit zurück versetzt hat. Das ist heute zum Glück weg. Kann mir jemand hier sagen, um welches Heim es sich gehandelt haben muss?
Viele Grüße Christiane
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Jürgen Wegener schrieb am 08.08.2020
Guten Tag. Ich war 1965, nach dem Tod meiner Mutter, im Bundesbahn Waisenhort in Lindenberg im Allgäu. Geführt von Nonnen, zu denen wir nur Fräulein sagen durften. Sie hatten eine sadistisch, bestialische Art um unsere kleinen Kinderherzen zu brechen. Bettnässer wurden verunglimpft, Kinder, die den Teller nicht leeraßen mußten mit Gewalt ihr Essen und das Erbrochene verzehren. Bei einem Rodelunfall hat sich ein Junge das Ohr am Stacheldraht abgerissen. wir haben wir wieder was von dem gehört... Zum Mittagsschlaf im riesigen Schlafsaal standen weit über 100 Feldbetten. Wir durften nur auf der rechten Seite liegen, damit wir uns nicht unterhalten konnten. Es gab Ohrfeigen und Beschimpfungen. Erst als erwachsener Mann bin ich dort mal wieder hingefahren und habe auf der Auffahrt zu diesem herrschaftlichen Anwesen schon stark gezittert. Eine Erfahrung, die man mir und anderen Kindern hätte ersparen sollen
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Kerstin T. schrieb am 06.08.2020
Kinder-“Kurverschickung“
 
Meine Schwester, Jg, 1961, war mit 5 Jahren für 4 Wochen nach Borkum verschickt worden.Wegen andauernder Mandelentzündungen. Es war wohl ein Haus der Caritas, so erinnert sich meine Mutter. Sie war ein ruhiges Kind, hat nie etwas davon erzählt zu Hause. In dem Jahr darauf musste sie 2x längere Zeit alleine im Krankenhaus sein – hier hat meine Mutter mitbekommen, wie sehr sie gelitten hat unter der Trennung. Meine Eltern durften sie nicht besuchen.
Als ich, Jg. 1963, dann mit vermutlich 4 oder 5 Jahren eine heftige Masern-Erkrankung hatte, riet die Kinderärztin meinen Eltern zu einer erneuten Kinder-Kur-Verschickung. Diesmal von uns beiden.
Leider habe ich fast gar keine Erinnerungen daran, meine Kindheit ist ziemlich ausgeblendet bei mir. Auch wohin wir verschickt wurden weiß ich nicht und meine Mutter kann sich nicht erinnern. Vermutlich, so meinte sie, irgendwo nach Bayern. Vier Wochen.
Meine fast einzige Erinnerung daran ist, dass sie meine Schwester und mich getrennt und in unterschiedliche Gruppen gesteckt hatten. Obwohl meine Eltern bei der Beantragung darauf bestanden hatten, dass wir zusammen bleiben sollen. Als ich sie auf einem Spaziergang dann mal gesehen habe, wollte ich unbedingt zu ihr, aber ich durfte nicht. Komische Bilder habe ich im Kopf, von einem großen Schlafsaal, in dem ich immer Angst hatte. Ausser „Peter“ hatte die Aufsicht. Keine Ahnung ob es den gab oder wer das war. Immer gesehen und fest vor Augen habe ich bei diesem Thema einen großen Tisch mit Einteilungen, wo die Wäsche sortiert gelagert wurde. Musste man wechseln, wurde das oberste der jeweiligen Kleidungsart vom Stapel genommen, d.h. man bekam nie seine eigene Kleidung, sondern irgendeine. Und das ich im Bett bleiben musste, wenn ich „böse“ war, während die anderen Kinder raus durften zum spielen. Mehr eigene Erinnerungen habe ich an diese Zeit nicht. Beschäftigt hat mich diese „Kur-Zeit“ jedoch schon sehr lange, denn meine Mutter erzählte irgendwann mal beiläufig, dass ich mich danach sehr verändert hatte.
Vor der Kur war ich wohl ein fröhliches und lebhaftes Kind, ein Mama-Kind zudem. Nach der Kur war ich total verängstigt und eingeschüchtert, so erzählt sie, habe mich nicht getraut, mir irgendetwas selbstständig zu nehmen (vom Tisch, oder ein Obst oder eine Süßigkeit etc.), habe immer verängstigt gefragt. Besonders betroffen war sie davon, dass ich sie nicht mehr mit Mama angeredet habe und beide Eltern mit „Sie“. Von Mama-Kind konnte keine Rede mehr sein.
Und woran sie schließlich endgültig gemerkt habe, dass in der Kur einiges „komisch“ gewesen sein muss war, dass ich noch lange Zeit danach meine Puppen ganz schrecklich verdroschen hätte. Dabei hätte ich die Puppen angeschrieen: „Wenn du jetzt nicht artig bist und weiter schreist, dann...“
 
Meine arme Schwester bekam nach den 4 Wochen Mumps und musste, so entschied die Einrichtung mit der Kinderärztin, noch eine Woche länger bleiben als ich. Um mich nicht anstecken zu können. Mutterseelenallein blieb sie in der Krankenstation, bis meine Eltern sie dann abholen durften.
Die Mumps habe ich dann trotzdem bekommen. Und meine Schwester hat nie etwas von der Zeit erzählt.
 
Die Beschwerde meiner Eltern bei der Kinderärztin…. Wer weiß schon, ob dies irgendeine Folge hatte.
 
Aufgearbeitet oder „geheilt“ haben unsere Eltern dies mit uns nicht. Sie waren selber noch so jung. Mit Schlägen strafen gehörte auch zu ihrem eigenen Erziehungsprogramm – da wird man schon was gemacht haben um das zu bekommen… .Verschickt haben sie uns danach jedoch nie wieder.
 
Geblieben sind mir davon heftige Verlassensängste bzw. Ängste, Jemanden verlieren zu können. Streitbar bin ich geblieben und bei Ungerechtigkeiten fahre ich aus der Haut. Aber lieben….mich selbst oder Andere? Ein schwieriges Thema. Und welchen Anteil dieser „kleine“ Abschnitt an meiner Depressionserkrankung hat...ich weiß es nicht.
 
Alles Liebe für euch, die ihr auch betroffen seid.
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Clara schrieb am 05.08.2020
Ihr Lieben,
ich war auch verschickt - 6 Wochen in Wittdün auf Amrum im Haus Kinderglück 1971. Wenn ich all die schlimmen Erlebnisse hier lese, hatte ich wohl wirklich Glück, außer an schlimmes Heimweh, ein an alle verteiltes Geburtstagspäckchen und eklige Blutwurstbrote erinnere ich nicht viel Negatives. Ich hab von damals ein Foto des Heims. Wenn jemand das zwecks Erinnern sehen möchte, schick ich es gern per Mail.
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Ilona Iwanowitsch schrieb am 04.08.2020
Ich war 1977 mit 6 Jahren für 6 Wochen in Bad Dürrheim. Welches der Heime dort, ob Luisenklinik oder das andere, weiß ich nicht mehr.
Ich habe (vielleicht zum Glück) keine sehr detaillierte Erinnerung daran (generell ist meine Kindheit irgendwie ein einziges schwarzes Loch mit nur wenigen Erinnerungsfragmenten).
Ich wurde dort hingeschickt, weil ich eine schlechte Esserin war und Bettnässerin.
Ich kann mich noch erinnern daran, dass man beim Essen sitzen bleiben musste, bis alles aufgegessen war. Dass man Mittagsschlaf halten musste und dabei mucksmäuschenstill sein musste. Die Betten für den Mittagsschlaf waren nicht die im Schlafsaal sondern ich erinnere mich vage an eine lange Reihe von Betten woanders. An die vielen Spaziergänge erinnere ich mich auch noch. Und dass es im Keller einen großen gefliesten Raum gab mit vielen Becken zum Baden. Wenn ich daran denke, kommt nur noch ein unangenehmes, ungutes Gefühl hoch.
Ich weiß nicht mehr, wie sie mich bestraft haben, wenn ich ins Bett machte.
Nur an eine Strafe erinnere ich mich noch ganz genau: Ich musste nur im Pyjama ohne Zudecke oder sonstiges in einer Art Umkleideraum auf einer harten Bank ganz alleine übernachten.
Ich weiß noch, dass ich großes Heimweh hatte, aber einem das abgesprochen wurde und keinen Trost oder Zuspruch in dieser Hinsicht bekam.
Inzwischen denke ich, dass dieser Aufenthalt mit dran schuld ist, dass ich auch heute noch psychische Probleme habe, wenig Selbstwertgefühl etc. Und vielleicht auch mit daran, dass ich während der ganzen Schulzeit Mobbingopfer war.
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Dagmar Schmidt schrieb am 04.08.2020
Hallo, bin hier heute "zufällig" gelandet. Ich bin als 6-jährige 1966 in Bad Rothenfelde zur "Kur" gewesen. Ich weiß bis heute nicht warum. Bin auch wohl alleine mit dem Zug an- und abgereist. Habe jetzt keine brutalen Erinnerungen, bin allerdings beim Lesen dieser vielen Kommentare und der Recherche nach Bildern von Bad Rothenfelde tief Traurig geworden und musste weinen. Den Namen des Heims kann ich nicht erinnern... auch wohl viele andere Dinge nicht. Evtl. war es ein evangelisches Haus. Erinnere mich daran, dass ich mit einem anderen, etwas älterem, Mädchen Sonntags immer in die katholische Kirche gehen durfte. Ein kleines Stück Freiheit. Es gab ein Badehaus mit großen braunen Badewannen und warmen, salzigem Wasser. Es gab auf jeden Fall eine liebe Schwester, die Gott sei Dank für mich? meine Gruppe? meinen Schlafbereich zuständig war. Als Kind konnte ich das alles nicht richtig einordnen... also musste mit mir etwas nicht stimmen, war ich nicht richtig, so wie ich war. Fühlte sich wie eine Strafe an, so lange und alleine von meiner Familie entfernt zu sein, 6 Wochen. Dieses Gefühl, nicht richtig zu sein, ist mir sehr, sehr lange erhalten geblieben und hat meinen weiteren Werdegang definitiv beeinflusst. Im Alter von ca. 45 Jahren habe ich eine therapeutische Aufarbeitung begonnen und heute geht es mir gut.
Unfassbar, so viele und sooo junge Kinder, sooo lange von den Eltern zu trennen. Da ist mit Sicherheit keines gesünder geworden, ganz im Gegenteil, diese Erfahrung hat uns allen eine psychische Wunde geschlagen.
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Cornelia Wimmer schrieb am 04.08.2020
Hallo,
ich bin ganz elektrisiert von der Nennung dieses Ortes, -
auch ich war in Friedenweiler, mit vier Jahren und ca. 11 Wochen lang. Als mein Vater mich brachte, kamen wir in einen Essraum mit brüllenden Kindern, ein Kind brüllte so, dass es sich erbrach, ihm wurde gesagt, es müsse aufessen oder sich zumindest neues Essen holen. - Auch ich wollte offenbar nicht essen; man hat mich mit Essen eingesperrt, bis ich aufgegessen hätte. Man hat mir gesagt es sei verständlich, dass mich meine Eltern nicht mehr haben wollten, so schrecklich wie ich sei. - Ich kann mich erinnern, dass ich abends immer bis zur Bettgehzeit am Fenster stand und wartete und die Scheinwerfer der kommenden Autos beobachtete und hoffte, man würde mich abholen. - Als man mir nach den 10 oder 11 Wochen eines Tages sagte, heute würden meine Eltern kommen und mich abholen, habe ich mit dieser Mitteilung zunächst nichts anfangen können.
Ich erinnere mich an eine einzige freundlich-sanfte Betreuerin. Sie lud mich immer wieder ein, mit an den Spieltisch zu kommen. - ich blieb aber am Fenster stehen.
Familiär ist überliefert, dass ich nach diesem Aufenthalt nicht mehr sprach, sondern nur noch flüsterte.
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2 Kommentare

  1. Liebe Evelyn, ich verstehe dich, aber wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, müssen belegen, dass es die vielen Betroffenen gibt. Dafür gibt es ja das Portal: ZEUGNIS ABLEGEN, da kann man ja sehen, dass es um viele Menschen geht, die dieselbe Erfahrung gemacht haben. Dafür gibt es unsere Fragebögen. Wir versuchen viel und kämpfen mit Argumenten. Und ein Denkmal ist ein Denkanstoß für viele Unbeteiligte und besser als in den Museen weiterhin nur Positives zu den Verschickungen zu lesen. Grüße, Anja

  2. Ich bin sehr entrüstet darüber dass es Menschen gibt die diese vielen Tatsachenberichte betroffener Kinder/ Menschen überhaupt anzweifeln oder versuchen ins lächerliche zu ziehen indem sie gegenteiliges behaupten oder diese Verbrechen abzumildern. Ich benutze absichtlich den Begriff ,,Verbrechen „, denn nichts anderes sind diese Taten und Missbräuche an Kindern bzw. in
    diesem Fall sogar schutzbefohlener Minderjähriger!!!
    Ich bin selbst betroffen und ich habe nun schon mein ganzes Leben mit den Folgen zu kämpfen. Ich bin seitdem einfach noch kränker geworden.
    Ich kann gar nicht nach Borkum fahren und mir Denkmäler begucken. Ich müsste mich übergeben wenn ich an den Ort zurückkehren müsste an dem die Weichen meines Lebens so verderblich gestellt worden sind.
    Hier wurden systematisch Kinderseelen zerstört mit negativen Auswirkungen
    für den Rest des gesamten Lebens.
    Was ??? frage ich jeden Einzelnen…was soll das wieder gut machen???
    Ich bewundere diejenigen die ihre Geschichte und die Geschehnisse
    in die Öffentlichkeit getragen haben und ans Tageslicht gebracht haben…
    Ich habe das Trauma mein ganzes Leben bis Heute nicht überwinden oder aufarbeiten können, trotz Therapien.
    Und…ich verachte diese Menschen die daher kommen und meinen sie könnten diese fürchterlichen Tatsachen, Verbrechen und Leid, einfach verharmlosen oder anzweifeln.
    Weiterhin bin ich der Meinung dass dieses ganze Land und dessen Regierung für diese Schande geradezustehen hat.
    Nicht wir die Betroffenen müssen um Anerkennung betteln!!!

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