Positive Erinnerungen an Kindererholungsheime, Kinderheilstätten und Kinderkurheime

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Titelbild Elternratgeber: Mit Kindern an die See, 1987

Es hieß 50 Jahre lang, die Verschickungen seien „das Beste“ für die Kinder gewesen, inzwischen haben sich aber mehr als 50.000 Betroffene mit Erinnerungen an Demütigungen, Angst und Gewalt bei der Initiative Verschickungskinder in einem Gästebuch und einem Fragebogen, in anderen Foren, sozialen Medienkanälen, auf Petitionen und auf Journalisten- und Wissenschaftler-Aufrufe gemeldet und man hat darin ein System immer gleicher Gewalt erzeugender Bedingungen in diesen besonderen, oft sehr abgelegenen Pflegeeinrichtungen, mit nur wenig ausgebildetem Personal, erkannt. Das ist auch wissenschaftlich, durch Aktenfunde belegt worden. Betroffene aus den Zeiten der Verschickungen, wo jedes Jahr 350.000 Kinder in diese Heime gefahren wurden, von etwa 1950 bis 1989 und noch aus manche dieser Einrichtungen, bis in die 90er Jahre, erinnern sich schmerzhaft an einen hartherzigen, angsterregenden Umgang mit ihnen, an Demütigungen und Gewalt in diesen weit abgelegenen Einrichtungen ohne Elternbesuchsrecht. Als wir begannen, uns dem Thema der traumatischen Erinnerungen von Verschickungskindern zu nähern, waren wir erstaunt über die zahllosen, überaus detaillierten Berichte von angsterfüllten Verschickungsaufenthalten und erlebter Gewalt. Kinder, meist unter 6 Jahren, wurden zu Hunderten allein, ohne ihre Eltern, über 6 Wochen, zwischen 1946 und 1990, in weit entfernt liegende Kindererholungsheimen und -Heilstätten aller Bundesländer verbracht. Erlebnisschilderungen darüber wurden uns ungefragt zugesandt und sammeln sich seither öffentlich auf unserer Webseite in unserem Gästebuch, 2776 (am 27.5.25) und anonym in einem Fragebogen, wo es schon weit über 15.000 sind, die ihre Geschichte unserer Webseite und selbstbestimmten Forschung zur Verfügung gestellt haben. Wir zensieren nicht, wir kürzen nicht, wir schalten nur frei und sammeln. Es sind Erinnerungs-Schilderungen von Demütigungen, körperlicher, seelischer und sexueller Gewalt und starken Angsterlebens. Diese Berichte sind zumeist von Menschen, die zum ersten Mal mit unserer Initiative in Kontakt kommen und erfahren, dass sie mit ihren schmerzlichen Erfahrungen nicht allein sind, sondern Teil einer sehr großen Gemeinschaft von Betroffenen. Oft ist dann der erste Impuls, das selbst Erlebte aufzuschreiben, Zeugnis abzulegen. Auch auf unserer Petition bei change.org gibt es über 49.000 Menschen, davon zahllose Betroffene, die in ihren Kommentaren von ihren eigenen negativen Erlebnissen berichten, dasselbe in zahlreichen facebookgruppen mit Tausenden von Mitgliedern.

Es ist also seit dem Beginn unserer Initiative immer deutlicher geworden, dass die Kinderverschickung System hatte und dass in ihr eine „Subkultur der Gewalt“ (Hans Walter Schmuhl (2023): Kur oder Verschickung: Die Kinderkuren der DAK zwischen Anspruch und Wirklichkeit, Dölling und Galitz, München, S. 249) herrschte. Alle bisherigen wissenschaftlichen Studien bestätigen, dass im Rahmen der Kinderverschickungen Gewaltbedingungen durch vielfältige institutionelle Ursachen gegeben hat.

Manchmal werden in den Berichten, die uns vorliegen, äußere Bedingungen als tröstend empfunden: Sommer und Strand, Wald und Berge, Festlichkeiten, Aufführungen oder gemeinschaftliche Aktivitäten wie Singen, Spielen und Wandern. Trotzdem gibt es auch bei solchen positiven Erinnerungen oft zusätzliche Erinnerungen an Angst- und Gewaltsituationen, die ihnen selbst passiert, oder die die betreffenden beobachtet haben. Wir wollen einen umfassenden Einblick in das Geschehen während der Verschickungen erhalten. Dafür sind auch positive Erinnerungen wichtig. Denn oft können sie zeigen, durch welche Zufälle Kinder getröstet werden konnten, und manchmal widerstandsfähiger und resilienter gegen die negativen Erfahrungen wurden, oft in der Art, dass sich ein kritisches Bewusstsein gegenüber Kindesleid entwickelte. Es reichte manchmal eine heimliche Freundin, eine mitfühlende Praktikantin. Das ändert aber nichts daran, dass die Bedingungen in bisher allen uns bekannten Verschickungsheimen, also Kinderheilstätten und Kindererholungsheimen mit 6-Wochenkuren, zu denen wir und inzwischen viele andere recherchiert haben, in ähnlicher Weise angsterzeugend und gewalterzeugend auf Kinder und Personal gewirkt haben. 50 Jahre lang war der Diskurs zu Kindererholungsaufenthalten durchgehend positiv besetzt, Heimbetreiber, Mitarbeitende dieser Institutionen feierten ihre eigenen positiven Erinnerungen. Sie tun das noch. Ehemalige Mitarbeiter kommen mit Fotoalben und zeigen lachende Kinderfotos herum, sie beschreiben, wie gut der Zusammenhalt der Mitarbeitenden untereinander war, oft erzählen sie, wieviel sie miteinander gelacht haben und wie fröhlich alles war. Wir als Betroffene ertragen solche Begegnungen und Erzählungen nur sehr schwer. Aus der gleichen Zeit, wo wir die schmerzhaftesten Erinnerungen in uns haben, erzählen sie vom Spaß, den sie untereinander und mit den Kindern hatten. Unseres Erachtens ein Zeichen für Abspaltung von traurigem Kindeserleben, dass sie damals übersehen haben und heute nicht wahrhaben wollen. Auch für das Fehlen von Empathie, für ein nachträgliches „Schönen“ dieser Zeit. Wir freuen uns über jede Mitarbeiterin, die ihre Zeit damals kritisch hinterfragt, oder die ihr damaliges Vorgehen gegen die Kinder bereut, solche Briefe erreichen uns, das bewegt uns tief. In Bädermuseen und Elternratgebern war man viele Jahrzehnte lang des Lobes voll, kritische Worte, wie etwa Eltern- oder Erzieherbeschwerden oder auch kinderärztliche Kritik wurden fünf Jahrzehnte von Heimbetreibern und Behörden nur wenig beachtet, sie wurden bagatellisiert und sogar bekämpft (Röhl, A. in Sozialgeschichte offline, 2022, Heft 31/2022, S.61-100Kindererholungsheime als Forschungsgegenstand. Erwachsene Zeitzeugenschaft am Beispiel eines Beschwerdebriefes im Adolfinenheim auf Borkum, auchonline verfügbar)

Nun, wo sich das erste Mal, nach 50 Jahren, die Betroffenen selbst zu Wort melden, brechen oftmals lange, nur im Privaten geäußerte Erinnerungen an Beschimpfungen, Schmerzen, Scham, Angst und Gewalt auf. Die Menschen beschreiben dabei detaillierte Szenen in Ess- und Schlafräumen und wissen noch, wo ihr Bett stand und wie an einem bestimmten Tag das Licht durch die Vorhänge fiel. Sie beschreiben Gerüche, an den Schlafsaal, den Waschraum, das Essen, Farben, gestochen scharfe Filmszenen ihrer traumatischen Erlebnisse und erleben dabei erneut tiefe Gefühle von Angst und Bedrohung. Andere haben schwere Körpersymptome und Alpträume, die sich durch bestimmte Fakten auf Verschickungserfahrungen zurückführen lassen. Sie alle erleben einen ungeheuren Kräftezuwachs aus dem Gefühl, nicht mehr allein mit ihrem Leid und nicht schuld daran gewesen zu sein, sie engagieren sich in gegenseitigem Austausch, in Beratung, Vernetzung und Recherche, sie streben an, mehr über diese Einrichtungen herauszufinden. Und haben es getan, die ersten Recherchen und Forschung zu diesem Thema kamen von Betroffenen.

Niemand sollte das Leid der Verschickungskinder, was sich seit 2019 zehntausendfach öffentlich geäußert hat, kleinreden wollen, kein einziger positiver Bericht sollte denjenigen, die als Kinder in diesen Einrichtungen gelitten haben, das Leid absprechen. Alle Menschen, die das Glück hatten, solches nicht zu erleben, sollten sich solidarisch zeigen.

Seit 2019 erstmalig tausende von Menschen ihre traumatischen Erlebnisse öffentlich gemacht haben, gab es keinen Sturm der Entrüstung von ebenso vielen Menschen, die es anders erlebt hatten, stattdessen brach eine Lawine von verzweifelten, schmerzhaften und angsterregenden, oft das ganze Leben bestimmenden schlimmen Erinnerungen sich Bahn, und nur sehr selten meldeten sich Menschen mit auch positiven Erlebnissen in der Verschickung. Diese wenigen positiven Erinnerungen von Menschen an Verschickungen, stehen in keinem Verhältnis zu den vielen Tausenden, die es traumatisch empfanden. Sie dürfen nicht dazu benutzt werden, diejenigen Erlebnisse zu relativieren, die von Leid berichten. Das passiert aber dadurch, wenn in einer Austellung über das Verschickungsleid 5 negative Erinnerungen, gegen 5 positive Erinnerungen gestellt werden, was suggeriert, dass das Verhältnis sozusagen „ausgeglichen“ war. Das bedient das alte Narrativ, was uns aus den Werbebroschüren der 60er – 80er Jahre entgegenschallt. Was seither herausgefunden wurde, ist aber etwas anderes: Der Alltag in den bisher untersuchten Heimen war objektiv für Kinder, aus vielerlei Gründen, sehr oft und über zahlreiche Einrichtungen verteilt, schädlich und traumatisierend. Jede schlimmen Erinnerung daran muss ernst genommen und ihr muss nachgegangen werden. Nicht im Kind liegt der Schlüssel, dass es zu „empfindlich“ war, oder aus einem schwierigen Elternhaus kam, sondern in den speziellen Bedingungen des Heimes, in dem dieses Kind gelitten hat. Strafbücher, Unterbesetzungs- und Überbelegungszahlen, Information über die Ausbeutung der Mitarbeiter, Jugendamtsbeschwerdeakten über den Mangel an Toiletten, Fachpersonal, das schlechte Essen, den mangelnden Spielraum, NS-Reliquien zu Vorstellungen von strafender Erziehung, in historischen Fachbüchern, sowie Beschwerdebriefe, und Erinnerungen damals erwachsener Zeitzeugen, sowie Belege für illegale medizinische Handlungen und pharmazeutische Testungen, zeugen davon, und belegen, dass die schmerzhaften Erinnerungen der Verschickungskinder keine Phantomgespenster sind. Keine positive Erinnerung kann und darf das relativieren. Das Forschungsziel muss heute, oft mehr als 50 Jahre nach den Taten, sein, die Ursachen und Bedingungen dieser Gewalt in den Einrichtungen der Kinderverschickungen, objektiv aufzuklären, allen Hintergründen nachzugehen und genaueste Analyse zu betreiben.

Anja Röhl, Christiane Dienel, für den AEKV e.V., dem wissenschaftlichen Begleitverein der Initiative Verschickungskinder e.V.

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Jutta Geilenkirchen aus Bonn schrieb am 22.07.2026
In aller Frühe brachten mich meine Eltern von der Eifel zum etwa 100
> Kilometer entfernten Bonner Hauptbahnhof. Der Abschied durfte nicht zu
> traurig ausfallen. Ich solle mich nicht so anstellen, hieß es.
> Immerhin sei es etwas ganz Besonderes, dass ich verreisen dürfe.
>
> Wohin ich fuhr und was mich dort erwartete, wusste niemand - auch ich
> nicht. Allein dieser Gedanke erscheint mir heute grausam.
>
> Meine Eltern fuhren während dieser Zeit in den Urlaub auf eine der
> englischen Kanalinseln. Als Kind konnte ich mir das nicht vorstellen.
> Während ich zu fremden Menschen geschickt wurde, machten meine Eltern
> Urlaub.
> Damals konnte ich das nicht begreifen. Ich verstand nicht, warum ich
> allein fortgeschickt wurde, während meine Eltern gemeinsam in den
> Urlaub fuhren. Dieses Gefühl des Zurückgelassenwerdens ohne jede
> Erklärung ist mir bis heute in Erinnerung geblieben.
>
> Natürlich waren die Zugfahrt und die Ankunft aufregend. Doch schon
> von Beginn an wurden sie von Strenge und Kontrolle bestimmt.
>
> Bereits beim Umsteigen und auf dem Weg zum Heim mussten wir - wie von
> diesem Zeitpunkt an immer - in Zweierreihen marschieren.
>
> Beim Essen durfte man nicht reden.
> Das Essen war ohnehin grauenhaft. Nichts schmeckte. Mittags gab es
> meist eine dünne Wassersuppe, in der vielleicht drei Möhrenstücke
> schwammen. Manchmal bekamen wir Brot dazu, manchmal etwas anderes, das
> ebenso wässrig und geschmacklos war. Nichts machte satt. Wir hatten
> ständig Hunger.
>
> Ich erinnere mich daran, dass ich einmal bis in den späten Nachmittag
> allein im Speisesaal sitzen musste, weil ich diese Wassersuppe nicht
> essen wollte. Ich sagte, das sei keine Suppe. Ausgerechnet ich bekam
> immer größere Portionen als die anderen Kinder, weil ich zunehmen
> sollte.
>
> Alles wurde überwacht.
>
> Mit den neu gewonnenen Freundinnen und Freunden durfte man nie
> unbeobachtet zusammen sein. Selbst wenn man glaubte, einen Moment für
> sich zu haben, stellte sich schnell heraus, dass man doch beobachtet
> worden war. Flüstern oder Kichern waren grundsätzlich verboten.
>
> Wir durften nicht an unsere Kleidung. Der Schrank wurde ein, max. zwei
> Mal in der Woche kontrolliert geöffnet und Kleidung herausgegeben.
> Im Schlafsaal durfte nichts Persönliches aufbewahrt werden.
>
> Tagsüber war der Schlafsaal grundsätzlich tabu - selbst dann, wenn
> man dort etwas beim morgendlichen Anziehen vergessen hatte, das man
> dringend brauchte. Lagern durfte man dort nichts. Das Vergessene war
> dann eben weg, verräumt worden.
>
> Briefe durften wir nur an einem Tag in der Woche schreiben. Sie
> durften nicht zugeklebt werden, weil sie kontrolliert wurden.
> Angeblich sollten darin „Fehler" korrigiert werden.
>
> Nach der ersten Briefschreibaktion erfuhren wir, was damit
> tatsächlich gemeint war: Es wurde kontrolliert, ob ein Kind etwas
> über das Heim oder das Personal geschrieben hatte, das aus Sicht der
> Heimleitung „nicht stimmte". Gemeint war jede Form von Kritik.
>
> Schon beim ersten Mal wurde ein Kind herausgegriffen. Sein Brief wurde
> im Speisesaal vor allen Kindern vorgelesen. Anschließend wurde das
> Kind öffentlich beschimpft und zur Heimleiterin zitiert. Wir hörten
> Schreie und Weinen. Danach war das Kind mindestens einen Tag
> weggesperrt.
>
> Leider schrieb dieses Kind später noch einmal etwas Kritisches.
> Wieder wurde sein Brief öffentlich vorgelesen, wieder wurde es vor
> allen bloßgestellt und diesmal für drei Tage weggesperrt. Wieder
> hörte man Schreie und Weinen. Anschließend musste es nach Hause
> fahren. Unter welchen Umständen das geschah, weiß ich nicht mehr.
> Ein anderes Kind wurde ebenfalls von seinen Eltern abgeholt.

Die Drohung als Bestrafung war täglich: falls wir aus welchem Grund auch immer abgeholt werden mussten, Heimweh, Fehlverhalten, z. B. "faslche Briefe", mussten unsere Eltern den gesamten Kuraufenthalt selbst zahlen, anstatt der Krankenkasse.
>

Immer wieder wurde uns als Strafe angedroht, dass unsere Eltern den gesamten Kuraufenthalt selbst bezahlen müssten, wenn wir vorzeitig nach Hause geschickt oder abgeholt werden müssten – etwa wegen Heimwehs, angeblichen Fehlverhaltens oder eines „falschen“ Briefes. Nicht die Krankenkasse, sondern unsere Eltern müssten dann die Kosten tragen.

Für uns Kinder war das eine große Belastung. Wir hatten Angst, unseren Eltern finanzielle Schwierigkeiten zu bereiten, und wagten deshalb oft nicht, etwas zu sagen.
Hilfe und Oder Trost haben wir nie erwartet. Wir hatten längst gelernt, dass wir zu funktionieren und zu gehorchen hatten.


> "Onkel" Uwe, der Bruder der Heimleiterin, kam zu den Spiel- und
> Strandnachmittagen. Beim Spielen, aber besonders bei den Spielen am
> und im Wasser, rutschten ihm ständig die Hände aus und fassten
> zufällig dorthin, wo es für uns Mädchen am unangenehmsten war, in
> die Bikinihose, in das Bikinioberteil, in den Hosenschritt, an die
> kleinen Brüste, die unter dem T-Shirt sichtbar und fühlbar waren...
> Wir empfanden diese Berührungen nicht als zufällig.
> Seine Schwester hat das gesehen und ekelhaft lächelnd gebilligt. Es
> war widerlich.
> Der ganze Typ war für uns ekelhaft, einer, den Kinder, besonders
> Mädchen in dem Alter, als unangenehm empfinden, ein "schmieriger"
> Typ.
> Wir Mädchen haben heimlich darüber geredet und wussten nicht, wie
> wir damit umgehen sollten.
>
> Uns war klar, dass das, was geschah, nicht in Ordnung war.
> Gleichzeitig wussten wir nicht, wie wir uns dagegen wehren sollten.
> Wir hatten erlebt, dass Beschwerden bestraft wurden. Deshalb schwiegen
> wir.
>
> Überhaupt herrschte in diesem Heim ein Klima der Angst. Wer einen
> vermeintlichen Fehler machte oder als ungehorsam galt, wurde
> angeschrien, vor allen anderen im Speisesaal gedemütigt und bestraft.
>
>
> Als ich wieder zu Hause war, glaubte mir niemand.
>
> Man sagte mir, das könne nicht sein. Dann hätten sich doch längst
> andere Kinder beschwert. Meine Eltern könnten doch nicht die Ersten
> sein, die dort nachfragen würden. Das sei alles Unsinn.
>
> Außerdem kenne man ja meine „blühende Fantasie". Ich sei ohnehin
> nie besonders brav gewesen, sondern eher kritisch und aufmüpfig. Da
> könne eine Bestrafung auch nicht geschadet haben und sei wohl
> berechtigt gewesen.
> Auch meine Berichte über die Übergriffe durch „Onkel Uwe" wurden
> nicht ernst genommen. Stattdessen wurde angedeutet, ich hätte ihn
> wahrscheinlich gereizt oder mich entsprechend verhalten. Mit 11
> Jahren!
>
> Und wenn alles wirklich so schlimm gewesen wäre, hätte ich ja
> darüber schreiben können. Meine Briefe seien schließlich immer
> positiv gewesen.
> Überhaupt hätte ich immer vergessen, den Rest der Familie zu grüßen.
> Das sei meinen Eltern sehr unangenehm gewesen.
> Die Kontrolle der Briefe und Karten haben meine Eltern gutgeheißen.
Kontakt Wunsch: Kontakt: Erwünscht
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2 Kommentare

  1. Liebe Evelyn, ich verstehe dich, aber wir, die wir in der Öffentlichkeit stehen, müssen belegen, dass es die vielen Betroffenen gibt. Dafür gibt es ja das Portal: ZEUGNIS ABLEGEN, da kann man ja sehen, dass es um viele Menschen geht, die dieselbe Erfahrung gemacht haben. Dafür gibt es unsere Fragebögen. Wir versuchen viel und kämpfen mit Argumenten. Und ein Denkmal ist ein Denkanstoß für viele Unbeteiligte und besser als in den Museen weiterhin nur Positives zu den Verschickungen zu lesen. Grüße, Anja

  2. Ich bin sehr entrüstet darüber dass es Menschen gibt die diese vielen Tatsachenberichte betroffener Kinder/ Menschen überhaupt anzweifeln oder versuchen ins lächerliche zu ziehen indem sie gegenteiliges behaupten oder diese Verbrechen abzumildern. Ich benutze absichtlich den Begriff ,,Verbrechen „, denn nichts anderes sind diese Taten und Missbräuche an Kindern bzw. in
    diesem Fall sogar schutzbefohlener Minderjähriger!!!
    Ich bin selbst betroffen und ich habe nun schon mein ganzes Leben mit den Folgen zu kämpfen. Ich bin seitdem einfach noch kränker geworden.
    Ich kann gar nicht nach Borkum fahren und mir Denkmäler begucken. Ich müsste mich übergeben wenn ich an den Ort zurückkehren müsste an dem die Weichen meines Lebens so verderblich gestellt worden sind.
    Hier wurden systematisch Kinderseelen zerstört mit negativen Auswirkungen
    für den Rest des gesamten Lebens.
    Was ??? frage ich jeden Einzelnen…was soll das wieder gut machen???
    Ich bewundere diejenigen die ihre Geschichte und die Geschehnisse
    in die Öffentlichkeit getragen haben und ans Tageslicht gebracht haben…
    Ich habe das Trauma mein ganzes Leben bis Heute nicht überwinden oder aufarbeiten können, trotz Therapien.
    Und…ich verachte diese Menschen die daher kommen und meinen sie könnten diese fürchterlichen Tatsachen, Verbrechen und Leid, einfach verharmlosen oder anzweifeln.
    Weiterhin bin ich der Meinung dass dieses ganze Land und dessen Regierung für diese Schande geradezustehen hat.
    Nicht wir die Betroffenen müssen um Anerkennung betteln!!!

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