ZEUGNIS ABLEGEN – ERLEBNISBERICHTE SCHREIBEN
Hier haben sehr viele Menschen, seit August 2019, ÖFFENTLICH ihre Erfahrung mit der Verschickung eingetragen. Bitte geht vorsichtig mit diesen Geschichten um, denn es sind die Schicksale von Menschen, die lange überlegt haben, bevor sie sich ihre Erinnerungen von der Seele geschrieben haben. Lange haben sie gedacht, sie sind mit ihren Erinnerungen allein. Der Sinn dieser Belegsammlung ist, dass andere ohne viel Aufwand sehen können, wie viel Geschichte hier bisher zurückgehalten wurde. Wenn du deinen Teil dazu beitragen möchtest, kannst du es hier unten, in unserem Gästebuch tun, wir danken dir dafür! Eure Geschichten sind Teil unserer Selbsthilfe, denn die Erinnerungen anderer helfen uns, unsere eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie helfen außerdem, dass man uns unser Leid glaubt. Eure Geschichten dienen also der Dokumentation, als Belegsammlung. Sie sind damit Anfang und Teil eines öffentlich zugänglichen digitalen Dokumentationszentrums. Darüber hinaus können, Einzelne, die sehr viele Materialien haben, ihre Bericht öffentlich, mit allen Dokumenten, Briefen und dem Heimortbild versehen, zusammen mit der Redaktion als Beitrag erarbeiten und auf der Bundes-Webseite einstellen. Meldet euch unter: info@verschickungsheime.de, wenn ihr viele Dokumente habt und solch eine Seite hier bei uns erstellen wollt. Hier ein Beispiel
Wir schaffen nicht mehr, auf jeden von euch von uns aus zuzugehen, d.h. Ihr müsst euch Ansprechpartner auf unserer Seite suchen. ( KONTAKTE) Wenn Ihr mit anderen Betroffenen kommunizieren wollt, habt ihr weitere Möglichkeiten:
- Auf der Überblickskarte nachschauen, ob eurer Heim schon Ansprechpartner hat, wenn nicht, meldet euch bei Buko-orga-st@verschickungsheime.de, und werdet vielleicht selbst Ansprechpartner eures eigenen Heimes, so findet ihr am schnellsten andere aus eurem Heim.
- Mit der Bundeskoordination Kontakt aufnehmen, um gezielt einem anderen Betroffenen bei ZEUGNIS ABLEGEN einen Brief per Mail zu schicken, der nicht öffentlich sichtbar sein soll, unter: Buko-orga-st@verschickungsheime.de
- Ins Forum gehen, dort auch euren Bericht reinstellen und dort mit anderen selbst Kontakt aufnehmen
Beachtet auch diese PETITION. Wenn sie euch gefällt, leitet sie weiter, danke!
Hier ist der Platz für eure Erinnerungsberichte. Sie werden von sehr vielen sehr intensiv gelesen und wahrgenommen. Eure Erinnerungen sind wertvolle Zeitzeugnisse, sie helfen allen anderen bei der Recherche und dienen unser aller Glaubwürdigkeit. Bei der Fülle von Berichten, die wir hier bekommen, schaffen wir es nicht, euch hier zu antworten. Nehmt gern von euch aus mit uns Kontakt auf! Gern könnt ihr auch unseren Newsletter bestellen.
Für alle, die uns hier etwas aus ihrer Verschickungsgeschichte aufschreiben, fühlen wir uns verantwortlich, gleichzeitig sehen wir eure Erinnerungen als ein Geschenk an uns an, das uns verpflichtet, dafür zu kämpfen, dass das Unrecht, was uns als Kindern passiert ist, restlos aufgeklärt wird, den Hintergründen nachgegangen wird und Politik und Trägerlandschaft auch ihre Verantwortung erkennen.
Die auf dieser Seite öffentlich eingestellten Erinnerungs-Berichte wurden ausdrücklich der Webseite der „Initiative Verschickungskinder“ (www.verschickungsheime.de) als ZEUGNISSE freigeben und nur für diese Seiten autorisiert. Wer daraus ohne Quellenangabe und unsere Genehmigung zitiert, verstößt gegen das Urheberrecht. Namen dürfen, auch nach der Genehmigung, nur initialisiert genannt werden. Genehmigung unter: aekv@verschickungsheime.de erfragen
Spenden für die „Initiative Verschickungskinder“ über den wissenschaftlichen Begleitverein: Verein Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung / AEKV e.V.: IBAN: DE704306 09671042049800 Postanschrift: AEKV e.V. bei Röhl, Kiehlufer 43, 12059 Berlin: aekv@verschickungsheime.de
Journalisten wenden sich für Auskünfte oder Interviews mit Betroffenen hierhin oder an: presse@verschickungsheime.de, Kontakt zu Ansprechpartnern sehr gut über die Überblickskarte oder die jeweiligen Landeskoordinator:innen
Briefe welche man nach Hause geschickt hat wurden vorher kontrolliert und je nachdem was drin stand gab es eine ins Gesicht. Haben die Eltern angerufen stand immer einer als Kontrolle daneben.
Es gab eine kleine Lichtung mit ein Bäumen, ich wollte immer dahin. Ich wurde angeschrien weil ich nicht mit zu dem Strand wollte.
Für mich war es die Fortsetzung von 1940 alte frustrierte Naziweiber welche alle ihre perversen Fantasien an den Kindern ausgelebt haben. Es hat sie ja auch keiner daran gehindert. Selbst wenn man es zu Hause nachher erzählt hat es wurde erst einmal nicht ernst genommen und später auch nicht. Meine Mutter hat mich Jahre danach einmal gefragt warum ich nicht zulasse das sie mir hilft. Das Vertrauen ist mit dem 6 monatigen Aufenthalt in Norderney zerstört worden und wurde auch nie wieder hergestellt. Selbst jetzt mit fast 60 wache ich manchmal nachts auf und das Herz rast und da ist nur eine große schwarze Wand. Ich mache extrem viel Sport und Yoga das hilft. Kinder und Tiere haben keine Stimme. Da ist wirklich was dran.
Schon direkt am ersten oder zweiten Tag, musste ich mich an Milchsuppe erbrechen und das Erbrochene erneut aufessen. Das wurde dazu von einer Betreuerin im ganzen Esssaal angesagt. Was über den Tisch oder auf den Boden gegangen war, musste ich selbst säubern.
Dann gab es das Verbot, nächtens auf die Toilette zu gehen. Ich wurde dabei erwischt, als ich das dennoch tat um nicht einzunässen. Zur Strafe musste ich den Rest der Nacht stehend im Bett verbringen. Am nächsten Tag machten alle Kinder einen Ausflug zum Drachenfels. Ich durfte zur Strafe nicht teilnehmen.
Ich kann mich ansonsten wirklich an nichts anderes, als diese Geschehnisse aus dem Aufenthalt dort erinnern. Auch nicht an etwas Schönes. Ich erinnere aber noch, das ich, meine Schwester wohl auch, fürchterlich geweint haben, als wir unsere Eltern wieder gesehen haben.
Meine Schwester hat so etwas nicht erlebt, kann sich aber erinnern, die Situation, dass ich mein Erbrochenes essen musste, mit angesehen zu haben.
ich bin durch Zufall auf diese Webseite gestoßen und sehr überrascht wie viele Menschen diese schlechten Erfahrungen machen mussten. Ich selber wurde mit 5 Jahren für 6 Wochen nach Borkum geschickt. Das Ganze wurde von der BEK organisiert. Ich bin zusammen mit einem anderen Kind von einer fremden Frau mit Bus und Bahn nach Emden gebracht. Dort wurden wir einer größeren Gruppe übergeben. Von der Kur selber weiß ich nicht mehr allzu viel. Nur noch das mir ständig langweilig war. Gefühlt haben wir kaum etwas gemacht. Eingebrannt haben sich bei mir lange schlaflose Nächte, in denen ich mir das Licht des Leutturms angesehen habe. Sehr viele Kimder haben ins Bett gemacht. Dazu weiß ich nur noch das es dann morgens Ärger gab und ich deswegen nachts die Matraze umgedreht habe. Hin und wieder gab es auch Ausflüge. Zum Kino, Wellenbad, an den Strand und einmal wurde ein Mega langer Spaziergang rund um die Insel gemacht. Dieser Spaziergang war viel zu lang und irgendwann konnte kein Kind mehr. Da das aber so schlecht organisiert war mussten wir den weg laufen.
Vielleicht gibt es ja noch jemanden der in diesen Zeitraum auf Borkum war.
An körperliche Misshandlungen erinnere ich mich nicht. Ich weiß aber, daß wir ab und zu zu einer Untersuchung in ein anderes Haus mussten. Um dort hin zu kommen, führte der Weg durch den Wald. Bei einer Untersuchung muss mir wohl ein Arzt unter den Rock gegangen sein, jedenfalls habe ich im Unterleib einen Schmerz verspürt.
Entweder vor oder nach diesem langen Aufenthalt dort war ich auch noch 2 mal in Lenzkirch bei Schwester Anne. ( Anna Völkle ) Dort war Essenszwang an der Tagesordnung und Kinder mussten ihr Erbrochenes wieder aufessen. Gottsei Dank hat mich das nie betroffen, aber ich habe es miterlebt.
Die Dauer war jeweils 6 Wochen. Ich war mit 7 Jahren an Hepatitis erkrankt und wurde nach dem Krankenhaus dorthin geschickt um mich zu erholen und zu kurieren. Ich kann mich noch genau an den liebevollen Umgang aller dortigen Betreuungskräfte gegenüber uns Kindern erinnern. Nach dem Frühstück wurde eine Liegekur mit Wärmflasche auf dem Bauch durchgeführt. Je nach Gesundheitszustand erhielten wir dann laufenden Schulunterricht aber nicht mehr als 2-3 Stunden am Tag. Nach dem Mittagessen wieder Ruhe.
Dann begann die schönste Zeit des Tages : ausgiebige Spaziergänge
in der Gruppe in die wunderschöne Landschaft mit weiten Feldern ...
Ich lernte dort alle Getreidesorten kennen und unterscheiden.
Während den Wanderungen sangen wir kindgerechte Lieder und waren
meistens sehr fröhlich. (außer dem Heimweh)
Einmal in der Woche kam nach dem Abendessen der "Kinomann" und führte einen Film vor.
Fazit: Die Fürsorge die ich dort als Kind erleben durfte wird mir immer
in Erinnerung bleiben !
Hallo ! Ich wurde Oktober 1972 für 6 Wochen nach Karlshafen verschickt.Ich war damals 10Jahre alt. Heute Nacht habe ich wieder davon geträumt, Wie ich eine ganze Nacht im Waschraum verbringen musste .Darauf hin habe ich heute Karlshafen eingeben und bin auf diese Seite gestoßen. Durch Träume merkt man halt das es viel zuverarbeiten gibt.Ich würde mich über einen Austausch freuen.Ich habe wohl einiges verdrängt.
LG Martina
Wir wurden zum Essen gezwungen, wer erbrach mußte es wieder aufessen, Post wurde kontrolliert und vorgeschrieben, Taschengeld veruntreut, im Bett verbleiben nach Einnässen, Kasernenhofdrill im Haus und auf Spaziergängen, Qurantäne in einem Isolierzimmerbei Krankheit ( ohne Gesellschaft über mehrere Tage). Sexuelle Belästigung in den Zwangsbädern im Kurhaus Bad Rothenfelde. Die Auswirkungen all dieser Maßnahmen kann ich nur vermuten. Ich habe sie bis zu diesem Aufruf vor einigen Jahren verdrängt. Ob ein Zusammenhang besteht zwischen meiner langjährigen Psychotherapie ( mit 25-30) und Beziehungsproblemen, läßt sich zwar vermuten, ist jedoch ob des Traumas und der Verdrängung nie zur Sprache gekommen. Ich hatte diese Kindesmißhandlungen in meinem Leben akzeptiert und immer geglaubt ich sei es nicht anders wert gewesen. Wahrscheinlich bin ich nicht zufällig eine gute Erzieherin geworden und arbeite heute, nach einer Umschulung, bei einem der Kostenträger für Rehabilitationsmaßnahmen.
Bin zufällig hierhin geraten und überrascht, dass ich da gar nicht so allein bin.
Schon der erste Beitrag kam mir sehr bekannt vor.
Habe immernoch eine Depression und momentan auch noch Herzklabastern, muss deshalb jetzt ins Bett.
Ich denke sehr ungern an die eiskalten frommen Frauen, die mich damals seelisch fertig gemacht haben.
Aber ich melde mich nochmal.
Im Überlebensfalle. ?
Bis dahin Kopf hoch, sie sollen nicht gewinnen!
Dirk aus Aachen
Zu Scheidegg möchte ich bemerken, dass ich mich fürchterlich vor der berüchtigten Puddingsuppe ekelte, die ich immer wieder als Zwischenmahlzeit aufgezwungen bekam ekelte. Ansonsten hatte ich kaum mit den Nonnen zu tun, da auch weltliche Krankenschwestern dort waren. Ich hatte "Glück im Unglück" als Ältere später im 4-Bettzimmer untergebracht zu sein und viel seelische und moralische Unterstützung durch Schwester Maria und Hanna zu bekommen, sowie ein paar Mädels die sehr zusammen hielten. Ansonsten wäre es wohl noch viel schlimmer gewesen. Insgesamt ist mein Faszit, dass ich später sehr große Schwierigkeiten hatte, ins normale Leben zurück zu finden und wohl auch sehr viel Ängste (auch unterbewusst) durch diese Maßnahmen wohl erst hatte und manchmal immer noch nachwirken.,,
Da ich meine erste Geschichte schon geschrieben habe, mit meinem ersten Verschickungsheim in Waldshut Stieg Unteralpfen folgt hier mein zweite, viel erinnerungen daran habe ich nicht, ich möchte gerne einen Aufruf starten.
Damals in den 70 jahre, kam ich mit meinem Bruder Gottfried Barth nach St.Peter-Ording für 6 wochen, ich weiß nicht wie das Haus hieß wo wir waren ich weiß nur noch das es nicht weit vom strand war und wir jeden Tag in den Dünen waren und eine Watt wanderung gemacht haben, drum bitte ich wer sich daran erinnern kann an eine tägliche watt wanderung ihr könnt euch gerne bei mir melden Ute Theil
Mein Name ist Ute, damals in den 60 igern gab es das noch das, das Gesundheitsamt in die Schule kam, als mann eingeschult wurde.
Mann bekam eine Salbe auf die Brust mit einem Pflaster, eine Woche später wurde nachgeschaut, bei demjennigen wo mann nichts sah der war gesund, bei die jennigen wo sich leichte pickelchen gebildet hatten, die mussten nochmal zum röntgen ins Gesundheitsamt,bei mir war das so.
Als wir ins Gesundheitsamt gingen stellten sie fest das ich leichte TBC hatte, als kam ich in die Kinderheilstätte Stieg Unteralpfen nach Waldshut.
Es war die schlimmste zeit meiner Kindheit.
Zuerst einmal wurde mann 5 Tage issoliert und musste in einem leicht abgedunkelten Raum bleiben, die Eltern durften die ersten 6 wochen nicht kommen, damit mann sich eingewöhnen konnte hieß es.
Nach diesen 5 Tagen kam ich in ein 4 Bett Zimmer, und durfte auch mit den anderen im Speisesall essen.
Nicht weit weg von der Kinderheilstätte, gab es einen Bauernhof von da wurde das Essen geliefert, hauptsächlich nur Kartoffeln und Milch, es gab also fast jeden Tag Kartoffeln, der wo nicht essen wollte musste so lange sitzenbleiben bis der Teller leer war meistens war es so das mann den ganzen Tag vor dem Teller saß, musste mann sich übergeben, hielten sie Mund und Nase zu das mann es wieder schluckt, blieb noch was vom essen übrig, bekam mann es den nächsten Tag wieder, das war auch der Grund das ich ab dieser zeit als ich wieder zuhause war keine Kartoffeln mehr gegessen hatte über Jahre hinweg nichtmal Pommes, und auch kein Apfelmus, denn das bekam mann auch jeden Tag,
Morgens beim Aufstehen traf mann sich im Waschraum wo Mädchen und Jungs zusammen waren, wir mussten uns ausziehen und waschen, wer sich geweigert hat, dem wurde mit einem stock auf den nackten Po geschlagen während alle ausenrum standen und zu schauten,
Einmal im Monat mussten wir zur Untersuchung, den Schlauch schlucken wie wir immer gesagt hatten, wir mussten draussen vor der Tür Schlange stehn bis jeder an der Reihe war, das war so schrecklich, ich dachte immer ich ersticke und war froh wenn es vorbei war.
Ich war 2 Jahre dort, meine Eltern kammen alle 2 oder 3 Wochen zu Besuch da gingen wir immer durch den Hotzenwald spazieren, aber ich durfte vom Heim nichts erzählen, das wurde vorher verboten da hieß es wenn mann was sagt wird mann ein Tag in ein dunkles zimmer gespeert also sagten wir nichts.
Meine Mutter hat mir bevor ich ins Heim musste neue Unterwäsche, Strumpfhosen und Klamotten gekauft, eine ganze Nacht saß sie da und hatte überall meinen Namen rein genäht, aber irgendwie waren dann alle sachen weg und ich bekam vom Heim Unterwäsche und Strumpfhosen, aber alles 1 oder 2 nrn zu klein, die Unterhosen schnitten mir ins Fleisch der Gummizug war zu eng.
Mittags mussten wir Mittagschlaf machen, das war ein großer Saal mit Britschen auf jeder Britsche lag ein brauner kratziger Teppich, wir mussten uns gerade hinstellen Arme nach unten, dann wurden wir eingewickelt und auf die Britsche gelegt, ob mann schlafen konnte oder nicht die Augen mussten wir zumachen 2 stunden lang.
Ich bekomme nicht mehr alles hin was alles passiert ist, aber diese Sachen sind immer noch nach 50 jahren in meinem Kopf geblieben.
Ich weiss nicht ob jemand in dieser zeit auch dort war, wenn es aber so ist und du fast das gleiche erlebt hast wie ich würde ich mich freuen wenn du dich meldest ich bin in Facebook zu finden unter dem Namen........Ute Theil
Ich kann mich noch daran erinnern das man sich anstellen musste wenn man auf Toilette wollte.
In eine Reihe ..
Morgens gab es immer Salzwasser zu trinken.
Die eine Frau hatte Brille und war sehr streng. Ich habe keine Erinnerung mehr welches Haus das war.
Ich erinnere mich, dass mich meine Mutter fragte, ob ich wegen meiner häufigen Bronchitis an die See verschickt werden möchte. Sie sagte, ich könne jeden Tag an den Strand gehen und mit anderen Kindern spielen und das wäre sehr schön. Sie sagte aber auch das unser Hausarzt Zweifel an den Heimen angesprochen hatte. Ich wollte natürlich mit 7 Jahren dort hin. Ich wurde mit vielen anderen Kindern und einem Schild um den Hals in einen Sonderzug gesetzt. Später gab es eine Überfahrt mit der Fähre auf der vielen Kindern schlecht wurde (mir nicht nur von dem Geruch).
Ich hatte sehr viel Heimweh und habe mich komplett abgekapselt. Ich habe mir überlegt, wie ich dort weglaufen könne, um nach Haus zu kommen. Ich wollte immer an den Gleisen entlang laufen, so konnte ich mich nicht verlaufen. Dann fiel mir ein, dass ich auch Boot fahren müsste und mir war klar, dass ich die 6 Wochen durchhalten musste.
Die Tage liefen alle gleich ab. Das Leben war dort für die Kinder streng, fast militärisch geregelt. Dadurch wurden auch die Kinder voneinander isoliert, so dass z.B. Unterhaltungen fast nicht möglich waren und freies Spielen gar nicht. Wecken, Zähne putzen, anziehen, in Zweierreihen zum Frühstück in einen gemeinsamen Essensraum. Es gab Müsli mit Apfelschalen drin. Das mochte ich gar nicht. Es sollte aber alles aufgegessen werden. Das hat mir meine Mutter nicht geglaubt. Dann sind wir z.B. in Zweierreihen durch Wyk gelaufen und an den Strand gegangen. Wir mussten uns ausziehen und in Badekleidung auf ein Trillerpfeifenkommando in das Wasser laufen. Erst bei zweimaligem Pfeifen durften wir wieder aus dem Wasser kommen. Auch dies hat mir meine Mutter nicht geglaubt. Ich konnte noch nicht schwimmen und hatte Angst. Auf einem der Wyk-Gänge wurden wir angehalten uns ein kleines Souvenir zu kaufen, um etwas mit nach Haus zu bringen. Wir haben auch gemeinsam Schuhe geputzt oder gemeinsam Briefe an unsere Eltern geschrieben. Ich konnte noch nicht gut schreiben. Mir wurde ein Text vorgegeben. Briefe der Eltern wurden abends am Bett vorgelesen. Dann wurde Mittag gegessen (abends gab es meist Reste des Essens von mittags). Anschließend sollten wir schlafen. Wir durften uns nicht unterhalten. Wenn festgestellt wurde, dass wir nicht schliefen mussten wir im Flur an der Wand stehen. Ich stand da mehrfach. Ich wurde auch einmal an das Bett gebunden und später wurde mir damit gedroht, wenn ich nicht ruhig wäre. Wir durften in der Mittagszeit nicht auf die Toilette gehen, was dazu führte, dass auch ich ins Bett gepinkelt habe und ich musste dann meine Hose waschen.
Ein Mageninfekt ging in der Zeit rum, der auch mich erwischt hat und ich musste mich erbrechen und wollte zur Toilette laufen, auf dem Flur standen aber die Pflegerinnen und ich habe mich nicht getraut an ihnen vorbei zu laufen und hatte bereits Erbrochenes im Mund bis mir eine von ihnen sagte „nun lauf schon“.
Vor dem Abendessen wurden Volkslieder gesungen. Der Teil des Tages gefiel mir am besten. Nach dem Abendessen mussten wir uns ausziehen und wurden zur Abhärtung vor einer Wand kalt abgeduscht.
Insgesamt war ich unter den vielen Kindern sehr einsam dort und habe enormes Heimweh gehabt. Interaktion mit anderen Kindern wurde unterbunden. Ich weiß, dass ich nach ein paar Tagen des Erbrechens (Infekt) im Bett lag und von einer älteren Pflegerin mit gesalzenem Haferschleim gefüttert wurde und dies als Zuwendung genossen habe. Es gab nie einen Körperkontakt. Außer abends, da wurde uns im Bett vor dem Einschlafen die Hand gegeben. Das waren für eine 7 jährige 6 sehr lange und sehr einsame Wochen. Ich wollte da nie wieder hin.
Silke
damaligen Hausarzt, Herrn Dr. Rellensmann konsultierte, der seine Praxis zu damaliger Zeit in
Herne, meiner Geburtsstadt in Nordrhein-Westfalen hatte. Bei der ärztlichen Kontrolle wurde bei
mir eine starke Annemie diagnostiziert, durch die ich an Appetitlosigkeit, dadurch an Untergewicht
und sehr starker Blässe litt.
Meine Eltern folgten dem Rat meines damaligen Hausarztes und schickten mich zu einem
sechswöchigen Kuraufenthalt in ein Kinderkurheim, das sich im hessischen Bad Orb befand. Zu
damaliger Zeit war ich gerade 6 Jahre alt. Was ich während dieses langen Aufenthaltes im
wahrsten Sinne durchleben musste, war die reinste Hölle und wirkt sich bis heute auf mein Leben
aus. Denke ich an diese Zeit zurück, tauchen auch heute noch die Bilder von damals in mir auf.
Ich wurde 1963 geboren und bin 59 Jahre alt konnte die traumatischen Erlebnisse aber erst mit
dem Abschluss meiner Psychotherapie verarbeiten, der ich mich bis Mitte diesen Jahres unterzog.
Es war das Jahr 1969, als ich mich eines Tages in Begleitung meiner Eltern befand, die mich zum
Bahnhof von Herne begleiteten, um mich einer älteren Dame zu übergeben. Es war ihre Aufgabe,
mich als Betreuerin nach Bad Orb, in das Kinderkurheim zu begleiten. Als sie sich von mir
verabschiedete, begann die Hölle auf Erden für mich.
Der Empfang durch eine ältere Dame, an die ich mich noch recht gut erinnern kann, war alles
andere als warmherzig und freundlich. Mit schroffen Worten befahl sie mir ihr zu folgen und führte
mich in ein großes Zimmer, in dem mehrere einfache Betten mit weiß lackiertem Eisengestell in
regelmäßigen Abständen zueinander aufgestellt waren. Völlig allein musste ich so lange in
diesem nicht beheizten und beleuchteten Zimmer warten, bis alle andere Kinder, (bis zu 10
Kindern), eingetroffen waren. Die Begrüßung wurde wieder von der älteren Dame mit einer
absoluten Gefühllosigkeit durchgeführt. Bei meiner genaueren Betrachtung dieser älteren sehr
schlanken Dame stellte ich mir wirklich vor, eine Hexe vor mir zu sehen.
Sie trug eine Nickelbrille, hatte ihr Haar sehr streng zu einem Dutt frisiert, trug eine weiße
Kittelschürze und wirkte alles andere als freundlich. Es sollte sich in den nachfolgenden Tagen
und Wochen heraus stellen, dass sie sich tatsächlich wie eine Hexe uns Kindern gegenüber zu
benehmen verstand. Nach einer mehr als sehr frostigen lieblosen Begrüßung, mussten wir Kinder
uns in Zweierreihen auf dem Flur, vor dem Zimmer aufstellen, wo bereits mehrere sogenannte
“Kindertanten” wie sie sich selbst zu betiteln verstanden, warteten. Sie standen in Reih und Glied,
ebenfalls in weißen Kittelschürzen auf der anderen Seite des Flures und beobachteten jedes
einzelne Kind sehr streng mit argwöhnischen Blicken.
Einige Kinder waren in ihrer Natürlichkeit etwas lebhafter als ich und begannen miteinander zu
sprechen. Wie erschrocken wir Kinder waren, als die ältere Aufseherin, (ich kann sie nicht anders
bezeichnen) laut schreiend uns Kindern verbot miteinander zu sprechen, kann man sich wohl
lebhaft vorstellen. Während des Gangs in den Speiseraum wagte sich seit diesem Zeitpunkt kein
Kind mehr mit einem anderen Kind zu unterhalten. Für die Einnahme der Mahlzeiten blieb uns
Kinder nur eine halbe Stunde. Die Kinder, die während dieser Zeit ihre Mahlzeit nicht vollständig
einnehmen konnten, mussten mit dem Essen aufhören, um sich mit der gesamten Gruppe in den
zugewiesenen Schlafsaal zu begeben.
Während des Rückmarsches zum Schlafsaal und besonders während der zwangsweise
verordneten einstündigen Ruhephase, war es uns Kindern ebenfalls verboten, auch nur ein Wort
zu sprechen. Sobald ein Kind es sich dennoch wagte, dieser unnatürlichen Maßregelung zu
widersetzen, erhielt harte Prügel und musste danach das eigene Bett in den Flur schieben, um
getrennt von allen anderen Kindern zu ruhen.
Nach der zwangsweisen Ruhephase hieß es sich in aller Eile anzuziehen, um sich auf dem Flur
vor dem Schlafsaal, erneut in Reih und Glied aufzustellen. Ein zweistündiger Spaziergang war
der nächste Tagesablaufpunkt. Für das Ankleiden blieb uns Kinder nicht mehr als eine viertel
Stunde. Sobald es ein Kind nicht schaffte, sich in dieser kurzen Zeit anzukleiden, erhielt es erneut
harte Prügel von Seiten einer der sogenannten “Kindertanten”.
Es ist kaum zu glauben, dass es uns Kindern sogar während des gemeinsamen Spaziergangs
nicht gestattet war, zu spielen oder uns zu unterhalten. Sobald das geschah, drohten erneut harte
Prügelstrafen. Wie ich es später bei der Bundeswehr erlebte, hatten sich alle Kinder in Reih und
Glied in Zweierreihen vorwärts zu bewegen. Begleitet wurden wir dabei von zwei “Kindertanten”,
(eine vor der Gruppe, eine hinter der Gruppe), die uns erneut während der ganzen Zeit wie
Strafgefangene argwöhnisch beobachteten.
Besonders kann ich mich an eine sehr skurrile Szene erinnern. Eine junge Betreuerin war
charakterlich nicht wie alle anderen Betreuerinnen geprägt, sondern eher von der lockeren,
lustigen Art. In einem Moment, in der sie sich unbeobachtet fühlte, wagte sie es, sich mit einigen
Kindern zu unterhalten und sogar mit ihnen einige Hüpfspiele durchzuführen. Was dann geschah,
habe ich bis heute nicht vergessen. Sie wurde nach dem alltäglichen Spaziergang der älteren
Aufseherin regelrecht vorgeführt. Vor der ganzen Gruppe aller Kinder wurde sie plötzlich von der
älteren Aufseherin laut und sehr harsch angebrüllt, was sie sich denn erlauben würde, den
Anweisungen der alten Aufseherin zu widersetzen. Seit dieser Zeit veränderte sich auch diese
freundliche “Kindertante” sehr zu unserem Nachteil.
Unser militärische Tagesablauf wurde immer wieder von sogenannten medizinisch notwendigen
Anwendungen unterbrochen, an die ich mich ebenfalls bis heute sehr gut erinnern kann. So
unglaublich es für manche Leser*innen auch erscheinen mag, kann ich mich sehr gut daran
erinnern, dass jedes einzelne Kind sich völlig entblößen musste, um von einer weiteren
Kindertante mit Hilfe eines normalen Gartenschlauchs mit eiskaltem Wasser geduscht zu werden.
Eine weitere Anwendung war die wöchentliche Gymnastikstunde in einer etwas weiter entfernten
Turnhalle, zu der wir erneut zu Fuß marschieren mussten, wie gewohnt, mit absolutem
Stillschweigen. Endlich, so glaubte ich konnte ich mich einmal völlig frei bewegen und fiel dem
Gymnastiklehrer dadurch auf, dass ich als Bester alle gymnastischen Übungen ausüben konnte.
Doch was dann geschah, verstehe ich bis heute nicht.
Eine der “Kindertanten” hatte uns zu dieser Gymnastikstunde begleitet. Von Anfang an fiel mir
diese “Kindertante” dadurch auf, dass sie äußerst gehässig und über alle Maßen missgünstig
war. Nachdem unsere Gruppe das Kinderkurheim wieder erreicht hatte, mussten wir uns wie
gewohnt, vor dem Schlafsaal in Reih und Glied auf dem Flur aufstellen. Plötzlich trat diese
gehässige “Kindertante” vor mich, um an meinen Haaren sehr kräftig und für mich äußerst
schmerzvoll zu ziehen. Dabei äußerte sie sehr hämisch die Worte, dass ich doch mal springen
solle, so wie ich es zuvor bei der Gymnastikstunde getan hätte. Ich habe das boshafte laute
Lachen aller Kinder die in meiner Reihe standen, heute noch in den Ohren. Doch damit nicht
genug.
Einfach unfassbar, dass diese gehässige, unfreundliche Aufseherin mir obendrein noch zu
verstehen gab, dass ich wegen meines unerlaubten fröhlichen Auffallens keinen Nachtisch, nach
der Einnahme meiner Abendmahlzeit erhalten würde. Seit diesem Zeitpunkt wurde ich täglich von
dieser unfreundlichen Person gehänselt, beleidigt, verhöhnt und verspottet. Doch ich war nicht
der Einzige, dem so zugesetzt wurde.
Einige Mädchen hielten es nach einigen Tagen nicht mehr aus und fielen in einen Weinkrampf.
Ungeachtet dieser Notsituation der damaligen Kinder, betrat die alte Aufseherin den Schlafsaal,
um diesen weinenden Mädchen mit lautem Gebrüll, dass sie sich zusammen zu reißen hätten,
mehrere harte Ohrfeigen. Weil diese armen Mädchen verständlicherweise sich in keiner Weise
getröstet fühlen konnten, wurden sie in ein anderes Zimmer verlegt und durften fortan nicht mehr
mit den anderen Kindern in Kontakt kommen. Einige Tage später schienen sich die Mädchen
beruhigt zu haben, so glaubten wir Kinder damals. Heute weiß ich, dass sie in ihrer Persönlichkeit
gebrochen waren. Ich erinnere mich noch sehr gut daran beobachtet zu haben, dass sich diese
Mädchen wie Marionetten hinfort bewegten, darüber hinaus ihre Mimik wie erstarrt schien und es
den Anschein hatte, als hätten sie keinerlei Emotionen mehr.
Es war an der Tagesordnung, dass es für die kleinsten Vergehen, sehr harte Prügel gab. Der
Entzug von Essen oder das Separieren einzelner Kinder von der gesamten Gruppe wurden für
alle anderen Kinder so selbstverständlich, dass die gesamte Gruppe nach über drei Wochen es
als vollkommen selbstverständlich hinnahm. Außerdem, welche Möglichkeit hatten wir Kinder
denn schon, um gegen diese ungerechten Behandlungen vorgehen zu können, vor allen Dingen
so weit entfernt von unseren Eltern.
Wie es in der Reportage zur Sprache kam, war es unseren Eltern tatsächlich untersagt worden,
ihren Kindern Karten oder Briefe schreiben zu dürfen. Besonders schlimm war es zumindest für
mich, nichts von meinen Eltern erhalten zu haben, obwohl ich während meines Aufenthaltes in
diesem Kinderkurheim Geburtstag hatte. Mit fortlaufender Zeit bemerkte ich eine Zunahme einer
Traurigkeit, wie ich sie vor der Verschickung nicht gehabt hatte.
Es verging keine Woche, in der wir nicht den Kinderarzt aufzusuchen hatten. Wie es bereits in
der Reportage dokumentiert wurde, erhielt auch ich immer wieder Medikamente in Form von
Tabletten und einigen Spritzen. Was mir noch in Erinnerung geblieben ist, dass ich nach einem
dieser zwangsweise verordneten Besuche, eine gewisse Lethargie verspürte. Egal, was um mich
herum geschah, ich nahm es nur noch beiläufig wahr, ohne dass es mich wirklich berührte.
Was mir ebenfalls nachhaltig in Erinnerung geblieben ist, dass ein Junge mit einem anderen sich
des Nachts sehr leise zu unterhalten verstand. Jede Nacht saß eine “Kindertante” auf einem
Stuhl vor der geöffneten Tür des Schlafsaals. Kurz nachdem beide Jungen es gewagt hatten, sich
miteinander sehr leise unterhalten, entfernte sich die Wache vor dem Schlafsaal. Wenige Minuten
später erschien die alte Aufseherin im Schlafsaal mit einem nassen Handtuch in der Hand, um
auf beide Jungen wie wild so hart einzuprügeln, dass sich beide vor Schmerzen in ihren Betten
krümmten. Wenige Augenblicke später wurden die Betten dieser beiden Jungen in denen sie
noch wimmernd vor Schmerzen lagen, auf den Flur gezerrt. Alle Kinder konnten das Herz
zerrreißende Schluchzen dieser beiden Jungen vernehmen. Ungeachtet dieser mehr als
bedenklich zu bezeichnenden Situation, erschien die alte Aufseherin mehrmals, um weiterhin auf
beide Jungen so lange zu schlagen, bis diese vor Angst zitternd, keinen Ton mehr von sich gaben.
Endlich, nach 6 Wochen war meine Tortur zu Ende. Abermals wurde ich von der älteren Dame
am Eingang des Kinderkurheims abgeholt und nach Hause begleitet, letztendlich meinen Eltern
zugeführt. Bis heute ist es mir in Erinnerung geblieben, dass es auch meinen Eltern aufgefallen
war, dass ich gegen all ihrer Erwartungen, ihnen absolut still und in mich gekehrt erschien. Wieder
zu Hause in der elterlichen Wohnung angekommen, war es mir plötzlich unmöglich, mich ohne
Anstoßen an den Türrahmen, von einem in ein anderes Zimmer zu begeben. Mehrmals verlor ich
die Kontrolle über meinen Körper und fiel zu Boden, da mich unerwartet, immer wieder ein
Schwindelgefühl erfasste. Im Gegensatz zu anderen Kindern, später als Jugendlicher fühlte ich
in mir eine Traurigkeit und vor allen Dingen ein Gefühl des Misstrauens, wie es nicht als normal
zu bezeichnen ist.
Durch die Reportage über die damals durchgeführte Kinderverschickung,
auf die ich durch meine Frau hingewiesen wurde, kamen alle alten Bilder über die eigenen
Erlebnisse wieder hoch. Heute sehe ich mich in die Lage versetzt, darüber in aller Neutralität
berichten zu können. Vor wenigen Monaten oder gar Jahren wäre das nicht möglich gewesen, da
ich mich aufgrund des Missbrauchs in meiner eigenen Familie, dieses über mehrere Jahrzehnte
hinweg, nicht in der Lage sah, dies zu erzählen. Über den Missbrauch in der eigenen Familie,
über einen so langen Zeitraum hinweg, habe ich ein Buch geschrieben, dass durch einen
christlichen Verlag veröffentlicht wurde. Der Titel dieses Buches lautet:
Der Weg eines Erzdruiden und gewinnt eine immer größere interessierte Leserschaft. Wie es
bereits in der Reportage zur Sprache kam ist, so glaube ich, nun die Zeit angebrochen, dass
manche Vergehen seitens sogenannter Erziehungsberechtigten den Kindern und Jugendlichen
gegenüber in den 60er- 70er- bis in die 80er Jahre hinein, nun endlich ans Tageslicht kommen.
Dass diese Vergehen nicht mehr rückgängig gemacht werden können und absolut
unentschuldbar sind, steht außer Zweifel. Was aber wichtiger denn je ist, besonders für die
nachfolgenden Generationen in einer neuen Ära der Menschheitsgeschichte, dass viel mehr
Menschen von derlei Vergehen erfahren müssen, um hierdurch gewappnet zu sein, gegen eine
Wiederholung gleichwertiger Vergehen. Und je mehr Menschen sensibilisiert werden, bezüglich
einer Misshandlung oder einer Vergewaltigung von Kindern und / oder Jugendlichen, umso
größer die Möglichkeit, präventiv gegen derlei Unmöglichkeiten vorgehen zu können.
Außerdem bestand Essenszwang. Ich kann mich noch gut an die irgendwie nach Medizin riechende Marmelade zum Frühstück erinnern, die aus einem Pappeimer auf den Tisch kam.
Ansonsten habe ich die restliche Zeit wahrscheinlich gut "verdrängt", denn ich kann mich an weitere Einzelheiten überhaupt nicht erinnern. Ich kann auch nicht mehr sagen, wie lange ich dort war.
Viele Erinnerungen hab ich leider nicht mehr.
Die Antwort meiner Mutter war für mich sehr erschütternd, Sie meinte nur zur ersten Frage, „Das war damals IN!“ Mehr hat meine Mutter dazu nicht gesagt.
Das schlimmste allerdings war, dass mir jahrzehntelang eingeredet wurde, ich hätte das nur geträumt oder erfunden.
Meine damalige Erzieherin, ich war ja zu dem Zeitpunkt noch im Kindergarten, hat mir mal erzählt, dass Sie sehr erschrocken war als Sie mich nach der Kur wieder gesehen hat.
War ich vorher ein fröhliches, aufgewecktes Kind, so war ich danach still und verschlossen.
Auch das „Einnässen“, welches vor der „Kur“ aufgehört hatte, war nun wieder da!
Kurz vor Ihrem Tod hat meine Mutter sich bei mir entschuldigt!
Nun zur „Kur“:
Im Alter von 6 Jahren wurde ich im April 1978 für 6 Wochen in ein Kinderheim in St. Peter Ording in „Kur“ geschickt….
Wir waren zu 8 Jungs auf einem Zimmer, alle in meinem Alter.
- Essenszwang
Es gab jeden Tag entweder Milchreis oder Grießbrei und dieser mußte aufgegessen werden, selbst wenn man sich zwischendurch erbrechen mußte. Das hat dazu geführt hat, dass ich bis zum heutigen Tage weder Milchreis noch Grießbrei essen kann. Meine Frau und meine Kinder lieben beides und ich könnte weglaufen, wenn ich das nur rieche.
-Verbot auf die Toilette zu gehen
Wenn man nachts aufs Klo musste, dann hatte man ein Problem. Es war „STRENGSTENS VERBOTEN“ des Nachts aufs Klo zu gehen. Es gab eine Nachtwache und sollte man erwischt werden, so mußte man die ganze Nacht bei Ihr auf dem Zimmer bleiben und es gab den ganzen nächsten Tag nichts zu essen und durfte auch nicht mit den anderen Kindern spielen. Übrigens auch nicht allein. Es gab einen Stuhl, auf dem man den ganzen Tag sitzen und aus dem Fenster auf den Spielplatz schauen mußte.
Die Alternative war ins Bett zu machen, und das war noch schlimmer. Es gab dann auch nichts zu essen und außerdem mußte man das eigene Bett machen, das Zimmer komplett durchwischen und durfte auch nicht mit den anderen Kindern spielen.
- Schlafzwang
jeden Mittag ca.2 Stunden Mittagschlaf, ob man wollte oder nicht. Außer man ist in der Nacht zuvor erwischt worden auf dem Klo oder dem weg dorthin, dann saß man ja am Fenster. Ansonsten lag Ich oft einfach regungslos da, weil ich Angst vor Bestrafung hatte.
Ich habe viel geweint und unsägliches Heimweh gehabt.
Es wurde vorgeschrieben welche Sachen man anzuziehen hatte, einmal habe ich mich erdreistet und eine andere Jacke aus meinem Kleiderschrank angezogen…. Das Resultat war wieder der Stuhl am Fenster.
- Post wurde geöffnet o.ä.
Meine Freunde und auch meine Familie haben mir diverse Briefe und Pakete geschickt. Leider ist nur ein Brief angekommen und von den Paketen habe ich erst nach meiner Rückkehr erfahren.
- Koffer
Mein Koffer wurde von den Schwestern gepackt und leider wurde die Hälfte der Sachen nicht eingepackt. Das viel auch erst zuhause auf und mir wurde auch hier nicht geglaubt das ich den Koffer nicht gepackt habe…
Es fällt mir nicht leicht das hier alles schreiben, da ich vor lauter Tränen nichts mehr sehe.
Ich würde das ganze gerne vergessen, bin aber auch dankbar dafür, dass ich hier meine Geschichte erzählen kann, da ich ja Jahrelang geglaubt habe, ich hätte das tatsächlich nur geträumt.
Aber die Geschichten der anderen hier sagen mir, das ist wirklich alles so passiert!
Im Schlafraum hatte ich einen Bettnachbarn, der mir immer die Postkarten weggenommen hat (Nachts, heimlich) welche mir meine Eltern gesendet hatten. Ich konnte noch nicht lesen deshalb waren auf den Postkarten Modelleisenbahnen zu sehen ( hatte eine Eisenbahnplatte) die er offensichtlich auch interessant fand. Als ich die Karten verteidigte Leuchtete mir die Nachtwache mit einer Taschenlampe ins Gesicht und ich durfte die ganze Nacht wach in der Ecke stehen. Am nächsten Morgen musste ich dann mit wandern oder ich sollte mich am aufräumen beteiligen. Ich durfte nicht auf Toilette und sollte mich sofort mit auf den Weg machen. Ich hab dann natürlich alles in der Hose gehabt. Es war so peinlich. Das ist meine Erinnerung, wenn ich an dort denke. Ich war 5 Wochen dort. Habe erst viele Jahre später mit meinen Eltern darüber gesprochen.
dies ist mein 2. Versuch, der 1 erste hat nicht geklappt
ich war im März 1982 über meinem 6. Geburtstag im Haus Hamburg in Bad Sassendorf und habe nur sehr wenig bis gar keine Erinnerungen
Ich kann mich dunkel an die Zugfahrt von Würzburg nach Bad Sassendorf erinnern
wir waren ein Abteil mit Kindern (6-8 ?) und eine Aufpasserin
Ich sollte zunehmen auf der Kur (bis heute habe ich mit Übergewicht zu kämpfen)
am ersten Abend wurden wir in die Bottiche mit Salzwasser gesteckt, und ich hatte ein Pflaster auf der Wange, dies wurder runtergerupft und wurde ins Salzwasser getaucht.
ich kann mich noch an bestimmte Telefonzeiten erinnern, einmal ist meine mutter erst danach durchgekommen und ich wurde vom Abendessen? geholt und durfte mit Ihr telefonieren das ist das einzige Telefonat an das ich mich erinnern kann
ich kann mich daran erinnern wie ich im Speisesaal mein Geburtstagspäckchen ausgepackt habe, was darin war habe ich vergessen.
Ich kann sehr viele Sachen bis heute nicht essen, ekel mich davor
Auch kann ich keine Tabletten schlucken.
Jeden Tag mussten wir MIttagsschlaf halten
Ich kann mich noch an die Zimmer erinnern und weiß noch das ich am Fenster geschlafen habe.
Es waren lange Gänge und jedes Kind hatte einen Schrank.
Unterwäsche gewechselt wurde 1 x die woche, als ich dies meiner Mutter erzählt habe, glaubte sie mir nicht.
Laut meine mutter hätte es mir so gut gefallen das ich jedes Jahr auf kur wollt (kann ich mir nicht vorstellen)
Da sowohl meine Mutter und auch meine Tante in den50er bzw 60ern mehrfach auf Kur waren, und es angeblich schön war, glauben Sie mir beide nicht., bzw heißt es war halt damals so.
Viellecht finde ich auf diesen Wege jemanden der zur selben Zeit da war,
Wir waren Mädchen und Jungen im Alter von 6 bis 10 Jahren. Ich erinnere mich, dass es zum Frühstück häufig mit Grieß angedickte Milchsuppe gab, von der ich vor lauter Hunger bis zu vier große Teller gegessen habe. Am Tisch hatte Disziplin zu herrschen, der Tischälteste war dafür jeweils verantwortlich. Insgesamt war das Essen mäßig. Es wurde uns ganz offen mitgeteilt, das Heim müsse eben günstig Sonderangebote einkaufen, um Geld zu sparen.
Während der Ruhezeiten am Nachmittag waren das Sprechen und zur-Toilette-gehen ebenso verboten wie nach dem Lichtausschalten am Abend. Wir fürchteten die Nachtwache, meist eine unempathisch wirkende Ordensschwester (alle mit „Tante“ anzusprechen), die im Flur hinter einem Tisch saß und aufpasste.
Welche Freude, als ein Osterpäckchen von meinen Eltern eintraf! Das nahm man mir gleich weg und deponierte es auf einem Kleiderschrank im Schlafraum. So, dass ich es jeden Tag sehen, es aber nicht ohne weiteres erreichen konnte. Eines Nachts gegen 23:00 Uhr, ich glaube am Karfreitag, kletterte ich schließlich auf einen Stuhl, um das Päckchen herunterzuholen und wenigstens einmal hineinzusehen. Dabei wurde ich von der Nachtschwester erwischt und musste zur Strafe 1 Stunde lang barfuß mit dem Gesicht zur Wand frierend auf dem kalten Fliesenboden im Flur stehen. Der Inhalt meines Osterpäckchens wurde verteilt, ich glaube, ich erhielt zur Strafe gar nichts davon.
Die Meerwasser-Inhalationsanlage befand sich im düsteren Keller, wo wir uns während der Prozedur selbst überlassen blieben. Wattspaziergänge waren eine Abwechslung, doch auf dem Weg am Strand entlang ließ uns unsere Aufsichtsperson jeweils lange Zeit warten, während sie eine am Strand wohnende Bekannte aufsuchte, um mit ihr ausgiebig Kaffee zu trinken.
Briefe nach Hause wurden zensiert bzw. diktiert. Die ganze Atmosphäre war von Befehl und Gehorsam geprägt, und schien auch Erziehungsmethoden der Nazis abzubilden. Noch heute spüre ich dieses Gefühl vollkommenen Ausgeliefertseins nach, mit dem traumatischen Empfinden des Abgetrenntseins von der vertrauten Familie. Im Alter von 9 Jahren waren 6 Wochen ein schier nicht überschaubarer Zeitraum. Die Eltern weit entfernt im Schwarzwald, die auch noch glaubten, ihrem sensiblen Kind etwas Gutes zu tun. Es war die pure Erlösung, als ich erfuhr, dass in wenigen Tagen mein Vater kommen würde, um mich nach Hause zu holen. Ich habe die Stunden gezählt, bis es endlich soweit war.
Meinem Erzählen wollten meine Eltern allerdings gar nicht recht zuhören und sie schenkten mir auch keinen Glauben, so dass ich schwieg. Mein Vertrauen in meine Eltern hat damals enormen Schaden genommen.
Ängste vor Fehlverhalten oder Versagen habe ich aus St. Peter-Ording mitgenommen, diffus begleiten sie mich noch heute. Anstatt zu heilen, wurde im "Goldene Schlüssel" das Gegenteil erreicht. Gesundheitliche Beschwerden, die zur Verschreibung des Nordsee-Aufenthalts durch meine Kinderärztin führten (asthmoide Bronchitis), manifestierten sich wenige Jahre später auf andere Weise, aber ungleich massiver erneut.
Auch angesichts der Berichte anderer Betroffener, von denen ich gerade erst erfahren habe, empfinde ich die Eigenwerbung auf der Webseite der heutigen DRK-Nordsee-Reha-Klinik “Goldene Schlüssel” als Täuschung, wenn dort gesagt wird: “In der über 100-jährigen Geschichte des Hauses liegt unser Erfahrungsschatz in der ganzheitlichen Medizin begründet. 1913 errichtete ein visionäres Arztehepaar das damalige “Ärztliche Erholungshaus für Erwachsene und Kinder” ... Seit jeher verbinden sich medizinische Therapien und Naturheilverfahren zum größtmöglichen Nutzen für unsere Patient*innen. …” Zumindest in meinem Fall kann ich nicht von Nutzen, sondern nur von einem enormen Schaden sprechen, der dort angerichtet wurde.
Das erste Mal mit ca. 4 Jahren mit meinen 3 älteren Geschwistern in Neustift/Passau.
Ich erinnere mich, dass wir da alle nicht hin wollten und man uns sagte, wir blieben in jedem Fall zusammen. Das war eine Lüge. Meine 2 ältesten Geschwister kamen in eine andere Abteilung, die war hinter einer immer verschlossenen Milchglas-Türe (mit einem Briefschlitz, durch den wir uns ganz selten unterhielten) und meine eine Jahr ältere Schwester und ich haben sie während unseres gesamten, vierwöchigen Aufenthaltes nicht gesehen. Das war schon mal ein schrecklicher Start.
Weiter erinnere ich einen Schlafsaal, mit Glastüren, so dass man immer von außen reinsehen konnte. Und es gab eine Art langen Balkon mit einer ausfahrbaren Sonnenjalousie, wo wir manchmal draußen unseren Mittagsschlaf machen mussten. Ich konnte nie schlafen und es war einen Tortur für mich, bis diese 2 Stunden herum waren, man durfte sich ja nicht bewegen.
Ich erinnere mich, dass wir ein Paket mit GUmmibärchen und anderen Süßigkeiten von unseren Eltern geschickt bekommen hatten und es wurde uns weg genommen und wir bekamen abends EIN Gummibärchen, dass ich ganz langsam lutschte, damit ich möglichst lang etwas davon hatte.
Die Nonnen waren grob und gemein, sie schimpften uns für die kleinsten Versehen.
Was andere schrieben von Schlägen erinnere ich nicht, aber vielleicht ist es auch verdrängt. Es war so schrecklich für mich, von meinen Eltern, besonders von meiner Mutter getrennt zu sein und auch von meinen großen Geschwistern. Ich fühlte mich sehr verlassen. Es waren Gitterbettchen, erinnere ich mich, da konnte man alleine nicht raus. Ich habe vieles vergessen, aber ich erinnere mich noch genau, dass ich am letzten ABend, wo ich wusste, morgen geht es nach Hause, das ganze ABendessen über den Tisch erbrochen habe. Ich erinnere mich nicht, ob ich es aufessen musste, wie andere Betroffene hier schreiben. Aber wie geschrieben, vielleicht habe ich auch alles vergessen bzw. verdrängt.
Mein 2.Aufenthalt in einem Kinderheim war in der 3. Klasse, es ging nach Mittelberg / Oy ins Allgäu, ich war also ca. 8 Jahre alt. ich fuhr nur mit meiner ein Jahr älteren Schwester. Die großen Geschwister und mein kleiner Bruder (5) mussten nicht mit, ich fand es schrecklich und war froh, dass es nur 2 oder 3 Wochen sein sollten, also kürzer als beim letzten Mal. Ich wollte da auf keinen Fall hin aber meine Eltern überredeten mich, dass es ganz anders sein würde wie in Passau.
Meine Schwester wurde von mir getrennt, zumindest schliefen wir nicht in einem Zimmer, soweit ich mich erinnere. Ich fühlte mich sehr allein. Es gab keine Vertrauensperson, die Nonnen waren kaltherzig und hart.
Ich erinnere mich, dass wir 4er Zimmer hatten und ich in der Nacht immer mich selbst in den Schlaf gewiegt habe und leise dazu gesungen habe. Das hat meine Mitbewohnerinnen genervt, ich war immer in dem Dilemma, es so leise zu machen dass es sie nicht störte und andererseits, dass es mich in den Schlaf brachte. Dieses In den Schlaf wiegen habe ich mit meinem ersten langjährigen Freund, den ich erst mit 33 Jahren hatte, nicht mehr gebraucht. Ich war lange Single mit kurzen Affairen bevor ich meinen heutigen Mann kennengelernt habe. Ich bin leider kinderlos geblieben - ich habe nie verhütet aber wurde nie schwanger. Als ich in einer festen Beziehung war, habe ich aufgehört mit diesem Einschlaf-Ritual.
In Mittelberg Oy gingen wir viel wandern, ich erinnere mich dass es mal auf dem Weg ein (für mich) fürchterliches Gewitter gab und die Nonnen sinngemäß sagten, man solle sich nicht so anstellen. Man wurde jede Woche öffentlich gewogen und gemessen, alle hörten die Zahlen und da ich übergewichtig war, habe ich mich immer geschämt, wenn sie mein Gewicht laut gesagt haben und irgendetwas in der Art, ich hätte immer noch zu viel Gewicht (ich haben heute noch ein riesen Thema mit meinem Gewicht!). Ich hatte eine Freundin dort gefunden, sie hiess Kathleen und kam aus Neuss. Sie war meine Rettung weil ich so froh war, nicht mehr allein zu sein. Ich habe sie leider nach ein paar Briefwechseln aus den Augen verloren. Ich hatte durch meinen vorherigen Aufenthalt in Passau Neustift schon "Erfahrung" und wusste, was auf mich zu kam. Ich verhielt mich dementsprechend und kann mich nicht an Bestrafungen bei mir erinnern. Aber vielleicht ist das auch alles verschüttet und verdrängt. Es gibt eine Postkarte von meinem Vater ins Heim, in dem er mir schrieb, was sie alles zuhause in meiner Abwesenheit gemacht haben: ich bekam z.B. den neu lackierten Schreibtisch von meinem großen Bruder. Heute liest es sich so, als ob meine Eltern ein sehr schlechtes Gewissen hatten, dass sie uns ein 2. Mal ins Kinderheim geschickt hatten. Nach diesem Aufenthalt rang ich meinen Eltern das Versprechen ab, dass ich nie wieder in eine Kinderheim musste. Um Nonnen auf der Straße machte ich immer einen großen Bogen. Und im Allgäu und in Passau war ich bis vor einigen Jahren nie.
Danke, dass Sie diese Seite gestartet haben. Mir fällt sicher noch mehr ein, wenn ich noch mehr darüber nachdenke oder mit meinen Geschwistern spreche.
Einer meiner späteren Lehrer meinte irgendwann einmal in einer Unterrichtsstunde, in meine Richtung ein Kompliment machen zu müssen und bezeichnete mich als "schwarze Rose unter all den blühenden", ich habe mit ihm nie wieder ein Wort gewechselt, wie auch immer er das meinte, er war für mich erledigt. Heute bin ich ein weißer Zigeuner und kann durchaus auch über all das lachen, es ist so lange her und was gibt es für ein schöneres Kompliment als wodurch auch immer aus einer Vielfalt heraus zu leuchten. Könnte man Bilder hier veröffentlichen? Ich hätte zwei Beweisfotos!
Die Kurzeit betrug 4 Wochen, Rückreise war 1-2 Tage vor Heiligabend. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Tag erinnern.
Gegen Mittag musste unserer Bus eine Werkstatt in Zwickau ansteuern weil irgendwas nicht in Ordnung war. Dort saßen wir dann stundenlang in einer Art Betriebshof-Kantine, bis es dann gegen Einbruch der Dunkelheit endlich weiter ging. Zum späten Abend hin wurde es nebelig, der im Verlauf immer dichter wurde. Zwischenzeitlich hatte der Bus immer wieder die Autobahn verlassen, da einige Kinder an weiteren Sammelpunkten abgesetzt wurden. Leider war ich einer der letzten, die gegen 23:00 Uhr endlich den Bahnhof in Zossen als letzten Sammelpunkt erreichten, wo unsere Eltern schon sehnsüchtig auf uns warteten. Es gab ja kein Telefon, lediglich per Telegramm wurden unsere Eltern über die Verzögerung informiert.
Für meine Eltern war es der Horror, da sie nun auch noch Mitternacht 20km im dichten Nebel (Sichtweite ca. 2m) mit mir und meiner bis dahin durchgefrorenen 1-jährigen Schwester weiter bis nach Hause mussten.
Nun zum Kurheim.
Bei der Anreise mit dem Robur-Bus hatten wir schon ab Zwickau den ersten Schnee. In Morgenröthe lagen ca. 15cm. Im Kurhaus wurden wir in Schlafsälen untergebracht. Da standen 10 Betten, 5 an der Fensterseite, 5 an der Wand gegenüber. Anders als in Ferienlagern mit Doppelstockbetten, waren das hier ganz normale Betten. Meines stand hinten links unter einem Fenster mit Blick auf den Markersbach, der fast vollständig mit Schnee bedeckt war. Dahinter standen große verschneite Fichten oder Tannen. Den Anblick konnte ich aber nicht genießen, da ich heftig von Heimweh geplagt wurde. Mein kleiner Löwe (ca. 8cm groß aus Kunstleder mit Fellmähne) hatte schwer zu tun, meine Sorgen in sich aufzunehmen. Bis auf einen anderen Jungen aus meinem Wohnort kannte ich sonst niemanden in meiner Gruppe.
Der Tagesablauf war geprägt von morgendlichem Massieren der Arme, Beine und Gelenke unter Anleitung mit einer gelben Plastikbürste, Wassertreten, Schulunterricht und Schlitten fahren. Die Bürste und andere persönlichen Sachen hatten wir mit Pflasterband beklebt und unseren Namen darauf geschrieben. Das Essen scheint in Ordnung gewesen zu sein, jedenfalls war ich nie der mäkelige Typ. An mehr kann ich mich nach über 40 Jahren nicht mehr erinnern. Beim Essen und Unterricht saßen wir jeweils an 4-er Tischen.
Das an uns Handlungen vorgenommen wurden, die heutzutage einer Aufklärung bedurften, kann ich mich nicht mehr erinnern.
2008 hatte ich das Kurheim noch einmal aufgesucht. Ich war zu der Zeit in der Nähe im Winterurlaub. Glücklicherweise traf ich vor Ort auf den Gebäude-Verwalter, den ich von meiner Erinnerung an die Zeit erzählte. Freundlicherweise nahm er sich die Zeit, mich noch einmal durch das Gebäude zu führen. Ich hatte dabei auch einige Fotos gemacht, es hat sich in den ganzen Jahren nicht viel verändert. Alles wirkte nur viel kleiner als aus der damaligen Blickposition eines 6-jährigen. Lediglich die Betten in den Schlafräumen fehlten und in einigen Räumen wurde was an der Aufteilung verändert. Wie diese früher aussahen, weis ich heute nicht mehr.
Es fühlte sich aber fast wieder so an wie damals, draußen war die Landschaft tief verschneit. Negative oder traumatisierte Erinnerungen kamen aber nicht hoch.
Im Vergleich zu Erlebnisberichten anderer Leute hatte ich dort offensichtlich eine Menge Glück gehabt.
Was als Urlaub deklariert war, war leider der blanke Horror.
Misshandlung, Zwang und Demütigungen, bis hin zur versuchten Tötung.
- Essenszwang
- Erbrochenes wurde einem wieder eingelöffelt.
-Verbot auf die Toilette zu gehen, was zwangsläufig dazu führte, dass man ins Bett gemacht hat. Die Demütigungen folgte am nächsten Morgen. Mann musste sich im Waschraum so verschmutzt wie man war vor allen Anderen waschen uns seinen Kot aus Kleidung und Bettwäsche selbst herauswaschen.
-Schlafzwang , jeden Mittag ca.2 Stunden Mittagschlaf ob man wollte oder nicht. Ich lag oft einfach regungslos da, weil ich Angst vor Bestrafung hatte.
-Jeden Tag wurden wir auf Läuse untersucht und extrem grob mit dem Kamm bearbeiten, ich hatte langes Haar und unerträgliche Schmerzen bei der ganzen Prozedur.
Ich habe viel geweint und unsägliches Heimweh gehabt.
Todesangst hatte ich, als ich mit einen Gruppe älterer Kinder im Meer war und ins tiefe Wasser geworfen wurde. Ich konnte nicht schwimmen und sollte es wohl auf diese Art lernen. Die Wellen umspühlten mich wieder und wieder, ich hatte Angst zu ertrinken. Ich weiss noch, dass ich zu mir selbst sagte : " Jetzt ist es vorbei, ich werde sterben!" ,als mich eine Erzieherin doch noch aus dem Wasser zog.
Das schlimmste allerdings war, dass mir jahrzehntelang eingeredet wurde, ich hätte das nur geträumt oder erfunden. Richtig begriffen, dass meine Erinnerungen wahr sind habe ich vor etwa 12 Jahren, als ich im Internet auf einen sehr ähnlichen Erfahrungsbericht einer Frau in einem Urlaubsforum der Insel Föhr stieß.
Ich zitterte am ganzen Leib und weinte hysterisch als mir klar wurde, dass ich alles genau so erlebt hatte.
Meine eigene Familie wollte mit damals nicht glauben und Antworten auf meine Fragen habe ich bis heute nicht erhalten.
Ich wurde auch als Erwachsene mit dem Satz:
"das hat man halt damals so gemacht" abgefertigt.
Verlässliche Erinnerungen habe ich schon an die Anreise mit einem Sonderzug vom Dortmunder Hbf aus. Ich habe aus Angst wegen der bevorstehenden langen Trennung vom Elternhaus ganz fürchterlich geweint, woraufhin mein Vater, der mich begleitet hatte, von den Kinder-Begleitpersonen im Zug sehr energisch weggeschickt wurde.
Im Heim angekommen mussten sich alle Kinder bis auf die Unterwäsche ausziehen und darauf warten, gebadet zu werden. Auch wurden die Finger- und Zehennägel geschnitten. Ich hatte am Vorabend der Abreise schon zu Hause gebadet und die Nägel waren bereits kurz. Von dem Mann, der für das Baden der Jungen zuständig war, wurde ich aufgefordert, zu klatschen. Dem kam ich nach, wurde dann aber sofort angeschrien: "Du bist wohl blöd! Unter Wasser natürlich!". Da sollte wohl simuliert werden, dass er mich wäscht, obwohl er es gar nicht getan hat.
Es gab große Schlafsäle (zumindest kam es mir damals so vor) für unterschiedliche Altersstufen. Zu jedem Bett gab es nur einen sehr kleinen Schrank oder Regal, was dazu führte, dass ich meinen Koffer nicht vollständig auspacken konnte. Der wurde in einem anderen Raum untergebracht und mir wurde gesagt, dass ich mich an eine Betreuerin wenden soll, wenn ich etwas daraus brauche. Das war dann auch irgendwann der Fall, aber die Bitte nach Aushändigung frischer (Unter-)Wäsche wurde abgelehnt. Es wurde mir nicht geglaubt, dass der Koffer an anderer Stelle lagert (dann wurde ich der Lüge bezichtigt und es gab deswegen Ärger), oder es war nie jemand zuständig oder bereit, sich darum zu kümmern.
An das Essen habe ich noch die Erinnerung, dass alles, was in Schüsseln/auf Tabletts auf die Gruppentische kam, aufgegessen werden musste. Ostersonntag oder Ostermontag 1970 habe ich vier weichgekochte Eier gegessen und musste mich daraufhin übergeben. Das Erbrochene hat sich großflächig auf dem Boden verteilt. Ich hatte nämlich - allerdings vergeblich - versucht, die Toilette zu erreichen. Ich wurde angeschrien, dass ich das extra gemacht hätte, und durfte eine längere Zeit nicht am Tagesprogramm teilnehmen.
Das von den Eltern mitgegebene Taschengeld wurde einbehalten und am Ende des Aufenthalts wurde ein Basar veranstaltet, auf dem man Souvenirs für sich selbst und die Familie kaufen konnte. Ich weiß noch, dass ich nur zwei Artikel haben wollte (eine Kuckucksuhr und einen kleinen grauen Porzellan-Seehund) und mehrfach nachgefragt wurde, ob ich wirklich nicht mehr kaufen will. Letztlich war meine Kaufzurückhaltung dann aber okay.
An den Tagesablauf kann ich mich nur noch vage erinnern. Es gab täglich einen längeren Mittagsschlaf. Einmal gab es einen Ausflug zum Schlitten fahren.
Außer, dass ich es die ganze Zeit schrecklich fand, weil ich keine Freunde vor Ort hatte, einsam war und deswegen schreckliches Heimweh litt, kann ich mich an keine Beschäftigungen, Spiele etc. erinnern. Ich habe viel geweint. Ob ich getröstet wurde, weiß ich nicht.
Zu Beginn einer Mittagsruhe musste ich zur Toilette. Um diese aufzusuchen, war einer der Gruppenräume zu durchqueren. Ein Mädchen meldete am Abend, ihr Lippenpflegestift sei nicht mehr da. Sie (oder ein anderes Kind) habe mich jedoch beim Herumschleichen im Gruppenraum gesehen. Wegen des "angeblich woanders abgestellten Koffers" galt ich bei den Betreuerinnen ja schon als Lügner. Nun aber wurde ich vor vielen anderen Kindern bloßgestellt und musste mich rechtfertigen. Ich war verzweifelt, da ich mit der Situation völlig überfordert war. "Hilflos und allein gelassen" beschreibt nur unzureichend, was ich damals gefühlt habe. Der Lippenpflegestift fand sich übrigens ein paar Tage später unter einem Schrank, wohin er wohl unbeabsichtigt gerollt war. Ich glaube, dass ich seit der "Anklage" von vielen der anderen Kinder gemieden worden war. Seit dem Zeitpunkt fühlte ich mich jedenfalls völlig isoliert.
Als ganz besonders schlimm habe ich empfunden, dass man gezwungen wurde, in der Post nach Hause zu lügen. In regelmäßigen Abständen war man angehalten, einen Brief oder eine Postkarte zu verfassen. Aufgrund meines Alters (5 J.) konnte ich noch nicht selber schreiben, sondern war darauf angewiesen, den "Tanten" zu diktieren. Ich wollte, dass sie schreiben, dass ich es ganz schlimm in Brilon finde und dass ich sofort nach Hause will. Dies wurde schlichtweg verweigert, stattdessen gab es Formulierungsvorschläge, die keine Kritik enthielten. Und man hatte keine andere Chance, als sie zu akzeptieren, da massiv Druck ausgeübt wurde.
An körperliche Züchtigung habe ich keine Erinnerung. Auch nicht daran, dass Erbrochenes wieder aufgegessen werden musste, dass es Essigwasser zu trinken gab oder täglich einen Löffel Honig - wovon in anderen Berichten zu lesen ist.
Es sind vielmehr seelische Grausamkeiten und/oder plötzlich wieder hochkommende Gefühle der Demütigung und Hilflosigkeit, die bei mir noch immer mit dem Ort verknüpft sind. An manchen Tagen reicht dafür ein Blick auf ein Verkehrsschild/einen Wegweiser nach Brilon oder auf eine Landkarte.
Die geschilderten Erinnerungen mögen jeweils für sich genommen gar nicht so schrecklich klingen, der Vorfall beim Baden ist sogar zum Schmunzeln. Dennoch: nach Brilon war ich kein fröhliches, unbeschwertes Kind mehr. Ich fing nachweislich danach an, mich aus dem sozialen Leben zurückzuziehen, wurde kontaktscheu, still und in mich gekehrt. Bei Ungerechtigkeiten habe ich, auch wenn ich im Recht war, kaum noch aufbegehrt, sondern vielmehr schnell resigniert. Eine gute Kindheit und Jugend hatte ich nicht. Ich war immer ein Außenseiter; jemand, der sich nicht wehren konnte und auf dem man (deswegen) gerne herumgehackt hat. Es hat mich einige Jahre Therapie gekostet, das wieder hinzubekommen.
Ausdrücklich weise ich die "Schuld" für die Schwierigkeiten in meinem Leben nicht nur dem Aufenthalt in Brilon zu. Auch mein Elternhaus war sicher nicht hilfreich für eine günstigere Entwicklung. Aber das ist eine andere Geschichte, die nicht hierher gehört.
Ich habe dort schreckliches Heimweh gehabt.
Meine Eltern haben mir jeden Tag einen Brief geschrieben.
In dem Heim (Haus Meerstern) war es grauenhaft Viele Kinder waren traumatisiert kamen aus Kinderheimen auf dem Festland wo sie auch schon die schwarze Pädagogik erfahren mussten und diese dann auf Spiekeroog an den Kindern, die sie aus ihrer Sicht als aus vermeintlich "besser" gestellten Familien sahen, massiv mobbten und sadistisch quälten.
Ich kann mich an eine Betreuerin erinnern die abends immer vorlas aus mitgebrachten Büchern.Das war sehr tröstend.Ich erinnere mich auch an Drill und Zwang in die Inselkirche gehen zu müssen.Zu der damaligen Zeit war es gesellschaftlich so gewünscht.
Leider hielten die Kinder nicht zusammen, das war gewünscht Die "fest angestellten Betreuer des Hauses Meerstern die die Kinderkurmaßnahmen begleiten sollten handelten nicht zum Wohl der Kinder.
Es gab für alle Kinder Küchenarbeit und Strafmaßnahmen waren reinigen der Küche und Klo statt Ausflüge mitmachen zu dürfen, Auch die Prügel auf den Po erinnere ich dass sie anderen geschahen und wie mir die Betreuerin S. (die als Studentin mitgefahren war als "Ferienfreizeitbetreuerin")wie sie mir die damals die Ohren einmal zuhielt als das Kind schrie dabei.
Auch die Briefe die ich an meine Eltern schrieb wurden gegengelesen und mir wurde gesagt dass ich bestimmte Passagen rausnehmen soll.Es wurde gedroht und eingeschüchtert.Es wurde mir einmal auch gesagt von einer verhärmten schrecklichen alten weißhaarigen kleineren stämmigen Betreuerin in weißem Kittel" ob ich auch im Kinderheim landen wolle wie der Peter, dann würde ich meine Eltern sehr traurig machen und sie bekämen dann ein lieberes Kind als mich" das gehorcht und ein dankbarereres.""Ich wisse nicht wie gut ich es habe,"
Ich bin daraufhin aus dem Heim weggelaufen zum Hafen und hab gefragt wann die nächste Fähre nach B. geht.....
Ich hatte Glück im Unglück.
Ein älterer Kapitän? Matrose? von der Fähre nahm mich an die Hand und brachte mich zurück zum Haus Meerstern mit dem Versprechen, dass ich dort gut behandelt würde ab sofort.
Wir hatten eingetrichtert bekommen wenn wir uns mal " verlaufen" sollten sollten wir sagen wir gehören zum Haus "Meerstern".
Als ich wieder im Haus Meerstern war hatte ich Angst vor Bestrafung.Doch die Betreuerin S beschützte mich und sagte mir sie würde hier selbst auch nicht mehr mitfahren sie sei nicht einverstanden mit den "Methoden" so dürfe man mit Kindern nicht umgehen, jedes Kind habe eine schwierige Vergangenheit".Man hätte sie beauftragt sie solle mich ausfragen ob ich weggelaufen sei und dann bestrafen was sie aber nicht tun würde.Sie vertrete eine andere Meinung.Sie und Ich spürten das Unrecht in dem Haus und ich verstand vieles einfach(noch) nicht.
Zum Beispiel dass es auch Erwachsene gibt die mit Freude Kinder missbrauchen und quälen.
Ich hatte eine Strichliste gemacht das war S Idee und ich strich jeden Tag vor Freude weg wenn es näher an die Abreise ging.
Als ich wieder Zuhause war habe ich stundenlang geweint.Ich war ziemlich verstört danach und als derselbe Arzt mich mit 15 noch einmal in Kur schicken wollte wollte ich keinesfalls mehr nach Spiekeroog.
Mit meinem Mann war ich vor zwei Jahren als Tagesgast dort um zu gucken ob mir Erinnerungen kommen weil ich Spiekeroog nie wieder besuchen wollte und es waren dunkle keine schönen Erinnerungen.Das ehemalige "KindererholungsHaus"Meerstern steht noch mit den alten Fenstern dort.Die Wiese hinter dem Haus habe ich betreten und mir kamen die Tränen und wir mussten schnell wieder gehen.So eine schöne Insel und so eine schreckliche Erinnerung an das Haus, das kein "KindererholungsHaus mehr ist und nie wirklich war"
Der Beginn
Ich, Michaela und meine Schwester Eva kamen im Herbst 1964 für ca. 8 Wochen in das Kindergenesungsheim Oy Mittelberg im Allgäu. Bei meiner Schwester Eva gibt es nur noch wenig Erinnerung an unseren Aufenthalt; ich erinnere mich sehr gut.
Wir kamen aus München-Perlach. Meine Schwester Eva war 5 Jahre und ich 7,5 Jahre. Ich war ein dünnes Kind und, wie die Lehrer sagten, schlecht in der Schule und langweilig. Meine Schwester war lebhaft und eher „fester“ aber nicht dick. Wir waren gute Esser. Meine Schwester und ich hatten die letzten 1,5 Jahr mit Keuchhusten und Masern zu tun, so dass ein regelmäßiger Schulbesuch oft nicht statt fand.
Am 27. September 1964 kam unsere kleine Schwester Erika zur Welt. Es ging ihr sehr schlecht und meine Eltern mussten sie in München in der Klinik lassen und konnten das Baby erst nach ca. 3 Wochen nach Hause holen. Das müsse dann so zwischen 15. und 20. Oktober 1964 gewesen sein. Meine Schwester Eva und ich bekamen das Baby nicht zu sehen, da wir kurz vor der Klinikentlassung des Babys nach Oy geschickt wurden.
Um unsere Mutter mit dem neuen Baby zu entlasten, gaben die Eltern dem Hausarzt ihr Einverständnis zu unserer „Kur“. Eingewiesen hat uns unser Hausarzt Dr. Kampa in Perlach über das Müttergenesungswerk. Das hat uns unsere Mutter später erzählt.
Die Vorbereitungen
Ein Besuch im Heim durch unsere Eltern war verboten.
Es wurde uns Briefpost zum beschreiben von den Eltern eingepackt. Schon fertig mit der Heimatadresse und einer Briefmarke versehen. Unsere Kleider und Schürzen, die wir tragen sollten, waren alle mit Wäscheetiketten und unseren Namen benäht. Spielzeug oder Kuscheltier durfte nicht mitreisen.
Reise
Die Eltern brachten uns zum Hauptbahnhof München. Von dort ging der Zug mit vielen Kindern ins Allgäu. Mit Zwischenstationen in mehreren Kurorten, wo ebenfalls Kinder ausstiegen, kamen wir in Oy an. Dort wurden wir abgeholt. Wie, weiß ich nicht mehr.
Ankunft
In Oy Mittelberg gab es eine große Kinderkurklinik und ein oder mehrere angeschlossene Kindergenesungsheime.
Schon als ich unser Genesungsheim von außen sah und die vielen Kinder wurde mir Angst und ich hatte Heimweh.
Mädchen und Buben wurden erst mal vor dem Heim auseinandersortiert und wir durften nicht reden. Die Jungs, die mit uns gereist waren, wurden abgezweigt und von einem Lehrer weggebracht. Ich vermute, in ein weiteres Gebäude. Wir haben die Buben dann nur noch vereinzelt bei den ärztlichen Untersuchungen gesehen, bei denen wir auch nicht mehr miteinander sprechen durften.
Personal
Das Heim wurde von katholischen Nonnen geführt. Nachträglich konnte ich recherchieren: Die Schwestern kamen aus dem Kloster Mallersdorf – Mutterhaus der Armen Franziskanerinnen.
Zusammenhängend ist dazu zu sagen: Ich und meine Schwester Eva wurden in Mallersdorf geboren und lebten nun in München Perlach. Meine Lehrer dort und die Frauen im Kindergarten meiner Schwester waren ebenfalls Klosterschwestern. Mir flößten diese Schwestern stets Angst und Entsetzen ein. Meine Schwester ging allerdings gerne in diesen Kindergarten.
Aufteilung
Im Flur im Innenbereich angekommen, wurden meine Schwester Eva und ich „aufgeteilt“. Eva kam in eine andere Gruppe als ich und sollte zu den „Kleinen“. Ich kam in die Gruppe der „Großen“. Lange wurde von den Schwestern diskutiert, ob ich altersgemäß überhaupt in diese Gruppe passen könnte. Man hielt mich für zu jung, entschied sich dann aber doch für die „große“ Gruppe.
Wir mussten uns also sofort trennen. Unser Gepäck wurde von den Schwestern in unsere Schlafräume gebracht. Meine Schwester Eva weinte.
Was später mit meiner Schwester in ihrer Gruppe passierte, konnte ich oft nur durch lautes Weinen erahnen, da wir ständig durch Türen getrennt waren.
Im Zimmer der „Großen“ habe ich bemerkt, dass es anscheinend im Heim mehrere größere Mädchen gab, die ständig dort lebten.
Tagesablauf
Frühes aufstehen, ein paar mal wöchentlich frühmorgens ein langer Marsch in eine Bergkirche in dem dann ein Frühgottesdienst abgehalten wurde. Waschen. Frühstück. Briefe schreiben. Spielen. Mittagessen. Mittagsruhe. Spielen. Abendessen. Waschen. Schlafengehen. Die „größeren“ Mädchen, die ständig dort wohnten, gingen vormittags zur Schule. Ich kann mich an keine Ausflüge erinnern. Einmal waren wir nachmittags zum Schlitten fahren.
Das Essen
Das Essen fand an langen Tischen statt. Für jede Gruppe in deren Aufenthaltsraum. Jedes Kind hatte einen festen Platz mit einer Schublade unter der Tischplatte. Dort hinein kamen die vorgefertigten, mitgebrachten Briefkarten.
Es gab sehr fettes Fleisch, das ich als Kind nicht essen konnte. Mir graute einfach davor und ich würgte es ständig heraus. Ich musste es aber aufessen. Ich musste solange vor dem Teller sitzen, bis ich aufgegessen hatte. Es ging noch weiteren Kindern so.
Ich konnte das nicht essen und habe erbrochen. Um diese Tortur nicht weiter mitmachen zu müssen, habe ich das restliche Essen mit dem Fett in die Schublade unter mir geschüttet. Um das Briefpapier zu schützen habe ich mit Brot eine Barriere gebaut.
Als der Kuraufenthalt endete, war die Schublade voll, das Briefpapier leer und alles schimmelig. Aber dieses Essen brauchte ich wenigstens nicht mehr essen.
Meine Schwester Eva hatte solchen Hunger, dass sie einmal den Essenslift im Vorraum abwartete und anfing, die Suppen für das Mittagessen schon aus dem Lift zu löffeln. Sie war 5. Dann hörte ich nur noch Geschrei und es wurde nach mir gerufen. Ich sollte kommen und mir das Balg ansehen, das so sträflich gehandelt hatte. Meine Schwester wurde vor allen anderen Kindern verprügelt bis sie sich einnässte. Ich musste mit meiner weinenden Schwester dann zur Strafe mit ihr in die Schlafräume und sie umziehen. Wir durften erst zum Abendessen wieder in die Aufenthaltsräume. Wir mussten uns gegenseitig trösten. Niemand durfte dort an diesem Abend mehr mit uns sprechen.
Wir bekamen zu den jeweiligen Essen mehrere Tabletten auf den Tellerrand gelegt. Was das für Tabletten waren, kann ich natürlich nicht mehr sagen.
Manchmal kullerten die Tabletten in die Suppe und haben das Essen verbittert. Wir mussten trotzdem Essen. Es ist mir ein Mädchen in Erinnerung, das nicht die Suppe essen wollte und der die Suppe von einer Schwester regelrecht gewaltsam mit dem Löffel verabreicht wurde.
Einmal gab es einen Apfel zur Nachspeise. Mein Apfel war wurmig und auf einer Seite faulig. Aber ich musste abbeißen. Als die Schwester nicht mehr guckte, steckte ich den Apfel in meine Schürzentasche. Beim nächsten Toilettengang dachte ich mir aus, könnte ich den Apfel in der Toilette entsorgen. Das tat ich auch. Ich wusste nicht, dass Äpfel im Wasser schwimmen. Eine Klosterschwester riss die Toilettentür auf, guckte ins Klo, sah den Apfel. Ich musste ihn herausholen und sollte den Apfel vor allen Kindern essen. Ich versuchte es und musste wieder erbrechen. Die Strafe war, ich sollte den Apfel im Laufe des Tages essen, mein Erbrochenes aufwischen und die Strafe der „großen“ Mädchen abwarten. Das tat ich.
Ich steckte den Apfel wieder in die Schürzentasche. Dort gammelte er und wuchs sozusagen durch den Stoff durch bis wir wieder nach Hause kamen.
Ich kann mich nicht an gute und entspannte Essen dort erinnern.
Körperhygiene
Wir mussten 1 x in der Woche duschen. Dazu wurden wir alle in einen großen Raum im Keller gebracht. Der Raum war mit Holzpaletten ausgelegt und die Duschköpfe waren an der Raumdecke angebracht. Wir mussten unsere Unterwäsche anlassen und durften uns nicht am Unterleib berühren. Auch durften wir uns gegenseitig nicht anfassen, nicht lachen.
Dann wurde die Raumtüre geschlossen und von außen die Dusche aufgedreht. Das ging über Heiß- bis Kaltwasser. Es gab für uns keinen Schutz im Raum. Ein großes Kind machte uns vor, wie wir uns mit dem Waschlappen wo waschen sollten. Heiß- oder Kaltwasser kam willkürlich und wir konnten nicht aus. Eine Schwester stand vor der Tür und beobachtete die Prozedur durch eine Glasscheibe. Manche Kinder schützten sich, indem sie die Hände vor ihr Gesicht hielten. Manche weinten andere standen einfach total erstarrt da. Ich durfte meiner kleinen Schwester nicht helfen.
Toilettengänge durften nur zu angegebenen, bestimmten Zeiten statt finden. Sollte man das nicht aushalten, folgten Strafen. Eckestehen. Auslachen. Kein Nachmittagskaffee.
Spielzeug
Meiner Meinung nach gab es kein altersgerechtes Spielzeug in meiner Gruppe. Ich klebte Wochenlang nur kleine Tiere aus Plastikfolie auf eine Plastikunterlage. Gesellschaftsspiele durfte ich nicht mitspielen oder nur dann, wenn man mich auch bestrafen konnte. Wie es bei den „Kleinen“ aussah, weiß ich nicht und meine Schwester Eva erinnert sich auch nicht mehr.
Arztbesuche und Medikamente
Einmal wöchentlich kam ein Arzt und auch der Pfarrer. Die Schwestern waren an diesem Tag immer sehr aufgeregt. Pfarrer und Arzt wurden hofiert. Wir mussten uns gut und sauber anziehen und durften nicht sprechen. Der Arzt schlug uns mit einem Hämmerchen aufs Knie und hörte die Lunge ab. Weiter passierte meiner Ansicht nach nichts. An diesem Tag bekamen wir manche von den Jungs die mit uns ankamen wieder zu sehen, durften aber nicht mit ihnen sprechen.
Tabletten bekamen wir in größeren Mengen täglich auf den Tellerrand gelegt. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal eine Spritze bekam.
Feste
Am Nikolaustag bekamen Eva und ich von unseren Eltern einen Nikolaussack zugeschickt. Wir freuten uns so sehr. Jedes Jahr brachte uns der Nikolaus ja etwas. Damals waren es Äpfel, Nüsse, Orangen, Lebkuchen und einen Schokoladennikolaus.
Es wurde am Nikolaustag nach dem Abendessen die Kinder alle einberufen. Vor unseren Augen wurde dann der Inhalt unseres Nikolaussackes an alle verteilt. Eva und ich bekamen nichts. Mit den Worten einer Schwester: Da kann man mal sehen, was Kinder hier bekommen, die sonst alles haben. Wir waren nicht reich.
Wir hatten einmal ein Geburtstagskind, die etwas Süßes von den Eltern bekam, dort wurde es genauso gehandhabt.
Eine Strafe für Kinder, deren Eltern ihnen ein kleines Geschenk andachten.
Briefe
Die mitgebrachten Briefkarten wurden ein- oder zweimal wöchentlich an die Eltern geschrieben. Meine erste Karte enthielt wahrheitsgemäß den Satz, dass es uns Kindern hier nicht gefällt, Heimweh hatten und wir wieder nach Hause möchten. Dieser Brief wurde von den Schwestern abgefangen, gelesen. Daraufhin wurde der Brief vor meinen Augen und allen anderen Kindern zerrissen und ich musste schreiben: „Liebe Mama, lieber Papa, wie geht es Euch? Uns geht es gut. Liebe Grüße, Eure Eva und Michaela.“ Diese Briefe hatte meine Mutter aufgehoben bis sie verstarb.
Mir wurde gedroht, dass meine Eltern uns nicht mehr zurück haben wollten, wenn ich nicht das schreibe, was die Schwestern sagten.
Nachtruhe
Ich schlief in einem kleineren Schlafraum mit hohen Decken mit weiteren 3 Mädchen aus der großen Gruppe, die auch zur Kur dort waren.
Meine Schwester musste in einem sehr großen Schlafsaal schlafen in dem viele kleinere Mädchen schliefen.
Der Schlafraum war durch eine Tür mit unserem Zimmer verbunden. Wir durften die Tür aber nicht öffnen. Wir taten es aber doch. Mehrer „größere“ Mädchen hatten ja ein Geschwisterkind mitgebracht. Es war gut zu sehen, dass unsere Geschwister ja sozusagen neben uns lagen.
Das Licht wurde durch die Schwestern ausgeschaltet und durfte nicht mehr angeschaltet werden. Es durfte Nachts nicht mehr zur Toilette gegangen werden. Es durfte nicht mehr miteinander gesprochen werden.
Oft weinten wir größeren Mädchen leise in unseren Betten.
In den Nächten wurden die Schlafraumtüren willkürlich aufgerissen. Licht angeschaltet und kontrolliert, ob wir großen Mädchen im Bett waren.
Bei den „Kleinen“ wurden die Bettdecken weggerissen, die Kinder aus dem Bett gezogen und die Laken kontrolliert. Manche von den Kleinen hatten eingenässt. Die Laken wurden herausgerissen aus den Betten, die Kinder am Arm gepackt und durch anschreien und Schläge bestraft. Es wurde jedesmal ein Kind ausgesucht, das dann im Keller in einen kleinen, fensterlosen Raum gesperrt. Dort musste es die Nacht verbringen. Ob es am Tage noch dort war, kann ich nicht sagen, da ich tagsüber nicht in die Räumlichkeiten der „Kleinen“ kam.
Das Einsperren der „Kleinen“ haben wir „Größeren“ nur herausgefunden, weil manche von uns Nachts an dieser Tür im Keller barfuß, im Schlafanzug und mit dem Gesicht zur Wand im Dunkeln auf den kalten Fliesen „stehen“ musste. Wenn wir zum Beispiel Nachts noch miteinander sprachen oder auf die Toilette huschten.. Wenn man auf Grund der Kälte zur Toilette musste, musste man einnässen, durfte sich nicht wegbewegen und handelte sich wieder eine Strafe für den nächsten Tag ein.
Wir Größeren haben dann beschlossen, dass wir jede Nacht nach den Kleinen schauen müssten. Die Kinder sollten sagen, ob sie eingenässt hätten. Dann haben wir Großen die Laken im Dunkeln abgezogen und haben unsere eigenen Laken eingelegt. Die eingenässten Laken versuchten wir Großen über unserer Heizung zu trocknen, wenn die „Kontrolle“ vorüber war.
Also hatten wir Nachts viel zu tun. An viel Schlaf war nicht zu denken. Wir mussten leise damit umgehen und ständig auf der Hut vor Kontrolle sein.
Einmal kam die Schwesternkontrolle und wir sprangen alle in unsere Betten. Mein Bein war noch nicht unter der Bettdecke verschwunden. Also musste ich diese Nacht das „stehen“ übernehmen und sah die Tür des „Gefängnisses“ und hörte darin ein Kind. Wir konnten und durften nicht durch die Tür miteinander sprechen. So haben wir nur leise an die Tür geklopft und haben versucht, etwas durchs Schlüsselloch zu sehen. Das war aber bei der Dunkelheit nicht möglich.
Wir Großen wussten also was geschah mit den Kleinen und damit auch mit unserern Geschwistern und wir konnten nicht helfen, da wir so schlimm bestraft wurden.
Strafen durch „größere“ Kinder
Die Schwestern wiesen die Mädchen an, die anscheinend ständig dort lebten, sich Strafen für mich auszudenken und diese an mir zu vollziehen. Dann sollten die Mädchen etwas „gut“ haben.
Meine Strafen waren:
Mir wurden die Augen verbunden, dann wurde ich um mich selbst gedreht, angehalten, dann wurde meine Hand genommen und auf einen stacheligen Kaktus geschlagen. Die Stacheln musste ich mir selber herausmachen. Meine Handfläche war entzündet.
Ich wurde gekniffen indem mir die Haut gedreht wurde, bis ein blauer Fleck entstand.
Es wurde an meinen Haaren gezogen, Haare ausgerissen und auf die Zehen getreten.
Nach meinen Bestrafungen durch die größeren Mädchen wurden diese von den Schwestern offen hervorgehoben und gelobt.
Strafen durch die Schwestern
Prügel, Essenszwang, Sitzstrafen, Stehstrafen, Haftstrafen, Redeverbot, Lachverbot, Weinverbot, Erniedrigung vor allen anderen Kindern und Schwestern und auslachen in der Gruppe mit Fingerzeigen. Drohungen, dass wir nicht mehr nach Hause dürften und unsere Eltern uns nicht mehr haben wollten.
Wieder Zuhause
Wir haben zuhause nichts davon unseren Eltern erzählt. Wir hatten Angst, wieder in das Heim zu müssen.
Ich hatte Angst vor Erwachsenen. Sogar noch, als ich eine junge Frau war und selbst schon Mama war..
Ich hatte Angst vor Strafe. Ich hatte Angst, ich könnte keine Toilette in der Nähe haben.
Ich hatte Angst vor der Schule und den Lehrern. Dort waren ja auch Schwestern.
Ich war schlecht in der Schule. Ich war still. Ab und an nässte ich ein.
Ich hatte einen starken Gerechtigkeitssinn entwickelt und verspürte Zorn, Enttäuschung und Wut wenn Gerechtigkeit nicht statt fand und ich nichts gegen Ungerechtigkeit tun konnte.
Ich kam nicht mit mehr Gewicht zurück, meine Schwester hatte auch nicht abgenommen. Wir waren auch nicht gesünder als vorher. Wir bekamen weiterhin Kinderkrankheiten und hatten ständig mit Husten zu tun.
Wie es meiner Schwester seelisch und erging kann ich nur erahnen, da wir vor lauter Angst nicht darüber sprachen.
Im Laufe der Jugendjahre entwickelten meine Schwester und ich die Krankheit Morbus-Crohn.
Aufarbeitung
Ich wurde 2011 sehr krank und die Erinnerung an diese Verschickungszeit ließ mich nicht los.
Ich schrieb damals auf, an was ich mich an unseren Aufenthalt im Heim erinnerte und erschrak fürchterlich über diese Misshandlungen.
Ich befragte ich meine Mutter, ob sie von den Zuständen in dem Kindergenesungsheim in Oy Mittelberg gewusst hatte oder etwas geahnt hätte. Sie hatte davon keine Ahnung und nichts bemerkt.
Meine Schwester Eva konnte sich nur an ganz wenig dort erinnern. Aber an das „Loch“, wie sie es nannte, wo die Kinder eingesperrt wurden, an das konnte sie sich erinnern.
Sie machte sich mit meiner Mutter auf den Weg nach Oy Mittelberg und fand auch das ehemalige Kindergenesungshaus dort wieder. Sie konnte es nicht betreten, da dort wieder eine Einrichtung für Kinder darin ist. Aber von außen fand sie den Kellerzugang zu dem dunklen Flur, wo das „Loch“ für die Kleinen war, sofort wieder.
Ich schrieb daraufhin einen Brief an das Mutterhaus der Mallersdorfer Schwestern und bekam da auch Antwort. Mir wurde gesagt, dass die Erziehungsmethoden damals halt so waren, dass ihnen das alles sehr leid täte und ich gerne einmal in das Mutterhaus kommen könnte, um mein Gewissen zu erleichtern. Leider ging mein Brief an das Schwesternhaus sowie die Antwort verloren. Ich bin auf der Suche danach, denn es kann eigentlich nicht sein, dass ich das alles weggeworfen hätte.
Ich lebe nicht mehr in Bayern. Ich betreibe zwei Ferienwohnung auf der Insel Rügen. Auch dort gibt es immer noch eine Mutter-Kind-Klinik. Während DDR-Zeiten war es das Kindergenesungsheim Frohe Zukunft. Bereits zwei mal hatte ich Gäste (Männer) in meinem Haus, die mit Ihrer Mutter kamen um den Ort ihrer Misshandlung zu besuchen und ihren völlig ahnungslosen Müttern alles zu erzählen und das Heim wenigstens von außen zu zeigen.
Durch einen Besuch bei unserem Trauzeugen habe ich erfahren, dass auch er in so ein Genesungsheim verschickt wurde und Erinnerungen durch meine Erzählung bei ihm wieder aufkommen. Er wird seine Mutter fragen, wo er hin verschickt wurde.
Ich bin im Internet darauf gestoßen, dass ein NS-Arzt Dr. Hensel bis ins Jahr 1965 in der Kinderkurklinik Oy-Mittelberg als Arzt tätig war. Dieser Arzt hat in Kaufbeuren in einer Kinderkurklinik während der NS-Zeit Versuche an kranken Kindern und behinderten Kindern zur TBC-Erkrankung vorgenommen und wechselte dann nach Oy Mittelberg. Von diesen „minderwertigen Versuchskindern“ verstarben mehrere. Es gab auch einen Prozess in dem er freigesprochen wurde und seine Arbeit als Arzt fortsetzen durfte.
Zitat Wikipedia: Georg Hensel, Pulmologe, 1939 Oberarzt Kinderheilstätte Mittelberg, führte dort tödliche TBC-Versuche an behinderten Kindern durch. 1946 Freispruch, 1960 neues Verfahren eingestellt.[18]
Für mich hat das alles schon Zusammenhänge und Methode.
Jetzt habe ich diese wunderbare Seite gefunden. Ich bin zutiefst entsetzt über das Leid so vieler Kinder, die jetzt alle schon erwachsen sind.
Alle erworbenen Ängste, alle erworbenen Erkrankungen, alle Misshandlungen an den Verschickungskindern müssen sofort offengelegt werden.
28.10.2022, Michaela Seliga
Ich war ein Verschickungskind im Kindergenesungsheim in Oy Mittelberg 1964
Der Beginn
Ich, Michaela und meine Schwester Eva kamen im Herbst 1964 für ca. 8 Wochen in das Kindergenesungsheim Oy Mittelberg im Allgäu. Bei meiner Schwester Eva gibt es nur noch wenig Erinnerung an unseren Aufenthalt; ich erinnere mich sehr gut.
Wir kamen aus München-Perlach. Meine Schwester Eva war 5 Jahre und ich 7,5 Jahre. Ich war ein dünnes Kind und, wie die Lehrer sagten, schlecht in der Schule und langweilig. Meine Schwester war lebhaft und eher „fester“ aber nicht dick. Wir waren gute Esser. Meine Schwester und ich hatten die letzten 1,5 Jahr mit Keuchhusten und Masern zu tun, so dass ein regelmäßiger Schulbesuch oft nicht statt fand.
Am 27. September 1964 kam unsere kleine Schwester Erika zur Welt. Es ging ihr sehr schlecht und meine Eltern mussten sie in München in der Klinik lassen und konnten das Baby erst nach ca. 3 Wochen nach Hause holen. Das müsse dann so zwischen 15. und 20. Oktober 1964 gewesen sein. Meine Schwester Eva und ich bekamen das Baby nicht zu sehen, da wir kurz vor der Klinikentlassung des Babys nach Oy geschickt wurden.
Um unsere Mutter mit dem neuen Baby zu entlasten, gaben die Eltern dem Hausarzt ihr Einverständnis zu unserer „Kur“. Eingewiesen hat uns unser Hausarzt Dr. Kampa in Perlach über das Müttergenesungswerk. Das hat uns unsere Mutter später erzählt.
Die Vorbereitungen
Ein Besuch im Heim durch unsere Eltern war verboten.
Es wurde uns Briefpost zum beschreiben von den Eltern eingepackt. Schon fertig mit der Heimatadresse und einer Briefmarke versehen. Unsere Kleider und Schürzen, die wir tragen sollten, waren alle mit Wäscheetiketten und unseren Namen benäht. Spielzeug oder Kuscheltier durfte nicht mitreisen.
Reise
Die Eltern brachten uns zum Hauptbahnhof München. Von dort ging der Zug mit vielen Kindern ins Allgäu. Mit Zwischenstationen in mehreren Kurorten, wo ebenfalls Kinder ausstiegen, kamen wir in Oy an. Dort wurden wir abgeholt. Wie, weiß ich nicht mehr.
Ankunft
In Oy Mittelberg gab es eine große Kinderkurklinik und ein oder mehrere angeschlossene Kindergenesungsheime.
Schon als ich unser Genesungsheim von außen sah und die vielen Kinder wurde mir Angst und ich hatte Heimweh.
Mädchen und Buben wurden erst mal vor dem Heim auseinandersortiert und wir durften nicht reden. Die Jungs, die mit uns gereist waren, wurden abgezweigt und von einem Lehrer weggebracht. Ich vermute, in ein weiteres Gebäude. Wir haben die Buben dann nur noch vereinzelt bei den ärztlichen Untersuchungen gesehen, bei denen wir auch nicht mehr miteinander sprechen durften.
Personal
Das Heim wurde von katholischen Nonnen geführt. Nachträglich konnte ich recherchieren: Die Schwestern kamen aus dem Kloster Mallersdorf – Mutterhaus der Armen Franziskanerinnen.
Zusammenhängend ist dazu zu sagen: Ich und meine Schwester Eva wurden in Mallersdorf geboren und lebten nun in München Perlach. Meine Lehrer dort und die Frauen im Kindergarten meiner Schwester waren ebenfalls Klosterschwestern. Mir flößten diese Schwestern stets Angst und Entsetzen ein. Meine Schwester ging allerdings gerne in diesen Kindergarten.
Aufteilung
Im Flur im Innenbereich angekommen, wurden meine Schwester Eva und ich „aufgeteilt“. Eva kam in eine andere Gruppe als ich und sollte zu den „Kleinen“. Ich kam in die Gruppe der „Großen“. Lange wurde von den Schwestern diskutiert, ob ich altersgemäß überhaupt in diese Gruppe passen könnte. Man hielt mich für zu jung, entschied sich dann aber doch für die „große“ Gruppe.
Wir mussten uns also sofort trennen. Unser Gepäck wurde von den Schwestern in unsere Schlafräume gebracht. Meine Schwester Eva weinte.
Was später mit meiner Schwester in ihrer Gruppe passierte, konnte ich oft nur durch lautes Weinen erahnen, da wir ständig durch Türen getrennt waren.
Im Zimmer der „Großen“ habe ich bemerkt, dass es anscheinend im Heim mehrere größere Mädchen gab, die ständig dort lebten.
Tagesablauf
Frühes aufstehen, ein paar mal wöchentlich frühmorgens ein langer Marsch in eine Bergkirche in dem dann ein Frühgottesdienst abgehalten wurde. Waschen. Frühstück. Briefe schreiben. Spielen. Mittagessen. Mittagsruhe. Spielen. Abendessen. Waschen. Schlafengehen. Die „größeren“ Mädchen, die ständig dort wohnten, gingen vormittags zur Schule. Ich kann mich an keine Ausflüge erinnern. Einmal waren wir nachmittags zum Schlitten fahren.
Das Essen
Das Essen fand an langen Tischen statt. Für jede Gruppe in deren Aufenthaltsraum. Jedes Kind hatte einen festen Platz mit einer Schublade unter der Tischplatte. Dort hinein kamen die vorgefertigten, mitgebrachten Briefkarten.
Es gab sehr fettes Fleisch, das ich als Kind nicht essen konnte. Mir graute einfach davor und ich würgte es ständig heraus. Ich musste es aber aufessen. Ich musste solange vor dem Teller sitzen, bis ich aufgegessen hatte. Es ging noch weiteren Kindern so.
Ich konnte das nicht essen und habe erbrochen. Um diese Tortur nicht weiter mitmachen zu müssen, habe ich das restliche Essen mit dem Fett in die Schublade unter mir geschüttet. Um das Briefpapier zu schützen habe ich mit Brot eine Barriere gebaut.
Als der Kuraufenthalt endete, war die Schublade voll, das Briefpapier leer und alles schimmelig. Aber dieses Essen brauchte ich wenigstens nicht mehr essen.
Meine Schwester Eva hatte solchen Hunger, dass sie einmal den Essenslift im Vorraum abwartete und anfing, die Suppen für das Mittagessen schon aus dem Lift zu löffeln. Sie war 5. Dann hörte ich nur noch Geschrei und es wurde nach mir gerufen. Ich sollte kommen und mir das Balg ansehen, das so sträflich gehandelt hatte. Meine Schwester wurde vor allen anderen Kindern verprügelt bis sie sich einnässte. Ich musste mit meiner weinenden Schwester dann zur Strafe mit ihr in die Schlafräume und sie umziehen. Wir durften erst zum Abendessen wieder in die Aufenthaltsräume. Wir mussten uns gegenseitig trösten. Niemand durfte dort an diesem Abend mehr mit uns sprechen.
Wir bekamen zu den jeweiligen Essen mehrere Tabletten auf den Tellerrand gelegt. Was das für Tabletten waren, kann ich natürlich nicht mehr sagen.
Manchmal kullerten die Tabletten in die Suppe und haben das Essen verbittert. Wir mussten trotzdem Essen. Es ist mir ein Mädchen in Erinnerung, das nicht die Suppe essen wollte und der die Suppe von einer Schwester regelrecht gewaltsam mit dem Löffel verabreicht wurde.
Einmal gab es einen Apfel zur Nachspeise. Mein Apfel war wurmig und auf einer Seite faulig. Aber ich musste abbeißen. Als die Schwester nicht mehr guckte, steckte ich den Apfel in meine Schürzentasche. Beim nächsten Toilettengang dachte ich mir aus, könnte ich den Apfel in der Toilette entsorgen. Das tat ich auch. Ich wusste nicht, dass Äpfel im Wasser schwimmen. Eine Klosterschwester riss die Toilettentür auf, guckte ins Klo, sah den Apfel. Ich musste ihn herausholen und sollte den Apfel vor allen Kindern essen. Ich versuchte es und musste wieder erbrechen. Die Strafe war, ich sollte den Apfel im Laufe des Tages essen, mein Erbrochenes aufwischen und die Strafe der „großen“ Mädchen abwarten. Das tat ich.
Ich steckte den Apfel wieder in die Schürzentasche. Dort gammelte er und wuchs sozusagen durch den Stoff durch bis wir wieder nach Hause kamen.
Ich kann mich nicht an gute und entspannte Essen dort erinnern.
Körperhygiene
Wir mussten 1 x in der Woche duschen. Dazu wurden wir alle in einen großen Raum im Keller gebracht. Der Raum war mit Holzpaletten ausgelegt und die Duschköpfe waren an der Raumdecke angebracht. Wir mussten unsere Unterwäsche anlassen und durften uns nicht am Unterleib berühren. Auch durften wir uns gegenseitig nicht anfassen, nicht lachen.
Dann wurde die Raumtüre geschlossen und von außen die Dusche aufgedreht. Das ging über Heiß- bis Kaltwasser. Es gab für uns keinen Schutz im Raum. Ein großes Kind machte uns vor, wie wir uns mit dem Waschlappen wo waschen sollten. Heiß- oder Kaltwasser kam willkürlich und wir konnten nicht aus. Eine Schwester stand vor der Tür und beobachtete die Prozedur durch eine Glasscheibe. Manche Kinder schützten sich, indem sie die Hände vor ihr Gesicht hielten. Manche weinten andere standen einfach total erstarrt da. Ich durfte meiner kleinen Schwester nicht helfen.
Toilettengänge durften nur zu angegebenen, bestimmten Zeiten statt finden. Sollte man das nicht aushalten, folgten Strafen. Eckestehen. Auslachen. Kein Nachmittagskaffee.
Spielzeug
Meiner Meinung nach gab es kein altersgerechtes Spielzeug in meiner Gruppe. Ich klebte Wochenlang nur kleine Tiere aus Plastikfolie auf eine Plastikunterlage. Gesellschaftsspiele durfte ich nicht mitspielen oder nur dann, wenn man mich auch bestrafen konnte. Wie es bei den „Kleinen“ aussah, weiß ich nicht und meine Schwester Eva erinnert sich auch nicht mehr.
Arztbesuche und Medikamente
Einmal wöchentlich kam ein Arzt und auch der Pfarrer. Die Schwestern waren an diesem Tag immer sehr aufgeregt. Pfarrer und Arzt wurden hofiert. Wir mussten uns gut und sauber anziehen und durften nicht sprechen. Der Arzt schlug uns mit einem Hämmerchen aufs Knie und hörte die Lunge ab. Weiter passierte meiner Ansicht nach nichts. An diesem Tag bekamen wir manche von den Jungs die mit uns ankamen wieder zu sehen, durften aber nicht mit ihnen sprechen.
Tabletten bekamen wir in größeren Mengen täglich auf den Tellerrand gelegt. Ich kann mich erinnern, dass ich einmal eine Spritze bekam.
Feste
Am Nikolaustag bekamen Eva und ich von unseren Eltern einen Nikolaussack zugeschickt. Wir freuten uns so sehr. Jedes Jahr brachte uns der Nikolaus ja etwas. Damals waren es Äpfel, Nüsse, Orangen, Lebkuchen und einen Schokoladennikolaus.
Es wurde am Nikolaustag nach dem Abendessen die Kinder alle einberufen. Vor unseren Augen wurde dann der Inhalt unseres Nikolaussackes an alle verteilt. Eva und ich bekamen nichts. Mit den Worten einer Schwester: Da kann man mal sehen, was Kinder hier bekommen, die sonst alles haben. Wir waren nicht reich.
Wir hatten einmal ein Geburtstagskind, die etwas Süßes von den Eltern bekam, dort wurde es genauso gehandhabt.
Eine Strafe für Kinder, deren Eltern ihnen ein kleines Geschenk andachten.
Briefe
Die mitgebrachten Briefkarten wurden ein- oder zweimal wöchentlich an die Eltern geschrieben. Meine erste Karte enthielt wahrheitsgemäß den Satz, dass es uns Kindern hier nicht gefällt, Heimweh hatten und wir wieder nach Hause möchten. Dieser Brief wurde von den Schwestern abgefangen, gelesen. Daraufhin wurde der Brief vor meinen Augen und allen anderen Kindern zerrissen und ich musste schreiben: „Liebe Mama, lieber Papa, wie geht es Euch? Uns geht es gut. Liebe Grüße, Eure Eva und Michaela.“ Diese Briefe hatte meine Mutter aufgehoben bis sie verstarb.
Mir wurde gedroht, dass meine Eltern uns nicht mehr zurück haben wollten, wenn ich nicht das schreibe, was die Schwestern sagten.
Nachtruhe
Ich schlief in einem kleineren Schlafraum mit hohen Decken mit weiteren 3 Mädchen aus der großen Gruppe, die auch zur Kur dort waren.
Meine Schwester musste in einem sehr großen Schlafsaal schlafen in dem viele kleinere Mädchen schliefen.
Der Schlafraum war durch eine Tür mit unserem Zimmer verbunden. Wir durften die Tür aber nicht öffnen. Wir taten es aber doch. Mehrer „größere“ Mädchen hatten ja ein Geschwisterkind mitgebracht. Es war gut zu sehen, dass unsere Geschwister ja sozusagen neben uns lagen.
Das Licht wurde durch die Schwestern ausgeschaltet und durfte nicht mehr angeschaltet werden. Es durfte Nachts nicht mehr zur Toilette gegangen werden. Es durfte nicht mehr miteinander gesprochen werden.
Oft weinten wir größeren Mädchen leise in unseren Betten.
In den Nächten wurden die Schlafraumtüren willkürlich aufgerissen. Licht angeschaltet und kontrolliert, ob wir großen Mädchen im Bett waren.
Bei den „Kleinen“ wurden die Bettdecken weggerissen, die Kinder aus dem Bett gezogen und die Laken kontrolliert. Manche von den Kleinen hatten eingenässt. Die Laken wurden herausgerissen aus den Betten, die Kinder am Arm gepackt und durch anschreien und Schläge bestraft. Es wurde jedesmal ein Kind ausgesucht, das dann im Keller in einen kleinen, fensterlosen Raum gesperrt. Dort musste es die Nacht verbringen. Ob es am Tage noch dort war, kann ich nicht sagen, da ich tagsüber nicht in die Räumlichkeiten der „Kleinen“ kam.
Das Einsperren der „Kleinen“ haben wir „Größeren“ nur herausgefunden, weil manche von uns Nachts an dieser Tür im Keller barfuß, im Schlafanzug und mit dem Gesicht zur Wand im Dunkeln auf den kalten Fliesen „stehen“ musste. Wenn wir zum Beispiel Nachts noch miteinander sprachen oder auf die Toilette huschten.. Wenn man auf Grund der Kälte zur Toilette musste, musste man einnässen, durfte sich nicht wegbewegen und handelte sich wieder eine Strafe für den nächsten Tag ein.
Wir Größeren haben dann beschlossen, dass wir jede Nacht nach den Kleinen schauen müssten. Die Kinder sollten sagen, ob sie eingenässt hätten. Dann haben wir Großen die Laken im Dunkeln abgezogen und haben unsere eigenen Laken eingelegt. Die eingenässten Laken versuchten wir Großen über unserer Heizung zu trocknen, wenn die „Kontrolle“ vorüber war.
Also hatten wir Nachts viel zu tun. An viel Schlaf war nicht zu denken. Wir mussten leise damit umgehen und ständig auf der Hut vor Kontrolle sein.
Einmal kam die Schwesternkontrolle und wir sprangen alle in unsere Betten. Mein Bein war noch nicht unter der Bettdecke verschwunden. Also musste ich diese Nacht das „stehen“ übernehmen und sah die Tür des „Gefängnisses“ und hörte darin ein Kind. Wir konnten und durften nicht durch die Tür miteinander sprechen. So haben wir nur leise an die Tür geklopft und haben versucht, etwas durchs Schlüsselloch zu sehen. Das war aber bei der Dunkelheit nicht möglich.
Wir Großen wussten also was geschah mit den Kleinen und damit auch mit unserern Geschwistern und wir konnten nicht helfen, da wir so schlimm bestraft wurden.
Strafen durch „größere“ Kinder
Die Schwestern wiesen die Mädchen an, die anscheinend ständig dort lebten, sich Strafen für mich auszudenken und diese an mir zu vollziehen. Dann sollten die Mädchen etwas „gut“ haben.
Meine Strafen waren:
Mir wurden die Augen verbunden, dann wurde ich um mich selbst gedreht, angehalten, dann wurde meine Hand genommen und auf einen stacheligen Kaktus geschlagen. Die Stacheln musste ich mir selber herausmachen. Meine Handfläche war entzündet.
Ich wurde gekniffen indem mir die Haut gedreht wurde, bis ein blauer Fleck entstand.
Es wurde an meinen Haaren gezogen, Haare ausgerissen und auf die Zehen getreten.
Nach meinen Bestrafungen durch die größeren Mädchen wurden diese von den Schwestern offen hervorgehoben und gelobt.
Strafen durch die Schwestern
Prügel, Essenszwang, Sitzstrafen, Stehstrafen, Haftstrafen, Redeverbot, Lachverbot, Weinverbot, Erniedrigung vor allen anderen Kindern und Schwestern und auslachen in der Gruppe mit Fingerzeigen. Drohungen, dass wir nicht mehr nach Hause dürften und unsere Eltern uns nicht mehr haben wollten.
Wieder Zuhause
Wir haben zuhause nichts davon unseren Eltern erzählt. Wir hatten Angst, wieder in das Heim zu müssen.
Ich hatte Angst vor Erwachsenen. Sogar noch, als ich eine junge Frau war und selbst schon Mama war..
Ich hatte Angst vor Strafe. Ich hatte Angst, ich könnte keine Toilette in der Nähe haben.
Ich hatte Angst vor der Schule und den Lehrern. Dort waren ja auch Schwestern.
Ich war schlecht in der Schule. Ich war still. Ab und an nässte ich ein.
Ich hatte einen starken Gerechtigkeitssinn entwickelt und verspürte Zorn, Enttäuschung und Wut wenn Gerechtigkeit nicht statt fand und ich nichts gegen Ungerechtigkeit tun konnte.
Ich kam nicht mit mehr Gewicht zurück, meine Schwester hatte auch nicht abgenommen. Wir waren auch nicht gesünder als vorher. Wir bekamen weiterhin Kinderkrankheiten und hatten ständig mit Husten zu tun.
Wie es meiner Schwester seelisch und erging kann ich nur erahnen, da wir vor lauter Angst nicht darüber sprachen.
Im Laufe der Jugendjahre entwickelten meine Schwester und ich die Krankheit Morbus-Crohn.
Aufarbeitung
Ich wurde 2011 sehr krank und die Erinnerung an diese Verschickungszeit ließ mich nicht los.
Ich schrieb damals auf, an was ich mich an unseren Aufenthalt im Heim erinnerte und erschrak fürchterlich über diese Misshandlungen.
Ich befragte ich meine Mutter, ob sie von den Zuständen in dem Kindergenesungsheim in Oy Mittelberg gewusst hatte oder etwas geahnt hätte. Sie hatte davon keine Ahnung und nichts bemerkt.
Meine Schwester Eva konnte sich nur an ganz wenig dort erinnern. Aber an das „Loch“, wie sie es nannte, wo die Kinder eingesperrt wurden, an das konnte sie sich erinnern.
Sie machte sich mit meiner Mutter auf den Weg nach Oy Mittelberg und fand auch das ehemalige Kindergenesungshaus dort wieder. Sie konnte es nicht betreten, da dort wieder eine Einrichtung für Kinder darin ist. Aber von außen fand sie den Kellerzugang zu dem dunklen Flur, wo das „Loch“ für die Kleinen war, sofort wieder.
Ich schrieb daraufhin einen Brief an das Mutterhaus der Mallersdorfer Schwestern und bekam da auch Antwort. Mir wurde gesagt, dass die Erziehungsmethoden damals halt so waren, dass ihnen das alles sehr leid täte und ich gerne einmal in das Mutterhaus kommen könnte, um mein Gewissen zu erleichtern. Leider ging mein Brief an das Schwesternhaus sowie die Antwort verloren. Ich bin auf der Suche danach, denn es kann eigentlich nicht sein, dass ich das alles weggeworfen hätte.
Ich lebe nicht mehr in Bayern. Ich betreibe zwei Ferienwohnung auf der Insel Rügen. Auch dort gibt es immer noch eine Mutter-Kind-Klinik. Während DDR-Zeiten war es das Kindergenesungsheim Frohe Zukunft. Bereits zwei mal hatte ich Gäste (Männer) in meinem Haus, die mit Ihrer Mutter kamen um den Ort ihrer Misshandlung zu besuchen und ihren völlig ahnungslosen Müttern alles zu erzählen und das Heim wenigstens von außen zu zeigen.
Durch einen Besuch bei unserem Trauzeugen habe ich erfahren, dass auch er in so ein Genesungsheim verschickt wurde und Erinnerungen durch meine Erzählung bei ihm wieder aufkommen. Er wird seine Mutter fragen, wo er hin verschickt wurde.
Ich bin im Internet darauf gestoßen, dass ein NS-Arzt Dr. Hensel bis ins Jahr 1965 in der Kinderkurklinik Oy-Mittelberg als Arzt tätig war. Dieser Arzt hat in Kaufbeuren in einer Kinderkurklinik während der NS-Zeit Versuche an kranken Kindern und behinderten Kindern zur TBC-Erkrankung vorgenommen und wechselte dann nach Oy Mittelberg. Von diesen „minderwertigen Versuchskindern“ verstarben mehrere. Es gab auch einen Prozess in dem er freigesprochen wurde und seine Arbeit als Arzt fortsetzen durfte.
Zitat Wikipedia: Georg Hensel, Pulmologe, 1939 Oberarzt Kinderheilstätte Mittelberg, führte dort tödliche TBC-Versuche an behinderten Kindern durch. 1946 Freispruch, 1960 neues Verfahren eingestellt.[18]
Für mich hat das alles schon Zusammenhänge und Methode.
Jetzt habe ich diese wunderbare Seite gefunden. Ich bin zutiefst entsetzt über das Leid so vieler Kinder, die jetzt alle schon erwachsen sind.
Alle erworbenen Ängste, alle erworbenen Erkrankungen, alle Misshandlungen an den Verschickungskindern müssen sofort offengelegt werden.
28.10.2022, Michaela Seliga
Ich war zu dieser Zeit 12 Jahre alt. Der Grund der Verschickung war wohl: zu dünn und Bronchitis.
Ich habe fast gar keine Erinnerung daran. Meine Aufmerksamkeit wurde erst ca. Anfang Oktober `22 im Rahmen einer Fernsehsendung „Planet-Wissen“ mit Frau Anja Röhl aktiviert. Seitdem informiere ich mich in entsprechenden Foren und Literatur. Ich bin nun 65 Jahre alt und fand lange Zeit keine Erklärung zu bestimmten Verhaltensweisen in Bezug auf Essen, Schlafen und Urinieren. Auf Grund der vielen Schilderungen anderer Betroffener, eigentlich egal in welchem Heim sie waren, bin ich heute der Meinung, dass Vieles davon vielleicht auch bei mir zutreffend war. Überwiegende Erinnerung ist jedoch wie ausgelöscht. Wenn ich jedoch die Schilderungen auf mich übertrage, erklärt das „für mich“ Verhaltensweisen, die sich zumindest seit den Jahren nach `69 durch mein Leben bis heute ziehen.
Bestimmtes Essen (z.B. Hirnsuppe (?), Milchsuppe, warmer Milchreis, Haferflocken mit warmer Milch, warme Milch allgemein mit oder ohne „Haut“ oben auf, warmer Pudding mit schwabbeliger „Haut“) kann ich nicht essen oder riechen.
Soweit ich bis in meine frühe Jugendzeit zurückdenken kann, wurde ich zur Mittagszeit immer sehr müde. Soweit möglich brauchte ich bis heute stets eine Art Mittagsschlaf, wobei ich danach aber auch nicht wirklich fit war.
Ich habe mich immer gewundert, dass es mir nicht möglich war mich vor einem Urinal zu stellen um zu urinieren, wenn Andere sich ebenfalls dort aufhielten. Da klappt gar nichts, ob es in der Schule war oder später bei der Arbeit, in Restaurants oder bei Veranstaltungen. Der Hang dabei, „vorsorglich“ eine Toilette aufzusuchen, z.B. in Pausen bei Veranstaltungen, ist bis heute geblieben. Mache ich das nicht, fühle ich mich nach den Pausen unwohl.
Nach meinen ersten Recherchen und Lesen der Schilderungen anderer Betroffener kann ich mir nun eine Verbindung zu meinem früheren Kuraufenthalt vorstellen.
Sommer `69 (?). Ich habe anhand von 2 Fotos meiner Zeit in Bad Reichenhall und eines hohen Krankheitstandes in meiner damaligen Schule mein Verschickungsjahr recherchiert. Weitere Unterlagen habe ich nicht:
- Abfahrt, vermutlich mit Zug (gemeinschaftlich mit anderen Kindern) ab Dortmund , Ankunft in Bad Reichenhall (keinerlei Erinnerung).
Schlafraum: Stahlrohrbetten, Vielbettzimmer (wie damals auch in Krankenhäusern üblich).
Schöne Natur, vor allem Berge durch Blick aus dem Fenster des Schlafraumes.
Essens-/ Aufenthaltsraum mit Spielmöglichkeiten:
- Raum kann nicht beschrieben werden. Essen zusammen mit anderen Kindern. Keine konkreten Erinnerungen bezüglich Frühstück und Abendessen. Hier habe ich mit anderen Kindern gespielt, vor allem Schach. Das Brettspiel hat mir ein anderer Junge beigebracht.
Inhalierraum:
An den Inhalierraum habe ich auch keinerlei Erinnerung. Ich weiß aber dass ich da mehrmals drin war aus Therapiegründen (?), falls es ein Inhalierraum war….
Solebad:
Das Solebad habe ich in Erinnerung. Aber nur insoweit als das ich weiß, das wir gelegentlich darin waren und das es sehr salzig war.
Personal/ Aktivitäten:
Bis auf eine Mitarbeiterin „Null Erinnerung“. Besagte Frau war jung. Vom Typ her eine sehr liebe und nette Person. Sie hat häufig mit uns im Aufenthaltsraum gesungen und dabei mit einer Gitarre begleitet. Aus einem kleinen Textbuch wurden Lieder gesungen. Ich meine überwiegend Gospelsongs. „Kumbahya, my lord“ habe ich ganz konkret in Erinnerung. Das Zusammensein mit anderen Kindern und dieser Frau mit der Hausmusik habe ich wohlwollend in Erinnerung. Es scheint heute, als ob diese Frau für eine kleinere Gruppe Jungen zuständig war, der ich auch angehörte.
Eine Bergtour habe ich in Erinnerung. Hiervon habe ich 2 Schwarz/ Weiß Fotos im Kleinformat leider nur. Ich habe sie zur besseren Kenntlichmachung mit dem Smarthphone fotografiert und so auf DIN A-4 vergrößert. Ein Foto ist brauchbar geworden dadurch. Ich meine mich darauf erkannt zu haben. Die Frau auf dem Bild könnte die zuvor genannte sein. Fast alle lachen darauf und machten einen glücklichen Eindruck (?).
Die Bergtour ging auf einen Gipfel, vermutlich Zennokopf/ Zwieselberg. Das habe ich anhand von Fotos recherchieren können. Konkrete Erinnerung daran habe ich nicht.
Kurz vor Ende des Aufenthaltes durften einige Kinder in die Stadt,z.B. um Mitbringsel einzukaufen. Ich durfte dabei sein. Andere Kinder nicht.
Ich war gehorsam, gab keine Widerworte, machte alles was von mir verlangt wurde. Dadurch hatte ich wohl keinerlei Probleme. Ich war ein Kind, was man wohl unter „lieb und gehorsam“ verstand. So wurde ich bei meinen Großeltern von meiner Großmutter erzogen, leider aber mit körperlicher und verbaler Gewalt (Züchtigungen und Bestrafungen).
Als letztes erinnere ich mich an einen Vorfall beim Mittagessen (die einzige Erinnerung). Komischerweise kreisen da zwei Erinnerungen in meinem Kopf. Kann sein, dass ich das eine mit dem anderen verwechsle oder ob das vielleicht zwei verschiedene Vorfälle waren:
Es gab Hirnsuppe……..mir wurde schlecht als der Teller vor mir stand. Der Geruch und das Wissen, es war Hirn von einem Tier, war fürchterlich. Ich traute mich nicht etwas zu sagen, konnte aber auch nicht einen Bissen davon in den Mund nehmen. Ich hatte Glück im Unglück. Einer der anderen Kinder mochte Hirnsuppe so gerne, das er seinen Teller schnell leerte und wir tauschten unseren dann aus………...gerettet! Ich hatte dann zwar nichts gegessen, aber das war in dem Moment egal.
Meine zweite Erinnerung: Ich habe die Hirnsuppe probiert. Mir wurde schlecht. Ob ich das übel riechende Hirn wieder ausspuckte oder auf den Teller erbrach, weiß ich nicht mehr. Ob das Kosequenzen hatte für mich weiß ich auch nicht. Eine vage Erinnerung ist aber da.
Eigentlich erinnere ich mich bis auf die geschilderten Ausnahmen an gar nichts.
Auch an die Heimfahrt hab ich keine Erinnerung mehr. Ich weiß aber das ich kurioserweise gerne in dem Heim in Bad Reichenhall geblieben wäre. Ich war eigentlich traurig wieder nach Hause zu müssen…………...
Ich wollte mich nach der Zeit in Bad Reichenhall nicht mehr wirklich an Regeln halten und hielt gegen alles was mich bevormunden wollte. Ich weiß nicht ob das Ausflüsse aus der Kurzeit waren oder einfach das Ergebnis meiner vorherige Erziehung. Eine positive Entwicklung begann erst mit dem Kennenlernen meiner heutigen Frau. Wir sind seit dem 16. Lebensjahr ein Ehepaar.
Da ich an meinen Kuraufenthalt in Bad Reichenhall so gut wie überhaupt keine Erinnerung habe, wäre es schön, vielleicht von anderen Betroffenen die in etwa zur selben Zeit in eine der beiden in Frage kommenden Einrichtungen waren, mehr zu erfahren. Es wird auch oft von Misshandlungen gesprochen. Das kann ich weder bestätigen noch dementieren. Auch Tests wie z.B. mit Tabletten an Kindern habe ich nicht in Erinnerung, kann aber natürlich nicht ausschließen, dass wir Tabletten einnehmen mussten. Es würde mich brennend interessieren, ob so etwas statt fand und um welche Medikamente es sich da handelte und was die bewirkten. Und es wurde hin und wieder von einem „Drucksimulationsraum“ gesprochen (?).
ich bin 1957 geboren und war im Januar/Februar 1967 in der Frieda-Klimsch Stiftung in Königsfeld und wurde während der Kur 10 Jahre alt.
Im Gegensatz zu vielen anderen habe ich ausschließlich gute Erinnerungen an diese Zeit. Sicher herrschte ein strenges Regiment und bestimmte Regeln, aber die kannte ich aus meinem strengen Elternhaus mit mehreren Geschwistern schon, also fiel es mir nicht schwer, mich unterzuordnen, zu essen, was auf den Tisch kam (bis auf einmal eine gelbe übel riechende Kohlsuppe, ob ich gezwungen wurde, diese zu essen, weiß ich nicht mehr) und zu gehorchen.
Morgens gab es Haferflocken mit wahlweise Kakao mit kalter oder warmer Milch. Insgesamt muss das Essen wohl in Ordnung gewesen sein, ich nahm 4 Kilo zu. An Duschräume erinnere ich mich gar nicht mehr aber dass man nachts und bei der Mittagsruhe nicht aufstehen und auf die Toilette gehen durfte.
Da alles schon 55 Jahre her ist, habe ich nach Bildern, Dokumenten und Nachweisen gesucht und wurde fündig in meinem Poesiealbum! Dazu später mehr.
An die Hinfahrt im Zug und das Ankommen im Heim kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich war auch eines der schmächtigen Kinder, das aufgepäppelt werden sollte. Ich lag mit mehreren anderen Mädchen, in etwa in meinem Alter, in einem Schlafsaal mit diesen weißen Metallbetten.
Wir verstanden uns alle sehr gut und als ich 10 Jahre alt wurde, standen die Mädchen vor meinem Bett und sangen mir ein Ständchen und hatten am Metallbett, während ich schlief, viele Blumen aus Tempos gebastelt und an die Stäbe des Bettes gebunden. Ich war total gerührt und musste weinen. Meine Mutter schickte mir ein Geburtstagspaket mit vielen Süßigkeiten und Haselnüssen für die Eichhörnchen. Diese Süßigkeiten wurden unter allen aufgeteilt, was ich in Ordnung fand, ich war teilen gewohnt.
Es lag viel Schnee und einmal gingen wir zum rodeln und soweit ich mich erinnere hatten wir große Schlitten, wo 3 Kinder drauf passten. Mittag mussten wir in warme Decken eingerollt draußen auf einer überdachten Terrasse Mittagsschlaf halten, es durfte nicht gesprochen oder gelesen werden. Abends nach dem Abendbrot saß unsere Gruppe zusammen und wir sangen, es wurde gelesen und erzählt.
Ich kann mich nicht an Schläge, Demütigungen, Strafen oder ähnliches erinnern. Ich habe mich dort wohlgefühlt und frage mich, ob ich Glück hatte und/oder ich vieles nicht mitbekommen habe, was evtl. anderen passiert sein könnte?
In meinem Poesiealbum haben sich Schwester, Tanten und einige der Mädchen verewigt.
Schwester Lieselore (die u.a. schrieb: "...Was wir brauchen in guten und bösen Tagen, das sind Menschen, die mit uns lieben, leiden und tragen...!" Ein Bild ist mit eingeklebt, auf dem das "Waldhaus" zu sehen ist. Ob ich in diesem Gebäude war, weiß ich nicht mehr. "Tante" Petra und "Tante" Claudia sowie aus meiner Gruppe Ursula G. aus Darmstadt, Gabriele B., Gerda A., Ursula Oe., Karin, Eva.
Auf der Heimfahrt mit dem Zug wurde ich von einer Schwester begleitet.
Vielleicht will es der Zufall, dass hier jemand liest, der in der Zeit auch dort war!
Liebe Grüße an Alle!
Am Bahnhof in Duisburg musste ich mit einer fremden "Tante" gehen. Ich habe geweint weil ich nicht gehen wollte. An die Fahrt selber habe ich nur die Erinnerung das es ganz lange war.
Im Sanatorium waren dann noch weitere drei Mädchen und sieben Jungen. Bei den Mädchen war ein Geschwisterpaar. An einige, für mich bis heute traumatische, Ereignisse erinnere ich mich sehr gut.
So musste ich mich bei jeder Untersuchung beim Arzt nackt ausziehen, auf die Waage, kontrollieren ob ich zugenommen habe,dann Untersuchung durch den Doktor.
Beim Essen gab es große Portionen die ich auch immer aufessen musste, egal wie lange es gedauert hat. Nach dem Essen mussten alle Mittagsschlaf halten. Zwei Stunden lang. Die Augen müssten zu sein. Das wurde kontrolliert.
Danach gab es den Spaziergang im Wald. Wir durften aber nur auf dem Weg laufen. Einmal habe ich mich hingehockt, da ich ein Eichhörnchen gesehen habe, da wurde ich sehr unsanft von der Schwester weggezogen. Der Geruch von Waldboden im Herbst verursacht seitdem bei mir das Gefühl zu ersticken.
Zwei Situationen sind mir als besonders grausam in Erinnerung geblieben. Zum Einen durfte aus dem Schlafraum kein Laut zu hören sein sonst gab es Strafe. Einmal hatte ich so großes Heimweh das ich geweint und geweint habe. Die Schwester kam reingestürmt, zog mich aus dem Bett und stellte mich hinter einen dicken Vorhang auf dem Flur. Da musste ich muchsmäuschenstill stehen bleiben bis sie mich wieder abgeholt hat.
Ein anderes Mal haben die Geschwister ganz ganz leise miteinander geredet. Die Schwester dachte wohl ich war die, die geredet hat und zerrte mich aus dem Bett und sperrte mich in einen kleinen Raum. Ich musste mich auf einen Klavierstuhl zwischen Klavier und Kleiderschrank setzen. In diesem Raum waren so unglaubliche Geräusche. Gefühlt saß ich dort die ganze Nacht.
Am 13.10. hatte ich Geburtstag und wurde fünf Jahre alt. Auf diesen Tag habe ich mich gefreut, da mir gesagt wurde meine Eltern hätten Geschenke geschickt. Mein Platz wurde mit ein paar Blüten und Blättern geschmückt. Dann bekam ich von den Geschenken meiner Eltern eines. Alles andere wurde auf alle aufgeteilt.
Irgendwann durfte ich endlich nach Hause fahren.
Meine Mutter hat mich dann in Duisburg am Bahnhof wieder in Empfang genommen.
Viele Jahre später sagte sie mir sie hätte noch nie ein Kind gesehen das so verwahrlost und verdreckt nach Hause gekommen wäre.
Als ich mit meiner Schwester mal über den Aufenthalt geredet habe, sagte sie mir das sie sich nur daran erinnert das ich mit kaputtem Rock und Löchern in der Strumpfhose wie ein armes Würmchen auf dem Bahnhof angekommen bin und ein Schild um den Hals hatte wie ein Gepäckstück.
Bis heute, 55 Jahre nach diesem Aufenthalt sind viele Erinnerungen sehr präsent. 2020 musste ich zur Reha und hatte ziemliche Panik. Mein Mann, der bereits eine bewilligte Reha hatte, hat dann mit mir gemeinsam gekämpft das wir zur gleichen Zeit in die gleiche Klinik fahren konnten.
Im nächsten Frühjahr wollen wir nach Königsfeld fahren, da ich das Gefühl habe, ich muss den Ort,an den ich so grausame Erinnerungen habe nochmal aufsuchen.
Es tut mir Leid wenn ich zu viel geschrieben habe, aber es gibt noch unendlich vieles, was ich im Nachgang mit den Ereignissen im Sanatorium in Zusammenhang bringen würde.
Vielen Dank für die Möglichkeit hier zu schreiben.
Ganz liebe Grüße
Marita
" Wissenschaftler " unerträglich. Ich stelle mich gern einem seriösen Gespräch, falls es einen interessiert. Ich komme aus einem einfachen Haushalt, bin die älteste von 8 Kindern. Habe bis zum 68. Lebensjahr als Diplom Formgestalter gearbeitet - immer freischafend in der DDR und fürs westliche Ausland. Ich werde morgen 76 und ich lasse mir von niemanden ein X vors U machen.
Mit freundlichen Grüßen
Ursula Wünsch
Wir mussten uns jeden Abend im Waschsaal gemeinsam ausziehen und waschen und wir wurden auf Läuse und Zecken am ganzen Körper untersucht, ich habe mich dabei so sehr geschämt, bis heute habe ich ein Gefühl von Scham in mir. Der Teller musste leer gegessen werden, wer das nicht tat wurde bloßgestellt und musste so lange sitzen bleiben, bis alles aufgegessen war, auch wenn es Stunden gedauert hat, wir mussten alles probieren, was auf dem Speiseplan stand, alles, ob man es mochte oder nicht. Ich habe mir schnell angewöhnt zu schlucken, nicht zu kauen. Wir waren mehrmals in der Woche zum inhalieren an Inhalationsgeräten, obwohl es keinen medizinischen Grund dafür gab. In den Schlafräumen gab es ca 30 Betten, ich hatte Angst herauszufallen, weil sie so schmal gewesen sind, auch hatte ich Angst nachts zur Toilette zu gehen, es durfte kein Licht angemacht werden, ich hielt dann die ganze Nacht den Urin zurück. Mit anderen Kindern hatte ich keinen Kontakt, ich war alleine, das fiel anscheinend keinem Pädagogen auf. Ich bin bis heute traumatisiert, bis heute habe ich Angst zu sagen, wenn mich von meinem Gefühl, meiner Intuition her etwas stört, etwas nicht stimmig ist, sich falsch anfühlt, dann unterdrücke ich dieses Gefühl, halte einfach aus, verlasse die Situation nicht, obwohl sie mir nicht gut tut, ich gegen mich arbeite, das konnte ich auf Borkum ja auch nicht, ich konnte nicht weg, mich niemanden anvertrauen, ich musste einfach nur durchhalten und nicht auffallen. Sicherlich kann ich mich nicht mehr an alles erinnern, vielleicht gab es viel mehr und ich will und kann noch nich hinschauen. Ich habe mich ganz oft gefragt, woran dass es liegt, dass ich mich so sehr verbiege, immer und immer wieder, woher nur diese Angst und Selbstverleugnung kommen mag.
Vor 6 Jahren hatte ich einen Burnout, ich stehe nun wieder kurz davor, weil ich es nicht schaffe, eine schlechte Situation zu verlassen, ich fürchte mich vor Konsequenzen und halte aus.
Ich wurde als Kind gebrochen.
Ein Muster, dass sich unbewusst seit vielen Jahren wiederholt.
Danke für die Berichterstattung und meine Erkenntnis ?.
Ich hatte ein Stoff-Taschentuch dabei, an dem ich mich während der ganzen sechs Wochen festgehalten habe als Kuscheltier bzw. Schnuffeltuch.
Ohne dieses Tuch wäre ich dort vielleicht verzweifelt, das Tuch hat mich gehalten und beschützt.
Dieses Tuch hatte ich noch als junge Erwachsene und konnte ohne das mittlerweile ziemlich zerfetzte Tuch nicht einschlafen.
Meine Mutter hatte mir Naschipakete geschickt, die wurden dann unter allen Kindern aufgeteilt.
Das tat mir auch weh, da diese Pakete der einzige Bezug nach Hause waren.
Ich konnte noch nicht schreiben, nur Bildern und mich nicht nach Hause mitteilen, dass es mir schlecht ging.
Auf dem Rückweg von Bayern nach Norddeutschland habe ich während der ganzen Zugfahrt gespuckt vor lauter Heimweh wieder nach Hause zu kommen.
Meine Mutter hat erzählt, dass ich bei Ankunft tagelang nicht mit ihr gesprochen habe.
Dieser Aufenthalt war höchst traumatisierend für mich, da meine Lebendigkeit unterdrückt wurde und ich mich total einsam gefühlt habe.
Als ich dann eingeschult wurde, haben mich ein Jahr lang meine Mitschüler/innen gemieden. Ich weiß nicht, ob das miteinander im Zusammenhang steht.
Das fällt mir jetzt gerade noch dazu ein, wo ich das hier niederschreibe.
Ich war das erste Mal weg von zu Hause.
Heimweh war an der Tagesordnung.
Ich würde nach Kröchlendorff verschickt.
Epilepsie und viel zu dünn.... Noch vor Schulbeginn.
Schreiben und etwas lesen konnte ich dennoch damals schon. Ich war etwa 7.
Ich erinnere mich an Schlafsäle, Altersgemischt aber Geschlechtergetrennt.
Morgens musste man sich, egal wie alt, im Schlüpfen auf dem Flur aufreihen und sich gegenseitig mit einer Bürste den Rücken abbürsten. Den älteren Mädchen würden die Arme vor den Brüsten weggeschlagen, die sie dort aus Scham hielten.
Wir mussten vor dem Frühstück Wechselduschen. Oder wurden einfach mit kaltem Wasser abgespritzt weil wir so schwach seien. Wassertreten war auch immer schön. Andere Kinder würden aufgefordert den kleinen Schwächen dabei die Beine zu stellen.
Essen war eine Qual.
Ich saß oft stundenlang im Speisesaal und mir wurde gedroht das ich nie wieder nach Hause dürfte, sollte ich nicht essen.
Es haben sich reihenweise Kinder übergeben.
Weiteressen musste man dennoch.
Einmal saß ich vom Frühstück an, bis weit nach dem Abendessen. Allein das die sogenannte Erzieherin zu Toilette musste rettete mich, das die Frau aus der Küche Mitleid mit mir hatte und es wegwarf. Ich musste natürlich behaupten ich hätte es gegessen.
Niemand durfte Nachts zur Toilette, machte man es dennoch und Würde erwischt wurde man bestraft, in den Wäschekeller gebracht.
Hat man ins Bett gemacht, weil man es nicht mehr ausgehalten hat wurde man daran festgebunden und lag dort den halben Tag.
Wir mussten in unsere Kleidung Wäschetiketten einnägen, waren diese ab und man vermisste etwas wurde man auch den ganzen Tag in den Wäschekeller gesperrt und musste sämtliche Wäsche sortieren.
Ich erinnere mich an ein Mädchen aus Halle, sie war bestimmt 8-9 Jahre älter als ich. Sie erzählte viel. Wie schön ihr Leben sei, ihre Eltern seien reich und sie kaufen nur im Intershop.
Sie lachte immer, egal was sie ihr antaten.
Es wurden mit uns Freizeitaktivitäten unternommen. U. A. Ein jagdspiel...
Kinder in besseren körperlichen Verfassungen, die eher wegen angeblicher sozialer Auffälligkeiten dort waren, wurden als Jäger eingeteilt. Der Rest als Flüchtende. Ja so wurde es genannt.
Sie sollten uns im Wald jagen, finden und rausbringen, wo wir uns hinknien mussten mit den Armen hinterm Rücken und als "gefasst" galten. Sie sollten schreien, laut rufen, mit Ästen klopfen um uns aufzuscheuchen, das war ihr Auftrag.
Eine Erzieherin war nett, sie erzählte uns auf einem Spaziergang einmal das sie dort nicht arbeiten möchte, aber müsse, sie lebte im Nachbarort.
Post nach Hause durfte auch geschrieben werden. Ich konnte ein paar Worte schreiben und habe die anderen gefragt wie man das schreibt.... "bitte holt mich ab, ich möchte nach Hause".
Die Karte wurde gelesen, or allen anderen zerrissen u D ich musste eine neue schreiben. Der Text wurde mir aufgeschrieben und ich musste es abschreiben. Wie schön es sei.... Ich habe geheult, die Tränen waren auf der Karte... Aber so durfte sie abgesendet werden.
Ein Junge wurde zwischendurch abgeholt. Wir waren alle neidisch.
Ich war u. A. Dort um vor der Schule meine Epilepsie Medikamente zu reduzieren. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals dort Tabletten erhalten zu haben. Deshalb nehme ich an, verbrachte ich auch einen Tag auf der Krankenstation. Dort war es wie Erholung.
Heute stelle ich mir immer wieder die Frage wieso wir dort hin mussten.
In der DDR sicher nochmal aus anderen Gründen, politischen Gründen.
Ich bin fest davon überzeugt, daß wir gebrochen werden sollten um erst gar nicht Republikuntreu zu werden.
Ich habe viele Theorien warum das so sein könnte.
Ich habe lange verdrängt was ich dort erlebt oder gesehen habe. Erst vor ein paar Tagen lernte ich den Begriff "Verschickung" kennen.
Und plötzlich sind die Erinnerungen wieder präsent.
Aufgewachsen bin ich in einem liebevollen Elternhaus und ich hatte eine unbeschwerte und fröhliche Kindheit. Bis auf den Fakt, dass ich wohl etwas zu dünn war, war mit mir alles in Ordnung. Ja, ich war extrem mäkelig, was fettiges Essen anging. Na und? Mäkelig zu sein ist doch kein Makel, sondern gehört meist bei jedem Menschen, ob jung oder alt, zum Leben dazu. Meine Mutti hat immer lecker gekocht und niemand hat mir zuhause Essen reingezwungen, das ich nicht möchte. Und ja, ich habe die ein oder andere Kinderkrankheit nicht so leicht weggesteckt, wie andere Kinder. Dennoch war ich in meiner Entwicklung nicht zurückgeblieben. Die Idee eines Arztes, meine allgemeine Konstitution in Kombination mit einer Gewichtszunahme durch eine Kinderkur zu stärken, haben meine Eltern unterstützt. Und schon mal vorweg, das habe ich ihnen niemals zum Vorwurf gemacht.
An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern oder ich habe es verdrängt. So zum Beispiel, dass die An- und Abreise mit einem Bus erfolgte. Erinnerungen an die Ankunft selbst sind präsent. Der Bus hielt vor einem großen Haus, das ziemlich isoliert umgeben von bergigen Wiesen mit Kühen und Bäumen in der Landschaft stand. Das Haus selbst erschien mir riesig, verwinkelt mit Treppen, vielen Räumen und dunklen Treppenaufgängen. Wir wurden nach Jungen und Mädchen in Gruppen aufgeteilt. Geschlafen haben wir dann in der oberen Etage in einem Zimmer, dass mit vielen Betten zugestellt war. Wir hatten auch jeder einen kleinen Schrank für unsere Sachen.
Plötzlich umgaben mich fremde Kinder und Erwachsene. Ich hatte furchtbares Heimweh und habe mich dort nicht wohl gefühlt. Zum einen war es für mich eine neue Erfahrung, dass Kinder mich nicht mochten. Sie nannten mich Brillenschlange und ich war in kürzester Zeit eine Außenseiterin. Von Kindern abgekanzelt und schikaniert zu werden, kannte ich nicht und das tat schrecklich weh. Zum anderen wurde diese Isolation noch extremer, weil die Erzieherinnen dem keinen Riegel vorgeschoben haben. Ganz im Gegenteil, sie haben dabei noch mitgemacht und die anderen Kinder dadurch noch bestärkt. Ich habe an die Erzieher nicht eine gute Erinnerung. Es gibt aus der Zeit zwei Fotos. Ein Einzelfoto von mir an einem Tisch im Speiseraum und ein Gruppenfoto auf einer geschwungenen Treppe mit den anderen Kindern und einer Erzieherin. Die Fotos waren für unsere Eltern und wir mussten dafür in die Kamera lachen. Zum Lachen war mir nicht zumute, aber was hätte es gebracht, es nicht zu tun. Der Gesichtsausdruck der Erzieherin auf dem Foto spricht Bände. Sie schaut streng ohne einen Hauch von Freundlichkeit, geschweige denn einem Lächeln. Da war nur Kälte. So habe ich es jedenfalls empfunden.
Das Heimweh war allgegenwärtig und ich weiß nicht wie oft ich geweint habe. Ich wollte nur nach Hause und habe mich so verlassen gefühlt. Einmal hatte ich Hoffnung, dass sich an der Situation etwas ändern würde. Dass meine Eltern kommen würden, um mich abzuholen. Denn wir durften nach Hause schreiben. Wir bekamen alle eine Postkarte und ich weiß bis heute, was ich geschrieben habe: „Liebe Mutti, lieber Vati, die Kinder und die Erzieher sind gemein zu mir. Das Essen schmeckt nicht. Könnt ihr mich abholen kommen?“ Der Blick der Erzieherin hat sich bei mir eingebrannt, als sie las was ich geschrieben hatte. Ich bekam eine neue Karte und musste unter Aufsicht schreiben: „Liebe Mutti, lieber Vati, die Kinder und Erzieher sind alle lieb. Das Essen schmeckt gut und es gefällt mir hier.“ Damit erlosch jede Hoffnung, nach Hause zu kommen. Und beliebter hat mich das leider auch nicht gemacht.
Besonders schlimm ist eine Erinnerung an den dunklen Keller. Ich weiß nicht wie oft es war, aber ich kann mich noch genau daran erinnern, dass es dort einen gefliesten Raum gab. Wir mussten uns alle nackig ausziehen und uns mit dem Gesicht zur Wand aufreihen. Ich weiß noch, dass mir furchtbar kalt war und dass ich Angst hatte. Plötzlich schoss ein kalter harter Wasserstrahl von hinten auf mich. Der Druck war so extrem, dass ich mit voller Wucht an die Wand gedrückt wurde. Es war schrecklich. Manchmal frage ich mich, ob ich mir diese Erinnerung nur einbilde. Kann man wirklich so brutal mit wehrlosen Kindern umgehen? Ja, sie konnten es wohl.
Besondere Angst hatte ich auch vor den Mahlzeiten. Das viele Essen empfand ich als Last und hat mich den ganzen Tag über begleitet. Aufstehen, frühstücken, raus an die frische Luft, bewegen und schon gab es wieder zu essen. Es nannte sich zweites Frühstück und bestand aus klebrig süßem Saft oder einer Fruchtschnitte. Irgendwann Mittagessen und die Portionen waren nicht klein. Unter dem strengen Blick der Erzieherin musste immer aufgegessen werden. Würgereize, Tränen und Protest spielten keine Rolle. Sie ließ sich nicht erweichen und hatte uns fest im Blick. Ich saß an einer Säule an einem Vierertisch mit einer Wachsdecke. Und je länger ich dort saß, umso mehr verschwamm das Muster auf ihr. Es gab einfach kein Entrinnen. Besonders schlimm waren fettige Sachen oder Wurst zum Abendessen. Ich habe mich so sehr davor geekelt. Das Gefühl etwas zu essen war nicht mehr positiv belegt. Essen ging nur noch mit puren negativen Stress einher.
Von meiner Mutti weiß ich, dass ich mit weniger Gewicht nach Hause gekommen bin. Beim Kofferauspacken fand sie Scheiben von alter vergammelter Wurst und konnte sich das damals nicht erklären. Ich habe aber wohl auch nichts erzählt. Erst viele Jahre später. So auch die Geschichte mit der Wurst im Koffer. In meinem Schränkchen im Schlafsaal hatte ich ein Versteckt von Essen angelegt, dass ich aus dem Speisesaal schmuggeln konnte.
Die Zeit in Sinnershausen hat mich definitiv geprägt und mich in meiner charakterlichen Entwicklung beeinflusst. Aber das ist eine andere Geschichte.
ich suche andere Verschickungskinder die auch in Bad Sachsa waren. Ich habe keine Erinnerungen
wenn etwas ganz schrecklich ist verdrängt der Geist ja alles um weiterzuleben. ich war 6,7,8 Jahre alt.und angeblich zu dünn. Welches Heim weiß ich nicht. Ich weiß garnichts.Ich komme aus Kiel und es war wahrscheinlich von der Barmer.
Viele liebe Grüße
Karin Willing
Meine Mutter hatte für den Aufenthalt neue Unterwäsche, Strumpfhosen, Pullis und vieles mehr gekauft. Es wurde mir alles abgenommen. Zurück kam ich mit alten, kaputten Sachen. Ich sollte damals zunehmend und kam verängstigt und abgemagert zurück.
Eine Kinderkur der Stadtverwaltung. Organisiert über das Gesundheitsamt der Stadt.
Meine Mutter hat damals den Transport von Bottrop bis Freiburg per Zug begleitet und ab Freiburg ging es im Bus nach Bad Rippoldsau.
Das Ganze hat im Frühjahr oder Sommer 1975 (oder 1976) stattgefunden, ich versuche gerade noch herauszubekommen, wann genau. Ich war jedenfalls erst 5 (oder 6) und konnte noch nicht schreiben. Karten an meine Mutter wurden für mich geschrieben.
Ich habe noch zu einem anderen ehemaligen Verschickungskind Kontakt. Sie war mit mir in Bad Rippoldsau. Sie musste damals wegen einer Windpocken-Erkrankung sogar noch länger bleiben und ist nach eigenen Angaben krank vor Heimweh geworden, da sich niemand um sie gekümmert hat.
Wir erinnern uns beide an Nonnen, waren aber auch gemeinsam zu einer Verschickung in Küstelberg und können nicht mehr sagen, ob die dort oder in dem anderen Heim waren.
Ich würde gern mehr Informationen über die Operation, Medikamentengaben oder ähnliches finden. Mir wurde der Daumennagel gezogen. Meine Mutter wurde damals nicht über die Operation informiert und wurde auch vorher nicht um Erlaubnis gefragt. Ich erinnere mich daran, dass ich eine Vollnarkose bekommen habe und mit dick verbundenem Daumen erwacht bin. Ich erinnere mich, dass mir gesagt wurde, dass meine Mutter das erlaubt hat. Das hat meine Mutter verneint. Mir wurde keine Begründung für diese Operation gegeben. Mir wurde nicht erklärt, was ich habe und warum so etwas nötig ist. Ich erinnere mich an große Hilflosigkeit und Angst. Meine Mutter hat leider nach meiner Ankunft nichts unternommen, um die Verantwortlichen zu befragen.
Darüber hinaus erinnere ich mich an viel Zwang, was Essen angeht. Es gab Stapel mit Broten und eine Belohnung, wenn man möglichst viele davon gegessen hat. Ich musste Dinge essen, die ich nicht mochte und stundenlang allein im Schlafsaal vor einem Teller Rote Bete sitzen. Ich hatte noch jahrelang eine krasse Abneigung gegen dieses Essen.
Ich erinnere mich daran, zum Mittagsschlaf gezwungen worden zu sein. Und an große Angst, entdeckt zu werden, wenn ich nicht geschlafen habe.
Ich habe weder besonders gute, noch besonders schlechte, Erinnerungen an meinen Aufenthalt in SPO im Heim Quisisana. Ich erinnere Traurigkeit und Heimweh und mein Bemühen möglichst unauffällig im Getriebe des Heimes zu sein.
Nach der Sendung war mir jedoch so schlagartig klar, dass diese Zeit Wunden hinterlassen hat: Nach mich tief berührenden Ängsten habe ich jedes Mal mit nächtlichem Bettnässen reagiert, dessen Auftreten ich mir bisher noch nicht erklären konnte.
Jetzt, plötzlich, kann ich weinen und hoffentlich auch heilen.
Ich wollte da nicht hin, welches Kind möchte schon in dem Alter 3 Wochen lang von der Familie getrennt werden. Ich habe bei Abreise fürchterlich geweint. Ich war ein gesundes Kind und kam vestört und traumatisiert nach Hause, habe aber meiner Mutter (mein Vater war 1983 verstorben) allerdings nicht erzählt wie es dort war. Vermutlich habe ich mich geschämt.
Die Zeit dort war geprägt von Angst und Traurigkeit. Im Rückblick verstehe ich jetzt warum ich ein Problem habe mit Autorität und mit Vertrauen und warum ich nicht gern gegessen habe.
Wir wurden zum Essen gezwungen, mussten doppelte Portionen essen und das Essen hineinzwingen. Wir durften nachts nicht auf Toilette, was dazu führte, dass mal ein Malheur passierte. Diese Scham, schrecklich. Ich habe in einem Gitterbett geschlafen, das viel zu klein war für mich, ich war ja schon 4 oder 5. Nachts habe ich vor Verzweiflung geweint und wurde dafür bestraft, eine Erzieherin hat mich mit ihren langen Fingernägeln gekniffen und mir gedroht. Man wurde überhaupt ständig bestraft.
Beim abendlichen Sandmannschauen im Fernsehzimmer hatte ich nach draußen geschaut, die Tür stand offen und dort stand ein Aquarium, ich hatte so etwas noch nie sehen und habe den bunten Fischen zugeschaut. Die Erzieherin hat mich daraufhin bestraft und ich musste mich neben sie stellen, die Tür wurde geschlossen und ich wurde zum Fernsehen gezwungen.
Diese 3 Wochen waren sehr prägend für mich und haben nicht dazu beigetragen, dass ich besser gegessen habe und dass ich mich gut entwickelt hätte.
zweimal wurde ich nach St. Peter-Ording in das Frisia (wenn ich das richtig erinnere) verschickt. Es war gruselig. Ich wurde zum Glück nicht so sehr schikaniert, weil ich es von zu Hause gewohnt war, möglichst nicht aufzufallen. Für mich war es einfach nur eine sehr unangenehme Zeit. Aber was ich dort erlebt habe, was an anderen Kindern "verbrochen" wurde, treibt mir heute noch die Tränen in die Augen. Nach dem 2. Aufenthalt habe ich einen derartigen "Zirkus" zu Hause veranstaltet, dass sogar meine sehr autoritären Eltern aufgegeben haben. Im krassen Gegensatz dazu stand das Erholungsheim in Willingen im Sauerland, an das ich nur gute Erinnerungen habe. Also auch damals hat es schon mal ein aus meiner Sicht gutes Erholungsheim gegeben.
in Willingen im Sauerland war ich 1964 und nochmal 1972. Die Heimleitung hatte eine Frau Nolte (wenn ich das recht erinnere). Dort habe ich mich außerodentlich wohl gefühlt! Das muss an dieser Stelle auch einmal gesagt sein. Das war für mich ein vorbildliches Kindererholungsheim. Im Gegensatz zu anderen Erfahrungen, die ich leider in St. Peter-Ording machen musste.
als ca 5/6-Jähriger wurde ich nach Bad Salzdetfurth verschickt, vermutlich zum Aufpäppeln. Leider konnte ich nicht mit meinen Bruder verschickt werden, der kam nach Wyk auf Föhr. Das war eher entäuschend. Nun war ich alleine dort und es passierte mitten in der Nacht ( Ich werde es nie vergessen )..ich nässte ein, die Nachtaufsicht bekam dies mit. Sie hetzte die anderen Kinder in diesem großen Schlafsaal nun dazu auf, mir wegen der nächtlichen Störung eine Lektion zu erteilen. Ich lag in dem nassen Bett um mich herum ein Bettgitter..und nun um mich herum alle Kinder, die mit allem auf mich einschlugen. Nach der Lektion musste ich noch zur Strafe geraume Zeit im Flur auf einen Holzstuhl sitzen bis, ich wieder ins Bett durfte. Von da an stand ich jeden Tag bis zum Ende der Reise am Fenster und wartete auf meine Mutter. Seitdem ist dieser Vorfall Teil meines Lebens.
Gruß Harry aus Berlin
Wegen Neurodermitis an beiden Armen wurde ich 1974 als Achtjährige nach Norderney in Kinderkur geschickt. Beim Anblick des Heimes, dessen Namen ich nicht mehr weiß, dachte ich, es sei ein Dornröschenschloss, innen herrschte aber der blanke Horror.
Ich kann mich nur bruchstückhaft erinnern, mutmaßlich ist noch viel mehr geschehen: Es herrschte ein empathieloses Unterdrückungssystem mit ganz viel Angst und fürchterlichem Heimweh.
Im Schlafsaal und im Speisesaal hatte Ruhe zu herrschen. Wer aus der Reihe tanzte, wurde reglementiert und bloßgestellt. Der Nachtisch war in der Tischmitte in Glasschälchen ungleichmäßig abgefüllt, wer mit der Hauptspeise zuerst fertig war, durfte sich das größte Schälchen nehmen. Als vormals nörgeliger Esser stopfte ich alles widerwillig in mich hinein, um etwas mehr Nachspeise zu ergattern, denn der Teller musste leergegessen werden, da gab es keinen Verhandlungsspielraum.
Ersehnte Briefe aus der Heimat – Schreiben, die nur für mich persönlich waren - wurden öffentlich im Speisesaal vorgelesen, ausgehende Briefe korrigiert und zensiert. Jede Nacht weinte ich lautlos unter der Bettdecke und las mit der Taschenlampe die geliebten Zeilen meiner Familie tausende Male.
Der erzwungene Mittagsschlaf musste ohne einen Mucks vonstatten gehen. Aus Langeweile warfen wir uns meinen Teddy von Stockbett zu Stockbett zu und kicherten so leise wie möglich. Er landete dummerweise in einem mit Wasser gefüllten Kotzeimer und ich zur Strafe für ein paar Stunden in einem Extraraum für Störenfriede, wo ich auf einem Stuhl sitzend auf Erlösung warten musste.
Das nächtliche Toilettenverbot war für mich die schlimmste aller Regeln, denn dadurch musste ich erst recht aufs Klo und mich entscheiden, entweder ins Bett zu machen oder den heimlichen Weg aufs Örtchen zu riskieren. Beides wurde bestraft, so landete ich des öfteren im separaten Raum.
Ungefähr zur Halbzeit wurde von Seiten des Kinderheimes dem Wunsch der Schwester meines Opas nach einem Treffen stattgegeben. Diese kurte gerade auf Norderney, wir trafen uns im Wellenbad, das wir einmal wöchentlich besuchten. Aus Freude über ein bekanntes, vertrautes Gesicht bekam ich kaum einen Ton heraus. Ich hätte nur äußern müssen: „Hol' mich hier raus!“, aber ich war wie versteinert und schwieg, riesengroß war meine Angst. Warum zur Hölle hatte ich ihr nichts gesagt, fragte ich mich bis zum Ende des Aufenthaltes jeden einzelnen Tag.
Nach sechs Wochen kehrte ich ohne Hautekzeme zurück, dafür aber mit völlig abgekauten Fingernägeln und einer demolierten Kinderseele. Ich habe mich jahrelang geweigert, darüber zu reden, alles wurde verdrängt. Lebenslang zurückgeblieben sind eine Toilettenmacke, ein Autoritätsproblem und weitere Verhaltensweisen, die ich erst noch ergründen muss.
Bei schlechtem Wetter bastelten wir, spielten Skat oder Brettspiele oder malten.
Ich war sehr glücklich über das gute Essen und kannte viele Dinge die es da gab vorher nicht. (Blattsalate, rote Beete, Gemüse in Aspik)
Damals hatten wir daheim noch kein Badezimmer und nur ein Plumsklo, da war das ständig verfügbare Warmwasser und die Tatsache, nachts nicht übern Hof zu rennen um die Toilette zu besuchen für mich ein Stück vom Paradies. Wir bekamen Unmengen Post, die Kindergärten aller Kinder schickten Massen an gemalten Bildern und jede Post wurde vor allen geöffnet und vorgelesen damit sich alle über die lieben Worte freuen konnten. Da war es schon fast egal wenn man selbst mal keine Post bekommen hat. Ich möchte mich an dieser Stelle bei unserer Erzieherin Frl. Tausche und Herrn Senf bedanken für die schöne Zeit die wir in Bad Sulza verbringen durften.
1968 waren wir zum letzten Mal „zur Erholung“. Ich war 10 und meine Schwester 8 ½. Davon gibt es auch 2 Postkarten. Diesmal habe ich die beiden existierenden Postkarten selber geschrieben. Interessant ist das Datum der Postkarten: 19.05.68; u.a. schreibe ich „Wir sind gut angekommen.“ Das Datum der 2. Postkarte lautet: 18.06.68 und hier schreibe ich u.a. „Das ist die letzte Karte von mir.“ Von den beiden Zeiten in Wallgau habe ich wenig Erinnerungen – vielleicht ist mein „Gedächtnisspeicher“ nicht so groß und es wurde vieles gelöscht. Lediglich 2 Erinnerungen habe ich: Zum einen gab es an einem Tag plötzlich und völlig unerwartet ein so heftiges Gewitter, wie ich es in dieser Lautstärke noch nie erlebt hatte. Dagegen sind die zuhause in Hessen „Gewitterchen“. Ich stand an einem großen Glasfenster (so hat es meine Erinnerung für immer abgespeichert) und zuckte bei jedem Donnerkrachen erschrocken zusammen. Und ich glaube, es gab dann immer das mehrmalige Echo von den Bergen. Die 2. Erinnerung war, als wir beim Mittagessen waren. Meine Schwester saß mir gegenüber, wir alberten herum (keinerlei Bestrafung!) und ich warf ein Bröckchen Essen zu ihr hinüber. Das sah die Aufsicht, schimpfte mit mir und zur Strafe musste ich hoch in mein Zimmer und es gab keinen Nachtisch! Das war besonders schlimm, denn heute gab es wieder meinen Lieblingsnachtisch – eine Quarkcreme. Diese Creme hatte einen Geschmack, den ich nie wieder woanders gefunden habe. Die Creme war unbeschreiblich lecker. Da meine Schwester dies wusste, hat sie es irgendwie geschafft, mir eine Portion aufs Zimmer zu bringen – herrlich! Ich habe sie mal danach gefragt, aber sie konnte sich daran nicht mehr erinnern.
Heute bin ich 64, in meinem Kopf schwirren (wenn ich in mich gehe) viele, viele Erinnerungen kreuz und quer durch alle Jahre herum und manchmal denke ich, dass das alles jemand anderes erlebt und mir erzählt hat – so weit weg sind manche Erinnerungen. Aber dann sage ich mir: Das bin alles ich, das habe ich wirklich alles selbst erlebt.
Ich wünsche allen, die in den Heimen „die Hölle“ erlebt haben (anders kann man es nicht sagen), ganz viel Kraft und Mut, sich anderen anzuvertrauen und hier ebenfalls ihre Erlebnisse niederzuschreiben – denn Schreiben ist auch Therapie – sich alles von der Seele schreiben. Damit die Seele – und damit der Mensch – wieder gesund wird. Soweit dies möglich ist. Die Seele hat Narben davongetragen, die gehen nicht weg. Aber es gibt Hilfe zur Selbsthilfe – es gibt Therapien. Machen Sie den ersten Schritt.
Bernd
Nun zu meinen Erlebnissen: Ich war 3x (für das angebliche 4. Mal gibt es keinen Beleg) „zur Erholung“, wie es bei uns zuhause immer hieß zum Teil auch mit meiner Schwester. Wir waren beide so dünn, dass man, wenn wir uns streckten, die Rippen zählen konnte (dazu gibt es ein Bild, wo wir uns am holländischen Strand strecken). Trotz Kuchen und Süßigkeiten essen, kam „nichts auf die Rippen“. Und um es gleich vorneweg zu sagen: wir hatten 3x Glück, dass uns nichts Schlimmes widerfahren ist! Beide Heime (Bad Sooden-Allendorf und Wallgau) waren in diesem Zeitraum „in Ordnung“, jedenfalls was ich als Kind mitbekommen habe. Und in Bad Sooden-Allendorf war ich genau in dem Heim, an deren Namen sich Christa und Ute (Zitat „…relativ kleines, Villen ähnliches Gebäude…“) nicht mehr erinnern können. Und ich war 1965 dort! Das Gebäude gibt es heute noch fast unverändert: damals hieß es wie auf meiner Postkarte steht: „Caritas Kinderheim Haus Elisabeth“, heute heißt es „Pfarrzentrum Haus Elisabeth“, Am Haintor 24. Wohlgemerkt: ein Heim der Caritas. An den Aufenthalt habe ich nur wenige, aber gute Erinnerungen: Ich erinnere mich an einen Bahnübergang in der Nähe, der mir sagte, dass wir gleich da sind (wichtig, wenn man mal dringend muss und ich ging immer „auf den letzten Drücker“) und an den dunkelbraunen Holzzaun mit einem kleinen Türchen. Und es gab ein großes Treppenhaus in der Mitte des Hauses. Eines Abends mussten wir uns alle ganz oben rundherum am Treppengeländer versammeln. Draußen war es schon dunkel und das Treppenhaus war nur wenig beleuchtet. Wir schauten hinunter. Dann sangen wir alle zusammen „Kein schöner Land in dieser Zeit“ (was grammatikalisch eigentlich falsch ist, aber deutsches Liedgut). Wenn es 1965 gewesen ist (der Poststempel ist leider nicht lesbar), war ich zu diesem Zeitpunkt 7. Natürlich wurde die Postkarte, die ich nun wiedergefunden habe, nicht von mir geschrieben. Darin standen nur wenige Zeilen: „Liebe Eltern! Ich bin gut in Bad Sooden-Allendorf angekommen. Hier liegt viel Schnee. Für heute diesen Kartengruß von Eurem Bernd.“ Wie ich dorthin gekommen bin und wieder zurück, weiß ich nicht mehr. Ich dachte immer, dass mein Papa mich hingefahren und abgeholt hat. Auf jeden Fall war es im Winter.
Heute bin ich 64, in meinem Kopf schwirren (wenn ich in mich gehe) viele, viele Erinnerungen kreuz und quer durch alle Jahre herum und manchmal denke ich, dass das alles jemand anderes erlebt und mir erzählt hat – so weit weg sind manche Erinnerungen. Aber dann sage ich mir: Das war und bin alles ich, das habe ich wirklich alles selbst erlebt. Und es gibt manchmal so kleine „Filmchen“ über ein bestimmtes Erlebnis – aus guten und aus schlechten Zeiten. Das ist das Leben eben.
Ich wünsche allen, die in den Heimen „die Hölle“ erlebt haben (anders kann man es nicht sagen), ganz viel Kraft und Mut, sich anderen anzuvertrauen und hier ebenfalls ihre Erlebnisse niederzuschreiben – denn Schreiben ist auch Therapie – sich alles von der Seele schreiben. Damit die Seele – und damit der Mensch – wieder gesund wird. Soweit dies möglich ist. Die Seele hat Narben davongetragen, die gehen nicht weg. Aber es gibt Hilfe zur Selbsthilfe – es gibt Therapien. Machen Sie den ersten Schritt.
Bernd
Völlig unverstehende Eltern, es war ja wegen der Gesundheit. Sie folgten blind dem Rat der Experten. Das Heim lag am Watzmann.
Kontrollierte Briefe, Essen, Toilettenbesuche, Zwangsimpfung, alles Zwang, kein weiches Wort, kein Trost. Am deutlichsten kann ich mich erinnern an das Zwangsduschen, wir standen nackig nebeneinander und wurden mit einem Schlauch mit eiskalltem Wasser abgebraust. Ohne Ruecksicht. die Sauna, das Eiskallte Becken in dem wir uns abkuehlen mussten.
Wiederstand gabs nicht, der wurde ruecksichtslos bestraft.
Furchtbare Erinnerungen die ich im Terapizimmer bearbeitet habe. Was wurde mir damals alles geraubt.
Briefe, die wir an unsere Eltern schrieben, wurden alle gelesen. Stand etwas darin, was der Heimleitung nicht passte, musste das von uns Kindern korrigiert werden.
Während der Mittagsruhe durfte man nicht zur Toilette gehen. Wer es trotzdem tat, weil er "musste", wurde aufgeschrieben und bekam weniger zu trinken.
Der Aufenthalt in Obermaiselstein wurde meinen Eltern von der Krankenkasse (BEK) empfohlen und auch großzügig bezuschusst. Meine Eltern handelten in der tiefen Überzeugung, daß beste für mich zu tun. Dass dem nicht so war, habe ich Ihnen erst viel später erzählt.
Ich war mit 5 Jahren im April 1963 oder 1964 nach St. Peter Ording in das Kinderkurheim Köhlbrand, durch einen Amtsarzt in Frankfurt am Main, wegen Kränklichkeit und mangels an Größe, verschickt. Meinen Eltern würde glaubhaft gemacht, dass ich nur so wieder gesünder werden würde, wenn ich zur Erholung führe. Auf der Fahrt vom Frankfurter Bahnhof bis nach St. Peter Ording, habe ich nur geweint. Am Ort angekommen wurde uns das Gepäck weg genommen. Was damit geschah weiß ich nicht. Meine Puppe Maria, durfte ich bis auf Weiteres behalten. Am Abend gab es Brot mit Tee. Ich kaute auf dem Brot herum und trank meinen Tee und dann mussten wir ins Bett. Die Schuhe mussten akkurat vor dem Bett stehen und wir sollten mit dem Gesicht zur Wand liegen und schlafen. Am Morgen gab es komisches Frühstück, eine Schale mit Kaba, Zucker und Haferflocken und eine Tasse warme Milch mit Haut. Ich habe noch nie Milch getrunken und ich musste. Ich musste aufstehen, zu der Wärter kommen und unter Drohung mit der Peitsche, die Milch austrinken. Vor Ekel habe ich mich übergeben und genau über die schöne weiße Schürze, der Wärterin. Dafür bekam ich die kleine Peitsche ins Gesicht geschlagen und musste für den Rest des Tages ins Bett. Ich war oft über den Tag im Bett. Die nächsten Tage haben meine Tischnachbarinnen heimlich mein Essen genommen und ihre leeren Teller und Tassen zu mir gestellt, damit es aussah, als das ich essen würde. So aß ich nichts und trank nur den Tee am Mittag und Abend. In der Nacht wurde ich oft wach, weil mir gegenüber ein Mädel weinte und schrie. Sie wurde fast jede Nacht verprügelt, weil sie ins Bett machte und musste auf dem nackten Fußboden mit nur einer Decke schlafen. Oder im Waschraum, oder stehend im Flur. Den Waschraum habe ich auch böse kennen gelernt. Weil ich klein war, haben sie mir ein kleines Schemelchen vor das Waschbecken gestellt, damit ich meine Zähne putzen konnte und so, aber ich kippte damit um und würde in die de Dusche gezerrt, wo man mich unter die Brause stellte. Es war egal, ob ich schrie und weinte. Die Schläge gingen wieder von Nacht zu Nacht weiter. Als ich einmal mit dem Mädel weinte, bekam ich meine Puppe abgenommen, sie wurde auf das Fensterbrett gesetzt und ich musste am Fussende schlafen. Ich versuchte heimlich meine Puppe zu holen, dafür bekam ich Schläge und die Puppe weggenommen. Wir durften nicht reden und nicht weinen. Auf einem Ausflug ans Meer, sollten wir Muscheln sammeln und diese den Wärterinnen geben. Das Meer war nicht da. Ich fand eine Art Traube mit lauter Muscheln dran und wollte es meiner Mutter mitbringen. Als ich sie aber abgeben sollte, bin ich weggelaufen. Eine Strafe dafür bekam ich später, denn die andere Wärterin schrie, dass das Meer käme und wir sofort zurück gehen sollen. Ich dachte, dass das Meer in einer riesengroßen Welle käme und rannte um mein Leben. Die Muscheltraube verlor ich dabei. Ab da, kann ich mich kaum erinnern. Es war alles schwarz, kalt und unwirklich. Ich erwachte irgendwann dann im Krankenhaus in Heide, wo mich meine Eltern abholten und ich in die Uniklinik Frankfurt kam. Nach Recherchen war ich ungefähr 10 Tage im Heim und 5 Tage im Krankenhaus. Nach vielen Unterhaltungen mit Leidensgenossen und den Sendungen, die man sehen darf, wurde mir klar, dass ich wohl auf einem Dachboden gesperrt wurde. Mein ganzes Leben träume ich, dass ich über altes Sofa und Möbel auf dem Dachboden steige/kletterte und weine. Es ist dunkel, modrig und kalt. Seither war ich ängstlich, noch kränklicher. In der Schule habe ich Konzentrationsprobleme. Angst eher Panik vor Prüfungen und Versagen, ebenfalls vor Obrigkeiten und eine tiefe Abneigung gegen Rehakliniken, Heime und ähnlichen Häusern. Es ist der Geruch dort. Ein Geruch der mich erinnern lässt, obwohl ich das Erlebte tief in mich begraben habe. Nach jedem Reden mit Leidensgenossen, habe ich mehr und mehr Erinnerungen, doch es sind noch viele in mir begraben. Ich möchte so gerne wissen, was mit dem Mädel damals geschah, sie hieß glaube ich, Liane, oder Christiane. Sie hat so gelitten. Ich will kein Geld, auch nicht so viel Beachtung, aber ich will, dass diese schlimmen Taten in ganz Deutschland Puplik gemacht werden, dass man uns erhört und von unserem Schicksal wissen.
P. S. Die Heimleitung wurde nach meiner Verlegung in eine Klinik, von der Polizei verhaftet, es hieß wegen Betruges
Ich war 1964 auf Kur für 6 Wochen, im Alter von 5 Jahren, an die Nordsee verschickt worden, nach St. Peter Ording in ein Kurheim, wo ich aufgebaut und kräftiger und gesünder, werden sollte.
Da wollte ich mit 5 Jahren nicht hin. Es war wie ein Schock. Also weinte ich die ganze Zugfahrt und ging den anderen Kindern mächtig auf die Nerven damit. Aber ich habe nur noch weinen können. Weil ich als Kind so klein und schwächlich und kränklich war, hatte man mich dahin gezwungen, das wurde von der Krankenkasse und dem Amt so befohlen. Man nannte das/uns Verschickungskinder. So kam ich da an. Ein großes dunkles Gebäude. Kinderkurheim Köhlbrand. Innen war es halt, wie so Einrichtungen in den 50er und 60er Jahren waren. Meine Mutter hat dort eine Unmenge Haferflocken, Zucker und Kakao mitgesendet und hat denen gesagt, dass ich das mit Milch als Haferflockenbrei esse, was anderes habe ich nicht gegessen. (d. h. Milch wärmen, Haferflocken rein, bissel Zucker und darüber Kakao. So war mein Grundnahrungsmittel, dass ich noch bis 22 Jahre gegessen habe, bevor ich es jetzt nicht mehr sehen kann.) Morgens jedoch gab es dort trockenen Haferflockenmix mit Zucker und Kaba. Die haben eine kleine Schüssel mit etwas Haferflocken, Zucker und Kakao, ganz trocken einem jedem Kind hingestellt und ein Glas kalte, oder eher lauwarme Milch mit Haut, dazu gestellt. Das war jetzt jedem sein Frühstück. Gefühlt waren es ungefähr 30 Kinder. (Wenn ein Paket von den Eltern an das eigene Kind gesendet wurde, war es für alle. Besuchen durften sie auch nicht.) Ich konnte das nicht essen und sollte die Milch trinken, sonst bekäme ich die kleine Rute zu spüren, die die Aufseherin (so nenne ich die Kindertanten, denn lieb waren die nicht, schrien und keiften nur herum.) in der Hand hatte. Also vor Angst trank ich die Milch und übergab mich gleich darauf über sie und ihrem weißen Kittel (ich trinke ja keine Milch, Heute noch nicht. ) da bekam ich das Ding zu spüren, aber nicht auf den Po, sondern ins Gesicht und ich musste den ganzen Tag ins Bett, ohne Essen und Trinken, was ich nicht schlimm fand, denn das Essen war gruselig. Am Abend, wenn alle ins Bett mussten, war da ein Mädel, ich glaube Liane oder so ähnlich, hieß sie, die musste immer vorm Bett auf dem Boden schlafen, weil sie angeblich ins Bett gemacht hatte und wenn sie weinte, wurde sie verprügelt solange bis sie nur noch wimmerte, das war jeden Abend und Nacht so. Wir würden von dem Krach, wo die Aufseherin dabei machte, wach. Doch wir durften nichts sagen, weinen, oder ähnliches. Weil ich mit ihr weinte, bekam ich meine Puppe abgenommen, wurde auch verprügelt und musste am Fußende schlafen und kein Mucks von mir geben, sonst würde ich auch weiter verprügelt werden, das wurde ich auch, weil ich heimlich meine Puppe holte. Eines Tages haben wir dann einen Ausflug ans Meer gemacht und durften Muscheln sammeln. Ich fand eine Art Traube mit vielen stinkenden Muscheln dran. Das wollte ich meiner Mum mitbringen. Aber die Wärterinnen nahmen den Kindern die Muscheln ab und wollten auch meine Traube. Ich bin weggerannt. Dann sagte eine der Wärterin, dass das Meer käme und wir müssten schnell zurück. Ich dachte das Meer kommt als riesige Welle und ließ die Muscheln fallen und rannte um mein Leben. Dort im Heim bekam ich die Rute zu spüren, weil ich die Traube nicht mitgenommen habe, aber wir hätten das sowieso nicht behalten dürfen. Ich aß nichts, sprach nichts, gab meinen Essensnachbarn mein Essen und die Milch, heimlich, wenn die Wärterin nicht guckte und wurde krank. Wie ich in das Krkh nach Heide kam, weiß ich noch Heute nicht. Plötzlich wachte ich dort auf und man päppelte mich auf. Länger als 10 Tage war ich nicht in dem Heim. Dafür fast 4 oder 5 Tage im Krkh Heide. Meine Eltern erfuhren nun endlich was mit mir geschah (ich war 5 j. und konnte nicht schreiben, bzw telefonieren, hatten das ja nicht) und an meinem Geburtstag, den 15.04.1964 haben Mum, Papa, meine Oma und mein Onkel, dort mich mit dem Auto abgeholt und mit nach Hause genommen, ob es denen Recht war, oder nicht. Ich wusste zwar nicht, dass es mein Geburtstag war, aber an diesem Tag habe ich meine Sachen gepackt, mich angezogen und aufs Bett gesetzt und sagte der Krankenschwester, dass ich jetzt abgeholt werde von meiner Mum. Die sagte nein das wäre nicht so, aber ich berharrte darauf, sie ließ mich in Ruhe und dann kam meine Mum. Es war wie eine Gedankenübertragung. Am nächsten Tag fuhr ich mit nach Hause, in Frankfurt musste ich nochmals ins Krkh, aber seit dem fahre ich in keine Kurklinik/Reha und so ähnliches und meine Kinder, mussten das auch nicht, wenn sie nicht wollten. Selbst solche Ferienlager mied ich, auch für meine Kinder. Nur alleine die Kinder dort, die Aufseher dort und der Geruch in dem Gebäude, war/ist für mich Horror. Nie vergesse ich das Mädel Liane. Lebt sie noch? Was ist aus ihr geworden? Ich hatte dort viele Misshandlungen gesehen, die die Wärterinnen an an den Kindern vollbracht haben. Ich kam ins Krkh nach Heide und würde dort wohl mehr tot, wie lebendig aufgepäppelt. Was ich im Kinderkurheim Köhlbrand sah, und selbst erlebte ist tief in meinem Unterbewusstsein vergraben, nur bruchstückhaft, kommt da mal was hervor. Nun habe ich mit St Peter Ording nie Frieden geschlossen und würde mir gerne das alles nochmal anschauen. War letztens mit Uli meinem jetzigen Ehemann, im Internet und wir haben etwas aufgestöbert das unglaublich ist. Dort wurden in 50 Kinderkurheimen, Misshandlungen im Sinne von Nazimethoden an den Kindern durchgeführt, man nennt uns, Verschickungskinder. Man wollte den Kindern, den Willen brechen und entweder, verdünnen, oder mästen. Damit man sieht, wie gut es uns ginge, hat man uns hinter Höhensonnen gesetzt. Geglaubt hat den Kindern keiner, oder wenige. Viele schwiegen aus Angst, oder wie ich, die glaubten sie seien eben nur schwierig, oder es ginge nur ihnen so, weil sie es alleine erlebten. Es ist schwer es da aus dem Unterbewußtsein etwas raus zu holen und ich habe Angst davor, vor dem was ich erlebt habe. Als Mum mich abholte, musste sie ja nochmal ins Heim, meine Sachen holen. Da wurde ihr mitgeteilt, dass die gesamte Heimführung verhaftet und abgeführt wurde, angeblich wegen Betruges, den wahren Grund sagten die natürlich nicht. Ich sage, die wurden wegen Misshandlungen abgeführt, vlt haben sie Liane totgeschlagen. Vlt war ich der Auslöser, die im Krkh Heide, haben doch gesehen, was mit mir los war. Musste ja im Gesicht und am Körper die Striemen, der Peitsche gehabt haben. Jetzt möchte ich gerne mal dort, oder in der Nähe, Urlaub machen und das furchtbare Köhlbrand sehen, das jetzt ein Hotelresort ist. Vlt habe ich durch diese Gruppe hier, dann bald Frieden mit St. Peter Ording und kann verzeihen. Aber es kommen weitere Erinnerungen, wie Hausschuhe mit den Fersen an die Seite des Bettes, oder vor das Bett stellen und den Schlafanzug zusammengelegt unters Kopfkissen stecken. Weil ich kaum an Waschbecken reichte, gab man mir ein Schemelchen. Da bin ich heruntergerutscht und würde dafür geschlagen und weil ich nicht duschen wollte (ich kannte das nicht, wir hatten keine Dusche, wuschen uns mit Waschlappen zu Hause, am Becken ab, der saßen in der Badewanne) wurde ich unter die Dusche gestellt und kalt abgeduscht. Im April, darin war die Heizung entweder aus, oder sie hatten keine. Ich bekam durch das Wasser keine Luft und schrie, wofür ich geschlagen wurde. Es werden mit der Zeit immer mehr Erinnerungen kommen und ich aktualisiere es immer wieder. Dort waren Teufel am Werk, man nennt es auch schwarze Pädagogik. Doch niemand tat etwas dagegen. Die Eltern wurden nicht erhört und Ärzte, Krankenkassen und andere Einrichtungen, nebst die FDP, waren schweigsam. Das dürfte nicht an die Öffentlichkeit kommen. Das Geld war wichtiger.
Das Gesundheitsamt riet meinen Eltern zu einer 6 wöchigen Erholungskurs.Ihnen war nicht klar, was sie mir damit antun würden, sie glaubten wirklich es wurde meiner Gesundheit gut tun.
Also würde ich an einem Morgen zum Bahnhof gebracht, wo eine Dame vom Kreis oder Jugendamt mich in Empfang nahm und es ging nach Nussdorf am Inn
Ich war bis dahin noch niemals von zu Hause getrennt. Schon im Zug bekam ich Heimweh und ich sagte der Dame ich wolle wieder mit nach Hause, aber das hat niemand interessiert.
Ein ungefähr 4 Jahre älteres Mädchen hat sich schon im Zug meiner angenommen und auch dort im Heim sich um mich gekümmert.
Das Heim, für mich auch wenn ich heute daran denke, das ist jetzt 60 Jahre her, war eine einzige Katastrophe in meinem Leben.
Ich konnte weder lesen noch schreiben noch konnte ich irgendwie sonst mit meinen Eltern in Kontakt treten und das lange 6 Wochen, ich habe ganz viel geweint und immer wieder gesagt, dass ich nach Hause möchte, das hat niemand interessiert. Erst wie geplant durfte ich nach Hause.
Wir mussten 2 mal in der Woche in 2er Reihen anstehen für die Höhensonne, damit wir gesund aussahen.
Meine Kleidung wurde einfach einem anderen Kind, das nicht genug zum Anziehen mit hatte, angezogen.
Gegessen habe ich wenig bis gar nichts und dadurch auch abgenommen statt zugenommen.
Ich bin nicht missbraucht worden aber die psychischen und seelischen Schäden die man mir zugefügt hat, sind nicht zu verzeihen.
Meine Eltern wollten nur das Beste für mich, wenn sie gewusst hätten wie sehr ich gelitten habe, hätten sie dem nie zugestimmt.
In der heutigen Zeit wäre so eine Kur für ein Kind ohne Elternteil undenkbar.
Warum hat man mir das angetan??
Heute darf ein Kind ohne Vater oder Mutter noch nicht mal eine Nacht ins Krankenhaus, wenn es das nicht will.