ZEUGNIS ABLEGEN – ERLEBNISBERICHTE SCHREIBEN
Hier haben sehr viele Menschen, seit August 2019, ÖFFENTLICH ihre Erfahrung mit der Verschickung eingetragen. Bitte geht vorsichtig mit diesen Geschichten um, denn es sind die Schicksale von Menschen, die lange überlegt haben, bevor sie sich ihre Erinnerungen von der Seele geschrieben haben. Lange haben sie gedacht, sie sind mit ihren Erinnerungen allein. Der Sinn dieser Belegsammlung ist, dass andere ohne viel Aufwand sehen können, wie viel Geschichte hier bisher zurückgehalten wurde. Wenn du deinen Teil dazu beitragen möchtest, kannst du es hier unten, in unserem Gästebuch tun, wir danken dir dafür! Eure Geschichten sind Teil unserer Selbsthilfe, denn die Erinnerungen anderer helfen uns, unsere eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie helfen außerdem, dass man uns unser Leid glaubt. Eure Geschichten dienen also der Dokumentation, als Belegsammlung. Sie sind damit Anfang und Teil eines öffentlich zugänglichen digitalen Dokumentationszentrums. Darüber hinaus können, Einzelne, die sehr viele Materialien haben, ihre Bericht öffentlich, mit allen Dokumenten, Briefen und dem Heimortbild versehen, zusammen mit der Redaktion als Beitrag erarbeiten und auf der Bundes-Webseite einstellen. Meldet euch unter: info@verschickungsheime.de, wenn ihr viele Dokumente habt und solch eine Seite hier bei uns erstellen wollt. Hier ein Beispiel
Wir schaffen nicht mehr, auf jeden von euch von uns aus zuzugehen, d.h. Ihr müsst euch Ansprechpartner auf unserer Seite suchen. ( KONTAKTE) Wenn Ihr mit anderen Betroffenen kommunizieren wollt, habt ihr weitere Möglichkeiten:
- Auf der Überblickskarte nachschauen, ob eurer Heim schon Ansprechpartner hat, wenn nicht, meldet euch bei Buko-orga-st@verschickungsheime.de, und werdet vielleicht selbst Ansprechpartner eures eigenen Heimes, so findet ihr am schnellsten andere aus eurem Heim.
- Mit der Bundeskoordination Kontakt aufnehmen, um gezielt einem anderen Betroffenen bei ZEUGNIS ABLEGEN einen Brief per Mail zu schicken, der nicht öffentlich sichtbar sein soll, unter: Buko-orga-st@verschickungsheime.de
- Ins Forum gehen, dort auch euren Bericht reinstellen und dort mit anderen selbst Kontakt aufnehmen
Beachtet auch diese PETITION. Wenn sie euch gefällt, leitet sie weiter, danke!
Hier ist der Platz für eure Erinnerungsberichte. Sie werden von sehr vielen sehr intensiv gelesen und wahrgenommen. Eure Erinnerungen sind wertvolle Zeitzeugnisse, sie helfen allen anderen bei der Recherche und dienen unser aller Glaubwürdigkeit. Bei der Fülle von Berichten, die wir hier bekommen, schaffen wir es nicht, euch hier zu antworten. Nehmt gern von euch aus mit uns Kontakt auf! Gern könnt ihr auch unseren Newsletter bestellen.
Für alle, die uns hier etwas aus ihrer Verschickungsgeschichte aufschreiben, fühlen wir uns verantwortlich, gleichzeitig sehen wir eure Erinnerungen als ein Geschenk an uns an, das uns verpflichtet, dafür zu kämpfen, dass das Unrecht, was uns als Kindern passiert ist, restlos aufgeklärt wird, den Hintergründen nachgegangen wird und Politik und Trägerlandschaft auch ihre Verantwortung erkennen.
Die auf dieser Seite öffentlich eingestellten Erinnerungs-Berichte wurden ausdrücklich der Webseite der „Initiative Verschickungskinder“ (www.verschickungsheime.de) als ZEUGNISSE freigeben und nur für diese Seiten autorisiert. Wer daraus ohne Quellenangabe und unsere Genehmigung zitiert, verstößt gegen das Urheberrecht. Namen dürfen, auch nach der Genehmigung, nur initialisiert genannt werden. Genehmigung unter: aekv@verschickungsheime.de erfragen
Spenden für die „Initiative Verschickungskinder“ über den wissenschaftlichen Begleitverein: Verein Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung / AEKV e.V.: IBAN: DE704306 09671042049800 Postanschrift: AEKV e.V. bei Röhl, Kiehlufer 43, 12059 Berlin: aekv@verschickungsheime.de
Journalisten wenden sich für Auskünfte oder Interviews mit Betroffenen hierhin oder an: presse@verschickungsheime.de, Kontakt zu Ansprechpartnern sehr gut über die Überblickskarte oder die jeweiligen Landeskoordinator:innen
also ich 80er Baujahr war als Kind mit meimer Schweater zweimal dort ca. 1987 & 1988 jeweils 6 Wochen da unsere Eltern auf dem weg zur Scheidung waren und habe sehr schöne Erinnerungen, natürlich auch Regeln hehe aber im Ganzen alles Super.
Ich erinnere mich z.b. an die langen Wandergänge schön ordentlich nebeneinander, durch den Meter Hohen Schnee.. Die Zäune mit Strom am weg zur Österreich, Lang Lauf Ski, Besuch auf der Ski Sprungschanze, die Räume mit dem Nebel bevor es raus ging, schön Vaseline aufs Gesicht geschmiert bekommen..
Warm Kalt Wasser Becken..
Die Spiel Olympiade im Ganzen Haus (Die ich nach Punkten tatsächlich gewann da ich alles zweimal machte hehe) der Auftritt als Vampir im Foyer unten, der Zauberer auf der Bühne in der Halle, der mir das Ei auf dem Kopf zerschlug, und ich nen selten Schein dafür bekam..
Die Besuche in den kleinen Kapellen wo gemeinsam Gesungen wurde..
Die Frische Milch vom Bauern..
Geschlafen wurde in Hochbetten, 4 Kinder ich oben und ich erinnere mich vor dem Schlafen gehen das ich ein Mädchen geküsst habe die sich rübed beugte vom andere Hochbetten.
Das falten unsere Wäsche mit der Betreuerin, Namens Schilder in der Wäschs..
Da gabs Postkarten zum verschicken die wir kauften von unserem Taschengeld, und auch Briefe von zuhause..
Man hatte auch Heimweh aber es war schön, viel uns hoher Schnee...
Der Pudding war dies, den musste man auch tatsächlich auf Essen, und das waren Regeln ohne Hauen o.ä. hehe..
Ich würde sehr gerne diesen Ort nochmals sehen und Erleben..
Leider besitze ich kein Führerschein und habe auch keine eigenen Kinder.
Schade das ich hier so negative Erfahrungen lese..
Grüße aus Köln
Ich war im Sommer 87 ein Verschickungskind in Berchtesgarden.
Ich war 10 Jahre alt, meine Mutter wollte mir was guten Tun und schickte mich auf diese Kinderverschickung der Barmer Ersatzkasse.
Ich kam nach 6 Wochen Aufenthalt als ein Kind mit einer Angststörung zurück was unter Ticks und wahnsinnigen Angst vorm Schlafen gehen litt.
Meine Erinnerungen an diesen Aufenthalt sind furchtbar:
Wir Kinder wurden auf Bänke und Stühle gefesselt als Bestrafung, nur weil man z.B eine Wiese betrat die man nicht betreten sollte.
Man musste sich in einen Kreis stellen und laut singen oder Gedichte aufsagen um seine Post von Zuhause zu erhalten (ich hatte immer gehofft ich bekomme keine Post).
Als die Magen-Darm-Grippe ausbrach und ich mich als Kind in das Bett übergab, musste ich in meinem Erbrochenen als Bestrafung schlafen.
Das Duschen, Waschen, Zähneputzen erfolgte nur gemeinschaftlich und unter strenger Aufsicht.
Die Mahlzeitenaufnahme war sehr streng, es musste aufgegessen werden ansonsten musste man solange sitzen bleiben bis der Teller leer war.
In einer Nacht wurde ich sexuell Missbraucht. Ich habe Dies nächsten Tag einer Betreuerin erzählt, darauf wurde mir eingeredet ich hätte alles nur geträumt. Ich habe danach eingenässt und wollte nicht mehr in diesem Zimmer schlafen. Ich durfte nach langem Theater das Zimmer wechseln und habe mich versucht mit meiner neuen Zimmernachbarin tagtäglich Nachts einzuschliessen indem wir den Stuhl unter die Türklinke schoben. Dieses Mädchen hatte genauso Angst wie ich, dass ist mir heute bewusst geworden.
Meiner Mutter konnte ich mich nicht mitteilen, die Post die man schrieb wurde streng kontrolliert und man musste positive Sachen in die Karte schreiben.
Ich war wochenlang einer fürchterlichen Angst ausgesetzt.
Ich wurde als glückliches Kind auf diese Kur geschickt und kam als verstörtes und ängstliches Kind nach Hause. Ich habe Jahrzehnte gebraucht um über das erlebte zu reden. Ich leide heute noch unter einer Angststörung und unter Zwängen die sich dadurch bildeten.
Auch ich hatte eine heilbehandlung bzw Kur im März und Dezember 1987.
Meine Mutter verstarb.
Alles an was ich mich erinner ist ein großer Waschraum und das ich mir mein Zimmer teilte mit einem Mädchen. Sie war traurig. Sie hatte ein Kuscheltier bzw eine Mond Spieluhr.
Ich weiß nicht warum ich dort war. Evtl weil meine Mutter verstarb in dem Jahr.
Leider fehlen mir weitere Erinnerungen.
Habe aber alles im Impf- bzw. Sozialausweis (DDR) als Eintrag belegt.
Ich war 6 oder 7 Jahre alt, schreiben und lesen konnte ich noch nicht. Es gab 3 oder 4 weitere Kinder mit den Namen Anja (ich war die jüngste).
Ich erinnere mich an Holzwannen, mit salzigen Wasser, mein Aufenthalt war im Winter. So regelmäßig wie diese Wannen sich wiederholten, waren auch die Zeiten, in denen wir mit kleinen Schutzbrillen vor Lampen sitzen mussten. Neben der Kirche mussten wir regelmäßig zu Konzerten. Einmal haben wir übermütig geklatscht, so dass wir unsere Handrücken berührten. Wir durften anschließend, zur Strafe, nicht mehr raus und viel schlimmer, nicht mit den anderen zum schwimmen.
Wer an den Konzerttagen Geburtstag hatte, der bekam von den Musikern ein Plakat/Poster geschenkt.
Ich wusste meinen Geburtstag nicht, wollte aber auch so ein Geschenk. Also hatte ich mich einfach gemeldet, als nach einem Geburtstagskind gefragt wurde. Das war eindeutig nicht meine beste Idee…
Die Mahlzeiten waren sehr streng. In meiner Erinnerung durften wir nicht reden, alles musste aufgegessen werden. Zur Strafe wurde man auch schon einmal auf die Terrasse (oder war es ein Balkon?) geschickt, ohne Jacke, mit der Stulle in der Hand, in die Kälte, bis alle fertig waren. Fertig war man erst, wenn alles aufgegessen wurde.
Die Bettnässerkinder hatten einen Wochenplan, wenn das Bett trocken blieb, dann gab es einen Aufkleber. 1x in der Woche musste man mit diesen Plan zur Oberschwester. In meiner Erinnerung, eine alte und strenge Nonne. Ich bin mir nicht sicher, ob mich meine Erinnerungen da täuschen, oder ob sie tatsächlich 1 großen (oder sogar 2) Hund hatte. Vielleicht haben mir die anderen Kinder es erzählt, weil ich eine große Angst vor Hunden hatte.
Auf jeden Fall gab es von dieser Oberschwester entweder eine Belohnung (in Form von Süßigkeiten), oder eben Strafe/Schimpfe, je nachdem wie viele Aufkleber man hatte.
Ich hatte immer große Angst vor diesen Tagen und viel Süßes gab es für mich nicht.
Strafen waren allgegenwärtig. Einmal hatten die anderen Kinder meinen Teddy geklaut und auf dem Flur geworfen, es war Schlafenszeit. Der dunkle und sehr lange Flur machte mir nicht nur Angst, er durfte natürlich auch nicht, zur Schlafenszeit, betreten werden. Aber ohne Teddy ging auch nicht. Also schlich ich irgendwann raus und wurde natürlich prompt erwischt. Zur Strafe wurde ich ohne Teddy und ohne Decke, in einen Raum gesteckt, der in meiner Erinnerung sehr klein war und nur eine Matratze auf den Boden hatte. Dort musste ich die Nacht verbringen und war am nächsten Tag, für alle die unartige Anja.
Wir mussten regelmäßig spazieren, immer schön ordentlich in 2er Reihe.
Meine einzige schöne Erinnerung war eine liebe Nachtschwester. Diese nähte meinem Teddy neue Augen (mit gelben Stopfgarn). Der Teddy ist heute noch in meinem Besitz. Ich glaube, mein Aufenthalt dauerte 6-9 Wochen.
Sehr lange hatte ich Angst erneut dorthin zu müssen und alleine die Androhung (die es leider gab) reichte aus.
Ich glaube, es gab sicherlich positive Erlebnisse in Bad Sassendorf, leider brennen sich in kleine Kinderseelen die negativen Erinnerungen.
Dort aber litt ich unter unvorstellbarem Heimweh.
Ich bekam dort Windpocken und war sehr krank, aber die Betreuerinnen sagten, man sei nach drei Tagen wieder gesund. Also musste ich nach drei Tagen wieder alles mitmachen und durfte nicht länger im Bett liegen. Ich schleppte mich durch die Gegend und traute mich nicht, jemandem zu sagen, wie elend ich mich fühlte, aus Angst, dann am Ende nicht heim zu dürfen, denn es war in der 4. oder 5. Woche meines Aufenthaltes.
Als ich dann wieder Zuhause ankam, fieberte ich stark. Meine Mutter musste mir die Strumpfhosen vorsichtig von den Beinen schneiden, denn die Windpocken waren offen und alles war verklebt. Ich war in einem furchtbaren Zustand. Ich fehlte noch zwei weitere Wochen in meiner Schule, bis ich wieder genesen war.
Es ist mir heute völlig unverständlich, was für eine Atmosphäre von Angst in dem Heim verbreitet wurde, dass man seine Krankheit und sein Elend lieber versteckte, als sich einer Betreuerin anzuvertrauen. Auch mit Heimweh ging man nicht zu eine der Erzieherinnen. Dass mich dort ältere Kinder aufzogen und meiner Barbiepuppe die Kleider zerschnitten, hätte ich nie einer der Damen dort anvertraut!
Ich hoffe sehr, dass solche Kinderverschickungen heute nicht mehr existieren bzw. dass Erzieherinnen in solchen Einrichtungen besser ausgebildet und Kinder ihnen wirklich am Herzen liegen...
es liegt lang zurück, in Erinnerung blieben gewaltige Erinnerungen.
Ich war bei der Verschickung 5 Jahre alt, und war kurz zuvor erst in den Kindergarten gekommen, ich war also nicht wirklich viele Kinder gewohnt.
In Erinnerung blieb, dass ich mich am Morgen der Abfahrt gewehrt habe, und es nicht wollte. Die Fahrt ging vom Rheinland nach Dagebüll per gecharterten Intercity, voller Kinder, und ich mittendrin, ohne Bezugsperson.
Bei der Ankunft dort herrschte Sturmflut. Als der Busfahrer, es war schon dunkel, am Fähranleger die Tür öffnete, schwappte das Wasser um den Bus.
Ich war in einem mutmasslich Sechsbettzimmer, und ich erinnere mich, dass ich im Dunkeln den Lichtern der ersten ankommenden Fähren zugesehen habe.
Die "bösen" Kinder, die abends auf den Zimmern Unruhe stifteten, mussten eine Etage tiefer auf dem Flur auf einer Matratze vor dem Betreuerzimmer liegen.
Was blieb noch in Erinnerung: Das erkennbare Desinteresse der Betreuerin an den Kindern.
Die gestickten Namensschildchen in allen klamotten, die noch jahrelang später zum Teil im Leben waren.
Das Postkartenschreiben war ein stumpfes Ritual. Einmal bekamen meine Eltern eine Karte auf der Stand schlicht: Nils hat heute keine Lust, eine Karte zu schreiben.
Gegen Ende der sechs Wochen, war soetwas wie Selbstsicherheit gewonnen, denn ich durfte nun auch einmal im Flur auf der Matratze liegen.
Schlimm für meine Mutter war bei der Wiederkehr am Bahnhof, dass ich meine eigene Familie nicht erkannte. Und was den Erholungseffekt anging, ich wer schwer erkältet, mit einer heftigen Mittelohrentzündung.
Alles in allem eine mehr traumatisierende als erholende Erfahrung. ohne Bezugsperson, unter Unmengen fremder Kinder, habe ich schwer gefremdelt.
Eigentlich sollte ich dort ein wenig zunehmen und die Seeluft sollte meiner chronischen Bronchitis helfen. Doch das Ganze entwickelte sich zu einem Albtraum für mich.
Ich wurde von meinen Eltern gebracht und wieder abgeholt. Die Trennung war erst in Ordnung. Ich wusste ja, bald bin ich wieder zu Hause. Doch es müssen dort Dinge geschehen sein, die mir fürchterliches Heimweh machten. Ich kann mich nicht mehr an alles erinnern. Doch einige Bruchstücke sind noch da.
Ich empfand das Haus als sehr dunkel, fast düster. Der Schlafsaal waren ein Graus für mich. Dieser große Raum war für mich mit fürchterlichem Zwang behaftet. Man durfte nicht weinen. Viele taten es heimlich unter der Bettdecke, wenn nicht mehr eine der Tanten dort herumschlich.
Man durfte, wenn man im schon im Bett war, nicht mehr zur Toilette. Wenn dann jemand aufgrund dessen in sein Bett machte, wurde er im Waschraum abgeduscht oder aber auf einen „Pipi-Topf“ mitten in den Schlafsaal gesetzt, so dass alle anderen es sehen konnten. Eine fürchterliche Demütigung. Auch haben mir dort andere Kinder erzählt, dass sie statt abgeduscht zu werden, mit nassen Handtüchern geschlagen wurden.
Jahre später, als mir dies einmal wieder in den Sinn kam, habe ich einmal nachgeschlagen, warum man so etwas tut. Ergebnis: Schlagen mit einem nassen Handtuch hinterlässt keine Spuren.
Ich kann mich auch daran erinnern, dass alles immer ordentlich im Schrank/Regal sein musste. Schuhe mussten auch geputzt werden, auf einer langen Bank in einem langen Flur.
Essen… dieses Thema verfolgt mich noch heute. Es musste immer alles aufgegessen werden, was auf dem Teller war, egal, ob man es mochte oder nicht. Für mich sind für immer und ewig Rote Beete und Rhabarber von meinem Speiseplan gestrichen. Die allerschlimmste Erinnerung ist für mich das Rhabarberkompott, dass ich überhaupt nicht mochte. Erstens einmal sah es für mich aus, wie schon einmal gegessen und zweitens war es vom Geschmack her ganz schrecklich. Ich musste es essen. Ich wurde damit nicht zur Essenszeit fertig und somit in einen extra Raum gesperrt und saß dort so lange vor meinem Kompott bis das Schälchen alle war. Ich musste immer wieder würgen. Ich habe es aber irgendwie geschafft, mich nicht zu übergeben. Das tat ich dann „heimlich“ später auf der Toilette. Andere hatten mir erzählt, dass es ihnen ähnlich und schlimmer ergangen war, so wie viele es hier mit dem Erbrochenen schon beschrieben haben.
Es wurden auch Postkarten nach Hause geschrieben. Mit 5 Jahren konnte ich noch nicht schreiben, also schrieb eine der „Tanten“. Und zwar immer nur positiv. Eine Karte habe ich davon noch. Ich weiß, dass es noch mehr gab, aber Sie sind irgendwann bei meiner Mutter abhandengekommen. Ich kann mich erinnern, dass auf einer dieser Karten stand, dass ich nun nicht mehr so viel weine und mein Heimweh fast weg ist. Von wegen… Ich wollte lieber heute als morgen wieder nach Hause.
Alles in allem war das Fazit für mich und meine entsetzten Eltern, als sie mich wieder in Empfang nahmen: Ziel der Kur absolut verfehlt. Die Fotos (siehe Forum/Regionalgruppe), die gemacht wurden auf der Fahrt dorthin – noch „freudestrahlend“, während der Kur – man sieht schon mein gequältes/erzwungenes Lächeln und auf der Heimfahrt – völlig verstört, verängstigt und mit dunklen Ringen unter den Augen, belegen das oben beschriebene Fazit.
Ich bin froh, dass meine Eltern mich hinterher entsprechend „aufgefangen“ und versucht haben, das Geschehene vergessen zu machen. Mein Misstrauen bestimmtem Essen gegenüber ist jedoch bis heute geblieben.
Dort waren Behandlung und Umgangston ganz okay, nur die Belegung mit um die 200 Kinder war für mich traumatisch. Immerhin gab es aber recht kleine Zimmer mit nur vier oder fünf Betten. Da ich zu den unterernährten Kindern gehörte (meine fast 90jährige Mutter schämt sich heute noch), musste ich mit wenigen anderen an einem separaten Tisch essen. Diese Exponiertheit war unangenehm und man wurde gehänselt.
Schlimmer aber war, dass es zum Frühstück zwangsweise Leberwurst und andere Dinge gab, die ich verabscheute. Alles in allem aber war der Aufenthalt in Ordnung.
Deshalb stimmte meine Mutter zu, als ich 1976 noch einmal verschickt werden sollte. Ich kam 6 Wochen nach Boffzen, in das Kinderkurheim das -wie ich mittlerweile weiß- schon von den Nazis betrieben wurde.
Uns Kindern wurde gesagt, das Haus sei privat, die Besitzerin wohne in der 50er Jahre Villa auf dem selben Gelände. Von der sah man nur ab und an einen großen, silbernen Mercedes.
Wir Kinder waren untergebracht in einem schlossähnlichen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert (es gibt noch Bilder im Netz). Ich denke, wir waren vielleicht 20 oder 30 in meiner Jungs-Gruppe und genauso viele in der abgetrennten Mädchen-Gruppe. Alle Jungs waren untergebracht in zwei miteinander verbundenen Schlafsälen. Nur neben dem Zimmer der Betreuerin (Name vergessen), die offenbar dort wohnte, gab es ein 3er-Zimmer. Da kam ich nach ein paar Tagen rein, weil ich mit dem Schlafsaal nicht klarkam und dort gehänselt wurde. Die beiden anderen Bewohner meines Zimmers waren wegen Ungehorsam aussortiert worden, weshalb wir unter ständiger Beobachtung standen. Es herrschte ein Klima latenter Angst und Bedrohung. Unter den Kindern bildeten sich Hackordnungen. Da stand ich weit unten. Ich wurde später noch jahrelang von Anrufen eines der Jungen verfolgt, der dann immer seinen Namen nannte und danach auflegte.
Die Tagesbeschäftigung bestand in Zeiten, in den wir auf dem Gelände spielen durften, auf einer Wiese, aber ohne Anleitung, Anregungen oder Spielgeräte. Ich glaube auch, dass es täglichen Frühsport auf dem Hof vor dem Haus gab. Außerdem gab es nahezu täglich Wanderungen. Es ging in die immer selbe Richtung. Zunächst eine steil ansteigende, gerade Straße hinauf, von den Betreuern Himmelsleiter genannt. Mir kam sie unendlich anstrengend und lang vor. Vermutlich war sie das nicht.
In Wald und Feld mussten wir dann Beerenfrüchte sammeln. Die gab's dann auf Pfannkuchen zum Abendbrot.
Das Essen war ausgesprochen mager und eklig. Als ich nach sechs Wochen heimkam, hatte ich mehrere Kilo abgenommen und hatte in der ganzen Zeit nur 2mal Fleisch bekommen.
Ich war als 13jähriger durchaus in der Lage, mal von daheim weg zu sein. Aber die Situation im Kinderheim war so bedrückend und beängstigend, dass ich recht bald einen Hilferuf an meine Mutter schrieb. Den trug ich immer mit mir herum, wurde ihn aber nicht los, weil die ausgehende Post zensiert wurde.
Das für mich schlimmste Erlebnis, dem ich bis heute einige "merkwürdige" Verhaltensweisen verdanke, war das gemeinsame Duschen. Es fand in einem Kellerraum eines benachbarten Remisen-Gebäudes statt. Dazu muss ich erklären, dass ich in einem streng antinazistischen Haushalt aufgewachsen bin und früh mit entsprechenden Bildern und Texten in Berührung kam.
Der Duschraum dort entsprach meinem Wissen von KZ-Ausstattungen. Ein großer, dunkler Raum mit Leitungen unter der Decke, an denen Duschköpfe hingen. Wir wurden zum gemeinsamen Duschen gezwungen. Für mich total belastend, weil ich sehr schamhaft war und immer Angst hatte, wieder wegen irgendwas gehänselt zu werden. (Wegen meiner abstehenden Ohren sowieso) Der Raum machte mir unendlich Angst, zumal die Betreuer einen sehr herrischen Ton drauf hatten und uns immer durch die Gegend scheuchten. Es ist wohl nichts wirklich schlimmes passiert, aber 6 Wochen in einem Klima von Angst, Befehlen und Ungerechtigkeiten waren für einen Heranwachsenden schwer zu ertragen und leider träume ich heute, mit fast 60 Jahren, noch regelmäßig davon.
Mein Vater war wenige Monate zuvor nach einem langen Leidensweg gestorben. Danach hatte ich keinen Appetit mehr, nahm ab und kam zur Erholung.
Gleich nach der Anreise wurde ich von meiner Schwester getrennt, da Mädchen in einem anderen Teil des Hauses getrennt untergebracht wurden.
Ich sollte essen, aber weil ich keinen Appetit und einen riesigen Heimwehklos im Hals hatte, ging gar nichts mehr.
Das mir auf den Teller gelegte musste aufgegessen werden. Ich konnte nichts runter kriegen.
Am ersten Abend waren die Aufseherinnen noch relativ gnädig. "Nur" verbales Drängen galt e.auszuhalten.
Die anderen Kinder hatten schon aufgegessen und waren aufgestanden und gegangen.
So blieb ich schließlich lange allein in dem großen Raum. Ab und zu wurde nachgesehen, ob ich endlich artig gegessen hätte. Schließlich galt ich als bockig und böse. Und sowas zu brechen hatte man ja Methoden.
Vielleicht wollten sie Feierabend machen. Jedenfalls blieben mir weitere pädagogische Bemühungen an diesem Abend erspart .
Ich hatte nicht nur Heimweh, ich war Heimweh. Ich schluchste und schluchste . Ich war vater- und mutterseelen allein.
Weinen (Heimweh) war abends verboten. Wer erwischt wurde, wurde in den kalten Duschraum abgeführt, wo er u.U. Stunden im Kalten verbringen musste. Manche Kinder, die so widerspenstig und ungezogen-böse waren, daß sie mit Weinen und Schluchzen einfach nicht aufhörten, wurden kalt abgeduscht . Das half .......nach einer gewissen Zeit.
In einer religiösen Unterweisung wurde Angst vor der Hölle für unartige Kinder geschürt. Auf welchem Weg, dem guten, steilen , beschwerlichen, oder schlechten, bequemen, nach unten gehenden befindest Du dich ?
Die Wege wurden auf der Tafel veranschaulicht .
Auf dem schlechten Weg wurde ein Punkt eingezeichnet, bei dem eine Umkehr nicht mehr möglich ist. Hat man den erst erreicht, ist man für immer verloren, dann geht es schnurstracks in das Höllenfeuer ewiglich.
Ihr wisst doch , wie es sich anfühlt, wenn man einen Finger in eine Kerze hält? Und nun den ganzen Körper für immer und niemand ist da, der helfen kann !
Böse waren wir ja wirklich:
Abendliches Weinen und nicht aufessen oder gar abnehmen ( ich wurde gewogen und zu leicht befunden ) waren die Hauptsünden.
Bei jedem Wiegen meines Gewichtes wurde auch meine Schuld, mein Ungehorsam mit gewogen. Wieder Gewichtszunahme verweigert.
Doch für solche Fälle gab es die Methode der Mästung, die zum Gück nur einmal an mir praktiziert wurde. Vermutlich weil es bei mir vermutlich zu zeitaufwendig war und auch diese pädagogischen Massnahmen bei mir nichts fruchteten.
Wieder mal saß ich lange noch nach dem Frühstück allein vor einem für mich ekligen Käsebrot, das ich unbedingt essen sollte. Schimpfen und Drängen der Aufseherinnen führten zu nicht mehr Appetit.
Diesmal war es nicht nur der Klos im Hals, sondern auch Widerstand, der natürlich gewaltsam gebrochen werden musste.
Ein herrisches ;"Mund auf ! " hatte keinen Erfolg. Es wurde eine zweite Kraft dazu geholt.
Eine der Aufseherinnen drückte daraufhin meinen Mund auf, indem sie in die Wangen drückte und so den Kiefer gewaltsam öffnete.
Die andere schob mir ein Stück Brot in den Mund. "Kauen! , Schlucken !" Die Befehle hatten nicht den gewünschten Erfolg. Ich kaute und schluckte nicht. Die Prozedur wurde unter verschärften Bedingungen wiederholt. Nun wurden zusätzlich Mund und Nase zu- und ich fest gehalten. Das führte zum Erfolg. Unter Tränen, ein Brocken nach dem anderen. Sie waren ein eingespieltes Team. Sie hatten es geschafft. Das Brot war drin. Danach war mir der Appetit gänzlich vergangen. Vor diesen Bestien hatte ich nur noch Angst.
Iimmerhin wußte ich nun, wer böse war. Von ihnen nahm ich nichts mehr an.
Was können wir daraus lernen ?
Auch diese Hexen waren Kinder ihrer Zeit. Es herrschte die schwarze Pädagogik über sie.
Unter Ausblendung von Mitgefühl hielten sie sich daran, was allgemein angesagt war, was Mainstream der Pädagogik war, was als richtig und förderlich für die Kinder galt. Die so zu Aufseherinnen gewordenen Frauen waren Täter und und Opfer zugleich . Sie opferten gegenüber den Kindern ihr Mitgefühl.ihre Seele, die den ihnen anvertrauten Kindern verrohte.
So auch wie wir heute verrohen, wenn auch in anderen Zusammenhängen:
Aus heutiger Perspektive kann rückblickend deutlich werden, wie der Zeitgeist, der Mainstream, über Empathie, Mitmenschlichkeit dominieren kann. Es braucht nur "gute", gesellschaftlich getragene Gründe, um Unmenschlichkeit, Gewalt um eines höheren Zieles willen, zu rechtfertigen. Schließlich heiligt der Zweck ja die Mittel. Alles ist gut , wenn es nur einem guten Zweck dient.
Mit dieser Haltung können wir überhaupt das "Böse" bzw. das, was nicht unseren Interessen entspricht, mit bestem Gewissen austreiben, bzw. vernichten.
Eigene moralische Massstäbe, so vorhanden, werden obsolet, wenn sie nicht mit dem Mainstream konform gehen. Und unser Interesse ist es natürlich, auf Teufel komm raus, immer dazu zu gehören.
Dem propagierten Mainstream folgend werden z-B. auch entgegen der ursprünglichen Überzeugung, Tötungsmittel Mit-Morden (damals wie heute mit dem Segnen von Waffen, bzw. mit dem Absegnen der Verschickung von Kindern und "guten" Waffen zum gefälligen Gebrauch. Mit guten Gründen lässt es sich gut morden, seien es Kinderseelen oder die zu Feinden erklärten Menschen.
Das kann man doch nicht miteinander vergleichen?
Doch, muss man sogar !
Der gemeinsame Nenner heißt:
Unterdrückung von Mitmenschlichkeit durch Interessen geleitete Erkenntnis /Ideologien.
Ich war für sechs Wochen in einem Heim, wo ich an einem Tisch mittig in einem großen Speisesaal Essen immer wieder bekam, das ich nicht essen konnte, bis ich es aß und herunterzuwürgen versuchte.
Ich durfte nachts nicht auf Toilette, nässte deshalb ins Bett ein, es gab Gewalt und sogar Schläge mit der Hand, man nahm mir meinen Bär weg, dem einzigen, woran ich mich festzuhalten versuchte und bekam als einzigen Kontakt die Päckchen von zu Hause nicht, weil ich nicht funktionierte. Diese Päckchen mit bestimmten Süßigkeiten wurden vor meinen Augen an andere Kinder verteilt, weil ich sie nicht verdient hatte.
Man schrieb Karten an die Eltern, dass es mir blendend ginge, weil ich mit fünf Jahren noch nicht schreiben konnte.
Ich kam nach sechs Wochen als gebrochenes Kind mit Alpträumen und abgekauten Fingernägeln zurück. Ich kämpfe bis heute mit den Folgen.
Als ich ca. 10 war, war ich mit den Eltern in der Gegend und meine Mutter wollte das Heim sehen. Sie fanden es und ein verschrecktes Kind tauchte hinter den Gitterfenstern im Erdgeschoss auf. Meine Mutter weinte den gesamten Weg zurück zum Ferienort und entschuldigte sich immer wieder bei mir. Sie hatte mir meine kindlichen Schilderungen nicht abgenommen und war entsetzt zu sehen, dass alles, was ich erzählt hatte, stimmte. Das führte dazu, dass sie mir (erstmals) auch den Rest, den sie nicht überprüfen konnte, glaubte. Bis dahin war man zu Hause der Meinung, dass ich lüge und Aufmerksamkeit wollte.
Während ich das schreibe, habe ich Tränen in den Augen. Ich wünsche mir seit vielen Jahren, es vergessen zu können.
Wenn diese Aktion auch nicht zum Vergessen beiträgt, so ist sie doch trotzdem gut. Danke dafür
Vorher hatte ich schon mehrere traumatische Erlebnisse in Krankenhäusern: als Frühchen in den 50gern im Brutkasten einer Uniklinik, mit 3J. eine Blindarm OP (bei der die Narkose nicht richtig wirkte), mit 6J. eine Mandel OP ( bei vollem Bewußtsein wurden wir an die Stühle geschnallt, dann den Ätherlappen vors Gesicht, und alles brüllte…). Besuchsverbot für die Eltern.
Nun also St.Peter Ording. Währendessen lag meine Mutter mit Krebs im Krankenhaus (Kinder unter 12J. haben keinen Zutritt. Ich konnte sie also vor Abreise nicht mehr sehen.
Ich wollte nur nach Hause, hatte füchterliches Heimweh. Unter den Kindern ging das Gerücht um, wer ständig weint, wird nach Hause geschickt. Also habe ich die ersten Tage nur geweint, es half nichts.
Morgens der Haferbrei ging noch, das Mittagessen war viel zuviel, ich mußte mit einigen anderen immer solange sitzen bleiben bis ich alles hineingewürgt hatte. Das Abendessen war das schlimmste.
Es gab 5 halbe Brotscheiben, jeweils eine mit Quark m. Schnittlauch (bäh), Wurst, Käse, Bananenscheiben, Schokoraspeln. Ich konnte einfach nicht soviel essen. Andere schon, und noch viel mehr. Also bot ich meine Brote zum Tausch an, wenn du mein Brot isst…Die anderen Jungs wollten natürlich nur das Schoko- o. Bananenbrot. Das hätte ich auch mal gerne gegessen, würgte statt dessen das Quarkbrot hinunter. Natürlich alles heimlich, wer erwischt wurde, daß er nicht seinen Teller leer aß, wurde bestraft. Das klappte nur kurze Zeit, ich habe dann die Brote in die Hosentasche gesteckt und später im Clo entsorgt. Das viel natürlich auf, wurde verpetzt und ich wurde bestraft.
Ohrfeigen waren damals was völlig normales und auch der Lehrer in der Schule wurde nicht müde zu betonen: die Prügelstrafe ist noch nicht abgeschafft.
Briefe nach Hause wurden zensiert, Päckchen von Zuhause wurden geöffnet: Obst kam sofort in die Küche, Süßigkeiten (wenn mehr als 1 Teil) kamen in den Gemeinschaftspool, Briefe und anderes an das Kind.
Dann bekam ich Mumps und mußte auf die Krankenstation. Hier gab es kleine Portionen und ich war froh krank zu sein. Währendessen ist meine Mutter verstorben, was mir nicht mitgeteilt wurde.
Schlimm waren auch die wöchentlichen Untersuchungen beim Haus-Doktor,der in Ermangelung oder aus Sparsamkeit keine Holzspatel sondern Eßlöffel aus der Kücheverwendete und jeden „zur Sau“ machte, der dabei hustete. Manche zitterten schon vorher.
Nach der Mumps-Zeit wurde ich als Langsam-Esser eingestuft und mußte mein Mittagesse alleine im Speisesaal eine halbe Std. vor allen anderen einnehmen. Wie das dann mit den Broten war, weiß ich nicht mehr.
Dann wurden Andenken gekauft (die Händler kamen ins Haus), eine Kleinigkeit für Vater und Mutter, und ab gings nach Hause. Noch auf dem Bahnsteig habe ich gefragt, ob ich endlich meine Mutter besuchen darf, die Antwort: die ist doch schon im Himmel.
Das wars, die Kindheit war vorbei. Verständnis, Gefühle, Reden, das gab es nicht.
Ich habe angefangen zu stottern, Atemwegserkrankungen waren ständige Begleiter.
Folgerichtig kamen in den Folgejahren noch 3 Asthmakuren in Bad Reichenhall hinzu. Manchmal kam ich kränker zurück, als ich losgefahren war.
Im späteren Leben kamen noch Allergien und Süchte und Tinnitus hinzu. Verschiedene Therapien halfen nicht. Ich habe bis heute keine stabile Beziehung aufbauen können. Jetzt mit 65J. ist noch eine Neurodermitis hinzugekommen.
Ich bin nur noch müde, müde, traurig und wütend.
P.S.
Wie ich gehört habe, steht das Haus Richardsen noch. Lange Zeit als Gästehaus etc. genutzt (?)
Ich versuche mal hinzufahren und es mir anzusehen. Vielleicht passiert was.
1.) Es gab einen Jungen, der nach Angaben der Erzieherinnen ein böser Junge war. Nachdem die üblichen Methoden, in erster Linie Ohrfeigen, bei ihm nicht den gewünschten Erfolg brachten, wurde er in den Keller gesperrt. Wir hörten ihn, wenn wir über die Gänge gingen, unaufhörlich brüllen. Das flößte mächtig Angst ein. Uns wurde gesagt, dass dies mit allen unartigen Kindern geschieht - es waren eindeutige Drohungen. Der Junge war dann eines Tages nicht mehr da.
2.) Es gab Lieblingskinder. Hierzu gehörte ein Junge aus meinem Schlafsaal, vielleicht 3-jährig, der, während wir anderen uns keine Unachtsamkeit erlauben durften, während der Schlafzeiten durch den Saal sprang, hüpfte, turnte und die Erzieherinnen lachten über den süßen Fratz. Eigentlich war strenge Bettruhe verordnet. Auch in der Mittagszeit mussten wir schlafen, auch wenn jemand nicht schlafen konnte. Bei einer Kontrolle mittags versuchte ich, mich schlafend zu stellen. Ich hatte alles versucht, doch ich musste zwinkern und bekam sofort Ohrfeigen, während der kleine süße Junge herumjauchzte.
3.) Beim Mittagessen saß der kleine süße Junge neben mir und spuckte mir plötzlich auf den Teller (Braten mit Rotkohl und Kartoffeln). Ich meldete dies der Erzieherin, die mich dann zwang, meinen Teller inklusive fremder Spucke aufzusessen.
Wie gesagt, schätze ich, dass es der Sommer vor der Einschulung gewesen sein muss, 1989. Es kann aber auch sein, dass es 1988. Ich hoffe, dass es noch alte Datensätze gibt und mein Name und Aufenthalt dort irgendwo niedergeschrieben ist.
Auf dieser Internetseite habe ich ein Foto von 1979 gesehen von Wieck und es sieht mir sehr danach aus, dass es das Kurheim war, wo ich war.
Vielleicht findet sich jemand, der zur gleichen Zeit dort war und ich kann das Mysterium klären.
Vielen Dank fürs Lesen.
Ich war damals 10 Jahre alt. Wurde zur Kur geschickt, weil ich zu dünn war.
Viel ist mir nicht mehr in Erinnerung geblieben- nur Fragmente (wie fast alles aus meiner Kindheit. Wahrscheinlich- nein sicherlich ein Schutz meiner Psyche- den Schutz des Vergessens. Denn das ist überlebensnotwendig. Und Erinnerungen sind eh subjektiv
Sorry- ich schweife ab: Wenn ich an Volkersdorf denke, fällt mir Weniges ein, beim Schreiben vielleicht mehr: Daher kann ich nur aus Fragmenten meiner Erinnerung schreiben- mehr hab ich momentan nicht….
Busfahrt: Meine Mutter hat mir zur Abreise eine Tafel Schokolade gegeben (mit Waffelsplitter)- die hab ich nach den 6 Wochen völlig unbrauchbar wieder erhalten… Es gab da einen Raum zur Aufbewahrung (eine Baracke?)
Ich weiß noch: Es gab keine Namen- ich war Nummer 21.
Essen: Es musste gegessen werden, was auf den Tisch kam. Ein Kind hat auf dem Teller erbrochen und wurde gezwungen ihn aufzuessen.
Mittagschlaf musste sein, ich hab mich unter der Decke gewälzt und wurde mit etwas bestraft, von dem ich nicht mehr genau sagen kann womit. (Pittiplatsch- Tafel)
Ausflug nach Dresden- mehr weiß ich nicht.
Morgengymnastik und barfuß laufen im Schnee- mach ich heute noch gerne
Höhnsonne und Laufen im Kreis.
Apfelessen mit samt Griepsch- es durfte nur der Stiel übrig bleiben.
Ich war krank- meine Mutter hat mir Taschentücher per Brief geschickt.
Fasching: Mein „Schwarm“ hat sich beim Tanzen von mir abgewendet, weil ich eine Warze am Finger hatte.
Heimweh.
Briefe schreiben- festes, programmiertes Ritual- und deren Kontrolle.
Ich glaub, für heute reicht's erst mal. Vielleicht gibt es ja Gleichgesinnte? Würde mich freuen
Ich mag seitdem keine süßen Speisen mehr und warme Milch oder Kakao (schon der Geruch) ekelt mich an.
Meine Mama hat mir, am Tag der Heimkehr, eine Freude machen wollen und Griesbrei gekocht, ich habe mich sofort übergeben und es nie wieder gegessen.
Ich erinnere mich an einen Speisesaal der geteilt war und die dünnen Kinder von den vermeintlich dicken Kindern getrennt hat.
Essen war problematisch, weil immer ein Zwang zum Aufessen bestand und es gab für uns Z.T. nur süße Speisen (Pudding, Milchreis etc.)
Einige Kinder waren oder wurden dort zu Bettnässern und das wurde damit bestraft, daß sie nicht an den Aktivitäten teilnehmen durften und die Post der Familie nicht vorgelesen bekamen.
Ach ja und zugenommen hatte ich nur minimal, habe aber gebettelt, das ich da nicht mehr hin möchte. Musste ich dann auch Gott sei Dank nicht.
Ich heule und heule. Obwohl ich soviel wie nix mehr weiß. Meine spontane, nicht endende Reaktion (Heulen) sagt mir Alles!!! Es ist wie eine innere Explosion, endlich darf ich trauern!!! Ich bin 61 Jahre……
Ob sich unter dem Nebel und der Trauer noch Bilder zeigen werden, außer: Unterdrückung, Strenge, Luft anhalten, still sein, verwahrlosen, Postkarte schreiben, strenger bewegungsloser Mittagsschlaf, getrennt werden, freudlos, besonderer Raum mit Sonnenbrille und Licht, Bestrafung,- wird sich zeigen. Das Schlimme ist wahrscheinlich: das Verdrängte, die Ahnung, die verschüttete Trauer, Angst und zurückgehaltenen Tränen Ozeane!!!
Sei lieb, ruhig, nicht vorhanden!!!
So ging es in der Familie dann weiter.
Was für ein Wahnsinn?
Ich muss mich jetzt erst mal wieder beruhigen und schlafen.
Für alle Beteiligten mein tiefes Mitgefühl.
An das Wetter so Erinnern kann ich mich nicht mehr.
Ursprünglich stamme ich aus der Goldschlägerstadt Schwabach/Mfr. Wer stand noch mit mir damals am Schwabacher Bahnhof?
Lebe jetzt jedoch im Ldkr. Paf.
Meine Frage nochmalig nach einem 1/2 Jahr war niemand sonst noch in diesem Heim?
Meine letzte Anfrage hatte ich am 23.2. hier geschrieben.
Die Hoffnung stirbt nie, vielleich findet sich doch noch eine oder einer der auch dort gewesen ist.
Alles gute. Namsthe
Es sollte wohl eine "Erholungsmaßnahme" sein, das war es aber natürlich nicht:
* Die Kinder wurden bei geringster Aufmüpfigkeit gerne mal mit Ohrfeigen diszipliniert
* Beliebt (beim Personal...) war auch, vor der Kindergruppe Ewigkeiten rumzustehen und über seine "Vergehen" nachzudenken und dann demütig um Verzeihung zu bitten
* Zu trinken gab es ausschließlich (in der warmen Sommerzeit) heiße Milch und heißen Kakao, Durstgefühl war durchgehend gegeben. Ich weiß noch deutlich, dass ich über dne dauernden Durst in den Postkarten nach Hause, die unsere Betreuer angeblich nach "Diktat" geschrieben haben, geklagt hatte. Jahre später habe ich die Karten gefunden, da stand in höchsten Tönen jubelnd, wie toll es mir gefallen würde- alles gelogen.
* Wir mussten bei Einzug unsere Betten selber beziehen. Soweit kein Problem. Mir kam aber komisch vor, dass alle Kinder eine Gummimatte unter das Laken legen mussten, weil wir Bettnässer seien. War ich (mit 7...) nicht. Wurde ich aber schlagartig in dem Heim, danach hörte es wieder auf.
Ich habe per Zufall Jahrzehnte später gelesen, dass das Personal Valium benutzt hat, damit die Kinder Mittagschlaf halten und Nachts durchschlafen, Einnässen beim Schlafen ist da wohl Nebenwirkung.
* Das Essen war unter aller Sau und die "Tischregeln" rigoros. Ich mochte noch nie fettige Suppen. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem es Hühnersuppe gab, auf der Fettaugen schwammen. Einige Kinder, ich auch, wollten das nicht essen. Mit Nackenschlägen und Haare ziehen wurden wir gezwungen. Wer sich (wie ich) in die Suppenschüssel übergeben musste, musste das dann eben mit aufessen
Ich hatte als Kind lange die Phantasiel, als Erwachsener zurückzukehren und mich beim dann anwesenden Personal in einer möglicherweise justitiablen Art zu "bedanken". Darüber sprach ich in der Oberstufe mit einem sehr guten Lehrer, der nur kommentierte: "Ruhreck? Den Laden haben sie zugemacht, da triffst Du keinen mehr an. Da haben wohl Altnazi-Weiber Kinder gequält."
Da fühlte ich mich erstmals verstanden, weil bis dahin die Elternmeinung war "Ach, so schlimm wird es nicht gewesen sein, Du hast ja auch nie darüber gesprochen."
Weiter geholfen hat dann, dass es inzwischen viele Berichte gibt, so auch hier.
Ich habe das Glück, zumindest subjektiv keine allzu großen Schäden mitgenommen zu haben (außer, dass ich weder mich selber noch mein Kind in irgendeiner Form städtischer oder staatlicher Obhut freiwillig aussetze, dazu hätte auch Wehrdienst gezählt), aber es tat dann schon gut zu lesen, dass ich mich offenbar nicht "anstelle" oder "viel zu schlecht" erinnere; es war, wie es war.
Mit bleibt das Bild zurück, dass das Jugendamt (und sicher nicht "einzelne Mitarbeiter ohne Wissen der Amtsleitung", dafür ist der Umfang zu groß!) mit zwielichtigen Firmen kooperiert hat und manche Menschen durch organisierte Kindesmißhandlung viel Geld verdient haben.
Danke für nichts, Jugendamt Stadt Essen.
Ich hatte Angst vor einer bestimmten Klosterschwester und weiß nicht mehr warum. Ich sah sie später wieder bei einem Ausflug mit meinen Eltern und duckte mich vor ihr in eine Kirchenbank. Meine Eltern lachten. Meine Mutter glaubt bis heute, die Kur war gut, notwendig und erfolgreich, weil ich so nette Lieder sang.
Das Schlimmste war das Gefühl des Verlassenseins.
Insbesondere sein Erbrochenes wieder auf essen zu müssen, das Verbot von nächtlichen Toilettengängen, den Durst als Druckmittel einzusetzen schien damals wohl "gängige / pädagogische" praxis zu sein.
Heute bin ich bei einem Spaziergang mal wieder mit meiner Frau an einem weiß blühendem Busch vorbei gegangen. Meine Frau schwärmte von dem schönen Sommerduft dieser Pflanze und das er sie an ihre schöne Kindheit erinnern würde. Ich kann diesen "Sommerduft" dieser weißen Blume seit meiner Kindheit/ meinem Aufenthalt auf Borkum nicht mehr ertragen... er erinnert mich nun seit über 50 Jahren an Borkum und dieses Kinderheim und ist für mich unerttäglich.
Aber wie schon im letzten Beitrag geschrieben: Es war eine andere Zeit, aber ob ich das als Entschuldigung gelten lassen kann..... ??? ...
Vertrauen verloren , Ängste um Existenz, Bindungsangst. Toilettengänge können heute noch zum Horrortrip werden.
Es ist peinlich, ich bin inzwischen Inkontinent. Und habe furchtbare Angst alt zu werden ins Heim zu kommen und wieder entblößt zu werden von z.B. Personal aus Pflegeheimen.
Die schönen Erinnerungen verbinde ich mit der Solidarität der Kinder untereinander. Wir hatten Freude beim gemeinsamen Spielen am Strand, beim Spielen von Quartetten mit Autos oder Schiffen, beim nächtlichen Herumschleichen mit Angst vor den Tanten. Und gemeinsam erzählten wir uns, wieviel Tage wir jeweils noch im Heim verbringen mussten und beneideten jene, die endlich frei kamen und nach Hause fahren durften. Als wir in Berlin ankommend aus dem Zug stiegen, fiel ich meiner Mutter weinend in die Arme. Es war eine weitere Kränkung für mich, dass meine Eltern mein Leid nicht hören wollten: Ich solle mich nicht so haben, so schlimm wird es nicht gewesen sein. Doch, das war es. Erst Jahrzehnte später konnte ich wieder darüber sprechen. Wenn ich die Geschichten der anderen lese, bin ich noch gut durchgekommen. Dennoch war es auch für mich das schlimmste Kindheitserlebnis.
Bestrafungen für Kleinigkeiten waren an der Tagesordnung. Bei jedem Spaziergang wollte ich eigentlich abhauen. Aber ich hab mich nicht getraut, es war ein sehr kalter Januar.
Ich empfand das alles als 3 Jähriger als ein großes Abenteuer, aber es wurde ein Aufenthalt, der mein Leben nachhaltig beeinflussen würde.
Morgens gab es Käsebrote. Für mich ein absolutes No Go, da ich unter einer Milcheiweißallergie leide und keine Milchprodukte vertrage. Ich saß am ersten Morgen mit meinem großen Bruder, er war schon 4, am Tisch, sahen uns in die Augen und ließen die Käsescheiben unter dem Tisch verschwinden. Ein paar Tische weiter sah ich, was passierte, wenn ein Kind das Essen erbrach: das „Essen“ musste trotzdem restlos aufgegessen werden. Das empfand ich als so ekelhaft, das ich das um jeden Preis verhindern musste.
Danach gab es Vitamin-Paste aus der Tube, ein Geschmack der mich lange verfolgen sollte.
Meine Gruppe wurde auf eine kleine Wanderung geschickt mit einer netten Erzieherin, die mit uns aus gefundenen Dingen wie Stöckchen und Eicheln Pfeifen bauen lies. Ich fand die Berge so wunderschön und war so glücklich über meine Pfeife.
Im Heim angekommen suchte ich überall nach meinem Bruder. Ich fand ihn in dem Schlafraum seiner Gruppe und ich wollte ihm voller Stolz meine Pfeife zeigen. Zu meinem Entsetzen wies er mich schroff zurück, denn er durfte keinerlei Kontakt zu mir haben.
Das Heim wurde überwiegend von Erzieherinnen und Nonnen geführt, die von uns „Tanten“ genannt wurden. Diese Tanten zeichneten sich durch kurze, nachdrückliche Sätze aus, die keinerlei Widerrede duldete, nur Imperativ, keinerlei Empathie...
Eine von den Tanten erwischte mich und schimpfte mit mir. Als ich sagte, dass ich alles meinen Eltern erzählen werden, drohte sie mir, das ich dass nicht überleben werde.
Am nächste Tag war Turnen angesagt. Leider war ich der letzte beim anschließenden Anziehen, schließlich war ich mit 3 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Die Gruppe war bereits weg und ich musste den Weg zurück suchen. Da ich zu spät ankam, musste ich die Schuhe der ganzen Gruppe putzen und bekam kein Essen.
Am nächsten Morgen, das böse Erwachen im Speisesaal, denn die Sache mit den Käsescheiben war aufgefallen.
Ich sollte wieder Käsebrote essen, war jedoch in einem unbeobachteten Moment zu den Toiletten gelaufen und hatte unterwegs eine Tube mit Vitamin-Paste mitgenommen, denn schließlich hatte ich Hunger. Eine der Tanten ist mir hinterher gekommen und hat mich angebrüllt. Danach sollte ich irgendwelche Tabletten schlucken. Habe ich natürlich nicht gemacht. Dann schleifte sie mich zum Arzt, zum „bösen“ Doktor. Der hatte mir eine Spritze auf Recht brutale Art in mein Hinterteil gerammt. Ab da habe ich große Lücken in der Erinnerung. Jedenfalls habe ich dann die Tabletten immer völlig willenlos geschluckt.
Erinnern kann ich mich noch, das Abends immer die Briefe der Eltern vorgelesen wurden und mitgeschickte Süssigkeiten mir irgendwelchen Argumenten nicht verteilt wurden, weil der ein oder andere sich nicht im Sinne der Tanten verhalten hatte. So wurde die ganze Gruppe permanent in Sippenhaft genommen.
Es gab auch einen anderen Arzt, der gab die tägliche Spritze ordentlich in den Arm. Welcher Arzt dran war, konnte man immer an den Schreien der anderen Kinder hören.
Und dann kam ein Filmriss...
Ich wurde wieder wach mit extremen Kopfschmerzen, lag im Keller in einer Art Krankenzimmer und fand als einzige Erleichterung, mit dem Hinterkopf wieder und wieder gegen die Wand zu schlagen.
Hier gab es eine junge Frau und ich empfand, nach der ersten Wanderung, zum zweiten Mal etwas wie Mitgefühl. Sie nahm sich Zeit für mich und kümmerte sich um mich wie eine Krankenschwester.
Dies fand ein jähes Ende, als sie von einer der Tanten erwischt wurde. Sie bekam eine Standpauke und ich fand meine Erfüllung darin, wieder und wieder mit dem Hinterkopf gegen die Wand zu schlagen. Mir erzählte sie, dass meine Eltern Tod seien und ich für immer hier bleiben musste.
In Köln auf dem Bahnsteig nahmen meine Eltern dann meinen Bruder entgegen und waren mehr als erstaunt, dass ich nicht dabei war. Später wurde ihnen am Telefon erst auf massiver Nachfrage mitgeteilt, das ich nicht transportfähig sei. Mein Vater und mein Großvater haben mich schließlich mit dem Auto in Bühl abgeholt.
Ich war erstaunt darüber, sie lebend zu sehen, aber meine Mutter war nicht dabei. Lebte sie noch ?
Meine Mutter kümmerte sich natürlich um meinen Bruder, aber das konnte ich zu diesem Zeitpunkt und in meinem schlechten Gesundheitszustand nicht wirklich glauben.
Später versuchte vergeblich, eine Kontaktaufnahme mit meinen Eltern. Ich war und bin immer noch entsetzt über den Glauben an die „Halbgötter in Weiß“ und die Ansicht, das Kinder das alles ja falsch aufschnappen. Zusammen mit dem Psychoterror der Tanten habe ich über 50 Jahre geschwiegen, wie mein Bruder das auch heute noch tut.
Durch die Dauersedierung und Medikamentierung, die ich ungefragt einnehmen musste, habe ich einen beidseitigen Innenohrdefekt erlitten und war später nie in der Lage, dem Schulunterricht vollständig zu folgen (habe aber viel durch Lesen ausgleichen können).
Der Hördefekt hat meine Schullaufbahn massgeblich geprägt, da ich höhere Stimmlagen kaum wahrnehmen, geschweige denn verstehen kann. Hinzu kommt ein Gleichgewichtsproblem.
Leider gab es damals in Frechen nur einen HNO-Arzt der bei jeder Untersuchung sagte, ich soll mich nicht so anstellen; er führte dann auch die schulischen HNO-Untersuchungen durch.
Später hat man dann noch einen Herzklappenfehler diagnostiziert, der operativ korrigiert werden musste, dessen Ursache möglicherweise auch auf den Aufenthalt in Bühl zurückzuführen ist.
Nachdem ich nun alle 5 Jahre den Kampf mit der Krankenkasse aufnehmen muss, da mein Hördefekt nicht mit Kassengeräten zu lösen ist, ist bei mir das Fass übergelaufen. Warum soll ich für den an mir verübten Medikamentenmissbrauch immer wieder tausende Euro's bezahlen?
Warum werden die Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft gezogen ?
Ich bin froh darüber, nun endlich mein Schweigen zu brechen.
Jörg J.
Ich musste alles aufessen, auch Gurke, die ich nicht mochte. Ich weiß noch, wie ich nachts dagesessen hatte - die anderen waren längst im Bett - und man mich zwingen wollte, den Bissen runterzuschlucken. Ich konnte nicht! Ich saß lange da mit dieser widerlichen Gurke im Mund ... Bis heute ertrage ich den Geruch davon nicht!
Ich kann mich erinnern, dass eine der "Pflegerinnen" (oder soll ich sagen "Folterknechte"?) zu mir sagte: "Zur Strafe, weil du eingenässt hast, musst du bei den Jungs schlafen!" Und ein Junge sagte zu mir: "Wehe, wenn du noch mal einnässt! Das ist das Bett von (...)!"
Meine Mutter sagte mir Jahre später, sie hätte den Hausmeister des Heims im Verdacht, mich vergewaltigt zu haben.
Es war sehr schrecklich dort, ich würde gern mit anderen reden, die ähnliches durchgemacht haben.
Aber nun, es war eine andere Zeit.. ob ich das allerdings als Entschuldigung gelten lassen kann, ich weiß es nicht.
Die Zeit in Langeoog haben wir beide in sehr unangenehmer Erinnerung. Mein Bruder fing unter dem Stress wieder das Bettnässen an und wurde dafür bestraft (geschlagen?). Meine Eltern hatten mir aufgetragen, auf ihn aufzupassen, und ich litt darunter, dass ich nichts für ihn tun konnte. Persönliche Gegenstände, auch die „Reiseverpflegung“ von unseren Eltern, wurden uns bei der Ankunft abgenommen. Mittagsschlaf war obligatorisch, auf dem Rücken liegend und Arme über der Decke. Wer sich im Schlaf umdrehte, wurde aufgeweckt und zurechtgewiesen. Etwa zur Halbzeit musste ich einen Brief an meine Eltern schreiben (das konnte ich schon so in etwa, weil ich Ostern 62 eingeschult worden war). Da habe ich geschrieben, dass es mir in Langeoog nicht gefällt. Der Brief wurde vor meinen Augen zerrissen und ich musste den Brief mit positivem Inhalt neu schreiben.
Ich erinnere mich noch ganz gut an das Gefühl der Angst und Ohnmacht, allein mit meinem Bruder weit weg von daheim den Betreuerinnen ausgeliefert zu sein.
Dorothee
Es war schrecklich! Wir wurden zum Essen gezwungen, mussten stundenlang am Tisch sitzen bleiben und durften an Freizeitaktivitäten nicht teilnehmen, wenn wir nicht aufassen. Es gab einige, die am Tisch oder in den Fluren erbrachen und wer zur Schlafenszeit nicht rechtzeitig ruhig war, bekam einen kalten Waschlappen ins Gesicht gedrückt, keine Süssigkeiten aus der Belohnungsbox und musste den kommenden Morgen auf dem Zimmer verbringen.
Ich wollte einen Brief an meine Mutter schicken, die mich dahin abschob, in der Hoffnung, sie würde mich dort herausholen. Ich malte mich auf die Karte, am Weinen…man weigerte sich, diese Karte abzuschicken! Meine Mutter wurde erst Tage später kontaktiert und es wurde ihr mitgeteilt, dass ich jegliche „Behandlung“ welche doch zu meinem Wohl sei, ablehnen und verweigern würde…
Als meine Mutter mich abholte, wurde ich mit bösen Blicken gestraft, dass ich sie so blamierte, dass sie mich vorzeitig abholen musste…
ich war 1976 von März bis Juni im Viktoriastift Bad Kreuznach. Ich bin als Einzelkind in einem schwierigen Umfeld aufgewachsen. Habe schlecht gegessen, war zu dünn und hatte oft Bronchitis. Die Lösung: eine Kur ! Bisher dachte ich immer auch meine Anreise war, wie die Abreise, mit dem PKW und Eltern. Heute habe ich dann, auf Nachfrage, von meiner Mutter erfahren, dass auch ich in Duisburg in einen Zug gesetzt wurde für die Reise nach Bad Kreuznach. Ich habe daran und an den ganzen Aufenthalt über die 3 Monate keine Erinnerungen. Den langen Zeitraum erklärt man mir heute mit einer Aussage der Ärzte: "es wären weitere medizinische Maßnahmen nötig gewesen". Meine Eltern stimmten aus der Ferne zu, ohne es zu hinterfragen.
Sie erhielten mehrmals Postkarten mit dem Text, es ginge mir gut. Als sich Windpocken bekam, war ich auf der Isolier-Station.
Nach meiner Rückkehr war ich, nach Erzählungen meiner Eltern, verstört. Habe z. B. Blumenvasen vom Tisch geworfen ohne erkennbaren Grund. Weitere Beachtung schenkte man dem aber nicht.
Geahnt habe ich schon länger, dass diese Kur noch so einiges in sich verbirgt, aber das sie so wesentlichen Einfluss auf viele Bereiche hat, wird mir erst jetzt langsam klar.
Ich war erschüttert, dass andere ähnliche Erfahrungen machen mussten.
es ist einige Jahre her, als ich versuchte über das World-wide-Web herauszufinden, ob andere Menschen in ihrer Kindheit ähnliche Erfahrungen bezüglich sog. Kuraufenthalten gemacht haben. Leider habe ich zu dieser Zeit nichts gefunden und ich fühlte mich sehr alleine mit meiner Geschichte. Zudem krochen immer wieder Zweifel in mir hoch, ob das wirklich alles so passiert ist, wie ich es in meinem Körper und in meiner Seele „wahrgenommen“ habe.
Die Zeit ging ins Land und vor etwa 4 Wochen wurde in der Landesschau vom SWR ein Beitrag über die sog. Verschickungskinder ausgestrahlt. Diese Kinder wurden meist zur Erholung in Häuser bzw. Heime in Baden-Würrtemberg aber auch deutschlandweit „verschickt“. Ich wurde während des Beitrags so sehr angetriggert, daß ich zunächst wie versteinert war.
Es dauerte einige Tage bis dieser Beitrag Raum in mir nehmen konnte und ich begriff, daß ich mit meinen Erfahrungen nicht alleine bin und daß es wichtig ist, diese auch in die Welt zu bringen, sei es wie hier über das Wort, oder über andere Ausdrucksmöglichkeiten.
Danke für diese Plattform hier und die Möglichkeit, das lang verborgene Geschehen endlich ans Licht zu bringen und sich dadurch ein wenig zu erleichtern.
Ich verbrachte zweimal einige Wochen in einem Heim in Baiersbronn. Mein 2 Jahre älterer Bruder war oft krank. Zudem war meine Mutter überfordert und so wurden mein Bruder und ich „verschickt“.
Ich wollte nicht noch ein zweites Mal dorthin, doch ich hatte keine Chance gegenüber meinen Eltern.
Ich habe ebenfalls viele respektlose Situationen gegenüber uns Kindern erlebt, z.B. Essenszwang, nicht angemessene Strafen… Meine Thematik ist jedoch eine andere. Ich wurde während der Aufenthalte sexuell missbraucht. Diese Übergriffe geschahen abends und in der Nacht.
Ich bin in diesen Situationen erstarrt .
Ich habe mir das Symposium über die Verschickungskinder vom letztem Jahr angeschaut, das in Ludwigsburg stattfand. Dabei wurde eine
Auflistung der „Taten“ dieser Einrichtungen gezeigt. Ich habe mich sehr gewundert, daß sexuelle Übergriffe in diesem Zusammenhang noch nichtwirklich thematisiert wurden !!!
Ich fühle mich nun wieder alleine damit. Aber ich bin der Überzeugung , daß ich nicht die Einzige bin, die davon betroffen ist. Ich glaube, daß diese abscheulichen Handlungen viele Kinder traumatisiert haben.
Diese Aufenthalte haben mein Leben und meine Gesundheit bis heute beeinträchtigt. Es ist wichtig, daß sich so viele Menschen wie möglich zu Wort melden, damit dieses Unrecht gesehen, gewürdigt und ein stückweit wiedergutgemacht wird!
Ich wünsche allen Betroffenen den Mut, sich zu zeigen und das „ Unfassbare“ Fassbar zu machen und in die Welt zu bringen.
Ich dachte lange, meine Erinnerungen an diese Zeit sind wenige, unbedeutende, wenn auch keine schönen. Dass sie traumatisch sind, habe ich erst verstanden als die Erinnerungen nach und nach zu mir zurückkamen. Ich war gerade 6 geworden. Ich war zu dünn für die Einschulung, deshalb schickten mich meine Eltern zur Kur, weil sie soviel Gutes davon gehört hatten. Mein Bruder war ein Jahr alt und meine Mutter mit dem dritten Kind überfordert. Ihre eigene Mutter todkrank. Sie verstarb im folgenden Sommer.
Die familiäre Situation war schon belastend genug für ein sensibles Kind, was aber im Haus Waldeck auf Norderney passierte, verletzte traumatisch meine Kinderseele.
Dunkel erinnere ich mich an kalte, lange Flure. Wir mussten in der Schlange stehen und warten bis wir ins Bad konnten, ich glaube in Unterwäsche. Reden war nicht gestattet. Alle Betreuungspersonen waren angsteinflößend. Wir wurden zum Essen gezwungen. Ich kann bis heute keinen Salat mit Schmand (auf Norderney: Schmand mit 2–3 grünen Blättern) ertragen. Wir mussten alleine sitzen bleiben, bis wir alles aufgegessen hatten. Ich erinnere mich an nicht einen einzigen Aufenthalt am Strand von Norderney. Vielleicht gab es keinen, vielleicht hab ich aber auch nur alle schönen Erlebnisse aus den 6 Wochen gelöscht … Nachts war es besonders schlimm. Wir schliefen in einem großen Saal. Viele Kinder weinten, alle möglichst so, dass es niemand hörte. Leises Wimmern unter den Decken. Niemand tröstete uns. Wenn ein Kind ins Bett gemacht hatte, kam eine Betreuerin und es wurde laut. Ich hörte nicht hin, stellte mich tot und hoffte, dass mir das nicht passierte. Ich wollte immer den Kindern in diesen Situationen helfen, wie ich es zu Hause für meine kleinen Geschwister auch tat, aber es ging nicht. Mir taten die anderen Kinder fast mehr leid, als ich mir selbst. Dabei war es auch für mich echt schlimm. Ich hatte furchtbares Heimweh. Ich dachte, ich sehe meine Familie nie wieder. Fühlte mich verkauft oder weggegeben. Ich weiß noch ganz genau, dass wir Briefe an unsere Eltern diktieren durften. Auch hier wieder Schlange stehen. Endlich war ich dran, konnte die Chance auf einen Kontakt nach Hause nutzen. Eine jüngere, nettere Betreuerin schrieb ihn für mich. Diese Erinnerung ist ganz klar. Ich weiß sogar noch, wie der Schreibtisch stand und wie ich vor ihr stehen musste. Ich vertraute mich ihr an und sagte, sie solle schreiben, dass meine Eltern mich schnell abholen sollen. Dass ich nach Hause will und dass es hier schrecklich sei. Ich weinte fürchterlich. Ich erinnere mich, wie ich mit meinen Händen den Stoff meiner Kleidung zerdrückte. Nachdem ich fertig war mit meinem Bericht, las sie mir vor, was sie geschrieben hatte. Es war reine Folter. Es gibt ihn heute noch. Er lautete:
„Liebe Mama, lieber Papa
Ich habe Eure Karte erhalten und mich sehr gefreut. Oma und Opa haben mir auch geschrieben. Und dann habe ich noch eine riesige Karte von Tante Gundula bekommen. Wenn ich zu Hause bin soll ich meine Erlebnisse auf Tonband sprechen. Ich möchte mal wissen warum Kai und Laura sich immer zanken. Aber wir zanken uns hier auch schon mal. Wir essen hier gar nicht in einer großen Küche, sondern in unserem Gruppenraum.
Viele liebe Grüße sendet Euch (unterschreiben durften wir selbst!) ANETTE“
Danach schwieg ich. Ich gab auf. Es war vorbei. Es gab keine Hoffnung mehr auf ein Wiedersehen. Ich verfiel in Trance, glaube ich. So fühlt es sich jetzt in der Erinnerung auf jeden Fall an.
2003 bekam ich erste Angstzustände. Ich wurde lange Zeit mit Medikamenten behandelt. Heute geht es ohne, aber gut ist es nicht. Ob meine Erkrankung mit dem Kuraufenthalt 1974 zu tun hat, weiß ich noch nicht. Sollte mein Bericht darüber mich persönlich nicht weiterbringen, so hoffe ich, dass er mindestens dazu beiträgt, dass das Leid, welches „Verschickungskindern“ zugefügt wurde, ans Licht kommt. Danke für diese Plattform.
ich wurde im Alter von etwa 8 Jahren für 6 Wochen zur Kur nach Friedenweiler geschickt. Eine grausame Zeit.
Ich erinnere mich an schlimmes Heimweh, der Kontakt zu den Eltern war in jeder Weise untersagt. Ich schlief in einem großen Raum mit vielen anderen Kindern. Ich würde es einen Saal mit hellen Metallbetten nennen. Nachts nässte regelmäßig eines der Kinder ein, denn wir hatten Angst zur Toilette zu gehen. Evt war es auch verboten, ich erinnere mich nicht genau. Betreut wurden wir von Nonnen sowie Frauen, die eine Art Krankenschwester - Uniform trugen. An die Nonnen habe ich keine schlechten Erinnerungen, wohl aber an die "Krankenschwestern". Wenn ein Kind nachts weinte oder sich einnässte, kamen sie in den dunklen Schlafsaal und leuchteten einem mit einer Taschenlampe direkt ins Gesicht. Diese Frauen waren unnahbar, gefühlskalt und stellten sich in keiner Weise auf uns Kinder ein. Wir hatten zu gehorchen und die Regeln zu befolgen. Freundlichkeit gab es nicht.
Ich erinnere mich an ein sehr schlankes, blondes Mädchen, das zur Gewichtszunahme in Friedenweiler war. Es wurde zum Essen gezwungen, durfte den Tisch nicht verlassen, bis alles aufgegessen war. Das Mädchen erbrach sich auf den Teller und musste das Erbrochene wieder essen.
Weiterhin erinnere ich mich an ein Badezimmer mit Badewanne. Es wurden immer 2 Kinder gleichzeitig gebadet. Zwei oder drei Mädchen wurden die langen Haare gleich nach ihrer Ankuft abgeschnitten, dann kamen sie in die Badewanne.
In Friedenweiler lernte ich, in der Menge unterzutauchen, mich ganz klein zu machen und möglichst nicht aufzufallen. Die Kinder, denen das nicht gelang, wurden zur Zielscheibe für die "Betreuerinnen".
Ich kann mich noch heute an das Gefühl der ungeheuren Ungerechtigkeit erinnern, welches ich empfand. Mir war bewusst, dass uns Kindern ein großes Unrecht geschah. Dazu gesellte sich das Gefühl der Machtlosigkeit. Man konnte sich nicht wehren.
Ich überlegte mir eine Möglichkeit zu flüchten. Ich wollte es auf einem der Gruppenspaziergänge, die stattfanden, so einrichten, dass ich am Ende der Gruppe platziert wurde (immer 2 Kinder nebeneinander). Dann wollte ich mich bei passender Gelegenheit hinter einem Busch oder Baum verstecken und weglaufen. Allerdings habe ich mich letztlich nicht getraut, den Plan in die Tat umzusetzen.
Nach Kurende waren meine Erlebnisse in Friedenweiler jahrzehnte über kein Thema für mich. Ich erlernte zwei Berufe, gründete eine Familie, zog meine Kinder groß. So weit so gut, bis das Thema Friedenweiler vor einigen Jahren in meinem Kopf recht unerwartet wieder aufploppte. Das tat es immer wieder und die Abstände wurden kürzer. Parallel dazu entwickelte ich eine Angsttsörung, welche mir zeitweise ziemlich zu schaffen macht. Ob das irgendwie zusammenhängt weiß ich nicht. Der Gedanke liegt jedenfalls nahe. Daher habe ich mich um eine Therapie bemüht.
LG und eine herzliche Umarmung für jeden von euch.
Auslöser meiner Gedanken zu meinen Erfahrungen mit der Gewaltausübung an mir durch und mit der ev. und kath. Kirche war ganz banal meine Frage an unsere Chorleitung wie wir es z.Z. mit den Abstandsregeln bei den Chorproben halten wollen.
Es wurde dann ein Schriftstück präsentiert herausgegeben vom Bistum Trier in der sehr merkwürdige Regeln, ganz entgegen den Regeln der Landesregierung RLP, aufgestellt worden waren.
Durch meine frühkindlichen Erfahrungen habe ich mir geschworen, egal welche Kirche auch immer mir irgendwelche Vorschriften machen will das diese nicht für mich gültig sind.
Ich war 11 Jahre, also war das 1968, und wurde für sechs Wochen in ein Landschulheim in Neunkirchen im Odenwald, wahrscheinlich über die (ev.) Kirche Bonn im wahrsten Sinne des Wortes verschickt. Einen Familienurlaub hat es in meiner ganzen Kindheit nicht gegeben. Dieses Angebot Kinder aus kinderreichen Familien einen Ferienaufenthalt zu bieten find ich im Grundsatz gut, aber was die Kirche dann daraus gemacht hat macht mich fassungslos.
Als siebtes von acht Kindern kann ich mich auch nicht an irgendwelche liebevollen Zuneigungen außer der Prügel durch meinen Vater und der Vorwürfe an mein Verhalten erinnern, und auch die Aufmerksamkeit meiner Mutter, die sich hätte schützend vor mich und meinen Geschwistern stellen müssen, ist nur nebulös vorhanden.
Wie immer waren meine Eltern bei wichtigen Abschnitten wie z.B. meine Einschulung nicht dabei, wo ich in Bonn mit anderen Kindern per Bus in den Odenwald verschickt wurde.
Mein gesamter Lebensweg von Schule, Realschulabschluss, Bundeswehr und Berufsausbildung hat ohne ein Interesse meiner Eltern stattgefunden.
Ich glaube, das einer meiner Geschwister mich dann zum Busabfahrplatz für die Verschickung gebracht haben.
Soweit war noch alles ok, aber angekommen merkte ich dass das komplette Bettzeug nicht dabei war, und ich dann, nachdem ich meiner Mutter geschrieben hatte, viele Tage ohne Bettzeug schlafen musste.
Das Landschulheim war ein ehemaliger Bauernhof mit entsprechend hergerichteten Räumen die ich gut in Erinnerung habe.
Es gab natürlich einige Ausflüge (Wanderungen) in der näheren Umgebung und bei einem Ausflug hatte ich mich etwas von der Gruppe abgeseilt und an einem Bach, den wir schon häufiger besucht haben, gespielt.
Man fand mich dann und die „Strafe“ folgte umgehend: zwei ältere haben mich an einem Zaun festgehalten und alle anderen mussten dann auf mich einschlagen mit Fäusten und Tritten.
Die Betreuer haben ihre Machtposition also reichlich ausgenutzt, und ich weis nicht was ein Mensch empfindet wenn er andere zu Gewalttaten auffordert, ich mag mir das auch nicht vorstellen wollen.
Und bis heute kann ich dieses Erlebnis nicht vergessen, schnürt es mir beim Gedanken daran den Bauch zu und auch das kann ich nicht vergessen so habe ich im Heim dann wohl fast zwei Wochen in der Nacht bitterlich geschluchzt und geweint.
Ich glaube das ist auch ein Teil der Bewältigung der Erlebnisse mit meinen Eltern und der Kirche: Zeit meines Lebens habe ich immer daran gearbeitet so unabhängig wie möglich von allen zu sein, der Austritt aus dem Religionsunterricht und der Austritt aus der Kirche war dann folgerichtig.
Was dieses Erlebnis mit meiner Psyche gemacht hat kann ich leider nicht so genau beurteilen, aber einige „Macken“ sind sehr fest in meiner Persönlichkeit verankert; ich muss mich immer noch für alles rechtfertigen was ich eventuell nicht richtig gemacht habe, Vertrauen zu anderen Menschen braucht lange um gefestigt zu sein.
Wenn ich heute sehe wie Bischöfe mit dieser Schuld herumeiern, nur das zugeben was bewiesen ist und keiner hat bisher seinen Rücktritt vollzogen. Nur ankündigen und dann vom Papst den Persilschein bekommen reicht nicht.
Ich gehe sogar so weit zu sagen: kein Mensch auf dieser Welt kann mir vorschreiben an wen oder was und zu welchen Bedingungen und Vorschriften ich zu glauben habe.
Ein Junge sagte er müsse. "WAS?"..."gross"..."NEIN!"
Er wimmerte die ganze Nacht und machte schließlich ins Bett.
Der Drache Schwester E. kam angerauscht..riess ihn aus dem Bett, immer bedacht, möglichst viel von ihm mit seinen Fäkalien zu beschmieren, das Laken wurde runtergerissen, ein Eimer mit Wasser und das Kind sollte das Laken im vollbeleuchtetenen Schlafsaal vor allen auswaschen.
Ein sehr beleibter Junge zu meiner Rechten eine unfassbar sanfte Seele bekam jeden Morgen nach dem Milchreis ein Glas Salzwasser, was er in Gänze austrinken sollte...da nach erbrach er logischer Weise regelmässig. Schwester E zwang Ihn die verschleimte Mischplörre mit der Hand wieder in Teller zu schieben und erneut zu essen....was für eine brilliante Fachkraft.
Toll,... !
Der dicke Junge entschuldigte sich trotz seines Märtyriums bei mir, der ihm gegenüber sass, für sein Erbrechen. Stellen Sie sich das vor, ein 6 jähriges gedemütiges Kind hat so ein unfassbaren Anstand und Grösse.
Geld meiner Familie kam nie an.
Post erfuhr eine Zensur... Dinge wie ich will heim oder es ist schrecklich hier bedeuteten Einzelhaft in einem alten OP Saal...nur mit Laken.
Den hab ich nach meinem Einsperren wirklich völlig zerlegt...man kam und fragte ensetzt, was passiert sei. Ich sagte ruhig und freundlich, es sei "etwas umgefallen"...da nach wurde es für mich besser...meine Eltern holten mich, ich berichtete und mein Vater griff sich die Heimleitung Schwester E. es wurde extrem laut. Ich liebte meine Eltern, weil sie mir voll umfänglich und sofort glaubten. Eine Tradition, die ich im Übrigen fortführte und auch konnte, da meine 4 Söhne mich nicht signifikant anlügen - ...das A und O um soetwas in einem stabilen Umfeld zu verarbeiten.
Henrik Gröne
mit Entsetzen habe ich die Berichte der ehemaligen Verschickungskinder gelesen und bin in Gedanken sehr damit beschäftigt, wie man so etwas menschenunwürdiges tun kann. Mein Mitgefühl allen Betroffenen!
Ich selbst habe 1977 eine wirklich schöne Zeit im Marienhof auf Föhr erlebt. Es gab zu dieser Zeit zum Glück keine solchen Ereignisse. Es wurde viel unternommen, die Erzieherinnen wurden auch nicht als „Tanten“ bezeichnet, sondern bei ihren Namen genannt. Ich war allerdings bereits 14 ! Wir haben Strandwanderungen, Besichtigungen, Inselrundfahrt , Nachtwanderung, Fahrt nach Amrum, Stadtbummel in Wyk oder einen Wellenbadbesuch unternommen. Kasperletheater für die Jüngeren aufgeführt, Fasching veranstaltet usw. Es war eine tolle Gruppe (Gruppe VI, Frau Hagen, falls sich jemand angesprochen fühlt) und ich habe keine negativen Eindrücke erhalten. Vielleicht war inzwischen auch eine andere Heimleitung (Herr Tietz) tätig , so dass solche schrecklichen Taten keinen Platz mehr hatten.
Ich finde es gut, dass die Menschen mit Negativerlebnissen austauschen und so ein Stück ihrer Kindheitserfahrung miteinander verarbeiten können . So etwas durfte und darf nie wieder passieren. Leider wird Kindern auch heute noch immer noch zuviel Leid angetan und sogar übers Internet verbreitet , so dass es noch mehr Passivtäter erreicht .
Sollte sich jemand aus der Kur 1977 angesprochen fühlen, um sich positiv auszutauschen , würde ich mich freuen.
Dort war ca. bis 1971 oder 1972 eine Frau Boot Heimleitung des sogenannten "Kinder-Erholungsheim Stadlerlehen". Ich selbst war ca. 1971 zusammen mit zunächst wenigen anderen Kindern als "Heimkind für immer" ins Kinderheim Stadlerlehen an den Obersalzberg verbracht worden.
Ich erlebte etwa 1 Jahr lang, dass das "Erholungsheim Stadlerlehen" ständig von neuen Kindern belegt wurde, die aus ganz Westdeutschland für je ca. 3-6 Wochen kamen.
Ich gehörte zu den ersten Kinder, die dort "für immer" hin verbracht wurden..wir wurden als "Helfer im Haushalt" eingesetzt durch die Heimleiterin Frau Boot.
Ich erinnere mich, dass Frau Boot eine Gitarre hatte und Abends auf dem Hof immer ein großer Kreis aller Kinder gebildet wurde, und Lieder gesungen wurden. Auch erinnere ich, dass bei Sonnenschein täglich alle Kinder auf, in die Sonne gestellten Bänken sitzen sollten.
Ich erlebte ab 1972/73 regelmäßige gewalttätige Übergriffe durch zwei Heimleiter namens Hennings und Büchter im Kinderheim Stadlerlehen. Die beiden hatten das Erholungsheim Stadlerlehen übernommen und dort fanden ab ca. 1973 keine sog. Kindererholungen mehr statt, sondern wir Kinder wurden von Jugendämtern in ganz Westdeutschland dort "für den Rest unserer Kindheit" untergebracht.
Ich interessiere mich für Betroffene, die das damalige "Kinder-Erholungsheim" Stadlerlehen am Obersalzberg in Berchtesgaden erlebt haben und hoffe, dass vielleicht jemand eines Tages hier her findet und darüber schreiben wird. Die Heimleiterin, Frau Boot hat damals nach meiner Erinnerung ganz viele Filmaufnahmen mit Super 8 gemacht.
Ich kann hier zu dem Thema Kinder-Verschickung nicht mehr beitragen. Meine gewaltvolle Kindheit im ehemaligen "Erholungs- Kinderheim" Stadlerlehen im Berchtesgaden begann, als das Erholungsheim in ein Kinderheim umgewandelt wurde. Das habe ich in verschiedenen Büchern verarbeitet, die ich alle auf meiner Internetseite veröffentlicht habe.
Meine Zeit im Kindererholungsheim Stadlerlehen ist für mich wie ein finsteres Loch, ich war 1971/72 acht Jahre alt.
"Zug" ist auch das Stichwort:
Es gab 2 Momente an die ich mich eindrücklich erinnere:
1) im wahrsten Sinne des Wortes DIE VERSCHICKUNG, der Moment, als ich im Zug saß welcher sich langsam aus dem Bahnhof Reutlingen in Bewegung setzte, außen am Bahnsteig meine Eltern stehend und ich im Zug mit lauter fremden Menschen, gefühlt der intensivste Moment von Verlassenheit und Einsamkeit. Ich weinte bitterlich, zu dem Zeitpunkt war ich 6 Jahre alt.
Mir gegenüber saß eine Person, ich weiß nicht mehr ob es ein Mann oder eine Frau war. Sie/Er konnte das Elend nicht ertragen, erhob sich und griff in den Koffer über ihr und holte eine Tüte Haribo Gummibärchen raus und schenkte sie mir. Dieser Augenblick, dieses traumatische Erleben hat sich in meine Seele gebrannt.
Die Haribo Gummibärchen waren der Tröster und bis heute findet sich immer wieder eine Tüte in meinem Kühlschrank- ich mag sie nur gekühlt -. Die "Bären" sind tatsächlich zu meinem Lebens-Weg-Begleiter geworden und es zeigt, wie sehr die Seele Leid und Trost gekoppelt hat.
2) über die Geschehnisse Vorort hat sich ein Grauschleier gelegt, vielleicht ganz bewusst. Nur an eine Situation kann ich mich genau erinnern als ich - vermutlich aus Angst - in der Nacht in die Hose gemacht hatte, wurde ich auch noch in der gleichen Nacht in einen Sammelwaschraum - an den ich mich gut erinnere - gebracht, wo ich die Hose selber auswaschen musste.
Quintessenz:
Meine Mutter schrieb in meinem Kinder -Fotoalbum nach den Sommerferien 1967 vor der Verschickung folgendes:
" Bald darf er zu einer Erholungskur weg ins Allgäu, das wurde uns angeboten. Bis jetzt geht er noch gerne, mal sehen wenn es soweit ist."
Meinen Eltern mache ich keinen Vorwurf, mir ging es sicherlich ähnlich oder gleich wie vielen anderen Kindern damals auch. Über die psychischen Schäden die durch diese Erlebnisse bei mir und vielen meiner Mitleidensgenossen entstanden sind, hat man sich in diesen Zeiten im Vorfeld keine Gedanken gemacht. die Meisten Eltern - so möchte ich einmal behaupten - sind von guten Vorsätzen ausgegangen. Dass dahinter aber auch eine profitgierige Maschinerie stand blieb verschleiert. Es war - wie es meine Mutter schrieb - ein schönes Angebot welches von der Kasse finanziell übernommen wurde.
Meine Lebensqualität ist bis heute an verschiedenen Stellen sehr beeinträchtigt auf das ich hier nicht näher eingehen möchte, sehe es aber in engem Zusammenhang mit dem damals erlebten!
Bisher habe ich das alles als nicht so wichtig eingeschätzt. Doch, als ich jetzt hörte und las, dass es vielen Kindern so ging. bin ich hellhörig geworden und frage mich, warum ich so wenig Erinnerungen an diese Zeit habe. Meine Mutter lebt noch und ich konnte sie dazu befragen. Es ist ihr damals sehr schwer gefallen. mich reisen lassen und es tut ihr heute noch leid, was ich dort erleben musste.
Alles war sehr kalt eingerichtet mit Metallbetten. Es herrschte ein eisiges herrisches Regiment uns gegenüber. Schwester Richild ist mir bis heute in sehr negativer Erinnerung. Sie hatte wohl die Oberaufsicht bei uns. Sehr streng und eiskalt. Diverse Bestrafungen wie z.B.nicht teilhaben an irgendwelchen Aktivitäten, Fernsehverbot oder Schläge waren an der Tagesordnung. Auch das erniedrigen vor den anderen Kindern war sehr beliebt. Ich verbrachte diese Zeit in panischer Angst. Es musste gegessen werden was auf den Tisch kam. Wenn ich es nicht mochte musste ich so lange sitzen bleiben bis ich es gegessen hatte. Hatte ich es erbrochen gab es kein Pardon und musste es wieder essen. Jeden Nachmittag gleich nach dem Mittagessen war Bettruhe angesagt. Ich musste immer ganz still liegen und die Augen geschlossen haben ansonsten setzte es was. In meiner Erinnerung wollte diese Zeit nicht enden. Während meines Aufenthalts hatte ich Geburtstag und durfte mir das Mittagessen wünschen. Wie so ziemlich jedes Kind wünschte ich mir Nudeln mit Tomatensoße das wurde abgelehnt und so einigten wir uns auf Kartoffeln und Spinat mit der Folge das ich danach von sämtlichen Kinder verhauen wurde weil sie das nicht wollten. An diesem Nachmittag brauchte ich keinen Mittagsschlaf halten und durfte im Spielzimmer alleine unter Aufsicht ein bisschen spielen. Die Schwester die mich beaufsichtigte war noch sehr jung. Es war die einzigste die etwas liebevolles an sich hatte. Doch fühlte ich mich so alleine nicht wohl. Ich fühlte einsam und verlassen.
Im Garten gab es einen Spielplatz. Meistens war ich auf der Schaukel. Einmal hatte ich dort das Erlebnis das ich meinte meinen Vater am Gartenzaun zu sehen. Ich war mir nicht sicher doch im Nachhinein hat mir mein Vater und meine Geschwister versichert das es stimmte. Mein Vater wollte mich für einen Nachmittag abholen um meine Mutter zu besuchen. Sie war im gleichen Zeitraum in der Müttererholung wohl nicht all zu weit von Krauchenwies entfernt. Es wurde ihm schlicht weg untersagt mich zu besuchen da ich so großes Heimweh hatte. Darüber bin ich bis heute fassungslos!
Auch hatte ich im Laufe des Aufenthalts eine Verletzung am Knöchel meines Fußes die nicht ordentlich behandelt wurde. Die Narbe habe ich bis heute. Als ich wieder Zuhause war und berichtete was ich dort erlebt hatte glaubte mir meine Mutter nicht!
Erst als im Fernseher über uns Verschickungskinder berichtet wurde kam ihr in den Sinn das ich wohl mit meinen Schilderungen recht habe.
Meinen Vater flehte ich damals an mich nie wieder in solch ein Heim zu geben und er hat Wort gehalten.
Meine Mutter war noch öfter in Mütterkur und für mich wurde eine andere Lösung gefunden.
2011 bin ich nach Krauchenwies gefahren und habe mir das ehemalige Kinderheim angeschaut. Es ist ein baufälliges Gebäude.
Ich besuchte auch die Schönstetter Marienschwestern in der Hoffnung mich mit Schwester Richild zu unterhalten doch leider ist sie verstorben. Eine andere Schwester zeigte mir ihr Grab.
Bei Ankunft wurde uns dann erst der große Speisesaal und die schlafsääle für Jungs und Mädchen gezeigt. Im Freien gab es für uns Mädels einen grossen Kaufladen in einer holzhütte zum Spielen. Die Jungs hatten einen fussballplatz.
Die Päckchen die wir von unseren Eltern geschickt bekamen wurden einbehalten. Alles kam dann in eine grosse Schüssel und jeder durfte sich 3 mal in der Woche etwas, rausnehmen.
Ich wurde dahin verschickt weil ich angeblich zu dünn war.... Das Essen war für mich horror... Alles musste leer gegessen werden.... Und wenn es mich noch so würgte... Sitzen bleiben und essen hieß es...... Sonst durfte man nicht raus zum Spielen
Das schlimmste aber war, dass der junge der mit mir war jeden Abend vor Heimweh weinte.... Da holten mich die Betreuer zu seinem Bett und ich musste versuchen ihn zu trösten. So war das jeden Abend.
Das ist was mir so ins Gedächtniss gebrannt hat.
Ich denke mal ganz viel habe ich verdrängt...... Und die Eltern wussten sicher nicht wie es uns dort erging
- Ich wurde zum Essen gezwungen; wenn der Teller leer war, wurde dieser nochmals vollgeladen und ich musste diesen ebenfalls aufessen (Ziel war Gewichtszunahme).
- Postkarten nach Hause wurden vom Klinikpersonal für mich geschrieben mit fingierten Texten, wie gut es mir gehe und wie wohl ich mich fühle.
- Mittagsruhe: wenn ich oder andere Kinder nicht sofort ruhig waren, wurde uns unser Kopfkissen auf das Gesicht gelegt und wir durften es nicht wegnehmen. Ich erinnere mich, dass ich kaum Luft bekam.
-schlimmstes Erlebnis: ich hatte mir beim Mittagessen aus Stress und Angst in die Hose gemacht und wurde dazu genötigt, mit nasser Strumpfhose unter aller Augen und dem Spott aller durch den ganzen Speisesaal zu gehen, um diesen zu verlassen. Ich weinte und schämte mich fürchterlich, es war ein "Spießrutenlauf"!
- Die Kur war im Winter: Spaziergang über einen höhergelegenen, sehr schmalen, vereisten Pfad am Waldrand entlang. Wir hatten Angst, dort entlang zu gehen und abzurutschen, wurden aber gezwungen, weiterzugehen.
Insgesamt: die Kur war ein Horrorerlebnis für mich. Meine Großmutter erzählte mir später, dass ich meine Großeltern nach meiner Rückkehr angefleht hätte, sie sollten mir versprechen, dass ich NIE wieder weggeschickt würde. (Meine Mutter hatte die Kur über die Barmer für mich veranlasst).
Es war mir nie bewusst, das dieser Aufenthalt etwas mit meinem instabilem Seelenleben zu tun hat, bis ich Gott sei Dank! , die Berichte dazu gesehen habe.
An das an was ich mich erinnern kann ist das ich im Zug saß bei einer Fremden Frau die mir erzählte das meine Mutter mit kommt und im anderen Abteil sitzt. Als der Zug los Rollte und ich meine Mutter draußen stehen sah und zu mir Winkte war meine letzte Erinnerung. Keine Erinnerung an die Zugfahrt bzw. Ankunft. Ich wurde wahrscheinlich so oft ruhig gestellt das ich nur noch weiß :Ärztliche Untersuchen grundsätzlich Nackt und betapscht. Dass andere Kinder mit im Raum waren kann ich ausschließen, zumindest habe ich keine Erinnerung das mehrere gleichzeitig untersucht wurden.
Außerdem weiß ich das ich damals noch viel in die Hose gemacht habe und man mich vor anderen Kindern so vorgeführt wurde mit dem Satz der Roy hat wieder in die Hose gemacht. Ich stand auch in irgendeinem Keller und hab aus dem Fenster gekuckt und ich war auf der Suche nach einem WC im Schlafanzug und alle anderen Kinder waren komplett angezogen mit Bommel Mütze und sind raus gegangen.
ich habe gefühlt jede Nacht Erbrochen. 1 mal Sauna und ein Eiskaltes Wasserbecken ..... ich bin der Meinung das Wasser war Salzig. Wir haben Nackt an irgend einem Licht sitzen müssen und man mußte sich gegenseitig mit einer Büste den Rücken bürsten. Dafür das ich 6 Jahre war kann ich mich an viel zu wenig erinnern kein Essen keine Zimmer kein Draußen sein, aber das was ich im Kopf habe war alles, nur nicht schön. Ich kam von der Kur mit 40 Grad Fieber und man hat mich vom Zug aus mit der MSH ins Krankenhaus gefahren wurde mir von meiner Oma berichtet. Mutti und Oma berichteten das ich nicht der Roy war wie vor der Kur.
Ich habe nie eine richtige Feste Arbeit behalten können. (Depression und eine schwere Borderlinestörung)
Mir hat es dort prima gefallen. Es wurde viel mit uns Kindern unternommen, Ausflüge, Wanderungen, jeden Tag tolle Spiele draußen auf dem Rasen, so was wie eine Olympiade, abends gab es Theaterstücke die andere Kinder aufgeführt haben oder Indoorspiele bis zum Schlafengehen und auch mal einen “Kinoabend” (Filmvorführung) im Haus. Und dann gab es ja auch noch das Schwimmbad, ein Highlight für mich als Wasserratte ... leider viel zu selten.
Mit einem andern Mädchen durfte ich jeden 2. Abend zum Bauernhof unten am Berg laufen um eine kleine Milchkanne voll frischer Milch vom Bauern für die “Heimleiterin?” (eine nette ältere Dame die im Heim wohnte) holen. Das hat uns immer viel Spaß gemacht.
Im Haus gab es auch in den Gruppenräumen Tiere, Meerschweinchen (vielleicht waren es auch Hamster) und Hasen um die wir uns kümmerten.
Strafen oder Mißhandlungen von denen viele Verschickungskinder berichten, gab es bei uns keine. Betten mussten selbst gemacht werden und die Schränke aufgeräumt werden, wenn das schlampig war, mußte man das noch mal machen (das war aber daheim auch so, von daher keine Strafe).
Einmal die Woche haben wir Briefe/Karten nach Hause geschrieben. Uns hat niemand was diktiert.
Eine Karte haben wir mal beim Aufräumen in meinem Elternhaus gefunden (als meine Eltern umgezogen sind), da berichtete ich von den Kühen die rund um das Heim auf den Weiden standen und dass da immer die Kuhglocken bimmelten .
Auch an einen Zwang irgendwas aufessen zu müssen, von dem aber viele berichten, kann ich mich nicht erinnern (und ich esse durchaus nicht alles). Alle BetreuerInnen die für meine Gruppe zuständig waren, waren sehr nett, verständnis- und liebevoll mit uns Kindern, trösteten auch die, die Heimweh hatten.
Heimweh hatte ich selbst keines, denn ich hatte mich seit vielen Monaten auf den Aufenthalt dort gefreut, weil mein Papa selbst als jüngeres Kind ca. 1946/47, also kurz nach dem Krieg zur Erholung gewesen war und auch nur gute Erinnerungen hatte (er und seine 5 Geschwister waren im Krieg Halbwaisen geworden) und uns oft davon erzählt hat (nichts Negatives).
Hätte dort liebend gerne noch mal einen Aufenthalt verbracht, die nächsten Sommerferien haben wir dann aber mit zwei befreundeten Familien und deren Kindern im gleichen Alter erstmalig in Italien verbracht.
So kann ich kann mich z.B. noch an viele Ausflüge erinnern, in die Nähe vom Brocken, da konnte man rüber schauen auf den. Da war auch so eine Souvenirbude in der Nähe, da haben wir uns von unserem Taschengeld Kaugummis etc. geholt und auch das eine oder andere Andenken. Ich hab damals eine Brockenhexe auf einem Besenstil gekauft, die an einem Band hing, damit man das Ding irgendwo aufhängen konnte. Die hatte ich noch ein paar Jahre daheim im Kinderzimmer hängen. Viele Spaziergänge/Wanderungen im Wald haben wir gemacht. Besonders gut erinnere ich mich an einen Ausflüge zu einem Kohlemeiler im Wald wo uns der Köhler alles erklärte. Auch ein Besuch der Okertalsperre war ein Höhepunkt. Ansonsten haben wir viel draußen gespielt, sind mit Stelzen gelaufen, haben Fangen und Verstecken gespielt, Völkerball usw. also die typischen Spiele dieser Jahre. Es wurde gemeinsam gesungen, man saß zusammen, die BetreuerInnen haben Geschichten/Märchen erzählt von Hexen auf dem Blocksberg (Brocken) und der Walpurgisnacht und auch bekannte Märchen vorgelesen/erzählt.
Bei schlechterem Wetter wurde auch drinnen gespielt und gebastelt. Die BetreuerInnen waren alle freundlich und trösteten auch die Kinder die an Heimweg litten. Es war wirklich sehr liebevoll und es gab in meiner Gruppe definitiv keine Zwänge. Bettenmachen und Schrankaufräumen mussten die meisten von uns schließlich auch zuhause. Und zur Toilette durften wir auch wenn wir mussten.
Klar gab auch mal Essen das ich nicht kannte von zuhause, wie z.B. Königsberger Klopse oder Labskaus, dass hat man dann halt probiert hat und wenn es gar nicht schmeckte, einem anderem Kind auf den Teller geschoben das es mochte. Da gab es immer genug die neben einem saßen und es gerne genommen haben. Oder hat man einfach die Teller getauscht voll gegen leer. Mich hat nie jemand gezwungen irgend was aufzuessen was mir absolut nicht schmeckte.
Abends im Speisesaal wurde nach dem Essen immer noch das Teekesselchen-Spiel (https://de.wikipedia.org/wiki/Teekesselchen) gespielt bei dem einzelne Gruppen gegeneinander antraten. Das hat uns allen viel Spaß gemacht.
Ich habe wirklich nur positive Erinnerungen an den Aufenthalt. Allerdings wusste ich auch schon Wochen vorher, dass ich dort hin fahre in den Sommerferien (Aug./Sept) und es war für mich das Highlight des Sommers und ich in die Vorbereitungen, Koffer packen etc. involviert. Heimweh hatte ich nicht wirklich, denn ich hatte ein liebevolles Zuhause, wurde also auch nicht einfach weggeschickt und hab auch immer Post von daheim bekommen.
Ich weiß noch als mich meine Eltern und meine jüngere Schwester daheim in Bayern vom Bahnhof abholten und ich übersprudelte und alles auf einmal erzählen wollte was ich erlebt habe. Meine Schwester war ganz fasziniert, aber nicht von den Geschichten, ? sondern davon, dass ich auf einmal Hochdeutsch sprach … ich hatte mich irgendwie automatisch den anderen Kindern dort angepasst, die als ich dort war, überwiegend aus Regionen kamen wo man “ordentliches” Deutsch sprach, statt meinen heimischen Dialekt. Ach ja, das Hochdeutsch war nach kurzer Zeit daheim wieder dahin als ich wieder mit meinem Schulfreunden zusammen war.
Bitte entschuldigt mein Deutsch, ich habe Deutschland 1976 verlassen und spreche die Sprache sehr selten.
ich war für 6 Wochen auf Diätkur in besagtem Heim, nicht gerade die schönste Erinnerung aus meiner Kindheit. Das schmale Essen war tatsächlich das kleinste Problem, da gewöhnte man sich dran, sogar daß es (sicherlich absichtlich) kein Genuß sein sollte. Aber: so lange von zuhause weg, teilweise recht autoritäre Erzieher (auch wenn es meines Wissens keine quasi körperlichen Misshandlungen gab oder so, da will ich nicht pauschalisieren, manche waren durchaus nett, aber die Umgebung und die Umstände waren es nicht), 1 "Safttag" pro Woche mit Bettruhe den ganzen Tag und nur 3x einen Becher Orangensaft o.ä., Besuchsverbot, Paketverbot, (viel zu große und unbequeme) Krankenhausbetten, Frühsport bei eisigen Temperaturen, durchaus auch körperlicher Drill. Alles nicht gerade kindgerecht, ganz sicher nicht für dieses Alter und für Kinder, die zur Bewegung erstmal hätten (psychologisch) motiviert werden müssen. Die Zeit kam mir ewig vor, wie eine Strafe für meine (eigentlich noch vergleichsweise moderate) Übergewichtigkeit und die mangelnde Bewegung vorher. Das gnadenlose Heimweh setzte bei mir zwar erst spät ein, aber auch nur weil ich mich am Anfang zusammenreißen konnte. Irgendwann schlug es aber ausnahmslos bei jedem zu. Diesbezüglich gab es mutmaßlich sogar einen Suizidversuch in meiner Gruppe, so wurde gemunkelt (der Junge wurde danach umgehend aus der Gruppe genommen, striktes Kontaktverbot zum Rest). Gerade dieser Vorfall und daß es sich für keinen der Verantwortlichen andeutete bzw. es niemandem vorher auffiel, belegt eigentlich, daß das Kindeswohl in dem Kontext eher nicht im Fokus stand. So wie das Fingerspitzengefühl für eine sanfte Motivation der Kinder zum Abgewöhnen ihrer schädlichen Gewohnheiten fehlte, wurden auch Kinderbefindlichkeiten (Stichwort Heimweh) mehrheitlich mit eher barschem Zurechtweisen und mit Autorität gehandhabt.
Ich müsste im Frühjahr 1987 dort gewesen sein, wenn ich mich jetzt nicht komplett verrechne. Da war ich 10 Jahre.
Da ich Ende der Neunziger mal in der Gegend zu tun hatte, hab ich dort auch mal vorbeigeschaut. War alles noch wie mehr als 10 Jahre zuvor. Ebenfalls eine Kureinrichtung für Kinder, aber wohl nichts mehr zum Abnehmen.
Grüße,
Mac
Ich wurde von der Krankenkasse nach Büsum geschickt, um zuzunehmen. Ich wurde immer wieder gewogen und musste Vanille- und Schokoladensuppe essen! Da ich trotzdem nur wenig an Gewicht zulegte, wurde ich zu Liegekuren verdonnert, während andere Kinder spielen durften.
Meine Briefe an meine Eltern wurden nicht abgeschickt, weil ich mich über das Essen beklagte. Da sich meine Eltern Sorgen machten, weil sie von mir keine Post bekamen, riefen sie im Seeschlösschen an und erreichten nach hartnäckigem Nachhaken, dass sie mit mir sprechen konnten. Weil ich am Telefon weinte und bat, dass sie mich nach Hause holen sollten, wurde das Telefonat durch die dabeistehende Kinderheimschwester beendet!
Als ich bei der Rückkehr aus dem Zug ausstieg, waren meine ersten Worte zu meinen Eltern: "Bitte schickt mich nie wieder in Erholung!"
Ich war 10, vor mir lagen 6 lange Wochen. Die Erinnerung an die Nonnen hab ich weitgehend verdrängt. Ich erinnere mich an Stundenlang im Speisesaal sitzen und ungenießbares Essen, Schwarzwurzel!, runter würgen.
Ungenießbaren Tee. Immer Durst haben.
Kontrolle, Zerreißen der Post wenn ein falsches Wort drin stand.
Kontrolle beim täglichen Waschen unter Aufsicht.
Stundenlange Wanderungen bei Hitze um Beeren zu pflücken.
Ich wüsste gerne ob meine Erinnerungen stimmen daß Kinder nachts aus dem Zimmer geholt wurden und warum.
Die unangenhmen ärztlichen Untersuchungen.
Ich selbst kam irgendwie noch relativ unbeschadet davon, hab mich vermutlich unsichtbar gemacht.
Ich erinnere mich an eine ganz liebe Betreuerin die mit uns ins Dorf ging und uns bei Ihren Eltern etwas zu trinken und Süßigkeiten gab.
Es gehörte sich damals so daß man seine Kinder zur Kur schickte.
Ich kann mich nicht daran erinnern daß ich darüber nach der Rückkehr geredet habe.
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Gleich ein Jahr später in der 1. Klasse wurde mir aufgrund von Diphterie ein 5 wöchiger Krankenhausaufenthalt in Senftenberg verordnet - kein Besuch im Zimmer. Das Bild werde ich nicht vergessen - meine Eltern und meine Oma standen draussen vor dem Zaun und ich lag drinnen im Bett und durfte von da aus mit ihnen kommunizieren. Mittlerweile habe ich einiges davon aufgearbeitet. Das Verhältnis zu meinen Eltern werde ich nicht schaffen zu reparieren.
Ich kann mich an fast nichts mehr erinnern, da war ich ca. 5 Jahre alt.
Ich weiß nur, dass es oft Schokoladenpudding gab. Im Essenssaal gab es auch so Schiebetüren, wo die Kinder mit Übergewicht gegessen haben. Diese Schiebetür wurde dann immer zu gemacht beim Essen, da wir von den anderen Kindern dann getrennt waren.
Ich kann mich auch noch erinnern, dass ich mal von der Düne heruntergeladen kommen musste, um einen Satz zu sagen, der auf Video aufgenommen wurde.
"Kieck ein, wo geid dat denn hier zum Kinderkurheim Seeschloss verdammi no moi?"
Dies hat sich so eingeprägt bei mir.
Eine Nachtwanderung haben wir damals auch gemacht, da musste man mit.
Und ich glaube, oben im Flur gab es so weiße Säcke für die Wäsche...
An mehr kann ich mich leider nicht erinnern.
Ich weiß nur, dass ich unbedingt nach Hause wollte.
Das Essen dort war sehr eintönig, so gab es jeden Freitag Hering mit Kartoffeln, seitdem verabscheue ich Fisch.
Im Heim freundete ich mich mit einem anderen Mädchen an. Eines Nachts schoben wir unsere Betten zusammen, damit wir uns besser unterhalten konnten. Eine Erzieherin bekam Wind davon, wir mussten sofort die Betten wieder auseinander schieben. Zur Strafe mussten das Mädchen und ich am nächsten Tag zur Mittagszeit in unsere Betten gehen und dort bewegungslos mit dem Gesicht zur Wand dort verharren, Eine dieser sogenannten Erzieherinnen beaufsichtigte uns und wehe, wenn wir uns bewegten, wurden wir angeherrscht, uns nicht zu bewegen und wir selbst schuld wären hätten an dieser Situation, schließlich wären wir ungehorsam gewesen.
Überhaupt waren die Nächte in diesem Heim sehr schlimm. Wir hatten in unserem Schlafsaal ein verhaltensauffälliges Mädchen, das die ganze Nacht durch den Schlafsaal lief und nicht zur Ruhe kam, keine der Erzieherinnen unternahm etwas dagegen. Auch waren Toilettengänge nachts untersagt, ob ich deswegen ins Bett machte, weiß ich nicht mehr.
Kontakt zu meinen Eltern hatte ich während meines Aufenthalts in diesem Heim nicht, es war nicht erwünscht. Meine Eltern schickten mir lediglich ab und an ein Paket mit Süßigkeiten. Sehr wahrscheinlich wurden die Süßigkeiten von den Betreuerinnen gleich in der Gruppe verteilt, ganz genau kann ich mich allerdings nicht mehr daran erinnern. Es waren aber meine Süßigkeiten, die meine Eltern mir geschickt hatten!!!
Schlimm waren auch diese sogenannten Brombäder, das Badewasser war sehr, sehr heiß, ich habe geweint, weil es sehr schmerzhaft war, in diesem fast kochend heißen Wasser zu sitzen. Die Erzieherinnen, die diese Bäder beaufsichtigen, reagierten sehr ungehalten auf meine Bitten, wenigsten kaltes Wasser in das Bad einzulassen. Ich solle mich nicht so anstellen, kaltes Wasser wurde natürlich nicht eingelassen. Als ich endlich die Badewanne verlassen durfte, war meine Haut am ganzen Körper knallrot.
Auch die Tatsache, dass man splitternackt vor wildfremden Menschen in der Badewanne sitzen musste, fand ich für mich sehr beschämend.
Zusammenfassend kann ich nur sagen, dass dieser Aufenthalt in diesem Kinderkurheim mir nichts gebracht hat, ich bekomme heute noch eine Mordswut, wenn ich daran zurück denke.
Ich habe mir oft im Erwachsenenalter ausgemalt, wie ich diese sogenannten Erzieherinnen zur Rede stelle.
Als ich endlich wieder daheim war, erzählte ich meinen Eltern nur, dass es einfach nur schrecklich war. Sie haben mit nicht geglaubt und erzählten mir immer wieder, wie sehr ich mich dort erholt habe. Über meinem Aufenthalt in diesem Heim wurde auch später nicht viel gesprochen.
Leider kann ich nicht mehr mit meinen Eltern darüber reden, da sie vor drei Jahren verstorben sind.
Ich habe erst vor kurzem von meiner Schwester erfahren, dass unsere Mutter mit ihr darüber gesprochen hat und unsere Mutter es sehr bedauert hatte, dass ich dort hingeschickt wurde.
Ich weiß, dass es meine Eltern gut mit mir gemeint hatten und nur das Beste für mich wollten, gut gemeint, aber schlecht gemacht.
Eines von den Vielen, die Jahre und Jahrzehnte geschwiegen hatten.
Weil niemand ihnen damals glaubte und auch heute öffnet sich erst langsam die Erinnerung und das Verdrängen des Erlebten. So ähnlich war es auch bei mir. Ich suche nach ehemaligen Mitpatient-Innen oder Betreuerinnen von 1965 aus der Nordsee-Kuranstalt des DRK
"GOLDENE SCHLÜSSEL".
Als 8-Jährige wurde ich vom 6. August bis zum 17. September 1965 in die Nordsee-Kuranstalt des DRK "GOLDENE SCHLÜSSEL" mit einem "Sammeltransport" von der Reise-Organisation "Schneiderhöhn" verschickt. Ein Amtsarzt hatte mir damals die Verschickung verpasst, weil ich zu dünn und zart war. Meine Eltern glaubten ihm.
Im "GOLDENE SCHLÜSSEL" erlebte ich die Hölle. Die Heimleiterin war damals Liesi Gebhardt, genannt "Gebchen". Chefarzt war Dr. Karl-Georg Lexow. Zu dieser Zeit gab es keine Abteilungsärzte und keine Assistenzärzte. Meine "Tanten" - so mussten wir die Betreuerinnen nennen - waren Tante Helga und Tante Annelene (Glashoff).
Diese Zeit wurde die Katastrophe in meinem Leben. Ich wurde von den anderen Kindern verhöhnt, gehänselt, beklaut und geschlagen, verprügelt, auch nachts. Und die Aufseherinnen schlugen, höhnten und straften ebenfalls. Es gab niemanden, dem ich das erzählen konnte, denn es wurde mir nicht geglaubt. Nach diesen vielen Jahren, nachdem ich zahllose Berichte gelesen und gesehen habe, wird deutlich, dass es den meisten Verschickungskindern ähnlich ging. Es herrschte eine Kultur des Schweigens, ein bösartiger Rest des Geistes des Nationalsozialismus.
An die Hinfahrt erinnere ich mich nicht. Am Ankunftstabend wurden die "Neuankömmlinge" im Essensraum einer öffentlichen Befragung unterzogen. Vor Schreck und Angst konnte ich nicht antworten und wurde dann sofort von den Betreuerinnen und den anderen Kindern als "stummes Eselchen" verhöhnt. So ging das tagelang. Mir wurden meine "Tröstetiere" weggenommen, mein kleines Schlafkissen, mein Sonnenschutzkäppi und meine ganze Wäsche.
Ein Päckchen für mich wurde geöffnet und auf den Inhalt geprüft. Die Süßigkeiten wurden entnommen und an die anderen Kinder verteilt. Das sollte als Exempel dienen, dass man keine Süßigkeiten geschickt bekommen darf.
Auf oder an dem Terrain der "Goldene Schlüssel" befand sich ein großes natürlich belassenes Areal, mit feinstem Sand, die große Dünenmulde vor Haus Kiek Ut. Ich schaute den anderen Kindern traurig bei deren Spielen zu, ich durfte nicht mitspielen, als Strafe. Wofür, erinnere ich mich nicht mehr, ich war nicht nur unglücklich, ich war verzweifelt.
Solange ich zurückdenken kann, malte ich gern und viel. Ich bat meine Mutter in einer Karte um Papier und Buntstifte. Was daraus geworden ist, weiß ich nicht. Ich habe nur den Beweis, dass ich auf Toilettenpapier gemalt habe. Einige Karten, die ich mit Bleistift an meine Eltern geschrieben hatte, wurden ausradiert und ich angewiesen, sie "hübscher" zu schreiben. Meine Eltern haben sie alle aufbewahrt.
An die Nächte erinnere ich mich nicht. Ob hier auch Beruhigungs- oder Schlafmittel wie in anderen Verschickungsheimen gegeben wurden, weiß ich nicht. Ich kannte das widerspruchslose Ausführen von Anweisungen - ohne Nachfragen - von meinem Elternhaus, deswegen ist es möglich. Auf einer ihrer Karten wiesen sie mich an:
"Und sei nett zu allen". Zu dem Essen kann ich auch nichts sagen - weder zu dem WAS? noch zu dem WIEVIEL? Von zuhause kannte ich nur: "Was auf dem Teller liegt wird aufgegessen!"
Nachmittags wurden wir in die Betten geschickt und ich erinnere mich an ein Verbot, sich zu rühren. Die wenigen Spaziergänge - exakt in Zweierreihen - waren gespickt mit Piesackereien der Begleiterinnen. Ich erinnere mich an Mädchen, - eine hieß Susi - die schlimme Faulecken hatten, ich sah sie nicht lange. Wohin hatten sie sie gebracht?
Meine Eltern, denen ich von Schlägen und Hänseleien die nicht aufhörten erzählte, als sie mich einmal besuchten, haben mir das nicht geglaubt. Und mich dort gelassen bis zum Ende. Weil sie den Ärzten nicht widersprechen wollten. Und schließlich sollte ich ja auch abgehärtet werden, denn ich war zart und feingliedrig, nicht so robust und hart, wie sie es gern gehabt hätten.
Während ihres Besuches - ich lag wegen Halsschmerzen 2 Wochen lang auf der Krankenstation (hier wurde ich besonders stark gequält) - hat mich meine Mutter förmlich ausgequetscht, ich sollte erzählen, was so schlimm für mich war. Sie saß an meinem Bett und ich war froh, ihr das anvertrauen zu können. Von den Prügeln, dem Arm-umdrehen, dem Füße-quetschen, dem Würgen, dem Mund-zuhalten. Weil ich fest glaubte, meine Eltern würden mich auf der Stelle mit nach Hause nehmen.
Es war ein Sechserzimmer. Alle Betten waren belegt und alle Kinder dort hörten zu. Alle, die mich schlugen und prügelten. Meine Eltern ließen mich dort. Einfach so. Zurückgelassen. Mein Vater filmte bei ihrer Abreise meine Tränen, die ich verzweifelt am Fenster vergoss. Sie waren den Obrigkeiten hörig, die darauf bestanden, mich dort zu behalten. Meine Eltern kannten es nicht anders. Danach kam von Seiten der anderen Kindern erst recht die Hölle an Verprügelungen, weil ich sie verraten hatte.
Ich bin nie darüber hinweggekommen, dass meine Eltern mir das alles nicht geglaubt haben und mich dort ließen. Sie hatten mich im Stich gelassen, als ich sie am meisten gebraucht hatte. Ich entwickelte Stottern und fing an, meine Finger zwanghaft zu verknoten (heute habe ich dort Arthrose) und mich selbst zu verletzen.
Nach meiner Rückkehr war ich verschlossen und in mich gekehrt geworden - meine Eltern nannten es verstockt - und habe kein Vertrauen mehr ernsthaft aufbauen können. Meine Eltern haben das nicht gemerkt oder merken wollen. Ich wäre sonst fortgegeben worden. In ein Heim oder eine Besserungsanstalt. Auch meine Rückkehr auf dem Kieler Bahnhof hat mein Vater auf Super 8 gefilmt. Ich sitze da wie betäubt oder weggetreten statt mich zu freuen, wieder zuhause zu sein. Ich habe mich, als ich den Film nach Jahrzehnten angeschaut habe, fast nicht erkannt. Zuhause im Wohnzimmer habe ich ins Nichts gestarrt und wurde ermahnt, meinen Eltern nicht "so ein böses Gesicht" zu zeigen. Das hörte ich bis in mein Erwachsenenalter. Das Stottern ging weg, aber das Fingerkneten und die Selbstverletzungen sind geblieben.
Ich zog mich ganz zurück in meine Phantasiewelt. Ab jetzt bestimmte die Angst vor anderen Menschen mein Leben in allen Bereichen. Ein Leben im Eisglaskäfig, beherrscht von Vermeidung, Distanz, Kontrolle, Zwang, Perfektion, Angst und Alpträumen. Ich hatte danach eine grauenhafte Angst vor fremden Menschen entwickelt. Mühsam errichtete ich die Fassade, "normal" zu sein, um Himmels willen nicht aufzufallen, damit das Thema "Ins Heim geben" oder "Schleswig" (fürs Irrenhaus) nur nicht wieder virulent wurde. Die schlimmste Drohung bei unerwünschter Lebendigkeit von meiner Seite war: "Dann holen sie dich (fort von hier)". Wer, um Himmels Willen, war das, vor dem mich nicht mal meine Eltern beschützen konnten?
In der Zeit danach habe ich eine Kunstfigur (Conny) erfunden, die die schöne und starke Seite des Lebens erleben durfte. Zu ihr konnte ich mich jederzeit hinbeamen (Dissoziation) und keiner hat etwas gemerkt. Ich hatte mich aufgespalten, das Trauma verdrängt.
In der Schule kam ich mit dem Lernstoff noch einigermaßen gut zurecht (sogar mit dem dissoziieren) und konnte das Verpasste nachholen. Das Zwischenmenschliche aber, die Freundschaften, die geschlossen worden waren, das alles hatte ich verpasst. Das war gelaufen. Ausgelöscht in nur 6 Wochen. Die Freundschaften, die ich vor meiner Verschickung vorsichtig geschlossen hatte, waren zugunsten anderer Kinder aufgelöst worden. Meine Eltern merkten nichts. Nachts hatte ich schlimme Alpträume. Jahrelang. Tagsüber lernte ich zu funktionieren. Notgedrungen.
20 Jahre lang übte ich nach dem schwer erkämpften (Konzentrationsprobleme) Abi einen für mich völlig ungeeigneten, verhassten Beruf aus (meine Eltern: "Mach das mal, dann hast du wenigstens etwas"), bis zu meinem Zusammenbruch, physisch und psychisch. Mein zwanghaft gewordener Glaube, auf immer perfekt funktionieren zu können, schmiss mich von einem Tag auf den anderen um. Nichts ging mehr, wirklich NICHTS. Ich hatte jahrzehntelang meine Grenzen weit überschritten. Reserven hatte ich nicht aufgebaut. Hilfe zur Aufarbeitung fand ich in einer Therapie, die auch meine Verschickung einschloss, und die Hölle von damals musste ich noch einmal durchleben.
Freude am Leben habe ich nicht mehr finden können, das Leben an sich ist für mich beschwerlich geblieben. Denn ich bin hochsensibel, das hat sich nach vielen Jahren herausgestellt.
Diese Eigenschaft hat sehr schöne künstlerische Seiten, die ich auch genossen habe, aber es bringt mich übermäßig oft an meine Grenzen.
Zu laut, zu voll mit Menschen, zu dicht, zu viele Eindrücke, die ein hochsensibler Mensch nicht in dem allgemein verschriebenen Tempo verarbeiten kann.
Vieles, was für andere Menschen selbstverständlich ist, ist für mich überfordernd und undenkbar.
Konzerte, Theater, Kino, Versammlungen, Shopping, Verreisen, all das geht für mich nicht.
Unterstützung bei den schweren Themen fand ich, indem ich meine Freude an der Kunst (wieder) entdeckte. Was ich mit Worten nicht ausdrücken konnte, malte, zeichnete, collagierte ich und ich arbeitete mich in Bildbearbeitungsprogramme ein, um meine zahllosen Fotos zu manipulieren, um in der Veränderung vielleicht irgendein Erinnern einsetzen konnte.
Ich habe nahezu alles aufgearbeitet, aber irgendeine Art von Schuld kann ich bei meinen Eltern trotzdem nicht erkennen, denn auch sie konnten mir nur das geben, was sie von ihren Eltern bekommen hatten. Was ihnen selbst an liebevoller Zuwendung, Vertrauen, Rückenstärkung gefehlt hatte, konnten sie auch nicht an mich weitergeben. Beide waren vom Krieg traumatisiert.
Mein Vater hat niemals etwas erzählt. Nach meiner Bitte, seine Kriegserlebnisse aufzuschreiben, hat er das kurz vor seinem Tod schweren Herzens getan. Er hatte 5 Jahre Krieg und 5 Jahre Kriegsgefangenschaft in Dnipropetrowsk (ehemalig UDSSR) überlebt.
Meine Mutter dagegen hat ständig von erschütternden Einzelheiten über russische Gewalttaten an Frauen erzählt. Da war ich noch ein ganz kleines Kind. Ich habe geweint und gebettelt, sie möge aufhören damit, weil es mich zutiefst schmerzte, was ihr und anderen geschehen war, aber sie höhnte nur: "Wir haben das alles Erleben müssen, und du willst das nicht mal hören?" So wurde mein Bitten, Flehen, Weinen schon früh in den Staub getreten und bot eine solide Grundlage für das Böse, das ich während meiner Verschickung erlebt hatte.
Im Jahr 1998 bin ich mit meinem Mann nach St. Peter-Ording gefahren und habe mir das "Goldene Schlüssel" noch einmal angesehen. Ich empfand eine unendliche tiefe Trauer, die ich mir damals und noch Jahre später nicht erklären konnte.
Es war eine Festschrift zum 75-jährigen Bestehen gedruckt worden, die ich mir fotokopieren konnte. Einige Fotos und Namen habe ich erinnert, und ich dachte, das Ganze wäre für mich abgeschlossen.
War es aber nicht. Die Stacheln im Fleisch schmerzen solange, bis man sich ihrer annimmt und das dahinter Liegende aufarbeitet. Es gibt unzählige Eigenschaften, bei deren Auftreten ich immer (elternseits) gesagt bekam: "DU siehst das völlig falsch!" "DU bist total verkehrt!" und ähnlich Grausames.
Ich fühlte mich unendlich beschämt, tatsächlich "falsch" und entwickelte starke Selbstvorwürfe, dass ich nicht so war, wie sie mich erwarteten.
Erst heute wird mir klar, dass fast alle dieser "falschen" Eigenschaften von mir auf schmerzhafte Erlebnisse während meiner Verschickung zurückzuführen ist. Unter anderem.
HEUTE - da sind 65 Jahre meines Lebens vorbei.
Ich kann mich erinnern, dass ich meinte, der Heimleiter hat es auf mich abgesehen.
Ich (und andere) wurden dort mehrfach vor Gericht gestellt, dessen Vorsitz er hatte und zu Strafen verurteilt.
Meine Eltern wunderten sich, dass ich ziemlich ungepflegt nach Hause kam.
Es ist schlimm zu lesen, dass dort drei Kinder zu Tode kamen.
Später kam ich in ein Heim in Rinteln, dort fand ich es sehr schön, es war herrlich.
Das absolute Gegenteil von Bad Salzdetfurth