Verschickungskinder legen hier ZEUGNIS ab
Hier haben sehr viele Menschen, seit August 2019, ÖFFENTLICH schmerzhafte Erfahrung mit der Verschickung in Kindererholungsheime, Kinderkurheime und Kinderheilstätten eingetragen, die in der Regel 6 Wochen Alleinunterbringung in einem weit entfernten Kurort zur Luftveränderung bedeuteten. Bitte geht vorsichtig mit diesen Geschichten um, denn es sind die Schicksale von Menschen, die lange überlegt haben, bevor sie sich ihre Erinnerungen von der Seele geschrieben haben. Lange haben sie gedacht, sie sind mit ihren Erinnerungen allein. Der Sinn dieser Belegsammlung ist, dass andere ohne viel Aufwand sehen können, wie viel Geschichte hier bisher zurückgehalten wurde. Wenn du deinen Teil dazu beitragen möchtest, kannst du es hier unten, in unserem Gästebuch tun, wir danken dir dafür! Eure Geschichten sind Teil einer Selbsthilfe von ehemaligen Verschickungskindern, die die Verschickungen in diese Kureinrichtungen schmerzhaft, angstvoll und gewalttätig erlebt haben. Die Erinnerungen anderer helfen uns, unsere eigenen Erlebnisse zu verarbeiten. Sie helfen außerdem, dass man uns unser Leid glaubt. Auch positive Erinnerungen können geschildert werden, es ist wichtig zu wissen, was den Kindern und wer ihnen mglw. geholfen hat. Auch diejenigen, die im Gebiet der „neuen Bundesländer“ (einschließlich DDR-Zeit) in die bisher 130 Kinderkurheime (Liste bisher noch unvollständig) verbracht worden sind, haben die Möglichkeit hier Zeugnis abzulegen.
Alle Geschichten dienen der Dokumentation, als Belegsammlung. Sie sind damit Anfang und Teil eines öffentlich zugänglichen digitalen Dokumentationszentrums. Darüber hinaus können Einzelne, die sehr viele Materialien haben, ihre Bericht öffentlich, mit allen Dokumenten, Briefen und dem Heimortbild versehen, zusammen mit der Redaktion als Beitrag erarbeiten und auf der Bundes-Webseite einstellen. Meldet euch unter: info@verschickungsheime.de, wenn ihr viele Dokumente habt und solch eine Seite hier bei uns erstellen wollt. Hier ein Beispiel
Diejenigen, die uns kontaktieren und Teil unseres Selbsthilfe-Netzwerks werden wollen: Wir organisieren uns in HEIMORTGRUPPEN zum Erinnerungsaustausch, und sind dann den Bundesländern zugeordnet. Gern könnt ihr mit anderne Heimortgruppen aufmachen oder in eine schon bstehende eintreten. Wir schaffen nicht mehr, auf jeden von euch proaktiv selbst zuzugehen, deshalb hier die folgenden Möglichkeiten:
- Auf der Überblickskarte nachschauen, ob eurer Heim schon Ansprechpartner hat, wenn nicht, meldet euch bei vorstandsmitglied-fuer-vernetzung@verschickungsheime.de, und werdet vielleicht selbst Ansprechpartner eures eigenen Heimes, so findet ihr am schnellsten andere aus eurem Heim.
- Mit der Bundeskoordination Kontakt aufnehmen, um gezielt einem anderen Betroffenen bei ZEUGNIS ABLEGEN einen Brief per Mail zu schicken, der nicht öffentlich sichtbar sein soll, unter: Buko-orga-st@verschickungsheime.de
- Ins Forum gehen, dort auch euren Bericht reinstellen und dort mit anderen selbst Kontakt aufnehmen
Beachtet auch diese PETITION. Wenn sie euch gefällt, leitet sie weiter, danke!
Gern könnt ihr auch unseren Newsletter bestellen.
Für alle, die uns hier etwas aus ihrer Verschickungsgeschichte aufschreiben, fühlen wir uns verantwortlich, gleichzeitig sehen wir eure Erinnerungen als ein Geschenk an uns an, das uns verpflichtet, dafür zu kämpfen, dass das Unrecht, was uns als Kindern passiert ist, restlos aufgeklärt wird, den Hintergründen nachgegangen wird und Politik und Trägerlandschaft auch ihre Verantwortung erkennen.
Die auf dieser Seite öffentlich eingestellten Erinnerungs-Berichte wurden ausdrücklich der Webseite der „Initiative Verschickungskinder“ (www.verschickungsheime.de) als ZEUGNISSE freigeben und nur für diese Seiten autorisiert. Wer daraus ohne Quellenangabe und Genehmigung der Initiative Verschickungskinder e.V. oder des AEKV e.V. zitiert, verstößt gegen das Urheberrecht. Namen dürfen, auch nach der Genehmigung, nur initialisiert genannt werden. Genehmigung unter: aekv@verschickungsheime.de erfragen
Spenden für die „Initiative Verschickungskinder“ über den wissenschaftlichen Begleitverein:
Verein Aufarbeitung und Erforschung von Kinderverschickung / AEKV e.V.:
IBAN: DE704306 0967 1042 0498 00
Postanschrift: AEKV e.V. bei Röhl, Kiehlufer 43, 12059 Berlin:
aekv@verschickungsheime.de
Journalisten wenden sich für Auskünfte oder Interviews mit Betroffenen hierhin oder an: presse@verschickungsheime.de, Kontakt zu Ansprechpartnern sehr gut über die Überblickskarte oder die jeweiligen Landeskoordinator:innen
der gestrige Bericht über Verschickungskinder hat mich angerührt. Bin selbst Betroffene. Ich war 1957 als 6-jährige für 16 (!!) Wochen im Seehospiz Kaiserin Friedrich auf Norderney. Geleitet wurde das Haus von einer Diakonisse namens Schwester Gertrud. Der Aufenthalt dort war die Hölle!! Es ging schlimmer zu als in einer Kaserne. Nach einer harmlosen Kissenschlacht im Schlafsaal wurde ich erwischt und für den Rest der Nacht in einem eiskalten Waschraum mit offenem Oberlicht (konnte ich nicht schließen, da zu klein!) eingesperrt. Und das mit meiner diagnostizierten chronischen Bronchitis! Ich bekam eine Mitttelohrentzündung und musste auf die Krankenstation. Dort entfernte man mir meine echt goldenen Ohrringe, die ich niemals zurückbekam. Meinen Eltern schrieb man, ich sei auf einem Ausflug zum Leuchtturm dabei gewesen! Alles Lüge! Auch mussten wir ständig die Kleidung von anderen Kindern tragen. Ich habe lange gebraucht, um diese Erfahrung zu verarbeiten.
es gab mehrere Heime in Bad Sachsa. Im Heimatmuseum oder im Stadtarchiv ist vielleicht mehr zu erfahren...
Ich versuche gleich mal jemanden im Stadtarchiv zu erreichen, da ich auch in Bad Sachsa war, Ostern 1972.
Liebe Grüße, Lina-Marie
Ich sah gestern,10.August, im FS-Programm der ARD die Sendung über die Verschickungskinder.Ich war erschüttert, berührt und WÜTEND! Endlich wird dieses Thema einer breiten Öffentlichkeit nahe gebracht!
Warum war ich wütend?
Ich wurde als Vorschulkind (würde man heute sagen) im Alter von 6 Jahren in das Kindererholungsheim "Stranddistel" auf Spiekeroog (?) verschickt und erinnere mich bis heute an die Busfahrt an die Küste. Der Bus war vollbesetzt,es war eng,stickig und es gab nichts zu trinken.Als eines der jüngsten Kinder wurde man bereits im Bus von älteren Kindern nicht gerade sanft behandelt.Ich hatte Angst und fühlte mich allein unter Fremden und isoliert. Die einzige Fahrtunterbrechnung gab es in Syke (wie ich später recherchiert habe) und ich erinnere mich bis heute an die frische Luft nach dem Mief im Bus.Die weitere Fahrt habe ich nicht in Erinnerung nur noch den Marsch vom Anleger/Bahnhof zum Kinderheim, mit Marschgepäck!
Weiter erinnere ich mich an den "Kommandoton" in dieser Anstalt.Nicht nur der Kommißton,auch der gesamte Tagesablauf war "soldatisch" organisiert.
Für feste Essenszeiten mag man ja noch Verständnis haben,aber Zeitvorgaben für´s Essen selbst waren dabei auch üblich und der Teller musste blank sein! Und danach der verordnete Mittagsschlaf,bei dem kein Auge geöffnet sein durfte!
Fehlverhalten,gleich welcher Art auch immer wurden hart geahndet. Wer das Essen nicht mochte und trotz wiederholter Aufforderung immer noch etwas auf dem Teller übrig war musste aufstehen und wurde vor der Kinderversammlung bloßgestellt. Weil ich es wagte,einmal das Essen zu verweigern und den Teller umkippte, wurde ich sofort auf´s Zimmer geschickt und musste dort mein Schlafzeug aufnehmen und mit dem gesamten Zeug im Essenssaal an allen Kindern vorbei in das "Turmzimmer" umziehen.Im Turmzimmer waren die unartigen bösen Jungens untergebracht und ich war nun einer von Ihnen,klein,verängstigt unter den Großen.Doch die "Leidensgemeinschaft" mit diesen bösen Jungens entpuppte sich für mich eher als Wohltat.Wir hatten zwar Stubenarrest (vielleicht 3 Tage und Nächte von diesen 3 oder 4 Wochen Aufenthalt) aber wir waren eher eine verschworene Gemeinschaft und hatten unsere Ruhe. Für Ruhe sollten auch die abendlichen Tabletten sorgen, die jedoch von einem der "Großen" eingesammelt und unterm Bett gehortet wurden.....
Das Erzählte gibt nur einige Augenblicke wieder, die mir nach inzwischen 66 Jahren in Erinnerung geblieben sind,doch die eingangs erwähnte Wut kehrt oft wieder.Wütend war und bin ich bis heute,weil man so ausgeliefert und keine Gegenwehr möglich war und weil, endlich wieder zu hause, die Eltern den Erzählungen der "erholten" Kinder oftmals keinen Glauben schenkten!
ich war 1972 über die Ostertage in Bad Sachsa, vermutlich auch im Haus Wartenberg. An das Essen kann ich mich nur in Bruchteilen erinnern, z.B. an die großen Scheiben Zuckerbrot, die auf Tellern getürmt auf den Tischen standen. Vielleicht an den SonntagEn? Wenn der Pädagoginnen Brötchen mit Marmelade, Honig oder Käse bekamen. An Haferschleim erinnere ich mich nicht... kann gut sein, dass es ihn gab, ich die Erinnerung verdrängt habe.
Ich erinnere mich auch an den Mittagsschlaf und Spaziergänge mit Gesang durch den Wald. Der Duschraum war in einem dunklen Keller.
Zugesandte Päckchen wurden konfisziert.
Der Speisesaal war hell mit vielen Fenstern.
Das Ärzteehepaar hieß wohl Köbrich, weiß ich durch Recherchen.
Ich wurde über die BKK VW dort hingeschickt.
An Namen habe ich keine Erinnerung. Mir fehlen sehr viele Erinnerungen aus dieser Zeit.
Vielleicht lässt sich einiges gemeinsam zusammen tragen...
Liebe Grüße, Lina-Marie
erinnern kann ich mich an mein grosses heimweh, wir schliefen in einem grossen saal, wurden nachts gegen 22 uhr geweckt, um zum klo zu gehen, ob wir wollten oder nicht, zu anderen zeiten durften wir nicht, meine freundin doris setzte sich einmal voller verzweiflung vors bett um zu pischern, sie wurde erniedrigt, musste es selbst aufwischen und ich durfte mit ihr keinen kontakt mehr haben.
ebenso in erinnerung ist mir der kleiderbügel ( ähnlich den im schwimmhallen), über den wir ordentlich unsere kleidung legen mussten und ebenso wie fürs bettenmachen punkte bekamen.
das frühstück ist mir in grauenvoller erinnerung, es gab milchsuppe, die oft dunkelbraun war und in der altes brot schwamm, wir mussten unsere löffel über den teller halten und die "tante" kippte ekelhaften fischlebertran darauf, ich sass angewidert davor und mir kam alles wieder hoch, erbrach man sich aber, musste man das erbrochene aufessen, ein kleines mädchen erinne ich, die noch mittags vor diesem napf sass, mittlerweile mit dem kopf auf dem tisch eingeschlafen war.
unsere seife und haarshampoo wurde uns sofort weggenommen, wir mussten uns mit glaube ich kernseife waschen und wurden dann kalt abgeduscht. die haare wurden uns nur ein einziges mal in den 6 wochen einen tag vor der abreise gewaschen.
sonntags wurde im grossen saal gesungen, dort sass die oberin, eine mürrische frau mit knoten im nacken und wir mussten bewegungslos mit gefalteten händen dort sitzen.
die post wurde geöffnet, mein vater schrieb mir tolle lustige briefe, die laut vorgelesen wurden, damit hatte ich einen punkt extra, meine karten wurden aber ebenfalls zensiert, ich schrieb einmal: "jetzt brauche ich nur noch 3 wochen hier zu sein", dass wurde nicht abgeschickt und ich war sofort wieder im ansehen gesunken. ein osterpaket meiner eltern wurde sofort eingezogen, ich sah nie ein einziges ei davon. in der zeit brachen die windpocken aus und die kinder, die blasen hatten, durften nicht nach hause, ich betete, keine zu bekommen, erst im zug zurück, fühlte ich die ersten blasen hinterm ohr. warum meine eltern nie etwas unternommen haben im
nachhinein weiss ich nicht, sie waren wohl selbst zu schwach. das heim war der horror. ich habe das nie vergessen.
Da gab es immer diese Breie die man essen musste und ich habe es erbrochen. Musste sitzen und mein Erbrochenes noch einmal essen bis der Teller leer war durfte ich nicht aufstehen.
Mein Bruder war zu dick und ich zu mager so wurden wir getrennt in zwei Stockwerken. Wir durften nicht im Hof miteinander sprechen.
Meine eigenen Anziehsachen hatten alle an nur nicht ich.
Briefe und Karten schreiben wurde kontrolliert und Pakete der Eltern an uns kamen nie bei uns an.
Es waren Nonnen dort die echt alle sehr böse zu uns kindern waren.
WC durften wir nur zu geregelten Zeiten und mussten in eine lange Schlange stehen. Hat man in die Hose gemacht weil man noch nicht dran war wurde man bestraft und mit dem Gürtel geschlagen.
Ich kann mich erinnern das ich nicht aufgegessen habe immer wieder und so wurde mir der Badetag gestrichen und ich musste ins Gitterbett. Ich habe geweint und dann bekam ich eine Spritze weil ich so geweint habe und Heimweh hatte.
Alle Kinder weinten vor allem Nachts. Das war aber ein grosses Verbrechen und wurde bestraft. Wir sassen die ganze Nacht auf dem kalten Boden im Gang wenn wir geflüstert haben.
Beim Essen war eine Angststimmung die mir noch heute im Gedächtnis ist. Dieses grüne Dessert mit der weissen Sauce..Horror immer noch heute.
Jeden Tag gabs Brei, Griess, Milchbrei, Hafer und weis der Teufel.
Ich kann mich an sehr vieles von dort erinnern. Alles schlimm.
Zu Hause wars auch Horror..aber gewohnter Horror und so war ich froh als die Wochen endlich zu Ende waren. Das war keine Erholung. Hab 6 Kilo abgenommen und war noch viel magerer wie vorher.Ich wurde dort noch mehr gequält als daheim vom Vater.
Mit ihm habe ich heute keinen Kontakt mehr und mit der Mutter happerts dauernd weil sie sagt immer zu mir. Ach Sabine du bildest dir so Zeug ein.
Das muss ungefähr so im 1973/74/75 gewesen sein. Ich bin im 1968 geboren und mein Bruder 1967.
Es ist schrecklich das so was dort geduldet und als gute Kur angepriesen wurde. Ich glaube viel der Eltern wussten gar nicht was sie ihren Kindern an tun mit dieser Kur und ich kann mich erinnern meinen Eltern haben uns kein Wort geglaubt.
Ich glaube meine Mutter sagte wir waren in Bad Reichenhall.
Grüsse an Euch Alle
Sabine
ich bin mit 6 Jahren nach Borkum geschickt worden, weil ich sehr dünn war. Das lief über die Barmer Ersatzkasse. Leider wissen auch meine Eltern nicht mehr, welches Haus es war. Ich erinnere mich an ein längliches Gebäude, nicht weit vom Strand entfernt. Meine Eltern sagten, ich ging als fröhliches Kind hin und kam völig verstört zurück. Leider erinnere ich mich nur noch an Kleinigkeiten. Das bisschen Taschengeld und Bonbons wurden mir genommen. Die kalten Hände sollten wir mit eiskaltem Wasser waschen. Irgendetwas war auch mit Gummistiefeln. Vor dem Aufenthalt trank ich gerne Milch, danach wurde mir schlecht, wenn ich sie nur roch. Ich weiß, dass irgendetwas beim Essen passiert ist. Ich weiß, dass nachts auch irgendetwas passiert ist, ich erinnere mich nur nicht mehr genau an was. Ich möchte das gerne ausarbeiten. Erinnert sich jemand an die Zeit Borkum 1975?
3 Jahre später wurde ich wieder verschickt, diesmal mit meinem kleinen Bruder (5 Jahre alt). Ich weiß, ich schrie, ich will dort nicht wieder hin. Ich schrie noch am Bahnhof. Meine Eltern sagten, im Glauben, dass es sich nur um Heimweh handelt, dass es doch diesmal nicht schlimm sei, diesmal sei ja mein Bruder dabei. Im Heim wurde ich von vielem isoliert, weil ich die einzig 9-jährige war. Wie komme ich an weitere Informationen, um die Lücken mehr aufzufüllen?
Ich wurde noch bis 1972 von Lehrern in der Grundschule körperlich gezüchtigt, obwohl es -glaube ich- damals eigentlich bereits verboten war, aber auf nem Dorf hatte das niemanden interessiert, am wenigsten die Eltern...
ich war 1962 oder 1963 in Bad Kreuznach. Dieser Aufenthalt war prägend. Die Prügel war Tag und Nacht zu spüren. Die Mahlzeiten erfolgten unter Zwang, und wie im Beitrag erwähnt,dass Erbrochene mußte vom Teller........entsetzlich. Ich kann bis heute noch nicht Erbrochenes beseitigen. EKEL,EKEL. Das Schlimmste, ich bekam die Windpocken wurde Nachts aus dem Schlafsaal gezerrt und in einen anderen kleinen Raum geworfen und eingesperrt. Die med. Versorgung war garnicht vorhanden. Die Narben tragen ich mein Leben lang als Erinnerung an Bad Kreuznach. Kein Mensch hatte meinen Schilderungen glauben geschenkt, somit war man auch noch als Lügnerin oder sehr fantasievolles Kind verschrieen. Durch einen Zufall (vor ca. 30 Jahren) bekam ich bei meinen Schwager eine Anschtskarte von Bad Kreuznach in die Hände. Ich schilderte ihm meine Verachtung über diese Stadt........und siehe da, er war auch ein geschundenes Kind..............Ich fühlte mich erstmal geborgen .......und wir tauschten uns über diese schreckliche Zeit aus.
Wenn du Lust kannst du mich anrufen. 02205- 910 100
Liebe Grüße
Renate
ich war 1965 als 8jährige 6 Wochen über Ostern im Haus Waldfriede in Bonndorf (Schwarzwald). Ich war ein blasses und dünnes Kind, so dass man meinen Eltern empfahl, mich in "Kur" zu schicken.
An vieles kann ich mich nicht mehr erinnern. An das, woran ich mich erinnern kann, ist nicht positiv.
Gleich nach meiner Ankunft wurde mir mein Kuscheltier weggenommen, was für mich schmerzlich war.
Das Essen war äußert unappetitlich und wurde den Kindern regelrecht reingezwängt. Ich erinnere mich noch an ein kleines Mädchen, das in den Teller erbrach. Der Teller wurde nur teilweise gesäubert, neu gefüllt, und es wurde gezwungen, solange sitzenzubleiben, bis es aufgegessen hatte.
Zu Ostern hatte mir meine Mutter ein Päckchen mit Süssigkeiten geschickt, welches ich nur aus der Ferne gesehen hatte, es wurde unter den Kindern aufgeteilt.
Während meines Aufenthaltes erkrankte ich an einer doppelseitigen Mittelohrentzündung und kam somit auf die Krankenstation. Ich hatte keinen Appetit, und auch hier unterließ man es nicht, mich zwangszufüttern. Ich weiß noch, dass ich meine Frühstücksbrote versteckte und anschließend die Toilette herunterspülte. Zum Glück hat man es nicht bemerkt.
Die gemeinschaftliche Gewichtskontrolle blieb ebenso in meinem Gedächtnis. Das Ergebnis wurde jedesmal in die Gruppe hinausposaunt. Nach 5 Wochen hatte ich insgesamt 1 Pfund (!!!) zugenommen, und man war sichtlich enttäuscht.
Als mein Vater mich nach 6 Wochen am Köln-Deutzer Bahnhof in Empfang nahm, war er sichtlich erschrocken. Nach wie vor dünn, blass und die Haare ungepflegt.
Ich konnte mit 8 Jahren begreifen, dass man so mit Kindern nicht umgeht.
Ich habe meinen Eltern gesagt, dass ich nie wieder in eine derartige "Kur" geschickt werden möchte, was sie auch nicht mehr taten. Meinen Eltern habe ich jedoch später nie einen Vorwurf gemacht; sie waren ahnungslos über diese Zustände. Glücklichweise haben sich die Zeiten geändert.
Ich habe mir geschworen, meinen eigenen Kindern so etwas zu ersparen. 1993 habe ich zusammen mit meinem 5jährigen Sohn 4 Wochen eine Mutter-und-Kind-Kur auf Borkum verbracht. Diese Kur war insgesamt erfolgreich. Während dieser Zeit mußte ich oft an meine eigene Kur denken.
Wir waren über Ostern 1978 (oder 1979?) in einem Verschickungsheim in Dießen am Ammersee, das Haus war streng katholisch geführt. Wir beide wurden nicht auseinander genommen, und deshalb war es für uns nicht ganz so schlimm. Und daheim bei einer überforderten alleinerziehenden psychisch kranken Mutter war es auch nicht immer besser. Immerhin gab es im Heim klare Strukturen.
Was aber mir an Eindruck blieb:
Im Speiseraum herrschte eine ängstliche Atmosphäre. Man musste alles aufessen. Die Kinder, die abnehmen mussten, sassen weiter hinten. Wir vorne und wir wurden öffentlich gewogen mit netten Kommentaren. Auch das Thema "Erbrochenes" essen, haben wir mitbekommen. Dieses Mädchen tat uns leid, aber Mitgefühl zeigen konnte und durfte man nicht. Postkarten, die wir schreiben durften, wurden begutachtet...also man konnte nicht alles schreiben. Umgekehrt, wurden die Inhalte der Pakete an uns konfisziert. Ebenso die Zahnpaste und die Seife, die jeder mitbringen sollte. Da wir in einer katholischen Einrichtung waren, durften wir täglich zum Gottesdienst gehen. Und sollten uns brav benehmen. Meiner Schwester wurde vom Weihrauch regelmäßig schlecht, aber das war kein Grund vom Fernbleiben.
Nachmittags wurde gebastelt, allerdings musste alles bezahlt werden.
Mein Fazit: Der Aufenthalt zählt nicht zu meinen schönen Erinnerungen. ich habe es ertragen und erfolgreich verdrängt.
https://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Zum-Aufpaeppeln-auf-die-Insel
hier: Insel LANGEOOG
Zitat
„Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) der Freien Wohlfahrtsverbände
.
.
.
Das Hilfswerk, das vom Land und einer Funklotterie unterstützt wurde, hatte einen eigenen Kutscher, der das Gepäck der Kinder vom Hafen zu den Häusern fuhr:
dem evangelischen „Flinthörnhaus“,
dem „Mövennest“ der Arbeiterwohlfahrt,
dem „Haus Sonnenschein“ der Caritas und
dem „Dünenheim“ des DRK.“
Zitat-Ende
Aber einige Jahre später, ich war 7 Jahre alt, musste ich für ca. 10 Monate in eine orthopädische Klinik nach Sendenhorst (Epiphysenlösung). Die Station auf der ich lag (in großen Schlafsälen mit Beschulung) wurde von Schwester Maria beherrscht. Ich schreibe ganz bewußt "beherrscht", denn sie war eine herrschsüchtige und sadistische Person. Sie hat uns Kinder wirklich gequält, ausser ihre Lieblinge. Ein Beispiel: jeden Tag gab es Mittagsruhe, d.h. wir mussten stramm im Bett liegen und durften uns nicht bewegen. Es musste absolute Stille herrschen. Schwester Maria saß in einer Ecke des Saals und beobachtete uns mit Argusaugen. Da die Nachttische sehr an an unseren Betten standen, mit dem ausziehbaren Tablett zum Bett gerichtet, kam es vor, dass man versehentlich dagegen stieß. Das hatte einen lauten Klapperton zur Folge, was eine sofortige Bestrafung nach sich zog. Die Bestrafungen unter Schwester Maria waren vor allem die Isolation und die Erniedrigung vor allen anderen. Die in meiner Erinnerung schlimmste und am häufigsten angewandte Strafe war "unters Tuch" zu müssen. Dazu mußten wir uns die Stoffserviette, die immer unter unserem Kopfkissen lag, über das Gesicht legen. So mussten wir über einen, in meiner Erinnerung, längeren Zeitraum verharren. Auch Zwangsessen gab es. Ich erinnere mich sehr gut, dass ich mal ein faules Ei essen musste. Auf meinen Hinweis, dass es schrecklich schmecken wüde, wurde nicht eingegangen. Also musste ich es auf essen. Später konnte ich jahrelang keine Eier mehr essen.
Es war die schlimmste Zeit meines Lebens, an die ich mich erinnern kann. Bei meiner Entlassung war ich ein anderes Kind. Aus einem quirligen und lebensfrohen Kind wurde ein eingeschüchtertes und ängstliches Kind. Mein Selbstbewußtsein war kaum noch vorhanden. Sicher haben meine Eltern diese Veränderungen bemerkt, aber solange ich unter der Fuchtel von Schwester Maria stand, habe ich mich nicht getraut mich meinen Eltern anzuvertrauen. Es hätte unweigerlich Strafen nach sich gezogen. Erst sehr viele Jahre später habe ich meiner Mutter davon erzählt. Sie war schockiert, aber gemacht wurde von meinen Eltern nichts.
10 Jahre später habe in derselben Klinik ein Praktikum als Kinderpflegerin gemacht. Wieder habe ich schlechte Erfahrungen dort gemacht. Ich war zwar auf einer anderen Station (Kleinkinder), aber auch dort gab es noch Strafen und Zwangsessen. Hier wurde die Isolationsstrafe angewandt, indem das betroffene Kind samt Bett auf den Flur geschoben wurde und dort isoliert von den anderen eine zeitlang verbleiben musste. Ganz furchtbar war für mich, dass ich doch tatsächlich besagter Schwester Maria auf einem Flur der Klinik begegnete. Sie hatte sich in den 10 Jahren überhaupt nicht geändert. Diese Begegnung holte alle schrecklichen Erlebnisse wieder hoch.
Mittlerweile habe ich mit dieser schlimmen Zeit meinen Frieden gefunden. Aber es war mir wichtig, hier mal darüber zu berichten.
Bis Gestern dachte ich, dass Bad Salzuflen bei uns ein Einzelfall war, aber als ich gestern die Sendung sah, liefen mir die Tränen, alles kam hoch - Millionen von Kinderseelen wurden zerstört.
In den sechs Wochen sah ich meine kleine Schwester nicht.
Wir durften nachts nicht auf die Toilette, würde man erwischt, gab es Schläge. Aus lauter Angst machte man dann ins Bett, dann gab es vor allen Kindern im Schlafsaal Schläge auf den nackten Po.
Wir bekamen Medikamente, die den Appetit anregen sollte. Man musste immer seinen Teller leer essen, schaffte man es nicht und musste brechen, dann saß man alleine vor seinem Erbrochenen auf dem Teller im Speisesaal. Man musste es wieder runterschlucken.
Zwei Geschwisterkinder hatten damals Läuse und die beiden Mädchen bekamen den Kopf kurz rasiert.
Ich konnte heute Nacht nicht schlafen, soviel Bruchstücke kommen nun nacheinander hoch. Man hatte sie Jahrzehnte lang verdrängt.
Warum hat man jahrelang nicht auf die Kinder gehört, die völlig verstört nach Hause kamen?
Ich war bis fast 13 Jahre Bettnässerin
Wie das Kurheim in Bad Salzuflen hieß, weiß ich nicht mehr. Die Mädchen in einem Altbau untergebracht mit hohen Decken. Der Speisesaal hatte dunkle Holzwände.
Die Jungs waren in einem moderneren Gebäude nebenan untergebracht.
Ich hoffe so, dass jetzt alles aufgearbeitet wird und wir nicht noch einmal verraten werden.
Diese Horrorzeit kann man nicht rückgängig machen, aber die Schuldigen sollten zu ihren Taten stehen
Grüße Margit Hoppe ( früher Bögler)
Ich war insgesamt 11 mal zur Kinderkur. In den Jahren 1970-1981.
Es gibt zum Teil schöne Erinnerungen an zwei Kinderheime. EInes auf Norderney, dass von der Awo betrieben wurde und mit deren Erzieherinnen mich heute noch freundschaftliche Kontakte verbinden. Das andere war in Hindelang/Oberjoch und hieß Santa Maria. Ich habe von Dingen gelesen, die ich dort so nicht erlebt habe. Die "Fräuleins" , an die ich mich erinnere, hatten wirklich was drauf und wir konnten neben sehr guten Kuranwendungen eine breite Pallette an freizeitpädagogischen Angeboten wahrnehmen. Das einzige, was überall wirklich gleich war, war die frühe Zeit, zu Bet zu gehen und ab dann nicht mehr sprechen zu dürfen. Das gleiche galt immer auch nach dem Mittagessen von 13- 15 Uhr.
Am meisten ist mir der Begriff "Wache" in Erinnerung, denn so nannte man tatsächlich die Erzieherinnen, die in diesen Zeiten Dienst hatte, während die anderen Pause machten - oder, wie ich irgendwann erfuhr - für Putzdienste abkommandiert wurden.
Meine Kurerfahrung begann im Herbst/Winter 1970 in Scheidegg. Es war eine "Lungenheilanstalt" mit Ordenschwestern aber auch "weltlichen" Schwestern. Die Ordensfrauen habe ich in guter Erinnerung. Geschlagen, weil ich ins Bett machte, wurden wir von einer Nachtschwester und in der Ecke stehen war für viele Kinder eine typische Strafe. Mit drei (!) Jahren.
Es gab dort kein Obst zu essen. Ein Gummibärchen bekamen wir zue Belohnung, wenn wir nicht ins Bett gemacht hatten. Wer es doch tat, bekam einen "Klaps" auf den nackten Po und musste sein schweres Bettzeug selbst wegtragen. Einmal nahm ich einen Apfel vom Teewagen, der aber nicht für uns Kinderwar, sondern Schwester Maria (eine Kinderkranenschwester) gehörte. Ich biss hinein und legte ihn wieder weg. DIe ganze Gruppe wurde dafür bestraft und bekam kein Abendessen.
Am Feldberg, in einem Kinderheim der Caritas mussten wir zur Strafe fürs Quatschen in den "Wachen" meistens auf dem Flur stehen. In Unterwäsche oder nackt, und die Hände dabei ausstrecken. Wir durften nur mit dem Gesicht zur Wand schlafen und durften eigentlich so gut wie nie sprechen. Dafür war das Essen dort klasse, Aber, wenn man es mal nicht mochte, konnte es passieren, dass zwei Erzieherinnen einen festhielten und die Nase zuhielten, während eine einem das Esen, wie bei einer Gans in den Hals stopfte. Wer erbrechen musste, schluckte es lieber gleich runter, damit man es nicht nachher vom Teller aufessen musste. Toilettengänge wurden in fast allen Heimen strengstens reglementiert. Meistens mussten wir als Gruppe gemeinsam gehen. Zeit, um den Popo abzuputzen, sofern man das überhaupt konnte, gab es nie ausreichend. So hatten wir alle immer schmutzige Unterwäsche, die nur einmal in der WOche gewchselt werden durfte - meistens, wenn man zum Arzt zur Untersuchung vorgeführt wurde.
Am Feldberg wurde uns immer angedroht, wenn wir nicht "horchen wollten", dass wir Verlängerung bekamen. In meinem Fall, wurde das - aus anderen Gründen - zwei mal wahr gemacht. 12 lange WOchen ohne meine Familiie und meine Freunde. Ich kam vom Bauernhof und war diese Art der "Gfangenschaft" nicht gewöhnt.
Ein JUnge, der recht "hyperaktiv" war, wurde regelmäßig mit Tropfen zum einschlafen gebracht.
Die größte Abwechslung war ein sonntäglicher Besuch zum Frühschoppen, wo der Freund einer der Erzieherinnen arbeitete. Während sie schmuste, durften wir Cola trinken oder Spezi. Hauptsache war halt, dass wir ruhih waren.
Ausgelacht wurden wir eigentlich ast immer. Nicht etwa von den anderen Kindern, klar, das gab es auch, nein von den Erziherinnen. Beim Duschen wurde nwir beschämt, beim Zu Bett gehen, wenn wir schmutzig waren... .eigentlich immer. Damit ich nicht am Daumen lutschte, wurde mir Senf auf den Daumen geschmiert und ein dickes Pflaster um jeden Daumen gebunden. Damit ich nicht quatschte, bekam ich ein dickes Leukoplat um den Mund.
Bei einer Kurverlängerung kam ich in eine andere Gruppe und stellte erstaunt fest, dass es auch wirklich freundliche Erzieherinnen gab, an die ich mich gerne erinnere und die niemals so grausam waren. Selbst die nicht, die als streng galten.
Auf Norderney musste ich 6 Wochen das Kinderkurheim des märkischen Kreises, " Haus Ierlohn" ertragen, dass von einer Frau Müller geleitet wurde, die dort mit ihrer Lebensgefährtin lebte und arbeitete. Zwei Biester ohne jede Empathie für Kinder. . Unsere Gruppenerzieherin war soweit ok, wie sie eben konnte, aber auch hier gab es herrische und streitsüchtige Erzieherinnen, die ihre Wut oft an uns Kindern ausließen. Und auch hier standen viele Kinder oft stundenlang in der Ecke oder mussten die Nacht iauf dem Fußboden des Ankleidezimmers verbrignen, weil sie gequatscht hatten.
Die letzten beiden Kuren fanden auf Norderney im AWO-Kinderkurheim statt. Und in Santa Maria in Oberjoch. Hier war alles lockerer, wahrscheinlich, weil wir auch älter waren und die Erzieherinnen einer anderen Generation anghörten. Das war die Zeit vor dem Wechsel in die 80ger Jahre.
1987 war ich dann in der Erzieherausbildung und arbeitete selbst während unserer Schulferien in einem Kinderkurheim der Stadt WUppertal. Auch hier: von den demütigenden Methoden oder Gewalt keine Spur..
Meine Erfahrungen mit Kinderkuren waren so unsäglich, dass ich die Ankündigung meines Hausarztes, ich solle zur Kur fahren, immer als Drohung empfand und große Angst davor hatte. Das letzte Mal sollte ich mit 15 Jahren noch einmal nach Oberjoch fahren. Dieses mal setzte ich mich aber durch, indem ich mich weigerte.
Ich habe mich oft gefragt, warum ich das nie meinen Eltern erzählt habe, die mich ja shcließlich jahrelang dort hin schickten. Nun, ich habe immer nur das Gute erzählt, weil ich immer noch den Klang von Fräulein Ingrid im Ohr hatte, die uns immer eintrichterte, dass meine Eltern sich etwas antun würden oder schlimm traurig würden, wenn sie ihnen erzählen würde, wie böse und verschlagen wir Kinder doch waren. Es bräche ihnen das Herz.
Ja. Und sowas glaubt man als Kind und verinnerlicht das.
Irgendwie gelang mir, meine Traumata zu überwinden, aber ich erkenne noch heute an mir einige Macken, die ich aus dieser Zeit zurückbehalten hatte. Heute kann ich meistens drüber schmunzeln. Über die Macken, nicht über die Demütigungen und Schmerzen.
Danke Ihnen für Ihren Einsatz, Frau Röhl, und wenn Sie Unterstützung brauchen, bitte melden Sie sich gerne bei mir.
Andreas Rau
Im Heim wurden wir ausnahmslos von Schwestern in Ordenstracht betreut. An einen Arzt oder männliche Mitarbeiter kann ich mich nicht erinnern.
Es gab einige Erlebnisse, die mich heute noch beschäftigen, aber ich habe durchaus auch positive Erinnerungen.
Schlimm war dieser Essenszwang, egal was es gab. Ich erinnere mich hauptsächlich an Camembert abends, den ich nicht essen wollte, aber musste. Jahrzehntelang konnte ich keinen mehr essen. Außerdem durfte kein Wort geredet werden beim Essen, sonst musste man zur Strafe in einem Nebenraum alleine am Tisch sitzen und trotzdem fertig essen. Das ist mir kleinem Steppke auch passiert.
Körperlich "ertüchtigt" wurden wir Jungs, indem wir uns im Kreis Rücken zum Hintermann aufstellten, dann bekam jeder eine Schrubberbürste in die Hand und musste den Rücken des Vordermanns kräftig abbürsten. Wenn man da einen großen, kräftigen Jungen hinter sich hatte, dann war man danach ordentlich durchblutet (es hat nicht geblutet!). Und zum Schluss kaltes Wasser drauf. Diese Therapie habe ich nie mehr angewendet, obwohl ich meine Schrubberbürste mit nach Hause nehmen durfte.
Aber ich habe auch gute Erinnerungen. Als Stadtkind, das in einer kalten, dunklen Mietswohnung wohnte, bleibt mir der herrliche Park, in dem wir durchaus spielen durften, gut in Erinnerung. Ich bekam Päckchen von meinem Opa mit Schokolade, die ich essen durfte und mit lustigen Briefen, die mir eine Schwester vorlas. Und abends durfte meine kleine Schwester, die sehr unter Heimweh litt, zu mir in den Schlafsaal und saß auf dem Schoß einer Schwester, die uns eine Gute-Nacht-Geschichte vorlas.
Auch die Fahrt dorthin mit einem Zug (das kannte ich nicht so) fand ich spannend und ich amüsierte mich köstlich über die Namen Pforzheim und Schweinfurt. Die Schwestern hatten uns in Karlsruhe abgeholt und dorthin gebracht.
Heimweh hatte ich bestimmt ab und zu.
War jemand auch in Ditterswind und kann sich noch erinnern? Daran wäre ich sehr interessiert.
Das Schloss war danach noch lange in der Hand dieser Rummelsbacher Schwestern, wurde aber nur noch glaube ich bis 1965 als Kinderheim genutzt. Danach wohl für (geistig) behinderte Menschen, bis vor wenigen Jahren, als sich die Rummelsbacher m.W. von dem Schloss trennten.
durch Zufall habe ich gestern den Beitrag im ARD über die Verschickungsheime gesehen. Dieser Begriff war mir bislang nicht bekannt. Und ich wusste auch nichts von dem Ausmaß, vor allem wie viele Kinder davon betroffen waren.
Ich war wegen Neurodermitis vom 22.02.73-04.04.73 (ich wurde in der Kur 6 Jahre alt) in St. Peter Ording in der Kuranstalt Goldener Schlüssel. Die Heilbehandlung wurde gemäß § 1305 der Reichsversicherungsordnung bewilligt. Ich habe noch Unterlagen, deswegen weiß ich das noch so genau. Allerdings haben mich meine Eltern nicht "verschickt". Obwohl sie nicht viel Geld hatten, haben sie mich hingebracht und auch wieder abgeholt. Zunächst hatte ich meinen Eltern nichts von meinem Erlebten erzählt, erst viel später. Sie haben mir geglaubt und sich sehr darüber aufgeregt, vor allem meine Mutter, da sie zum Dank der Frau dort noch Kaffee mitgebracht hatte. Das hatte ich gesehen.
Ich erzähle immer schon meinen Bekannten und Freunden, dass es dort jeden Tag Milchspeisen gab und ich heute noch diesen süßlichen Milchgeruch mit etwas Unangenehmen verbinde. Ich erinnere mich daran, dass ich an einem Tag den Schokoladenpudding nicht essen wollte (ich hatte ja auch eine Milchallergie), ich wurde gezwungen ihn zu essen. Ich hatte mich so geekelt davor. Eigentlich wundert mich das fast, da Kinder ja gerne Pudding essen. Jedenfalls habe ich in der Nacht das ganze Bett vollgekotzt. Es wundert mich im Nachhinein, dass ich mich an ein großes Bett mit dunkelblauem/grünen Bezug erinnere. Als die Nachtschwester kam, schimpfte sie mit mir, was ich da gemacht habe und zur Strafe kam ich in den Aufenthaltsraum im EG wo ein kleines Kinderbett mit Stäben aus Holz stand. Ich durfte meine Puppe mitnehmen, das war auch gut so, denn ich hatte Angst, der Mond schien in den großen Raum, es waren große Glasscheiben dort und ich konnte draußen Kaninchen sehen, das hat mich auch etwas getröstet. Ich weinte und hatte Angst, ich kann mich daran noch genau erinnern, ich sehe es vor meinem geistigen Auge. Das Päckchen von meinen Eltern zu meinem Geburtstag wurde geöffnet und an alle Kinder verteilt, ich bekam eine Orange. Und an meine Eltern wurde eine Postkarte geschickt, wo drin stand, dass alles in Ordnung war. Ich kann mich aber an nichts Schönes erinnern. Jedenfalls bekam ich dort Asthma.
Später vom 31.10.79-19.12.1979, da war ich 12 Jahre alt, war ich in der Hochgebirgsklinik Davos-Wolfgang. Auch dort wurde ich persönlich von meinem Vater hingebracht. Da ist mir etwas in Erinnerung, das mir heute noch ein Rätsel aufgibt. Ich wüsste gerne was das für eine Behandlung war, vielleicht war es ja auch nichts schlimmes. Also es gab einen Raum, man ging die Treppe runter. Der Raum war karg, es waren nur ganz oben Fenster, es waren nur an der Wand Sitzgelegenheiten. Dann wurde oben eine kleine Schüssel mit einem Lappen hingestellt. Wir wurden dann alleine gelassen und es fing dann sehr stark an nach Essig zu riechen. Wir waren nicht sehr lange in dem Raum, es war auch unangehm. Ich wüsste eigentlich nur gerne, für was diese Behandlung war. Keine Ahnung, ich musste auch nur einmal in den Raum. Ansonsten erinnere ich mich an nichts.
Ich finde es gut, dass meine Erlebnisse hier bestätigt werden. Ich habe noch nie davon gehört und dachte immer, es wäre nur mir so gegangen.
ich war in den bayerischen Sommerferien 1972 sechs Wochen zur sog. Kur auf Amrum im Lenzheim. Damals war ich acht Jahre alt. Wir wurden von Nürnberg aus in einer großen Gruppe
dorthin gebracht. Schon die Verabschiedung in Nürnberg und die Fahrt nach Amrum habe ich als traumatisch in Erinnerung. Vom Lenzheim sind bei mir nur einzelne Bilderfetzen vorhanden. Ich schlief in einem Zimmer im ersten Stockwerk. Nachts durften wir nicht zur Toilette, eine Betreuerin passte im Treppenhaus auf, dass niemand sein Zimmer verließ. So passierte es, dass ich nachts oft in meinem Kot lag. Zu jener Zeit dort fing ich an mir nachts im Bett die Haare büschelweise rauszureißen, bis ich eine kahle Stelle von 3-4 cm Durchmesser am Hinterkopf hatte. Ich litt enorm darunter und schämte mich, dass ich das tat. Dieser Drang des Haarereißens verfolgte mich mein halbes Leben.
Am Strand vor dem Haus beobachtete ich beim Spielen immer die Fähren, die in Wittdün anlegten oder wegfuhren. Ich hatte dabei schreckliches Heimweh.
Es gibt aber auch gute Erinnerungen: Uns wurde auf der Terrasse "Mio, mein Mio" von Astrid Lindgren vorgelesen, dazu gab es Milchbrötchen mit
Carokaffee. Wir besuchten Gottesdienste in der Kirche in Nebel. Mehr weiß ich nicht.
Hier jemanden zu finden, der oder die auch zu der Zeit im Lenzheim war und sich erinnert, wäre wunderbar.
Viele Grüße Michael
Die Sendung von Report Mainz gestern 10.August 2020 über die Schikanen, die Erholungskinder erdulden mussten, zeigte genau das was auch ich erlebt habe. Der Bericht an die Kinderärztin besagte, dass ich während der gesamten Kur leichtes Fieber hatte.
Es war Heimweh und Stress , was das Fieber auslöste. Unser Erholungsheim war am Tittisee im Schwarzwald. Ich weiß nicht wie das Heim genau hieß.
Gruß Carmen
In den 60ern, ich schätze so 1967 herum, ich war noch nicht eingeschult und höchstens 5 Jahre alt, wurde ich mit meinem kleinen Bruder (max. 4 Jahre) nach LANGEOOG verschickt; habe bis heute nicht herausfinden können, wie das Heim hiess, halte als Träger aber die AWO für Wahrscheinlich, da meine (alleinerziehende) Mutter Kontakte zu dieser hattte...
Den mir eeeeendlos lang erscheinende Aufenthalt dort habe ich als einzien Horrortrip in Erinnerung; die „Highlights“:
- Erbrochenes essen müssen, wenn man seinen ekligen Teller morgendlichen Haferschleims nicht runterbekam bzw. erbrach
- Massen-Abduschen mit dem Schlauch mit kaltem Wasser in einem weiss-gekachelten Raum voller nackter Kinder, wie beim Schlachter fühlte ich mich
- Schläge mit einem Holzschuh (Klepper nannte man die früher), wenn man nicht kerzengerade auf dem Rücken im Bett lag
-Päckchen von daheim wurden nicht ausgegeben, sondern eingesackt
-Toiletten ohne Türen
uswusf.
Ich weine, während ich schreibe.
Mein Bruder wurde erst in Langeoog wieder zum Bettnässer; ich weiss nicht mehr, ob wir je versuchten, der Mutter davon zu erzählen, hätte aber auch keinen Unterschied gemacht, weil es ihr eh egal gewesen wäre...
Kann und will meine 80-Mutter hierzu heute auch nicht mehr befragen, habe seit sehr vielen Jahren keinen Kontakt mehr zu meiner „Familie“...
dort muss ich ebenfalls gewesen sein.Ich mochte ein Essen nicht, worauf ich es tagelang vorgestellt bekam, bis ich es vor Hunger dann doch aufass.
Hat jemand Infos von solch einem Heim?
Mit Acht war ich dann noch einmal für sechs Wochen in Bad Karlshafen. Das war insgesamt recht unspektakulär. Weder besonders positiv noch negativ. Muss wohl recht langweilig gewesen sein. Das einzige an das ich mich sehr gut erinnern kann, war eine Zahncreme mit Erdbeergeschmack.
Als ich Zwölf war, kam ich 1970 für sechs Wochen nach Bairawies bei Bad Tölz. Das war richtig klasse. Wir waren 12 Jungen in unserer Gruppe, lebten uns schnell ein und fühlten uns so wohl, dass wir alle Rotz und Wasser heulten, als wir von dort wieder heimfuhren. Da hat einfach alles gestimmt, vom Essen, über eine moderne und noch sehr junge Betreuerin bis hin zu spannenden Ausflügen wie eine Nachtwanderung mit Fackeln und eigentlich immer jeder Menge Spaß. Es gab ein Punktesystem. Für Ordnung konnte bekam man Punkte. Fehlverhalten bedeutete Abzug. Die Punkte konnte man gegen eine halbe Stunde Fernsehen im Vorabendprogramm eintauschen. Ich habe es nur einmal geschafft und meine Punkte für eine Folge der Serie: "Der Mann mit dem Koffer" verschleudert. Mag sein, dass wir mit unseren Kuren einfach nur Glück hatten.
LG Werner
Ich kam im Sommer 1976 als Sechsjährige für ca. 4 Wochen gegen meinen Willen in das Schullandheim, das auch als Erholungsheim für Kinder firmierte. Es war ein Ort der Gewalt. Das Haus, das ehemalige Jagdhaus von Nazi H. Göring, hatte 30 Betten. Seit 2012 steht es leer.
Ein Foto findet sich hier:
https://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Nazi-Jagdhaus-koennte-Unterkunft-fuer-Fluechtlingskinder-werden-id31877532.html
Viele Gruesse und gute Gedanken für alle, NK
Ich war mit meinem Bruder in Bad Sachsa im HAUS WARTEBERG(.?) Mitte Anfang 70er.
Unsere Finger wurden mit Gewalt auseinander gedrückt, um zu zeigen, dass wir noch so und so viele Brote essen wollen. Am Schlimmsten war der Haferschleim. Wer nicht auf aß bekam von köberich(?) mit einem Teelöffel auf den Kopf geschlagen.
Meine Seele hat sich dort einen bleibenden Schaden abgeholt. Danke Barmer Ersatzkasse........
Ich war glaube ich 1975 im Alter von 9 Jahren 6 Wochen im Weserbergland, wurde jeden Tag in der Mittagsruhe in einem ganz alten Badezimmer/Raum 2 Stunden eingesperrt und Verbal zu tiefst erniedrigt nur weil ich nicht schlafen wollte.
Ich fange gerade an mir Erinnerungen nach dieser sehr langen Zeit ins Gedächtnis zu rufen.
Ich habe das bis heute verdrängt, konnte auch in jungen Jahren nie mit jemanden darüber Reden. ( habe immer noch sehr feuchte Augen in diesem Moment )
Wenn ich die Berichte hier Lese war alles wie andere hier Berichten Parallel auch bei mir, Gott sei Dank aber keine Sexuellen Übergriffe.
LG Hartmut
durch Zufall habe ich heute die Dokumentation "Gequält, erniedrigt, drangsaliert" gesehen und mich dabei (leider) an meinen eigenen Kuraufenthalt erinnert. Ich war 5 Jahre alt und bin 1972 alleine nach Norderney für mindestens 4 Wochen verschickt worden, wohl weil ich so blass war. Zum Glück kann ich mich nur an Bruchstücke der Kur erinnern, doch die sind allesamt negativ. So wurde ich beispielsweise von älteren Kindern extrem drangsaliert. Vom Frühstück (es gab nur Suppen-artiges Frühstück, wie Haferschleim mit Brocken oder manchmal, an guten Tagen, auch Cornflakes) wurde ich rasch ausgeschlossen, da ich den Löffel zu voll nahm und somit plörrte. Als Strafe musste ich dann abseits mit einem anderen Mädchen Brot essen. Das wäre eigentlich gut gewesen, wenn da nicht dieses "Du kannst nicht essen, deshalb bestrafen wir Dich jetzt und stellen Dich für alle gut sichtbar an den Pranger" gewesen wäre. Die Eltern durften nicht anrufen, da die Kinder sonst Heimweh bekommen hätten. Irgendwie hat es meine Mutter dann doch geschafft, mich an meinem Geburtstag dort anzurufen. Das Gespräch war natürlich sehr kurz und fand unter Aufsicht statt. Der ganze Aufenthalt war einfach nur furchtbar und ich habe lange Zeit danach auch als Erwachsener ab und zu einen wiederkehrenden Albtraum gehabt, nämlich, dass ich in einem Reisebus mit vielen anderen Kindern zur Kur fahre und dass ich verzweifelt versuche, den Busfahrer zu stoppen, weil ich umkehren und nach Hause will. Tatsächlich vermischt sich hier Erinnerung und Vorstellung und ich bin mir nicht sicher, ob ich damals nicht genau das versucht habe zu tun.
Meine Schwester und ich,waren in den 80ern in einer sogenannten Kur auf Borkum. Wir waren kurz zuvor mit unseren Eltern aus der DDR vertrieben worden, ich litt lange an einer Boruliose. Dort sollten wir uns erholen. Wir beide leiden heute noch unter den traumatischen Erlebnissen dort. Es ist unfassbar, wie Erwachsene Menschen, kranke und belastete Kinder absichtlich erniedrigt, verängstigt und alleine gelassen haben. Ich muss heute mit fast 40 immer noch weinen, wenn ich daran denke. Ich wünsche euch allen, alles liebe,
SOFIA
PS: Leider kann ich mich auch weder an Ort noch den Namen des Heimes erinnern - aber vielleicht, wenn ich Bilder sehe oder über Recherche..
Woran ich mich aber noch genau erinnere: es gab regelmässig einen schwarzen Brei, der nach "Kacke" schmeckte - und so nannten die Kinder den Brei auch. Wir wurden gezwungen ihn zu essen was regelmässig zu Tränen usw führte, weil er uns reingezwungen wurde. Vielleicht errinnert sich ja noch Jemand daran...
Auch an das anfängliche Heimweh kann ich mich erinnern. Nach über 40 Jahren erfahre ich, dass dieses Verschicken ohne Eltern damals wohl normal war.
- der große Schlafsaal, in dem sehr unbequeme Betten standen,
- jeden Tag MUSSTEN alle Kinder (!) Mittagsschlaf machen
- zum Frühstück gab es immer so eine komische Graupensuppe, die gegessen werden musste, ob man wollte oder nicht
- und im Nachhinein betrachtet kam man sich vor wie in einer Kaserne.
Am schlimmsten empfinde ich jedoch immer noch, dass ich über sechs Wochen keinen Kontakt zu meinen Eltern hatte und wir Kinder auch keinen Besuch von den Eltern empfangen durften.
ich war auch mit meinem Bruder in einem Heim.Wir wurden getrennt,leider sah ich ihn nur selten.Ich kann mich noch an Haus erinnern..hatte einen Hof es hatte runde Ercker,Einen langen Gang der Essenssaal war mit langen Holzbänken und Tischen,links am Eingang zum Essenraum waren Regale mit Holzkisten.Ich weis noch das ich manchmal zu einer sehr lieben Frau im zweiten Stock gehen durfte mit ihr basteln.Die Schwestern waren sehr streng.Wachten Nachts ..mann musste schnell aufToilette und in Schlafsaal.Eins ist mi in Erinnerung ..hatte mal gelesen ...Schwester hats zufällig gesehen ..wurde dann verprügelt..zum Schluss gabs dann noch eine Backpfeiffe.Bin erleichtert,das es auch andere gibt. Ein weis auch noch..ich durfte morgens auch mal mit in die kahtolische Kirche.Ichglaube das ich auch im Allgäu war
Wir hatten grosse Angst vor den Leuten, wollten weglaufen, wurden aber eingesperrt. Wir nannten die beiden Tant Ingeborg und Farbror Artur. Unsere Betten standen im Schlafzimmer der Gasteltern, ausserdem gab es ein Spielzimmer, was uns sehr verwunderte, sie hatten keine eigenen Kinder.
Sie hatten aber Jahre vor uns schon immer Verschickungskinder aus Deutschland aufgenommen.Zum Heimweh kamen Verständigungsschwierigkeiten, seltsame Rituale und Erziehungsmethoden und sexuelle Übergriffe, bis hin zum Missbrauch.
Wir durften nichts erzählen, sonst hätten sie uns nicht mehr nach Deutschland gelassen, so sagten sie uns.
Ich habe diese Zeit der Verschickung bis zu meinem 35zigsten Lebensjahr verdrängt, dann kamen die Erinnerungen und eine lange Zeit Psychotherapien. Ich litt an Depressionen, Angst- und Panikattacken. Schon in jungen Jahren musste ich Beruhigungsmittel nehmen und konnte nur mit Licht an schlafen.
Ich habe in den letzten Jahren immer wieder versucht mehr über diese Schwedenverschickungen zu erfahren, es ist mir bis jetzt nicht gelungen. Ich weiss nur von meiner Mutter, dass das Jugendamt auf meine Eltern eingeredet hat. Meine Schwester litt an häufigen Kopfschmerzen und der Aufenthalt in Schweden wäre sehr heilsam....von wegen!
heute habe ich einen Bericht über Verschickungskinder ( Focus online) gelesen.Alle Erinnerungen an die Kur in St. Peter Ording kamen hoch und die Tränen liefen. ( Ich wusste nicht, dass es mich nach 50 Jahren, noch so berührt) Mein Bruder und ich wurde dort hin geschickt. Schon im Zug ...wir waren mit anderen Kindern in einen Abteil ...fing alles an. Da haben wir uns vorgestellt und gelacht bis der Betreuer die Tür öffnete, seinen Gürtel von der Hose löste und einige Male mit den Gürtel mitten rein schlug und meinte, wenn wir nicht leise sind und still sitzen bleiben , dann wird der Gürtel uns das nächste Mal härter treffen. In der Kur selbst, ging es weiter. Wer das Essen nicht vertrug , musste trotz erbrechen den Teller mit dem Erbrochenen aufessen. Wer sich weigerte, dem wurde das Gesicht in den Teller gedrückt. Ein molliges Mädchen wurde im Garten untenrum nackt über ein Faß gelegt und wurde gehauen.... sie hatte ein kleines Stück Brot gegessen, was ihr nicht Zustand. Wir mussten zuschauen. Meinen Bruder durfte ich nicht in seinem Zimmer besuchen, als er krank war. Ich habe mich zu ihm geschlichen und er lag in dem Bett, völlig verängstigt. Briefe an die Familie wurden zensiert . Kinder, die am Strand zu laut waren, bekamen Sand in den Mund.Das Heim wurde wohl kurz danach geschlossen, dafür hatten unsere Eltern wohl gesorgt.
ich hab heute Nachmittag im TV zum erstemal von Verschickungskindern gehört.
Jetzt weiß ich das ich mich auch so "betiteln" darf/kann/muß.
Für mich war ich einfach nur zur Kur, um selbständiger mit 9 Jahren zu werden.
Es war 1981 in Berchdesgaden irgendwo, mit Ausflügen zum Königsee inkl. Bootsfahrt, Salzburg und Salzbergwerk.
Ich weiß nur das ich die ersten Tage gelitten habe vor Heimweh. Geheult..... rund um die Uhr..
Ich denke aber das dies mit neun Jahren normal ist unter Fremden.
So habe ich nur positive Erinnerungen an den Aufenthalt, Essen, Zimmer, "betreungspersonal" etc.
Wir durfen im Herbst Äpfelpflücken und im Unimog mitfahren.
Wir waren viel draußen hinterm Heim am Spielen etc.
Ich hatte 2 Jungs als Freunde und ein Mädchen was mich mochte.
Ich bekam Post und Süßigkeiten von meinen Eltern.
Wir durften Fernsehen abends.
Meine Frage hier lautet wie folgt:
Ist möglich das ich mich nur an das Positive ( außer Heimweh) erinner will, und das Negative verdrängt habe?
Oder gab es auch Verschickungen die schlicht nix Schlechtes hatten?
Gibt es viele Kinder die positive Erinnerungen
haben?
LG Olly
Seit damals kann ich sehr schlecht weg sein von zuhause ( habe das Gefühl, "du kommst nicht mehr heim" und weitere Beeinträchtigungen ).
LG Henriette
Einmal wöchentlich wurden wir 11- jährigen Mädchen in einen Waschraum geführt, wo wir uns entkleiden mussten. Anschließend wurden wir mittels Schlauch mit kaltem Wasser abgespritzt. Ich hatte Angst davor und verzog mich in die hinteren Reihen. Als die Erzieherin das bemerkte, holte sie mich vor und ich erhielt eine Gratisdusche, sodass ich keine Luft mehr bekam und der harte Wasserstrahl meiner Haut weh tat. Das wiederholte sich in den folgenden Wochen. Bis heute ist es schlimm für mich, wenn mir beim Duschen versehentlich Wasser über das Gesicht läuft und Tauchen im Schwimmbad ist ganz unmöglich, da bekomme ich Panik.
Es war die Hölle.Wie im 3reichs Millitär.Die Leiterin war ca. 60.
Schlechtes Essen,6uhr Aufstehen,Mittagsschlaf zwang,alles Pünktlich!
kein Ausgang.Mamma und papa hatten mich velassen.
Habe erst nur geheult,dafür Schläge bekommen.
Habe jetzt Angststörung/Depession.Wer auch in dieser Kinderfolter
Außenstelle um die 1969 war bitte bei mir melden.Weil nach mir
wohl neue Leiterin an der ich evl.beteiligt war.
Gruß Michel
2x Borkum, Sancta Maria Kinderkurheim vom 3.6.-1.7.1980. Da war ich gerade 9 Jahre geworden.
Die Kindertransport- Karte liegt vor mir.
Auf Langeoog war ich mit meiner Schwester zusammen, auf Borkum auch mit meiner Schwester aber getrennte Gruppen.
Mein Bruder war auch 1x weg, kam verängstigt zurück und hat sich immer unter dem Tisch versteckt, nach Erzählungen meiner Mutter.
Ganz ehrlich, ich kann mich an nicht viel erinnern.
Ich weiss auch nicht ob ich die Kuren vermische.
Kaltes abduschen nackt mit Wasserschlauch, Nagelhaut schneiden, Läusekämmen, essen bis zum erbrechen. Wenn man nicht war wie gewollt wurde dies unverzüglich gezeigt und vorgeführt.
-
das Heim kenne ich, weil ich in den 90er Jahren dort als Erzieher gearbeitet habe:keine Nonnen mehr, doch irgendwo noch nicht ganz am Puls der Zeit, mittlerweile aber aufgelöst.
In meiner Autobiographie habe ich darüber geschrieben. Jetzt möchte ich gerne Geschichten sammeln und vielleicht in einem Buch herausbringen.
ich war als Achtjährige Mitte der 60er Jahre sechs Wochen in einem Kinderheim in Hogschür im Schwarzwald, ich glaube, es hieß Sonnental. Ich komme aus Schleswig-Holstein, schon die lange Anreise per Zug war kein Spaß. Im Heim durfte man nicht vor 8 Uhr (glaube ich) aufstehen und auch nicht auf die Toilette gehen. Wenn man dann ins Bett machte, gab es massiv Ärger. Mittagsschlaf war Pflicht und zwar total still, ich habe nie Mittagsschlaf gemacht, für mich war das furchtbar. Es gab komische Sachen zu essen, die bis auf den letzten Bissen verzehrt werden mussten, sonst saß man in der Küche, bis alles alle war, auch wenn das Stunden dauerte. Die Kunst war, nicht zu schnell zu sein, sonst gab es auch noch Nachschlag. Zum Beispiel trockenen Milchreis mit minimal Sauce, den ich bis heute nicht leiden kann. Briefe wurden zensiert, alle Post geöffnet. Alles, was von zu Hause an Goodies mitgekommen war bzw. weiter kam, wurde konfisziert und zugeteilt. Kontakt zu den Eltern gab es nicht. Man musste sich auch vor allen ausziehen und wurde gewaschen, das fand ich schrecklich, weil ich das nicht kannte. An kaltes Wasser erinnere ich mich auch und an einen alten Arzt, den ich total unsympatisch fand, der eine Art Eingangscheck machte. Einen Nachmittag mussten wir auf der Terrasse in der Sonne Mittagsschlaf machen und durften uns nicht rühren - wir waren alle total verbrannt hinterher. Die "Schwestern" verbreiteten ein reines Klima der Angst, ich glaube viele hatten ihre "Ausbildung" noch in der Nazizeit erhalten. Die Leiterin war am schrecklichsten, ein richtiger Drachen. Ich weiß noch, dass mir die Kleineren besonders leid getan haben, weil die sich gar nicht wehren konnten und besonders drangsaliert wurden. Meine Eltern haben mir natürlich kein Wort geglaubt, als ich davon erzählt habe. Ich dachte, die wollen mich loswerden und habe dann lange nicht mit Ihnen geredet. Ich bin Asthmatikerin und war damals sehr dünn, sollte zum Aufpäppeln dahin. Ein gruseliges Erlebnis, das lange Folgen hat. Unter anderen ein lebenslanger Widerstand gegen Institutionalsiertes und jede Art von Zwang. War zufällig jemand auch in diesem Heim?
Ich war in den frühen 80er Jahren zur Kur in einem Heim auf Norderney. Ausrichter war die AOK.
Schläge bei vermeintlichen Fehlverhalten waren hier an der Tagesordnung. Wer nachts keine Ruhe hielt, musste teilweise eine Stunde auf den Flur in einer Ecke stehen.
Für mich das Schlimmste (da ich keine Milch mochte): warmen Kakao zum Frühstück, der getrunken werden musste - incl Haut! Es durfte nichts in den Tassen zurückbleiben.
Postkarten nach Hause wurden kontrolliert und wenn negative Dinge aufgeführt waren, wurden sie zerrissen und mussten neu geschrieben werden.
Telefonkontakt nach Hause während der sechs Wochen war nicht erlaubt. Zum Abschluss mussten alle gemeinschaftlich vom Taschengeld in einem Souvenier-Shop Andenken kaufen.
Essenszwang, Toilettenverbot, Demütigungen, Verschliessen aller persönlicher Gegenstände usw. hat den Aufenthalt zu alles anderem als Erholung gemacht. Endlich gibt es ein Forum, dieses Thema anzusprechen und aktiv zu werden.
